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Erdichtete Gespräche

Walter Savage Landor: Erdichtete Gespräche - Kapitel 22
Quellenangabe
type
authorWalter Savage Landor
titleErdichtete Gespräche
publisherGeorg Müller Verlag
translatorElisabeth von Schorn
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Romilly und Wilberforce

Romilly. Ich kann nur annehmen, Herr Wilberforce, daß Herr Pitt die Erörterung der Frage über die Aufhebung der Sklaverei hauptsächlich deshalb befürwortet, weil er die Aufmerksamkeit des Volkes von den schreienden Uebelständen in nächster Nähe ablenken will. Von Tag zu Tag mehren sich bei uns die Almosenempfänger, von Tag zu Tag werden ihre Gestalten jammervoller; unsere Arbeitshäuser, Hospitäler und Gefängnisse sind gefüllt, ja überfüllt; die Luft in unseren Fabrikgebäuden ist fast so erstickend und die Zustände unsittlicher, als in einem Sklavenschiff. Näherinnen, Schneiderinnen und Putzmacherinnen arbeiten die halbe Nacht hindurch und nehmen schließlich, durch Mühsal entkräftet, ihre Zuflucht zu dem traurigen Dasein der Straße. Ja, so viele haben kalten Herzens behauptet, Laster führe zum Elend; findet sich nicht der warmherzige Mann, der laut verkündet, daß Elend zum Laster führt? Wir alle sehen es jeden Tag; wir warnen die Elenden zu spät; wir fürchten uns davor, die Reichen zu früh zu warnen; wir sind verschwenderisch mit Vorwürfen, die das gebrochene Herz von neuem bluten machen; wir finden es unschicklich und gefährlich, dem verstockten Herzen mit Vorwürfen zu nahen, Barbaren und Feiglinge, die wir sind.

Wilberforce. Erlauben Sie, Herr Romilly, daß ich es mir für später vorbehalte, auf diese Betrachtungen einzugehen. Sie stehen nicht unmittelbar zu dem Gegenstand in Beziehung, um dessentwegen ich mir die Freiheit nahm, an Ihre Tür zu klopfen. Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß mein Freund, Herr Pitt, nicht nur der festeste und unbeugsamste, sondern auch der aufrichtigste Mann unserer Zeit ist.

Romilly. Wie schön, wenn wir das von einem Manne sagen können, besonders von einem mächtigen Manne.

Wilberforce. Zweifeln Sie daran?

Romilly. Ich setze einem Gefühl nur ungern eine Meinung entgegen, einer guten Meinung nur im Notfall eine schlechte Meinung.

Wilberforce. Oh! Sie kennen ihn nicht, wie ich ihn kenne!

Romilly. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Wilberforce. Warum? Ich würde stolz sein, wenn ich Sie bei ihm einführen könnte.

Romilly. Der Stolz würde ganz auf Ihrer Seite sein. Es ist möglich, daß gröbere Metalle weniger biegsam sind als feinere; soviel aber ist sicher, daß sie nicht gut zusammen stimmen.

Wilberforce. Aber in dieser Angelegenheit stimmen sie unentwegt zusammen.

Romilly. Im Unterhaus.

Wilberforce. Das ist der Ort, wo wir unsere Kraft entfalten müssen.

Romilly. Hegen Sie nie den leisesten Zweifel, in einer gewissen Angelegenheit wenigstens, an der Treue Ihres Führers?

Wilberforce. Führer! Herr Romilly! Führer! Bin ich auch der Bescheidenste in jener erhabenen Versammlung, so bin ich doch in dieser Sache, vielleicht in dieser einen Sache nur, nein, gewiß in dieser einen Sache nur, der anerkannte, das weiß ich, der allgemein anerkannte Führer. Gott hat mir die Kraft und den Anstand dazu verliehen, mir, dem schwächsten seiner Geschöpfe, das sehr wohl weiß, wie unwürdig es dessen ist. Ich bin ein schwacher Weidenzweig, der Riesen zusammenbindet; ich bin es, der in dieser Frage die beiden rivalisierenden Parteien einig erhält; ich bin es, der, ein zerbrechliches Gefäß, denen über dem Ozean drüben Freiheit und Kameradschaft bietet.

Romilly. Gewiß haben Sie mit bewunderungswürdigem Eifer dem unermüdlichen Clarkson beigegestanden. Wer rasch und kräftig läuft, hat keinen Atem für Worte; alle Kraft wird in Taten ausgegeben.

Wilberforce. Genau so geht es mir. Indessen kann ich doch eine Rede von wenigen Stunden Länge für jede Sitzung heraussparen, um die Qualen und Plagen der Sklaverei auszumalen und zu zeigen, wie wenig sie dem Geist des Christentums entspricht.

Romilly. Ich glaube beinahe an diese Lehre.

Wilberforce. Beinahe?

Romilly. Ich würde ganz daran glauben, wenn die strenggläubigsten Männer beider Häuser, einbegriffen den größten Teil der Bischöfe, ihr beigestimmt hätten.

