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Erdichtete Gespräche

Walter Savage Landor: Erdichtete Gespräche - Kapitel 24
Quellenangabe
type
authorWalter Savage Landor
titleErdichtete Gespräche
publisherGeorg Müller Verlag
translatorElisabeth von Schorn
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Der Herzog von Wellington und Sir Robert Inglis

Herzog. Guten Morgen, Sir Robert Inglis, ich freue mich, Sie zu sehen.

Inglis. Es war sehr gütig von Euer Gnaden, die Audienz, um die ich bat, auf eine so frühe Stunde anzusetzen.

Herzog. Wenn Geschäfte unsrer warten, lange oder kurze, so können wir nicht früh genug zusammenkommen.

Inglis. Das vorliegende ist von der größten Wichtigkeit für die Verwaltung, deren Hauptstütze Euer Gnaden sind.

Herzog. Wenn das Ihre Ansicht ist, so wollen wir es sofort erledigen. Ich vermute, Sie meinen die Sache des Lord Ellenborough.

Inglis. In der Tat, Mylord.

Herzog. Ihre Einwände beruhen, wenn ich recht verstand, auf etwas, das Ihre religiösen Gefühle verletzte?

Inglis. Nicht nur die meinen, wenn es Euer Gnaden gefällig ist.

Herzog. Es ist mir weder gefällig noch mißfällig, Sir Robert Inglis. Ich bin ein unparteiischer Mann; und dieses ist eine Angelegenheit, welche die Bischöfe angeht.

Inglis. Ich fürchte, sie werden sich nicht rühren in der Sache.

Herzog. Um so weiser von ihnen.

Inglis. Aber es ist doch gewiß höchst anstößig, ein paar Torflügel aus Sandelholz, die gar nicht aus Sandelholz sind, mit zwanzigtausend Menschen und zwei Millionen an Geld zu bezahlen, um sie wieder an einem Tempel anzubringen, den es gar nicht gibt, einen Tempel, der, solange es ihn gab, dem aller unsittlichsten und unreinsten Gottesdienst geweiht war, der später in eine Moschee verwandelt wurde und jetzt ein Behältnis für allen Schmutz der Stadt ist, soweit er überhaupt entfernt wird.

Herzog. Sie sagen, die Türen seien nicht aus Sandelholz; und doch wird Lord Ellenborough von den Radikalen vorgeworfen, er stelle Türen aus Sandelholz auf. Das ist leichtsinnig.

Inglis. Er hat eine Proklamation im Stile Bonapartes erlassen.

Herzog. Das hat er gewiß nicht getan; er gleicht Bonaparte ebensowenig, wie Sie ihm gleichen. Wieder ein leichtsinniger Vorwurf. Sie können mir glauben, Sir Robert Inglis, daß er Bonaparte im Vergleich mit sich selbst immer für ein höchst armseliges Geschöpf gehalten hat; denn selbst in seinen besten Tagen hatte Bonaparte bekanntermaßen nur wenig Haar und trug es ganz schlicht. Was aber tat Bonaparte, als er einen Frieden geschlossen hatte, der manchen, welche die Vergangenheit heraufbeschwören, um die Gegenwart zu verdunkeln, ebenso glorreich erscheint, als der Friede, den Lord Ellenborough eben geschlossen hat? Verstehen Sie recht! Ich spreche jetzt aus der Seele Mylords heraus; denn ich pflege nie geringschätzig von irgendeinem Menschen zu reden, mit dem ich in der Gesellschaft verkehrt habe. Was aber hat Bonaparte getan, das nach Mylords Anschauung ihn in irgendeiner Weise zum Neid oder zur Nachahmung reizen könnte? Sein Schwert in eine Gartenschere zu verwandeln wäre eitel Prahlerei und Torheit gewesen von einem Manne, der niemals einen Baum zum Beschneiden hinter sich zurückließ, und kaum einen Gärtner, der ihn hätte beschneiden können. Er aber verabsäumte, es auf die einzige Art zu verwenden, welche Lord Ellenborough vernünftigerweise von ihm hätte erwarten können; er übersah den augenscheinlichen Nutzen einer Verwandlung des Schwertes in eine Lockenbrennschere. Die Kanonen, welche Mylord dem Feinde abgenommen hat, werden sicherlich zu solcher Verwendung kommen; sie können wenigstens beisteuern, soweit ihr Metall reicht. Ich glaube nicht, daß man es ratsam finden wird, sie bei dem gegenwärtigen Zustand Ihrer Majestät im Park abzufeuern. Ich sehe wirklich nicht ein, warum sie nach ihrer Umformung nicht auf neue Gegenstände der Eroberung gerichtet werden sollen, und wohin besser als auf die Geschütze der kammgekrönten Höhen in den Ballsälen von Almack? Sehen Sie nicht so feierlich drein, mein guter Sir Robert Inglis. In einem gewissen Departement sind wir beide zur Disposition gestellt, und um unsre Lorbeeren weht ein empfindlich kalter Wind.

