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Gutenberg > Theodor Mügge >

Erich Randal

Theodor Mügge: Erich Randal - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
booktitleErich Randal
authorTheodor Mügge
year1856
firstpub1856
publisherVerlag von Meidinger Sohn
addressFrankfurt a. M.
titleErich Randal
pages830
created20090617
sendergerd.bouillon@t-online.de
noteUnter Verwendung der PDF-Version von hproding@sun.ac.za
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Neuntes Kapitel.

Am 3. Mai war Sweaborg den Russen übergeben worden, an demselben Tage, wo die Nachricht in Stockholm anlangte, daß Admiral Cronstedt die Capitulation abgeschlossen hatte. Die Schweden, mehr als sechstausend Mann stark, zogen aus der unbezwingbaren Felsenveste, um vor neuntausend Russen das Gewehr zu strecken, und ihnen das Gibraltar des Nordens mit zweitausenddreihundert Kanonen, großen Kriegsvorräthen aller Art und hundertvierzig Schiffen, den besten Theil der Scheerenflotte, zu überliefern. Es war ein jammervolles Schauspiel voll Schmerz und Klagen, voll Verwünschungen und Thränen. Die junge Frühlingssonne begann Schnee und Eis zu schmelzen, doch lag dies noch fest zwischen den sieben Inseln und die Regimenter marschirten, die Köpfe gesenkt, eines nach dem andern über das gefrorene Meer und stellten sich vor Hesingfors den russischen Linien gegenüber auf. Viele Weiber begleiteten ihre Männer, beladen mit Habe aller Art, denn Jeder konnte was sein Eigenthum war mit sich nehmen. Die Offiziere schienen zum größten Theil ziemlich gleichgiltig darein zu sehen. Viele waren froh, daß es so gekommen war, die Meisten schon gewonnen, um in russische Dienste zu treten, Andere über die Aussicht erfreut, nach Schweden zurückkehren zu können, da ihnen dies gegen das Versprechen gestattet wurde, während dieses Krieges nicht mehr gegen die Russen und ihre Bundesgenossen zu dienen; aber es gab doch auch tapfere Männer genug mit gramvollen wilden Blicken, die ihre Degen gegen den gefrorenen Boden stemmten und zerbrachen und mit schrecklichen Flüchen auf alle Verräther Griff und Scheide von sich schleuderten. Der ganze Weg, den die gefangene Besatzung zu machen hatte, war mit zerbrochenen Gewehren und Waffenstücken bedeckt, denn die Soldaten in ihrer 629 Wuth zerschlugen, was sie dem Feind überliefern sollten, und wenn einer unter den zweihundert und acht Offizieren sich an ihre Spitze gestellt hätte, würden sie noch jetzt einen Kampf der Verzweiflung begonnen haben.

Während der ganzen Zeit aber, vom 8. April ab, wo Jägerhorn in Cronstedt's Namen mit Suchtelen die Capitulation abschloß, war alle List und Gewalt angewandt, um Meuterei zu bewältigen. Die meisten Offiziere waren einverstanden; die Obersten hatten die Capitulation mitunterzeichnet; die Verdächtigen wurden genau beobachtet und Manche verhaftet, deren man nicht sicher war. Den Soldaten wurde die Capitulation nur in kleinen Abtheilungen vorgelesen und die Offiziere bewiesen ihnen, daß es nicht anders gehe, der Admiral jedoch bestens für sie gesorgt habe. Denn die finnischen Regimenter sollten aufgelöst, die Soldaten in ihre Heimath entlassen werden, die Schweden zwar kriegsgefangen sein, aber im russischen Finnland bleiben bis zum Friedensschluß. Dennoch, je näher der Tag der Übergabe kam, um so mehr regten sich Zorn und Furcht vor Schmach und Schande. Ein paar Offiziere erboten sich das den Russen überlieferte Festungswerk Langörn wieder zu erobern; der Admiral ließ es nicht zu. Neue Verhaftungen waren die Folge. In der letzten Woche ließ Olaf Cronstedt sich nicht mehr sehen, aus Besorgniß, daß er ermordet würde; öffentlich war er beschimpft worden und auf Jägerhorn wurde geschossen. Alles aber hinderte nicht, daß die Stunde seiner Schande schlug: denn die Thore wurden geöffnet und er zog hinaus und überlieferte sich und die Festung den Feinden seines Vaterlandes um Gold. Die Russen zogen ein und staunten freudig und verwundert die ungeheueren in die Felsen gehauenen Gallerien und Schanzen und die langen Reihen erzener Feuerschlünde an. Der junge Fürst Dolgorucki war unter denen, welche zunächst diese furchtbaren Batterien besichtigten, und neben ihm ging der Oberst Jägerhorn, der lächelnd bemerkte, daß fünfundzwanzig Millionen Thaler und dreißig Jahre Arbeit dazu nöthig gewesen seien, um diese Felsenveste zu erbauen.

