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Victor von Scheffel: Episteln - Kapitel 5
Quellenangabe
typeletter
authorVictor von Scheffel
titleEpisteln
editorJohannes Proelss
correctorreuters@abc.de
senderh.guhl@stafag.ch
created20080105
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Fünfte Epistel in die Heimat.

Säkkingen, den 24. März 1850.

(Worinnen vom Sankt Fridolinifest zu Säkkingen und dessen Ausgang, sowie von etzlichen anderen Dingen die Rede ist.)

Diesmal seid Ihr aber selbst schuld, liebwerte Frau Mutter, dass Ihr bis jetzt kein Schreiben und keine solenne Gratulation zum Josephstag samt obligatem Dank von mir erhalten habt.

Unter der Woche habe ich keine Zeit zum Briefschreiben; der praktische Jurist muss vor allem die Kanzleistunden einhalten (hat er ja sogar für die Liebe, wie's in jenem Liede heisst, nur Zeit von abends sechs Uhr an, und nachmittags von eins bis zwei); – und auf den schönen Feiertag am 19., wo ich Euch einen tiefgefühlten Gruss verfassen wollte, schickt Ihr selber mir eine wohlbestellte Wildbretpastete und schreibt dazu, ich solle sie mit einigen guten Gesellen zusammen verzehren.

Was bleibt mir übrig? Getreu dem Wink meiner Mutter, organisiere ich ein solennes Frühstück, lasse ein Fässlein Bier dazu anschroten, und ein Wort gab das andere, und das Frühstück verlängerte sich bis tief in den Abend auf gründlich germanische Art, denn der weise Mann, sagt Börne, frühstückt zu jeder Tageszeit. Da war's mit dem Schreiben wieder nichts, sonst hätte ich an jenem Tag Dich versichert, wie diese zarte und einem tiefgefühlten Bedürfnis abhelfende Sendung mich von neuem nötige, Dir den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung zu Füssen zu legen.

Zum Glück für die Fortsetzung meiner Episteln ist aber heute gerade ein so epistolarisches Wetter draussen, dass ich mich ganz behaglich in meinen vier Wänden dem Schreiben ergeben kann; der Winter, der vor ein paar Wochen geträumt und sich den Frühling mit Schneeglöcklein und Schmetterlingen ganz hat über den Kopf wachsen lassen, ist wieder wild geworden und schüttelt die Schneeflocken ganz stürmisch durcheinander. Drum will ich heut Euch wieder etwas erzählen, und da weiss ich für diesmal nichts Besseres, als Euch den letzten Sonntag vor 14 Tagen, wo in der hiesigen Stiftskirche und ausserhalb das grosse Fest des Schutzheiligen Sankt Fridolin gefeiert wurde, vor den Augen vorüberzuführen.

Es war ein heller, blauer Sonntagmorgen übers Rheintal aufgegangen, als schon in der Frühe Böllerschüsse und Glockengeläute das Fest des Schutzpatrons verkündeten. Und allmählich füllten sich die Strassen von Säkkingen und vor allem der Platz vor der Stiftskirche; vom Wald herab kamen die Hauensteiner und andere Wäldler gestiegen, und was im Rheintal unten wohnt, und aus der Schweiz drüben, vom Fricktal und aus dem Aargauischen kam's herbeigeströmt, und in der fremdartigen Tracht manches Maidlis oder Biedermanns war zu erschauen, dass auch entferntere Bezirke, Lörrach, Müllheim etc. ihre Mannschaft stellten. Und in buntem Gewimmel wogte da die Menge auf dem Marktplatz auf und ab; – keine Offenburger VersammlungAnspielung auf die am 13. Mai 1849 zu Offenburg abgehaltene Volksversammlung, welche die Anerkennung der Reichsverfassung seitens der Bundesregierungen forderte und das Signal zum badischen Aufstand wurde. mit Bassermannischen Gestalten, Heckerbärten und die schwanke Hahnenfeder auf dem Schlapphut, lauter friedliches Landvolk im Sonntagsgewand. Da waren meine guten freunde, die Wäldler im roten Tschoben und schwarzen Sammtrock, und mancher schmucke Bursch war drunter, wie selbiger beim Hebel:

Aber schöner als er isch Kein dur's Wiesetal gwandlet,
Chrusi Löckli hat er g'ha un Auge wie Chole,
Backe wie Milch und Blut un rundi, chräftige Glieder.«

Denn der Wälder setzt seine Ehre drein, wenn er bei festlicher Gelegenheit auswärts erscheint, sich aufs feinste herauszustaffieren; und der elegante Mann im Hauensteinischen hat ausser dem Werktags- und Sonntagskostüm noch ein drittes, welches in der merkwürdigen Sprachweise das »Näumeshingewand« heisst, – das »Irgendwohinkostüm,« resp. das, was er anzieht, wenn er irgend wohin in die Stadt geht und sich sehen lässt; und der »Näumeshinrock« ist gewiss vom besten Sammt und darf kein Stäublein darauf sitzen, und das »Näumeshinhemd« ist am feinsten gefältelt und der krause Hemdkragen schmucker als alle andern.

Und auch die Maidlin vom Wald schauten gar vergnüglich mit ihren Pechkäpplein, den langen Zöpfen, kurzen Miedern und vielfarbigen, vielfaltigen Röcken in die Welt hinaus und haben gewiss manche malitiöse Bemerkung über das abnorme Kostüm der andern Damen gemacht, denn da waren auch noch Müllheimerinnen und Fricktälerinnen mit der grossen Bandschleife an der Haube, von welcher, sowie von den Zöpfen aus, ein ganzes System von langen Bändern im Wind herumflog, wie bei einem Admiralsschiff, das alle Flaggen aufgezogen hat.

Zwischen all den Gestalten ragte aber auch manche im verzwickten halbstädtischen Kostüm heraus, im ehrwürdigen, vorsündflutlichen Spitzfrack und im zylinderförmigen Filzhut, an denen ich mein Wohlgefallen weniger hatte.

Um 9 Uhr läutete es mit allen Glocken, und da strömte die ganze Menge in die Stiftskirche, und Kopf an Kopf gedrängt stand alles in der weiten Fridolinikirche, und kaum merkte man, dass die Gesellschaft, die noch draussen hin und her wogte, abgenommen hätte. Als frommer Mann ging ich auch hinein auf die Emporkirche, wo die ganze Stadtmusik zum musikalischen Hochamt bereit war und mein guter Freund, der Bürgermeister von hier, gar schön die Orgel spielte.

Zuerst kam eine gewaltige Predigt, – dazu hatten sie einen eigenen Festredner von weither verschrieben – der donnerte und blitzte gegen das Treiben der Welt und die Hoffart und Freischärlerei und zeigte am Exempel Fridolini, der seinen irländischen Prinzentitel und allen Ruhm und heidnisches Wissen an den Nagel gehängt hatte, um zu Säkkingen das Evangelium zu predigen, was wahre christliche Grösse sei, und polterte und lärmte und schlug die Kanzelbretter schier entzwei und sprach sich zuletzt ganz heiser; o Fridolinus, Friedensprediger, zu deinen Ehren ward mit Pauken und Trompeten Krieg gepredigt! Aber die Menge lauschte lautlos; der Redner wusste wahrscheinlich besser als ich, was man hiezulands für eine Sorte geistlichen Tabak rauchen muss.

Dann kam das feierliche Hochamt, und gar lieblich rauschten die Töne der alten Kirchenmusik und der Gesang durch die hohen Räume; – und mancher verklungene Klang aus der alten Zeit ward wieder wach in mir; – trotz alledem und alledem bleibt's wahr, dass der katholische Kultur etwas Mark- und Beindurchschütterndes hat und behalten wird bis ans Ende der germanischen Weltgestaltung.

Und gegen 11 Uhr wurde in feierlicher Prozession der Sarg mit den Reliquien Fridolini über den Platz und um die Stiftskirche herumgetragen, voraus die weissgekleideten Mägdlein von Säkkingen mit der grossen Madonna-Fahne, dann die Kirchenältesten und die Geistlichkeit in Pontificalibus, und der Bürgermeister, trotzdem er auch ein halber Ketzer ist, trug auch gar frömmiglich die weisse Kerze, und sogar die preussische Militärgewalt hatte 30 Jäger in Paradeanzug mit grossem, schwarzem Reiherbusch auf der Pickelhaube zur Begleitung der Prozession beigeordnet.

