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Eugen Stillfried - Erster Band

Friedrich Wilhelm Hackländer: Eugen Stillfried - Erster Band - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Hackländer
titleEugen Stillfried - Erster Band
publisherVerlag von Adolph Krabbe
seriesF. W. Hackländer's Werke - Erste Gesammt-Ausgabe
volumeZehnter Band
year1855
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Sechszehntes Kapitel.

Von des Goldkäfers letzter Brautfahrt, von den Trägern deutscher Literatur und von schlechten Dienstboten im Allgemeinen. – Ein vielseitiges Kapitel.

Dieses Nebenzimmer ist auf sinnige Art heute Abend zum Dienst der Musen eingerichtet. Da ist eine Ecke mit einem Eckdivan, vermittels vier Geranien, eines kleinen Lorbeer- und eines kümmerlichen Citronenbaumes lieblich geschmückt. Vor dem Divan befindet sich ein runder Tisch, auf demselben Wasserflaschen mit Gläsern und vor demselben so viele Stühle, als es der Raum erlaubt.

Der Divan wird von den Damen eingenommen, die Wirthin – wir müssen gestehen, nach vielem Sträuben – nimmt den Eckplatz ein und sitzt nun unter Lorbeeren und Citronen. Die übrigen Damen scheinen den Beweis liefern zu wollen, wie viel geduldige Schafe in einen Stall gehen, und haben sich deßhalb auf dem Divan entsetzlich zusammen gepreßt. Die Herren sitzen auch nicht viel behaglicher; denn um den Geist recht frisch und regsam zu erhalten, scheint der Körper absichtlich kasteit zu werden, und die Kasteiung hier besteht in unsäglich kleinen Stühlen, auf welchen man sich nur durch ein geschicktes Balanciren aufrecht zu erhalten vermag. Wehe dem Unglücklichen, der unter dem Vorwande, er dächte mit geschlossenen Augen über all' das Schöne hier nach, einen kleinen Schlaf riskirte! Er würde unfehlbar beim geringsten Räuspern seines Nachbars unter den Stuhl fallen.

Aber wie kann auch hier von Schlaf die Rede sein, hier, wo alles Materielle verabschiedet ist, wo nur der Geist mit glänzendem Flügelschlage dahin rauscht? –

Rosa Immergrün sieht sich mit leuchtenden Augen und triumphirend um in dem Kreise ihrer heutigen Anhänger. Was die Residenz an Talenten besitzt, an wirklichen Talenten in den verschiedensten Fächern der Kunst, das ist hier um sie versammelt. Wessen Herz beginnt nicht schneller zu schlagen, wenn es diese Namen nennen hört? Dort unser genialer Wolfssohn, der Verfasser mehrerer klassischen Romane; dort Löwenthal, unser großer Löwenthal, um so größer als Dichter und Mensch, da er bis heute von seinen Werken nur gesprochen hat und noch nichts erscheinen läßt, fürchtend, eine übereilte Arbeit zu liefern; neben ihm der unvergleichliche Smaragdstein, unser großer Lyriker; an seiner Seite der zarte Goldenstein; dort Abendstein, der Lustspieldichter; hier Morgenstein, der Componist; an seiner Seite unser vielgenannter Silberstein, der größte Maler seiner Zeit, Deutschlands Stolz und Deutschlands Hoffnung. Leider sehen wir uns genöthigt, auch andere Namen neben diesen volltönenden und herrlich klingenden zu nennen. Wir sagen: leider! denn, wie kann ein einfacher Name, wie vielleicht Müller, Schmidt, Früh, Spät, Groß oder Klein, hier genannt werden, wie kann er an der Mitwelt anklingen, neben den gewaltig dahin rauschenden, wie Smaragdstein, Goldenstein, Abendstein, im Gefunkel der Edelsteine, im Klange der Metalle, im Glanze des Abendroths einer untergehenden Literatur?!–

Und doch sitzen auch jene anderen Herren (die mit den einfachen Namen) neben diesen und werden auch von ihnen geduldet. Warum sollten sie sie auch nicht dulden, jene armen Unbedeutenden, ja ihnen sogar hie und da einen belohnenden Blick, ein Wort der Ermunterung schenken? Werden sie deßhalb aufkommen oder genannt werden in weiteren Kreisen? gewiß nicht! das lassen schon die verwandten Edelsteine und Metalle nicht zu. Sie haben das ganze Bankgeschäft der Literatur und Kunst in ihrer Hand, und wenn sie ein Papier steigen lassen, so sind es Wolfsohn'sche oder Smaragdstein'sche dreieinhalbprocentige und ähnliches schlechtes Papier; aber nach etwas Gediegenem von einem anderen Christenmenschen ist auf dieser Papierbörse wenig Nachfrage.

