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Erzählungen von der Eroberung Spaniens

Washington Irving: Erzählungen von der Eroberung Spaniens - Kapitel 9
Quellenangabe
typenarrative
booktitleErzählungen von der Eroberung Spaniens
authorWashington Irving
translatoranonym
firstpub1836
year1836
publisherJohann David Sauerländer
addressFrankfurt am Main
titleErzählungen von der Eroberung Spaniens
created20050709
sendergerd.bouillon
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Siebentes Kapitel.

Geschichte des wunderbaren und verhängnißvollen Thurmes.

Die Morgensonne lachte glänzend auf die klippenerbauten Thürme von Toledo, als König Roderich an der Spitze eines zahlreichen Gefolges von Höflingen und Rittern aus dem Thore der Stadt und über die Brücke zog, welche über das tiefe, felsige Bette des Tajo geschlagen ist. Der glänzende Reiterzug wand sich den Weg hinauf, der in das Gebirg führt, und kam bald in die Nähe des Zauberthurmes.

Von diesem berühmten Gebäude wissen die arabischen und spanischen Chronikenschreiber Wunder zu erzählen, »und ich zweifle sehr,« sagt der ehrwürdige Agapida, »ob viele Leser das Ganze nicht für ein scharfsinnig erfundenes Mährchen halten, das einer morgenländischen Phantasie entstammt ist; es ist aber meine Sache nicht, eine Thatsache zu verwerfen, welche von allen jenen Schriftstellern erzählt wird, welche die Väter unserer Nationalgeschichte sind; eine Thatsache, zu welcher sich überdies eben so viele Belege finden, wie zu den meisten wunderbaren Begebenheiten in der Geschichte Don Roderich's. Nur leichtsinnige und gedankenlose Geister,« fährt der gute Mönch fort, »weisen das Wunderbare übereilt von sich. Für den denkenden Mann ist die ganze Welt in Geheimniß gehüllt, und in dem Kleinsten ist Bedeutung und Sinn. Einem solchen Geiste wird der zauberhafte Thurm von Toledo als eines jener wunderbaren Denkmäler der vergangenen Zeit erscheinen, als eines jener egyptischen und chaldäischen Bauwerke, reich ausgestattet mit verborgener Weisheit und geheimnißvollen Wahrsagungen, welche aus vergangenen Jahrhunderten stammen, wo der Mensch sich noch des Verkehrs mit erhabenen und geistigen Naturen erfreute und die menschliche Voraussicht etwas Prophetisches hatte.«

Dieser seltsame Thurm war rund und von bedeutender Höhe und Größe; er war auf einen hohen Felsen gebaut und von wildem Geklipp und steilen Klüften umgeben. Das Fundament wurde von vier ehernen Löwen getragen, deren jeder größer war, als ein Reiter zu Pferd. Die Mauern bestanden aus kleinen Jaspisstückchen und vielfarbigen Marmorsteinen: keiner dieser Steine war größer, als eines Mannes Hand; allein sie waren so genau an einander gefügt, daß man, wären die verschiedenen Farben nicht gewesen, das Ganze für einen Stein gehalten hätte. Sie waren mit einer wunderbaren Kunstfertigkeit an einander gefügt, so daß sie Kämpfe und Kriegsthaten von Zeiten und Helden darstellten, die längst dahin gegangen. Die ganze Oberfläche war so bewundernswürdig geglättet, daß die Steine wie Spiegel glänzten und die Strahlen der Sonne mit einer solchen schimmernden Pracht zurückwarfen, daß das Auge des Beschauers sich geblendet wegwandte.Der genauen Beschreibung zu Folge, welche der wackere Mönch nach den alten Chroniken von diesem Thurme gibt, scheinen die Mauern von farbiger Mosaik-Arbeit gewesen zu sein. – Der Verf.

König Roderich und sein Hof kamen staunend und sich wundernd an den Fuß des Felsen. Hier befand sich ein schmaler gewölbter Weg, welcher in den Felsen gehauen war; dies war der einzige Eingang in den Thurm. Er war durch ein massives eisernes Thor geschlossen, das mit rostigen Schlössern von verschiedener Arbeit und in dem Geschmacke verschiedener Jahrhunderte, wie die Vorgänger des Don Roderich sie nach und nach daran gehängt hatten, versehen war. Auf jeder Seite des Portals stand einer der alten Wächter des Thurmes, mit den zu den Schlössern gehörigen Schlüsseln beladen.

