Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Walter Savage Landor >

Erdichtete Gespräche

Walter Savage Landor: Erdichtete Gespräche - Kapitel 13
Quellenangabe
type
authorWalter Savage Landor
titleErdichtete Gespräche
publisherGeorg Müller Verlag
translatorElisabeth von Schorn
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20151214
projectidcdd8c509
Schließen

Navigation:

Königin Elisabeth und Cecil

Elisabeth. Ich lasse dich abermals wissen, geiziger Cecil, daß unser Edmund Spenser, den du sehr unhöflich ein winselndes Hündchen nennst, triftige Gründe für seine Klagen hat. Beim Blute Christi! Soll ich die Dame, die mir mein Strumpfband bindet und mir das Hemd über den Kopf zieht, oder den Lord, der mir beim Essen den Stuhl zurecht rückt, oder den anderen, der aufpaßt, daß meine Jagdhunde nicht räudig werden, höher achten und reicher belohnen, als den Mann, der mich unter die Tapfersten vergangener Zeiten erhoben hat und mich ebenso sicher und unfehlbar unter die Schönsten der Zukunft einreihen wird?

Cecil. Euer Hoheit müssen bedenken, daß er ein reichliches Trinkgeld für solche Verdienste empfängt: Fünfzig Pfund vollgewichtigen Geldes im Jahr und ein Faß guten Weines, nicht zu vergessen der dreitausend Morgen Landes in Irland, die in günstigen, ruhigen Jahren weitere fünfzig Pfund und ein weiteres Faß Wein wert sind.

Elisabeth. Die Gelder genügen nicht, um ein paar Stallknechte und ein paar Reitpferde zu halten, und ich habe mehr als ein Faß Wein bei einem einzigen Festmahl austrinken sehen. Die Gelder gibt man solchen Männern, damit sie nicht aus Not oder Neigung zu niedrigen Beschäftigungen greifen, und den Wein, damit sie den Nachwuchs vielversprechender Schöngeister bewirten können, der ihre Gesellschaft und Unterhaltung aufsucht; solcher Art wird es in unsern Landen nie an diesen Erben des Ruhmes fehlen. Er hat ein paar Verse geschrieben, die mich bewegt haben, zumeist, weil sie mir zeigen, daß sein Genius durch die Widerwärtigkeiten seines Daseins gelitten hat. Sie sind nicht so schwärmerisch wie sonst, noch in so künstlicher, erhabener Sprache; sie sind mehr einfacher, ländlicher Art. Lies.

Cecil.

Wie viel verlor, wem buntbeschwingter Glaube,
Wem Hoffnung nicht mehr Auge täuscht und Sinn,
Wer jung, herzklopfend in dem gelben Laube
Nicht späht mehr nach verstecktem Apfel hin.

Wer, von der Jugend grünem Ufer fahrend
An weitgesuchter Küste Wüsten fand.
Das große Märchenbuch geschlossen wahrend.
Mit Schließen, unnachgiebig seiner Hand.

Elisabeth. Der besagte Edmund hat auch auf meine Rechnung dem Weber John Blanquieres in Arras eine Beschreibung geliefert, nach der ein paar von seinen geschicktesten Weberinnen arbeiten sollen. Der Gedanke stammt freilich von mir, aber er hat ihn anmutig genug mit Gestalten und Einfällen belebt. Nur hätte er füglich in seine Dichtung einen schönen Vergleich einflechten können zwischen Dian – doch einerlei – es wäre vielleicht nicht zu seinem Schaden gewesen; aber die Dichter, – Gott steh ihnen bei – haben den Verstand nie auf dem rechten Flecke. Lies das Gedicht; es ist nicht übermäßig gelungen und schließt recht ungeschickt und alltäglich.

Cecil.

Wo schwimmende Inseln der Lotos flicht
Aus flachen Blättern und Blüten groß,
Welch strahlende Schönheit mit himmlischem Licht
Erhellt da des dunklen Wassers Schoß?

Sie leuchtet den Blumen, den Nymphen im Rund,
Und zwanzig saßen allda vereint.
Diana war's, fliehend vor schwüler Stund'
Zum Ort, wo sie ungesehen sich meint.

Unseliger Jüngling, den Durst trieb herbei.
Den lähmende Furcht hält im Röhricht zurück!
Es wachen vor ihm treuer Hunde drei,
Und folgen erstaunt seinem starren Blick.

Sein Liebling springt vor – mit der Bogenhand
Deckt die Göttin zu spät, was zu decken war,
Heißt den Strom überfluten des Ufers Rand,
Anklagend das Schilf und der Nymphenschar.

Beflügelten Fußes fliehn sie davon.
Da zeigt sich Geweih und Hufschlag tönt hell,
Fremd ist selbst dem Hunde der Stimme Ton;
Er stürzt sich aufs bäumende Tier mit Gebell.

O Göttin, du Keusche, nie will ich mich nahn.
Dem Strom, der dich lockt in des Sommers Glut,
Denn Rache droht ihm, dem sich aufgetan –

Elisabeth. Bah! Gib mir das Papier. Ich sagte dir ja, das Ende ist jammervoll, jammervoll.

Cecil. Ich bin überzeugt, der Lieferant dieser eben abgelesenen Verse hat Euer Hoheit betrogen; denn ich habe irgendwo ein Gemälde gesehen – ich weiß nicht mehr wo, aber ich glaube, es war nicht weiter weg als Putney – darauf war genau dieselbe Dian mit zum mindesten ebenso vielen Nymphen, wie er sie nennt, und mit viel mehr Hunden gemalt. Eine solche Kleinigkeit, wie ein Blatt Papier voll Reimerei, kann weder meine Galle erregen, noch meine Börse auftun.

