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Erasmus Montanus oder Rasmus Berg

Ludvig Holberg: Erasmus Montanus oder Rasmus Berg - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleHolbergs ausgewählte Komödien. Zweiter Band
authorLudvig Holberg
translatorRobert Prutz
year1872
firstpub1731
publisherBibliographisches Institut
addressLeipzig und Wien
isbn
titleErasmus Montanus oder Rasmus Berg
pages60
created20091002
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiter Akt.

Erste Scene.

Montanus mit niederhängenden Strümpfen.

Montanus. Erst einen Tag bin ich von Kopenhagen fort und schon sehne ich mich dahin zurück; hätte ich nicht meine lieben Bücher bei mir, ich müßte auf dem Lande zu Grunde gehen. Studia secundas res ornant, adversis solatium praebent. Mir ist ordentlich, als fehlte mir etwas, weil ich in drei Tagen nicht disputirt habe. Ob hier im Dorfe Gelehrte sind, weiß ich noch nicht; sind welche da, so sollen sie durch mich etwas zu thun bekommen, denn ohne zu disputiren kann ich nicht leben. Mit den armen Leuten, meinen Eltern, kann ich nicht viel reden; das sind beschränkte Menschen, die kaum noch ihren Katechismus wissen, so daß ich also wenig Genuß von ihrem Umgang haben kann. Der Küster und der Schulmeister sollen zwar studirt haben, aber viel wird das auch wol nicht sein. Jedenfalls werde ich ihnen auf den Zahn fühlen. Meine Eltern erschraken ordentlich, wie sie mich sahen; sie hatten nicht erwartet, daß ich zur Nachtzeit von Kopenhagen reisen würde. (Er schlägt Feuer, zündet eine Pfeife an und steckt sie durch eine Oeffnung, die in der Krempe seines Hutes angebracht ist.) Das heißt seine Pfeife Tabak studentikos rauchen, es ist eine treffliche Erfindung für Einen, der zugleich rauchen und schreiben will. (Setzt sich hin und liest.) 301

Zweite Scene.

Montanus. Jacob.

Jacob (küßt sich die Hand und reicht sie seinem Bruder). Willkommen zu Hause, mein lateinischer Bruder!

Montanus. Es freut mich, Dich wiederzusehen; was aber die Bruderschaft anbetrifft, so war das wol ehedem ganz gut, will sich aber jetzt doch nicht mehr schicken.

Jacob. Wie so? Bist Du nicht mein Bruder?

Montanus. Das läugne ich nicht; der Geburt nach, Du Schlingel, bin ich ohne Zweifel Dein Bruder, im Uebrigen jedoch mußt Du wissen, daß Du zur Zeit noch ein bloßer Bauerjunge bist, ich aber bin ein Philosophiae Baccalaureus. Aber sag' mal, Jacob, wie geht es denn so eigentlich meiner Braut und meinem Schwiegervater?

Jacob. O, ganz wohl, sie waren eben hier und fragten, wann der Bruder zurückkäme.

Montanus. Schon wieder Bruder? Ich sage das nicht aus Hochmuth, Jacob, aber es geht profecto nicht an.

Jacob. Wie soll ich den Bruder denn nennen?

Montanus. Du sollst mich Monsieur Montanus nennen, das ist der Name, den ich in Kopenhagen führe.

Jacob. Ja, wenn ich es nur behalten könnte; war es nicht Monsieur Dromedarus?

Montanus. Kannst Du nicht hören? Monsieur Montanus, sag' ich.

Jacob. Monsör Montanus?

Montanus. So ist es richtig. Nämlich Montanus heißt auf Lateinisch dasselbe wie Berg auf Dänisch.

Jacob. Da kann ich mich also wol auch Monsör Jacob Montanus nennen?

Montanus. Wenn Du erst so lange in die Schule gegangen bist wie ich und Deine Examina bestanden hast, so kannst Du Dir ebenfalls einen lateinischen Namen beilegen. So lange Du aber ein bloßer Bauerlümmel bist, mußt Du Dich 303 genügen lassen und Dich schlecht und recht Jacob Berg nennen. Aber hast Du wol bemerkt, ob meine Braut sich auch nach mir gesehnt hat?

Jacob. Ei gewiß, sie wurde ganz ungeduldig, wie Du so lange bliebst.

Montanus. Du mußt auch nicht Du zu mir sagen.

Jacob. Ich wollte sagen: Monsörens Braut wurde ganz ungeduldig, wie Du so lange fortbliebst.