Der König stieg von seinem Pferde, näherte sich dem Thore und befahl den Wächtern, den Eingang zu öffnen. Die grauköpfigen Wächter fuhren bei diesen Worten erschreckt zurück.

»Ach,« sagten sie, »was verlangt Euer Majestät von uns? Sollen wir das Unheil dieses Thurmes erschließen und es loslassen, daß es die Erde bis in ihre Grundvesten erschüttere?«

Auch der ehrwürdige Bischof Urbino flehte ihn an, ein Geheimniß schlummern zu lassen, das seit Menschengedenken von Geschlecht zu Geschlecht heilig gehalten worden war und in welches selbst Cäsar, als Spanien unter seiner Gewalt war, nicht einzudringen wagte. Die jungen Ritter brannten jedoch vor Eifer, dieses Abenteuer zu bestehen, und ermuthigten ihn in seiner raschen Neugier.

»Komme, was da kommen mag,« rief Don Roderich aus: »ich bin entschlossen, in dieses Geheimniß des Thurmes einzudringen.«

Bei diesen Worten befahl er den Wächtern abermals, das Portal zu öffnen. Die alten Männer gehorchten unter Beben und Bangen; ihre Hände aber zitterten vor Alter, und als sie die Schlüssel brauchen wollten, waren die Schlösser so alterrostig oder von so ungewöhnlicher Arbeit, daß ihre schwachen Anstrengungen sich vergeblich erwiesen. Die jungen Ritter drängten sich nun herzu und leisteten Hülfe. Der Schlösser waren aber doch so viele und die Behandlung derselben so schwierig, daß trotz ihrem Eifer und ihrer Stärke ein großer Theil des Tages verging, ehe man derselben bis zum letzten Meister geworden war,

Als der letzte Riegel endlich dem Schlüssel gewichen war, baten die Wächter und der ehrwürdige Erzbischof den König nochmals, einzuhalten und zu erwägen, was er thue.

»Was auch in diesem Thurm sein mag,« sagten sie, »es ist jetzt noch harmlos und unter einem mächtigen Zauber gebunden; wagt es nicht, ein Thor zu öffnen, das einen Strom von Unglück über das Land führen kann.«

Aber der Zorn des Königs war erwacht, und er befahl, daß das Portal augenblicklich geöffnet werden sollte. Vergeblich jedoch bot Einer nach dem Andern seine Stärke auf; und in gleicher Weise vergeblich vereinigten die Ritter ihre Kräfte und stemmten ihre Schultern gegen das Thor: obgleich weder Schloß noch Riegel mehr Widerstand leistete, war es doch nicht zu bewegen.

Die Geduld des Königs war jetzt erschöpft, und er trat vor, selbst Hand anzulegen; er hatte jedoch das eiserne Thor kaum berührt, so ging es langsam auf und ließ, wie es sich aus seinen Angeln drehte, ein unheilverkündendes Aechzen hören. Ein kalter, feuchter Wind, von einem wilden Klange begleitet, brach hervor. Die Herzen der alten Wächter zitterten in ihrer Brust, und ihre Kniee schlugen an einander; viele der jungen Ritter aber stürzten in den Thurm, glühend, ihre Neugierde zu befriedigen oder sich bei diesem gefürchteten Abenteuer auszuzeichnen. Sie waren jedoch kaum einige Schritte vorgedrungen, so fuhren sie, durch die verdorbene Luft oder durch irgend eine furchtbare Erscheinung überwältigt, zurück.Bleda, Chronica, cap. VII.Der Verf.

Der König befahl jetzt, Feuer anzuzünden, um die Dunkelheit zu verscheuchen und die lange eingeschlossene und ungesunde Luft unschädlich zu machen. Er schritt nun selbst in das Innere voran; allein sein Fuß schwankte und säumte, obgleich er ein Mann von starker Seele war.

