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Ernst, Herzog von Schwaben

Ludwig Uhland: Ernst, Herzog von Schwaben - Kapitel 5
Quellenangabe
typetragedy
booktitleUhlands Werke, Zweiter Band
authorLudwig Uhland
yearca. 1880
publisherTh. Knaur
addressLeipzig
titleErnst, Herzog von Schwaben
pages55
created20150821
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Aufzug.

Erste Scene.

Schwarzwald. Auf der Höhe die Burg Falkenstein.

Im Vordergrund Werner, den schlafenden Ernst im Schoß. Kriegsleute, umhergelagert.

Werner. Er schläft in meinem Schoß, er schläft so sanft,
Vertrauend hat er sich mir angeschmiegt.
O! nur zu sehr hat er mir stets vertraut.
Die Eiche, die ihm sollte Schutz verleihn,
Hat auf sein Haupt den Wetterstrahl gelenkt.
Sein Leben war so schön, so morgenhell,
Bis ich sein Freund und sein Verderber ward.
Ich bin's, der in den wilden Streit ihn riß,
Ich warf ihn ins Gefängnis, ich hab' ihn
Geächtet, ich sein Liebesglück zerstört,
Mein Werk ist er, wie er hier vor mir liegt. 38
Doch er ist immer freundlich, immer treu,
Kein andrer Vorwurf ward mir je von ihm,
Als diese Blässe seines Angesichts
Und dieser Schmerzenszug in seinem Schlaf.
O könnt' ich ihn mit diesen Armen weit
Hinübertragen in ein glücklich Land,
Wo Friede wohnet und wo Freude blüht,
Wo dem Erwachenden sein schweres Leid
Verschwunden wäre wie ein böser Traum!

Adalbert tritt auf.

Adalbert. Da liegt er. Ha! wie er dem Vater gleicht,
Als der Erblaßte mir im Arme lag!

Werner. Tritt sacht auf, Pilger! Weck' nicht meinen Freund!

Adalbert. Laß mir die Wacht bei diesem Schlafenden!
Ich hab' ein altes Recht, die Herzoge
Im Arm zu halten.

Werner.                       Wunderlicher Mann!
Wenn man dir tiefer in die Runzeln schaut,
Bist du der Adalbert vom Falkenstein.

Adalbert. Wenn du die Locken von der Stirne streichst,
Bist du der Werner, der von Kiburg stammt.

Werner. Was willst du hier?

Adalbert.                               Den Herzog sucht' ich auf.

Werner. Weißt du, daß er gebannt, geächtet ist?

Adalbert. Wer solchen Fluch getragen hat wie ich,
Der bleibt von Acht und Bannstrahl ungeschreckt.
Das eben soll vom Fluche mich befrein,
Daß ich dem Ächter öffne meine Burg,
Den sichern Horst, der dort vom Felsen trotzt.

Werner. Schon hab' ich angeklopft an ihrem Thor,
Der Burgvogt hat den Einlaß uns versagt.

Adalbert. Ihm übergab ich meiner Väter Haus,
Als ich hinausging auf die Pilgerfahrt,
Und keinem öffnet er, als seinem Herrn.

Ernst (erwachend).
Wer ist der Mann?

Werner.                       Mein Herzog, sei erfreut!
Erhebt euch, ihr Gefährten unsrer Not!
Gewonnen ist uns heut der erste Sieg.
Noch schweiften wir im Walde, wie der Wolf,
Noch kreisten wir umher, dem Geier gleich,
Der sich nicht setzen darf auf wohnlich Dach,
Und nur den Busch, der auch das Wild behegt, 39
Und nur die Schluft, die auch das Raubtier birgt,
War uns Herberge; dieser Mann zuerst
Eröffnet menschliche Behausung uns,
Die Burg dort oben schließet er uns auf
Und macht uns heimisch in dem schwäb'schen Land.

Ernst. Wer bist du, der du, selbst ein Pilger, mir,
Dem unstät Wandernden, ein Obdach beutst?

Adalbert. Ich bin der unglücksel'ge Adalbert,
Der seinen Herzog in die Seite warf
Und der von fünfzehnjähr'ger Pilgrimschaft
Nur dann entsündiget nach Hause kehrt,
Wenn du mit ihm in seine Mauern trittst.
O wende dich nicht ab! Bei diesem Kreuz,
Das noch der Stätte Denkmal ist, auf der
Dein Vater starb und sterbend mir vergab,
Beschwör' ich dich, verschmähe nicht mein Haus!
Du rettest eine Seele.

