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Eugen Stillfried ? Zweiter Band

Friedrich Wilhelm Hackländer: Eugen Stillfried ? Zweiter Band - Kapitel 7
Quellenangabe
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typefiction
authorFriedrich Wilhelm Hackländer
titleEugen Stillfried ? Zweiter Band
publisherVerlag von Adolph Krabbe
seriesF. W. Hackländer's Werke
volumeElfter Band
printrunZweite Auflage
year1863
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
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Sechsundzwanzigstes Kapitel.

Enthält Unterredungen in der Küche gemüthlicher und wehmüthiger Art.

Seitdem Madame Schoppelmann aus dem Küchenbuche des Stillfried'schen Hauses als Lieferantin ausgestrichen worden, versank Martha, die Köchin, in eine gelinde Schwermuth. Sie hatte anfänglich geglaubt, hinter den Augen der Staatsräthin doch noch von der dicken Gemüsehändlerin das Nothwendigste und Beste beziehen zu können, und hatte auch in dieser Richtung einen Antrag an sie gestellt, den aber Madame Schoppelmann mit Verachtung von sich wies. »Wenn ich Eurer Dam' nicht mehr gut genug bin und nicht mehr Eurer Frau in's Haus kommen soll, so bin ich dagegen viel zu stolz, um mich durch die Hinterthüre zu schleichen. Für Euch thut es mir leid,« setzte sie halb gerührt zur Köchin hinzu; »aber das kann ich Euch versichern, Eure Frau oben wird noch viel darum geben und einstens noch einmal sehr froh darüber sein, wenn die Frau Schoppelmann wieder kommt und ihr einen guten Tag wünscht. – Genug davon! Euer Haus ist ein respektables Haus, das wird kein Mensch läugnen, aber es gibt noch viele dergleichen, noch recht viele ähnliche. Aber – nun ich will mich nicht selbst loben, und doch kann ich es mit Stolz sagen – es gibt in der hiesigen Stadt nur Eine Frau Schoppelmann.«

Und darin hatte die Gemüsehändlerin vollkommen Recht. Die Köchin empfand dies auf's Allerschmerzlichste! Aber auch die Staatsräten selbst hatte nicht wenig unter dem Wechsel ihrer Lieferantin zu leiden. Wir können es leider nicht verschweigen, daß die alte Dame seit jenem Tage lauter mangelhafte Diners bekam. Gute Fische kamen gar nicht mehr auf ihren Tisch; das Geflügel, statt gemästet zu sein, sah aus, als habe es krankheitshalber eine Hungerkur durchgemacht; das Gemüse war schlecht und dürftig, und von neuen, seinen Gemüsen war gar keine Rede mehr. Umsonst hatte die Staatsräthin schon einige Mal selbst, und sogar durch den Justizrath, diese Angelegenheit unten in der Küche ermahnend und warnend zur Sprache gebracht; umsonst hatte sie die Drohung ausgesprochen, wenn sich diese Geschichten da unten nicht ändern würden, so sähe sie sich in die Notwendigkeit versetzt, in ihrem Hause eine allgemeine Aenderung eintreten zu lassen – Alles umsonst. Die Familie in der Küche hatte sich gegen die Familie droben verschworen, und die Familie droben mußte nachgeben, wie das so oft in dieser Welt geschieht, wenn eine gesinnungstüchtige Dienerschaft fest zusammenhaltend gegen die Herrschaft conspirirt.