Nachdem er eine kleine Strecke vorgeschritten war, kam er in eine Halle oder ein Vorgemach, an dessen gegenüberliegender Wand eine Thüre war; vor dieser Thüre stand auf einem Fußgestelle eine riesenhafte Gestalt von Bronzefarbe und von schrecklichem Anblick. Sie hielt eine ungeheure Keule in der Hand und schwang dieselbe ohne Unterlaß, wobei sie so wilde und widerhallende Streiche auf den Boden führte, daß es unmöglich war, in die Thüre einzudringen.

Der König blieb bei'm Anblick dieser schreckhaften Gestalt stehen; denn er wußte nicht zu sagen, ob er ein lebendes Wesen oder eine durch Zauberkunst gebildete Statue vor sich habe. Auf ihrer Brust trug sie eine Rolle, auf welche in großen Buchstaben geschrieben war: »Ich thue meine Pflicht.«Bleda, Chronica, cap. VII.Der Verf.

Nach kurzer Weile faßte Don Roderich ein Herz und redete sie mit großer Feierlichkeit an.

»Was du auch sein magst,« sagte er, »wisse, daß ich nicht gekommen bin, dein Heiligthum zu schänden, sondern das Geheimniß, welches es umschließt, zu erforschen; ich beschwöre dich daher, mich ungehindert vorüber zu lassen.«

Die Gestalt ließ die aufgehobene Keule ruhen, und der König und sein Gefolge schritten unbelästigt durch die Thüre.

Sie traten nun in einen großen Saal von schöner und kostbarer Bauart, welche schwer zu beschreiben ist. Die Mauern waren mit den edelsten Steinen bedeckt, welche so zusammengefügt waren, daß sie eine glatte und glänzende Flache bildeten. Das hohe Gewölbe schien sich selbst zu tragen und schimmerte von tausend Edelsteinen, welche wie die Sterne am Himmel glänzten. In dem ganzen Gebäude war weder Holz noch irgend ein anderer der gewöhnlichen und gemeinen Baustoffe zu erblicken. Kein Fenster oder andere Oeffnung ließ das Licht des Tages zu, und doch war in dem ganzen Innern ein glänzender Schimmer verbreitet, der von den Wänden wiederzustrahlen schien und jeden Gegenstand auf das Deutlichste beleuchtete.

In der Mitte dieses Saales stand ein Tisch von Alabaster, prachtvoll gearbeitet, auf welchen in griechischen Buchstaben eingegraben war, daß des Alceus Sohn, Herkules, der Thebaische Grieche, diesen Thurm im Jahre der Welt drei tausend und sechs gebaut habe.

Auf diesem Tische stand ein goldenes Kistchen, rundum reich besetzt mit kostbaren Steinen und mit einem Schloß von Perlenmutter geschlossen, und auf dem Deckel las man folgende Worte:

»In diesem Kistchen ist das Geheimniß des Thurms enthalten; Keines Hand kann es öffnen, als die eines Königs. Aber er mag sich hüten! denn wunderbare Begebenheiten werden ihm enthüllt werden, die eintreffen, bevor er aus der Welt scheidet.«

König Roderich streckte seine Hand kühn nach dem Kistchen aus. Der ehrwürdige Erzbischof aber legte die Hand auf seinen Arm und machte ihm die letzten Vorstellungen.

»Hütet Euch, mein Sohn!« sagte er; »steht ab, dieweil es noch Zeit ist. Blickt nicht in die geheimnißvollen Beschlüsse der Vorsehung. Gott hat sie in seiner Gnade unsern Augen verhüllt, und es ist gottlos, den Schleier zu zerreißen, durch welchen sie bedeckt werden.«

»Was habe ich von der Kenntniß der Zukunft zu fürchten,« versetzte Roderich mit der Miene stolzer Anmaßung. »Ist mir Gutes bestimmt, so freue ich mich dessen in der Erwartung; droht mir Böses, so werde ich gerüstet ihm entgegen gehen.«

Bei diesen Worten öffnete er rasch das Schloß.