Inglis. Ich muß bekennen, Mylord, daß ich Euer Gnaden nicht verstehe.

Herzog. Dann wollen wir einen so heiklen Gegenstand lieber fallen lassen, über den nur einer von uns Erfahrungen gesammelt hat.

Inglis. Er hatte den Wunsch, sich bei den Hindus beliebt zu machen.

Herzog. Das sollte er auch. Ein dritter leichtsinniger Vorwurf.

Inglis. Aber auf die Gefahr hin, uns die Mohammedaner zu entfremden.

Herzog. Sie hassen uns, wie Sie, Sir Inglis, den Teufel hassen; also kann man sie uns nicht entfremden. Ein vierter leichtsinniger Vorwurf.

Inglis. Mylord, ich mache keinen Anspruch auf Sachkenntnis, was die Parteien in Indien und ihre Neigungen und Abneigungen betrifft.

Herzog. Warum also reden Sie darüber?

Inglis. Mein Eifer für die Religion meines Vaterlandes treibt mich dazu.

Herzog. Was haben die Inder mit unsrer Religion, oder wir mit der ihren zu tun?

Inglis. Wir haben als Engländer und Christen sehr viel mit der Religion der Inder zu tun.

Herzog. Sind sie denn Christen und Engländer? Wir können die Menschen unsrer Umgebung quälen, weil sie dieses glauben und jenes nicht glauben; solange wir aber daheim noch Leute zum Quälen haben, wollen wir die Inder für uns kämpfen und arbeiten und im übrigen ungeschoren lassen. Leben wir doch ungeschoren. Aber Sie sind eine zu gewichtige Persönlichkeit und von zu hohem Range, um streitenden Religionen zum Sekundanten zu dienen. Sie können mir glauben, Sir Robert Inglis, ich wünsche ehrliches Spiel und keine Begünstigungen.

Inglis. Ferne sei es mir, Mylord, irgend etwas Unehrliches zu wünschen.

Herzog. Und wenn ich wegen irgendeiner Eigenschaft einen guten Ruf auf Erden genieße, so ist es wegen meiner Liebe zu Recht und Billigkeit.

Inglis. Ich gebe das Euer Gnaden mit Vergnügen zu.

Herzog. Nun wohl denn, so lassen Sie Somnauth und Juggernauth gleichen Spielraum genießen.

Inglis. In den Flammen der Hölle.

Herzog. Wo immer es den Parteien genehm ist. Ich muß Ihnen gestehen, daß wir Juggernauth, als einer Art von altem Verbündeten, mehr Beachtung geschenkt haben, und unsre Regierung jährlich sechstausend Pfund für seine Erhaltung ausgegeben hat.

Inglis. Das beklage ich.

