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Victor von Scheffel: Episteln - Kapitel 12
Quellenangabe
typeletter
authorVictor von Scheffel
titleEpisteln
editorJohannes Proelss
correctorreuters@abc.de
senderh.guhl@stafag.ch
created20080105
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Caput IV.

Item, so hab ich mich lang in Mailand umgetan, viel alter Kunst und Kirchenbau angesehen und schliesslich Durst bekommen. Find auf der piazza d'armi, wo das Kastell mit seinen alten Mauern der Stadt dominiert, einen Schild »Deutsches Bierhaus.« Wie ich eintret, sitzen ein paar Österreicher Offizier da und eine Gestalt, wie ich solche noch nie erschauet. Trug einen schwarzseidenen Rock bis an die Knöchel, streng zugeknöpft, darüber einen schwarzen Kaftan mit Schlappärmeln, so ganz mit roter Seide gefüttert war, item einen breiten schwarzen Hut mit goldenen Quasten, war auch mit einer grossen Medaille geschmückt und hatte ein Brevier bei sich. Also war dies der nicht-unierte griechische Feldkaplan, so zu Nutz und Fromm der Raizen und Oguliner erst vor ein paar Tagen angekommen war und nun, gerade von einer Amtshandlung zurückgekommen, im vollen Ornat in dieser Kneipe einen Frühschoppen aufsuchte. Scheint aber das griechische Dogma mit sich zu bringen, dass der Frühschoppen sehr kombiniert ausfällt.

Frug ihn ein Offizier: Herr Feldprediger, was trinken S' heut? Also erwiderte derselb ernst und gemessen: »Der Feldprediger trinkt erst einen Slivovitz, hernachmals ein Seidell und darauf ein Glas Erlauer gesetzt, ist gut gegen Hitz und Kolik.« – Der Mann fing an, mir Hochachtung abzunötigen, und abstrahierte mir, dass an der Ostgrenze wenigstens gute Keime künftiger Kultur aufkeimen. Wie derselbe aber vollends die Italienerinnen abfertigte, stieg meine Hochachtung zum Gipfel.

Hatte sich nämlich eine Gruppe Italienerinnen versammelt, so mit gewaltiger Neugier den signor prete forestiere musterten, und drängten sich an ihn heran, prüften seinen prächtigen Anzug und tasteten sein Gewand nach allen Richtungen durch, um zu sehen, wie viel Seide verwendet sei. Und der Kapellan liess sich selbes ruhig gefallen, wie sie aber gar zu zudringlich wurden und ihn eine fragte, ob denn alles mit Seide gefüttert sei, da hob er langsam und würdig sein schwarzes Untergewand über die fein gefirnissten Stiefel hoch auf – und stand da in blanken, knappen Unterhosen und sprach: Questo no, illustrissime!! Wie aber das mailändische Weibervolk diese nicht-unierten Unterhosen ansichtig wurde, da ergriff sie ein jäher Schreck, und sie verschwanden mit hellem Geschrei. – Der Kapellan aber sagte zu einem österreichischen Offizier, der ihm ob dieses Hosenmangels sein Erstaunen ausdrückte, »Glauben S' denn, dass i bei der Hitz für die Italiener auch noch ein paar schwarze Oberhosen anziehen werd?« Also trank derselb ruhig sein Seidel weiter.

Caput V.

Hier schliesst der erst Bericht des Doctoris Scheffel. Und sitz ich zur Zeit in Genua und schau vergnüglich aufs blaue Meer hinaus und hab noch kein Heimweh nach Bruchsal.Dort war Verfasser vor Antritt dieser Reise als Sekretär am Hofgericht beschäftigt. Bitte zu entschuldigen, dass ich unfrankiert schreib, aber Piemont gehört nicht zum Briefmarkenverein. Von Rom wird frankiert. Und werd' ich heut noch nach Livorno steuern, und wenn ich in Rom, café greco, einmal eine Epistel des Engern vorfinde, so soll mir das eine grosse Freude sein, und hoffe zuversichtlich darauf, denn ein Gruss aus germanischen Landen tut in dieser welschen Fremde doppelt wohl. »Der Wein in Genua taugt nicht viel.« Förster Reisehandbuch pag. 248. Mit vielen herzlichen Grüssen an Alt-Heidelberg.

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