Wir erschrecken über diese Gedanken, die wir soeben leichtsinniger Weise niedergeschrieben, und können uns nur damit entschuldigen, indem wir der Wahrheit gemäß sagen, daß wir sie einem der Gäste abgelauscht, einem jungen Manne mit seltenem blonden Haar und Bart, selten in diesem Cirkel, der etwas zurückgezogen aus dem Kreise dieser großen Männer Deutschlands sich so bequem wie möglich in einem kleinen Fauteuil niedergelassen hatte.

Dieser junge Mann war, aber Niemand anders, als unser Bekannter, Eugen Stillfried, der sich eigentlich hier vorkam wie Saul unter den Propheten. Wir wissen überhaupt nicht, weßhalb die Majorin ihn mit einer Einladung beehrt hatte; aber er war beehrt worden und in Folge dieser Einladung hier. So viel ist gewiß, daß Eugen Stillfried nicht als zum ästhetischen Thee gehörend betrachtet zur heutigen Gesellschaft gekommen war; wir vermuthen etwas Anderes. Die Majorin, neben dem, daß sie Gattin war, war auch Tante, Tante von zwei in bester Blüthe stehenden Jungfrauen, die nach Erlösung aus diesem Stande aufrichtig schmachteten. Und als solcher Erlöser schien nun Herr Eugen Stillfried mit seinen zehntausend Gulden Revenuen eine äußerst passende Person, und es verlohnte sich schon der Mühe, wenigstens einen Versuch zu machen.

Eugen war ganz unbewußt in jenes Nebenzimmer getreten und hatte auf diese Weise den ästhetischen Kreis um drei Mitglieder vermehrt, indem darauf auch die beiden Jungfrauen sich heute Abend gedrungen fühlten, etwas tiefer in die Literatur einzugehen.

Rosa Immergrün betrachtete mit leuchtenden Blicken die glänzende Versammlung auf den kleinen Stühlen um den runden Tisch und sagte nach einer längeren Pause: »Wie freue ich mich, daß Sie so zahlreich sind! Nur eine einzige Blüthe fehlt in diesem duftigen Kranze – unser guter Seeligstein. Lieber Wolfssohn, haben Sie Nachricht von unserem theuren Freunde?«

»Indirekte, gnädige Frau, nur durch sein köstliches Buch, das mir vor acht Tagen von dem Verleger zugeschickt wurde,« antwortete Herr Wolfssohn, ein kleiner, dicker Mann mit schwarzem Bart, kohlschwarzem Haar und einer grünen Brille. »Ein köstliches Buch!« wiederholte er; »ein großes Buch!«

Und dabei blickte er aufmerksam im Kreise umher, als wollte er erforschen, ob sich Jemand unterstehe, anderer Ansicht zu sein.

»Es ist lange nichts so geschrieben worden,« sagte Herr Silberstein, »so frisch, so lebendig, mit so pikanten Schilderungen, nichts, was sich so zur bildlichen Darstellung eignet. Der vortreffliche Seeligstein hat uns Malern einen wahren Schatz damit gegeben. Jedes Kapitel ist ein großes Gemälde, jede Seite ein reizendes Bild. Ich werde eine Reihe Illustrationen daraus bearbeiten.«

»'s ist ein großer Mann, dieser kleine Seeligstein!« sprach Morgenstein; »welche vortreffliche kleine Lieder er in die Erzählung verwebt hat! Ich habe schon angefangen, einige davon zu componiren.«

»Wir können uns in der That glücklich schätzen,« sagte die immergrüne Rosa, »daß er längere Zeit zu unserem Kreise gehörte.«

»Apropos, gnädige Frau,« nahm Wolfssohn das Wort, »haben Sie das neue Buch des Herrn Herder schon bekommen?« – Herder gehörte natürlicher Weise nicht zu dieser Koterie und wurde deßhalb »Herr« genannt. Bei Freunden und Bundesbrüdern begnügte man sich in der Regel mit einem einfachen Prädikat, z. B. unser trefflicher Silberstein, unser großer Wolfssohn, unser berühmter Morgenstein. – »Herr Herder schrieb dieses Buch im vergangenen Winter.«

Wir müssen uns hier erlauben, noch den geneigten Leser darauf aufmerksam zu machen, daß man bei seinen Freunden selten den Ausdruck »schreibt« anwendet; man sagt blos bei Fremden wie eben geschehen: »Herr N. schreibt oder läßt erscheinen;« von Freunden sagt man dagegen z. B.: »Unser vortrefflicher Abendstein arbeitet in diesem Augenblicke an einem fünfaktigen Lustspiele, und diese gediegene Arbeit wird bei seinem demnächst erfolgenden Erscheinen einen unerhörten Erfolg in ganz Deutschland haben; wir erlauben uns dabei zu bemerken, daß die letzte Arbeit dieses Hauptträgers der deutschen Literatur à 25000 Exemplaren verkauft wurde.«

»Ja, freilich ist das Buch im Winter geschrieben worden,« meinte Herr Silberstein; »dafür ist es aber auch sehr kalt ausgefallen.«