Und langsam bewegte sich der Zug durch die dichtgescharten Massen des Volks, die so gedrängt auf dem Platze standen, dass man auf den Köpfen hätte spazieren gehen können; – und an der alten Fridolinslinde vorüber, wo sich einst Fridolinus trübselig unter freiem Himmel schlafen gelegt hatte, weil ihn der damalige Wirt zum goldenen Knopf, ein schnöder Heide, zur Herberge hinausgeworfen hatte, um die Kirche herum, und feierlich war's anzuschauen, wie alles mit entblösstem Haupte die Knie bog, als schliesslich der Segen erteilt wurde. Dann aber ward ein fröhlicher Tusch geblasen und man zerstreute sich.

Wie sich die versammelte Menge die Weltentsagung zu Herzen genommen hat, die ihnen der gewaltige Prediger gepredigt, wird später noch erhellen; vorerst ging's nach germanischer Sitte nach allen Seiten in die Wirtshäuser. –

Ich selber feierte den Fridolintag noch weiter. Den deutschen Grundrechten gemäss, welche die Kirche freigegeben haben, habe ich mir meine eigene Kirche gebaut und meinen eignen Kultus gestiftet, und der haust nicht innerhalb vier geweihter Wände allein, sondern weiter. Aus allem Menschengewimmel und törichtem Treiben gehe ich, wenn mir's zu bunt wird, hinaus in den Tannwald oder steig' auf Bergeshöhen und hör' dem Moos zu, wie es wächst, und der Lerche, wie sie in blaue Lüfte schmetternd steigt, und wer die Augen am rechten Fleck hat, der sieht in der Natur, in dem »Geist in seinem Anders sein« gar manches, wovon nichts in den Kompendien der Theologen geschrieben steht, und es kommt wieder Harmonie und ein Hauch des Absoluten ins zerrissene Herz.

Und man braucht kein Nibelungen-Siegfried und mit Lindwurmblut gefeit zu sein, um zu verstehen, was die Tannen rauschen und die Vögel miteinander sprechen; das A-B-C kann jeder lernen, und wer mir's leugnet, den würde ich an einem blauen Abend von hier auf den Eggberg führen, wo die ganze Kette der Schweizer Alpenriesen vom Säntis an bis in die Berner Alpenhörner und Gebirgsstöcke hinein in glührotem Duft vor ihm steht und tief unten der grüne Rhein in ewig gleichem Rhythmus die Wellen weiter trägt – wer das gefunden hat, kann vieles missen, was andere zum Seelenheil für unentbehrlich halten! –

So ging ich also am Sonntag Mittag wieder hinaus in den Wald; und am Fuss des Eggbergs liegt, im Tannendunkel versteckt, ein gar stiller, lauschiger Bergsee; an dessen Ufern setzte ich mich auf ein Felsstück und liess die Gedanken allerhand träumerische Sprünge machen. Jedoch, die Poesie hat ihre Zeit, das Biertrinken hat aber auch seine Zeit. Es kam des Wegs daher der biedere Aktuarius, der den Spruch »Sei mir heute nichts zuwider!« auf seinem Wappenschild führt, und meinte, das sei ein sonderbarer Ort, um den Nachmittag des Fridolinifestes zuzubringen; erstens sei's noch feucht, zweitens quakten die Frösche; – er seinerseits wallfahre nach Wehr in den grossen Bierkeller.

Der Aktuar ist ein realer Mann; ich sprach deshalb: »Sei mir heute nichts zuwider!« und ging mit ihm nach Wehr.

O du schöne Landstrasse am Abend des Fridolinifestes! Die lebte und wimmelte von heimwallenden Fridlinspilgrimen. Aber wehe! wehe! wo war die Weltentsagung? wo die christliche Askesis?

Mancher war unter ihnen, der basislos und krumm nach Hause wankte, und von manchem hiess es wie in Schillers Glocke:

Wehe, wenn er losgelassen,
Wackelnd ohne Widerstand
Durch die volksbelebten Strassen
Wälzt den ungeheuren Brand.