Wilberforce. Haben sie das nicht?

Romilly. Anscheinend nicht. Sonst würden sie nicht in den Sitzungen fehlen, wo die Frage erörtert wird; sonst würden sie sich nicht einer Bittschrift an die Krone enthalten und würden alles tun, um mit schicklicher Eile eine Gepflogenheit abzuschaffen, die dem Seelenheil so gefährlich ist und so sicheren Fluch und Unsegen über uns bringen wird.

Wilberforce. Ich habe es nicht nötig, meine hochehrwürdigen Freunde zu verteidigen; es sind Männer von einer Frömmigkeit, wie sie deren kein anderes Land aufzuweisen hat. Aber erlauben Sie mir zu bemerken, Herr Romilly, daß Sie selbst eine rechte Lauigkeit in der Sache verraten, wenn Sie von schicklicher Eile sprechen. Schicklich, wahrhaftig! Guter Gott! Dürfte man ein solches Verbrechen auch nur eine Stunde dulden? Hat der Himmel keine Blitze –

Romilly. Aller Wahrscheinlichkeit nach ja; letzten Sommer hat er welche gehabt. Ich möchte aber lieber, daß sie die Luft reinigen, als daß sie die Erde vor mir versengen. Mein guter Herr Wilberforce! Ich beschwöre Sie, enthalten Sie sich einer Art von Beredsamkeit, in welcher Sie von Herrn Sheridan und Herrn Pitt übertroffen werden, besonders wenn es spät am Tage ist; in den Abendstunden sind solche Männer gewöhnlich am frömmsten. Die Blitze des Himmels schlagen ebenso oft in Getreidescheunen als in Sklavenschiffe. Man sollte es zu allen Zeiten lieber bleiben lassen, Gott zur Rede zu stellen, besonders wenn es sich um die Gerechtigkeit seines Urteils und das Ausbleiben seiner Vergeltung handelt.

Wilberforce. Herr Romilly! Herr Romilly! Der königliche Psalmist –

Romilly. Hat es nur allzu oft gemacht wie andere Herren königlichen Standes auch; er hatte viel Macht, Böses zu tun, und strebte noch nach mehr. Wo immer wir solche Neigungen bemerken, sollten wir Gott lieber bitten, sie zu verzeihen, als sie zu befördern; es wäre weiser und gottesfürchtiger.

Wilberforce. Wir müssen uns in allen Dingen der Autorität beugen.

Romilly. So wird uns gesagt; wir können aber so in die Gewohnheit kommen, uns zu beugen, daß wir es ganz verlernen, aufrecht zu stehen. Ehe wir damit anfangen, sollten wir uns fragen, was Autorität ist. Wir pflegen Stellung und Macht damit zu verwechseln. Nun hat aber der Teufel, auf dieser Erde wenigstens, sehr viel mehr Macht und eine sehr viel höhere Stellung als Gott. Hätte er es nicht, so wären alle unsere Bitten und Gebete erlogen; denn wir bekennen darin, daß wir elende Sünder sind und immer waren, und daß wir des Ruhmes ermangeln, den wir vor Gott haben sollten.

Wilberforce. Ach, mein lieber Herr Romilly! Ich sehe, daß Sie kein Theologe sind. Einige von uns hat Gott mit seiner Gnade erleuchtet, und wen er einmal erleuchtet hat, der ist gerettet. Aber das ist nicht die Angelegenheit, um derentwillen ich zu Ihnen kam. Wir mögen auf diesem Felde verschiedener Meinung sein; was aber die Aufhebung der Sklaverei anbetrifft, so sind wir gleicher Ansicht.

Romilly. Ich bin dessen nicht ganz sicher.

Wilberforce. Wirklich! Dann berichtigen Sie bitte Ihre Ansichten, mein lieber Herr Romilly.

Romilly. Darum bemühe ich mich schon mein ganzes Leben lang, so gut es meine Fähigkeiten mir gestatten.

Wilberforce. Hätten Sie sich nur zum Kreuze gehalten, so wären Sie von Kindheit an sicher und unbeirrt Ihres Weges gegangen.

Romilly. Ach! Mir scheint, es ist nur ein Kreuz auf Erden geblieben, das Kreuz des unbußfertigen Diebes. Wieviel Tausende von giftgeschwollenen Wespen und Hornissen umschwärmen es und kämpfen um die faulende Leiche! Den Gebenedeiten aber haben die, welche lüstern waren, mit den Splittern seines Kreuzes zu schachern, längst heruntergerissen, schon bald nachdem das Kreuz errichtet worden war. Große Vermögen werden täglich mit diesem Schacher erworben, und er beschäftigt mehr Schreiber und Schatzmeister als die Kolonien im Stillen Ozean. Die Geldwechsler im Tempel zu Jerusalem gaben wenigstens Geld für Geld; bei uns sacken sie das Geld ein und sagen: »Kommt morgen wieder.«

Wilberforce. Der Gewinn mag gottlos sein; aber wir dürfen nicht an überlieferten Rechten und althergebrachten Einrichtungen rütteln.