Ernst.                               Hingebeugt
Auf diesen Boden, den dein Blut getränkt,
Umfassend diesen moosbedeckten Stein,
Den in der Mitternacht dein Geist umschwebt,
Klag' ich, geliebter Vater, dir mein Los.
So elend siehst du mich und so verwaist,
Daß ich zu dem die Zuflucht nehmen muß,
Der dich gemordet.

Werner.                         Horch'! ein Horn erdröhnt.
Zur Wehr, ihr Männer! Weicht vom Herzog nicht!

Ernst. Nicht wie zum Angriff naht sich diese Schar,
Sie schreiten vor in ernstem Trauerzug,
Umflort ist ihr Panier, die Schärpen schwarz.
Das ist Warin, der Schwabens Fahne trägt.

Warin, an der Spitze einer Kriegsschar, tritt auf.

Warin. Wir treten, Herzog, in geringer Zahl,
Doch tapfern und getreuen Muts, zu dir.
Hinunter ins ital'sche Schlachtgefild
Hat uns dein Bruder Hermann einst geführt.
Das Banner, das ich trage, wallt' ihm vor
Zu manchem heißen, ehrenvollen Kampf.
Des jungen Helden freute sich das Heer,
Uns Schwaben nur war's auf des Jünglings Stirn'
Ein häßlich Mal, daß er die Würde trug,
Die dir entrissen worden, und ich selbst 40
Hab' ihm die Fahne mit Verdruß geschwenkt.
Nach wohlerfochtnem Siege zogen wir
Hinauf gen Susa, wo die holde Braut,
Des Grafen Tochter, ihn erwartete.
Da fiel auf uns der Seuche böser Tau.
Die Männer sanken auf dem Weg dahin,
Nicht einzeln, nein, in Schwaden hingemäht,
Und nicht erhielt der besten Ärzte Kunst
Des Herzogs junges Leben, zu Trient
Liegt er begraben, seinen Leib hat so
Das Gift verzehret, daß wir selbst sein Herz
Nicht mit uns brachten in das Vaterland.
Noch in der Stunde seines frühen Tods
Berief er mich und, von mir abgewandt,
Damit mir nicht sein Anhauch tödlich sei,
Sprach er: »Das Banner, das du trägst, Warin,
Bring meinem Bruder Ernst! Für ihn allein
Hab' ich's genommen und bewahrt, für ihn
Hab' ich's mit Ruhm bekränzt.« – Dies letzte Wort
Ergriff die Herzen. Trauernd und beschämt
Folgt' ihm zu Grab der Unsern kleiner Rest.
Dann setzten wir, gehorsam dem Befehl
Des Sterbenden, sogleich den Heimzug fort.
Noch unterwegs, noch auf der Alpen Steig
Hat uns der Tod gezehntet, manche Leiche
Ward in das Felsgeklüft hinabgestürzt.
Wir aber bringen dir dein brüderlich
Vermächtnis, nimm dies trauernde Panier!
Führ' uns zum Kampfe, führ' uns rasch voran.
Bevor noch lichter unser Häuflein wird!
Denn der noch jetzo blühend vor dir steht,
Trägt schon vielleicht in sich der Seuche Keim,
Und besser fällt ein Mann in offner Schlacht,
Als daß er auf dem Krankenlager fault.

Ernst. O herrlich tret' ich in mein Herzogtum!
Des Vaters Mörder öffnet mir das Thor,
Des Bruders Leichenzug ist mein Gefolg.
Komm, Adalbert! Mich schrecket nicht der Mord.
Folg' mir, Warin! Ich scheue nicht die Pest.

Alle ab. 41

 


 

Zweite Scene.

Mangolds Lager.

Graf Mangold und der Bischof Warmann treten auf.

Warmann. Im Lager muß ich, Neffe, dich begrüßen,
Du gehst dein Schloß vorüber, lässest mich
Zu Konstanz harren, unaufhaltsam eilst
Du an der Spitze deiner Kriegsmacht vor.

Mangold. Mein Auftrag heischt so schleunigen Vollzug.

Warmann. Und nicht gedenk' ich, dich darum zu schmälen.
Durch Regenschauer und durch Sonnenschein
Ist mächtig dir das Glück herangereift;
Selbst was noch jüngst im fernesten Gebiet
Der Wünsche lag, was ein bedachter Sinn,
Der Kühnes meidet, still in sich verschloß,
Ist jetzt uns überraschend nah gerückt
Und will vernehmlich ausgesprochen sein.

Mangold. Die günst'ge Stunde werd' uns nicht versäumt!
Was ist's?

