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Erzählungen

Gérard de Nerval: Erzählungen - Kapitel 9
Quellenangabe
typenarrative
authorGérard de Nerval
titleErzählungen
publisherDrei Masken Verlag
editorAlfred Wolfenstein
year1921
translatorAlfred Wolfenstein
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150627
projectidc6207107
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Die Frauen von Kairo.

Zweiter Teil.
Die Sklavinnen

I
Sonnenaufgang

Welch ein sonderbares Ding ist unser Leben! An jedem Morgen, im Halbschlummer, wenn die Vernunft nach und nach über tolle Traumbilder triumphiert: – fühle ich, daß es natürlich und logisch wäre und meinem Pariser Ursprung entspräche, im Licht eines grauen Himmels zu erwachen, beim zermalmenden Lärm der Räder über das Pflaster, in einem traurig aussehenden Zimmer, zwischen kantigen Möbeln, wo die Einbildungskraft wie ein gefangenes Insekt an die Fensterscheiben stößt. Mit einem jedesmal heftigerem Erstaunen finde ich mich dann tausend Meilen vom Vaterlande entfernt und öffne langsam meine Sinne den unsicheren Eindrücken einer Welt, die der unseren ganz entgegengesetzt scheint. Da ist die Stimme des Türken, der auf dem Minaret singt, das Glöckchen und der schwere Tritt des vorbeigehenden Kamels und in Abständen sein wunderlicher Schrei; ein Rauschen und unbestimmtes Pfeifen, das die Luft, den Hain, die Mauer lebendig macht. Eine eilige Morgenröte zeichnet die vielen Ausschnitte des Fensters an die Decke. Morgendliche Brise, beladen mit durchdringenden Gerüchen, hebt den Vorhang meiner Tür auf und läßt mich über den Hofwänden die schwankenden Häupter der Palmenbäume sehen.

All dies überrascht mich, entzückt mich, ... oder betrübt mich, je nach dem Tage. Denn ich möchte nicht sagen, daß ein ewiger Sommer das Leben immer fröhlich macht. Die schwarze Sonne der Schwermut, die auf die Stirn des träumerischen Engels von Albrecht Dürer dunkle Strahlen wirft, erhebt sich zuweilen auch aus den leuchtenden Ebenen des Nils, gerade wie an den Ufern des Rheins, inmitten einer kalten deutschen Landschaft. Ja, der Staub in der Helligkeit eines orientalischen Tages ist ein ebenso trauriger Schleier wie dort der Nebel.

Manchmal steige ich auf die Terrasse meines Hauses, um die ersten Schimmer zu sehen, die in der Ferne die Ebene von Heliopolis und die Abhänge von Mokatham berühren, dort, wo sich zwischen Kairo und Mataree die Stadt der Toten ausdehnt. Das ist ein schönes Spiel, wenn der Morgen allmählich die Kuppeln und schlanken Bogen der Gräber färbt. Sie sind den drei Dynastien der Kalifen und Sultane geweiht, die seit Jahrtausenden Ägypten beherrschten. Einer der Obelisken des alten Sonnentempels ist allein stehengeblieben, wie eine vergessene Schildwache in der Ebene. Er erhebt sich aus einem Busche von Palmenbäumen und Sykomoren und empfängt mit seinem Wipfel den ersten Blick der Gottheit, die man ehemals zu seinen Füßen verehrte.

Die Morgenröte hat in Ägypten nicht die schönen hochroten Farben, die wir auf den Cycladen oder an den kretischen Küsten bewundern. Die Sonne bricht hier plötzlich aus dem Himmel, vorhergeht ihr nur ein unbestimmter weißer Glanz. Manchmal scheint sie mit Mühe die langen Falten eines grauen Leichentuchs aufzuheben; sie ist bleich und stumpf wie der unterirdische Osiris. Ihre farblose Spur macht den trockenen Himmel noch trauriger. Er gleicht auffallend unserem bedeckten europäischen Himmel, aber führt durchaus keinen Regen herbei sondern saugt alle Feuchtigkeit ein. Niemals löst sich der dicke Staub, der auf dem Horizonte lastet, in frische Wolken auf, wie unser Nebel. Die Sonne vermag kaum auf dem höchsten Punkte ihrer Kraft die aschige Atmosphäre, in Gestalt eines roten Diskus, zu durchschneiden; als sei sie aus den lybischen Schmieden des Gottes Ptah hervorgegangen.

Da begreift man die tiefe Melancholie des alten Ägypten, die dauernde Beschäftigung mit den Leichen, die Sorge für die Gräber, welche die Denkmäler uns überliefern. Das ist Thyphon, der eine Zeit lang über die wohltuenden Gottheiten siegt. Er reizt die Augen, trocknet die Lungen aus und wirft Wolken von Insekten auf Felder und Hügel. Ich habe sie vorbeifliegen sehen gleich Boten des Todes und der Hungersnot. Die Luft war schwer von ihnen, und als ich sie über meinem Kopfe sah, wo ich keinerlei Vergleichspunkt hatte, hielt ich sie zuerst für Schwärme von Vögeln. Abdallah, der mit mir auf die Terrasse gestiegen war, beschrieb mit dem langen Rohr seines Tschibouk einen Kreis in der Luft: und zwei oder drei fielen auf den Boden herab. Er schüttelte den Kopf, als er die gewaltigen Heuschrecken, grün und rosa, betrachtete und fragte mich:

Habt Ihr das niemals gegessen?

Ich machte unwillkürlich eine Gebärde der Abweisung für eine solche Speise. Aber wenn man ihnen die Flügel und die Füße entfernte, müßten sie den Meerkrabben ganz ähnlich sehen.

Sie sind eine große Hilfe in der Wüste, sagte der Dragoman. Man räuchert sie, man salzt sie, und sie bekommen den Geschmack eines gesalzenen Herings. Mit Pastete aus Dourah, Kafferhirse, bereitet man daraus ein vorzügliches Gericht.

Bei dieser Gelegenheit fragte ich: Könnte ich nicht ein wenig ägyptische Küche haben? Ich finde es langweilig, zweimal täglich ins Hotel zu gehen und dort meine Mahlzeiten zu nehmen.

Ihr habt recht, sagte Abdallah, man muß einen Koch für Euch mieten.

Der Barbarin versteht sich nicht darauf?

O nein. Er kann nur die Tür öffnen und das Haus reinigen.

Und Ihr selbst versteht nicht ein Stück Fleisch aufs Feuer zu setzen, irgend etwas zuzubereiten?

Sprecht Ihr von mir? rief Abdallah in einigermaßen verletztem Ton. Nein, mein Herr, auf dergleichen verstehe ich mich nicht.

Das ist schade, erwiderte ich in der Art, als setzte ich nur einen Scherz fort, wir hätten heut morgen zum Frühstück auch noch Heuschrecken haben können. Doch im Ernst, ich möchte künftig zu Hause speisen. Es gibt ja Fleischer in der Stadt und Frucht- und Fischhändler. Ich wüßte nicht, inwiefern mein Anspruch ungewöhnlich wäre.

Es ist auch wirklich ganz einfach. Nehmt nur einen Koch. Allerdings kostet Euch ein europäischer Koch einen Talari für den Tag. Auch die Beys, die Paschas und die Hotelwirte haben Mühe, sich einen zu verschaffen.

