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Europäisches Sklavenleben. Zweiter Band

Friedrich Wilhelm Hackländer: Europäisches Sklavenleben. Zweiter Band - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Hackländer
titleEuropäisches Sklavenleben. Zweiter Band
publisherVerlag von Carl Krabbe
year1885
firstpub1854
illustratorArthur Langhammer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131110
projectid3c7e02da
wgs9110
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49. Reiche und arme Leute

In dem Hause des Kommerzienrathes war es seit langen Jahren der Brauch gewesen, daß sich die ganze Familie am Weihnachtsabend zur Bescheerung dort versammelte. Als dies eingeführt wurde, hatte man auch an zukünftige Kinder gedacht, und sollten diese von der ganzen Familie ebenfalls mitgebracht werden. Nun aber beschränkte sich die Nachkommenschaft auf die beiden Sprößlinge des Doktors, welche wohl in den ersten Jahren erschienen, dann aber wegbleiben mußten, weil es, wie Marianne versicherte, ihren Mann, den Herrn Alfons, nie so schmerzlich berühre, daß er selbst keine Nachkommen habe, wie an diesem Abend, wo er die Lust und das Vergnügen der anderen mit ansehen müsse. Der Doktorin war es schon recht, daß sie ihre Kinder nicht mehr mitzubringen brauchte, denn hiedurch hatte sie nun auch zuweilen einen Vorwand, um zu Hause bleiben zu können.

Daß durch diese Maßregel die Weihnachtsabende im Hause des Kommerzienraths an großer Heiterkeit gewonnen, wollen wir gerade nicht behaupten. – Im Gegentheil! Die lustigen Kinderstimmen hatten anfangs doch einige Abwechslung in die feierliche und manchmal frostige Unterhaltung gebracht.

Die alte Räthin, welche die ganze Bescheerung, wie überhaupt fast Alles im Hause, leitete, ließ für jedes ihrer Kinder – darunter war diesmal auch der Schwiegersohn verstanden – einen sehr hübschen Baum machen, vor welchem ein Tischchen stand, worauf die Geschenke ausgebreitet waren.

Diese Bescheerung wurde im Wohnzimmer der Räthin abgehalten, und wenn Alles bereit war, so setzte sie sich in ihre Sophaecke, läutete nach einiger Zeit mit der Klingel, der Bediente öffnete die Thüre und die Kinder traten herein.

Der Kommerzienrath zählte sich an solchen Abenden auch mit darunter, und er war es in der That allein, der seine Freude noch mit einem gewissen Anflug von Kindlichkeit kundgab. Gewöhnlich blieb er wie geblendet unter der Thüre stehen, und rief fast jedesmal aus: »Ah! das übertrifft heute alle früheren Jahre! – unbedingt alle früheren Jahre! Mama, du hast wahrhaft verschwendet in vergoldeten Nüssen und Wachskerzen. – Kinder,« fuhr er dann lustig fort, nachdem er seiner Frau dem Herkommen gemäß zuerst die Hand geküßt, »bedankt euch bei Mama, denn die Tische scheinen mir sehr schön besetzt zu sein.«

Jedes wußte, wo sein Platz war, und nachdem Alle dort die meistens sehr schönen Sachen flüchtig übersehen, folgten sie dem Beispiel von Papa und küßten der Kommerzienräthin ebenfalls die Hand.

Die Bescheerungen bestanden für die Damen aus schweren seidenen Stoffen zu Kleidern und Mänteln, oder aus kostbaren Schmucksachen, aus bisher noch fehlenden Stücken zum Silbergeschirr, aus einem Fußteppich, aus Bronzegegenständen aller Art oder aus Stickereien. Letzterer Artikel aber wurde von Jahr zu Jahr seltener.

Arthur, als der Jüngste, erschien natürlicherweise auch zuletzt, um Mama die Hand zu küssen, doch blickte die Räthin, als er heute vor sie hintrat, wie unabsichtlich in den leeren Raum hinaus, und mit ihrer Hand, statt sie dem Sohne darzureichen, faßte sie das Sacktuch und führte es an die Lippen, da sie gerade leicht hustete.

Der Maler ließ sich aber durch dieses Zeichen einer fortdauernden Ungnade nicht abschrecken, sondern wartete geduldig eine ziemliche Zeit, bis Hand und Sacktuch wieder auf dem Tische ankamen, dann ergriff er Beides zugleich und drückte seine Lippen auf die Hand der Mutter. Die Räthin warf ihm dabei einen Blick zu, der nicht übermäßig freundlich war, aber auch nicht mehr so finster und zornig, wie er es in den letzten Tagen nach jener unglückseligen Probe der lebender Bilder gewohnt war.