Warmann.       Indes die kaiserliche Huld
Das Schicksal Ernsts in deine Hand gelegt,
Indes der wüste Friedensstörer schon
Von deinen Scharen fast umschlossen ist,
Indes verkündet jedem schwäb'schen Gau
Ein dumpf Geläute Herzog Hermanns Tod.
Wer soll nun Herzog werden? Wem vertraut
Der Kaiser? Welches Haus in Schwaben kennt
Er als das treueste? Für welches spricht
Das ältste Recht, das neueste Verdienst?

Mangold. Daß unsres vom erlauchten Burkhard stammt,
Daß es in Schwaben Herzogswürde trug,
Wohl weiß ich's, und du selber schaltest oft
Den kühnen Stolz, den ich darob gezeigt.

Warmann. Ich schalt, was sich zur Unzeit offen gab.
Doch, wenn du nun den letzten Abkömmling
Des welken Fürstenstammes niederwirfst,
Wenn über dem zertretnen Wappenschild
Du siegreich stehest und den deinen hebst,
Dann –

Wache.       Herr, ein fremder Kriegsmann bittet Euch
Um Zutritt und um sicheres Geleit. 42

Mangold. Bring ihn!   (Die Wache ab.)

Warmann.                 Brauch' Vorsicht, Neffe!

Mangold.                                                           Was soll mir
Der einzle Mann?
    Werner tritt auf.
                              Wer bist du?

Werner.                                             Kennst du mich?

Warmann. Verwegner!

Mangold.                       Wenn die Reue nicht dich treibt,
Welch toller Mut führt dich vor mein Gezelt?

Werner. So ist's doch wahr, was ich nicht glauben wollte,
Bis ich mit eignen Augen es gesehn,
Daß du, Graf Mangold, dem verwandtes Blut
Mit meinem durch die Adern rollt, daß du
Den Herzog, deinen rechten Herrn, nicht bloß
Verlassen hast, nein, daß du ihn verfolgst,
Daß du an der Verfolger Spitze stehst!

Mangold. Mit welchem Recht du mich zur Rede stellst,
Das möcht' ich wissen.

Werner.                               Mit dem Recht des Bluts.
Es rühmen sich die Männer des Geschlechts,
Von dem sie stammen, und ruhmwürdig ist's,
Wenn Kraft und Tugend weithin sich vererbt,
Wenn vor dem Sohn des Vaters Beispiel glänzt,
Wenn unter Brüdern edler Wettkampf brennt,
Wenn jeder eifersüchtig wacht und ringt
Für solchen Adels unbefleckten Glanz.
Und daraus fließt das Recht mir und die Pflicht,
Dich abzumahnen von verkehrter Bahn.

Mangold. Geziemt es dir, mich abzumahnen, dir,
Dem Landsverwies'nen, dem Geächteten,
Der unsres Stammes Auswurf ist –

Werner.                                                   Dem du
Ins Auge nicht zu blicken dich erkeckst.
Dein Blut, das ich gemahnt, hat sich empört
Und hat die Wange dir mit Scham gefärbt.
Folg' dieser Regung, laß den bessern Trieb
Dich ganz ergreifen! Sei der Väter wert!
Ja, Mangold! wenn du nicht den Feinden Ernsts
Mit Leib und Seele schon verfangen bist,
Wenn dir zur Ehre noch die Rückkehr blieb,
So tritt zurück, aufrichtig, sonder Scheu; 43
Die Lehn, die dich verpflichten, gieb sie heim!
Die eitle Gnadenkette, wirf sie ab!
Der schnöden Hauptmannschaft, die dich entehrt,
Die deinen Stamm befleckt, entschlage dich!
Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst,
Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstengunst,
Er bringt Verbannung, Hunger, Schmach und Tod,
Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst,
Ihm haben unsre Väter sich geweiht,
Ihm hab' auch ich mein Leben angelobt,
Er hat mich viel gemühet, nicht gereut,
Für diesen Dienst, Graf Mangold, werb' ich dich,
Du wirst mir folgen.

Warmann.                       Halt, Vermessener!
Willst du Verrat hier stiften? Hoff' es nicht!
Die Scharen, die du rings gelagert siehst,
Sind treu dem Kaiser wie Graf Mangold selbst.

Werner. Mit diesen Söldnern hab' ich kein Geschäft,
Sie mögen thun, wofür man sie bezahlt!
Auch hab' ich nichts mit dir, du bist ein Mönch,
Du bist ein toter Schößling unsres Stamms,
An dir nicht üb' ich der Verwandtschaft Recht.
Zu Mangold sprech' ich, er vielleicht wird einst
Stammvater eines grünenden Geschlechts,
Drum ziemt es mir, zu sorgen, daß er nicht
Verräter zeuge, Schranzen, Mietlinge.