Ich will einen hiesigen Koch haben und ägyptische Speisen.

Schön, wir wenden uns an Herrn Jean. Das ist einer Eurer Landsleute, der eine Wirtschaft im koptischen Viertel führt. Bei ihm kommen die stellungslosen Leute zusammen.

II
Herr Jean

Er ist ein glorreicher Überrest unserer ägyptischen Armee. Einer von den dreiunddreißig Franzosen ist er, die nach dem Rückzug der Napoleonischen Expedition Dienste bei den Mameluken nahmen. Mehrere Jahre lang besaß er wie die anderen einen Palast, Frauen, Pferde, Sklaven. In der Zeit der Auflösung dieser mächtigen Miliz wurde er, als Franzose, verabschiedet. Aber nach seiner Rückkehr ins bürgerliche Leben zerschmolzen seine Reichtümer sehr schnell. Er kam auf den Gedanken, einen öffentlichen Weinausschank zu errichten; das war für Ägypten neu, denn die Christen und die Juden berauschten sich nur mit Branntwein, Arak und einer Art Bier, Bouza genannt. Seitdem aber wetteifern die Weine von Malta und Syrien und vom Archipel mit den Spirituosen; und die Muselmanen scheinen an dieser Neuerung gleichfalls keinen Anstoß zu nehmen.

Herr Jean bewunderte meinen Entschluß, mich dem Hotelleben zu entziehen. Aber, sagte er, Sie werden Mühe haben, sich ein Haus einzurichten. In Kairo muß man soviel verschiedene Diener nehmen, wie es verschiedene Beschäftigungen gibt. Jeder setzt seinen Stolz darein, nur eine einzige Art von Angelegenheiten zu besorgen. Sie sind auch so faul, daß man zweifeln kann, ob dies Absicht oder Natur ist. Jede verwickeltere Einzelheit ermüdet sie oder entfällt ihnen. Ja, sie machen sich davon, sobald sie einmal soviel verdient haben, daß sie einige Tage, ohne etwas zu tun, auskommen können.

Aber was fangen dann die Herrschaften hierzulande an?

O, sie lassen sie gewähren und nehmen zwei oder drei für jeden Dienst. Unter allen Umständen hat ein Effendi hier den Khatibessir bei sich, seinen Sekretär, den Khazindar, seinen Geldverwalter, den Tschibukji, seinen Pfeifenträger, den Selikdar, seinen Waffenträger, den Seradj-bachi zum Halten des Pferdes, den Kahwedji-bachi, um ihm überall, wo er sich aufhält, Kaffee zu bereiten, und dazu kommen dann noch die Yamaks, die ihrerseits diese Diener bedienen –. Für das Innere des Hauses werden wieder ganz andere gebraucht. Der Pförtner würde sich nie um irgendeinen Wohnraum kümmern. Der Koch würde unter keiner Bedingung Kaffee machen. Das geht bis zum Wasserträger, den man besonders zu entlohnen hat. Freilich, teilt man ihnen nur einen oder anderthalben Piaster zu, also täglich fünfundzwanzig bis dreißig Centimes: so wird man von jedem dieser Nichtstuer schon als ein freigebiger Herr betrachtet.

Trotzdem, sagte ich, ist das alles noch weit von den sechzig Piastern entfernt, die ich in den Hotels zu zahlen habe.

Aber es ist ein Getümmel von Ärger, dem kein Europäer bisher gewachsen war.

Ich versuche es. Und es wird belehrend für mich sein.

Sie werden Ihnen schauerliche Mahlzeiten kochen.

So lerne ich die landesüblichen Gerichte kennen.

Man muß ein Rechnungsbuch anlegen und jeden Preis mit ihnen besprechen.

So lerne ich die Landessprache kennen.

Versuchen Sie es denn. Ich schicke Ihnen die anständigsten. Wählen Sie die besten.

Stehlen sie?

Sie lassen höchstens etwas verschwinden. Zum Dieb hat der Ägypter nicht genug Mut

Ich finde indessen, dies arme ägyptische Volk wird vom Europäer zu sehr verachtet. Der Franke von Kairo, der heute die Vorrechte der türkischen Rasse teilt, behält trotzdem auch die Vorurteile gegen sie. Die Leute des Volkes sind besitzlos, unwissend; die lange Gewohnheit der Sklaverei preßt sie in tiefste Erniedrigung. Sie sind mehr träumerisch als tätig und mehr klug als fleißig. Aber ich halte sie für gut; ihr Charakter ist vergleichbar dem der Hindus, vielleicht spielt hier auch ihre ganz vegetarische Ernährung eine verwandte Rolle. Wir Fleischesser haben Hochachtung vor dem Tataren und vor dem Beduinen, die sich gleich uns ernähren. Und unsere Energie verachtet die allzu folgsamen Rassen.

Als ich Herrn Jean verlassen hatte, ging ich zum Hotel Domergue über den Platz von Esbekieh. Das ist ein weiter Raum zwischen dem Stadtinnern und den ersten Häuserreihen des koptischen und fränkischen Viertels. Viele Paläste und glänzende Hotels stehen hier; auch das Haus, darin Kleber ermordet wurde, und jenes, in dem das Institut von Ägypten seine Sitzungen abhielt. Ein kleiner Hain von Sykomoren und Pharao-Feigenbäumen erinnert an Bonaparte, der ihn pflanzen ließ. Zur Zeit der Nilüberschwemmungen ist dieser Platz ganz vom Wasser überflutet. Viele bemalte und vergoldete Djermen, schnellsegelnde Schmalboote, durchfurchen ihn dann, die den Eigentümern der anstoßenden Häuser gehören. Diese alljährliche Umwandlung eines öffentlichen Platzes in einen Vergnügungssee hindert nicht, daß man hier in den anderen Zeiten des Jahres Gärten anlegt und Kanäle aushebt.

Ich sah eine Anzahl Fellahs an einem Graben arbeiten. Die Männer schaufelten die Erde aus, die Frauen nahmen schwere Ladungen davon auf und trugen sie in Körben aus Reisstroh fort. Darunter waren junge Mädchen, manche in blauen Hemden, und die weniger als acht Jahre alt waren, ganz nackt. So sieht man sie auch in den Dörfern an den Nilufern. Aufseher mit Stöcken überwachten ihre Arbeit und schlugen von Zeit zu Zeit die langsameren. Das Ganze stand unter der Leitung eines Soldaten, der einen roten Tarbouch auf dem Kopfe und stark gespornte Reiterstiefel trug; ein langer Säbel schleppte hinter ihm her, in der Hand hielt er eine Peitsche aus gedrehter Nilpferdhaut. Sie galt ihrerseits den vornehmen Schultern der Aufseher, – der Stock folgte dann auf die Schulterblätter der Fellahs hinab.

Der soldatische Herr, der mich stehen bleiben und die armen, unter den Erdsäcken gekrümmten Mädchen betrachten sah, sprach mich französisch an. Es war wieder ein Landsmann. Ich wollte keine Rührung über die Stockschläge zeigen, die in nicht allzu hartem Grade an die Männer ausgeteilt wurden. Der Afrikaner denkt anders als wir.

