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Ergötzliche Nächte

Giovanni Francesco Straparola: Ergötzliche Nächte - Kapitel 14
Quellenangabe
pfad/straparo/ergoetzl/ergoetzl.xml
typenarrative
authorStraparola
titleErgötzliche Nächte
publisherVerlag Kurt Desch
printrun1. bis 10. Tausend
year1947
translatorHanns Floerke
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090109
projectidc19533f9
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13

Marsilio Vercellese liebt Thia, die Frau von Cecbato Rabboso, und sie läßt ihn ins Haus; und während sie über ihrem Manne eine Beschwörung ausführt, verschwindet der Liebhaber geräuschlos.

Nicht weit von Piove de Sacco, im Gebiet von Padua, liegt ein Dorf namens Salmazza. Dort hauste – es ist schon recht lange her – ein Feldarbeiter namens Cechato Rabboso, ein armer Teufel und geistig wie körperlich ein klobiger Kerl, aber eine treue Seele. Dieser Cechato Rabboso hatte eine Frau namens Thia, die aus einer Pachtbauernfamilie namens Gagliardi vom Dorfe Campolongo stammte und jung, listig, verschlagen und nichtsnutzig war. Von ihrer Gewitztheit abgesehen, war sie auch eine handfeste Person und hatte ein schönes Gesicht, und es gab auf mehrere Meilen im Umkreise keine Bäuerin, die sich mit ihr hätte vergleichen können. Und weil sie eine gute und ausdauernde Tänzerin war, verliebte sich jeder, der sie sah, bis über die Ohren in sie. So erging es auch einem jungen Manne namens Marsilio Vercellese, der ebenfalls schön und kräftig, aber kein Bauer, sondern ein Paduaner Bürger aus angesehener Familie war. Und so heftig hatte er sich in diese Thia verliebt, daß er kein Tanzfest, das sie besuchte, versäumte, und seine meisten Tänze – ja wenn ich sage: alle, würde ich Euch auch nicht anlügen – mit ihr machte. Doch obwohl dieser Jüngling in sie verliebt war, verbarg er seine Liebe doch so sehr er konnte, geschweige denn, daß er zu jemand davon sprach, damit die Leute nichts davon merkten und er mit ihr nicht ins Gerede käme. Marsilio, der wohl wußte, daß Cechato, ihr Mann, ein armer Teufel war, der von seiner Hände Arbeit lebte und von morgens früh bis abends spät bald bei dem, bald bei jenem um Tagelohn tätig war, erschien allmählich immer häufiger vor Thias Hause und machte sie langsam so vertraut, daß er anfangen konnte, mit ihr zu sprechen. Aber obwohl Marsilio sich vorgenommen hatte, ihr seine Liebe zu offenbaren, fürchtete er doch, daß sie ihm darob zürnen und ihn vielleicht nicht mehr würde sehen wollen; denn es kam ihm vor, als zeige sie ihm nicht das freundliche Gesicht, das die Liebe, die er zu ihr empfand, ihm zu verdienen schien. Außerdem besorgte er, von irgendeinem schlechten Menschen entdeckt und Cechato verraten zu werden, der ihm dann übel mitspielen könne; denn wenn dieser auch einfältig war, so war er doch eifersüchtig. Als nun Marsilio fortfuhr, sich mit großer Beharrlichkeit vor dem Hause, in dem Thia wohnte, einzufinden und ihr tief in die Augen zu blicken, brachte er es schließlich dahin, daß sie seine Verliebtheit merkte. Und da auch sie ihm aus verschiedenen Gründen nicht zeigen konnte, daß sie Feuer gefangen und ihm gut sei, empfand sie ihrerseits Schmerz darüber und litt darunter. Als nun Thia eines Tages allein auf einem Holzblock vor der Haustür saß und unterm Arm den Rocken hatte, umwickelt mit Werg, das sie für die Herrin spann, erschien Marsilio, der sich endlich doch ein Herz gefaßt hatte und sagte zu ihr: »Gott behüt Euch, Thia, mein Leben!