»So ist's recht, Mama,« flüsterte der Kommerzienrath seiner Frau über die Schultern zu, »laß den Groll fahren; man kann doch nicht immer so fort machen; und gewiß hat Arthur sein Unrecht eingesehen.«

Die Räthin hob ihren Kopf etwas empor, die spitze Nase und die grauen Augen wandten sich ziemlich drohend gegen den Gemahl, als sie erwiderte: »Das Letztere kann ich nicht glauben, denn wenn Jemandem seine Handlungsweise leid ist, so thut man Schritte, um sein Unrecht wieder gut zu machen. Und das hat Arthur nicht gethan.«

»Aber Mama ließen mich ja seit jenem Tage nie über diese Angelegenheit zu Worte kommen, so oft ich das auch versuchte,« versetzte der Maler. »Sie wünschten ja beständig, ich solle darüber schweigen.«

»Allerdings wünschte ich das,« antwortete die Räthin, »denn alle deine Reden, die du an mich hieltest, zielten daraus hin, gegen mich den Beweis zu führen, daß du doch nicht so Unrecht gehabt und daß ich die Sache zu ernst genommen. – In solchen Fällen aber,« fuhr sie strenger fort, »besonders wo es den Anstand des Hauses betrifft, den ich nie ungestraft verletzen lasse, verlange ich, wenn dies doch einmal geschehen, daß man rückhaltslos sein Unrecht einsehe.«

»Ja, ja, Arthur,« nahm der Kommerzienrath das Wort, »und daß man sich alsdann auf Gnade und Ungnade ergibt.«

Die Räthin trommelte leise auf den Tisch, und ihre Blicke schweiften mit außerordentlicher Majestät durch das Zimmer.

»Du aber hast kapituliren wollen und sogar Bedingungen vorgeschrieben,« bemerkte Herr Alfons lachend. »Mama war so gütig, dich für den begangenen faux pas nicht sogleich vor der ganzen Gesellschaft bloßzustellen, nun aber hättest du nach der Probe die Angelegenheit mit deiner schönen Doktorin bestens arrangiren sollen.«

»Das konnte ich nicht,« sagte Arthur bestimmt; »ich mag Niemanden, am allerwenigsten meine besten Freunde, vor den Kopf stoßen. Bin ich voreilig gewesen, so thut es mir leid; aber wenn Mama die lebenden Bilder zur Ausführung bringt, so kann das Decamerone von Winterhalter in der gleichen Besetzung wie bei der Probe nicht fehlen; wenigstens ich für meinen Theil kann nichts dazu thun.«

»Wenn man aber mit dem Doktor spräche?« meinte Alfons.

»Hast du vielleicht Lust dazu?« fragte Arthur.

»Es wäre das nicht meine Sache; aber wenn vielleicht Papa –«

»Nein; ich muß für solche Kommissionen danken,« entgegnete der Kommerzienrath. »Der Tausend auch! was ich nicht eingebrockt, das esse ich auch nicht aus.«

Die Räthin hatte ihren Mund fest zusammen gezogen und schien das Gespräch ohne alle Theilnahme anzuhören; doch wer den Blick ihrer Augen kannte, wußte, daß dies nicht der Fall war.

»Die Frau hätte aber leicht merken können, wie unangenehm es Manchen der Mitwirkenden war, als du ihr so unverhofft diesen ausgezeichneten Platz anwiesest.«

»Bah!« sagte Arthur, »das freut Keine von einer Anderen, und ihr möchtet hinstellen, welchen Maler ihr wollt, er fände kein passenderes Gesicht für diese Königin, als gerade das der Doktorin F., umgeben von all' den schönen Mädchen, die wir zusammengelesen. – Ach, Mama,« wandte er sich schmeichelnd an die Räthin, »seien Sie diesmal nachsichtig, lassen Sie meinetwegen, um mit Papa zu reden, Gnade für Recht ergehen. – Denken Sie doch nach, wer hat sich eigentlich über diese Geschichte beleidigt gefühlt? – Die alte Frau v. W., die es Ihnen, Mama, nie verzeihen kann, daß Sie so prächtige Soiréen zu arrangiren im Stande sind. Und dann vielleicht die Töchter des Oberregierungsraths D. mit ihrem schlackeligen Bruder – eine hochmüthige Familie, die ja schon früher einmal mit uns im Unfrieden lebte, weil sie sich gegen uns so außerordentlich herausfordernd benommen.«

Arthur manövrirte ziemlich klug, und man sah, wie sich die Nase der Räthin bei der Erwähnung der Familie des Oberregierungsraths D, immer höher erhob. Die Anspielung auf eine Streitigkeit zwischen beiden Häusern war allerdings zutreffend und es konnte diesseits niemals vergessen werden, daß die Frau Oberregierungsräthin vor einigen Jahren in einer Soirée, als von Vorfahren die Rede war, die Frechheit gehabt hatte, zu behaupten, der Urgroßvater des Kommerzienraths sei wirklich ausübender Barbiergehilfe gewesen; wogegen derselbe in Wahrheit als wundärztlicher Gehilfe bei einem renommirten Arzte seiner Zeit fungirt haben sollte, wie die Ueberlieferungen des Hauses des Kommerzienrathes deutlich besagten.