Warum aber, fragte ich, läßt man die Frauen und die Kinder so streng arbeiten?

Sie werden dazu nicht gezwungen, antwortete jener. Doch diese ihre Väter und Gatten wollen lieber, daß sie hier unter ihren Augen arbeiten, als sie in der Stadt lassen! Man zahlt ihnen je nach der Stärke zwanzig Paras bis zu einem Piaster, während der Lohn eines Mannes einen Piaster, fünfundzwanzig Centimes, beträgt.

Warum sind einige von ihnen mit Ketten gefesselt? Sind es Sträflinge?

Nichtstuer sind es. Sie möchten lieber schlafen oder ihre Zeit im Café verbringen und sich Geschichten erzählen lassen.

Wie ernähren sie sich?

Man lebt hier von so wenig Mitteln. Am Ende lassen sich immer Früchte oder Gemüse in den Gärten stehlen. Die Regierung kann nur mit Mühe Arbeiter für die notwendigsten Dinge finden. Geht es nicht anders, so läßt sie ein Viertel mit Truppen umzingeln oder eine Straße absperren: Dann hält man alle Vorübergehenden und alle Bewohner fest, bindet sie und führt sie uns zu. So kommen wir von der Stelle.

Wie? jedermann wird angehalten?

Gewiß; aber wenn sie beisammen sind, klärt es sich: Türken und Frauen weisen sich aus; unter den übrigen kauft sich los, wer Geld hat; andere berufen sich auf ihre Herren oder Vorgesetzte. Der Rest aber wird zu Trupps zusammengestellt und arbeitet einige Wochen oder Monate lang.

Ägypten befindet sich also noch im Mittelalter. Einst wurden die Frondienste für die mamelukischen Beys geleistet. Heute ist der Pascha der einzige Herrscher. Der Sturz der Mameluken hat die Fron zugunsten Mehrerer abgeschafft. Das ist die ganze Änderung.

III
Die Khowals

Nach dem Essen im Hotel setzte ich mich in das schönste Café des Mousky. Zum ersten Mal sah ich die Stegreiftänzerinnen öffentlich tanzen. Ich möchte dies Schauspiel gern recht prachtvoll in Szene setzen. Aber in Wahrheit enthält die Dekoration weder Kleeblattarchitektur noch maurische Säulchen, keine Porzellantäfelung und keine aufgehängten Straußeneier. Nur in Paris trifft man so orientalische Cafés –.

Man stelle sich vielmehr eine niedrige viereckige Bude vor, mit Kalk geweißt, auf deren Wand sich als Arabeske vielfach eine gemalte Uhr wiederholt, mitten auf eine Wiese zwischen zwei Zypressen gesetzt. – Der übrige Schmuck besteht aus gleichfalls gemalten Spiegeln, die sich gegenseitig den Widerschein eines mit Ölfläschchen behangenen Palmbaumstockes zusenden: im Öl schwimmen kleine Kerzen, was abends sehr gut wirkt.

Diwans aus hartem Holz laufen rings um den Raum. Davor stehen Taburetts für die Füße der Raucher, denen von Zeit zu Zeit die Fines-janes, die eleganten kleinen Tassen gereicht werden, von denen ich schon sprach. Hier sitzt der Fellache in blauer Bluse, der Kopte im schwarzen Turban, der Beduine im gestreiften Mantel, längs der Mauer. Sie sehen ohne Verwunderung, ohne Trübung ihrer Gesichter den Franken neben ihnen Platz nehmen. Diesem muß der Kahwedji Zucker in die Tasse tun; die Gesellschaft lächelt über solche wunderliche Zubereitung.

In einer Ecke steht der Ofen, er ist gewöhnlich am kostbarsten geschmückt. Von seinen Ecken in gemalter Fayence gehen Fruchtschnüre und Muschelornamente aus und geben ihm ein Aussehen ähnlich deutschen Öfen. Der Herd ist immer mit einer Menge kleiner Kaffeekannen aus Kupfer besetzt, denn für eine jede der Fines-janes, klein wie Eierbecher, muß eine besondere Kanne Kaffee gekocht werden und bereitstehen.

Da kommen die Tänzerinnen, in einer Wolke von Staub und Tabak erscheinen sie. Mich überrascht der Glanz ihrer Goldmützen, die über das geflochtene Haar herabhängen. Ihre Fersen klopfen auf den Boden, während die hocherhobenen Arme den heftigen Schlag der Füße wiederholen und Glöckchen und Ringe erklingen lassen. Die Hüften erzittern von sinnlicher Bewegung. Die Gestalt scheint nackt unter dem Musselin zwischen der Jacke und dem reichen lockeren Gürtel, der tief in den Schoß fällt.

Kaum kann man bei den raschen Wendungen die Züge der verführerischen Frauen erkennen. Ihre Finger schlagen kleine Zymbeln gleich Kastagnetten aneinander, sie schmettern hell in die einfachen Töne von Flöte und Tamburin.

Es waren zwei sehr schöne darunter, mit stolzen Mienen; ihre arabischen Augen waren mit Kohel gefärbt, ihre vollen und feinen Wangen leicht geschminkt. Aber die dritte verriet ein weniger zartes Geschlecht durch einen Bart von acht Tagen –: Und als der Tanz zu Ende war, und ich auch die Züge der anderen besser unterscheiden konnte, mußte ich mich davon überzeugen, daß diese Tänzerinnen Männer waren.

O Leben des Orients, das sind deine Überraschungen. Ich war schon unvorsichtig entflammt gewesen für diese zweifelhaften Wesen, schon bereit, nach den reinsten Sitten des Orients einige Goldstücke auf ihre Stirn zu drücken. Mit den kleinen Ghazis, nicht sehr wertvollen Münzen, macht man den Tänzerinnen Goldmasken, wenn sie nach einer anmutigen Szene herumgehen und die feuchte Stirn vor jedem der Zuschauer neigen. Doch es waren Tänzer, als Frauen verkleidet! Ich warf ihnen einfach einige Paras zu.

Die ägyptische Moral ist etwas für sich. Vor ein paar Jahren noch liefen die Tänzerinnen frei durch die Stadt, belebten die öffentlichen Feste, waren das Entzücken der Cafés und Kasinos. Heute dürfen sie sich nur noch in den Häusern und bei den privaten Festen zeigen: Die besonnenen Bürger finden es schicklicher, diesen Tänzen von Männern mit weiblichen Gesichtern zuzusehen. Ihre langen Haare, ihre Arme, Hüften und Nacken parodieren kläglich die halb verschleierten Körper von Tänzerinnen.

Diese von der muselmanischen Sittlichkeit zugelassenen Künstler hießen Khowals; die Tänzerinnen Ghawasies; die Sängerinnen, die improvisieren, Oualems. Als ich durch die Straßen ging, umringten mich Händler mit Kleidern. Sie breiteten überall vor meinen Augen die reichsten Gewänder voller Stickereien aus, Gürtel aus Tuch mit Gold durchwirkt, Waffen mit Silber inkrustiert, Tarbouchs, an denen eine seidene Troddel hängt, nach der Mode von Stambul. Das sind bezaubernde Dinge, die bei dem Mann eine kokette, einigermaßen weibliche Empfindung erregen. Ja, hätte ich mich in den leider nur gemalten Spiegeln des Cafés betrachten können, so hätte es mir Freude gemacht, einiges davon anzuziehen.