»Ich habe es nicht gelesen,« sagte Rosa Immergrün, »man hat nicht Zeit für alles, was gedruckt wird. Aber Sie, lieber Wolfssohn, Sie, der Sie auch dem Geringsten in der deutschen Literatur Aufmerksamkeit schenken, werden gewiß etwas Näheres über das Buch wissen.«

Wolfssohn setzte sich so fest wie möglich auf seinen kleinen Stuhl, drückte seine blaue Brille etwas näher an die Nase und sprach: »Es liegt ein Buch vor uns, dessen Verfasser man poetisches Talent nicht absprechen kann. Derselbe hat soweit die Sprache in seiner Gewalt, daß man, ohne an bedeutende Härten zu stoßen, die Seiten mit einiger Behaglichkeit zu durchfliegen im Stande ist. Was die Erfindungsgabe des jungen Autors anbelangt, so hätten wir erwartet, hie und da den Bau irgend einer Erzählung mit größerer Wahrscheinlichkeit aufgeführt zu sehen, und wir können ihn unmöglich darum loben, daß er oftmals das gelegte Fundament so bald wieder verläßt und anstatt eines prächtigen, großartigen Gebäudes, das wir nach jenem zu erwarten berechtigt gewesen wären, ein kleines, zierliches Landhaus vor Augen führt; übrigens haben manche seiner Gestalten Fleisch und Blut, ja Lebensfähigkeit, und könnten bei veränderter Staffage als sehr gelungen betrachtet werden.«

Das Alles sprach Herr Wolfssohn so fließend und ohne Anstoß, daß es zum Erstaunen war.

»Welcher Mann!« sagte Rosa Immergrün zu einer ihrer Nichten.

»Welch gediegenes Urtheil!« rief Silberstein aus.

»Ich habe es heute schon einmal gelesen,« sagte jetzt plötzlich eine Stimme außerhalb des Kreises, die des Herrn Stillfried; »fast Wort für Wort; es ist freilich ein gediegenes Urtheil.«

Mehrere Brillen und erstaunte Herren- und Damenaugen richteten sich nach dem Sprecher, der in seiner bequemen Stellung verharrte und ruhig wiederholte: »Ja wohl, gelesen, fast Wort für Wort.«

»Und wo, wenn ich fragen darf?« fragte etwas spitzig die Majorin.

»In dem Magazin für Kunst und Literatur, gnädige Frau,« antwortete Eugen unbefangen; denn er wußte nicht, welch' schreckliches Gespenst er durch Nennung dieses Namens herauf beschwor. Das Magazin für Kunst und Literatur war nämlich vor nicht langer Zeit über ein Büchlein von Rosa Immergrün, ein zartes Gedicht in vierundzwanzig Gesängen, betitelt: »Des Goldkäfers letzte Brautfahrt,« schonungslos hergefallen und hatte Käfer, Brautfahrt und Verfasserin aufs Unverantwortlichste gegeißelt.

»Im Magazin für Kunst und Literatur?« fragte die Majorin mit dumpfer Stimme und warf, unangenehm überrascht, dem Wolfssohn einen sonderbaren Blick zu. »Und in dieses Blatt schreiben Sie?« sagte die würdige Dame und stieß dabei einen Seufzer aus, halb des Zweifels, halb ängstlicher Erwartung.

Doch Wolfssohn lächelte außerordentlich ruhig und antwortete ohne aus der Fassung zu kommen: »O dieser Gedanke, gnädige Frau! Ich sollte in jenes miserable Blatt schreiben? ein Blatt von der niedrigsten Aufführung, ein Blatt, welches lügt und stiehlt? – Ja, es stiehlt,« fuhr er mit erhobener Stimme fort und schaute ruhig und groß im Kreise umher; »ich – – ich – – ließ jenen Aufsatz im Wanderboten erscheinen, und daraus muß ihn das Magazin ohne Quellenangabe nachgedruckt haben, und das ist auf jeden Fall ein Diebstahl.«

»Verzeihen Sie, Herr Doktor Wolfssohn,« versetzte Eugen, »jener Artikel im Magazin ist kein Abdruck, sondern ein Originalartikel.«

»Mein Herr!« fuhr Jener auf, mäßigte sich aber im nächsten Augenblicke und machte eine Pantomime gegen die Wirthin, als wolle er damit ausdrücken, nur ihre Gegenwart verbiete ihm, jenem Herrn, den er übrigens gar nicht kenne, zu antworten, wie es ihm gebühre – ihn augenblicklich moralisch todt zu schlagen.

Die Majorin aber sah sich durch diese Pantomime veranlaßt, die beiden Gegner mit einander bekannt zu machen, indem sie sagte: »Herr Eugen Stillfried – Herr Doktor Wolfssohn!«

»Ah, so?« sagte der Letztere und machte eine angenehme Verneigung mit dem Kopfe.