»Also ich unterwerfe mich auf Gnade oder Ungnade,« fuhr Arthur lachend fort, »aber dann thun Sie mir für dieses Mal den Gefallen, Mama, belassen Sie die Sache, wie sie ist und bringen Sie mich nicht in den unangenehmen Fall, gegen den Doktor und seine Frau Schritte thun zu müssen, die von höchst ernsten Folgen sein könnten. – Gewiß, Mama, Ihre Soiree muß glänzend werden; man soll davon noch Jahre lang sprechen, und Sie können mir glauben, alle Bilder müssen superb gelingen, und das Decamerone wird sich nicht am schlechtesten ausnehmen.«

» Würde sich vielleicht nicht am schlechtesten ausnehmen, willst du sagen,« entgegnete streng die Räthin; »von wird kann nicht die Rede sein, da ich beschlossen habe, daß die ganze Soirée unterbleiben soll.«

»Ah! das ist etwas Anderes,« erwiderte Arthur mit kaltem Tone, indem er sich von dem Tische zurückzog; »dann habe ich freilich nichts mehr zu bitten. Verzeihen Sie, Mama!«

Es entstand jetzt eine unangenehme Pause, und obgleich sich alle Anwesenden mit dem Beschauen ihrer Sachen zu beschäftigen schienen, so hörte man doch keine Ausrufe der Freude, kein lautes gegenseitiges Mittheilen: Jedes sah stumm auf seinen Platz nieder und man vernahm während mehrerer Minuten nichts als das Picken der Standuhr oder das Knistern der kleinen Wachskerzen an den Bäumen.

»Wo ist denn deine Frau?« fragte endlich Mama ihren Sohn. – »Heute Abend hätte ich sie sicher erwartet. Soll ihr Tisch dort wieder unberührt stehen bleiben?«

»Ich muß um Verzeihung bitten,« erwiderte der Doktor, während er an das Sopha trat, »daß ich Bertha nicht schon längst entschuldigte. Die Kinder hatten ein kleines Malheur – ziemlich unbedeutend: der Tannenbaum gerieth in Brand und versengte etwas Weniges Oskars Haare. – Nun muß doch Jemand bei den Kindern bleiben, und Bertha –«

»Deine Frau als gute Mutter blieb zu Haus,« warf Alfons mit einem unangenehmen Lächeln dazwischen. »Ja, das kann ich mir denken; eine Mutter läßt ihre Kinder nicht gerne allein.«

Die Kommerzienräthin blickte ihrem Sohne forschend in die Augen und fragte darauf ziemlich theilnehmend: »Und weiter ist es nichts?«

Der Doktor schwankte einen Augenblick und war wohl versucht, die Scene, die er heute Abend mit seiner Frau erlebt, den Eltern zu schildern. Doch bemerkte er den lauernden Blick seines Schwagers und mochte nun um Alles in der Welt diesem nicht das Vergnügen bereiten, das er immer empfand, so oft er etwas Unangenehmes aus des Doktors Haushalt erfuhr.

»Es ist in der That nichts weiter,« versicherte aus diesem Grunde Eduard. »Morgen springen die Kinder wieder herum und werden schon in aller Frühe kommen, um ihre Geschenke abzuholen.«

Nachdem die Bescheerung in dem Hause des Kommerzienrathes auf die eben beschriebene Art stattgefunden, war es der Brauch, daß die Familie gemeinschaftlich ein kleines Souper einnahm. Das geschah denn auch heute; doch kalt und frostig, wie der Weihnachtsabend begonnen, endete er auch für diese reichen und in ihren Kreisen vornehmen Leute.

Der Kommerzienrath war wohl der Einzige, der sich dies nicht besonders anfechten ließ; er fand das Souper vortrefflich, sprach über die kommenden Feiertage, und fürchtete Schnee und Regen, wobei er mehrmals das Sprichwort citirte, daß grüne Weihnachten weiße Ostern brächten. Hie und da redete er auch Einiges über Politik, über das muthmaßliche Fallen und Steigen der Papiere oder über irgend eine großartige Spekulation, die hier oder dort gelungen oder mißlungen sei.

Alfons allein gab der Mutter zusammenhängende und richtige Antworten, die Uebrigen schienen Alle mehr oder minder zerstreut zu sein.

Die Räthin saß aufrecht in ihrem Stuhle und nickte jedesmal dankend mit dem Kopfe, so oft der Bediente eine Schüssel präsentirte. Sie aß nur einige Löffel Kompott und trank etwas rothen Wein mit Wasser dazu, im Uebrigen aber hustete sie oftmals in ihr Sacktuch hinein, machte auch kleine Trommelversuche, die sie aber alsbald wieder einstellte, denn das Tischtuch dämpfte jeden schönen Klang.