Herzog. Jedermann hat das Recht zu beklagen, was ihm gut dünkt; aber ich sehe wirklich nicht ein, warum Sie gerade auf diesen Posten eingehen. Nicht ein einziger Bischof oder Erzbischof hat sich von seinem Sitz im Parlament erhoben, um diese Zahlungen zu rügen oder gegen sie einzuschreiten; darum bin ich als Glied der englischen Kirche, als Peer um des Rechtes halber, als Edelmann um der Ehre halber, verpflichtet, zu glauben, daß es seine Richtigkeit damit habe.

Inglis. Das sind Sie nicht, Mylord. Dabei möchte ich allerdings betonen, daß ich keinem Menschen etwas in der Verehrung der vom Staat eingesetzten Kirche oder jener Nachfolger der Apostel unsres Herrn nachgebe.

Herzog. Besser ich irre mich mit meiner Theologie als die Bischöfe; aber ich brauche doch wirklich nicht zu befürchten, daß ich mich irre, wenn ich mit so gelehrten Herren einer Meinung bin, besonders jetzt, da Sie mich an ihre direkte Abstammung von den Aposteln erinnern. Sie sind die redlichsten und unparteilichsten Männer auf der Welt; sie lassen alle Religionen gedeihen, die der ihren nicht zu nahe kommen. Sie schreien nie bei unbedeutenden Anlässen »zurück«, und ich bin der festen Ueberzeugung, daß man selbst bei kühlem Wetter nie mehr als zwei von ihnen bewegen könnte, den Wagen des Juggernauth ziehen zu helfen. Einige unter ihnen, denen die Kirchenverbesserer die Röcke beschnitten haben, würden sich vielleicht eher bereit dazu finden als die übrigen; aber es muß schon ein sehr hoher Minister in Sicht sein, ehe sie sich anschirren lassen.

Inglis. Ich schätze ihre Beweggründe. Sie haben sich in gleicher Weise auch bei den Beratungen über den Sklavenhandel ihrer Stimmen enthalten. Es ziemt sich für sie, alle Erörterungen und Untersuchungen über die Politik der Minister zu meiden.

Herzog. Das ziemt sich auch für Sie und mich. Ich habe keine ausgesprochene Vorliebe für einen der beiden strittigen Götter; jeder ist in seiner Art recht annehmbar; wenn sie uns in Ruhe lassen, mögen sie mit ihrem eignen Volk verfahren, wie es ihnen gut dünkt; es würde sie nicht schon so lange angebetet haben, wenn sie sich schlecht benommen hätten. Man muß die Menschen, besonders unwissende Menschen, niemals ermutigen, einen Zwang abzuschütteln, dem man sie unterworfen sieht; es ist keine leichte Sache, ihnen einen neuen Zaum anzulegen, so schön er auch aussehen mag, und so klug man ihn dem Träger angepaßt zu haben meint.

Inglis. Diese jammervollen Menschen haben Seelen, Mylord, Seelen, die wir vor den Flammen der Hölle bewahren können.

Herzog. Das hoffe ich; aber ich bin kein Feuerwehrmann. Ich weiß, wieviel Gutes wir mittlerweile durch die Priester bei ihnen erreichen können, wenn wir den Priestern nur freie Hand lassen. Aber wenn ihr ihnen das Futter entzieht, könnt ihr keine Arbeit von ihnen erwarten.

Inglis. Solange man ihnen freie Hand läßt, wird das Christentum nie in Hindostan eindringen.

Herzog. Das sind freilich böse Nachrichten! So wahr ich lebe, es schmerzt mich, sie zu hören; besonders da andre äußerst fromme Männer sich die Mühe gemacht haben, mir zu versichern, daß das Christentum gegen den Teufel und alle seine Werke siegen werde. Wir müssen nicht voreilig sein, Sir Robert Inglis. Manchen Dingen kann man schnell zu Leibe rücken; andre erfordern schlaue Vorsicht und langsame Annäherung. Einem Feinde würde ich das Plündern legen, einem Verbündeten nie. Wir müssen ihnen allerlei kleine Ausschweifungen durchgehen lassen, während wir unsre eignen Leute streng auf dem Pfade der Pflicht halten. Es brennt uns auch auf den Nägeln; wir können die Einnahmequelle nicht entbehren.