Mit unbeschreiblicher Verachtung in seinen glänzenden Augen schaute der ritterliche Prinz den Verräther an. Und was hat dazu gehört, 630 um dies unüberwindliche Bollwerk Schwedens in unsere Hände zu bringen? fragte er ihn, indem er ihm den Rücken zuwandte.

Wie Dolgorucki dachte, dachten manche edle Russen. Kaum konnte General Suchtelen den Admiral und seine Umgebung vor Hohn und beleidigenden Äußerungen schützen, allein die Nemesis traf doch diese Verräther – sie sind vom Fluch ihres Vaterlandes verfolgt, von jedem Redlichen gemieden, gestorben! – Cronstedt gab sich das Ansehen, als wollte er nach Stockholm gehen, um sich zu rechtfertigen, natürlich that er es nicht, und im Frieden zu Frederikshamn wurde ihm wie allen anderen Verräthern Straflosigkeit zugesichert. Schaam und Schande aber zehrten an dem stolzen Mann; niemals wagte er es, die Früchte seines Verbrechens zu genießen. Anscheinend arm und zurückgezogen, suchte er die Meinung zu bestärken, daß er nach seiner Überzeugung handelnd vielleicht geirrt habe, doch nicht für Geld sich verkaufte; erst nach seinem Tode sind die zwei Millionen Rubel gefunden worden, welche er erhielt.

Die Russen setzten sich eilig in Sweaborg fest und schickten ihre Gefangenen fort, allein sie hielten was sie versprochen hatten, in russischer Weise. Die Finnen wurden nicht in ihre Heimath entlassen, sondern man wandte alle Überredungsmittel und Verlockungen an, um sie zu bewegen, in die russischen Regimenter einzutreten, und wo diese Künste nicht fruchteten, fruchteten Hunger, Schläge und Gewalt. Viele Offiziere machten selbst die Verführer der Soldaten und gingen ihnen mit gutem Beispiele voran, indem sie in russischer Uniform ihre Untergebenen aufforderten, es ihnen nachzuthun.

So war es auch in Jägerhorns Regiment, der sich selbst bescheidentlich zurückgezogen hatte, da ihm, wie man sich erzählte, hunderttausend Silberrubel als sein Lohn sofort ausgezahlt wurden. Der größte Theil der Offiziere dieses Regiments hatte den Herrn gewechselt, und unter ihnen befand sich der Junker Ridderstern, welcher in dem Rock eines russischen Lieutenants vor der Compagnie erschien, wo soeben wieder Bekehrungsversuche gemacht wurden.

Holla! kleiner Magnus, rief er dem sechszehnjährigen Unteroffizier zu, sei nicht länger verstockt, sondern werde endlich klug. Melde dich bei meinem Vetter, er legt ein gutes Wort für dich ein und du 631 bekommst die silberne Schärpe so gut wie ich. Tritt vor, Unteroffizier Munk. Vorwärts, die Zeit ist da, wo Etwas aus dir werden kann.

Ein Russe will ich nicht werden! sagte Magnus.

Du willst kein Russe werden? lachte Ridderstern, bist aber schon einer. Finnland gehört dem Kaiser, also bist du sein Unterthan. Er kann dich zwingen, zu was ihm beliebt, und wenn du hartnäckig bleibst, wirst du als gemeiner Soldat in ein Regiment gesteckt.

Die Capitulation sagt, jeder Finne hat das Recht zu begehren, daß er nach Haus gesandt wird, und das begehre ich, erwiederte Magnus.

Zu deinem Vater willst du, der die Bauern aufwiegelt, der Schuld daran ist, daß Halljalaschloß niedergebrannt wurde! schrie Ridderstern. Nimm dich in Acht, Junge, daß man euch nicht zusammen aufhängt!

Wer hat dir das gesagt? Was ist mit meinem Vater? fragte Magnus erregt.

Mit deinem Vater ist nichts, als daß ihm anbefohlen worden ist, sich ruhig zu verhalten, wenn er nicht todtgeschossen sein will, und der mir das gesagt hat, kommt dort, wie du siehst.

Magnus erblaßte. Nicht weit von sich erblickte er Serbinoff, welcher von mehreren Offizieren begleitet sich näherte. Die scharfen Augen des Grafen entdeckten und erkannten sogleich sowohl den jungen Ridderstern, wie den Sohn des Invaliden, den er jedoch nicht bemerken wollte, denn ohne ihn zu beachten, wandte er sich an den Junker und wünschte ihm Glück zu der neuen Uniform.

Dienen Sie dem Kaiser nur eifrig, sagte er, so soll, auf mein Wort! kein Jahr vergehen, bis Kapitän Ridderstern an der Spitze seiner Compagnie marschirt. An Gelegenheit zur Auszeichnung wird es nicht fehlen.

Ich wollte, versetzte der Junker, daß ich unter den Augen eines so ausgezeichneten Offiziers fechten dürfte, wie Sie, Herr Oberst.