Montanus. Doch jetzt bin ich ja hier und allein um ihretwillen. Aber alt werde ich hier nicht; so wie wir Hochzeit gehalten haben, nehme ich sie mit mir nach Kopenhagen.

Jacob. Will Monsör mich nicht auch mit sich nehmen?

Montanus. Was hast Du da zu suchen?

Jacob. Ich möchte mir gern ein bischen die Welt besehen.

Montanus. Ich wollte, Du wärest sechs oder sieben Jahre jünger, so brächte ich Dich auf die lateinische Schule und dann könntest Du ebenfalls Student werden.

Jacob. Nein, das ginge doch wol nicht an.

Montanus. Warum nicht?

Jacob. Ja, weil die Eltern dann ganz und gar an den Bettelstab kämen.

Montanus. Nun höre Einer, was der Schuft für spitzige Reden führt!

Jacob. Ja, ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen; hätte ich studirt, ich wäre ein verfluchter Kerl geworden.

Montanus. Ich habe allerdings gehört, Du sollst einen guten Kopf haben. Aber was wolltest Du in Kopenhagen anfangen?

Jacob. Ich möchte gar zu gern den runden Thurm sehen und das Kloster, wo die Gelehrten gemacht werden.

Montanus. Ha ha ha! Nein, da haben sie im Kloster wol anderes zu thun als Gelehrte zu machen. Aber ist mein Schwiegervater wirklich so reich, wie die Leute sagen?

Jacob. Ei freilich, der alte Jeronimus hat Geld., beinahe der dritte Theil vom ganzen Dorfe gehört ihm. 304

Montanus. Aber hast Du auch gehört, ob er seiner Tochter wol etwas Anständiges mitgeben wird?

Jacob. Das glaub' ich wol, daß er ihr was Ordentliches mitgeben wird, besonders wenn Monsör mal erst bei uns gepredigt haben wird.

Montanus. Daraus wird nichts, so gemein mache ich mich nicht, vor Bauern zu predigen; ich disputire blos.

Jacob. Ich dachte, predigen wäre mehr?

Montanus. Weißt Du denn überhaupt, was disputiren ist?

Jacob. Ei gewiß, ich disputire alle Tage mit den Mägden im Hause, ziehe aber freilich gewöhnlich den Kürzeren.

Montanus. Ja nun freilich an solchen Disputationen ist kein Mangel.

Jacob. Worüber aber disputirt Monsör?

Montanus. Ich disputire über wichtige und gelehrte Gegenstände, als zum Exempel: ob die Engel eher geschaffen sind als die Menschen, ob die Erde rund oder oval ist; ferner über den Mond, die Sonne und die Sterne, über ihre Größe, ihre Entfernung von der Erde und dergleichen mehr.

Jacob. Nein, darüber disputire ich nicht, das sind Dinge, die mich nichts angehen; wenn ich meine Leute nur dazu bringe, daß sie gehörig arbeiten, so mögen sie meinetwegen glauben, die Erde ist achteckig.

Montanus. O animal brutum! Aber höre, Jacob, ob meine Braut wol schon weiß, daß ich angekommen bin?

Jacob. Nein, ich glaube nicht.

Montanus. So würde es wol gut sein, Du springst hinüber zum Herrn Jeronimus und meldest es ihm.

Jacob. Ja, das kann geschehen; aber soll ich es nicht zuerst der Lisbeth sagen?

Montanus. Lisbeth? Wer ist das?

Jacob. Aber weißt Du denn nicht einmal, Bruder, daß Deine Braut Lisbeth heißt?

Montanus. Und hast Du Schlingel schon wieder vergessen, was ich Dich eben geheißen habe? 305

Jacob. Und wenn Du mich noch so oft Schlingel schimpfst, so bin ich doch Dein Bruder.

Montanus. Hältst Du nicht gleich den Mund, so werfe ich Dir profecto ein Buch an den Kopf!

Jacob. Na das wäre noch hübscher, den Leuten die Bibel an den Kopf werfen.

Montanus. Das ist keine Bibel.

Jacob. Na richtig, als ob ich keine Bibel kennte; das Buch ist ja gerade groß genug für eine Bibel, ein Evangelienbuch ist es nicht und ein Katechismus auch nicht, das sehe ich wol. Aber gleich viel was es ist, seinem Bruder die Bücher an den Kopf werfen, ist immer nicht schön.

Montanus. Halt' das Maul, Schlingel!

Jacob. Solch ein Schlingel, wie ich bin, hilft doch wenigstens mit seiner Hände Arbeit den Eltern das Geld verdienen, das Du durchbringst.