Am einsilbigsten war Arthur; die Unterredung mit der Mutter hatte ihn verstimmt und betrübt, das Aufgeben der Soirée mußte notwendigerweise auf das feine und richtige Gefühl der Doktorin einen peinlichen Eindruck machen. Dabei schien sich der Maler heute Abend im Kreise der Familie auch noch aus anderen Gründen sehr unbehaglich zu fühlen und sich sobald als möglich hinweg zu sehnen. Er soupirte mit außerordentlicher Hast, ohne deßhalb den Gang des Ganzen auch nur im Geringsten beschleunigen zu können, und dabei blickte er häufiger, als gerade nothwendig war, auf die Standuhr seinem Platz gegenüber, die, so langsam ihr Zeiger auch fortschritt, doch schon halb Zehn anzeigte. – »Spät! spät!« murmelte er ungeduldig in sich hinein.

Selbst Marianne, die oftmals bei ähnlichen Veranlassungen die Kosten der Unterhaltung allein trug, und bald mit Diesem, bald mit Jenem plaudernd, einiges Leben hinein brachte, war nachdenkend, blickte häufig starr auf ihren Teller und fuhr wie erschreckt empor, wenn sie der Papa etwas fragte. Doch war es nicht die allgemeine Langeweile, die auch sie bedrückte, sie war ja an der Seite ihres einsilbigen und oft mürrischen Mannes, sowie auch, da sie im Hause wohnte und sich viel in der Gesellschaft der Mutter befand, dergleichen schon gewöhnt. Heute Abend war etwas besonders Eigenthümliches passirt. Vor ein paar Stunden ging sie absichtslos mit leisen Schritten bei dem Zimmer ihres Mannes vorbei und sah durch die ein wenig geöffnete Thüre, daß er ein Paket Damenhandschuhe – Frauen pflegen sich darin nicht zu irren – sauber in weißes Papier einschlug, mit einer rothen Schnur umgab, siegelte und überschrieb. Anfänglich dachte sie, es sei das eine Ueberraschung für den heutigen Abend. Aber wozu dann siegeln und überschreiben, wenn man im gleichen Hause wohnt? – Sie konnte das nicht vergessen, und als sie an den Tisch trat, wo ihre Sachen lagen, war ihr erster Blick nach den Handschuhen; aber unter all den Sachen war Nichts, was jenem Paketchen ähnlich gesehen hätte. – Sie schüttelte den Kopf und konnte es nicht vergessen. –

Wenn uns der geneigte Leser freundlich folgen will, so verlassen wir das reiche Eßzimmer des Kommerzienraths, den kostbar servirten Tisch mit seinem Silbergeräthe, seinem feinen Krystall und Porzellan, und seinen verdrießlichen Gesichtern – wir verlassen es, schauen uns aber unter der Thür nach Arthur um, der, den Blick auf Mama geheftet, nicht erwarten kann, bis sie ihre Serviette hinlegen und so das Zeichen zum Aufbruch geben wird. – Wir verlassen das Haus und wandeln durch die stiller gewordenen Straßen nach der Balkengasse, wir treten in ein uns schon bekanntes Haus; doch ehe wir die Treppen hinauf steigen, wollen wir uns erlauben, einen Blick rückwärts zu thun, rückwärts in der Zeit nämlich, um zu sehen, wie unsere Freunde hier den heiligen Christabend zugebracht.

Da Herr Staiger, wie wir bereits wissen, nur zwei Zimmer bewohnte, die noch obendrein so gelegen waren, daß man durch das eine mußte, um in das andere zu gelangen, so würde es außerordentlich schwer gewesen sein, im Geheimen die Vorbereitungen zur Weihnachtsbescheerung zu treffen, wenn sich Clara nicht wie in allen Dingen, so auch hierin sehr gut zu helfen gewußt hätte. Im Vorzimmer nämlich traf sie alle ihre Anstalten; dort stand der kleine Tannenbaum, den sie für weniges Geld gekauft, und dort wurde er mit einigen Aepfeln, mit Flittergold und ein paar Kerzchen aufgeputzt und besteckt.

Damit nun diese Vorbereitungen von den Kindern nicht gesehen würden, hatte die ältere Schwester ihnen eingeschärft, stets die Augen zu schließen oder nach der rechten Seite zu sehen, wenn sie durch dieses Zimmer gingen. »Der liebe Christ,« sagte sie, »wird daran euren Gehorsam erkennen, und da er augenblicklich erfährt, wenn eines von euch hinter den Ofenschirm gesehen, so würdet ihr alsdann an Zuckerwerk und Spielsachen gar nichts finden, wohl aber eine große Ruthe, welche außerordentlich fähig ist, kleinen Kindern einen gewissen Theil des Körpers zu bearbeiten.«

Wir müssen aber auch gestehen, daß Clara für den heutigen Weihnachtsabend schon ein Uebriges gethan hatte, und sie hatte hierzu nicht einmal, wie sonst immer, ihrer eben erst erhaltenen Monatsgage zuzusprechen gebraucht; denn der Vater war vor ein paar Tagen mit einem höchst zufriedenen Gesichte von seinem Verleger, dem Herrn Blaffer, zurückgekehrt, und hatte triumphirend eine Rolle mit fünfzig Gulden auf den Tisch gelegt. Nicht nur war ihm sein Honorar bedeutend erhöht worden, sondern der edelmüthige Verleger hatte ihm auch noch von früheren Arbeiten her eine Zulage zusammengerechnet und baar eingehändigt.

