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Carl Sternheim: Europa - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
authorCarl Sternheim
titleEuropa
publisherLuchterhand
seriesProsa
volumeII
year1964
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140226
projectid1d642c23
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Vierzehntes Kapitel

Nach Haus zurückgekehrt, lebte Eura in einem Zustand, in dem Schmerz durch Nichtbegreifenkönnen ausgeglichen war.

In ihrem Tun konnte kein Fehler sein. Sich selbst zu messen, hatte sie am Menschen, der sie am meisten reizte, Grenzen abzustecken gesucht, ihn für das, was sie später miteinander wollten, zu begreifen, und daß seiner Männlichkeit Beginn für sie Ereignis wurde, sich überallhin so weit als möglich weiblich verhalten.

Da aber ihrer Beziehungen Schnittpunkt erst berührt war, hätte er nicht anders als durch Bruch derselben reagieren, nicht im Augenblick, da sie erst wirklich funktionell wurde, anfangen müssen, sich lebendig mit ihr zu vergleichen statt zu zürnen, daß seine plastische Starre, mit der sie wie mit schöner Puppe gespielt hatte, zerbrochen war?

Wohl hatte sie seit dem Tag in Croisset über den ihrem Tun zugrundeliegenden Trieb mit Carl nicht mehr gesprochen, nicht offenbart, wie Einsicht in Prinzipien seither bewußter geworden war, sie seine Vorwürfe für das, was er heldisch in ihr nannte, jetzt besser hätte zurückweisen können. Aber sie hatte vorausgesetzt, ein Mann, der ihr den stärksten Behauptungswillen für sich und ihr Geschlecht abgetrotzt, sie stürmisch in Betrieb gesetzt hatte, hätte bis in Unendlichkeit sich mit ihr vergleichen wollen.

Sie verstand nicht, wie Sehnsucht und Grauen, Bedürfnis in ihm, zu erfahren, wie stark im anderen Fremdes vorhanden sei, im falschen Moment zugunsten eines »entscheidenden Ereignisses« hatte versagen können, so daß er sich nun zu wissen einbildete, sie sei herzlos, unweiblich, erzeuropäisch und darum zu fliehen.

Erst allmählich begriff sie, auch wenn sie früher mit Worten sich hätte ausdrücken wollen, hätte sie es nicht gekonnt, weil, wie sie oft gemerkt hatte, im Gefühl Erlebtes, Raum Gewordenes, sprachlich nicht begrifflich war.

Sie wurde frömmer; wußte, hatte er sie nicht erraten, könne sie erst recht kein anderer verstehen und: spreche sie nicht aus, was sie irgendwie wisse, sei das Problem in ihr nicht reif, daß es wie Frucht falle und mit Welt für sich weiter gelten könne. Und sie müsse es stärker erleben.

Da sie ohne ihn kein Mittel sah, sich wirklich zu kennen, aber schloß, sie könne höchstens der Zeit echteste Verkörperung sein, war sie gewiß, sie habe auch deren Kern noch immer nicht entdeckt und müsse, bis für ein Ungefähr, das sie von ihr und ihrer Richtung wisse, der Epoche Absolutes ihr bewußt sei, undeutlich bleiben. Verhalte sie sich dann aber nach Erkenntnis, gleiche ihr und ihren Gesetzen, habe sie ihres Lebens steilste Möglichkeit erreicht und müsse bei neuer Gelegenheit auch Carl endlich von sich überzeugen.

In Zurückgezogenheit, die ihr wohltat, begann sie Eindrücke, Erinnerungen, Urteile seit frühester Jugend wieder zu prüfen und stellte deutlicher fest: dadurch habe Jetztzeit vergangener Jahrhunderte Grenzen gesprengt, daß sie von kleinen, konkreten Maßstäben, winzigen gewußten Einheiten mutig auf jäh hereinbrechende, sich immer neugebärende Unendlichkeit fortgeblickt habe; von ängstlich zärtlicher Beschäftigung mit nur sich selbst, dem für sich krüde Genießen- und Alleinseinwollen in bekanntem Raum, fort von enger Welt eigenen Körpers und seinen beschränkten Vergleichen auf grenzenlos schwangeren Makrokosmos hin, den sie aus unterschiedslosem Urstoff bestehend schließlich eingesehen habe.