Warmann. Graf Mangold! kaiserlicher Feldhauptmann!
Zu lange schon hörst du es mit Geduld,
Wie dieser Freche, dieser Rasende
Dich selbst und deines Amtes Würde schmäht;
Zu lange schon mißbraucht er dein Geleit,
Das dem Rechtlosen du nicht schuldig bist.

Mangold. Von hinnen, Werner! Du erschienst zu spät,
Ich bin geschleudert, und ihr seid zermalmt.

Werner. Ich geh'. Erfüllt hab' ich der Mahnung Pflicht,
Noch eine heischet unser Stamm von mir,
Auch der will ich genügen. Wenn dem Aar
Der Seinen eines aus den Lüften fällt,
So schießt er nieder und vertilgt's. Wenn du
Mir in der Schlacht begegnest, sieh dich vor!

Ab. Mangold und Warmann in das Gezelt. 44

 


 

Dritte Scene.

Burg Falkenstein.

Ernst allein, am Fenster.

Ernst. Es ist die Zeit jetzt, wo im offnen Land
Das reife Ährenfeld den Schnittern winkt,
Wo in den sonnigen, belebten Gaun
Allwärts geerntet wird und eingeheimst.
Ich bin vom Feld der Ernten ausgesperrt,
Bin eingeschlossen in der Wildnis hier
Und blicke von dem Felsen dieser Burg
Hinunter in den Abgrund, wo der Strom
Durch Trümmer und gestürzte Föhren tost.
Die Tannenwälder überschau' ich, die
Im Winter grün sind und im Sommer welk.
Mir ist kein andres Erntefest bereit,
Als wo die Schwerter statt der Sicheln sind
Und wo ich selbst die falbe Ähre bin.
Der Türmer bläst. O möcht' es Werner sein!
Der Abend dunkelt, und mir bangt um ihn.
Er ist's. Ja! nicht gefangen sein kann der.
Die Fesseln sprängen ab von seinem Arm,
Die Schlösser klirrten auf vor seinem Hauch.
Die Freiheit mögt ihr binden, diesen nicht!

Werner tritt auf, der Saal füllt sich mit Kriegsleuten Ernsts.

Werner. Herein, Herein, ihr Männer! Kommt und hört!
Euch alle gehet meine Kundschaft an.
Wir sind umzingelt, jeder Weg verbaut,
Und kaum bin ich hieher noch durchgeschlüpft.
Ja, dieser Kaiser schreitet raschen Schritt,
Nichts rettet uns, als schleuniger Entscheid.
Schon weiß ich nicht zu schätzen ihre Zahl,
Und jeder Tag verstärket Mangolds Schar.
Uns ist der Zuwachs abgeschnitten, wir
Sind unsern Freunden aus dem Blick gerückt;
Die uns erwarten, haben nicht Gewähr,
Ob wir noch stehn, ob wir zertreten sind.
Noch stehn wir und noch ist uns freigestellt,
Zu wählen zwischen Übergab' und Kampf,
Und noch getröst' ich mich der Möglichkeit,
Daß wir in einer heißen, blut'gen Schlacht 45
Den Feind zernichten und, mit Sieg gekrönt,
Vorbrechen in das Land, das uns erharrt.
Wenn jetzt wir zaudern, bleibt uns keine Wahl,
Als zwischen Übergab' und Hungertod.
Entschließt euch, Männer! Soll's gekämpfet sein?

Warin. Zum Kampf begehren wir.

Die Andern.                                   Zum Kampf! zum Kampf!

Ernst. Ist einer unter euch, dem eine Braut,
Ein Weib, ein Kind das Leben kostbar macht,
Er zieh' im Frieden! Nicht verdenk' ich's ihm,
Nicht heisch' ich so verzweifelten Entschluß. –
Ihr schweigt und steht. So ruf' auch ich: Zum Kampf!
Der erste Morgenschein find' uns bereit!
Ein jeder rüste sich, so gut er kann!
Manch Waffenstück noch hängt in diesem Saal,
Das unser Wirt uns willig überläßt.

Werner. Du selber, Herzog, bist noch unbewehrt
Und jedem bloßgegeben, der dich sucht,
Laß mich dich wappnen für den heißen Tag!

Ernst. Ist's eine Sturmhaub', ist's ein Bruststück nur,
Genug, wenn es die Wetterseite schirmt,

Werner. Die Brünne werd' um deine Brust geschnallt,
Den Kettenpanzer werf' ich über dich,
Den Sturmhut bind' ich unter deinem Kinn,
Dein gutes Schwert häng' ich in diesen Gurt.
Sei dieser Stahl wie unsre Treue stark!
Sei'n diese Ringe fest wie unser Bund!