Woher diese Gelder eigentlich kamen, wissen wir besser als der alte Herr und seine Tochter. – Genug sie waren da und wurden auf's Beste verwendet, was beinahe den ersten kleinen Streit seit Jahren zwischen Vater und Tochter hervorgerufen hätte. Clara behauptete nämlich, ein neuer Winterrock sei für den Vater unbedingt nothwendig, er dagegen meinte, ein Mantel für Clara sei noch viel nothwendiger; doch siegte der Oberrock, indem Clara sagte, sie halte es für eine Sünde, für die paar Gänge, die sie zu Fuß zu machen habe, das viele Geld auszugeben. Daß der Winterrock einen Hauptbestandtheil der heutigen Bescheerung bilden sollte, verstand sich von selbst.

Obgleich Herr Staiger seine Tochter Clara ohne Einschränkung alle Kassengeschäfte besorgen ließ, so hatte er doch diesmal mit pfiffigem Lächeln einige Gulden aus der Rolle für sich behalten und nach langem Zögern und nach vielen Ausflüchten seiner Tochter anvertraut, es sei doch nicht mehr als schicklich, daß er seinem Freunde Arthur, der ja am Weihnachtsabend kommen werde, etwas Weniges unter den Christbaum lege. – Von den Pelzmanchetten, die er für Clara kaufen wollte, sagte der alte lügenhafte Mann natürlicherweise nichts und freute sich wie ein Kind, daß ihm sein Betrug so gut gelungen; denn als er Arthurs Namen genannt, da hatte ihr Auge geglänzt und sie ihm zugestimmt und versichert, das sei ein ganz glücklicher Gedanke; wenn sie selbst auch – eine unbedeutende Cigarrentasche für den Bekannten ihres Vaters gestickt, so sei dies doch nicht der Rede werth und würde auf dem großen Teller allein gar zu mager, zu unbedeutend aussehen.

Als der heilige Abend herangekommen war, da wurden die Kinder zu einer Nachbarin geschickt und ihnen auf's Strengste eingeschärft, erst nach einer Stunde und zwar bei völlig eingebrochener Dunkelheit zu erscheinen. Wenn sie auch nicht zu früh kamen, so hörte man sie doch mit ungeheurer Pünktlichkeit zu der angegebenen Zeit die Treppen heraufsteigen und nach der Wohnung eilen. Clara trat ihnen aber im Vorzimmer entgegen und hielt sie auf.

»Aber wir kommen doch nicht zu früh?« versetzte das kleine Mädchen; »wir sind so lange ausgeblieben, als du es gesagt, liebe Clara.«

»Ja und jetzt möchten wir auch sehen, was das Christkindchen für uns mitgebracht hat.«

»Das wird nicht zu viel sein,« sagte die ältere Schwester, indem sie ihrem Bruder die Mütze abnahm und diese auf eine Stuhllehne hängte. »Das Christkind hat sich bei uns erkundigt, und wenn wir euch auch nicht gerade sehr verklagten, so mußten wir ihm doch Einiges sagen, weil es darnach gefragt.«

»Und was hat es denn von mir wissen wollen?« fragte der kleine Bube mit ziemlich langem Gesicht.

»Allerlei Sachen,« entgegnete Clara, »ob du folgsam und in der Schule artig und aufmerksam seiest, ob du auch gleich nachher nach Hause kommest oder ob du dich mit anderen Buben auch wohl Stunden lang auf den Schleifen herumtreibest und Schneeballen machest, ob du beim Mittagessen Alles thuest, was man dir sagt, ob du deine Suppe essest und nichts davon verschüttest und ob du ruhig sitzen bleibest und nicht zu viel sprechest.«

»Und was hast du geantwortet?«

Clara zuckte mit ernsthafter Miene die Achseln. »Ja,« sagte sie, »so lieb ich dich auch habe, Alles konnte ich nicht leugnen; doch habe ich nicht vergessen, daß du mir gestern noch versprochen, du wollest von jetzt an sehr artig, sehr lieb und folgsam sein. – Und das hat das Christkindchen gern gehört.«

»Und du meinst, es werde mir nicht böse sein, und doch etwas bringen?«

»O, ich glaube es ganz bestimmt, namentlich wenn du jetzt recht artig bist und dich mit Marie hier noch eine Zeit lang aufhältst, bis ich euch rufe; denn ihr wißt, das Christkindchen schickt heute Abend die Sachen, und erst, wenn sie da sind, kann ich sie euch geben.«

»Aber wenn es sie heute Abend erst schickt, so kommen sie ja hier durch das Zimmer und dann sehe ich sie zuerst,« meinte Karl.