Romilly. Dann laßt die Sklaverei nur fortbestehen, mein werter Herr Wilberforce; denn eine ältere Einrichtung gibt es sicher nicht. Soll ich in diesem Punkte meine Ansichten auch berichtigen?

Wilberforce. Die Tatsache ist nur zu offenbar. Sie waren nur da im Irrtum, wo Sie über einen Gegenstand, den ich gründlich und aufmerksam studiert habe, anderer Meinung waren, als ich.

Romilly. Das heißt, über die Aufhebung der Sklaverei.

Wilberforce. In der Tat.

Romilly. Die Kolonisten in den Wäldern von Amerika machen zuerst das Land rings um ihr Gehöft urbar. Ich würde nach diesem Grundsatz damit anfangen, die notleidenden Arbeiter in meiner eigenen Umgebung zu befreien und zu belehren. Sehen Sie die Lastpferde an, die da an unserem Fenster vorübergehen. Das erste Viertel ihres Daseins war dem Wachstum gewidmet; reichliche Ernährung hat sie auf schwere Arbeit vorbereitet. Sie wissen nichts von unseren Lastern, nichts von unseren Liebesempfindungen, Behagen bedeutet alles für sie, und wenn sie es nötig brauchen, und es ihren Herren genehm ist, so geben sie sich ihm hin.

Wilberforce. Wir machen ihnen auch Scheuleder vor die Augen, damit nichts sie vom Wege ablenkt. Das ist ebenfalls ein Akt der Menschlichkeit.

Romilly. Wenn Sie versuchen wollen, dem geistigen Auge Scheuleder vorzubinden, so werden Sie nur erreichen, daß es die Dinge noch schiefer ansieht. Verschaffen Sie den Arbeitern soviel Einsicht als möglich, geben Sie ihnen Zeit zu vernünftigem Ausruhen, sonst wird es Ihnen nie gelingen, sie mit Ihren Einrichtungen zu versöhnen. Wenn Sie den Menschen dieselbe Arbeit und dieselben Entbehrungen auferlegen, wie den Tieren, so werden sie auch allmählich tierische Art annehmen; bereiten Sie ihnen aber ein vernünftiges Maß an Glück, so helfen Sie ihnen schon halbwegs zum Himmel hinauf. Kein Mensch, der einigermaßen glücklich ist, wird den Besitz, dessen er sich erfreut, gegen eine Theorie vertauschen, und sei sie noch so glänzend; der Unglückliche aber wird von Dolchen träumen, bis er sie in den Händen hält. Wenn Ihr Freund, Herr Pitt, die revolutionäre Bewegung zurückzuhalten wünscht, so wird er nicht versuchen, dem weißen Manne Fesseln anzulegen, während er sie dem schwarzen abnimmt; er wird nicht verprügelte Truppen gegen begeisterte ins Feld führen; er wird den kräftigen Söhnen verhungernder Pächter nicht den Anblick von zwanzig Gehöften bieten, die aus den Ruinen eines Schlosses erstehen. Friede ist leichter zu erhalten als zurückzurufen.

Wilberforce. Nun, Herr Romilly! Wir kommen etwas von dem Gegenstande ab, der meinen Besuch veranlaßte, und wenn wir fortfahren, in dieser Weise abzuschweifen, so fürchte ich, werden Sie nicht mehr Muße genug haben, mich die Rede vortragen zu hören, die ich in Sachen der Sklavenfrage vorbereitet habe. Die Akustik Ihres Zimmers scheint meiner Stimme sehr günstig zu sein.

Romilly. Ich hatte schon in den drei letzten Sitzungen den Genuß, Ihre Ansichten über diese Frage kennen zu lernen.

Wilberforce. Ich hoffe zuversichtlich, Sie werden mich mit demselben Genuß vor dicht besetztem Hause reden hören.

Romilly. Sie vertreten einen Kreis der Grafschaft York.

Wilberforce. Ich habe die Ehre.

Romilly. Eine Grafschaft zu vertreten, ist an und für sich keine Ehre, aber es bietet Gelegenheit, sich große Ehren zu erringen. Machen Sie Ihren Wählern klar, daß die Sklaverei in Westindien nicht so grausam ist, wie die Sklaverei in ihren eignen Gemeinden, daß die Lage der Schwarzen im großen und ganzen besser ist, als die Lage der Almosenempfänger in England, und daß die schwarzen Kinder ein unvergleichlich viel behaglicheres und glücklicheres Dasein führen als die der englischen Armen.

Wilberforce. Gott im Himmel! Muß ich das von einem Menschenfreunde hören?

Romilly. Von einem Menschenfreunde, ja; ich wage das zu bestätigen, so wenig ich auch verstehen mag, es zu zeigen. Sie könnten in jeder Sitzung des Parlaments eine Stimmenmehrheit für einen Gesetzentwurf erzielen, in dem der Arbeitstag der Kinder in den Fabriken verkürzt wird. Jeder Gutsbesitzer, jeder Peer würde dafür stimmen, daß kein Kind unter acht Jahren in diese Pesthäuser eingesperrt werden dürfe.