Adalbert tritt gewappnet aus der Schar, einen Jüngling an der Hand.

Adalbert. Zum Ritter umgewandelt tret' ich jetzt
Vor dich, mein Herzog! Dir verdank' ich es,
Daß mir der Helm die Stirne wieder deckt,
Daß mir das Schwert die Hüfte wieder schmückt.
Wenn auch den Arm die Jahre mir geschwächt,
Verschmäh' nicht meinen Dienst! Als Jüngling auch
Geb' ich mich dir. Sieh! dieser ist mein Sohn;
Er sei der deine! Aus dem Klosterzwang
Hat er sich losgerissen, Waffenwerk
Hat er mit Fleiß erlernet. Nimm ihn hin!
Verjüngt empfängst du mich, unschuldig noch
Und unbefleckt von deines Vaters Blut.

Ernst. Ich nehm' ihn. Füg' es Gott, daß ich ihn dir
Zurück kann geben, wie ich ihn empfing! 46

Werner. Der ich bis jetzt als Kriegsknecht dir gedient,
Gewappnet als ein Ritter tret' auch ich
Dir nun zur Seite, denn ein solcher Kampf
Steht uns bevor, wobei es sich verlohnt,
Im vollen Kriegesschmucke zu erscheinen.
Beneiden aber muß ich diesen Mann,
Der dir ein doppelt Leben widmen darf.
Laß dir erzählen einen lust'gen Schwank,
Weil jetzt die Zeit ist, Schwänke zu erzählen.
Als Kaiser Heinrich einst zu Regensburg
Aufs Jagen ausritt, gab er den Befehl,
Daß keiner von den Herren seines Hofs
Sich folgen lasse mehr denn einen Knecht.
Gleichwohl kam ihm der Graf von Abensberg
Mit dreiunddreißig Reisigen getrabt,
Ein rüstig Häuflein, sauber angethan,
Die Rößlein wohl gesattelt und gezäumt.
Da sprach der Kaiser: »Ist Euch unbekannt,
Daß Ihr nur einen Diener bringen sollt?«
Der Graf darauf: »Nur einen bring' ich mit.«
»Wer sind die andern?« »Meine Söhne sind's,
Sie alle schenk' ich und befehl' ich Euch.
Sie seien Euch im Frieden eine Zier,
Im Krieg ein Beistand! Laß es Gott gedeihn!«
So sprach der Graf. O wär' ich reich wie er!
O könnt' ich dir so vielfach Leben weihn!
So aber steh' ich einsam auf der Welt,
Von meinem Stamm hab' ich mich losgesagt,
Geschleift ist meiner Väter alte Burg,
Kein Haus hab' ich, kein Weib und keinen Sohn,
Nichts hab' ich dir zu bieten, als mich selbst.
In meines Lebens ungeschwächter Kraft,
Im Stolz der Freiheit, in des Herzens Glut,
Im Klirren dieser Waffen werf' ich mich
Dir in die Arme, dein bis in den Tod!

Ernst. Hat je ein Herzog solche Schar geführt,
So treuergebne, so hochherzige?
Ja! meine Würde fühl' ich, anders nicht
Darf ich euch führen, als in Fürstentracht,
Damit ich, siegend oder sterbend, so
Erscheine, wie es eurem Herzog ziemt.
Erkennen soll man mich, damit das Schwert, 47
Das mich begehret, keinen trifft von euch.
Ein Scharlachmantel hängt an jener Wand,
Legt mir ihn um! Es ist ein fürstlich Kleid.

Adalbert (indem er Ernst den Mantel umlegt).
Dein Vater trug's auf der unsel'gen Jagd.
Die Zeit hat es entfärbt.

Ernst.                                     Dies blasse Rot
Ist echte Farbe meines Mißgeschicks.

Warin. Den Schild hier, drauf das Wappen Eures Stamms
Erbleicht ist, trug der tapfre Hermann einst.
Er würd' Euch angeboten, gält' uns nicht
Für schlimmes Zeichen solch erloschnes Bild.

Ernst. Gieb her! Der letzte meines Stamms, geh' ich
Der Schlacht entgegen, die entscheiden wird,
Ob dieser welke Scharlach neu erblühn,
Dies trübe Wappen neu erglänzen soll.

Werner. Heil unsrem Herzog!

Die Andern.                             Heil dem Herzog Ernst!

 


 

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