»Sei Sie vernünftig!« sagte der Jakob zur Köchin; »lass' Sie es jetzt in dieser Geschichte genug sein; am Ende wird Sie doch noch und wir alle mit Ihr den Kürzeren ziehen müssen. Mach Sie bessere Einkäufe für den Tisch droben. Der Teufel auch! wenn ich die Staatsräthin wäre, ich hätt's schon lange geändert.«

»Ja, ja,« fügte der Kutscher hinzu (er saß auf seinem alten Platz unter der Schwarzwälderuhr und putzte ein paar Steigbügel, die sehr rostig geworden waren, da sie Niemand – Gott weiß, wie viel Jahre lang! – gebraucht hatte), »ja, ja, jetzt lass' Sie es gut sein, Martha. Da ist noch eine andere Lieferantin, eine gewisse Frau Weber –«

»Mit der soll ich mich einlassen?« rief die Köchin und schwang ihr Schlachtmesser mit einem entsetzlichen Blick über ein paar unscheinbare Hühner, wahre Jammergestalten, die vor ihr auf dem Tische lagen. »Zu dieser Weber sollte ich gehen?« wiederholte sie; »zur Todfeindin der Frau Schoppelmann? Nie!«

Martin nahm eine Prise und machte die Schnalle an einem Steigbügel, den er geputzt, laut lachend in den Riemen. »Das Weibervolk ist unverbesserlich!« sagte er alsdann. Und Jakob setzte hinzu: »Und lächerlich in ihrem Hasse, wie in ihrer Freundschaft. – Ja,« schloß der Kutscher, »und hartnäckig wie alte Kutschenpferde!«

Nanette, das Stubenmädchen, saß nähend in der Ecke der Küche, und da man sie, das junge, unreife Ding von sechsunddreißig Jahren, nicht zum Sprechen aufforderte, so hatte sie auch nicht den Muth, sich einzumischen.

»Ja,« rief nun wieder die Köchin laut hinaus, »es war eine brave Frau, die Schoppelmann. Aber ihr Männer habt von so etwas keinen Begriff. Fragt die Nanett' da hinten, wie man sich auf die dicke Frau verlassen konnte. Du lieber Gott auch, wie wußte die auswendig, was ich brauchte! wie konnte sie so schön mit mir überlegen!«

»Ja, das muß schon wahr sein,« erwiderte lachend Jakob, indem er die Gewichte der Schwarzwälderuhr richtete, »überlegt habt ihr lange genug zusammen. Das war immer wie 'ne Stadtrathssitzung.«

Martha hatte beide Arme vor sich auf den Küchentisch gestützt, schien auf die Worte Jakob's nicht zu achten und schaute schwermüthig zum Fenster hinaus. »An den Fingern konnte sie mir abzählen,« sprach sie nach einer längeren Pause, »was gekocht werden mußte. Ach, sie wußte besser, was gestern auf dem Tische war, als ich selber! – Schätzchen, konnte sie sagen, Ihr habt erst gestern Forellen gehabt und kleine Erbsen mit jungen Hühnern; heute muß 's was Pikanteres sein. Spargel mit rohem Schinken, vielleicht vorher ein kleines Roastbeaf und hintennach meinethalben gebackene Karpfen. Es sind vortreffliche angekommen. – So sprach sie, und darauf konnte man sich verlassen. Ach, und das Geflügel, das sie einem lieferte! Seht euch diese heppigen, miserablen Dinger hier an; und das sind fast die einzigen, die ich auf dem Markt bekommen habe. O! 's ist nicht zum Aushalten; ich werde darüber zu Grunde gehen!«

»Ich versichere Euch, Martha,« nahm Jakob nach einer kleinen Pause das Wort, »all das Geplärr' nützt Euch gar nichts. Nun ja, ich will Euch zugeben, daß es Euch etwas schwerer geworden ist, für den Tisch zu sorgen, als vorher, wo Euch so zu sagen die gebratenen Tauben in's Maul geflogen find; aber da oben ist einmal befohlen worden, die Schoppelmann solle nicht mehr in's Haus, und Ihr solltet doch die Herrschaft genugsam kennen, um zu wissen, daß da ein einmal gegebener Befehl nicht zurückgenommen wird, namentlich ein Befehl, von dem wir alle wissen, wo er sich herschreibt.«