« Und Thia antwortete ihm: »Willkommen, junger Herr!« »Wißt Ihr nicht«, fragte er darauf, »daß ich mich aus Liebe zu Euch ganz verzehre und sterbe? Und Ihr beachtet mich nicht und kümmert Euch nicht im geringsten um mich!« Da antwortete Thia: »Aber ich weiß ja doch gar nichts davon, daß Ihr mir gut seid!« Worauf Marsilio: »Nun, wenn« Ihr es nicht wißt, so sage ich es Euch jetzt mit großem Schmerz und wehem Herzen.« »Nun weiß ich es«, bestätigte Thia. »So sagt mir offen und ehrlich, ob Ihr mir wohl wollt«, drang Marsilio in sie. »O ja!« antwortete sie. »Und wie?« fragte Marsilio: »Sehr«, antwortete Thia. Worauf Marsilio: »Ach, Thia, wenn Ihr mich so gern hättet, wie Ihr sagt, so würdet Ihr es mir durch irgendein Zeichen beweisen, aber Ihr habt mich eben nicht gern.« »Aber auf welche Weise soll ichs Euch denn beweisen?« fragte Thia. »O Thia!« rief Marsilio aus, »das wißt Ihr sehr gut, ohne daß ich es Euch sage.« »So wahr mir Gott helfe, ich weiß es nicht, wenn Ihr es mir nicht sagt.« Worauf Marsilio: »Gut, ich wills Euch sagen, wenn Ihr mich anhören wollt und es mir nicht übelnehmt.« »Sagts ruhig, Herr«, antwortete sie, »ich verspreche Euch bei meiner Seele, daß, wenn es etwas Geziemendes und Ehrenhaftes ist, ich es nicht übelnehmen werde.« Da fragte Marsilio: »Wann darf ich Euch, nach der ich mich so sehr gesehnt habe, genießen?« »Jetzt sehe ich wohl«, versetzte Thia, »daß Ihr Euch über mich lustig macht. Wir passen nicht zusammen. Ihr seid Bürger von Padua und ich bin eine Bäuerin; Ihr seid reich, ich bin arm; Ihr seid ein großer Herr, ich bin eine Taglöhnersfrau; für Euch gehören große Damen und ich bin vom niederen Volke; Ihr seid reich gekleidet, habt eine gestickte Jacke, feine Strümpfe und mit Seide gefütterte weiche Schuhe, mein Rock dagegen ist ganz zerrissen, ist geflickt und angestückt, und ich habe nichts weiter auf der Welt wie dieses Fähnchen und dieses Tuch, die Ihr an mir seht, wenn ich an Feiertagen zum Tanz gehe. Ihr eßt Brot von Getreide, ich solches von Hirse und Fennich und Polenta, und auch davon noch nicht soviel, wie ich möchte. Auch bin ich diesen Winter ohne Pelz, ich Arme! und ich weiß überhaupt nicht, wie das werden soll; denn es ist weder Geld da noch etwas, was man verkaufen könnte, um dafür zu erstehen, was uns nottut. Wir haben nicht einmal soviel Getreide zur Nahrung, daß es bis Ostern reicht, auch weiß ich nicht, wie ichs machen soll, bei der großen Teuerung die drückenden Abgaben aufzubringen, die wir täglich in Padua bezahlen müssen. O daß es uns armen Landarbeitern so schlecht geht! Wir mühen uns ab, die Felder zu bearbeiten und das Korn auszusäen, und Ihr eßt es, während wir so dürftig sind, daß wir uns mit Hirse begnügen müssen. Wir schneiden die Reben aus und keltern den Wein, und Ihr trinkt ihn, während wir einen Aufguß von gequetschten Traubenkämmen und pures Wasser trinken.« Da sagte Marsilio: »Macht Euch deswegen keine Sorgen, – wenn Ihr Euch bereit finden laßt, mir zu Willen zu sein, soll es Euch an nichts von alledem fehlen, was Ihr Euch wünschen könnt.« »So sprecht Ihr immer, Ihr Männer«, entgegnete Thia, »bis Ihr Euren Zweck erreicht habt, dann aber geht Ihr auf und davon, und man sieht Euch nie wieder, und die armen Frauen sitzen da, betrogen und verhöhnt, und die Leute weisen mit Fingern auf sie, – ja Ihr rühmt Euch dann sogar noch Eurer Erfolge bei uns und sprecht über uns, als ob wir liederliche Weibsbilder wären, wie man sie in den Lasterhöhlen findet. Ich weiß recht gut, wie Ihrs macht, Ihr Bürger von Padua.