Inglis. Wenn das Gewissen von Euer Gnaden es zufrieden ist, daß die Interessen der Regierung eine gewisse Schlaffheit erfordern in Dingen, die wir für wesentlich halten, so müssen wir uns fügen.

Herzog. Unsre Gewissen mögen nicht ganz so ruhig und unsre Stellungen nicht ganz so leicht sein, als wir es uns wünschen könnten; aber wir haben die Notwendigkeit in Betracht zu ziehen, daß die Einkünfte von Hindostan zusammengebracht werden müssen; und die Priester können das in allen Ländern erleichtern oder erschweren. Lord Ellenborough ist leutselig, und ich denke, er wird sich in jedes Ohr eine Religion hängen, so daß die eine nicht höher hängt als die andere.

Inglis. Es ist uns gelehrt und geheißen worden, uns vor übereiltem Urteil zu hüten. Nun möchte ich über Lord Ellenborough nicht vorschnell den Stab brechen; aber er macht es zarten Gewissen schwer, nicht an der Lebendigkeit seines Glaubens zu –

Herzog. Pah, pah! Wenn er überhaupt einen Glauben hat, so ist er gewiß von Quecksilber. Sie mögen Ellenborough einen albernen Gesellen nennen, aber stumpf und träge können Sie ihn nicht schelten, es sei denn, wo Witz und Humor verlangt werden, und bei Amtsgeschäften braucht es ihrer Blitze nicht, um den Pfad zu erhellen.

Inglis. Glauben an seinen Schöpfer –

Herzog. Er glaubt an alle seine Schöpfer, fester als die Schöpfer an ihn glauben, angefangen bei dem, der ihn zum Staatssekretär, bis zu dem, der ihn zum General-Gouverneur machte.

Inglis. Ich wollte von seiner Religion sprechen.

Herzog. Es könnte sein, daß er Sie fragte, was Sie damit meinen.

Inglis. Wir verlangen von allen Dienern Ihrer Majestät, von allen, die Amtsbefugnisse unter ihr

Zeile fehlt im Buch. Re

ihnen, daß sie, wie unser Kirchengebet es so herrlich ausdrückt –

Herzog. Gut, gut! Was verlangen Sie denn? Ich will Ihnen sagen, was ich aus eigner Kenntnis von ihm weiß; er glaubt an eine Gottheit; ich habe ihn sogar den Namen nennen hören, als er seinem Reitknecht fluchte, und bei derselben Gelegenheit schrie er laut: »Der Teufel hole den Burschen!« Können Sie nun noch daran zweifeln, daß seine Religion nach beiden Seiten hin taktfest ist?

Inglis. Gott hat von Anbeginn den Götzendienst verworfen.

Herzog. Das wundert mich nicht. Ich bin überzeugt, daß Ihre Behauptung richtig ist, Sir Robert Inglis.

Inglis. Er hat die Juden in seinem Zorn des Götzendienstes als ihrer schwersten Sünde geziehen.

Herzog. Die Juden haben eine ganze Menge »schwerster Sünden«; aber sie müssen ehemals gute Soldaten gewesen sein. Halten Sie es für wahrscheinlich, Sir Robert Inglis, daß sie es schließlich erreichen werden, in die beiden Häuser des Parlaments einzudringen?

Inglis. Das möge Gott verhüten!