Wilberforce. O Herr Romilly! Verdienen unsre Fabriken einen solchen Namen?

Romilly. Er ist durchaus bezeichnend; obwohl man Pesthäuser die Gebäude zu nennen pflegt, welche die Verdächtigen aufnehmen und die Ausbreitung der Krankheit verhindern. Vom achten bis zum zwölften Jahre würde ich nicht mehr als sechs Stunden täglicher Arbeit gestatten, mit einer Pause zwischen je drei Stunden, die dem Essen und der Bewegung gewidmet sein sollte. Nach dem zwölften Jahre dürften die Geschlechter nicht mehr gemeinsam beschäftigt werden.

Wilberforce. Die erste Vorschrift würde heftige Unzufriedenheit bei unsern wohlhabendsten Gönnern hervorrufen; ja, selbst die Eltern würden sich dagegen auflehnen.

Romilly. Zwei bezeichnende und traurige Wahrheiten! Ich will sie durch zwei andere ergänzen. Wer am wenigsten für andre fühlt, der fühlt am meisten für sich selbst; und die Eltern, welche ihre eignen Kräfte in Schnapsläden verwüsten, sind natürlich bereit, die Kräfte ihrer Kinder an Fabriken zu verschleudern. Wenn unser unvernünftiger Krieg und unsre verschwenderischen Ausgaben eine innere Politik erlaubten, so sollten wir bedenken, daß männlicher Sinn und gesunde Körper die Staaten erhalten, nicht aber knarrende Webstühle und überfüllte Baumwollsäcke in Menschengestalt. Wir haben nicht das Recht, der kommenden Generation den Lebensnerv zu unterbinden; wir haben nicht das Recht, die Kinder der Armen dem Baal oder dem Moloch zu opfern. Der Gedanke an die Schwarzen beschäftigt mich lebhaft; ich denke mit schwerer Sorge an sie; aber lieber möchte die Sklaverei in Westindien noch sieben Jahrhunderte bestehen, als die Sklaverei in Lancashire und Yorkshire noch sieben Jahre lang. Wenn Herr Pitt es wirklich aufrichtig meint, warum läßt er dann nicht seine Anhänger in beiden Häusern (und beinahe alle Mitglieder beider Häuser sind seine Anhänger) für Ihren Antrag stimmen?

Wilberforce. Er meint es gut mit unserer Sache, aber er ist sich klar darüber, daß den Sklavenbesitzern Vergütungen gewährt werden müssen, und er hat nicht die nötigen Gelder dafür.

Romilly. Wer ist schuld daran? Er hat immer Geld genug aufgetrieben, wenn es galt, das Elend anderer Völker und die Verdorbenheit des eigenen Volkes zu vergrößern. Durch seine Verschwendung und seine übertriebenen Steuern wird er die Katastrophe herbeiführen, die er erklärte, verhindern zu wollen.

Wilberforce. Das wolle Gott verhüten!

Romilly. Gottes Wille ist es nicht; daran aber vergißt er zu denken.

Wilberforce. Sie zwingen mich etwas zu sagen, Herr Romilly, was Sie hoffentlich nicht als persönliche Anspielung auffassen werden. Die französische Revolution wurde zu einem großen Teil durch Herren Ihres Berufes herbeigeführt.

Romilly. Das Volk war durch drückende Steuern so verarmt, daß nur wenig Rechtssachen vor die Gerichte kamen. Darum fingen die Advokaten, die sonst andere ausgesogen hatten, selbst an zu verhungern und stachelten das Volk zur Empörung auf, um durch Verbrechen eine Umwälzung in den Vermögensverhältnissen herbeizuführen. Jetzt hat England die Sünden der Welt auf sich genommen und bezahlt für alles.

Wilberforce. Was für ein schrecklicher Ausspruch. Lassen Sie uns zu den Schwarzen zurückkehren. Man hat berechnet, daß wir zwanzig Millionen brauchen, um die Sklavenbesitzer zu entschädigen.

Romilly. Ist es da verwunderlich, wenn Herr Pitt zu Ausflüchten greift?

Wilberforce. Ich würde es verwunderlich finden, wenn ein Mann von seiner Rechtschaffenheit in irgendeiner Sache zu Ausflüchten griffe. Aber er hat mir ganz offen erklärt, daß er sich noch nicht klar sei, wann die Abschaffung der Sklaverei zur Ausführung kommen könne.