« Worauf Marsilio: »Nun, nun! laßts damit genug sein! Lassen wir die Worte beiseite und kommen wir auf den Ausgangspunkt zurück! Wollt Ihr tun, worum ich Euch gebeten habe?« »Geht, geht!« rief Thia, »geht um Gottes willen, ehe mein Mann heimkehrt; es ist bereits Feierabend und er wird pünktlich nach Hause kommen. Kommt morgen untertags wieder, dann können wir miteinander reden, soviel Ihr mögt. Ich bin Euch sehr zugetan, verlaßt Euch darauf!« Doch da er ganz darauf versessen war, mit ihr zu reden, wollte er noch nicht gehen; sie wiederholte daher: »Geht jetzt, bitte, verweilt nicht länger!« Als Marsilio sah, daß Thia anfing ungehalten zu werden, sagte er: »Behüt dich Gott, Thia, meine süße Seele, ich befehle dir mein Herz, das du in der Hand hast.« »Geh mit Gott!« antwortete Thia, »meine traute Hoffnung, – es ist bei mir in guter Hut!« »Also auf Wiedersehen morgen, wenn es Gott gefällt«, rief Marsilio. »Jawohl, morgen!« rief sie zurück. Als der andere Tag gekommen war, konnte es Marsilio gar nicht erwarten, Thia wieder aufzusuchen, und als es ihm an der Zeit zu sein schien, ging er zu ihrem Hause und fand sie im Garten, wo sie einige Weinlauben mit der Hacke bearbeitete und instand setzte. Und sowie die beiden einander ansichtig geworden waren, begrüßten sie sich und fingen an zu plaudern; und nachdem sie sich eine geraume Weile unterhalten hatten, sagte Thia zu Marsilio: »Morgen früh, Hoffnung meines Herzens, muß Cechato zur Mühle und wird nicht vor dem andern Morgen zurückkehren, – wenn es Euch recht ist, so kommt abends zu später Stunde her, ich werde Euch erwarten. Aber kommt bestimmt und täuscht mich nicht!« Als Marsilio diese erfreuliche Botschaft vernommen, war er der glücklichste Mensch, den man sich vorstellen konnte, tat einen Freudensatz und nahm strahlend und zufrieden Abschied von Thia. Sobald Cechato heimgekehrt war, kam ihm das schlaue Weib entgegen und sagte zu ihm: »Lieber Cechato, du mußt in die Mühle, es ist nichts mehr zum Essen da.« »Schon gut, schon gut«, antwortete Cechato. »Aber morgen früh!« betonte Thia. »Schon recht«, antwortete Cechato, »ich will vor Tagesanbruch fortgehen und mir von den Leuten, für die ich arbeite, einen Karren samt den Ochsen leihen, dann komme ich wieder her, um ihn zu beladen und dann mache ich mich auf den Weg. Inzwischen, Thia, wollen wir uns dabei machen, das Korn bereitzustellen und in die Säcke zu füllen, damit am Morgen nichts weiter nötig ist, als es auf den Karren zu laden und singend nach der Mühle zu fahren.« »'s ist recht«, erwiderte Thia, und sie taten also. Am anderen Morgen lud Cechato das Korn, das er abends zuvor eingesackt hatte, auf den Karren und begab sich zur Mühle. Und da es die Zeit der kurzen Tage und langen Nächte war und die Straßen durch Regengüsse, Schlamm und Eis gänzlich verdorben und die Kälte groß war, mußte sich der arme Cechato die ganze Nacht in der Mühle aufhalten, was Marsilio und Thia gerade recht war. Als es dunkel geworden war, nahm Marsilio, wie er mit Thia verabredet hatte, ein prächtiges Paar fetter, schöngebratener Hennen, Weißbrot und ganz unvermischten Wein, Dinge, die er vorher bereitgestellt hatte, verließ seine Behausung und ging verstohlen querfeldein zu Thias Hause. Er trat ein und fand sie mit dem Aufhaspeln von Garn beschäftigt auf dem Herde neben