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Georg Freiherr von Ompteda: Ernst III. - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Freiherrn von Ompteda
titleErnst III.
publisherDeutsche Verlags-Anstalt Stuttgart
printrunErstes bis zehntes Tausend
year1926
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid806d2cd7
created20061230
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Erster Aufzug

Zwölfter Auftritt

König, Sturz, Rauhreiter, Kleber, Malthus

König (bestimmt): Aber den Majestätsbeleidigungsparagraphen will ich nicht angewendet haben.

Rauhreiter: Euer Majestät können ja gar nicht beleidigt werden!

König: Wozu ist denn dann der ganze Paragraph da?

Sturz (rot, rund, zufrieden): Das Ansehen der Krone zu schützen. Übrigens ist man in den Republiken viel empfindlicher. Ich habe Regierungsrat Bockbein auf die Redaktion des ›Proleten‹ geschickt. Bockbein lacht die Leute einfach überlegen an, dann sind sie verloren.

Kleber (klebrig): Euer Majestät sollten den ›Proleten‹ gar nicht lesen...

König (lebhaft): Doch, doch, der interessiert mich gerade. Der ›Staatsanzeiger‹ ist zu ledern, und was da drin steht, weiß ich ja.

Kleber (klebrig): Das haben Euer Majestät sehr richtig bemerkt. Der ›Prolet‹ wird täglich hingelegt.

König: Er ist auch ganz ulkig. Da stand zum Beispiel drin, ich hätte meine eigenen Verse zitiert: »Warm ist des Tischlers Hand.« Ich kann aber gar nicht dichten... Nicht wahr, Herr von Malthus?

Malthus: Euer Majestät, das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf: Mos. 8, 21.

Dreizehnter Auftritt

Die Vorigen, Auffrecht

Auffrecht (eintretend): Ich melde mich alleruntertänigst vom Urlaub zurück.

König (sichtlich betroffen): Ach, Sie sind wieder da? Warum sind Sie denn schon früher zurückgekommen?

Auffrecht: Euer Majestät, ich wollte lieber wieder Dienst tun.

König (enttäuscht): Ach, Sie hätten nur Ihren Urlaub genießen sollen! Ich habe meinen Urlaub immer bis zum letzten Tage ausgenutzt. Ich ging immer in die Munde. Wo hätte ich denn auch sonst hingesollt? Beim Osterbauern war es am billigsten.

Auffrecht: Gestatten Euer Majestät alleruntertänigst zu melden ... Regierungsrat Bockbein. (Ab.)

Vierzehnter Auftritt

Die Vorigen, ohne Auffrecht. Bockbein

König: Nun?

Bockbein ( lächelt archaisch erst den König an, dann Sturz, dann den Rauhreiter, dann Kleber, dann Malthus. Alle lächeln zwangsweise archaisch zurück): Euer Majestät, ich war auf Befehl Seiner Exzellenz beim ›Proleten‹. Es ist alles in schönster Ordnung.

König: Wieso?

Bockbein: Nun, Herr S. Gold hat gemeint, das sei ja alles nur für die Massen. Er müsse so schreiben. Er selbst findet die Rede Euer Majestät sehr schön. Er hat überhaupt sehr anerkennend von Euer Majestät gesprochen.

Rauhreiter ( für sich): Frechheit!

Sturz ( schmunzelnd): Dachte ich mir!

König ( verbeugt sich lächelnd): Sehr schmeichelhaft! Was hat er denn von mir gesagt?

Bockbein ( zögernd): Euer Majestät, ich weiß doch nicht ...

König: Los! Haben Sie Angst?

Bockbein: Nee, Majestät, nie! Relata refero. Er hat gesagt, Euer Majestät wären ein ganz netter Kerl, auch persönlich durchaus achtungswert und sehr vernünftig, aber... aber...

König ( spöttisch): Na, aber?

Bockbein: ... aber das Metier und die Umgebung!! ( Lächelt archaisch alle der Reihe nach an. König lacht herzlich, Sturz bis zu Tränen. Allgemeine Heiterkeit.)

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