Dadurch aber sei uralte Furcht des Menschen, in ein Außerihm einzudringen, es zu messen, zu besitzen, geschwunden. Vor Nahverwandtem Halt illusorisch geworden; und durch fortgesetzte geistige Überwindung, exakte Feststellung alles schon wirklich Gewordenen aber auch immer Erstmöglichen, präge jetzt der Mensch sich willentlich die eigene unbegrenzte Welt.

Aus dieser Lebenden gemeinsamen, doppelten Methode des ohne Vorurteil Insichaufnehmens und sich an alles grenzenlos Verschenkens sei umfassende Bewegtheit, gleiche Lebendigkeit für alle Menschen erst auf die Welt gekommen, die in Wegen noch differiere, aus gemeinsamen Ziel, das vom Kapital unabhängig sei, jedem Zeitgenossen sozial zu leben aber nicht nur erlaube, sondern zwingen werde.

Das von Rousseau her über Marx zu Darwinscher Anpassung bis zu Nietzsches Willen zur Macht sei der epochale Trieb zur Expansion und zum Besitz des Unendlich-Gesamten mit allen (dem nur Goethes Beschaulichkeit ausgewichen war) durch das Mittel mathematisch-kausaler Erkenntnis, der jede andere zu opfern sei.

Oder wie sie von heutiger Welt bei Däubler las:

»Die Mechanik mag sich mit der Tat vertragen,
in Maschinen treten Leidenschaften auf.«

Und vom Zeitmenschen bei den gleichen Dichter:

»Zahlenhaft hat ihn das Dasein angehalten!«

Darüber gab es als über ein vom Schicksal für die Zeit Verhängtes keine Kritik.

Da es heutige Notwendigkeit war, blieb man sich selbst Vertiefung, übrigen Aufklärung schuldig. Plötzlich glaubte Eura, da sie zu höherem Verstand Vermögen habe, ihre dringendste Aufgabe zu kennen, die ihr zugleich über immer größeren Schmerz, der ihr aus eines anderen Unverstand widerfuhr, helfen könnte: eine nachzulesende Kontrolle des geschichtlichen Prozesses, aus dem der heutige Standpunkt endlich geboren sei, müsse sie zu der Massen greifbarem Verständnis schaffen; Reihen maßgebender, historischer Zeugen für dies schon lang erkannte Ziel aus Künsten und Wissenschaften aufrufen und statt üblichen, einseitig gefälschten und betäubenden Lesestoffs, deren off märtyrerhaftes Bekenntnis zur Hirnfüllung neuer Menschheit machen. Es mit Zeitoriginalem so veröffentlichen, daß es durch ihre Zuschüsse zur Herstellung für jedermann käuflich sei.

Für Philisterschwatz, Verehrung spießbürgerlicher, Lob geschminkter Zeitlosigkeit singender Dichter und Denker aller Zeiten habe sie Kenntnis dieser rücksichtslosen Vorkämpfer neu zu bringen, aus deren, Allgemeingut gewordenem Verständnis erst praktische Arbeit zum entscheidenden Ziel der Epoche getan werden könne: jedem geistigen und Handarbeiter ganzen und wirklichen Wert seiner in diesem Sinn wertvollen mitmenschlichen Arbeit zu berechnen und zu ersetzen.

Auf Reisen müsse sie sich notwendige Übersicht verschaffen, ehe sie von Paris aus Entsprechendes unternehme.

 

Sie ging nach England, weil sie ahnte, im kritischen Augenblick gäbe es ihr stärkeren Halt als das plötzlich wieder rückständig scheinende Frankreich.

In London stieg sie in Claridges Hotel ab und sah in der Halle noch am ersten Tag ein Phänomen:

Im Sessel, mit überschlagenen Beinen saß, clean shaved im cut away mit hohem Hut und weißen Handschuhen, als sie zwei Uhr nachmittags zur Stadt ging, unbeweglich ein schlanker Gentleman und verharrte, als sie um fünf zurückkam, gleicher Haltung.