dem Feuer sitzen, und sie setzten sich beide zum Essen nieder. Und nachdem sie gut gespeist hatten, legten sie sich beide ins Bett. Der arme Pavian von Cechato mahlte das Korn auf der Mühle und Marsilio beutelte im Bett das Mehl. Es war schon um die Zeit des Sonnenaufgangs und der Tag begann bereits zu grauen, als die beiden Liebenden das Bett verließen; denn sie fürchteten, Cechato möchte sie innig vereint finden. Und als sie noch eine kleine Weile beieinander standen und eifrig aufeinander einsprachen, siehe, da erschien Cechato vor dem Hause, ließ einen langen Pfiff ertönen und begann zu rufen: »Thia, o Thia, mach das Feuer an, – ich bin halbtot vor Kälte!« Als Thia, die verschlagen und mit allen Hunden gehetzt war, hörte, daß ihr Mann gekommen war, öffnete sie, aus Furcht, es möchte Marsilio etwas Schlimmes passieren und ihr Schaden und Schande widerfahren, schnell die Haustür und ließ Marsilio sich dahinter verbergen, worauf sie ihrem Gatten entgegenging und ihn mit Liebkosungen empfing. Nachdem Cechato in den Hof getreten war, sagte er zu Thia: »Thia, mach doch bitte ein wenig Feuer, wenn du willst, ich bin ganz erstarrt vor Kälte. Beim Blute des heiligen Quintus, ich habe diese Nacht gedacht, ich würde erfrieren da oben in jener Mühle, so kalt habe ich gehabt, und kein Auge habe ich zutun können!« Thia ging schnell zum Holzstoß, nahm eine tüchtige Anzahl Bündel unter den Arm, fachte das Feuer an und blieb mit Vorbedacht daneben stehen, und zwar dort, wo Marsilio von Cechato am ehesten hätte gesehen werden können. Und während sie allerlei mit Cechato schwatzte, rief sie plötzlich: »Halt, Cechato, lieber Bruder, ich habe dir eine gute Nachricht zu verkünden.« »Was für eine denn, liebe Schwester?« fragte Cechato. »Nachdem Ihr Euch auf den Weg zur Mühle gemacht hattet«, erwiderte sie, »kam ein alter Mann ans Haus und bat mich um Gottes willen um ein Almosen, und da ich ihm Brot gab und auch einen Napf voll Wein zu trinken, hat er mich ein schönes Gebet gelehrt – so schön, wie ich noch keines in meinem Leben gehört habe – um den Bussard zu beschwören. Und ich habe es mir auch gut eingeprägt.« »Ei, was du sagst?« rief Cechato aus, »wirklich?« »Gewiß, so wahr ich lebe, – er hat auch großen Wert darauf gelegt.« »Nun, so sag es mir vor!« sprach Cechato. »Es ist auch nötig, Bruder, daß Ihr es gleichfalls wißt«, betonte Thia. »Wie lautet es denn?« fragte Cechato. »Ich werde es Euch sagen, wenn Ihr mir aufmerksam zuhört.« »So schieß los und halt mich nicht länger hin!« rief Cechato. »Ihr müßt Euch erst Eurer ganzen Länge nach auf dem Boden ausstrecken, als seiet Ihr tot – was ich bei Gott nicht wünschen möchte – und zwar Kopf und Schulter nach der Tür und Knie und Füße nach dem Ziehbrunnen zu. Dann muß ich Euch ein weißes Leinentuch aufs Gesicht legen und unseren Scheffel über den Kopf stülpen.« »Das kann wohl kaum gehen«, wandte Cechato ein. »Freilich, freilich!« rief Thia, »paßt nur auf!« Und damit ergriff sie den Scheffel, der nicht weit entfernt stand und stülpte ihn ihm über den Kopf. »Es könnte überhaupt gar nicht besser gehen!« rief sie. »Und nun«, fuhr sie fort, »müßt ihr Euch still halten und Euch nicht rippeln noch rühren, sonst richten wir nichts aus. Ich nehme dann unser Mehlsieb in die Hand und fange an, es zu schütteln, als wollte ich sieben, und während ich es so schüttle, spreche ich das Gebet, und auf diese Weise führen wir die Beschwörung aus. Aber hütet Euch, Euch zu bewegen, bevor ich es nicht dreimal gesprochen – denn ich muß es dreimal über Euch hersagen – dann werdet Ihr schon sehen, ob der Bussard unsere Küchlein fernerhin beunruhigt.