Wer weiß was geschieht, sagte Serbinoff. Ich habe den Auftrag erhalten, aus einem Theil des ehemaligen Belagerungsheeres eine Colonne zu bilden, welche die Seen und Sümpfe in Savolax und am oberen Pajäne bewachen soll, denn, wie wir in Erfahrung gebracht 632 haben, ist der schwedische General Sandels mit seiner Brigade schon auf dem Marsch dahin begriffen.

Sandels ist einer der besten Führer in der Armee, bemerkte einer der Offiziere.

Aber Ihnen nicht gewachsen, Herr Graf, sagte der vorlaute Junker. Ich bitte Sie, mich nicht zu vergessen.

Gut, mein junger Freund, es soll geschehen, versetzte Serbinoff; zunächst aber wollen wir hier noch einige frohe Tage verleben. Ich erwarte morgen einige Damen, die Sie kennen. Frau von Gurschin will nach Abo zu ihrem Vater, der jetzt dort verweilt, denn er ist in den Ausschuß der Stände gewählt, welcher die Huldigung des Kaisers betreibt und das Land regieren hilft. In Begleitung der gnädigen Frau befindet sich aber auch ein Fräulein, das zu Ihren Jugendbekanntschaften gehört.

Louisa Waimon!

Sie haben es gerathen. Die Damen haben sich bis jetzt in Wiborg gelangweilt; es ist Zeit, sie und uns zu entschädigen. Vielleicht begleiten sie uns in die Berge und wir feiern dort Frühlings- und Blumenfeste. Doch noch Eines, mein lieber Ridderstern. Es wäre mir lieb, wenn Sie mir einige an den oberen Seen geborene und mit jenem Lande völlig vertraute Leute nennen könnten. Es müssen Manche auch in diesem Regiment sein.

Einer steht hier, Magnus Munk, sagte der Junker; mit dem Freiherrn Randal, dem verschollenen Otho Waimon und dem alten Herumtreiber Lars Normark hat er von Kindheit an ganz Savolax durchstreift. Ich bin gewiß, daß er jeden Pfad durch Wald und Sumpf kennt; aber dieser junge Herr will um keinen Preis ein Russe werden, sondern begehrt entlassen zu sein.

Das will ich, versetzte Magnus, denn Ridderstern wandte sich zu ihm um. Ich bin ein Finne und will einer bleiben.

Serbinoff sah das bleiche Kind mit einem sonderbaren starren Lächeln an und wandte sich dann zu einem der Offiziere, die ihn umringten. Der Offizier ging über den großen Platz fort, auf dessen entgegengesetzter Seite russische Wachen standen, und Serbinoff nahm Abschied von seinem Günstling, indem er ihn zu einem Besuche einlud.

633 Kommen Sie morgen zu mir, rief er zurück, wir wollen den Damen entgegen fahren; Sie sollen mich begleiten.

Kaum hatte er sich entfernt, als der Offizier mit einem anderen zurückkehrte, dessen Anblick wohl im Stande war, Besorgnisse zu erregen. Es war ein Herr von äußerst robuster Gestalt, und dem echten national-russischem Gesicht, mit hochstehender kleiner Nase, dicken Lippen, fleischigen Backen, schief stehenden Augen und strohgelbem Haar. Sein großer buschiger Backenbart hatte brandrothe Farbe und in seinen Blicken lag die Bestätigung der rohen Härte, welche jeder Zug ankündigte.

Ist er das? fragte er den Offizier, und als dieser nickte, ging er gerade auf Magnus Munk los, stellte sich dicht vor ihm hin und sah ihn furchtbar stier an. Kennst du mich? fragte er im gebrochenen Finnisch.

Ja, sagte Magnus.

Wer bin ich?

Der Platzcommandant von Helsingfors, Major Kruloff.

Gut, versetzte der Major. Wer bist du?

Unteroffizier Magnus Munk.

Und willst nach Hause gehn?

Da der Herr Commandant die Pässe für die finnischen Soldaten auszustellen hat, wollte ich darum bitten –

Nichts! rief der Major, geht nicht an; mußt bleiben. Kaiser braucht dich – nichts!

Aber ich mache von meinem Rechte Gebrauch, das durch die Capitulation gesichert wurde, sagte Magnus demüthig.

Der Major beachtete diesen Einspruch gar nicht. Ein paar Unteroffiziere waren ihm nachgefolgt, diese winkte er jetzt heran. Mit denen hier gehst du, sagte er, ziehst kaiserlichen Rock an. Marsch! Pascholl!

Ich gehe nicht! versetzte Magnus, ohne sich zu rühren. Ich will nicht in den Dienst des Kaisers treten.

Willst nicht? fragte der Major, indem er seine grüngrauen grellen Augen zusammenkniff, daß sie sich unter unzähligen Falten verloren.

Nein, ich bleibe bei meinem Recht.