Aber ich will auf keinen Fall mehr zögern, ein orientalisches Aussehen anzunehmen. Vor allem muß ich mir auch Innenräume einrichten.

IV
Die Khanoum

Ich kehre heim, den Dragoman hatte ich schon vorausgeschickt, und finde das Haus voller Leute. Da sind zuerst die Köche, die Herr Jean gesandt hat. Sie rauchen voller Ruhe im Vorraum, wo sie sich Kaffee haben reichen lassen. Dann Yussuf, der Jude, im ersten Stockwerk, wo er sich den Wonnen des Narghilees hingibt. Auf der Terrasse vollführen andere einen riesigen Lärm. Ich wecke den Dolmetscher, er hält im hinteren Zimmer seinen Kief, seine Siesta. Wie ein Verzweifelter schreit er auf:

Ich habe es Euch heut morgen gesagt!

Was denn?

Daß Ihr unrecht tatet, nach dem Sonnenaufgang noch auf der Terrasse zu bleiben!

Ihr sagtet mir, ich solle nur nachts hinaufgehen, um die Nachbarn nicht zu beunruhigen.

Und Ihr seid bis nach Tagesanbruch dort geblieben!

Nun?

Nun, oben sind Handwerker und arbeiten auf Eure Kosten. Der Scheich hat sie um ein Uhr geschickt.

Tatsächlich waren Zimmerleute da: und vernagelten die Aussicht von der einen Terrassenseite.

Auf dieser Seite, sprach Abdallah, befindet sich der Garten einer Khanoum, der Hauptfrau eines Hauses. Sie hat sich beklagt, daß Ihr zu ihr hineingesehen habt.

Aber ich habe sie nicht gesehen! leider nicht!

Sie hat Euch gesehen. Das ist genug.

Wie alt ist die Dame?

Eine Witwe. Fünfzig Jahre.

Ich erhob mich, nahm die Hürden, mit denen man die Terrasse schon abzusperren begann, und warf sie hinaus. Die verblüfften Arbeiter zogen sich lautlos zurück; denn niemand zu Kairo, er sei denn von türkischer Rasse, wagt, sich einem Franken zu widersetzen.

Der Dragoman und der Jude schüttelten die Köpfe; weiter aber drückten sie sich nicht aus. Ich ließ die Köche heraufkommen und wählte den intelligentesten, einen Araber, schwarzäugig. Dann begann ich mich mit dem Juden zu unterhalten, als es plötzlich an die Tür klopfte.

Es war der alte Scheich: Er brachte die Arbeiter zurück; und befahl Abdallah, mir zu sagen, ich stellte ihn in seinem Amte bloß und lohnte seine Gefälligkeit bei der Vermietung des Hauses schlecht. Die Khanoum, er mache darauf aufmerksam, sei rasend; zumal da ich auch noch die Hürden in ihren Garten geworfen habe. Sie hätte Grund genug, beim Kadi Beschwerde zu führen.

Ich sah eine endlose Reihe von Unannehmlichkeiten voraus, versuchte daher, mich mit meiner Unkenntnis der Gebräuche zu entschuldigen, und versicherte, ich hätte bei der Dame nichts gesehen, nichts sehen können, die Aussicht sei zu niedrig.

Begreifen Sie doch, versetzte er, wie sehr man hier fürchtet, ein zudringliches Auge möchte ins Innere der Gärten und Höfe schauen: da man doch stets blinde Greise aussucht, um sie das Gebet von der Höhe der Minarets verkünden zu lassen.

Ja, ich weiß.

Es wäre daher anständig, wenn Ihre Gattin bei der Khanoum einen Besuch machte und ihr ein Geschenk brächte, ein Taschentüchlein, eine Kleinigkeit.

Aber es ist Euch bekannt, sagte ich verlegen, daß ich bisher ...

Machallah! rief er und schlug sich heftig an den Kopf, ich dachte nicht mehr daran! ach, welch ein Unglück, in seinem Viertel Franken zu haben! Ich gab Euch acht Tage, um das Gesetz zu erfüllen. Wäret Ihr ein Muselman, so könntet Ihr als Mann ohne Frau nur im Karavan-Serail wohnen. Auf keinen Fall dürft Ihr hier bleiben.

Ich beruhigte ihn nach Möglichkeit. Ich hielt ihm vor, daß ich von der gewährten Frist noch zwei Tage übrig hätte. Mir lag daran, Zeit zu gewinnen, auch vielleicht festzustellen, ob in dem allen nicht eine bloße Hinterhältigkeit stecke, um noch Geld über den bezahlten Mietzins hinaus zu erlangen.

Daher suchte ich den französischen Konsul auf. Ich erzählte ihm von meiner häuslichen Lage, von meinen verfehlten Heiraten, von meinen bescheidenen Abenteuern: Ich bin nach Kairo nicht als Verführer sondern um zu arbeiten gekommen! Ich will die Stadt kennen lernen, ihre Erinnerungen, ihre Gegenwart. Leider muß man hier mindestens sechzig Piaster ausgeben; darauf war ich nicht eingerichtet.

In einer Stadt, sagte der Konsul, in der die Fremden nur während bestimmter Monate hier weilen, auf dem Wege nach Indien, wo die Lords und die Nabobs sich kreuzen, verständigen sich die wenigen Hotels schnell über die gehörige Erhöhung der Preise.

Darum habe ich mir ein Haus gemietet.

Sehr gescheit.

Und jetzt will man mich hinaussetzen, unter dem Vorwand, ich hätte keine Frau.

Man ist im Recht. Herr Clot-Bey behandelt diese Sache in seinem Buche. Herr William Lane, der englische Konsul, berichtet in dem seinen, er selbst habe sich dieser Notwendigkeit unterwerfen müssen. Lesen Sie ferner das Werk von Maillet, Generalkonsul unter Ludwig XIV. Es war immer so. Sie müssen heiraten.

Ich habe es aufgegeben. Die letzte Frau, die man mir vorführte, hat die anderen in den Schatten gestellt. Aber für diese wiederum habe ich nicht die nötige Brautgabe. Die Sklavinnen dagegen sind nicht so kostspielig. Mein Dragoman riet mir, eine zu kaufen und in meiner Wohnung unterzubringen.

Ein richtiger Gedanke.

Genüge ich so dem Gesetz?

Vollkommen.

Ich konnte das Gespräch hier noch nicht abbrechen. Denn es verwunderte mich, wie leicht man in einem türkischen Lande den Christen die Erwerbung von Sklaven machte. Er erwiderte, dies beziehe sich nur auf die Frauen, und nicht nur auf die mehr oder weniger farbigen: man könnte auch fast weiße Abessinierinnen haben. So halten es die meisten in Kairo ansässigen Kaufleute. Herr Clot-Bey erzieht mehrere von ihnen zum Beruf der weisen Frauen.

Es handelt sich hier um ein unbestrittenes Recht. Eine schwarze Sklavin, die unlängst aus dem Hause eines Europäers entwich, wurde von der Polizei dorthin zurückgebracht. Aber wenn man länger im Orient lebt, merkt man, daß diese Sklaverei im Grunde nur eine Adoption ist. Ja, die Lage des Sklaven ist besser als die des freien Fellahs und Rayahs.