Montanus. Bist Du nicht gleich still, breche ich Dir Arme und Beine entzwei! (Wirft das Buch nach ihm.)

Jacob. Au, au, au!

Dritte Scene.

Jeppe. Nille. Montanus. Jacob.

Jeppe. Was ist denn das für ein Lärm?

Jacob. Ach, mein Bruder Rasmus schlägt mich!

Nille. Das hat nichts weiter zu bedeuten, er wird Dich gewiß nicht ohne Ursache schlagen.

Montanus. Nein, Mutter, gewiß nicht; er kommt hier herein und brauchte seinen Mund gegen mich, als wäre ich seinesgleichen.

Nille. Ei, Du verwünschter Bengel, hast Du nicht mehr Respect vor solch gelehrtem Manne? Weißt Du nicht, daß er eine Ehre ist für unser ganzes Haus? – Mein lieber Herr Sohn, Ihr müßt ihm das nicht weiter anrechnen, er ist ein einfältiger Tölpel. 306

Montanus. Ich sitze hier und speculire auf wichtige Sachen, da kommt dieser importunissimus und audacissimus juvenis herein und stört mich. Das ist kein Kinderspiel, mit diesen transcendentalibus zu thun zu haben; zwei Mark wollte ich lieber verlieren, als daß mir das hat passiren müssen.

Jeppe. Ach seid doch nur nicht böse, mein theuerster Sohn, es soll gewiß nicht wieder geschehen. Wenn der Herr Sohn sich doch nur nicht geärgert haben, die gelehrten Herren vertragen nicht viel. Ich muß noch immer daran denken, wenn Küster Peter sich mal ärgerte, der konnte sich auch in drei Tagen nicht wieder erholen.

Montanus. Der Küster Peter, ist der auch ein Gelehrter?

Jeppe. Ei ja wol, so lange ich denken kann, haben wir noch nicht solchen Küster im Dorf gehabt mit solcher Stimme wie dieser.

Montanus. Darum braucht er doch noch lange kein Gelehrter zu sein.

Jeppe. Er predigt auch sehr schön.

Montanus. Darum braucht er ebenfalls kein Gelehrter zu sein.

Nille. Ach nicht doch, Herr Sohn, wie kann denn Einer gut predigen und doch kein Gelehrter sein?

Montanus. Gewiß, Mutter! Gerade die am wenigsten gelernt haben, predigen am besten; nämlich da sie nicht im Stande sind, selbst etwas auszudenken, so schreiben sie aus andern Predigten ab und bedienen sich braver Leute Schriften, die sie zuweilen selbst nicht verstehen, während dagegen einer, der wirklich etwas gelernt hat, sich mit dergleichen nicht befaßt, sondern sich auf sein eigenes Genie verläßt. Glaubt nur, es ist ein sehr verbreiteter Uebelstand hier zu Lande, daß man die Gelehrsamkeit eines Candidaten allein danach beurtheilt, wie er predigt; disputiren sollen die Kerle, wie ich, da zeigt sich, ob einer was gelernt hat. Ich kann in gutem fließenden Latein über jede Materie disputiren, die mir vorgeschlagen wird; wünscht Einer bewiesen zu haben, daß dieser Tisch ein Leuchter, gut, ich werde es ihm beweisen; will er bewiesen haben, daß Fleisch und Brod 307 Stroh sind, ich werde es ebenfalls beweisen, wie ich schon Verschiedenes derart bewiesen habe. Hört mal zu, Vater: glaubt Ihr wol, daß es ein Glück ist, sich zu betrinken?

Jeppe. Im Gegentheil, ein Unglück ist es, da man sich ja um Verstand und Vermögen trinken kann.

Montanus. Nun werde ich Euch beweisen, daß es dennoch ein Glück ist. Quicunque bene bibit, bene dormit. Aber nein, es ist ja wahr, Ihr wißt ja kein Latein. Also auf Deutsch: wer gut trinkt, schläft gut; hat das seine Richtigkeit?

Jeppe. Das hat seine Richtigkeit; wenn ich so einen kleinen Hieb habe, schlafe ich wie ein Pferd.

Montanus. Wer schläft, sündigt nicht; ist das auch richtig?

Jeppe. Ja, das ist auch richtig; so lange einer schläft, sündigt er nicht.

Montanus. Wer aber nicht sündigt, der ist doch glücklich?

Jeppe. Ebenfalls richtig.

Montanus. Ergo – wer sich gehörig betrinkt, ist glücklich. Nun, Mütterchen, will ich aus Euch mal einen Stein machen.