Der Major hob seine Faust auf und ließ sie auf den Kopf des Knaben fallen, daß dieser auf seine Kniee stürzte. Willst jetzt noch bei deinem Rechte bleiben, du junger Hund? fragte er.

634 Ich will bei meinem Rechte bleiben, antwortete Magnus, und wenn ich sterben soll.

Der Arm des riesigen Mannes hob sich von Neuem auf, allein er ließ ihn wieder sinken; ein satanischer Ausdruck lag lauernd und überlegend auf seinem Gesicht. Bringt ihn auf die Hauptwache! rief er den Unteroffizieren zu. Morgen werde ich dich wieder fragen, dann wirst du wollen, mein Söhnchen! und auf seinen Wink an beiden Armen fest gepackt, konnte der arme Knabe nichts anderes thun, als sich in sein Schicksal ergeben.

Dies Schicksal theilten manche finnische Soldaten und Unteroffiziere, welche durchaus nicht die russische Uniform anziehen und dem Kaiser schwören wollten. Nur die Kranken und Schwachen wurden entlassen, die allermeisten zwang man mit Hunger und Schlägen, mit grauenhaften Gefängnissen und harter Arbeit. Magnus wurde auf die Hauptwache in ein kellerartiges Loch gebracht; ohne Wärme, ohne Nahrung, ohne einen Tropfen Wasser, vergingen ihm hier lange Stunden. Als die Nacht kam und Niemand sich blicken ließ, als eisiger Frost ihn schüttelte und der Hunger an ihm zu nagen begann, schlug er an die Thür und alsbald erschien ein russischer Unteroffizier, den er um ein Stück Brod bat.

Willst du in des Kaisers Dienst treten? fragte der Mann dagegen, so sollst du essen.

Wenn ihr mich die Nacht über in diesem Keller laßt, erwiederte Magnus, so habe ich nichts mehr nöthig, denn ich werde erfrieren.

Nach einigen weiteren Ermahnungen sagte der Unteroffizier: Ich will dich mit heraufnehmen, aber geben darf ich dir nichts, bis du ja sagst. Sträube dich nicht länger, denn es kann doch nichts helfen. Der Commandant will's so haben, und du thust mir leid, junger Mensch. Er hat schon Andere gezwungen, wie du bist, die jetzt in des Kaisers Uniform auf Wache ziehen. Da war noch in letzter Woche ein Finne, groß und stark wie ein Riese, der wollte durchaus nicht heran. Jeden Tag bekam er seine Hiebe, es half Alles nichts. Endlich aber thaten es Hunger und Durst. Hinter dem Gitter oben saß er, bekam keinen Tropfen Wasser, und wenn er über Hunger schrie, wurde ihm ein Häring vorgehalten. Drei Tage hielt er aus, dann 635 brüllte er, wie ein wildes Thier: Wasser! Wasser! macht mit mir was ihr wollt! und damit war's gut.

Ein Schauder lief über den unglücklichen Knaben. Das wird kein guter Soldat sein! murmelte er.

Werden ihn schon gut machen, lachte der Mann. Wie sie ihn hinausführten, nachdem er den langen grauen Rock angezogen, hob er seine Arme zum Himmel auf, knirschte mit den Zähnen dazu und rollte seine Augen, als wollte er uns Alle verschlingen; als ihm aber ein halbes Dutzend aufgezählt waren, wurde er vernünftig. Ist das einzige Mittel vernünftig zu machen; laß es nicht dahin kommen, junger Mensch, ich rath' es dir.

Damit führte er seinen Gefangenen hinauf und sperrte ihn hinter das Eisengitter ein, das den unglücklichen Finnen verwahrt hatte. Es war ein kleiner enger Raum, abgeschieden von der großen niedrigen Stube, in welcher die Soldaten der Hauptwache sich aufhielten. Der eiserne Ofen stand dicht an dem Gitter, die rothglühenden Platten strahlten eine Höllengluth aus. War Magnus in dem Kellergefängniß dem Erfrieren nahe, so fühlte er hier bald sich im Zustande des Verschmachtens. Vergebens aber flehte er um Wasser, vergebens endlich, wie um eine Gnade, wieder in den Keller gebracht zu werden. Der Unteroffizier beantwortete jede Bitte mit der Aufforderung, in des Kaisers Dienst zu treten, bis der Knabe zu flehen aufhörte und in der fernsten Ecke den glühenden Kopf an die Steine drückte.

Eine Nacht, die nie enden zu wollen schien, breitete sich über die Leiden des Gefangenen aus, aber seine Standhaftigkeit ließ sich nicht durch die Qualen erschöpfen, welche er zu ertragen hatte. Er dachte an seinen Vater, der sich und sein Schiff einst lieber in die Luft gesprengt hatte, ehe er sich den Feinden ergab, er dachte an die Lehren, welcher dieser geliebte Vater ihm so oft ertheilte, in Ehren zu leben und zu sterben, und es fiel ihm ein, wie viele edle und herrliche Männer für Wahrheit und Recht entsetzliche Martern ertragen hatten, ohne zu wanken und zu lügen. Stärke mich, mein Gott! flüsterte er seine Hände faltend, stärke mich, daß ich ohne Klage ende. Gib meinem Körper die Kraft meines Geistes, daß ich dulde ohne zu murren, daß ich meine Peiniger nicht fürchte.