In dem Kistchen fand er nichts, als ein zwischen zwei Kupfertafeln eingeschlagenes Stückchen Leinwand. Als er es entfaltet hatte, erblickte er darauf gemalte Gestalten von Reitern wilden Aussehens, nach Art der Araber in Turbane und vielfarbige Kleider gekleidet, mit von ihren Hälsen niederhangenden Säbeln und Armbrusten, die hinten am Sattel befestigt waren, und Fahnen und Banner tragend, welche mannichfache Verzierungen hatten. Ueber diesen war folgende Inschrift in griechischen Buchstaben:

»Unbesonnener König! sieh hier die Männer, welche dich von deinem Throne stürzen und dein Königreich unterjochen werden.«

Bei'm Anblick dieser Dinge fühlte der König seinen Muth sinken, und Furcht befiel sein Gefolge. Wahrend sie die Malerei noch betrachteten, war es, als wenn die Gestalten sich zu bewegen anfingen, und ein leiser Ton kriegerischen Lärms ging vom Tuche aus. Cymbeln klangen und Trompeten schmetterten, und man hörte das Wiehern der Kriegsrosse und das Geschrei der Heere; alle diese Töne waren aber nur undeutlich, als kämen sie aus weiter Ferne, oder als hörte man sie im Schlafe oder im Traume. Je länger sie darauf blickten, desto deutlicher wurden die Bewegungen, desto lauter der Lärm und das Getöse; und die Leinwand rollte auf und schien sich auszudehnen und gleichsam zu einer großen Fahne sich auszubreiten; und sie füllte den Saal aus und floß mit der Luft zusammen, bis von ihrem Gewebe nichts mehr sichtbar war oder das Ganze nur wie eine durchsichtige Wolke aussah; und die Schattengestalten setzten sich alle in Bewegung, und das Getöse und das Geschrei wurde wilder und wilder; und keiner der Anwesenden konnte sagen, ob das Ganze ein belebtes Gemälde oder ein Phantasiebild oder ein Heer verkörperter Geister sei. Sie erblickten vor sich ein großes Schlachtfeld, auf welchem Christen und Mahometaner im tödtlichen Kampfe begriffen waren. Sie hörten das Schnauben und Stampfen der Rosse, die grellen Töne der Trompeten und der Clarine, das Klingen der Cymbeln und das stürmische Getöse von tausend Trommeln. Man vernahm das Klirren der Schwerter und Keulen und Streitäxte und dazwischen das Pfeifen der Wurfspiese und Lanzen und das Zischen der Pfeile. Die Christen wichen zagend vor dem Feind; die Ungläubigen drangen wild auf sie und jagten sie bald vollständig in die Flucht. Die Fahne des h. Kreuzes wurde zu Boden geworfen, das Banner Spaniens mit Füßen getreten, die Luft hallte wieder von Siegesgeschrei, Wuthgebrüll und dem Aechzen Verwundeter und Sterbender. Unter den fliehenden Schaaren gewahrte Don Roderich einen gekrönten Krieger, welcher ihm den Rücken wendete, dessen Waffentracht, dessen Farbe die seinige war und der auf einem weißen Rosse ritt, das seinem eigenen Kriegsroß Orelia glich. In der wilden Verwirrung der Flucht war der Krieger abgestiegen und nicht mehr zu erblicken, und Orelia galopirte ungestüm ohne Reiter über das Schlachtfeld dahin.

Roderich konnte nicht länger verweilen, nicht länger schauen, sondern stürzte aus dem unglücklichen Saale, und seine erschreckte Begleitung folgte ihm. Sie flohen durch das äußere Gemach, wo die riesige Gestalt mit der wirbelnden Keule von dem Fußgestelle verschwunden war; und als sie in das Freie traten, sahen sie die zwei greisen Wächter des Thurmes todt am Portale liegen, gleichsam als hätte ein gewaltiger Schlag sie niedergeschmettert. Die ganze Natur, die vorher klar und heiter gewesen, war jetzt in wildem Aufruhr. Den weiten Himmel verdunkelten schwere, schwarze Wolken; laute Donnerschläge rollten daher, Blitze flammten, und Regen und prasselnder Hagel gossen ungestüm nieder.