Romilly. Man kann alles berechnen, nur nicht, wann der Ungerechtigkeit die letzte Stunde schlagen wird. Es steht nicht immer in unserer Macht, eine Ungerechtigkeit, die wir begangen haben, wieder gut zu machen. Ja, manchmal ist es sogar nötig, daß wir an ihr festhalten und neue Ungerechtigkeiten hinzufügen. Wir haben einen höchst unnötigen, höchst unpolitischen, höchst ungerechten Krieg gegen Frankreich geführt. Nichts hätte besser dazu beitragen können, das französische Volk einig zu machen; nichts hätte vermocht, unseren Handel schlimmer zu schädigen und brach zu legen. Als wir dem Feind die amerikanischen Inseln nahmen, hätten wir alle jüngeren Sklaven, und zwar die gleiche Zahl an weiblichen und männlichen, in unsere Besitzungen überführen sollen. Wir hätten Brasilien und Cuba Schutz gewähren und uns die sofortige Aufhebung des Handels mit afrikanischen Sklaven ausbedingen sollen, zudem die Freilassung aller Sklaven, die schon vierzehn Jahre lang bei Spaniern und Portugiesen gedient hatten. Unglücklicherweise vermögen wir jetzt ohne schwere Schädigung einer großen Zahl unserer Mitbürger selbst den Sklaven in unseren eigenen Landen nicht mehr zu helfen. Wir können nur den bürgerlichen und militärischen Verwaltungen die Macht verleihen, jeden Sklaven in Freiheit zu setzen, der nachweisbar von seinem Herrn mißhandelt wurde. Welch ein Fluch ist es für uns, daß wir jetzt weder in der Lage sind, Frieden zu schließen, noch die Sklaverei abzuschaffen. Wir können verordnen – und wir sollten es sofort tun –, daß die Einführung und der Verkauf der Sklaven von Stund an in der ganzen Welt ein Ende nimmt. Wir können anordnen – und wir sollten es sofort tun –, daß Ehegatten demselben Herrn dienen und niemals getrennt werden dürfen. Wir können verordnen – und wir sollten es sofort tun –, daß die Kinder vom siebenten bis zum zwölften Jahre täglich eine Stunde Unterricht erhalten. Aber wie die Dinge jetzt liegen, scheint es mir nicht gerecht, einen Eigentümer seines Eigentums zu berauben; es sei denn, daß er es sich durch eine gesetzwidrige Handlung verscherzt habe. Ich würde mit ihm übereinkommen, daß er zum Entgelt für meinen Schutz und das Monopol, das ich ihm während des Krieges gewährt habe, alle Sklaven, die ihm vierzehn Jahre gedient haben, freigibt. Ich würde ihn auch bestimmen, daß er eine möglichst gleiche Zahl von männlichen und weiblichen Sklaven hält und jedem freigelassenen auf Lebenszeit ein Stück Land, das ihn ernähren kann, für eine Summe verpachtet, die von Abgeordneten des Gouverneurs gebilligt werden müßte. Der Vorschlag, zwanzig, zehn oder auch nur fünf Millionen zu bewilligen, um die Sklaverei durch Entschädigung der Sklavenbesitzer aus der Welt zu schaffen, ist vernunftwidrig. Schafft Import und Export ab; das wird genügen. Die Aufhebung des Sklavenhandels ist sehr viel wichtiger, als die Aufhebung der Sklaverei auf unseren Inseln. Dem Handel kann sofort ein Ende gesetzt werden; die Sklaverei selbst läßt sich nur langsam beseitigen. Es ist bei der Politik wie bei der Diät. Wer sich übermäßigem Genuß ergeben hat, kann nicht plötzlich zur Enthaltsamkeit übergehen, wenn er die Gefahr erkennt, der er sich ausgesetzt hat. Die Folgen eines unvermittelten Wechsels in der Lebensweise können verhängnisvoll werden.

Wilberforce. Die Religion lehrt uns, daß wir mit der Sünde keinen Waffenstillstand schließen sollen.

Romilly. Wir sollten keinerlei Verlöbnis mit ihr eingehen; aber das Beisammenbleiben ist leichter als die Scheidung. Holz, das sich geworfen hat, läßt sich nicht durch einen Hammerschlag wieder gerade machen; es braucht Zeit und Geduld dazu. So ist es auch mit unserer Sklaverei. Wir haben ungestraft Schlechtes getan; wir können nicht ungestraft Gutes tun. Wir schaden dem Staat, wenn wir den Bürger berauben.

Wilberforce. Ich möchte ihn nicht beraubt haben; ich möchte ihm eine volle und anständige Entschädigung bewilligt sehen.

Romilly. Was! Wo all euer Eigentum verpfändet ist? Wo ihr keine Hoffnung habt, es zurückzugewinnen, und kaum soviel auftreiben könnt, um die Zinsen zu bezahlen? Wenn ihr je den Plan ins Werk setzen wollt, so müßt ihr zuvor Frieden schließen.

Wilberforce. Es betrübt mich, daß Sie so verzagt sind.

Romilly. Ich bin noch viel verzagter, als ich mir bisher habe merken lassen.

Wilberforce. Warum?