636 Aber während er seine Schwäche muthig überwand, füllte sich seine Brust mit Seufzern und seine geschlossenen Augen schickten Thränen über sein Gesicht. Er dachte an Louisa. O, der hartherzige Mann, dessen Werk es war, daß er hier eingekerkert wurde, hatte ihm größeres Weh bereitet. Morgen erwartete er sie, morgen wollte er sie empfangen, und während sie seine Feste feierte, sie in seinen Armen lag, wurde er vielleicht gezwungen, an Serbinoff s Thür Wache zu halten. Er preßte seine Hände, die im Fieber brannten, vor sein Gesicht, um den Schrei der Verzweiflung zu ersticken, der sich aus seiner tiefsten Brust hervorrang. Was ist aus ihr geworden und aus mir! schrie es aus seinem tiefsten Herzen. Allmacht Gottes! was that ich dir. Sei verflucht, auf ewig verflucht! Ich verachte dich, ich hasse dich. Aber diese wilden Worte brachten ihm bald mit dem Erschrecken davor sanftere Empfindungen. Traurig senkte und schüttelte er seinen schmerzenden Kopf und flüsterte dann vor sich hin: Nein, ich will ihr niemals fluchen, ich kann es nicht. Hat sie mich nicht lieb gehabt, ehe dieser Nichtswürdige sie verlockte? Ach! sie ist schuldlos, und was ist ihr Verbrechen? Sie liebt mich nicht mehr. Kann ich ihr so sehr darüber zürnen? Stände es in meiner Macht, ich würde ihr Andenken aus meiner Brust reißen; doch nein, o! nein, ist es denn nicht noch jetzt ein Glück an sie zu denken, von ihr zu träumen, von jenen Zeiten, wo ich mit ihr durch Wald und Wiesen lief, wo jeder Tag mir neue Freude brachte, jeder Morgen mich zu neuer Sehnsucht aufweckte. O! seufzte er, großer Herr des Lebens, laß keinen Morgen mehr für mich kommen!

Aber der Morgen kam und weckte den armen Knaben aus seiner ohnmächtigen Erstarrung. Die Soldaten kochten sich ihre Mehlsuppe und brachen ihr schwarzes Brod, er blickte begierig durch die Gitterstäbe, doch keine mitleidige Hand reichte ihm einen Bissen. Die Sonne schien endlich hell in die Fenster und diese wurden geöffnet; ein warmer Frühlingshauch drang herein. Magnus blickte zu dem schönen blauen Himmel hinauf und weinte leise. Er dachte an den Pajäne, der jetzt wieder Wellen schlug, er dachte an das liebliche kleine Thal von Lomnäs und wie die Birken wieder grüne Spitzen darin trieben, wie duftige Kräuter und Blumen die Wiesen bedeckten und wie er 637 vor einem Jahre um diese Zeit mit Louisa von Berg zu Berg und von Schlucht zu Schlucht gewandert; jauchzend, singend, in glückseliger Jugendlust. O! ein Jahr, ein einziges kurzes Erdenjahr, hatte so viel Leid über ihn gebracht. Aber diese Gedanken riefen nicht die Wehmuth hervor, welche ihn in der Nacht überkommen. Seine Augen brannten von heißen Schmerzen und seine Hände drückten sich zusammen. Sein alter Vater stand vor ihm, dessen Augen schauten ihn leuchtend an; er schüttelte sein graues Haar und stampfte mit dem Krückstock auf. Eine Stimme, wie des greisen Soldaten markige Stimme, tönte in sein Ohr: Sie haben dich verrathen, Magnus Munk, aber du bist mein Sohn, wirst das nicht vergessen. Und wenn sie alle ihre Wuth versuchen, wanke nicht in deiner Ehre. Dein Leben ist ja doch ein armes, zerbrochenes Leben, richte es auf durch deinen Stolz, damit eines Knaben Beispiel Männern vorleuchte, und nach vielen Jahren die Geschichten deines Volks von Magnus Munk erzählen, der kein Russe werden wollte, trotz aller Schmach und aller Pein, und keiner wurde.

Ja! rief der Knabe leise, und seine Augen leuchteten auf vor fester Freudigkeit, ja, mein Vater, du sollst nie um deinen Sohn trauern. Ich will verhungern, ich will verschmachten, doch nimmer sollen meine Lippen Gnade rufen. Nicht wie jener unglückliche Mann will ich um Wasser flehen und mich dafür den Henkern verkaufen. Mögen sie kommen, sie sollen mich nicht seufzen hören.