Herzog. Ich meinesteils würde da mit meiner Ansicht zurückhalten. Andre reiche Leute, die ebenso laut, begehrlich und zudringlich sind, besonders Rechtsanwälte, bevölkern Oberhaus wie Unterhaus. Aber ich glaube, ein kleiner Einschlag Juden würde Ihnen gerade jetzt von unermeßlichem Nutzen sein! Denn nach allem, was ich von ihnen höre, gibt es heutzutage keine hartnäckigeren Streiter gegen den Götzendienst, als eben diese Herren! Wir sind beide bis zu einem gewissen Grade mit der Universität von Oxford verknüpft. Nun sagt man mir, daß viele von denen, die für uns gestimmt haben, ebenso wie viele, die nicht für uns stimmten, einer kleinen Würze Götzendienst nicht abgeneigt sind.

Inglis. Sie weisen diesen Vorwurf zurück.

Herzog. Das tun sie natürlich; das tun die Leute in Hindostan auch. Sie alle versichern uns, es sei etwas auf dem Grunde, was wir nicht sehen, weil wir blind, dumm und ungläubig seien. Sie alle, hier und dort, sagen uns, man müsse wieder zum Kinde werden, um alle Dinge recht zu verstehen. Nun, gegen die Kinderlehre habe ich nichts einzuwenden, nur die Kinderzucht wäre mir für meine Person etwas peinlich.

Inglis. Euer Gnaden sprechen scheinbar im Ernste; das könnte doch nicht der Fall sein, wenn solche Greuel wirklich anfingen, an unsern vornehmsten Stätten der Wissenschaft geduldet zu werden.

Herzog. Ich denke durchaus nicht so über unsre Universitäten, und ich sehe auch keine Gefahr darin, wenn fromme Männer noch ein besonderes Kreuz für ihre Andacht haben wollen. Natürlich brennt Reisig leichter wie Scheitholz, und man muß sich sagen, daß beides aus demselben Walde kommt und dieselbe Straße fährt. Aber solange man keine böse Absicht nachweisen kann, würde ich die Leute laufen lassen, wie sie wollen, in Oxford wie in Hindostan. Den Geldpunkt kann man ruhig den Gläubigern überlassen.

Inglis. Ich traure über diese Lauheit bei Euer Gnaden.

Herzog. Es ist hohe Zeit für mich, lauwarm zu werden oder weniger als lauwarm.

Inglis. Ich habe die Politik nicht zur Sprache gebracht, habe auch nicht die Intelligenz eines Offiziers – eines hohen, sehr hohen Beamten Ihrer Majestät – angezweifelt, eine Religion der Hindus vor der andern zu begünstigen, und zwar diejenige, welcher der schwächere und weniger kriegstüchtige Teil des Volkes anhängt.

Herzog. So, das haben Sie nicht getan? Woran zweifeln Sie denn sonst?

Inglis. Ich hege Zweifel, mehr als Zweifel, ob seine Nachsicht gegen Unkeuschheiten zu billigen ist; denn die Verehrung des Lingam ist im höchsten Maße unkeusch.

Herzog. Wir sehen bei solchen Dingen durch die Finger, Sir Robert; wir sehen ihnen nicht offen ins Angesicht. Ich bin kein Verehrer des Lingam. Ich spreche als vorurteilsfreier Mann; und verlassen Sie sich darauf, wenn Lord Ellenborough irgendeine Neigung zu diesem Kultus hätte, so würden die Priester ihn einer strengen Prüfung unterziehen und ihn höchstwahrscheinlich verwerfen. Nichts in seinem vergangenen Leben berechtigt dazu, einen solchen Verdacht gegen ihn zu hegen.

Inglis. Gott verhüte, daß ich jemand einer solchen Unzüchtigkeit zeihe!