Hatte ich nicht auch bei meinen Heiratsgängen erfahren, daß zwischen der von den Eltern verkauften Ägypterin und der im Bazar ausgestellten Abessinierin kein wesentlicher Unterschied bestand?

V
Der Okel der Jellab

Wir ritten durch die ganze Stadt bis zum großen Bazarviertel. Nachdem wir von der Hauptstraße in eine dunkle Nebenstraße gebogen waren, kamen wir in einen unregelmäßig gebauten Hof, ohne von unseren Eseln steigen zu müssen. In der Mitte stand ein Brunnen im Schatten einer Sykomore. An der einen Mauer entlang waren etwa zwölf Schwarze aufgestellt. Sie sahen mehr unruhig als traurig aus; die meisten trugen den blauen offenen Rock der Leute aus dem Volk. Sie zeigten alle möglichen Arten der Färbung und Körperbildung.

Wir wandten uns nach der anderen Seite. Dort lag eine Reihe von kleinen Kammern, deren Boden gleich einer etwas erhöhten Estrade auf den Hof vorsprang. Mehrere Händler mit gebräunter Haut umringten uns schon und riefen:

Essouad? Abesch? – Schwarze? Abessinierinnen?

Wir betraten die erste Kammer. Fünf oder sechs Negerinnen saßen darin im Kreise, auf Matten, meist rauchend. Sie empfingen uns mit lautem Lachen. Sie waren kaum bekleidet, trugen nur blaue Lappen um den Leib; man konnte den Verkäufern nicht den Vorwurf machen, daß sie ihre Ware übermäßig ausschmückten. Ihr Haar, in hundert kleine Flechten geteilt, wurde von einem roten Turban gehalten, der es in zwei dicke Büschel schied. Das Fleisch war mit Zinnoberstrichen gefärbt. An den Armen und Beinen klapperten Zinnringe, um den Hals gläserne Gehänge. Die Kupferreife in Nasen und Ohren, die Tätowierungen und Bemalungen der Haut machten ihr Aussehen barbarisch genug.

Es waren Negerinnen aus Sennaar, eine Rasse, die vom Typ der bei uns geschätzten Schönheit so entfernt wie möglich ist. Der vorspringende Kiefer, die fliehende Stirn, die dicke Lippe: Nachbarn der Tiere! Und doch, unter der schrecklichen Maske ihres Kopfes sah man einen Körper, seltsam vollkommen. Jungfräuliche reine Formen zeichneten sich unter den Tuniken ab. Ihre Stimme kam zart und klingend aus einer frischen Kehle.

Nun, ich werde mich für diese hübschen Ungeheuer nicht entflammen. Aber die schönen Damen von Kairo mochten sich gern mit solchen Kammermädchen umgeben – reizenden Kontrasten in Farbe und Form. Diese Nubierinnen sind nicht häßlich, man erkennt wieder, daß es hierfür keinen absoluten Begriff gibt; sie bilden nur einen Gegensatz zu der uns gewohnten Schönheit. Herrlich muß eine weiße Frau unter solchen Töchtern der Nacht glänzen. Die finsteren geschmeidigen Gestalten könnten so schön dazu dienen, das Haar zu flechten, Kleider auszubreiten, Flaschen und Vasen zu tragen, wie auf antiken Fresken.

Wäre ich in der Lage, ein orientalisches Leben in breitem Stil zu führen, ich wollte diese malerischen Wesen nicht entbehren. Aber ich konnte nur eine einzige Sklavin erwerben. So verlangte ich denn, andere zu sehen, bei denen der Gesichtswinkel offener und die schwarze Hautfarbe milder wäre.

Auch dies hängt vom Preise ab, sagte Abdallah. Die Ihr hier seht, kosten kaum zwei Börsen, zweihundertfünfzig Franken. Man gewährt bei ihnen acht Tage Garantie. Bis dahin könnt Ihr sie zurückgeben, wenn sie irgendeinen Fehler oder Nachteil haben.

Aber ich will gern etwas mehr bezahlen. Der Unterhalt für eine hübsche Frau, die mir gefällt, kostet ja nicht mehr als der einer anderen.

Abdallah schien diese Ansicht nicht zu teilen. Wir gingen weiter. Die nächsten Kammern waren voller Töchter Sennaars. Es kamen noch jüngere und besser gebaute, das Gesicht aber war immer vom gleichen Schnitt; erschreckende Einförmigkeit.

Jetzt erboten sich die Händler, sie zu entkleiden. Sie öffneten ihnen die Lippen, um die Zähne zu zeigen. Sie ließen sie hin und her gehen und besonders die Straffheit ihrer Brüste weisen. Die armen Mädchen taten unbekümmert alles, was man wollte. Die meisten brachen fast unaufhörlich in Lachen aus; das machte dies Schauspiel weniger peinlich. Wahrscheinlich zogen sie auch jede andere Lage dem Aufenthalt im Okel vor, vielleicht sogar ihrem früheren Leben im eigenen Lande.

Ich sah also immer noch nichts als reine Negerinnen. Ich fragte Abdallah, warum keine Abessinierinnen da seien.

O, erwiderte er, die zeigt man nicht öffentlich. Wir müssen ins Haus gehen, und der Händler muß überzeugt sein, daß Ihr nicht wie die Mehrzahl der Reisenden aus bloßer Neugierde kommt. Sie sind übrigens weit teurer. Vielleicht könntet Ihr irgendeine passende Frau unter den Sklavinnen aus Dongola finden. Es gibt noch andere Okels, die wir besichtigen können. Hier ist derjenige der Jellab; wir haben noch den Kouchouk und den Khan Ghafar.

Ein Händler näherte sich uns und ließ mir sagen, es seien soeben Äthiopierinnen angekommen. Man habe sie allerdings außerhalb der Stadt untergebracht, um die Eintrittssteuer zu sparen. Sie seien auf dem Lande, vor dem Tor Bab-el-Aladbah. Ich wollte sie sogleich sehen.

Durch einen sehr verlassenen Stadtteil gelangten wir in die Ebene hinaus, das heißt, mitten unter die Gräber, die auf dieser ganzen Stadtseite liegen. Wir kamen an den Grabmälern der Kalifen vorbei, über staubige Hügel, die aus alten Bauten entstanden waren; Mühlen drehten sich darauf. Man machte Halt am Tor einer kleinen Ringmauer, die wohl zu einer zerstörten Moschee gehörte. Einige Araber, auf eine in Kairo unbekannte Art gekleidet, ließen uns eintreten.

Ich befand mich im Lager eines Stammes, der seine Zelte in diesem geschlossenen Mauerwerk aufgeschlagen hatte. Das Gelächter von Negerinnen empfing mich zuerst wie an dem anderen Ort. Diese primitiven Naturen offenbaren alle ihre Eindrücke so deutlich wie möglich; wer weiß, warum ihnen das europäische Kleid und Aussehen lächerlich erscheint. Sie waren mit verschiedenen Haushaltsarbeiten beschäftigt. In ihrer Mitte stand eine sehr große und sehr schöne und überwachte aufmerksam den gefüllten Kochkessel über dem Feuer. Da man sie von dieser Beschäftigung nicht abbringen konnte, ließ ich mir die anderen zeigen, die eilig ihre Arbeit verließen und ihre Reize einzeln selbst darboten. Ihr Stolz war ihr geringeltes Haar, ungewöhnlich lang, wie ichs schon öfter sah, hier aber war es ganz mit Butter eingerieben und floß glänzend über Schultern und Brust.