»Sehr viel Ehre!« entgegnete Eugen, und hätte das Gespräch nicht weiter fortgesetzt, wenn nicht eine der unglückseligen Nichten, die vor Sehnsucht brannte, ein Gespräch mit Herrn Stillfried anzuknüpfen, an ihn die entsetzliche Frage gethan: »Nun, jener Artikel. Herr Stillfried?«

Doktor Wolfssohn saß wie auf Kohlen.

»Jener Artikel, mein Fräulein,« entgegnete Eugen ruhig, »ist ein Originalartikel.«

»Also doch !« rief die Majorin empört aus. »O mein Gott, Sie schreiben in das Magazin für Kunst und Literatur! Das hätte ich nimmer gedacht!«

»Von diesem schrecklichen Vorwurfe fühle ich mich verpflichtet, Herrn Wolfssohn zu reinigen,« sagte der unerbittliche Eugen. »Der fragliche Aufsatz, obgleich Originalartikel, ist nicht von diesem Herrn verfaßt; einer meiner besten Freunde hat ihn eingesandt.«

Jetzt hätte sich jeder andere Sterbliche unbedingt schämen müssen. Nicht so der große Wolfssohn. Auch kamen ihm die Herren Löwenthal, Smaragd-, Golden- und Abendstein schleunigst zu Hülfe, indem sie das Terrain verließen und auf das der Mitarbeiterschaft des schändlichen Magazins für Kunst und Literatur die Rede hinüber spielten. »Wie hatten Sie auch glauben können, gnädige Frau?« sagte hitzig Löwenthal.

»Wie wäre das auch möglich?« meinte eifrig Goldenstein.

»Ein solcher Gedanke!« lief empört Abendstein.

»Ich bin außerordentlich glücklich,« setzte Wolfssohn hinzu, »daß unser geistreicher, belesener junger Freund mich in Ihren Augen von einem so schrecklichen Verdachte gereinigt hat. Lasen Sie denn nie im Wanderboten, wie ich Ihren schändlichen Angreifer niederschlug?«

»Ich las es,« sagte Rosa Immergrün befriedigt.

»Jenen Verächter des guten Geschmackes, jenen – jenen Poesieläugner!«

Das war ein neues Wort, die Verachtung auf's Kräftigste aussprechend, voll concentrirten Abscheues, ungefähr so, wie Gottesläugner für jeden Gläubigen ist; und Doktor Wolfssohn war stolz auf diese Erfindung.

»Kennen Sie,« fragte er nach einer Pause und wandte sich an Eugen Stillfried, »kennen Sie dieses größte Werk unserer hochverehrten Freundin, kennen Sie des Goldkäfers letzte Brautfahrt?«

»Leider nein,« sagte lächelnd Eugen.

»O, gnädige Frau!« rief enthusiastisch der vortreffliche Löwenthal, »dann muß ich Sie um einen Gesang desselben bitten, nur um einen einzigen kleinen Gesang, zum Beispiel um den vierten! – Nicht wahr, Wolfssohn, es ist doch der vierte, der glaube ich, anfängt:

»Sum – sum – dum –
O holde Rose mein!
So sprach das Käferlein –
O, laß mich ein!
Ein – ein – ein!«

»Ja, ich glaube, es ist der vierte,« sagte Wolfssohn wichtig, »wenn es nicht der sechste ist. – O, gnädige Frau, nur diesen vierten Gesang.«

Rosa Immergrün, welche sich in diesem Augenblicke leidenschaftlich bestürmt sah, war im Begriffe, dem allgemeinen Drängen nachzugeben, denn sie griff still erröthend nach einem kleinen Buche, das auf dem Tische lag, roth eingebunden, mit Goldschnitt; und wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht in diesem Augenblicke in dem Nebenzimmer ein halbes Dutzend Damenstimmen laut aufgeschrieen hätten, dann heftig Stühle gerückt worden wären und Tassen verdächtig geklappert hätten, und wenn nicht der lederfarbene Zwiebel in diesem Augenblicke an der Thüre erschienen wäre und stotternd gemeldet hätte, daß die Spirituslampe umgefallen sei und die Theeserviette brenne.

»Wo ist der Major?« rief die erschreckte Hausfrau; »ruf' ihn!« worauf Zwiebel in's Nebenzimmer zurückstürzte und der Gerufene als rettender Engel erschien. Wolfssohn hatte beide Wasserflaschen ergriffen, aber man brauchte sie nicht. Der Major, der mit einem halben Hundert Donnerwetter aus dem Whistzimmer in den Salon stürzte, löschte äußerst kunstgerecht mit einer nassen Serviette die angehende Feuersbrunst, und bald hatte sich Alles wieder beruhigt.