»Das ist gerade das Traurige!« seufzte die Köchin; »ach! ich weiß das wohl.«

»Nun, wenn Ihr's wißt,« entgegnet« der alte Bediente, »so laßt Euer dummes Zeug bleiben. Wir sind einmal der Herrschaft wegen da, und die Herrschaft nicht wegen uns. Glaubt mir, es thut nicht lange mehr gut. Er macht überhaupt schon so merkwürdige Augen an uns alle hin, ich erwarte jeden Tag ein großes Gewitter, das uns allen zusammen auf die Köpfe schlagen wird.«

»Ja, ja,« meinte Martin, »es ist nicht ganz geheuer mehr. Hat Er nicht neulich gesagt: Martin, Eure Pferde werden alt, die wird man doch nächstens abschaffen müssen! Und als ich darauf entgegnete: Herr Justizrath, so alte sichere Pferde sind besser als die jungen, namentlich für eine Dame, wie die gnädige Frau, die einfach und solid gefahren sein will, und Herr Justizrath, ich trenne mich nicht von meinen Pferden –«

»Nun, was gab er da zur Antwort?« fragte der Bediente.

»Da gab er mir also zur Antwort: Dann ist es besser, wenn ihr alle drei geht.«

Hier stieß die Köchin, die sich abgewandt hatte, einen tiefen Seufzer aus, und eine jener unglücklichen Hühner fiel von ihrer mordgierigen Hand.

»Ihr wißt,« fuhr der Kutscher fort, »daß ich auf dem rechten Ohr nicht gut höre, desto besser dagegen auf dem linken. Wenn ich mich nun so recht schief vorn auf den Bock hinsetze, und wenn ich hören will, was sie in der Calesche sprechen, so entgeht mir keine Sylbe; und da war denn gestern über uns von allerlei die Rede, von Widerspenstigkeit und sträflichem Zusammenhalt, und wie das nicht mehr länger so fortgehen könne und man ein Ende machen wolle, und dergleichen mehr. Auch wurde weiter von einer Reise gesprochen, und daß man das Haus hier zuschließen könne. Das alles hörte ich, während wir draußen auf der Chaussee fuhren; dann aber kamen wir auf's Pflaster, und da rappelte der Wagen so, daß ich keine Sylbe weiter »erstand.«

»Ja, ja,« sagte der Bediente kopfschüttelnd; »dergleichen hat er wohl vor; und es wird hernach wohl so weit kommen, was aber ein großes Unglück wäre – nicht für uns, aber für diese anständige Familie. Hier, kann er eigentlich nicht viel machen; aber wenn er die gnädige Frau in einer anderen Stadt allein unter die Hand bekommt, da kann Niemand mehr helfen, und da geht das schöne Vermögen hinaus wie der Wind.« – Bei diesen Worten ließ der alte Diener den Kopf auf die Brust sinken und verfiel in tiefes Nachdenken.

Auch das zweite Huhn ließ jetzt sein junges Leben.

Die ganze Dienerschaft in der Küche war in diesem Augenblick dergestalt mit ihren Gedanken beschäftigt, daß Keines vernahm, wie die große Hausthüre, welche ausnahmsweise heute Morgen nur angelehnt war, langsam geöffnet und wieder verschlossen wurde.

»So,« sprach Martin, der Kutscher, »jetzt sind meine Bügel wieder blank geputzt, jetzt können sie nichts Besseres thun, als wieder nach und nach rostig werden.«

»Dann bleibt Ihr auch in der Uebung,« sagte Jakob, »mit dem Putzen nämlich.«

»Ach, ich putze meine Eisen selbst sehr gern,« entgegnete der Kutscher, »wenn es nur einen vernünftigen Grund hätte. Aber sie sind nichts in dem Hause hier; ich versichere Euch, ein Kutscher wie ich, der muß hier ganz versauern, da in kurzem Trab die Calesche herumfahren, das ist ein ekelhaftes Geschäft; ich weiß gar nicht mehr, wie es einem zu Muthe ist mit zwei Pferden in der Hand, die einem etwas zu schaffen machen, die in die Zügel hineingehen und die man ein Bischen zu halten hat. – Pfui Teufel! Da sind meine beiden Braunen; die wären heute noch schneidig, wie das Donnerwetter; aber die sind von dem ewigen Schrittfahren ganz rostig geworden. Nein, ich versichere Euch, ich werde mich nächstens an eine Droschke vermiethen.«

»Und ich mich an ein Speisehaus, wo man für sechs Kreuzer kocht,« sagte ingrimmig die Köchin.

