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Erkämpftes Glück Teil 1

Karl May: Erkämpftes Glück Teil 1 - Kapitel 9
Quellenangabe
pfad/may/waldroe5/waldroe5.xml
typefiction
authorKarl May
titleErkämpftes Glück Teil 1
publisherWeltbild
seriesWaldröschen oder Die Rächerjagd rund um die Erde
volume5
illustratorFiruz Askin
year1999
firstpub1901/1902
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120628
projectid0889013b
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8. Kapitel.

Büffelstirn und Helmers sahen ein, daß eine Verfolgung der Feinde zunächst unmöglich sei, und kehrten nach dem Teich zurück.

Als sie denselben erreichten, lagen zehn Leichen dort. »Keiner lebt! Alle tot!« sagte Helmers traurig. Büffelstirn blickte finster vor sich hin.

»Ich werde sie rächen«, sagte er. »Mein Bruder Donnerpfeil gehe mit zu dem Mann, den meine Kugel getroffen hat.«

Sie schritten dahin, wo der Verwundete lag. Er krümmte sich am Boden und war augenscheinlich dem Tode nahe. Die Kugel war ihm in die Seite des Kopfes gedrungen und in der Entfernung von drei Zoll wieder hinausgegangen. Er schien noch bei Besinnung zu sein.

»Wer bist du?« fragte Helmers.

Der Mann blickte ihn an, ohne zu antworten.

»Was wolltet ihr hier?« fuhr Helmers fort.

Jetzt schien der Sterbende sich zu besinnen.

»Josefa befreien«, sagte er. – »Wer führte euch denn?« – »Grandeprise.« – »Grandeprise? Wer ist das?« – »Ein Yankeejäger.« – »Wie kamt ihr zu diesem? Du bist doch ein Mexikaner!« – »Cortejo brachte ihn mit.« – »Cortejo?« fragte Helmers erstaunt. »Wo war Cortejo?« – »Hier, bei uns.«

Der Mann schloß die Augen wieder. Der Tod trat ihm näher.

»Hier bei euch? Ist das wahr?« – »Ja«, antwortete er immer leiser. – »Und er ist entkommen?« – »Ja.« – »Wohin will er?« – »Ich weiß es nicht.« – »Du weißt es, du mußt es wissen! Du mußt es sagen! Deine Sünden werden dir jenseits nicht vergeben werden, wenn du es verschweigst!«

Helmers faßte den Mann an und rüttelte ihn. Dieser begann schon, sich zu strecken. Aber er hatte die Worte doch vernommen und antwortete mit Anstrengung seiner letzten, schwindenden Kräfte:

»Vielleicht – nach dem – Kloster della Bar ...«

Das Wort erstarb ihm auf den Lippen. Der Mund schloß sich. Ein dicker Schweiß trat auf sein Gesicht, ein Röcheln, ein Schütteln seines ganzen Körpers, und dann war er tot.

»Ah! Zu spät! Er brachte das Wort nicht hervor!« – »Die Krokodile sollen ihn fressen!« meinte Büffelstirn zornig.

Er hob den Entseelten auf, trug ihn nach dem Teich und warf ihn ins Wasser. Es entstand ein kurzer, aber desto gräßlicherer Kampf zwischen den häßlichen Amphibien, die den schauderhaften Fraß einander streitig machten, dann war es vorüber.

»Nun aber fort, den Berg hinab!« sagte Helmers. »Wir müssen wissen, in welcher Richtung sie davongeritten sind.« – »Wir müssen laufen wie die Pferde«, stimmte der Mixteka bei.

Nach diesen Worten eilte er davon, wie aus einer Pistole geschossen, im schnellsten Dauerlauf den Berg hinab, und dabei immer die Spuren der Entkommenen mit dem Auge festhaltend.

Helmers folgte ihm und blieb ihm hart auf den Fersen. Unten wandten sie sich rechts und rannten weiter. Da aber, wo die Richtung nach der Hazienda abging, blieb Büffelstirn halten und sagte:

»Einer muß zu Sternau.« – »Das ist wahr! Aber wer? Du oder ich?« – »Ich werde gehen«, meinte der Mixteka. »Mein Bruder folge der Spur weiter, bis wir ihn einholen. Er mag uns den Weg kenntlich machen.« – »Gut. Bringt mir ein braves Pferd mit. Ich lasse mich nicht eher wieder auf der Hazienda sehen, als bis diese Scharte ausgewetzt ist.«

Er schritt auf der Fährte weiter, ohne sich nur noch einmal umzusehen. Der Mixteka dagegen eilte auf die Hazienda zu.

Er hatte jedenfalls nicht das Leichteste auf sich genommen. Es war keine Kleinigkeit, Sternau das Vorgefallene mitzuteilen.

Als er auf del Erina ankam, stand Sternau eben bei Bärenherz, um abermals zu versuchen, von ihm etwas über den Ritt der Freunde zu erfahren. Als er den Mixteka auf sich zukommen sah, heiterte sich sein Gesicht auf. Er hoffte, nun Klarheit zu erhalten, und sie sollte ihm auch werden, allerdings eine Klarheit, die er nicht erwartet hatte.