Und bald sollte Magnus Munk Zeugniß ablegen, ob er zum Märtyrer berufen sei, denn als die Mittagszeit nahete, trat die Wache ins Gewehr, und nach einigen Minuten sprang der Unteroffizier herein, schloß das Gitter auf und sagte zu seinem Gefangenen: Der Commandant ist gekommen. Sei vernünftig und sage ja, oder es geht übel mit dir! Komm heraus, er steht drüben in der Offizierstube und verlangt nach dir.

Magnus folgte dem Befehl, und als er vor den Commandanten trat, saß dieser an dem Tische des wachthabenden Offiziers und vor ihm stand ein dampfendes Fleischgericht, daneben eine große Flasche voll Wein und Backwerk sammt anderen schönen Dingen.

Der Major sah ihn an und deutete auf die Schüssel. Willst du essen? fragte er.

638 Man hat mir seit gestern nichts gereicht, erwiederte der Knabe.

Willst du dem Kaiser dienen? fuhr der Commandant fort.

Wenn der Kaiser wüßte, welche Grausamkeiten hier in seinem Namen begangen werden, würde er diese nicht dulden.

Der Junge macht es wie unsere Bauern, sagte der Major lachend in russischer Sprache zu dem Offizier, deren Sprichwort ist auch: Gott ist zu hoch und der Czar zu weit! – Du hast nichts weiter zu antworten, rief er darauf dem Gefangenen zu, als was ich dich frage. Willst du Dienste nehmen? Ja, oder nein?

Mit welchem Rechte will man mich dazu zwingen. Die Capitulation setzt ausdrücklich fest –

Der Teufel hole die Capitulation und dich dazu! schrie der Major. Du sollst Dienste nehmen, du finnischer Hund! Und seine fürchterliche Faust ausstreckend, ergriff er den Knaben beim Ohr und zerrte ihn an den Tisch, aber vor Erstaunen ließ er ihn los, als Magnus ihm einen so starken Schlag auf den Arm versetzte, als er es vermochte. Sprachlos mit weit offenen Augen, in denen eine entsetzliche Wuth funkelte, starrte er den Verwegenen an. Ich bin ein finnischer Edelmann! sagte Magnus Munk. Wie können Sie es wagen, mich zu mißhandeln.

Der Major gurgelte einen Ton hervor, der dem dumpfen Gebrüll eines wilden Thieres ähnlich war; sein Stierhals krümmte sich zusammen, als wollte er einen Sprung thun, um diesen erbärmlichen Gegner zu zerschmettern, doch es schien fast, als übe die verzweiflungsvolle Festigkeit, mit welcher Magnus den riesigen Mann anblickte, denselben Zauber aus, den Menschen wilden Bestien gegenüber zuweilen haben sollen. – Der Major ließ den Arm fallen, richtete sich auf, suchte sich zu sammeln, dachte nach und grinste so satanisch wie gestern.

Ich will dich behandeln, wie du es verdienst, sagte er und ging nach der Thür. Unteroffizier! schrie er hinaus, und was er dann in russischer Sprache sagte, verstand Magnus nicht, aber es mußte Schreckliches sein; denn der Offizier der Wache, der bisher wie eine Bildsäule gestanden hatte, näherte sich ihm und flüsterte auf französisch: Junger Mensch, falle auf deine Knie und bitte um Gnade!

639 Niemals! murmelte Magnus, und der Commandant drehte sich um und strich den rothen Backenbart in die Höhe. Zum letztenmale frage ich dich, sagte er, willst du Dienste nehmen? Unter dieser Bedingung will ich dir verzeihen.

So lang ich lebe, werde ich niemals ja sagen, antwortete Magnus.

Herein! schrie Major Kruloff und vier baumstarke Soldaten traten ein, an ihrer Spitze der Prügelmeister oder Profoß und der Unteroffizier über die Gefangenen.

Gebt ihm die Padoggen und schlagt so lange bis er ja sagt. Wir wollen sehen, wie lange du es machen wirst.

Schändet mich, wie ihr wollt! versetzte Magnus. Gott erbarme sich meiner! Schande über euch, aber wer kann Anderes von Russen erwarten.

Diese letzten Worte hörte der Commandant nicht mehr, denn Magnus wurde hinausgezerrt vor die Hauptwache und in wenigen Minuten war er bis aufs Hemd entkleidet. Mit derselben Geschwindigkeit wurde er auf eine Bank ausgestreckt und an Händen und Füßen mit Riemen daran festgeschnallt, dann setzten sich der Prügelmeister und sein Gehilfe auf ihn und nun begannen sie mit schweren, kurzen Stöcken, die den Trommelstöcken glichen, den Körper des unglücklichen Kindes von den Schultern bis an die Fußsohlen mit geschwinden Schlägen zu bearbeiten, so daß kein Fleck daran verschont blieb. Die Haut und das darunter liegende Fleisch wurde durch diese kurzen scharfen Schläge der vier immer im schnellsten Takt fallenden Stöcke im buchstäblichen Sinne zerdroschen. Ein entsetzlicher Schmerz marterte den armen Knaben. Überall bildeten sich Blutunterlaufungen, überall schwarze Stellen von den zerschlagenen und zerquetschten kleinen Adern und Gefäßen. Das Gesicht des Leidenden färbte sich dunkelroth, seine Augen traten weit hervor. Angst und Entsetzen sprachen aus den umherirrenden Blicken, aber kein Schrei, kein Klagelaut kam aus seinem Munde. Die Henker wurden müde und noch immer wollte das Ja ihres Opfers nicht erfolgen.