»Ja, wir kämen noch durch die Welt,« meinte der alte Jakob; »aber was fangen wir mit der Nanett' da hinten an? So ein junges Ding kann nicht für sich allein sorgen.«

»Ja, ja, sehr verwöhnt ist sie hier in dem Hause geworden,« meinte Martha.

»Vor allen Dingen,« setzte Jakob hinzu, »müßte man dem Kind eine gute Anstellung verschaffen.«

Der Kutscher hielt seine beiden Steigbügel in die Höhe und ließ sie in dem Lichte, das schräg zur Küchenthüre herein fiel, funkeln; dann ließ er sie zusammenklingeln, und dabei verzog sich sein Gesicht zu einem trüben, melancholischen Lächeln. »Was könnte das Haus sein!« sagte er dann nach einer Weile; »sechs Pferde im Stall wäre eine Kleinigkeit, darunter ein paar famose Reitpferde, und die schönen alten Sättel darauf, die wir haben, und hier die Steigbügel daran. O, es ist sehr traurig! Warum ist doch der junge Herr nicht bei uns geblieben! Da wär's schon ein anderes Leben, und ich führte ihm seinen schönen Rappen heraus und hielt ihm so den Bügel. – Ah!«

»Ja, das wäre schön,« meinte dann die Köchin, »und dann gäbe es Einladungen und große Diners.«

»Auch vielleicht Bälle,« setzte Nanette, das Kind, hinzu.

»Nicht so übel,« sprach Jakob; »und das Silberzeug käme dann wieder aus seinem Gefängniß heraus. Freilich, freilich, hier in dem Hause könnte Vieles anders sein, und ich habe immer die Hoffnung, daß es noch einmal anders wird. Man muß an nichts verzweifeln; alles das kann noch einmal wieder gut werden.«

»Dazu sage ich Amen!« ließ sich jetzt plötzlich eine Stimme hinter der Küchenthüre vernehmen; und wenn diese Einmischung in ihr vertrauliches Gespräch die Dienerschaft an und für sich schon bedeutend aufschreckte, so war ihre Bestürzung, ihr Erstaunen, ihre Verwunderung noch ungleich größer, ja, gar nicht zu beschreiben, als sie nun aufblickten und den erkannten, der ihnen dieses Amen zugerufen.

Hinter der Küchenthüre stand nämlich Niemand anders, als der junge Herr Eugen Stillfried, der die Gruppe vor sich lächelnd betrachtete. Die allgemeine Aufregung, die nun bei diesen guten Leuten einer momentanen Erstarrung folgte, war ebenso ergötzlich als rührend. Martha half sich mit dem Hauptattribut ihres Geschlechts, der Schürze nämlich, aus der Verlegenheit heraus und in die Rührung hinein, indem sie einige wirkliche Thränen abtrocknete. Martin, der Kutscher, der schon glaubte, die Zeiten haben sich nach seinen Phantasien umgeändert, wolle ein kräftiges Hurrah! ausstoßen, doch verschloß ihm die Hand Jakob's, des Ruhigsten und Bedächtigsten von Allen, den Mund; auch war dieser Letztere der Einzige, der den so unerwartet Eingetretenen bewillkommte und begrüßte. Nicht als ob Jakob in diesem außerordentlichen Momente nicht ebenfalls ergriffen gewesen wäre; seine Stimme zitterte, als er den jungen Herrn begrüßte, und seine Augen hatten einen seltsamen Glanz.