»Ich sprach mit dem Häuptling der Apachen von dir«, sagte er. »Wo ist Büffelstirn mit Donnerpfeil gewesen?«

Büffelstirn verzog keine Miene, als er antwortete:

»Auf dem Berg El Reparo.« – »Ah, ich ahnte es! Was haben sie getan?« – »Sie haben getan etwas, was ihnen niemand vergeben kann. Sie haben die Gefangene meines Bruders Sternau entkommen lassen.« – »Meine Gefangene habt ihr entkommen lassen? Josefa Cortejo?« – »Ja.« – »Diese befindet sich doch im Keller.« – »Nein. Sie war mit auf dem Berg El Reparo.« – »Die Wachen sagten, sie sei im Keller.« – »Sie mußten so sagen, denn ich hatte es ihnen befohlen.«

Das Gesicht Sternaus verfinsterte sich plötzlich.

»Mein Bruder befiehlt seinen Leuten, mich zu belügen?« sagte er. »Von einem solchen Freund mag ich nichts mehr wissen.«

Damit drehte er sich um und stand im Begriff, fortzugehen. Da aber zog Büffelstirn sein Messer und sagte:

»Wird der Fürst des Felsens mich verlassen?« – »Ja«, antwortete Sternau. – »So stoße ich mir das Messer in die Brust, damit du siehst, daß ich mich selbst zu strafen weiß.«

Sternau kannte den Indianer genau. Er wußte, daß er Wort halten werde. Darum drehte er sich wieder um und fragte:

»Büffelstirn und Donnerpfeil haben die Tochter Cortejos mit nach dem Berg El Reparo genommen?« – »Ja«, antwortete der Gefragte. – »Hat der Häuptling der Apachen es gewußt?« – »Ja.« – »Meine Freunde sind nicht klug gewesen und auch nicht gut und aufrichtig gegen mich. Warum haben sie das Mädchen mitgenommen?« – »Wir haben sie über den Krokodilen aufgehängt, um ihr den Tod zu zeigen, den sie erleiden wird.« – »Was geschah dann?« – »Ihr Vater kam, sie zu retten.« – »Cortejo selbst?« – »Ja.« – »Das ist ja fast unmöglich! Ist es ihm gelungen?« – »Ja. Er hat uns überlistet und uns seine Tochter gestohlen, zehn Krieger der Mixtekas getötet und unsere Pferde mit fortgenommen.«

Sternau war fast starr vor Erstaunen über diese Nachricht.

»Wo ist Donnerpfeil?« fragte er. – »Er ist auf Cortejos Fährte.« – »Wohin führt sie?« – »Von El Reparo nach Süden.« – »Er hat kein Pferd?« – »Nein. Auch ich bin zu Fuß nach der Hazienda gekommen.« – »Wie viele Leute hat Cortejo bei sich?« – »Zehn oder zwölf.« – »Der Häuptling der Mixtekas mag es ausführlich erzählen!«

Büffelstirn berichtete alles, was geschehen war. Es war dies die fürchterlichste Buße, die er sich auferlegte. Sternau und Bärenherz hörten ihm schweigend zu, bis er geendet hatte. Dann sagte der erstere:

»Wir müssen beide holen, sowohl den Vater wie auch die Tochter.« – »Ich werde sie holen«, erklärte der Mixteka. – »Und ich werde mitgehen«, fügte Bärenherz hinzu, der einsah, daß seine Verschwiegenheit auch mit schuld an dem unglücklichen Ausgang des unvorsichtigen Rittes gewesen war, und daher selbst mitwirken wollte, um die Folgen wieder quitt zu machen.« – »Die Verfolgung dieser Leute ist mir so wichtig, daß ich sie selbst in die Hand nehmen werde«, sagte Sternau. – »Warum will mein Bruder nicht hierbleiben?« fragte Büffelstirn. »Ich und der Häuptling der Apachen, wir werden die beiden fangen und nach der Hazienda bringen.« – »Ich muß selbst dabeisein. In zehn Minuten reite ich.«

Sternau sprach diese Worte in einem nicht unfreundlichen, aber so bestimmten Ton, daß ein Widerspruch gar nicht möglich war, und ging fort.

»Der Fürst des Felsens will mir keine Vorwürfe machen, aber er ist sehr zornig auf mich«, sagte Büffelstirn zu Bärenherz. – »Er ist zornig auch auf mich, da ich gewußt habe, wo ihr seid«, antwortete dieser. »Ich werde mein Pferd satteln und alles tun, um seinen Zorn zu zerstreuen.«

Auch er ging.

Büffelstirn war außerordentlich niedergeschlagen. Er hätte lieber die schärfsten Vorwürfe mit angehört, als die wortlose Mißbilligung gesehen, die Sternau gezeigt hatte. Er begab sich zu dem zweiten Häuptling der Mixtekas, auf den er sich verlassen konnte.

»Ich werde die Hazienda verlassen«, sagte er zu ihm. »Auch der Fürst des Felsens und Bärenherz gehen mit. Mein Bruder ist also der einzige Anführer und Häuptling, der zurückbleibt. Er mag Arbellez gut beschützen und Juarez die Kinder der Mixtekas zuführen, sobald er kommt.« – »Wohin geht mein Bruder?« fragte der Häuptling. – »Ich weiß es nicht.« – »Wann kommt er zurück?« – »Auch das weiß ich nicht.« – »Sollen ihn keine Krieger begleiten?« – »Es mögen zehn Männer mitreiten, die es gut verstehen, eine Fährte zu lesen. Mehr brauche ich nicht.«

Damit war alles abgemacht. In der von Sternau gegebenen Zeit ritt er mit den beiden Häuptlingen in Begleitung von zehn Mixtekas von der Hazienda fort. Einer dieser letzteren führte ein für Helmers bestimmtes Pferd am Zügel.

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