Der Commandant stand am Fenster und sah zu. Die Soldaten waren in Reihe und Glied, manche neugierige Zuschauer hielten sich in einiger Entfernung, die Meisten aber liefen schnell davon, um nichts von 640 diesen Exekutionen zu sehen, welche täglich in verschiedenster Weise vor der Hauptwache aufgeführt wurden.

Das ist ein Bösewicht! fluchte Kruloff. Haben Sie je solche verstockte, eigensinnige Bosheit gesehen.

Er wird umkommen, murmelte der Offizier.

Schlagt ihn todt! schrie der hartherzige Mann. Er soll ja sagen oder sterben!

In dem Augenblick näherte sich ein Wagen dem Platze. Es war ein offener Halbwagen, in welchem zwei Damen saßen. Mehre Reiter begleiteten ihn und ritten zu beiden Seiten.

Da kommt der Oberst Serbinoff, fuhr der Commandant fort, und das ist Frau von Gurschin, die Andere hat der Oberst sich ausgesucht. Eine finnische Hexe! Ein artiges Ding, wenn es nicht so klein und schwach wäre. Holla! was ist das!

Der Zug war bis in die Nähe der Hauptwache gekommen. Serbinoff ritt voran und obwohl es ihm leicht gewesen wäre, den Wagen umkehren oder über den Platz abbiegen zu lassen, that er es nicht. Er hatte den Knaben auf der Strafbank sogleich erkannt und mit unrühmlicher Rachlust suchte er dessen Qualen zu erhöhen. Frau von Gurschin aber, die wohl bemerkte, was dort vorging, rief lebhaft aus: Fahre schnell! Sieh nicht hin, Louisa! Bitten Sie für ihn, Prinz Dolgorucki. Gnade muß ihm unsere Nähe bringen!

In dem Augenblick stieß Magnus einen wilden entsetzlichen Schrei aus. Es war der erste Laut seiner Schmerzen, doch alle seine Verzweiflung lag darin. Louisa Waimon, die reich geschmückt neben ihrer Beschützerin saß und glückselig lächelnd nach Serbinoff blickte, erblaßte bei diesem furchtbaren Schrei. Allmächtiger Gott! rief sie aus, wer ist das? Was hat er gethan? Rette ihn!

Frau von Gurschin zog sie auf den Sitz zurück, die Pferde eilten im Galopp weiter. Beruhige dich, sagte sie, Dolgorucki wird ihn erlösen und da kommt Serbinoff schon uns nach.

Es war ein grauenhafter Ton, eine Stimme, die mir bis ins Herz drang, flüsterte Louisa zitternd.

Frau von Gurschin beruhigte sie liebkosend mit der Versicherung, daß harte Strafen bei solchen halbwilden Wesen nothwendig seien, 641 dieser aber für diesmal davonkommen werde, und während nun die Reisekalesche über den großen Platz der besten Wohnung zurollte, welche Serbinoff sich und seinen Freundinnen herschaffen konnte, fand vor der Hauptwache zwischen ihm und dem jungen Fürsten Dolgorucki eine nicht ganz freundliche Erörterung statt.

Denn kaum hatte Frau von Gurschin den Prinzen beauftragt, dem Verbrecher Gnade zu verschaffen, als er sogleich dem Profoß halt! zurief und als er dann dem unglücklichen Kinde ins Gesicht blickte, glaubte er sich bekannter Züge zu erinnern.

O mein Herr! rief ihm Magnus französisch zu, nehmen Sie sich meiner an.

Aufs äußerste erstaunt rief der Prinz: Wie ist das möglich?! Wie ist Ihr Name?

Magnus Munk! murmelte der Leidende.

Überlaß ihn seinem Schicksale, sagte Serbinoff zu gleicher Zeit. Warum willst du dich damit befassen.

Der Commandant war aus der Wache gekommen. Was hat dieser junge Mann gethan? fragte Dolgorucki.

Er hat es gewagt sich mir zu widersetzen, erwiederte der Major.

So ist ihm Recht geschehen! rief Serbinoff. Er hat genug bekommen, Major Kruloff.

Man hat mich zwingen wollen, in russische Dienste zu treten, sagte Magnus, der von seinen Henkern losgebunden und auf die Bank gesetzt wurde. Ich verlangte entlassen zu werden. Das ist mein Verbrechen.