Mochte es nun die Aufregung des eben Stattgefundenen thun, oder war es der drohende vierte Gesang von des Goldkäfers letzter Brautfahrt – genug, der ästhetische Kreis war kleiner und – reiner geworden. Eugen Stillfried zum Beispiel hatte sich leise in den Salon geschlichen, ihm nach die beiden jungen Nichten, und der Erstere fühlte sich hier außerordentlich behaglich, als es nun im Nebenzimmer begann

Sum, sum, dum!

und es war für ihn ein ebenso angenehmes Gefühl, als wenn er im trockenen Zimmer säße und mit anhörte, wie draußen der Regen niederschösse.

Im Salon waren die niederen Elemente versammelt, lauter unpoetische Naturen; alte, strenge Regierungs- und Kanzleiräthinnen, nervöse Hauptmannsfrauen, die schüchternen Gemahlinnen junger Lieutenants, die aus den Gesprächen, welche hier geführt wurden, etwas Solides zu lernen vermeinten, oder die sich eine erlaubte Cour von einigen Kameraden ihres Mannes machen ließen.

Das Feuer war, wie schon gesagt, glücklich gelöscht; der Major hatte eigenhändig auf die Brandstelle eine frische Serviette gedeckt; aber noch saßen die erschreckten Damen schweigend und nachsinnend da. Dieses Schweigen dauerte auch noch eine Zeit lang fort – es fand sich im Augenblicke kein passender Gegenstand für solch ein Dutzend spitziger Zungen und scharfer Zähne.

Da fiel von des Altans Rand
Ein Handschuh von schöner Hand
Zwischen den Tiger und den Leu'n
Mitten hinein.

Dieser Handschuh aber war nichts Anderes, als der ästhetische Kreis im Nebenzimmer, der sich in diesem Augenblicke durch übermäßiges Sumsen im Salon bemerkbar machte.

Eine alte, streng aussehende Regierungsräthin, eine große Frau mit einem sehr würdevollen Aeußern, machte eine Bewegung mit den Augen nach dem Nebenzimmer und zuckte auffallend die Achseln. Diesem folgte ein allgemeines Achselzucken, und nachdem eine ebenso würdige Kanzleiräthin durch einen Blick auf die beiden Nichten der Majorin sich überzeugt, daß dieselben in einer Ecke des Salons mit dem Herrn Stillfried und einigen jungen Offizieren lebhaft verkehrten, sagte sie leise: »Die arme Närrin da drinnen! jetzt haben sie sie wieder einmal zum Besten – und lassen sie das Gedicht deklamiren, das sie neulich drucken ließ. Der Kanzleirath versicherte, es gäbe nichts Faderes.«

»Ich habe es auch gelesen,« sagte eine alte Jungfer, »es ist kein einziger guter Gedanke drin, und entsetzliche Reime!«

Die alte Jungfer hatte früher auch zum ästhetischen Kreise gehört, ja höchstselbst geblaustrümpfelt; doch war sie jener Gesellschaft untreu geworden, weil der Herr Doktor Wolfssohn eines Tages erklärt, ein Mädchen, deren Brust noch nicht für die Liebe geglüht, sei nicht im Stande, ein warmes Gedicht zu schreiben. Sie aber war eine zweite Luna, und selbst Lucretia hätte ihr gegenüber für eine etwas leichtfertige Dame gelten können.

»Gott! wie man nur so thöricht sein kann,« nahm die strenge Regierungsräthin wieder das Wort, »und sich in solche Geschichten, wie Schriftstellerei und dergleichen einlassen, namentlich wenn man, wie unsere theure Freundin, kein Talent hiezu hat! Wie man nur auf so etwas verfallen kann!«

»Ach, die Einbildung!« sagte die Kanzleiräthin.

»Und Schmeicheleien!« setzte zart die alte Jungfer hinzu. »Da macht man einen kleinen, schüchternen Versuch und wird durch die größten Lobeserhebungen aufgemuntert, darin fortzufahren. Ich kenne das.«

»Es ist noch ein Glück, daß die Frau keine Kinder hat,« meinte die Regierungsräthin; »da müßte es eine trostlose Wirthschaft sein; denn ich kenne das jetzt schon so schlampige Hauswesen.«

»Ja, ja, wenn sie den Major nicht hätte,« sagte die Kanzleiräthin, »und der nicht die Sachen ein Bischen in Ordnung hielte, so müßte es schrecklich in diesem Hause aussehen.«

»Der Major und sein Zwiebel leisten Außerordentliches, aber es gibt Dinge, um die sich ein Mann denn doch nicht bekümmern kann, Dinge, die streng gehandhabt sein wollen; wie ist zum Beispiel ein Hausherr im Stande, die Mägde in Ordnung zu halten? Und ohne das geht es nicht.«

»Nein! – gewiß nicht! – wahrhaftig! – in der That!« tönte es von allen Seiten, und zwei Hauptmannsfrauen, die sich nicht für stark genug hielten, zu dem Gespräche über Literatur ihren Senf zu geben, und deßhalb auf dem Trockenen saßen, wurden jetzt plötzlich flott und plätscherten vergnüglich in den oben erwähnten Ausrufungen umher.