Romilly. Wenn die Feindseligkeiten aufgehört haben, wird das Volk nach Befreiung von den allzudrückenden Steuern schreien; einige von den einträglichsten wird man zuerst beseitigen. Wir haben uns, einem alten Narren zu gefallen, der nie den Unterschied zwischen einer Truppenrevue und einer Schlacht begriffen hat und bei dem Gedanken kicherte, daß seine Untertanen ein Loch in den Leib kriegten, wenn man sie erschieße, in diesen Krieg gestürzt; in einen Krieg, der von heißhungrigen Menschen geführt wird, welche der Gedanke zum äußersten treibt, daß man ihren guten Willen erzwingen will, und daß sie entweder ihren Besitz oder ihre Ueberzeugungen aufgeben müssen. So unklug das meiner Meinung nach war, so sollten wir doch die Schulden bezahlen, die wir gemacht haben, und nicht die Last unsern Kindern hinterlassen. Wenn unsere Geschäfte im Frieden so schlecht geführt werden wie im Kriege, so steht zu fürchten, daß wir den Kolonisten mehr Schaden zufügen, als wir den Sklaven Gutes erweisen. Wir könnten die Unvernunft selbst soweit treiben, daß wir das eroberte Land, von Schwarzen bebaut, unserm Feinde wieder in die Hände spielen.

Wilberforce. Unmöglich! Herr Pitt hat erklärt, der Friede werde nur auf Grund von Entschädigungen für die Vergangenheit und Sicherheiten für die Zukunft geschlossen werden. Das sind seine eigenen Worte.

Romilly. Als er diese Worte aussprach, wußte er, daß sie niemals in Erfüllung gehen würden, nicht weil er ein guter Politiker, sondern weil er ein guter Rechner ist. Krieg ist zugleich der Vater und das Kind von allem Bösen. Es wurde Ihrer und Herrn Pitts Findigkeit nicht gelingen, irgendein Uebel zu entdecken, das der Krieg nicht erzeugt, das nicht während des Krieges tobt und wütet oder dem Kriege nachfolgt. Er entsteht aus Stolz und Bosheit; er lebt von Raub und Grausamkeit; er endet in Armut und Unterdrückung. Unsere Bischöfe, die für den Erfolg unserer Waffen beten, sind kühnere Männer als unsere Soldaten, die mit dem Bajonette fechten. Denn der Soldat kämpft nur gegen Menschen und unter dem Befehl von Menschen; der Bischof aber kämpft gegen Gott und gegen göttliche Befehle. Jede Hand, die sich betend erhebt, um Menschenmord zu erflehen, schlägt Gott ins Angesicht.

Wilberforce. Herr Romilly! Ich achte Sie hoch; Sie sind ausgezeichnet in Ihrem Beruf, Sie sind Mitglied des Parlaments, Sie sind ein tugendhafter und (ich hoffe es) auch ein frommer Mann; aber Sie würden in meiner Achtung höher steigen, wenn Sie die verehrten, welche über Ihnen stehen.

Romilly. Der Mann, den ich im Gefühl meiner eigenen Unvollkommenheit verehren könnte, müßte unermeßlich hoch über mir stehen, sowohl in Tugend als in Verstand. Ich pflege selten Verse oder Sprüche anzuführen; aber bei einem Dichter, der durchaus nicht originell ist, fand ich einen so originellen Gedanken, daß niemand ihn jemals auf sich selbst oder andere angewendet zu haben scheint:

»Wie tief unter himmlischer Güte! Wie hoch über irdischer Größe!«

Wilberforce. Nur die eine Hälfte davon kann ich willig anhören. Wenn die Menschen anfangen, sich über die Großen der Erde erhaben zu fühlen, so wird die soziale Ordnung jammervoll zerstört. Ich beklage diesen Mangel an Selbsterniedrigung; sie ist die Grundlage aller christlichen Tugenden.

Romilly. Wenn wir uns selbst nicht achten, so wird unsere Achtung vor Höherstehenden leicht zur Kriecherei. Kein Mensch kann von einem andern so tief erniedrigt werden, als er sich selbst erniedrigen kann. Ich habe niemals bemerkt, daß die Neigung, die Mächtigen zu verehren, dem geistigen Hochmut irgendwelche Schranken auferlegt; und unter denen, welche die Nase hoch tragen und verkünden, daß sie den Weg zum Himmel gefunden haben, sind mir wenige begegnet oder durch Hörensagen bekannt geworden, die fähig waren, Demut von kriechender Unterwürfigkeit zu unterscheiden. Sie pflegen die zu beschmutzen, denen sie schmeicheln, und ernten Fußtritte, ehe sie bewirtet werden.

Wilberforce. Das Christentum ist nachsichtig gegen menschliche Schwächen.

Romilly. Das Christentum, wie es jetzt von seinen höchststehenden Bekennern gehandhabt wird, ist größer darin, neue Schwächen zu erzeugen, als gegen Schwächen duldsam zu sein. Können wir an das Bekenntnis derer glauben, die in Reichtum und Krieg schwelgen? Die für die Bewilligung von Hilfsgeldern stimmen, welche dem Blutvergießen dienen sollen? Die für gute Fahrt der Sklavenschiffe beten? Die hilflose elende Geschöpfe, welche sie Menschen und Brüder nennen, fesseln, quälen und unterdrücken?