Auch in Paris und an mondänen Orten gab es Männer der Gesellschaft, die durchaus nichts taten. Aber sie bewegten sich, schlenderten durch Straßen, traten in Läden, Blumen für eine hübsche Frau zu kaufen, Absinth zu trinken, rührten grüßend Hüte, schüttelten Hände, lachten, rauchten, verbeugten sich, gaben Zuschauern das Bild wenn auch oberflächlicher Beschäftigung, so daß sie von in Fabriken Stürzenden, vom Werk Kommenden nicht sichtlich isoliert waren.

Vor diesem Mann erschrak Eura!

Trieb des Erkennens, Abmessens, Urteilens und Feststellens auch in des Proletariers Leben vorausgesetzt, mußte vor so herausfordernder Haltung im arbeitenden Menschen der Effekt ein Rausch des Hasses sein, der sich für lange Zeit irgendwohin unterdrücken ließ, dessen versetzte Dynamik aber eines Tages mit um so jäherer Sprengkraft ausbrechen müßte.

Und dieser blieb nicht der einzige man of fashion, den sie traf, sondern wo sie in London sich bewegte, traten Chesterfields smarte Nachkommen in zahllosen Exemplaren auf und blieben in träger splendid isolation, die, Gegenteil von Wundts impulsiv-fanatischer, ewig erneuter Anschauung der Außen- und Mitwelt, Umwelt als ein für allemal Ausgestandenes, Geplündertes und schon Erledigtes von sich abschied; aber durch diese blasierte Monumentalität jedermann aufzufordern schien, gleichfalls Phänomene zu verachten und Welt zu unterschiedsloser Masse in unendlichem Raum rechnerisch auszuwalzen, daß Eura vor so krasser Gleichmacherei bis in Knochen zusammenfuhr, ehe sie zu höherem Elan sich an ihr erregte.

Das könne nur ein Augenblick Respektlosigkeit vor zu lange vergötterten falschen und verbrauchten Götzen sein, ehe man echte Werte der Zeit aufstellte; und als historischer Moment sei er von allen Seiten nicht scharf genug zu fixieren.

Ja, England schien auf rechtem Weg! Nicht mehr in fieberhafter, kapitalistischer Mechanisierung stak die Nation, sondern deren Höchststufe war sichtlich erreicht und vor Wegwende allgemeines Halt und Verschnaufen. Neue Kräfte zum Aufschwung zu sammeln, schien der Engländer nach fast dreihundert Jahren wieder in sich zu verweilen, Bilanz der Vergangenheit zu machen und vor großem Ruck sich zu organisieren.

Bei aller inneren Bewegung hatte das Land für den Augenblick ein Starres, und im Geistigen besonders war jeder Brite so mit sich beschäftigt, daß Eiland unter Eilanden er dünkelhaft und für Fremdes uninteressiert schien, wie auch im Januar 1649 kein Fremder in England geahnt hätte, man würde im folgenden Monat mit melancholischem Entschluß und beherrschter Wut Revolution machen, den König absetzen, ihm schon am neunten Februar vor allem Volk mit Phlegma wie einem einfachen schuldigen Bürger den Kopf abschlagen und die neue Macht in Oliver Cromwells, des Volksbeauftragten Hände legen.

Mit jedem Tag erkannte Eura mehr, sie hatte in ihrer Schätzung recht, und es sei des englischen Menschen Ruh nur seine innere Feststellung, wieder habe er Eindrücke aus alter Wirtschaft bezwungen, und für sie wie für Totes nicht mehr fanatischen Haß, sondern nur noch metaphysischen, unüberbrückbaren Abstand zu ihnen.

So hörte sie, besah sie Hampton Court oder ein anderes Königsschloß, in dem hundert Säle, Zimmer und Menge zugehöriger Bedienung dem Gebrauch eines einzelnen gedient hatten und dienten, kein feindlich-spöttisches Geflüster der Besucher, das sie anderswo an solchen Orten festgestellt hatte, spürte nicht Wellen Ressentiment, sondern sah in Blicken kalte Konstatierung.