« »Gott gebe, daß es ist, wie du sagst, damit wir eine Sorge weniger haben. Wie du siehst, können wir keine Küchlein aufziehen, ohne daß der Teufel von Bussard sie allesamt frißt, und es gelingt uns nicht, so viele aufzuziehen, daß wir damit die Gutsherren bezahlen oder davon verkaufen können, um die schweren Abgaben zu entrichten und Öl, Salz und andere Bedürfnisse zu erstehen.« »Aber Ihr werdet sehen, daß es uns auf diese Weise gelingen wird«, sagte Thia und befahl darauf ihrem Gatten, sich auszustrecken. Und Cechato streckte sich aus. »Streckt Euch ordentlich aus!« rief Thia, und Cechato bemühte sich, sich so lang auszustrecken, wie er konnte. »So ists gut!« erklärte Thia, nahm dann ein weißes, frischgewaschenes Leintuch und breitete es ihm über das Gesicht. Hierauf ergriff sie den Scheffel und stülpte ihn ihm über den Kopf, und schließlich nahm sie das Sieb und begann es zu schütteln und das auswendig gelernte Gebet zu sprechen, das folgendermaßen lautete:

Hahnrei bist du, Hörner setz ich dir,
Schüttle dich in diesem meinem Siebe.
Mach, daß meine Küchlein, – zwanzig sinds und vier –
Nicht der Bussard würgt, halt fern die Diebe.
Mach, daß eindringt weder Ratz noch Fuchs,
Noch der böse Vogel mit dem krummen Schnabel!
Du da, hinter jener Tür, versteh es flugs,
Sonst bist du ein Narr und Glaube fehlt der Fabel!

Während Thia die Beschwörung ausführte und das Sieb schüttelte, hielt sie beständig die Augen auf die Tür geheftet und winkte Marsilio, der dahinterstand, sich davonzumachen. Aber der junge Mann, der unerfahren und ungeschickt war, verstand sie nicht. Cechato hatte bereits genug und wollte aufstehen. Er fragte daher: »Nun, bist du fertig, Thia?« Aber Thia, welche sah, daß Marsilio sich noch nicht hinter der Tür hervorgemacht hatte, antwortete ihm: »Bleibt still zum Henker! Hab ich Euch nicht gesagt, daß ich die Beschwörung dreimal wiederholen muß? Wenn wir nur nicht alles verdorben haben, weil Ihr habt aufstehen wollen.« »O nein, gewiß nicht!« meinte Cechato. Und sie ließ ihn sich wieder ausstrecken und begann die zweite Beschwörung auf dieselbe Weise wie die erste. Marsilio, der endlich begriffen hatte, wie die Sache gemeint war, schlich nun, ohne daß Cechato ihn sah oder etwas merkte, hinter der Tür hervor und suchte schleunigst das Weite. Nachdem Thia Marsilio den Hof hatte verlassen sehen, beendete sie die Beschwörung des Bussards, ließ ihren Schafskopf von Mann aufstehen und half ihm dann beim Abladen des Mehls, das von der Mühle gekommen war. Als Thia draußen im Hof stand und Marsilio in der Ferne schnellen Schritts davoneilen sah, fing sie an aus vollem Halse zu schreien: »Heh! heh! böser Vogel! Heh! heh! wenn du wiederkommst, werd ich dich, so wahr ich lebe, mit hängendem Schwanze heimschicken! Heh! Laß dirs gesagt sein! Meinst du, daß du's wieder versuchen kannst? Daß du wieder kommen kannst, du böses Tier? Ah, hol dich der Teufel!« und jedesmal, wenn der Bussard kam und sich in den Hof niederließ, um die Küchlein fortzuschleppen, zauste er sich zuerst mit der Glucke, dann ließ die Glucke die Beschwörung los, worauf er sich davonmachte und mit hängendem Schwanze abzog und die Küchlein Cechatos und Thias nicht weiter behelligte.

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