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Englische Gedichte aus neuerer Zeit [II]

Ferdinand Freiligrath: Englische Gedichte aus neuerer Zeit [II] - Kapitel 3
Quellenangabe
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typepoem
authorFerdinand Freiligrath
booktitleWerke in neun Bänden, Band 7 - 9
titleEnglische Gedichte aus neuerer Zeit [II]
publisherTh. Knaur Nachf., Berlin und Leipzig
seriesWerke in neun Bänden
volumeAchter Band
year
firstpub1846
translatorFerdinand Freiligrath
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091015
projectid5b6ab089
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Mary Howitt

Blumenlieder für Kinder

1.

Der Ginster.

O, die Ginsterblum', die Ginsterblum'!
Keine Blum' im Wald ist bunter!
Und lieblich ist's am Sommertag,
Zu liegen mitten drunter!

Ich weiß das Land, wo Blumen sich
Zu Purpurlauben wölben;
Ich weiß, wo sie wie Sonnen glühn,
Die roten und die gelben.

Ich weiß, wo schöne Damen stehn
Bei Palm' und bei Olive;
Die binden Blumen Strauß auf Strauß,
Und das sind ihre Briefe.

Doch dieser Blum' gleicht keine Blum'
In alt' und neuen Tagen;
Sie wird als wie ein goldner Kranz
Vom nickenden Stamm getragen.

Und rund um meiner Mutter Tür,
Da glitzern ihre Büsche,
Hinab durchs Tal, wo Quellenstrahl
Sie netzt in seiner Frische.

Nehmt alle mir – nur laßt mir die,
Und den Vogel drin, so lustig!
Ich lieb' ihn, weil den Ginst er liebt,
Den Hänfling dunkelbrustig!

Ihr sagt, die Ros' ist Königin!
Ihr preist die Rose Sarons,
Ihr preist der Lilie Marmorkelch,
Und die goldne Rute Aarons!

Ja, preist sie nur! Mir gilt es gleich,
Ich gönn' euch eure Freude!
Der Ginster ist die Blum' für mich,
Der Ginster auf der Heide!

O, die Ginsterblum', die Ginsterblum'!
Keine Blum' im Wald ist bunter!
Und lieblich ist's am Sommertag,
Zu liegen mitten drunter!

2.

Die Glockenblume.

Sie wächst am Heidesaum,
Wächst unterm Waldesbaum,
Wie eine Elfin im Geräusch des Windes;
Leicht wie im Spätjahrwind
Fliegende Metten sind:
Sanft wie das Blauaug' eines Dichterkindes.

Dies ist die Blume just,
Die uns in tiefster Brust
An liebe Stellen wahrt ein süß Gedenken;
Nennt mir dies Glöckchen nur:
Alles, was schmückt die Flur,
Wird sich im Bild in meine Seele senken.

Felsen und Strandrevier
Treten vors Auge mir:
Da sieht man's hoch auf schroffer Klippe winken.
Wald auch und Siedlerzell'
Grüßt uns und, ach, der Quell,
An den der wunde Damhirsch kam zu trinken.

Wallend, von Buschwerk kraus.
Dehnt sich das Bergmoor aus;
Da liegen Jäger matt mit ihren Hunden.
Hirtenbub', leicht geschürzt.
Hütet sein Vieh, und kürzt
Mit Träumerei'n und Blumen sich die Stunden.

Wiesen und Weideland,
Bergschloß und Trümmerwand,
Wo Kreuzesbanner flatterten mit Ruhme;
Wälle, zermorscht und faul.
Purpurn von Löwenmaul:
Das alles naht, nennt man die Glockenblume.

Waldgewächs mancherlei
Kriecht um den Rasen frei:
Schafgarbe dürr mit den gezahnten Blättern;
Mausohr, bedeckt mit Tau,
Auch die Zichorie blau,
Dazu der Efeu, der sich übt im Klettern.

Glöckchen, auch du bist hier!
Bist mir die liebste Zier
Des alten Glanzes rings auf Turm und Feste!
Weh'st, wenn ein Lüftchen kaum
Zittert im Lindenbaum,
Der auf dem Hügel hebt die breiten Äste.

Seh' ich so lieb und schön,
Glöckchen, im Wald dich stehn,
Dich und die andern all' im Sommerregen:
Dank dann erfüllt mein Herz,
Daß Blumen allerwärts
Der liebe Gott gesät hat, uns zum Segen!

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