Aber alle waren sie noch erbaut von der gewaltigen Predigt. Der alte Schmied von Niederschwörstadt, der sich uns anschloss, und bei dem der Begriff auch ein weniges verwirrt war, meinte, das sei ein strenger Prediger, der könne es gut verkaufen, was er studiert habe (damit meinte er den energischen äusseren Vortrag), der neu Vikari in Säkkingen habe zwar des Nachmittags auch noch gepredigt, aber da habe ihn »ein bizzele Schlaf überkommen.«

Und im Bierkeller zu Wehr erst! Da sass der alte Dekan von Wehr, ein Wessenbergianer, der mit den neuen Eiferern und Missionsstiftern nicht auf bestem Fusse steht, und herein kam gewankt – der leibhaftige Hildebrand und sein Sohn Hadubrand, ein alter Gemeinderat von Wehr mit seinem Sohne, die förmlich auf allen Vieren heimkrochen; aber der alte Hildebrand setzte sich zum Dekan und erzählte ihm die ganze Predigt wieder und gab ihm gute Lehren, »so müsse er auch werden, und eine Mission müsse er in Wehr abhalten, und ein anderer Lebenswandel müsse geführt werden in der Gemeinde;« und der Alte sprach sich mit solchem Feuereifer wieder halbwegs nüchtern und erbaute noch die übrigen, sein Sohn Hadubrand aber sass in stiller Würde steifgetrunken da, und vergebens taten der Aktuar und ich das Gelöbnis, beim ersten Wort, das dieser fromme Pilgrim spräche, einen halben Schoppen zu trinken, – der Eindruck des festes hatte seine Zunge gelähmt, er konnte nur noch durch Nicken aussprechen, dass er seinem Vater in allem beistimme.

In unserer Art ebenfalls erbaut, verliessen wir die Stätte. Aber unterwegs steht noch ein ander Wirtshaus, wo ich nie vorübergehe, ohne nachzusehen, wie's mit dem Grenzacher steht. Das ist das alte Brennetwirtshaus bei Öflingen, eine geschichtliche Kneipe, wo schon seit Jahrhunderten die Fuhrleute einkehren, wo schon vor Jahrhunderten, wie ich aus alten Akten ersehen habe, Nachtwächter geprügelt und fremde Bursche beim Tanz hinausgeworfen wurden.

Für solche Räume habe ich eine angestammte Pietät –, in ihnen ist beim guten Trunk auch manch gutes Volkslied gewachsen und in die Welt hinausgejauchzt worden. Heute wollten wir auch dort noch die Friedenspilger schauen und Studien an Lebenden machen. O du schönes Brennetwirtshaus am Abend des Fridolinifestes! Da sassen sie in langen Reihen und freuten sich, wie homerische Helden, des Trunks und lieblich duftender Speisen; – und eine Prämie vom besten Fass Norsinger auf 10 nüchterne gesetzt, man hätte sie so wenig finden können als der Engel die 10 Gerechten in Sodom. An einem Tische sassen drei wackere Fuhrleute. – Fuhrleute, ein Schlag Menschen, die nächst den Hausknechten sehr hoch in meiner Achtung stehen! Prächtiges Leben, so auf der Heerstrasse landauf landab fahren, einen Strauss am Hut und bei den Kellnerinnen wohlgelitten und manchem Hausknecht innig befreundet; und des Abends in der Schenke, wenn sie's einander zubringen:

Stallbruder mein! Du bist wohl wert,
Dass man dich auf'm Altar verehrt,
Hast ein paar Wängelein
Wie ein Rubin,
Augen wie Schwarzenstein,
Zähne wie Elfenbein,
Bist ein gar kluger Kerl,
Wie ich es bin. –

Wie gesagt, ich liebe die Fuhrleute! Und wie germanisch die drei ihren Abendimbiss verzehrten! Den Ellenbogen auf den Tisch gestützt, vor ihnen eine Schüssel, riesenhaft mit Koteletts gefüllt, da stach jeder mit der Gabel hinein und sich ein ganzes Rippenstück heraus, und zum Mund geführt, die Gabel weg und am Knochen das Stück gehalten und abgenagt: – was ist alle Kultur und Form gegen diese primitive Fuhrmanns-Ursprünglichkeit?