»Ja, die Mägde!« sagte die Kanzleiräthin.

»Und sie werden jeden Tag schlechter,« versetzte die Hauptmannsfrau.

»Und dabei steigen ihre Prätensionen,« bemerkte die andere.

»Und wenn man ihnen nicht alles das gibt, was sie in ihrem Uebermuthe in Anspruch nehmen, so greifen sie zu, wo sie können,« sagte würdevoll die Regierungsräthin.

Die alte Jungfer lachte krampfhaft hinaus und erzählte eine schreckliche Geschichte, wie ihr Dienstmädchen von ihrem Kölnischen Wasser genommen, um es Sonntags in das Sacktuch zu gießen, und wie alsdann die dumme Person es mit Wasser wieder aufgefüllt habe, wodurch der Rest milchweiß geworden und so die Entdeckung herbeigeführt habe.

Unterdessen hatten sich die beiden Nichten des Majors, einige Lieutenantsfrauen, in Gesellschaft junger Offiziere, ebenfalls dem Tische genähert, um an der allgemeinen Unterhaltung Theil zu nehmen.

Herr Eugen Stillfried spähte nach seinem Hute, um zur gelegenen Zeit verschwinden zu können; doch war dieses Manöver jetzt noch nicht ausführbar, da der eine Ausgang durch den ästhetischen Kreis besetzt gehalten, der andere von der Whistgesellschaft blokirt wurde.

Drinnen schien der Käfer endlich ausgesummt zu haben, da ein allgemeines Händeklatschen erfolgte, Bravo! gerufen und Stühle gerückt wurden. Die Wirthin hob die Sitzung des ästhetischen Kreises auf und hielt es für ihre Pflicht, jetzt auch die übrigen Theile der Gesellschaft mit ihrer angenehmen Persönlichkeit zu erfreuen.

Die Regierungsräthin drohte ihr beim Eintritte schalkhaft mit dem Finger und sprach mit mildem Vorwurf: »Ist es auch recht, theuerste Freundin, daß Sie sich mit wenig Auserwählten zurückziehen und Ihre Schätze nur einem kleinen Kreise mittheilen?«

»Wie lange hatte ich schon gewünscht und gehofft,« sagte die alte Jungfer mit weicher Stimme, »einmal einen Gesang Ihres vortrefflichen Gedichtes von Ihnen selbst vortragen zu hören! Und jetzt thun Sie das Alles im Nebenzimmer, und wir genießen nicht das Geringste davon. – Pfui, wie abscheulich!«

Herr Eugen Stillfried hatte sich bei diesen Reden lächelnd in einen Stuhl niedergelassen und sagte mit lauter Stimme: »Ich bin überzeugt, wenn wir uns vereint auf's Bitten legen, so ist unsere freundliche Wirthin so liebenswürdig, auch uns einige Gesänge zum Besten zu geben. – Was meinen Sie, meine Damen?«

Diese aber saßen alle erstarrt bei der Zumuthung des jungen Menschen, und athmeten erst wieder auf, als die Majorin laut ausrief: »Nein, nein, nein! gewiß nicht! ich habe jetzt unmöglich Zeit, ich kann mich des geistigen Wohles meiner Gäste in diesem Augenblicke nicht mehr annehmen, ich muß für Materielles sorgen. Mich ruft die Hausfrau!«

Damit säuselte sie in das Vorzimmer.

»Die Hausfrau ruft sie?« sagte die Regierungsräthin.

»Und ich habe doch die Stimme des Majors nicht gehört,« setzte die Kanzleiräthin in bitterer Ironie hinzu, und fuhr alsdann fort: »Wenn die Frau im Stande ist, zu beurtheilen, ob ihr eigenes Souper gut ist, so will ich gezwungen werden, Gedichte zu machen.«

Eine der jungen Nichten wandte sich in diesem Augenblicke zu Eugen mit der Frage, ob er denn die Gedichte der Tante wirklich so außerordentlich verehre, und die andere junge Nichte setzte hinzu: »Ja, das möchte ich in der That wissen, Herr von Stillfried!«

Das war nun eine Gewissensfrage, und Eugen bedachte sich einen Augenblick, wie er hierauf am besten antworten solle, als er sich dieser Mühe durch den Herrn Morgenstein überhoben sah, welcher sich auf die Lehne des Stuhles stützte, auf welchem eine der Nichten saß, und mit schmelzendem Tone sagte: »Sie sind hinreißend, Fräulein Eugenie! wahrhaft bezaubernd schön!«