Vielleicht, dachte ich, macht dies den Brand der Sonne für den Kopf erträglicher.

Nein, sagte Abdallah, das ist eine Modeangelegenheit. So erhält ihr Haar schöne Lichter und ihr Gesicht wird schimmernder. Aber wenn man sie gekauft hat, schickt man sie vor allem ins Bad und läßt sie diese zu Stricken gebundenen Haare auflösen. So trägt man sie nur an den Mondgebirgen.

Die Prüfung dauerte nicht lang. Es wurde immer klarer, daß diese wilden Wesen sehr merkwürdig aber für ein Zusammenwohnen nicht sehr lockend waren. Groteske Einschnitte, Sterne und blaue Sonnen durchfurchten ihre ein wenig graue Haut. Bei ihrem Anblick machte man sich beinahe Vorwürfe, daß man den Affen, den verleugneten Verwandten, zu wenig beachtet oder zu schlecht behandelt habe. Ist ein solcher Rassenstolz bei soviel abgestuften Ähnlichkeiten erlaubt? Diese Haltung, diese Bewegungen hier boten seltsame Annäherungen. Ich bemerkte sogar, daß ihr Fuß sehr lang, sehr entwickelt, vermutlich durch häufiges Besteigen der Bäume, der Familie jener Vierhänder recht ähnlich war.

Sie schrien mir von allen Seiten zu: Bakschisch! Bakschisch! Ich zog aus meinen Taschen einige Piaster, zögernd, weil ich fürchtete, ihre Herren würden sie an sich nehmen. Diese aber, um mich zu beruhigen, erboten sich, Datteln, Melonen, Tabak, selbst Branntwein unter sie zu verteilen. Das verursachte gewaltige Freudenausbrüche, sie begannen zu tanzen, beim Klang des Tarabouk und der Zammarah, der schwermütigen afrikanischen Querpfeife und Trommel.

Das mit der Küche beschäftigte große schöne Mädchen wandte sich kaum um und rührte beständig im Kessel eine dicke Brühe von Dourah. Ich näherte mich ihr; sie sah mich verächtlich an, und nur meine schwarzen Handschuhe schienen sie zu verlocken. Sie kreuzte die Arme und stieß Rufe der Verwunderung aus. Wie konnte ich schwarze Hände und ein weißes Gesicht haben? Noch weiter überstieg es ihr Verständnis, als ich einen der Handschuhe auszog, die so genau die Finger vorgetäuscht hatten: Bismillah! rief sie, enté effrit? enté sheytan? – Gott beschütze mich! bist du ein Geist? bist du ein Teufel?

Auch die anderen erregten sich, und mein ganzer Anzug verwirrte ihre unbefangenen Seelen. Sicher hätte ich in ihrem Vaterlande meinen Unterhalt finden können, indem ich mich sehen ließ ... Doch jene Hauptnubierin nahm ihre Beschäftigung wieder auf, mit der Unbeständigkeit der Affen, die alles zerstreut und anzieht, doch kein Ding länger als einen Augenblick festhält.

Ich hatte phantastische Lust, zu fragen, was sie koste. Aber der Dragoman teilte mir mit, das sei gerade die Favoritin des Sklavenhändlers. Er wolle sie nicht verkaufen, denn er hoffe, sie werde ihn zum Vater machen ... und dann werde sie noch teurer sein.

Ich fragte hier nicht weiter. Ich finde, sagte ich, alle diese Hautfärbungen zu dunkel. Wenden wir uns anderen Schattierungen zu. Die Abessinierin ist also selten auf dem Markt?

Jetzt hat sie ein wenig gefehlt, antwortete Abdallah, aber die große Karawane von Mekka ist angekommen. Sie hat in Birket-el-Hadji haltgemacht, um morgen bei Tagesanbruch einzuziehen. Da werden wir wählen können. Denn viele Pilger, die kein Geld haben, um die Wallfahrt zu machen, geben ihre Frauen her. Und es finden sich immer Händler, die sie vom Hedschas nach Kairo bringen.

Niemand war überrascht, als wir ohne Kauf den Ort verließen. Aber ein Einwohner von Kairo hatte während unseres Besuches eine Erwerbung gemacht und schritt den Weg zum Bab-el-Aladbah zurück mit zwei jungen, schlanken und kräftigen Negerinnen. Sie gingen vor ihm her, träumend von unbekannter Zukunft, ob sie Favoritinnen werden oder Dienerinnen bleiben würden. Und keine Träne sondern die Butter rann über ihr Gesicht und ihren Busen, offen den Strahlen der brennenden Sonne.

VI
Das Theater von Kairo

Wir gingen durch die Straße Hazanieh, dann am Kanal Kalish entlang, über den sich in kurzen Abständen venetianische einbogige Brücken schwingen. In dem schönen Café dort, dessen hinterer Raum auf den Kanal geht, gibt es besonders gute Sorbets und Limonaden, die auch sonst in koketten Buden zwischen anderen Getränken mit gezuckerten Früchten stehen. An den Mauern sah ich einen lithographierten Anschlag, der für diesen Abend eine Vorstellung im Theater ankündigt. Ich bin angenehm berührt von dieser Erinnerung an die Zivilisation, verabschiede Abdallah und gehe essen. Ich erfahre, daß es sich um Liebhaber aus der Stadt handle; sie geben die Vorstellung zum Besten der armen Blinden, die hier sehr zahlreich sind. Auch das italienische Musikgastspiel werde bald eröffnet, jetzt aber gehe man nur zu einem einfachen Vaudeville-Abend.

Gegen sieben Uhr war die enge Straße gedrängt voller Menschen. Die Araber staunten, diese ganze Menge in ein einziges Haus treten zu sehen. Es war ein großes Fest, auch für die Bettler; und für die Eseltreiber, die von allen Seiten ihr Bakschisch! kreischten. Der dunkle Eingang führt in eine überdeckte Passage, die hinten in den Garten von Rosette endet.

Das Innere des Theaters gleicht unseren kleinen Volkssälen. Das Parterre war mit Italienern gefüllt und mit Griechen im roten Tarbouch, die großen Lärm machten. Einige Offiziere des Paschas zeigten sich in den Orchesterlogen, dort saßen auch viele Frauen, meistens in levantinischer Tracht.

Man unterschied die Griechinnen; auf dem Kopf den Tatikos aus rotem Tuch mit goldenen Bändern, den sie aufs Ohr gerückt tragen. Die Armenierinnen, mit Schalen und Gazeschleiern, die sie miteinander vermischen, um sich einen mächtigen Kopfputz herzurichten. Die verheirateten Jüdinnen, die nach den rabbinischen Vorschriften ihr Haar nicht sehen lassen dürfen; sie befestigen über den Schläfen gerollte Hahnenfedern.