Herzog. Legen Sie nicht durch solche oder andre Folgerungen einem Ministerium Steine in den Weg, welches nicht nur alle zehn Meter auf spitze Pfähle stößt, sondern auch noch alle zwanzig auf einen Schlagbaum. Ich kenne Ellenborough und sage Ihnen, er ist ein Stutzer. Achten Sie ihn, denn er ist der größte Stutzer der Welt; und der Erste in jedem Berufe sollte allgemeine Achtung genießen. Was wollen Sie? Wen wollen Sie? Sie sind ein Aristokrat; Sie haben Ihren Titel und ohne Zweifel auch Ihren Landbesitz. Möchten Sie Männer wie Clive und Hastings zum Regieren nach Indien schicken, wie man das früher getan hat? Sie konnten Reiche erobern und regieren. Was weiter? Konnten sie Minister und die Freunde der Minister in ihren Stellungen halten? Nichts dergleichen. Darum, mein lieber, werter Sir Robert Inglis, lassen Sie uns keinen Unsinn mehr zusammen schwatzen. Unsre Zeit ist kostbar; es bleibt uns nicht mehr allzu viel.

Inglis. Die Zeit, über die wir durch Gottes Güte noch verfügen können, lassen Sie uns seinem Dienste weihen; lassen Sie uns, soweit es nur irgend in unsrer Macht steht, alle Schritte vereiteln, welche zugunsten einer falschen und höchst anstößigen Religion unternommen werden.

Herzog. Hand darauf! Das wollen wir; das heißt, Sie und ich. Wir wollen uns noch zur Stunde geloben, den Lingam weder in Wort noch Tat jemals göttlich zu verehren. Wir wollen uns weder vor ihm beugen, noch ihn anbeten, noch mit Wort oder Tat irgendeinen Anhalt für den Verdacht geben, wir seien seine Verehrer. Ich verspreche Ihnen des weiteren, daß ich meinen ganzen Einfluß auf die Minister Ihrer Majestät aufbieten und sie bewegen werde, sofort eine Botschaft an Lord Ellenborough abzusenden, mit dem Befehl, daß er es unterlassen möge, Türflügel an einem Tempel wieder anzubringen, der seit Jahrhunderten nicht mehr vorhanden ist. Da aber die Türen etwa tausend Meilen weit verschleppt waren, und es uns beinahe ebenso viele Leute gekostet hat (von den Kanonen gar nicht zu reden) um sie zurückzubringen, möge seine Exzellenz eine neue Proklamation erlassen, in welcher er sechs Generäle und sechs Mitglieder des obersten Rats ermächtigt, Indien zu verlassen, um Ihrer Majestät als ein Zeichen der Verehrung von Mohammedanern und Hindus eine aus den Türen angefertigte Zahnstocherschachtel mit zwölf Zahnstochern für den persönlichen Gebrauch Ihrer Majestät und ihrer Nachfolger zu überreichen. Reiten Sie, Sir Robert Inglis?

Inglis. Ich habe keine Pferde in der Stadt.

Herzog. Mein Pferd erwartet mich im Hof, und ich bin dafür, meinen Dienern ein Beispiel der Pünktlichkeit zu geben. Vielleicht habe ich das Vergnügen, Ihnen im Park zu begegnen.

Inglis. Ich habe Euer Gnaden zu lange in Anspruch genommen?

Herzog. Ach bitte, bitte!

Inglis. Ich möchte Euer Gnaden nur noch ersuchen, die Minister zu bestimmen, daß sie zögern, ehe –

Herzog. Ich fordere nie einen Mann zum Zögern auf. Rechts oder links, zögern ist immer dumm. Solange wie ich laufe, bin ich auf den Beinen. Wenn Peel plötzlich stoppt, so geht er mit der Maschine in die Luft.

Inglis. Gott behüte!

Herzog. Das ist der Maschine egal. Man versinkt im Sumpf, nur wenn man stille steht, und ein Reiter, der zurückschaut, sitzt nicht fest im Sattel. Wir müssen nicht rückwärts und auch nicht zu viel vorwärts sehen, sondern müssen unsre Augen immer genau da haben, wo wir sind. Politiker sind weder Liebhaber noch Büßer. Ich sehe, daß Sie Eile haben, Sir Robert Inglis. Ich werde Peel und den andern Ihre Winke vortragen. Haben Sie mittlerweile ein wenig Geduld; Juggernauth kommt noch nicht die Straße von St. James herunter.

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