Der König gab Befehl, das eiserne Portal zu schließen; aber das Thor war nicht auf seinen Angeln zu bewegen, und die Ritter erbebten vor dem furchtbaren Tumult und dem wilden Jubelgeschrei und Todtengeächze, das fortwährend in dem Innern des Thurmes erschallte. Der König und sein Gefolge eilten nach Toledo zurück, vom Sturme verfolgt und umtos't. Die Berge zitterten und hallten von den Donnerschlägen wieder; die Bäume wurden mit den Wurzeln ausgerissen und weggeschleudert, und der Tajo wüthete und brüllte und überströmte seine Ufer. Es war den erschreckten Höflingen, als wenn die Schattenheere des Thurmes heraus gerückt waren und sich mit dem Sturme vereinigt hätten; denn inmitten der Donnerschläge und des Heulens des Windes glaubten sie den Klang der Trommeln und Trompeten, das Jubelgeschrei der Sieger und das Wiehern der Rosse zu hören. So vom Sturme gepeitscht und von Schauer überwältigt, kamen der König und sein Geleite zu Toledo an, galopirten über die Tajo-Brücke und stürmten in wilder Verwirrung durch das Thor, als wenn der Feind ihnen im Rücken wäre.

Am nächsten Morgen war der Himmel wieder klar, und die ganze Natur der Ruhe und Heiterkeit zurückgegeben. Der König ritt daher mit seinen Rittern abermals aus und schlug den Weg nach dem Thurme ein; eine große Menge Menschen folgte dem Zuge; denn es lag ihm viel daran, das eiserne Portal wieder zu schließen und all das Unheil, das das Land zu überschwemmen drohte, in den Zauberthurm zu bannen. Aber ha! als sie des Thurmes ansichtig wurden, bot sich ihren Augen ein neues Wunder dar.

Ein Adler wiegte sich hoch in den Lüften und schien vom Himmel niederzuschweben. Er trug in seinem Schnabel einen Feuerbrand, ließ sich auf der Zinne des Thurmes nieder und fachte das Feuer mit seinen riesigen Schwingen an. Nach einer kleinen Weile stand das ganze Gebäude in hellen Flammen, als wenn es aus Harz aufgebaut gewesen wäre, und die Flammen stiegen mit einem Glanze in die Luft empor, welcher den der Sonne übertraf; und das Feuer ruhte nicht eher, als bis jeder Stein verzehrt und das Ganze nichts als ein Haufe Asche war. Dann kam eine große Schaar kleiner, dunkelfarbiger Vögel, welche den Himmel wie eine Wolke verfinsterten, und schwebten nieder und kreis'ten rund um die Asche und verursachten durch die Bewegung ihrer Flügel einen so starken Wind, daß sie in der Luft verflog und über ganz Spanien zerstreut ward, und wo das kleinste Stäubchen dieser Asche den Boden berührte, war es wie ein Blutflecken.

Ferner wird von alten Leuten und den Chronikenschreibern früherer Zeiten erzählt, alle die, auf welche der Staub gefallen, seien später in dem Kampfe getödtet worden, als die Araber das Land eroberten, und die Zerstörung dieses magischen Thurmes sei ein Wahrzeichen und Fingerzeig des herannahenden Falles von Spanien gewesen.

»Mögen alle die,« fährt der bedächtige Mönch fort, »welche die Wahrheit dieses wunderbaren Begebnisses in Zweifel zu ziehen für gut finden, die bewundernswürdigen Quellen unserer Geschichte, die Chronik des Mauren Rasis und das Werk, »der Fall Spaniens« betitelt, von dem Mauren Abulkasim Tarif Abentarique, zu Rath ziehen. Sie mögen ferner noch den ehrwürdigen Geschichtschreiber Bleda und die Masse anderer katholischer Schriftsteller Spaniens lesen, welche dieses Ereigniß zu besprechen Gelegenheit nahmen, und sie werden sich überzeugen, daß ich nichts erzählt habe, was nicht schon früher gedruckt und unter der Aufsicht und Genehmigung unserer heiligen Kirche veröffentlicht worden war. Gott allein kennt die Wahrheit aller dieser Dinge; ich erzähle nur, was mir aus alten Zeiten überliefert worden ist.«

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