An der Haartracht erkennt man die Rasse. Die Kleidung ist sonst bei allen ungefähr gleich. Sie tragen die auf der Brust ausgeschnittene türkische Jacke, den gespaltenen Rock, der an den Lenden fest anliegt, den Gürtel, die Hose, cheytian, die jeder Frau den Gang eines Knaben gibt. Die Arme sind stets verhüllt, vom Ellbogen hängen die Ärmel der vielfältigen Unterjacken herab, deren dichte Knöpfe von den arabischen Poeten mit Kamillenknospen verglichen werden. Silberreiher, Blumen, Diamantenschmetterlinge schmücken das Gewand der reichsten: So erhält das niedrige teatro di Cairo durch die levantinischen Trachten seinen Glanz.

Ich war besonders entzückt, daß nach so vielen schwarzen Gesichtern dieses Tages mein Auge auf nur gelblichen Schönheiten ruhen durfte. Bei geringerem Wohlwollen hätte ich ihnen vorgeworfen, daß ihre Augenlider allzusehr gefärbt waren, daß ihre Wangen sich in zu zahlreichen Schönheitspflästerchen des vergangenen Jahrhunderts gefielen und ihre Hände durch ein Übermaß an orangenem Hennah nicht gewannen. Dennoch mußte ich rückhaltslos die entzückenden Gegensätze so viel verschiedener Schönheiten bewundern. Welche Vielfalt der Stoffe und der glänzenden Diamanten, auf die die Frauen dieses Landes so stolz sind, daß sie am liebsten das ganze Vermögen ihrer Gatten in dieser Form an sich selbst trügen. Ich erholte mich hier ein wenig von einem langen Fasten, das mir frische Gesichter vorenthalten hatte. Keine Frau war verschleiert. Also wohnte keine wahrhaft muselmanische Frau der Vorstellung bei.

Der Vorhang hob sich. Ich erkannte die ersten Szenen der »Künstlermansarde.« O Ruhm des Vaudeville, wo wirst du haltmachen? Junge Leute aus Marseille spielten die Hauptrollen, die jugendliche Liebhaberin war Frau Bonhomme, die Besitzerin der französischen Lesestube. Überrascht und froh betrachtete ich da einen ganz blonden Kopf, ein ganz weißes Gesicht. Vor zwei Tagen hatte ich von den Wolken meiner Heimat und den bleichen Schönheiten des Nordens geträumt. Diese Versunkenheit entsprang wohl aus dem ersten Windhauche des Khamsim und dem Widerspruch gegen die nicht gerade idealisch bannenden Gesichter der Negerinnen.

Beim Verlassen des Theaters hatten all die reich geschmückten Frauen wieder den einförmigen Habbarah aus schwarzem Taft an, ihren Kopf verhüllte der weiße Borghot. Sie stiegen, beim Schein der von Saïs gehaltenen Fackeln, wieder gleich guten Muselmanen auf die Esel.

VII
Abd-el-Kerim

Am folgenden Tage machte ich mich in aller Frühe auf den Weg zum Sklavenbazar im Viertel Soukelezzi. Ich hatte einen besonders schönen Esel gewählt, der wie ein Zebra gestreift war; ich hatte auch mein neues Gewand mit einiger Koketterie angeordnet. Wenn man Frauen kaufen geht, muß man ihnen durchaus keine Furcht einflößen –.

Wir traten in ein schönes Haus, dessen Vestibül in eine Säulengalerie nach dem Hofe verlief. Im Hintergrunde saß ein Muselman von gutem Ausdruck auf einem Holzdiwan, bedeckt mit vielen Kissen. Er war ziemlich gesucht gekleidet und ließ gleichmütig die Perlen seines Rosenkranzes durch die Finger laufen. Ein Negerbübchen war dabei, die Kohlen des Narghilee wieder anzuzünden. Ein koptischer Schreiber saß zu seinen Füßen.

Hier ist, sagte Abdallah, der Herr Abd-el-Kerim, der berühmteste Sklavenhändler. Er kann Euch, wenn er will, die allerschönsten Frauen verschaffen. Doch er ist reich und behält sie oft für sich selbst.

Jener machte mir ein anmutiges Zeichen mit dem Kopf, indem er zugleich die Hand auf die Brust legte und dazu sprach: Saba-el-kher. Ich erwiderte mit der Formel für einen entsprechenden Gruß und wurde eingeladen, neben ihm Platz zu nehmen. Narghilee und Kaffee.

Er sieht Euch mit mir, sagte Abdallah. Das gibt ihm eine gute Meinung von Euch. Ich werde ihm mitteilen, daß Ihr Euch im Lande niederlassen und Euer Haus reich ausstatten wollt.

Die Anrede Abdallahs machte dem Muselman Eindruck. Er wandte sich mit höflichen Worten in schlechtem Italienisch an mich. Sein vornehmes Gesicht, sein durchdringendes Auge und die anmutigen Manieren ließen ihn würdig erscheinen, den Wirt dieses Palastes zu machen, in dem er doch einen so traurigen Handel trieb. Sein Wesen war Mischung von Freundlichkeit eines Fürsten und unerbittlicher Entschiedenheit eines Räubers. Sicher zähmte er seine Sklaven mit dem starren Ausdruck seines melancholischen Auges, sicher bedauerten sie, selbst wenn er sie leiden ließ, ihn als Herrn zu verlieren.

Und es ist nicht zweifelhaft, dachte ich, daß die Frau, die mir hier verkauft wird, von Abd-el-Kerim schon besessen worden ist. Gut; ich begreife es, man kann ihm nicht entrinnen.

Der viereckige Hof, in dem viele Nubier und Abessinier umhergingen, enthielt zahlreiche Portiken und Galerien von eleganter Bauart. Das Treppenhaus war mit edler Holzarbeit und maurischen Arkaden geschmückt, man stieg dort zu den Zimmern der schönsten der Sklavinnen.

Es waren schon viele Käufer eingetreten und prüften die Schwarzen im Hof. Man ließ sie gehen, klopfte sie auf Rücken und Brust und ließ sie die Zunge herausstrecken. Einer in gelb und blau gestreiftem Machlah, mit gedrehtem und mittelalterlich angedrücktem Haar, trug am Arme eine schwere Kette. Sie klirrte laut, wenn er mit jungem stolzem Schritt ging. Es war ein Abessinier vom Stamm der Gallas, den man im Kriege gefangen genommen hatte.

In den niedrigen Sälen rings um den Hof hielten sich die Negerinnen auf. Ihr tolles Lachen schallte herein. Eine der Frauen aber, in eine gelbe Decke gewickelt, verbarg ihr Gesicht hinter der Säule; ich sah, daß sie weinte. Die tote Heiterkeit des Himmels und die strahlenden Stickereien, mit denen die Sonne den Hof bedeckte, lächelten über diese beredte Verzweiflung. Sie zerriß mir das Herz. Und ich ging hinter den Pfeiler. Obwohl ihr Gesicht sich verbarg, sah ich, daß es fast weiß war. Ein kleines Kind, halb in den Mantel gehüllt, drückte sich an sie.

In einem solchen Augenblick gibt man das orientalische Leben auf. Ich überlegte sogleich, ob ich sie nicht loskaufen und ihr die Freiheit schenken könnte.