In Theatern, Balletten, bei denen tausend schöner Mädchenbeine für Zuschauer geschleudert wurden, hatte sie nicht das Gefühl, hier jauchzte Menge an Wesentlichem beteiligt, sondern man führe ihr gewesenen Regimes Ausschweifungen handgreiflich vor, damit, was an Luxus, Flitter, Schaumgold, nackten Nabeln, Perücken und Frauenfleisch der einzelne sich nicht hatte leisten können, er schnell noch auf gemeinsame Kosten habe und aus Kenntnis mit ihm abrechne.

Es schien, schon Gewesenes sollte noch einmal als Symbol für alle aufgezeigt und Reste in gründlichem Fanal verbrannt werden. Nicht nur litt man an sich schon Sinnloses, aber feierte es bei langem Leichenschmaus, ließ den, der noch wollte, in Trunksucht, Wucher, Verschwendung, Snobtum und besonders in zügelloser Sinneslust und Perversion schwelgen, aber man sah, er tat es kalter Hand und schaute innerlich überlegen zu.

Gerade erlebte sie Oskar Wildes päderastische Entlarvung, des Publikums und der Behörden Erstaunen über die Dummheit, sich beim Stöbern im Schutthaufen erwischen zu lassen und Anstrengungen, die jedermann machte, ihm über den Kanal zu helfen.

Neben solchen Attrappen blühte Sport als lebendiges Element ursprünglich und nicht nur als Mode oberer Gesellschaftsschichten wie auf dem Festland. Standen Klassen in England in allem übrigen sich abwägend gegenüber, in ewigen sportlichen Reibungen hatte für künftige Kämpfe Land schon gemeinsamen Körper.

Bei Mann und Weib war guter Muskel ein Wert, als Fundament für wie immer geartete Zukunft von allen Parteien vorausgesetzt.

Auf Eura machte souveräne geistige Duldung gewisser gesellschaftlicher Übereinkommenheiten Eindruck. Wie Reichtum hier als durchschaute seidene Maske, Vornehmheit und persönliche Macht als Larve anders als in Frankreich mit der Nuance » noblesse oblige« getragen wurde, man erfülle noch eine gewissermaßen lästig gewordene Pflicht, schien ihr zuerst verehrenswert, dann aber empörte sie sich für eigene Person, an im Kern Erledigtem, Bedeutungslosem teilzuhaben und beschloß, bei Rückkehr nach Paris die mit Repräsentanz für nicht mehr Gültiges verknüpften Lasten abzuschütteln, gewonnene Kraft an zeitgemäßeres Vorhaben zu wenden.

Kapital ohne für Allgemeinheit aus ihm gleich resultierender ziffernmäßiger Wirkung schien ihr verrückt, und gerade vor Werken der Kunst, in die für das Machtbedürfnis einzelner Teile Volksvermögen abgetrennt waren, ertappte sie sich, die investierten Summen in jetzige Wirksamkeit für alle Welt zu wechseln.

Traf sie Lumpenproletariat, das aus Mangel an Betriebskapital Arbeitszeit vertrödeln mußte, teilte sie Erlös aus Luxusdrucken, sächsischem Porzellan, das zwecklos bei ihr in Vitrinen stand, in Gedanken schon unter die Bedürftigen und sah sie aus flüssig gemachten Geldes Kraft wieder flink in Betrieb gesetzt.

Prostitution, die sich für Hungerlohn an- und unterbot, zerstörten Leib zu anderer Körper Zertrümmerung verfeilschte, schien ihr im Organismus zielstrebigen Gemeinschaftsaufbaus jetzt auch aus wirtschaftlichen Gründen widerlicher Wahnsinn, vermoderter Weltordnung grausamstes Rudiment, und sie wurde aus ihrem Anblick vom Morgen zur Nacht gewisser, in jeder Revolution gebühre der Verkündigung gänzlich geänderten Verhältnisses vom Weib zum Mann der erste Platz.