»Da irrst du dich sehr,« bemerkte die kleine Marie, »es kommt drüben an's Fenster geflogen und reicht da Alles herein.«

»Aber das möchte ich einmal sehen. Clara, kannst du mich nicht rufen, wenn es geflogen kommt?«

»Nein, nein,« entgegnete lachend die Tänzerin; »das wäre noch schöner! Da dürfen keine kleinen Kinder zusehen, sonst fliegt es vorbei und bringt gar nichts. – Also wollt ihr recht brav hier auf dem Bänkchen sitzen bleiben, bis ich euch rufe?«

»Ja gewiß,« sagte Marie. »Und ich will dem Karl was erzählen, dann wartet er gerne und schläft auch nicht ein.«

»O, ich werde nicht schlafen!« versetzte bestimmt das Bübchen.

Und dann gingen die beiden Kinder miteinander zu einem Fußschemel und setzten sich darauf hin. Marie nahm die rechte Hand ihres Bruders, und dieser strampelte mit den Füßen und sagte: »Wenn das Christkind nur bald kommt!«

Clara war unterdessen mit leisen Schritten nach dem anderen Zimmer zurückgekehrt und half ihrem Vater noch ein paar bunte Papierstreifen, sowie auch ziemlich dünne Talglichtchen an dem kleinen Weihnachtsbaum befestigen. Dann holte sie all' die prächtigen Sachen hervor, mit denen die Kinder beschenkt werden sollten. Zuerst kam das Nützliche, und zwar für Marie eine neue Schürze und ein kleines wollenes Halstuch, für das Bübchen aber eine Schiefertafel, da die alte im letzten Straßenkampf zu Grunde gegangen war, ein Federrohr und ein Paar von ihm so genannte Herrenstiefel; das waren nämlich Stiefel mit Schäften, wonach er schon lange geschmachtet und die ihm sein Pathe Schuhmachermeister verehrt. Hierauf folgte das Angenehme: für das Mädchen eine Puppe, welcher die Tänzerin aus verschiedenen Lappen und Flittern, die sie in der Garderobe gesammelt, ein prachtvolles Ballkleid verfertigt hatte. Die Puppe hatte eigenes Haar und war à l'enfant frisirt; wie ihre Legion von Schwestern schaute sie ungeheuer verwundert in die Welt und hatte dazu die Arme und Füße etwas Weniges verdreht; letztere standen ungeheuer auswärts, und die Finger hielt sie nach der Art der preußischen Infanterie: den kleinen Finger an der Hosennaht. – Für Karl hatte Clara längere Zeit zwischen einer Trommel und einem Schaukelpferd geschwankt, sich aber auf Zureden des Vaters für das letztere entschieden. – »Denn,« meinte Herr Staiger, »er würde mit seiner Trommel ein schönes Gerappel machen, was meinem Onkel Tom und dem Herrn Blaffer nicht zu gut käme, und ich muß mich nun doppelt zusammennehmen, um vortreffliche Arbeit zu machen, denn ich werde jetzt in der That so anständig honorirt, daß ich täglich mit Bequemlichkeit über zwei Gulden verdienen kann. – Ich hätte nie geglaubt, daß es mir noch so gut gehen würde.«

Clara arbeitete emsig an ihrem Baum, stellte die oben genannten Sachen so prächtig auf und so schön in's Licht, daß sie in der That einen großartigen Effekt machten.

