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Englische Gedichte aus neuerer Zeit [II]

Ferdinand Freiligrath: Englische Gedichte aus neuerer Zeit [II] - Kapitel 8
Quellenangabe
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typepoem
authorFerdinand Freiligrath
booktitleWerke in neun Bänden, Band 7 - 9
titleEnglische Gedichte aus neuerer Zeit [II]
publisherTh. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
seriesWerke in neun Bänden
volumeAchter Band
year
firstpub1846
translatorFerdinand Freiligrath
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091015
projectid5b6ab089
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Barry Comwall

Tippo Saibs letzter Tag

Ein Sultan noch des halben Orients
Erhob er sich; – die Wachen fuhren auf,
Aus seinem Fiebertraume jeder Krieger
Voll Furcht und voll Eroberung; – weithin
Durch Schloß und Schloßhof klagte die Trompete,
Und Tausende, Soldat und Sklav' und Führer,
Gehorsam ihrer Trauermelodie,
Kamen heran. – Er unterdessen schritt
Durch seine Bogen, und, den dunkeln Arm
Aus durch die Halle streckend, scharfen Blicks
Auf die bewehrte Menge blitzt' er Schweigen
Und stumme Ehrfurcht; Wort der Rache floß
Von seiner Zunge: Ruhm und Gold dem Tapfern
Doch dem Verräter Tod und Schmach verhieß er. –
So stand er dort, ein Asiatenfürst,
Von seiner braunen Ritterschaft umhalbkreist;
Von Ansehn wie ein indisch Götzenbild,
Oder wie Satan, der die Cherubim
Antreten heißt im Pandämonium,
Und zu den Waffen ruft die ganze Hölle.
In lichten Tag ausbarst die Sonne nun;
Da sah man viel Geschäftigkeit, und Töne
Des Krieges brausten dicht heran: zuerst
Des Rosses Wiehern; dann die Trommel, rollend
In Zwischenräumen; dann des Hornes Schrei
Und rauh Befehlwort; dann, im Takt sich nähernd,
Des Kriegers stiller, fester, gleicher Schritt;
Geklirr von Schwertern; Hufgepoch; das Rad,
Das mit Gerassel das Geschütz einherträgt. –
Wie grimm den Tag zog aus der finstre König!
Wie tapfer focht er! – Einem Sklaven gleich.
Gab er sich preis, und machte Mut den Seinen; –
Die Kugeln schlugen tief in seine Brust,
Noch er hielt aus, und das war edel, das
War königlich! – Mit seinem Leben kauft' er
Sich einen Namen heut und Feindes Achtung! –
Am Abend ward er schwach, sehr schwach; – zurück
Trug ihn sein Volk; sie weinten laut: er war
Ihr alter Feldherr; und, wie auch sein Leben,
Erobern hatt' er sie gelehrt; – sie setzten
Auf seinen Thron ihn: also war sein Wunsch!
Da saß er nun, ein dunkel Marmorbild;
Sein Auge gläsern, krampfig aufgerissen,
Wie eines Toten! – Inn're Qual verriet
Der Lippe Zucken, doch entschlossen schien er.
Zu sterben als ein König nur! – Ein Feind
Will ihm der Stirne Diadem entreißen;
Doch er schaut um, steht auf – ein Zornerröten
Färbt seine Wange – flieht dann! – Nackt sein Schwert! –
Er schwingt es hoch, er führt den letzten Streich; –
Dann steht er wehrlos! – Ha! – ein Blitz! und dann
Die Todeskugel! Grade durchs Gehirn
Des Stolzen fährt sie; ach, und alles, was
Von dem gewalt'gen Herrscher übrig bleibt,
Der weit und breit des Ganges Bord erschüttert.
Und bis nach Persien hin die Wüstenei
Mit seinem Donnern aufgeschreckt: – ein Name!

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