Eugen reichte jedem der Anwesenden die Hand, sogar das kindliche Stubenmädchen ging hiebei nicht leer aus; und da dieselbe von der alten Martha, welche in Einem fort Thränen der Rührung weinte, mit angesteckt wurde, so verhüllte sie ebenfalls ihr Gesicht, so daß sich Martin am Ende auch nicht mehr halten konnte, sein breites Maul grinsend zu verziehen. Kurz, es war eine Scene des conservativ-legitimsten Entzückens.

»Ich freue mich in der That sehr,« sagte Eugen nach einer Pause, »daß Ihr meiner noch zu gedenken scheint. Was mich anbetrifft, so habe auch ich wahrhaftig Keines von Euch vergessen.«

»Und jetzt bleiben Sie wieder bei uns?« schluchzte die Köchin; »ach, das wären Freudentage für uns alle!« – Bei diesen Worten schauten die anderen alle auf den jungen Herrn des Hauses.

»Hiezu kann ich leider nicht Ja sagen,« entgegnete dieser; »ich will nicht geradezu glauben, daß es eine Unmöglichkeit sei, aber – nun, vorderhand bin ich wenigstens daher gekommen, um meine Mutter zu sprechen.«

»Ah!« rief Jakob mit freudestrahlendem Gesicht.

»Und was meinst du nun?« fuhr Eugen zu dem alten Diener gewendet fort, »willst du mich bei der Madame melden? oder soll ich so ohne Weiteres zu ihr hinaufgehen?«

Jakob zuckte die Achseln und sann einen Augenblick nach. »Das ist wahrhaftig schwer zu sagen,« meinte er nach einer Weile! »die gnädige Frau werden mit jedem Tage verdrießlicher und abstoßender; mein Rath wäre, daß Sie geraden Weges hinauf gingen und zu ihr in das Zimmer träten; denn, wenn ich Sie vorher anmelde, so muß ich leider gestehen, daß ich im Voraus überzeugt bin, sie wird Sie unter keiner Bedingung empfangen.«

»Das ist sehr traurig,« Versetzte Eugen, und ein Schatten flog über seine hellen, freundlichen Züge. Doch tilgte er ihn mit der Hand hinweg und sagte leise seufzend: »nun, ich konnte das im Grunde nicht anders erwarten, Hab's mir auch selber gedacht, und ich glaube, du hast Recht. Gehen wir hinauf und versuchen wir in Gottes Namen unser Heil! – Euch,« wandte er sich an die Uebrigen, »sehe ich später schon wieder; und ich habe mich recht sehr gefreut, wie ich bemerkt, daß es Euch wohl geht.«

Martha sowie der Kutscher konnte« sich nicht enthalten, ihren jungen Herrn bis an die Treppe zu begleiten, und als er hinaufstieg, setzte sich die Köchin, die alte Person, auf die unterste Stufe der Treppe und weinte bitterlich. Ja, sie hatte das Haus noch in seinem Glanze gekannt, sie wußte sich noch des Tages zu erinnern, wo Eugen geboren wurde, sie hatte so zu sagen seinen ersten Schrei gehört und hatte den ersten Milchbrei für ihn gekocht, das alles ging jetzt an ihrem Geiste vorüber und stimmte sie unendlich traurig.

Martin meinte dagegen, es sei mit den Weibsleuten, wenn sie einmal in's Weinen hineingerathen, gar kein vernünftiges Wort zu sprechen, und ging deßhalb in den Stall zu seinen Pferden. Doch war er ebenfalls recht wehmüthig gestimmt, und als er in der Geschirrkammer den Sattel sah, auf welchem der kleine Eugen damals auf dem kleinen Boni geritten, so wurde ihm ebenfalls gar sonderbar zu Muthe, und er konnte seine Ruhe nur dadurch bewahren, daß er mit lauter Stimme anfing zu singen:

Nichts Schön'res gibt's auf Erden doch
Als wie ein Kutscher zu sein.

Und erst, nachdem er dieses berühmte Lied, das vierundzwanzig Verse hat, zweimal durchgesungen, ward ihm wieder wohler zu Muth, und er fühlte sich heiter.

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