Wendet ihr keine Aufmerksamkeit zu, sagte Abdallah. Diese Frau ist die Lieblingssklavin eines Effendi, der sie zur Strafe für ein Vergehen auf den Markt schickt. Hier stellt man sich, als wolle man sie mit ihrem Kinde verkaufen. Aber wenn sie einige Stunden hier verbracht hat, kommt ihr Herr und nimmt sie zurück und verzeiht ihr.

Die einzige Sklavin also, die hier weinte, vergoß ihre Tränen über den Verlust ihres Herrn. Die anderen waren besorgt, zu lange auf einen neuen warten zu müssen. Das spricht für den muselmanischen Charakter. Vergleicht doch damit das Schicksal der Sklaven in den amerikanischen Ländern. Nur der Fellache wird in Ägypten mit Feld- und Erdarbeiten beschäftigt. Die Kräfte des Sklaven schont man; er ist teuer, man benutzt ihn nur zu häuslichen Diensten. Jedenfalls ist ein Unterschied – zwischen der Sklaverei in türkischen und in christlichen Ländern.

VIII
Die Javanerin

Abd-el-Kerim hatte uns einen Augenblick verlassen, um mit den türkischen Käufern zu sprechen. Als er zurückkam, sagte er mir, man kleide die Abessinierinnen an, die er mir zeigen wolle.

Sie sind in meinem Harem. Sie werden vollkommen wie meine Familienangehörigen behandelt. Meine Frauen lassen sie zusammen mit ihnen essen. – Wenn Sie inzwischen ganz junge sehen wollen: man bringt sie jetzt.

Er öffnete eine Tür und zwölf kupfrige kleine Mädchen stürzten wie zur Erholungsstunde in den Hof heraus. Man ließ sie unter der Treppe mit Perlhühnern und Enten spielen, die im Becken einer Fontäne badeten. Ich sah den armen Mädchen mit den großen schwarzen Augen zu. Sie waren wie kleine Sultaninnen gekleidet. Man hatte sie ihren Müttern fortgenommen, um die Ausschweifungen der reichen Stadtbewohner zu befriedigen. Abdallah teilte mir mit, manche gehörten nicht dem Händler sondern seien ihm zum Verkauf für Rechnung der Eltern übergeben worden. Diese reisten zu diesem Zweck nach Kairo, und meinten ihren Kindern so das glücklichste Los zu bereiten.

Bedenkt: sie sind viel teurer als die mannbaren Frauen.

Queste fanciulle sono cucite! bemerkte Abd-el-Kerim; diese Mädchen sind geflickt ...

O, man kann sie vertrauensvoll kaufen, erwiderte Abdallah im Tone des Kenners. Die Eltern haben für alles vorgesorgt.

Diese Kinder! dachte ich. Der Muselman, der sein Gesetz befolgt, kann sich vor Gott für das Schicksal der armen kleinen Seelen verantworten. Aber wenn ich eine Sklavin kaufe, so ist mein Gedanke, daß sie die Freiheit haben soll. Freiheit sogar, mich zu verlassen.

Abd-el-Kerim führte mich jetzt in sein Haus. Abdallah blieb zurückhaltend am Fuß der Treppe.

In einem großen Saal mit geschnitztem Täfelwerk, verschönt von Resten gemalter Arabesken, sah ich längs der Wand fünf hübsche Frauen aufgereiht, deren Hautfarbe an den Glanz florentinischer Bronze erinnerte. Sie hatten regelmäßige Gesichter, gerade Nasen, kleine Münder. Das vollendete Oval der Köpfe, die graziöse Linie des Halses, die Heiterkeit ihrer Mienen machte sie zu Verwandten der Madonnen auf italienischen Bildern, deren Farben goldgelber geworden sind. Es waren katholische Abessinierinnen, vielleicht Abkömmlinge des Priesters Johannes oder der Königin Candace.

Die Wahl war schwer. Sie glichen sich alle, wie es bei primitiven Rassen zu sein pflegt, Abd-el-Kerim, der mich unentschlossen sah und meinte, sie gefielen mir nicht, ließ noch eine andere eintreten.

Mit gleichmütigem Schritt kam sie und setzte sich an die Wand.

Ich aber stand begeistert da: Ich erkannte das mandelförmige Auge und das schiefe Lid der Javanerinnen. Bilder von ihnen hatte ich in Holland gesehen. In der Farbe gehörte diese Frau zur gelben Rasse. Ich weiß nicht, welcher seltsame und rasche Geschmack mich unwiderstehlich zur Entscheidung für diese trieb. Sie war schön und hatte so feste Formen, daß man nicht zu fürchten brauchte, die Bewunderung für sie könnte nachlassen. Der Metallschimmer ihrer Augen, die Weiße ihrer Zähne, die feinen Hände, die langen Haare von der Farbe eines dunklen Mahagoni, die man mich sehen ließ, indem man den Tarbouch aufhob: diese Frau machte mich stumm.

Neben mir floß Abd-el-Kerim von Lob über und schrie: Bono! bono!

Wir stiegen wieder hinab und besprachen uns mit Hilfe Abdallahs. Die Frau war am Tage zuvor mit der Karawane gekommen. So kurze Zeit erst war sie bei dem Sklavenhändler. Korsaren des Imam von Mascate hatten sie ganz jung im indischen Archipel erbeutet.

Aber wenn Abd-el-Kerim sie gestern zu seinen Frauen gebracht hat ...

Was dann? fragte Abdallah und öffnete erstaunt die Augen ... Glaubt Ihr denn, fuhr er fort, als er endlich meine Gedanken erfaßte, daß seine gesetzlichen Frauen ihm erlauben würden, anderen den Hof zu machen? Und außerdem, bedenkt, ein Händler! Erführe man es, er würde seine ganze Kundschaft verlieren.

Das war ein guter Einwand. Abdallah schwor mir, daß Abd-el-Kerim als guter Muselman die Nacht im Gegenteil betend in der Moschee verbracht habe. Denn man feierte das erhabene Fest Mohammeds.

Nur der Preis war noch zu besprechen. Er betrug fünf Börsen, sechshundertfünfundzwanzig Franken. Dann fragte ich nach ihren Namen, ich kaufte ja auch den Namen.

Z'n'b', antwortete der Sklavenhändler.

Z'n'b', wiederholte der Dolmetscher mit großer nasaler Anstrengung. Man kann es nur niesen.

Bildeten die drei Konsonanten ihren Namen? Später habe ich ihn Zeynab ausgesprochen.

Wir verließen den Sklavenhändler nach Zahlung eines Handgeldes. Ich mußte den ganzen Betrag erst von der Bank aus dem fränkischen Viertel holen.

Doch schon am gleichen Abend konnte ich die verschleierte Sklavin in mein Haus führen. Es war höchste Zeit, denn die Frist meines Scheichs lief an diesem Tage ab. Ein Diener des Okels folgte ihr mit einem Esel, der einen großen grünen Kasten trug.

Abd-el-Kerim hatte es gut gemacht. In dem Kasten waren zwei vollständige Kleider. Sie gehören ihr, ließ er mir sagen; sie kommen von einem Scheich zu Mekka, dem sie gehört hat; und jetzt gehört alles Euch.

Man kann nicht zarter vorgehen.

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