Aus dem dem Untergang geweihten Komplexen sah sie Spitzen besonders so als Aufputz, daß bei häufiger Begegnung ihr König und Königin aus Pappe oder Wachs schienen.

Shakespeare aber sei auf steilem Marsch in zu berechnende Unendlichkeit seinem Volk ein Prisma, durch das unübersehbare Hintergründe statt mit Zahlen in kaltem Tag mit Laune, Variation, Nuance und Buntheit lockend im Clair obscur erfüllt schienen.

Eura meinte, er habe für Engländer die Rolle wie nach Wundts Darstellung in der Novelle Goethe für Deutsche: auch er auf kahlem Plateau sei farbiger Rand. Nur spürte sie, Goethe blieb aus irgendwelchen Gründen seinen Landsleuten ferner als Shakespeare den seinen.

Wie für alles historisch Klischierte und fälschlich Vorbildliche an sich hatte sie für Shakespeare darum noch stärkere Abneigung, weil er als eine Art lockender Rückversicherung allem Fortschritt Hemmschuh sei. Zwar rede er seelischer Dynamik schon das Wort, aber in perspektivischen Gefilden häufe er Metaphern, ewig schöne Verklärungen des Hingegangenen; auch er verstopfe durch Ideale Aussicht, verführe Menschen auf den Weg aristokratischer und nicht plebejischer Sehnsüchte. Coriolan und besonders spätere Dramen, Timon, Cymbelin, der Sturm waren ihr Greuel. Von da bis zu Tassos geistig feudaler Entmitmenschung sei es wahrhaftig nicht weit.

Da sie erkannte, des Engländers Charakter liebe Behagen und hasse jähe Veränderung, fürchtete sie, Shakespeares und seiner Trabanten kritiklose Anbetung könne die Abneigung, erkannter Wahrheit dauernd entschlossen ins Auge zu sehen, bei Massen stärken und intellektuellen Mut in der Arbeiterbewegung im Sinn unerwünschten Aufschubs zügeln.

So wichtig andere Veröffentlichungen über das Land schienen, glaubte sie, man müsse zuerst mit allen Mitteln des Nationaldichters Kult angreifen, seinen Kredit durch geniales und aus Zeitumständen packendes Pamphlet vernichten.

Im ersten Impuls dachte sie, durch schmeichelhaftes Angebot Bernhard Shaw zu solchem Werk veranlassen zu können. Innere Stimme aber widerriet ihr den Plan, weil Shaw immer noch nicht genügend krasser Gegensatz zu seinem großen Landsmann sei.

Und als in Nachdenken sich ihr Herz schon mischte, wußte sie, es lebte außer Carl Wundt kein Mann, der solchen Kampf erfolgreich kämpfte, wenn er wollte. Und zu anderen Bedürfnissen hatte sie geistige Sehnsucht nach ihm.

Denn worin und wie weit sie voneinander abwichen, wieder stand bei dieser Gelegenheit fest, gemeinsam war ihnen mystisches Entsetzen bis ins Blut vor Paradigmen menschlicher Vergangenheit.

Über für den Augenblick trostlos Trennendes einte Wundt und sie panische Angst, durch Alleen schöner Denkmäler, zu denen in Reisebüchern, bei Dichtern und Historikern noch Verlockendes angemerkt stand, als Touristen zu schreiten und, statt auf unbegangenen Wegen nach allen Seiten sich neubildende Natur zu begreifen, mit Vergleichung vorgesetzter Ähnlichkeiten freies Schicksal sich verkümmern, durch Aufenthalte vor Denkmälern und Postamenten, die, Verhaue, Horizonte sperrten, sich eigenes Sein und Zukunft verstellen zu lassen.

Aber wo auch über diese Gemeinsamkeit hinaus ihre gegenseitige Fremdheit beginnen mochte – Eura glaubte, jetzt noch kein Recht zu haben, dieser Frage ihres Eigenlebens nachzuforschen, sondern sie müsse erst allgemeinere Voraussetzungen ihrer heutigen Existenz zum Wohl aller erklären.

Mit rundem Begriff Englands ging sie in ihr lange leergebliebenes Elternhaus nach Amsterdam.

 

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