Schafft ihn ins Lazareth und laßt ihn heilen, fiel Serbinoff ein. Komm, Freund, es kann nichts weiter geschehen.

Allerdings, Alexei Serbinoff, es kann mehr noch geschehen und du zunächst wirst es nicht unterlassen, erwiederte Dolgorucki. Du wirst diesem gemißhandelten jungen Manne Recht verschaffen.

Ich? Warum sollte ich mich damit befassen?

Weil es großmüthig und deiner würdig ist.

Vor dem Blick, den Dolgorucki auf ihn heftete, faltete sich Serbinoff s Stirn. Dieser Junge, murmelte er, hat mir Ärger genug verursacht, um ihm einen tüchtigen Buckel voll Prügel zu gönnen. Mag er jetzt laufen und den Denkzettel mit nach Haus nehmen.

642 Ein stolzes Zürnen trat in das schöne Gesicht des jungen Fürsten; heftig wandte er sich zu dem Commandanten. Ich werde dem General melden was hier geschah, sagte er; er wird über diesen jungen Mann entscheiden. Ich mache Sie verantwortlich für alle Folgen, sorgen Sie dafür, daß er jede mögliche Pflege erhält.

Tugendhafter Schutzgeist! sagte Serbinoff spottend, indem er fort sprengte und Dolgorucki ihm folgte. Der Kaiser braucht Soldaten, diese Finnen müssen bekehrt werden und dies ist das einzig überredende Mittel für sie.

Ich verachte es, erwiederte der ritterliche Prinz. Gott wollte, daß ich die Macht hätte, es zu hindern! Wäre ich einer dieser Unglücklichen –

In dem Augenblick fuhr mitten durch die Tageshelle ein Blitz, der eine höllenrothe Gluth über Stadt, Land und Meer warf, und hinter ihm her folgte ein Knall, als berste die Erde und die ewigen Felsen wankten und brächen. Der Boden zitterte, das Meer schäumte auf, Häuser stürzten zusammen, in den meisten Gebäuden zerschmetterten Fenster, Thüren und Schornsteine. Ein Heulen ging durch die Luft, ein Wirbelwind warf Menschen und Thiere nieder und eine ungeheure schwarze Dampfwolke hüllte ganz Sweaborg ein. Aber diese Wolke war mit Verderben gefüllt. Balken und Steine, gefüllte Bomben und Granaten, Eisenstücke und Feuerbrände wurden aus ihr viele tausend Schritte weit umhergeschleudert, auf die Gebäude der Festung, auf die Flotte im Meeresarm, auf die Holzvorräthe und Heuvorräthe in den Höfen. An zwanzig Orten zugleich stiegen Flammen auf. Jammernde Menschen stürzten aus allen Gassen, Verwundete rafften sich auf, Männer und Greise, Weiber mit Säuglingen und Kindern, Soldaten aller Art liefen in wahnsinniger Angst nach Rettung schreiend umher, ohne zu wissen wohin; während Wagen ohne Führer, Rosse ohne Reiter in wilder Flucht Alles, was ihnen im Wege stand, zu Boden rissen.

Das Vorderdach der Hauptwache war zusammengestürzt, der Major lag darunter begraben; viele Soldaten waren verletzt worden. Niemand wußte, woher dieser entsetzliche Ausbruch eines Vulkans kam, Niemand was noch folgen sollte. Manche Soldaten in der Festung sprangen in's Meer und auf treibende Eisschollen, um sich zu retten, 643 dazwischen riefen Hörner, Trommeln und Trompeten den militärischen Gehorsam wach. Generale und Oberoffiziere eilten dem Schauplatze des Schreckens zu, zagende Stimmen riefen ihnen entgegen, daß das große Pulvermagazin in die Luft geflogen sei.

So kündigte sich der furchtbare Brand an, der fünf Tage lang Sweaborg durchraste und Alles verzehrte, was Flammen in dieser Felsenfestung verzehren konnten. – Der Wächter über die Gefangenen auf der Hauptwache war aber der Erste, der den Namen des Mannes nannte, welcher diese entsetzliche That vollbracht hatte. Das ist der Finne gewesen! schrie er, den wir hier dürsten ließen, bis er des Kaisers Rock anzog. Heut hat er am Pulvermagazin die Wache bezogen, ich habe ihn selbst gesehen.

Magnus Munk hörte von Allem, was vorging, nichts mehr. Besinnungslos lag er auf der Bank.Magnus Munk's trauriges Schicksal, wie die ähnlichen Leiden vieler anderen Finnen, bewogen den König Gustav Adolph, einen Brief an den Kaiser Alexander zu richten, worin er im Namen der Menschheit ihn beschwor, diesen Grausamkeiten ein Ziel zu setzen und seine unglücklichen Unterthanen zu schonen. Es erfolgte jedoch keine Antwort und änderte sich nichts.

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