Elisabeth. Ich habe in Plinius und Mela von einem Quell bei Dodona gelesen; wenn man sich ihm mit einer erloschenen Fackel näherte, so fing sie an zu brennen, näherte man sich ihm mit einer brennenden, so erlosch sie. Nun wünsche ich nicht, Cecil, daß mein Hof um eines solchen Gewässers willen gerühmt werde, oder mit alltäglichen Worten, die deinem ernsten Sinne leichter verständlich sein werden: Ich möchte nicht, daß die Quelle der Ehren die Fackel der Dummen und Unwissenden entzünde, und die Flamme des Genius und der Literatur verlösche. Ich wünsche glühend, daß die Nachwelt meiner Regierung gedenke. Wären meine Taten anders als sie sind, so würde ich eben so glühend wünschen, daß man ihrer vergesse. Das sind die schlimmsten Selbstmörder, die willentlich und wissentlich ihren eigenen Ruhm unterdrücken, wo Gott sie doch geheißen hat, den Menschen als Beispiel voran zu leuchten. Wir nennen den einen Vatermörder, der den Urheber seines Daseins umbringt; sage mir, wie sollen wir den nennen, der seine sicherste Stütze, den treusten Mehrer seines Ruhms, den Hunden und Raubvögeln preisgibt? Verstehe mich recht, ich spreche nicht von dem Dasein, das der Stolzeste auf Erden in einer Grube enden muß – in der engsten aller Gruben, in die eine Prise Rattengift oder ein Mohnkopf ihn werfen kann. Ich spreche von dem Dasein, das wir in unseren guten Taten führen, die das freundliche Verständnis eines andern sorgfältig sammelt, zusammenstellt und feierlich verkündet. Ich spreche von einem Leben, das keinen Vater zum Erzeuger und Erhalter hat. Der Vater gibt uns kurz bemessene Tage und sorgenvolle; der Dichter gibt uns ungemessene Tage und glorreiche. Der eine, wenn er klug und gütig ist, wird unsere Fehler tadeln, der andere wird unsere Tugenden feiern.

Ein Blatt Papier mit Versen ist eine Kleinigkeit; mag es so sein; aber ich will dir eine Wahrheit sagen, Cecil. Verse können manches kühne Herz bemeistern, das keinen Spanier fürchtet; sie können manchen stolzen, wilden Sinn besänftigen, den selbst Anmut und Ritterlichkeit nicht rühren. Ich kann mit Titeln und Würden zu Dutzenden um mich werfen, wenn ich beim Frühstück sitze; aber ich kann die, auf deren Köpfe sie fallen, weder vor Laster noch vor Vergessenheit schützen. Ein Jahr wohnen sie mit ihrem Herrscher zusammen, das nächste Jahr hausen sie mit ihren Hunden. Beide haben Namen, aber vergängliche Namen. Der Verwalter meines Geheimsiegels ist ein Graf; was sagt das? Der Verwalter meines Geflügelhofes heißt Cäsar. Der Wahrheit die Ehre, wenn man jemand einen Namen gibt, so gibt man ihm eine Hülle, weiter nichts; was nicht von Natur sein eigen ist, fällt ab und verweht.

Ich wünsche, daß man in Zukunft vor meinen Ohren nicht verächtlich von den Männern der Feder spricht, es sei denn, daß Mißbrauch ihrer Feder sie zu verschroben gemacht hat, um sie im Rat oder in der Schlacht zu verwenden. Wenn Alexander ein »Großer« war, was war dann Aristoteles, der ihn groß gemacht und ihn alle Wissenschaften und Künste gelehrt hat, bis auf drei – das Trinken, das Fluchen und das Morden seiner Busenfreunde. Komm, komm, ich will dich wieder in vertraute Lande führen. Du könntest dich manche Nacht in deinem Bette herumwälzen und brächtest doch nicht den Schatten eines Verses zustande; Edmund aber, sollte es mir einmal In den Sinn kommen, ihn um Rat zu fragen, würde mich ebenso heilsam und klug beraten, als irgendeiner von euch. Wir sollten solche Männer entschädigen für die Ungerechtigkeit, die wir ihnen zufügen, wenn wir sie nicht in unsere Umgebung berufen, und für die Kränkung, die sie empfinden müssen, wenn sie sehen, daß ihnen Männer vorgezogen werden, denen sie geistig überlegen sind. Edmund ist ernst und milde; er beklagt sich über das Schicksal, nicht über Elisabeth; über Höfe, nicht über Cecil. Ich bin entschlossen, daß er in Zukunft – so Gott mir hilft – keinen Grund zu Klagen haben soll. Geh und überbringe ihm diese zwölf silbernen Löffel mit den köstlich vergoldeten Aposteln darauf; gib ihm zu Handen diese zwölf großen Goldstücke, die für jährliche Unterhaltung eines dritten Pferdes und Stallknechts genügen. Zu dem schlage mit gehöriger Ehrerbietung diese Bibel vor ihm auf, worin er von den Gnadengeschenken Gottes lesen kann, die denen verheißen werden, welche in Geduld der himmlischen Segnungen warten; endlich gib ihm diese rote, seidene Hose, die ich, wie du weißt, nur dreizehn Monate getragen habe. Sorge dafür, daß der Zwickel gut und haltbar ausgebessert wird. Laß die Arbeit auf meine Kosten von der welschen Frau machen, die bei der gekappten Ulme am Sharing Croß wohnt.

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.