Eugen nickte mit dem Kopfe und fügte hinzu: »Sehr schön.«

Der Herr Morgenstern war nun so freundlich, die beiden jungen Damen in eine lebhafte Conversation zu verwickeln, und ließ Eugen hiedurch Zeit und Muße, seinen Gedanken nachzuhängen, die schon einige Male diesen Theecirkel verlassen und in andern Regionen herumgeschweift hatten; doch hatte er sie beständig und gewaltsam zurückgerufen. Wenn er sich aber hier in diesem Kreise umsah und die gelben, neidischen Gesichter der Frauen erblickte, wie sie einander auf Wort und Blick paßten, und dazu die jungen Mädchen dieser Gesellschaft, mit blassem Teint, oftmals verwelkt, ehe sie noch gehörig aufgeblüht waren, da wandte er seine Gedanken einem gegenüber stehenden leeren Fauteuil und einem anderen Bilde zu, und freute sich in seinem Herzen, wenn er bedachte, wie prächtig sich jene volle schöne Gestalt hier ausnehmen würde, in glänzender Seide, mit flatternden Spitzen, vielleicht eine einzige dunkelglühende Camelie im schwarzen Haar. – Aber das waren Träume, die sich wohl nie verwirklichen ließen. Und das ließen sie sich auch in der That nicht, da Eugen Stillfried in seiner Gleichgültigkeit sie leider nur für Träume und Phantasieen hielt. –

Die Whistpartie am andern Ende des Appartements nahm unterdessen einen ebenso glücklichen als angenehmen Fortgang. Dieses Whist war insofern von dem englischen verschieden, als der Name Whist hier durchaus nicht beachtet und daneben bei dem Spiel unendlich viel gelacht, geplaudert und geflucht wurde. Es waren drei Tische in voller Arbeit, und man hatte glauben sollen, die zwölf Herren, die dort beschäftigt waren, seien zu einem Kriegsrathe versammelt und könnten über einen wichtigen Fall auf keinerlei Weise einig werden. So klang es in dem Vorzimmer, und wenn man näher trat, so unterschied man deutlich, daß sich sämmtliche Reden und Ausrufungen auf das Whistspiel bezogen.

Es war ziemlich warm in dem Whistzimmer; die Herren tranken auch einiges Bier und einigen Wein, woher es wohl kam, daß die Gesichter so geröthet erschienen.

Hier spielte der Major mit dem Strohmann, mit einem anderen Major und einem alten Hauptmann.

»Donnerwetter!« sagte der Gastgeber, »es ist eigentlich eine wahre Schande, was ich für niederträchtige Karten bekomme. – Da seht her! Im Blinden zwei lumpige Trümpfe und die niedrige Coeurfamilie; keinen Stich in Treff und in Pique! – Da soll einem nicht alle Lust zum Spielen vergehen!«

Der andere Major lachte übermäßig, wie die Karten aufgelegt wurden, und sprach zu seinem Partner, dem Hauptmanne: »Sehen Sie, lieber Kamerad, jetzt heult er schon wieder und hat noch nicht einmal seine Handkarte besehen. Passen Sie nur auf, er wird uns schon wieder herum holen.«

»Auch hier nichts als Schund,« rief der Gastgeber, »gewiß nichts als Schund!« Doch seine Züge, die sich einigermaßen wieder aufgeklärt hatten, straften seine Worte Lügen. »Ja wohl, ja wohl,« sagte der Hauptmann, »hier gilt's, die Ohren steif zu halten! – Coeur-Aß!«

»Ha, ha!« lachte der andere Major, »blasen Sie vom Thurm, aber lasten Sie mir nicht so bald nach!«

»Hier ist auch der König,« fuhr der Hauptmann fort. »Respekt vor Seiner Majestät!«

»Den allergrößten!« sagte der Gastgebet lächelnd, »nur nicht hier im Spiel.« Und damit patschte ein Trumpf auf die unglückliche Majestät.

»Haben Sie's gesehen?« rief der andere Major ärgerlich. »Aber, lieber Hauptmann, wie kann man eigentlich so unüberlegt spielen? Sehen Sie da einen Blinden, diese ganze Coeurblamage. Pfui, Brander, ich finde es für einen Wirth unverantwortlich, wenn er seine Gäste auf solche Art auszieht!«

»Im Gegentheil!« lachte der Gastgeber; »muß ich nicht mein Souper herausschlagen?« –

»A tout!«

Am zweiten Tische wurde viel ruhiger gespielt. Hier saßen vier stille Hauptleute, und man hörte nur gelegentlich einige Ausrufungen. Ganze Gespräche wurden hier nicht geführt.

Am dritten Tische dagegen ging es hoch her. Hier saß der Regimentscommandeur, Oberst von Hackenstein, und schrie bei jedem Trique, den er machte oder verlor, mit einer solchen Stimme, als müßte er das ganze Regiment kommandiren. Sein Partner war der unglückliche Adjutant Stifeler; und ein kurzer, dicker Oberstlieutenant, mit einem ungemein pfiffigen Gesichte arbeitete mit dem Strohmann.