»Weiß der Herr,« sagte freundlich Herr Staiger, der, die Hände auf dem Rücken, behaglich dieser Arbeit zusah, »es geht mir heute Abend wie jenen Savoyardenknaben bei ihrer Melonenschnitte: ich fühle mich auch glücklicher als ein König; es ist das wieder ein angenehmes, liebes Weihnachtsfest, wie sie mir aus meiner Jugend her in Erinnerung sind und wie wir sie einige Male hatten, als deine selige Mutter noch lebte. – Siehst du, Clara,« fuhr er gerührt fort, »ich glaube, der liebe Gott hat mein Leben wunderbarlich geführt und gibt mir noch einen fröhlichen Abend des Lebens. Ich weiß nicht weßhalb, aber es kommt mir nun einmal so vor. – Meine Jugend war hell und glücklich beschienen, dann kamen schlimme Jahre und ich mußte lange im kalten Schatten dieses Lebens wandeln. Aber jetzt, wenn ich so den kleinen Tannenbaum ansehe, wie seine Nadeln bei jeder Bewegung spielen, und wie das Gold durch die seinen Zweige glänzt, jetzt ist es mir gerade, als stände ich auf der Höhe meines Lebens – das heißt auf der Höhe, auf welche bald die allgemeine Ruhe folgt – sähe aber vorher noch hinab in ein freundliches, von der Abendsonne beschienenes Thal; ich sehe es hinter den Bäumen stehend, wenn ich aber noch einen kleinen Schritt, noch eine kleine Spanne Zeit vorwärts schreite, so stehe ich unter den sanft rauschenden Zweigen und den leise im Abendwind säuselnden Blättern, und der herrliche Glanz einer niedersinkenden Sonne strahlt prächtig auf meinen Pfad.–Gewiß, Clara, das fühle ich; und wenn dem so wäre, so würde es mich glücklich machen um deinetwillen. – Ja, mein Kind, wenn nur ein frohes Geschick unser Leben freundlich wenden wollte, so würde ich Gott auf's Herzlichste danken und es als eine Belohnung ansehen für deine unendliche Liebe und Güte für mich alten Mann und deine kleinen Geschwister, denen du Alles bist.«

Während Herr Staiger so sprach, blickte er wie träumend und mit so glänzenden Augen, als schaue er wirklich all' das Schöne, in den Tannenbaum. Dabei aber zitterte seine Stimme und seine Blicke verdunkelten sich zuweilen seltsam, um gleich darauf ein doppeltes Licht auszustrahlen – zwei Lichtpunkte, die sich langsam über seine Wangen hinab bewegten.

Clara hielt in ihrer Arbeit inne, als ihr Vater so sprach, und ihr Ohr lauschte gläubig seinen Worten. Auch ihr Blick erweiterte sich, ihre Brust hob sich mühsam, von einem unnennbar süßen Gefühl geschwellt, einem Gefühl, das von der Phantasie des alten Mannes ausgehend, bei ihr eine andere und bestimmtere Form gewann. Sollte er vielleicht Recht haben, sollte sich der Abend seines Lebens nochmals verschönern und vielleicht noch hellern Glanz auch über sie ausgießen? – O nein! nein! das war ja unmöglich; sie mochte und konnte nicht weiter denken, denn ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen; sie legte sanft ihre Arme um den Hals des Vaters, senkte den Kopf auf seine Brust, und während sie sich darauf bemühte, ihm die Thränen von den Wangen zu küssen, bemerkte sie nicht, daß auch die ihrigen flossen.

»Wir sind aber recht kindisch,« sagte der alte Mann nach einer Pause, indem er das Gesicht seiner Tochter mit beiden Händen umfaßte und es sanft in die Höhe hob, um ihr in die schönen, edlen und reinen Züge zu sehen. »Jetzt geht es uns wieder einmal etwas gut und wir weinen wie die Kinder.«

»Aber nicht aus Schmerz, Vater,« versetzte Clara sanft, »gewiß nicht aus Schmerz. Vielleicht geht dein schöner Traum in Erfüllung, und das war der Anfang von Freudenthränen.«

»Ah! Freudenthränen sind schön! – Doch jetzt wollen wir lustig sein; bring' deine Arbeit zu Ende, damit die Kinder draußen nicht zu lange zu warten brauchen. – Aber wahr ist es: unser Zimmer ist heute Abend so behaglich, so angenehm, und mir ist dabei so wohl, ich möchte jeder Ecke, jedem Stuhl und Tisch guten Abend sagen und die Wände mit der Hand pätscheln – es ist hier so warm und wohnlich. – Und dann, was für ein kostbares Souper erwartet uns! – Ein delikater Kalbsbraten und vortreffliche Kartoffeln. Eigentlich eine Verschwendung; aber nimm dich ja zusammen, Clara, daß dir Alles gut geräth und der Braten nicht anbrennt; wir müssen unserem Gast alle Ehre anthun, und das Wenige, was wir geben, muß gut sein.«

»Meinst du, er werde auch kommen?« fragte Clara schüchtern, indem sie sich gegen den Tannenbaum wandte, um dort noch ein kleines Netz von Papier zu befestigen.

»O sei unbesorgt!« sprach Herr Staiger mit bestimmtem Tone, »er hat es mir versprochen, und was er mir verspricht, das hält er auch.«

»Ja, ja, Papa, wenn er es dir versprochen hat, so wird er auch sicher kommen,« erwiderte die Tänzerin, während um ihren kleinen Mund, den sie fest zusammenzog, ein ganz leichtes, leichtes, aber höchst liebenswürdiges Lächeln spielte.