Wilberforce. Zuerst muß das Parlament Schritte tun. Eher können Sie nicht erwarten, daß der Fluch des Krieges und der Sklaverei sich mildern läßt.

Romilly. Wer soll die ersten Schritte tun? Nötigen Sie die Bischöfe, wenn Sie können, ihre Stimmen für die Beseitigung beider Uebel zu erheben. Bewegen Sie die Herren, daß sie wenigstens in der Sache zu Ihnen stehen, die Ihnen offenbar am meisten am Herzen liegt. Um allmählich zum Ziel zu gelangen, bin ich bereit, meinen Namen bei jeder Gesellschaft einzuschreiben, die es sich zum Hauptzweck macht, unsere geistlichen Würdenträger zum Christentum zu bekehren. Die Wasser des Jordan, die man früher zum Bleichen verwendete, dienen jetzt nur noch dazu, um Rot und Purpur haltbar zu machen.

Wilberforce. Es ist gefährlich, an den Altar zu rühren. Wir könnten in dem Bemühen, ihm seine alte Form zurückzugeben, den Tisch zerstören und den Kelch zerbrechen.

Romilly. Das Christentum ist eine Pflanze, die man gut aus dem Samen ziehen kann, aber schlecht aus Ablegern. Die, welche es auf einen wilden Fruchtbaum pfropften, haben manchmal Erfolg damit gehabt, nie aber die (und zu denen gehören wir), welche es einem Baum aufsetzten, aus dessen geborstenem Stamm üppige Fäulnis quoll. Ich leugne nicht, daß einzelne Familien und kleine Gemeinden durch die Abkehr von noch verderbteren Religionen gewonnen haben; sobald aber Städte und Provinzen den reineren Glauben annahmen, hat es nie an ehrgeizigen Männern gefehlt, die dem Worte Gottes irdischen Sinn unterschoben und in seinem Namen Häuser bauten und Schätze sammelten.

Wilberforce. Das Gedeihen der Arbeiter im Weinberge des Herrn hat den Neid der Uebelwollenden geweckt.

Romilly. Welches Gedeihen? Erfolge in der Verbesserung des Weinbergs?

Wilberforce. Nein, nicht doch; ich meinte ihren ehrlich erworbenen Lohn.

Romilly. Hat der Herr solchen Lohn auch denen gezahlt, deren Arbeit viel härter war, als die Arbeit im Weinberge? Oder hat er gewünscht und befohlen, daß er erst im Jenseits bezahlt werde?

Wilberforce. Es tut mir leid, Herr Romilly, daß Sie fragen und Worte verdrehen (verzeihen Sie den Ausdruck), wie jene unglückseligen Männer, die man fälschlich Philosophen nennt, und die, Voltaire an der Spitze, den Zorn des Himmels über Frankreich heraufbeschworen haben.

Romilly. Nein, wahrlich nicht; ich habe mich nie auf dem zierlichen, kurz geschnittenen Rasen gesonnt, der von den papiernen Nelken und gepuderten Ranunkeln des Voltaire eingefaßt ist. Seine Dreistigkeit ist erheiternd; aber ich habe es angenehmer gefunden, in dem Strom der tiefen Weisheit unterzutauchen, der, bis zum Rande mit Witz erfüllt, die romantische Landschaft des Cervantes durchströmt.

Wilberforce. Das grenzt an Unglauben.

Romilly. Aber an einen Unglauben, der nicht geistlos und unfruchtbar ist, wie Unglauben sonst zu sein pflegt. Selbst manche Christen sind Ungläubige nach der Ansicht anderer Christen; und die, welche den Christen am nächsten stehen, sind am allerverwerflichsten. Merkwürdige Deutung der Worte: »Liebe deinen Nächsten!« Wenn es verschiedene Grade des Glaubens gibt, muß es auch verschiedene Grade des Unglaubens geben. Der schlimmste Unglaube ist der, dem es um die Güte unseres himmlischen Vaters leid ist, der in uns den Wunsch erzeugt, zu brechen, was wir nicht biegen können, und in die Geißel des Herrn Draht auf Draht zu flechten und Knoten auf Knoten zu knüpfen. Wenn ich recht verstehe, so ist Christentum Lebenswandel und nicht Wortglaube. Ein Diener, der den vernünftigen Befehlen seines Herren gehorcht, ist ein guter Diener; der aber mit nichten, welcher des Herrn Worte nachplappert, seine Gestalt ausmißt und seinem Stammbaum nachspürt! Es ist in allen Fällen gut, etwas mehr als duldsam zu sein; besonders wenn ein Mensch, der weiser und besser ist als wir selbst, anders denkt als wir. Religiösen Gemütern wird es ein Grund mehr zur Demut sein, wenn sie sehen, wie so vortreffliche Männer wie Borromeo und Fenelon dem Glauben ihrer Kindheit inmitten all der Debatten und all des Aufruhrs in den umliegenden Ländern treu blieben.