Der Oberst war im Verlust und äußerst ungeduldig; er rückte auf dem Stuhle hin und her, als sitze er auf dem Sattel seines Schlachtrosses, und hiedurch wurde es dem still vor sich hin lächelnden Oberstlieutenant möglich, jeden Augenblick einen forschenden Blick in die Karten seines Vorgesetzten zu werfen. »Respekt vor den Damen!« sagte der Oberstlieutenant jetzt, indem er die Coeurdame auf den Tisch warf.

»D'rauf, d'rauf!« kommandirte der Oberst. »Attaquiren Sie, liebster Stifeler; nehmen Sie die Dame!«

»Die Tante ist mir zu stark,« entgegnete der unglückliche Adjutant kleinlaut, »ich will dem Herrn Obersten den Vorzug lassen.«

»Nicht einmal die Dame können Sie nehmen?« schrie dieser, »Sie müssen ja ein niederträchtiges Papier haben!«

»Ganz niederträchtig, Herr Oberst!« sprach traurig der Adjutant, »ich komme über die Tante nicht hinüber.«

»O Tante Palpiti!« sagte der Oberstlieutenant und lachte über seinen herrlichen Witz.

»Aber da muß man ja Alles verlieren!« rief der Oberst entrüstet: »nicht einmal den König oder ein Aß! Wie kann man sich so schlechte Karten anschaffen? – Wahrhaftig, bester Stifeler, Sie sind ein wahrer Unglücksmensch.«

»Gewiß, Herr Oberst. Aber ich will einmal mit Trumpf attaquiren.«

»Was machen Sie? um Gottes willen!« rief der Regiments-Commandeur. »Da soll doch eine Million hineinschlagen! – Sie spielen Trumpf gegen die Stärke des Feindes? – O, das ist in der That unerhört! Sie werden sehen – sehen Sie – mein König ist verloren. – Nehmen Sie mir nicht übel, bester Lieutenant von Stifeler, aber das war ungeheuer schlecht gespielt!«

Der unglückliche Adjutant gab dies stillschweigend zu und erlaubte sich nur, ein ganz klein wenig mit den Achseln zu zucken.

»Wir werden kleine Schlemm!« schrie der Oberst und sein Gesicht spielte in's Kirschrothe; »so wahr ich lebe, kleine Schlemm!«

»Mir scheint es auch so,« sagte lächelnd der Oberstlieutenant; »hier, mein Herr, sind doch die vier letzten Trümpfe, drüben Pique-Aß und zwei seine Coeur; ich habe die Ehre – kleine Schlemm!«

»Hol' Sie der Teufel!« rief der Oberst, und der arme Stifeler blickte angelegentlichst und mit einer wahren Seelenangst die Karten an, ob sich davon nichts wegdisputiren lasse.

Aber es war, wie der Oberstlieutenant gesagt, kleine Schlemm.

Dieses wichtige Ereigniß wurde den übrigen Spieltischen durch den Oberstlieutenant triumphirend mitgetheilt. – Klein Schlemm – und der Oberst gab es fluchend und schimpfend zu, wobei er alle Schuld auf den armen Adjutanten schob.

Während des Lachens, das hierüber entstand, und während des Spektakels, indem der Oberst von seinem Stuhle aufstand und sich zur Uebernahme des Strohmannes anschickte, schlüpfte Eugen Stillfried zum Spielzimmer hinaus und an die Treppe. Er wurde nur einen Augenblick von dem lederfarbenen Zwiebel bemerkt, der sich eilig an die Treppe begab, um dem Davoneilenden die Glasthüre zu öffnen. Er wurde mit einem guten Trinkgelde belohnt und zog sich mit einem tiefen Bückling in die Küche zurück, in welcher jetzt Teller, Messer und Gabeln aufs Einladendste zu klappern begannen.

Es war Zeit zum Soupiren, und wir bedauern, leider unserem Freunde Eugen folgen zu müssen weßhalb wir außer Stande sind, dem geneigten Leser auf's Umständlichste zu berichten, wie später die verschiedenen Zungen und kalten Kalbsbraten, die italienischen und anderen Salate aufs Unbegreiflichste und Schnellste verschwanden, wie Rosa Immergrün nur ein Glas Mandelmilch mit Biskuit genoß, wie der Komponist Herr Morgenstein für die beiden jungen Nichten, namentlich aber für Eugenie, sorgte, und wie der alte Oberst für die Niederlage, die er im Whist erlitten, durch eine furchtbare Zerstörung sich rächte, welche er unter den aufgestellten Schüsseln und Flaschen anrichtete.

Lieutenant von Stifeler stand, wie wir berechtigt sind anzunehmen, während des Soupers in einer Ecke, und wir glauben, daß er still vor sich hin weinte. Er hatte in Whist nicht unbeträchtlich verloren; sein Vorgesetzter hatte mit ihm gezankt, und das aufgetragene Nachtessen verschwand auf so entsetzliche Art, daß für ihn, den natürlicher Weise zuletzt Kommenden, sehr wenig übrig blieb.

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