»Da ist mir was eingefallen,« sagte Herr Staiger nach einer Pause; »wir hätten wohl mit der ganzen Bescheerung warten können, bis Herr Arthur gekommen wäre; ich glaube, es würde ihn freuen, das einmal bei uns mit anzusehen.«

»Glaubst du das in der That?« fragte eifrig das Mädchen, indem sie sich rasch herumwandte. – »Ach nein! das ist zu kleinlich für ihn; auch würden die Kinder nicht gerne so lange warten.«

»O, die Kinder warten schon, wenn wir ihnen sagen, Herr Arthur komme; sie haben ihn außerordentlich lieb.«

»Das ist wahr,« sagte nachdenkend die Tänzerin mit ganz leiser Stimme. – »Aber,« fuhr sie lauter fort, »Herr Arthur wird wahrscheinlich spät kommen. – Hat er das nicht gesagt?«

»Er meinte, es könnte bis acht Uhr reichen; sie haben natürlicherweise zu Hause auch eine Bescheerung.«

»Ah! was werden die vergnügt sein bei ihren vielen schönen Sachen!«

»Davon hängt's nicht ab, mein Kind,« entgegnete Herr Staiger. »Hoffen wir nicht auch vergnügt zu sein? Und doch sehe ich bei uns gerade nichts von Kostbarkeiten. – Also Herr Arthur versprach mir, um acht Uhr zu kommen; er meinte sich vom Nachtessen dort dispensiren zu können und freute sich sehr auf das unsrige.«

»That er das wirklich?« fragte Clara anscheinend unbefangen.

»Gewiß, gewiß,« antwortete der alte Mann; »das kannst du auch wohl sehen, daß er gerne hier bei uns ist, denn wegen der Illustrationen braucht er nicht so oft zu kommen, wie er es thut.«

»So? – glaubst du wirklich?« versetzte die Tänzerin, wobei sie sich rasch abwandte, um nach dem Vorzimmer zu gehen. Doch blieb sie wieder stehen und sagte, ohne zurückzuschauen: »Also meinst du wirklich, wir sollen mit der Bescheerung warten, bis er kommt? – Aber die Kinder werden schläfrig und ich kann sie nicht hier in's Zimmer herein nehmen, sonst würden sie ja alle meine Anstalten sehen.«

»Weißt du was,« meinte Herr Staiger, »so setzen wir uns zu ihnen in das Vorzimmer, es ist da warm genug; unser braver Ofen speit heute Abend eine außerordentliche Hitze aus.«

»Aber du mußt die Kinder vorher fragen, ob sie warten wollen; am Weihnachtsabend haben sie darüber zu bestimmen.«

»Versteht sich, aber du wirst sehen, wie bereitwillig sie sind.«

Dies war denn auch der Fall, und als die Kinder hörten, ihr lieber Herr Arthur werde kommen und an der Bescheerung theilnehmen, da waren sie sehr zufrieden und warteten gern noch länger.

»Wohl noch eine ganze Viertelstunde,« sagte das Bübchen.

Clara war in dem Zimmer zurückgeblieben und benutzte die augenblickliche Abwesenheit ihres Vaters, um auch für diesen die Geschenke aufzustellen. Sämmtliches für die Familie befand sich auf dem großen Tische; und über ein kleines Nähtischchen, das daneben stand, hatte die Tänzerin eine Serviette gebreitet; darauf lag das bewußte Cigarren-Etui neben einem kleinen, kaum fußhohen Christbaum, den Clara aus grünem Papier künstlich gearbeitet, und der mit Miniaturkerzen und Zuckerwerk auf's Freundlichste verziert war. Das Geschenk ihres Vaters für Arthur, ein kleines Feuerzeug, befand sich ebenfalls dort. Clara hatte es kopfschüttelnd betrachtet, indem sie zu sich selber sprach: »Und dafür will er über zwei Gulden ausgegeben haben? – Papa versteht aber durchaus nicht einzukaufen.«

Draußen im Vorzimmer hatte sich unterdessen Herr Staiger zu den Kindern gesetzt; das Mädchen saß auf dem Schemel und lehnte ihren Kopf an die Kniee des Vaters, der Knabe saß auf dessen Schoß und war unersättlich im Anhören der furchtbarsten Geschichten. Herr Staiger mußte die Geschichte von der schrecklichen Wasserschlange, die das Schiff auf dem Weltmeer verfolgt und jeden Tag eine neue Beute fordert, zum Gott weiß wie vielsten Male erzählen, wobei es dem Bübchen besonders um den Schluß zu thun war; denn nachdem schon sehr viele Offiziere und Matrosen verzehrt sind, wirft man ihr die ganze Schiffsapotheke in den Rachen, worauf es der Schlange plötzlich hundeübel wird und sie plötzlich stirbt.

Da nun aber dergleichen Geschichten am heutigen Abend noch sehr viele erzählt werden mußten, mit deren Wiederholung wir den geneigten Leser jedoch verschonen wollen, bitten wir ihn, während dieser Zeit mit uns auf einige Augenblicke in das Zimmer der Madame Wundel, der Staiger'schen Wohnung gegenüber, zu treten.

 

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