Am andern Tische sassen die ledigen Burschen mit den Maidlin, und da wurde gesungen, dass es eine Freude war, und aus viel modernem Geleier schaute da und dort noch eine rechte Metallstufe von Volkslied heraus, und mein polizeiliches Gemüt ward nicht bös, als einer sang:

Hab' all mein Tag kein gut getan,
Hab's auch noch nicht im Sinn;
Die ganze Freundschaft weiss es ja,
Dass ich ein Unkraut bin.«

Und die andern dachten daran, dass nächstens die Ziehung zum Militär sei und sie vielleicht im nächsten Jahr in Prenzlau oder Neu-Ruppin sitzen müssen, wo es kein Fridolinifest und kein Brennetwirtshaus, keinen Grenzacher Weissen und keine kurzaufgeschürzten Wäldermaidli gibt, und ein anderer sang:

Und mein Vater hat's g'sagt
Und mein Mutter hat's denkt
Und Soldat muss i werden
Beim ersten Regiment –
Und zwei Kreuzer den Tag!
Dass ein Kreuzdonnerwetter
Vom Himmel drein schlag!

Dass bei Fuhrleuten und ledigen Burschen mit Sang und Trunk hoch herging und mancher sich ein gedoppeltes Selbstbewusstsein antrank, war erklärlich, trotz des Fridolinitages. Aber wer sass am dritten Tisch? wer brummte auch ganz vergnüglich zu all den Schelmenliedlein drein und blies ein Schöpplein Grenzacher nach dem andern trotz des Fridolinitages? Wehe! wehe! es war unser würdiger freund, der Herr Pfarrer von Öflingen; und auch er hatte dem ehrlichen Fridolin zu Ehren des Guten zu viel getan! Der See und der Fridolinitag muss seine Opfer haben! Und er wollte uns noch eine Sage vom Harpolinger Schlossfräulein erzählen, – aber er brachte sie nimmer zusammen, die Schlossmauern schwankten, die Berge bewegten sich – es blieb beim schwachen Versuch. –

Was Wunder, dass am End' auch das Bezirksamt Säkkingen etwas angeheitert nach Hause ging, und wenn durch die mondhelle Nacht noch manches helle Juchzen heimkehrender Pilger vom Eggberg herab und weit hinten vom Wald her schallte, so hielten der Aktuar und ich es für unsere Schuldigkeit, den Gruss mit gleichem Juhuuuu – !! zu erwidern; was wir vielleicht an einem andern als am Fridolinitag nicht ebenso energisch getan hätten.

Also verklang mit hellem Juhuuuu! der 10. Märzen 1850, der Tag des heiligen Fridolinus.

Als wir aber ein paar Tage später mit dem Pfarrer von Öflingen zusammenkamen und ihn baten, die Geschichte vom Harpolinger Schlossfräulein fertig zu erzählen, und als er am schiefgezogenen Mund des Fragenden merkte, dass das ein Stich auf seinen Seelenzustand am Fridlinsfest sein sollte, da erwiderte er ernst und würdig: »Sie werden mir doch keinen Vorwurf machen wollen, bin ich doch weder mit der Fridoliniprozession gegangen, noch hab' ich eine so gewaltige Predigt gehalten wie einst der Herr am Sinai unter Sturm und Gewittern; aber dass der Säkkinger Festredner selber, der noch am selben Tag heimfahren wollte, sich in Kleinlaufenburg fest getrunken hat, das kommt mir ein bissel arg vor!«

So viel vom Fridolinifest. Was bleibt auch viel anderes übrig, um sich daran zu erquicken, als unser Volk, wie es leibt und lebt, und die Natur draussen. Oder hätt' ich Euch erzählen sollen, wie die langweiligen Bürgermeister und Staatsbeamten hier zusammenkamen und so einmütig und stillzufrieden nach Erfurt wählten, als wenn dort der Lebensbalsam für Altdeutschland geschaffen würde? oder wie ich selber, eine wahre Ironie auf mich, in meiner Höhle hause und im Namen des Rechts und der Ordnung Leute einsperre? – das behalte ich lieber für mich und sag's niemand weiter. –

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