Nille. Ei Possen, das würde doch wol ein bischen schwer halten.

Montanus. Hört nur zu. Ein Stein kann nicht fliegen –

Nille. Nein, das ist richtig genug, ausgenommen man wirft ihn.

Montanus. Ihr könnt nicht fliegen.

Nille. Das ist auch richtig.

Montanus. Ergo – ist die Frau Mutter ein Stein.

Nille (weint).

Montanus. Aber weshalb weint die Frau Mutter?

Nille. Ach, ich fürchte, ich werde wirklich ein Stein, die Beine fangen mir schon an ganz kalt zu werden.

Montanus. Seid nur ruhig, Mutter, ich werde Euch gleich wieder zum Menschen machen. Ein Stein kann nicht denken, noch sprechen. 308

Nille. Allerdings; ob er denken kann, weiß ich freilich nicht, aber sprechen kann er nicht.

Montanus. Die Frau Mutter kann sprechen –

Nille. Ja, Gott sei Lob und Dank, was so eine arme Bauerfrau zu sprechen weiß.

Montanus. Wohl. Ergo ist die Frau Mutter kein Stein.

Nille. Ach, das war eine Wohlthat, nun komme ich doch wieder zu mir selbst. Es müssen doch meiner Seele starke Köpfe zum Studiren gehören, ich begreife nicht, wie ihr Gehirn das blos aushalten kann. Jacob, Du sollst von jetzt ab Deinem Bruder zu Hand gehen, Du hast so nichts anders zu thun; sowie aber Deine Eltern erfahren, daß Du ihm nur den mindesten Verdruß machst, so sollst Du so viel Hiebe kriegen, wie Dein Buckel nur immer vertragen kann.

Montanus. Auch muß er sich das abgewöhnen, liebe Mutter, daß er Du zu mir sagt; für einen Bauerjungen schickt es sich doch nicht, einen gelehrten Mann zu duzen, ich wünsche, daß er mich in Zukunft Monsieur nennt.

Jeppe. Hörst Du wol, Jacob? Wenn Du von jetzt an mit Deinem Bruder sprichst, so sagst Du Monsieur.

Montanus. Und dann wünschte ich noch, daß der Küster zu heute Abend eingeladen würde, damit ich so eine kleine Probe anstellen könnte, wozu er tauglich ist.

Jeppe. Ei ja, das soll geschehen.

Montanus. Ich will inzwischen meine Braut besuchen.

Nille. Ich fürchte, wir kriegen Regen, Jacob kann Euch den Mantel nachtragen.

Montanus. Jacob.

Jacob. Ja, Monsieur.

Montanus. Komm und trage mir den Mantel nach, ich will einen Besuch machen.

(Jacob trägt ihm den Mantel nach.) 309

Vierte Scene.

Jeppe. Nille.

Jeppe. Ist das nicht eine Freude, die wir an dem Sohne haben?

Nille. Ja gewiß, an dem ist kein Schilling unnütz ausgegeben.

Jeppe. Nun werden wir ja heute zu hören kriegen, wie es mit dem Küster bestellt ist; ich fürchte nur, er kommt nicht, wenn er hört, daß Rasmus Berg hier ist. Indessen brauchen wir es ihn ja nicht wissen zu lassen, und dann wollen wir auch den Verwalter einladen, der schlägt es uns gewiß nicht ab, dem schmeckt unser Bier.

Nille. Das scheint mir doch gefährlich, Mann, den Verwalter zu Gast zu bitten, die Art Leute dürfen niemals wissen, was man eigentlich im Kasten hat.

Jeppe. In Gottes Namen mag er es; weiß ja doch das ganze Dorf, daß wir vermögende Leute sind, und so lange wir unsere Abgaben und Steuern bezahlen, so lange kann der Verwalter uns kein Haar auf dem Kopfe krümmen.

Nille. Aber höre, lieber Mann, sollte es wol wirklich schon zu spät sein, den Jacob noch ebenfalls studiren zu lassen? Denk' einmal, wenn er nun auch solch ein gelehrter Kerl würde wie sein Bruder, welche Freude müßte das nicht für uns alte Eltern sein!

Jeppe. An dem Einen ist es gerade genug; wir müssen ja auch einen haben, der uns zur Hand geht und bei der Arbeit unterstützt.

Nille. Ach, bei dieser Art Arbeit wird ja doch knapp so viel verdient, daß man sich satt essen kann; Rasmus Berg, weil er ein feiner Kopf ist und studirt hat, kann unserer Wirthschaft in einer Stunde mehr nützen, als der Andere in einem ganzen Jahre.