Wilberforce. Ich bin der Meinung, daß die Religion alle unsere Einrichtungen durchdringen sollte; daß sie nicht nur ein Teil, sondern der vornehmste Teil des Staates sein sollte.

Romilly. Es widersteht mir, andern meine Ansichten über diesen Gegenstand aufzudringen, ja, selbst auf diesbezügliche Fragen zu antworten. Denn ich habe immer beobachtet, daß die frömmsten Männer im Lauf der Debatte am ungeduldigsten werden und ihre Gegner schwache, schwankende Zweifler schelten oder hartnäckigen, übermütigen Unglaubens zeihen. Da aber die Verfassung unseres Landes mit ihren gegenwärtigen Mängeln und zukünftigen Verbesserungen von der Frage betroffen wird, so muß ich Ihnen erklären, daß meiner Ueberzeugung nach selbst der beste Staat und die beste Kirche ihre Geschäfte getrennt führen sollten.

Um ein Haus zu bauen, braucht man Ziegel, Steine und Kalk. Die Ziegel werden in den Kalk gebettet, den man zu Mörtel verarbeitet hat; wollte man aber den Kalk in die Masse mischen, aus der die Ziegel geformt werden, so würden sie im Ofen Blasen treiben, platzen und in Stücke fallen.

Wilberforce. Das ist kein Beweis.

Romilly. Ein Beweis, der den Nagel auf den Kopf trifft, hört im selben Augenblick auf, ein Beweis zu sein. Ich gebe aber zu, daß meine Worte nur ein Gleichnis waren. Ich möchte Sie nicht länger zurückhalten, Herr Wilberforce, und verspreche Ihnen, daß ich der Debatte beiwohnen und in Ihrem Sinne stimmen werde. Keiner von uns wird lang genug leben, um die Afrikaner von Sklavenbanden frei zu sehen, oder sichergestellt vor den Myriaden von Uebeln, die der Sklaverei vorangehen, wie den Gewalttaten, die ihre Stämme sich untereinander zufügen. Europa ist zur Stunde noch halb barbarisch, und selbst die gesitteten Staaten sind einer ebenso argwöhnisch auf den andern, wie die kriegerischen schwarzen Stämme in Senegal und Gambia. Es wird noch viele Jahre dauern, ehe eine andere Nation sich bei irgendeiner Arbeit oder irgendeinem Plan mit uns zusammentut und gemeinsam an gemeinsamem Gedeihen arbeitet. Die Ehre, die man auf dem Kontinent jetzt gänzlich aus den Augen verloren hat, ist zum fahrenden Ritter geworden und es ist wenig Hoffnung vorhanden, daß sie in dieser neuen Gestalt wiedererkannt wird.

Noch einen Rat zum Abschied; den einzigen, mit dem ich Ihnen in dieser Sache wesentlich nützen kann. Erlauben Sie mir, Ihnen nahe zu legen, Herr Wilberforce, daß Sie bei Ihrer Rede so wenig geschichtliche Kenntnis entfalten, als Ihre Beredsamkeit und Begeisterung Ihnen irgend erlauben.

Wilberforce. Warum das, Herr Romilly?

Romilly.. Weil es Ihren menschenfreundlichen Absichten schaden könnte.

Wilberforce. Nichts kann ihnen Schaden tun.

Romilly. Sind Sie sich klar darüber, welchem von unsern Herrschern wir den schrecklichen Fluch der afrikanischen Sklaverei, soweit unser Land daran beteiligt ist, verdanken?

Wilberforce. Gewiß kann keinem unserer mit Recht verehrten Könige ein so entsetzliches Verbrechen zur Last gelegt werden; wenn auch die königliche Macht, dank den Grenzen, die unsere Verfassung ihr setzt, nicht die Kraft gehabt haben mag, es zu unterdrücken.

Romilly. Königin Elisabeth rüstete zwei Schiffe für ihre ganz persönlichen Zwecke aus, und in diesen zwei Schiffen, welche von der Flotte unter dem Befehl des Hawkin begleitet wurden, schmachteten die ersten unglücklichen Schwarzen, die ihr Leben in Dienstbarkeit fristen sollten und sich von Engländern hatten verlocken lassen, ihre heimatlichen Küsten zu verlassen. Elisabeth war habgierig und grausam; aber auf einen kleinen Teil ihres Herzens ist doch kurze Zeit ein schräger Sonnenstrahl gefallen. Wir leben jetzt unter einem König, der bekanntermaßen noch viel habgieriger ist; ein König, der ohne Schauder an dem Galgen vorbeigeht, den seine Unterschrift mit einem Gehängten verziert hat; ein König, der nach einer verhängnisvollen Schlacht, einer Schlacht, die er seine Untertanen gegen ihre eigenen Landsleute kämpfen ließ, nur den Verlust an Pferden, Sätteln, Tornistern und Mänteln beklagte. Wenn dieser unvernünftige und unersättliche Mann jemals hört, daß Königin Elisabeth eine Sklavenhändlerin war, so wird er auf die unveräußerlichen Rechte der Krone Anspruch machen und Ihren Antrag verwerfen.

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