Jeppe. Nein, Mutter, das hilft nun nichts, unsere Aecker 310 müssen einmal gepflügt, unsere Felder bestellt werden, dazu ist der Jacob uns unentbehrlich. Aber sieh, da kommt er schon wieder.

Fünfte Scene.

Jacob. Jeppe. Nille.

Jacob. Ha ha ha ha ha ha! Ein gelehrter Mann mag mein Bruder wol sein, ein großer Tropf aber ist er bei alledem.

Nille. Du ungerathener Schelm, nennst Du Deinen Bruder einen Tropf?

Jacob. Ja, wie soll ich ihn denn anders nennen? Es regnet wie mit Kannen, und er läßt mich mit dem Mantel auf dem Arm hinter ihm drein gehen!

Jeppe. Hättest Du nicht so höflich sein sollen und sagen: Monsieur, es regnet, will Monsieur nicht gefälligst den Mantel umnehmen?

Jacob. Nein, Vater, das kommt mir doch höchst wunderlich vor, daß ich einem Menschen, dessen Eltern es sich haben so viel kosten lassen, ihn klug und geschickt zu machen, wenn er naß regnet bis auf die Haut, noch erst sagen soll: es regnet, Monsieur, will Er nicht den Mantel umnehmen? Er brauchte wahrhaftig nicht erst zu warten, bis ich ihn aufmerksam machte, der Regen machte sich bemerkbar genug.

Jeppe. Gingst Du denn wirklich den ganzen Weg mit dem Mantel unterm Arm?

Jacob. Nein, wahrhaftig, da würde ich mich schön hüten, ich wickelte mich selbst in den Mantel, und daher ist denn mein Anzug auch ganz trocken geblieben. Diesmal verstand ich das Ding besser, obwol meine Erziehung lange nicht so viel Geld gekostet hat; ich kenne zwar nicht einen lateinischen Buchstaben, aber das begriff ich doch auf der Stelle.

Jeppe. Dein Bruder ist in Gedanken gewesen, wie es gelehrten Leuten zu geschehen pflegt.

Jacob. Ha ha! Na dann hol' der Henker solche Gelehrsamkeit. 311

Jeppe. Gleich sei still, Schlingel, oder ich stopfe Dir das Maul! Was hat denn das wol auf sich, wenn Dein Bruder auch zuweilen in Gedanken ist, da er doch übrigens so viele Früchte seiner Weisheit und seiner Studien an den Tag legt?

Jacob. Früchte seiner Studien? Hört nur weiter, was sich auf unserer Reise begab. Als wir an Jeronimus' Hofthor kamen, ging er geradewegs auf den Hofhund los, und der wäre denn auch gleich auf seine gelehrten Beine loscalfactert, hätte ich ihn nicht rasch auf die andere Seite herübergezogen; denn vor den Hofhunden gilt kein Ansehen der Person, die scheren alle, die sie nicht kennen, über einen Kamm, und beißen in alle Beine, die sie zu packen kriegen, mögen das nun lateinische oder griechische Beine sein. Wie wir nun im Hofe waren, ging Monsör Rasmus Berg in seinen tiefen Gedanken in den Stall und rief: Heda, ist Herr Jeronimus zu Hause? Aber die Kühe wiesen ihm den Hintern und blieben sämmtlich stumm; hätten sie sprechen können, ich schwöre darauf, sie hätten gesagt: Was ist der Kerl auch für ein verfluchter Schafskopf!

Nille. Aber, lieber Mann, darf er wol den Mund so aufreißen?

Jeppe. Dich soll die Schwerenoth, Jacob, wenn Du nicht gleich das Maul hältst!

Jacob. Ei, Vater, Ihr solltet mir vielmehr danken, daß ich ihn aus der Verlegenheit zog und vom Stall glücklich in die Stube brachte. Denkt nur, Vater, was daraus werden sollte, wenn so ein Kerl allein eine weite Reise zu machen hätte; wäre ich nicht dabei gewesen, ich wette, er stände noch in dem Stall und guckte vor lauter Gelehrsamkeit den Kühen in den Hintern.

Jeppe. Ei, so soll doch das Donnerwetter auf Deinen frechen Mund schlagen!

(Jacob läuft fort, Jeppe hinter ihm drein.)

Nille. Was das für ein verwünschter Schelm ist! Jetzt aber will ich nach dem Verwalter und dem Küster schicken, damit, wenn mein Sohn zurückkommt, er jemand hat, mit dem er disputiren kann. 312

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