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Endlich gefunden

Anna Katherine Green: Endlich gefunden - Kapitel 21
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Katherine Green
booktitleEndlich gefunden/Zwischen 7 und 12 Uhr
titleEndlich gefunden
publisherVerlag von Nobert Lutz
seriesDetektiv Gryce Serie
volumeFünfter Band
printrunDreizehnte Auflage
editorAdolf Gleiner
illustratorGeorg Mühlberg
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110713
projectid47184ab7
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Zwanzigstes Kapitel.

Und nach allem, was du für mich gelitten hast, glaubst du mir noch die Erfüllung meiner sehnlichen Bitte verweigern zu können? fragte Herr Blake mit liebevollem Vorwurf, als Luttra ihren Bericht geendet hatte. Wo bleibt da deine Treue und Hingebung?

Besser, ich bereite dir jetzt einen flüchtigen Schmerz, um dich vor jahrelanger Qual und Reue zu bewahren.

Du kennst mich nicht, Luttra; der Kummer, dich zu verlieren, würde mich bis zur Todesstunde begleiten.

Meine liebe, gütige Herrin, ergriff hier Frau Daniels mit sichtlicher Erregung das Wort, weigern Sie sich nicht länger, Ihrem Gemahl den Willen zu tun. Sie können nichts Besseres tun, als getrost zurückzukehren und die Pflichten zu erfüllen, für welche die Vorsehung Sie bestimmt hat. Beharren Sie dagegen bei Ihrem Vorsatz, so werden Sie viel Unglück über Herrn Blakes Haus bringen, was Gott verhüten möge.

Jetzt trat auch die Gräfin de Mirac hervor, die bisher abseits gestanden hatte; ihre Wangen waren bleich und ihre Stimme bebte. Machen Sie meinen Vetter glücklich, sagte sie, und die Glieder seiner Familie, zu welcher auch ich zähle, werden sich freuen, Sie als seine Gattin zu begrüßen und den Platz einnehmen zu sehen, der Ihnen von Rechts wegen gebührt und den seine Liebe Ihnen anweist.

Lieblich errötend legte Luttra ihre Hand in die dargebotene Rechte der schönen Frau. Dank, innigen Dank für Ihre Güte, murmelte sie, die stolze Erscheinung mit bewundernden Blicken betrachtend.

Und wollen Sie sich unseren vereinten Wünschen fügen?

Sie schlug die Augen nieder und schüttelte traurig das Haupt. Ich darf es nicht, flüsterte sie.

Fran Daniels, die unterdessen in steigender Aufregung dagestanden hatte, zog jetzt ein zusammengefaltetes Papier hervor.

Ich will Ihnen beweisen, sagte sie, daß ich die Wahrheit geredet habe und Sie Ihren Gatten auf das empfindlichste schädigen, wenn Sie darauf bestehen, ihn zu verlassen. Sicherlich werden Sie dann anderen Sinnes werden.

Das ist unmöglich, stammelte sie schmerzlich bewegt.

So muß ich denn den schweren Auftrag erfüllen, welchen ich übernommen habe, fügte die Haushälterin, Herrn Blake das Papier mit zitternder Hand überreichend.

Was ist das – rief dieser betroffen, meines Vaters Handschrift?

Es ist sein letzter Wille, den er in meinem Beisein niederschrieb, fuhr Frau Daniels fort. Ein Jahr lang sollte ich ihn geheim halten, und wenn nach Ablauf dieser Zeit seines Sohnes Gattin geliebt und geehrt als Herrin im Hause waltet, das Testament den Flammen übergeben. Sollte sie aber am Leben sein und doch nicht den ihr gebührenden Platz einnehmen, so befahl er mir, nach Jahresfrist seinen Sohn von den letzten Wünschen des sterbenden Vaters zu unterrichten, damit dieser sie unweigerlich erfülle.

Und Sie kennen den Inhalt dieser Schrift? fragte Blake.

Ich habe ihm den schwachen Arm gestützt, während er sein Vermächtnis niederschrieb, lautete die Antwort.

Luttra, wandte sich jetzt Blake in feierlichem Tone an seine Gattin, als ich dich bat, die Gefährtin meines Lebens und die Herrin meines Hauses zu sein, glaubte ich dir nicht nur meine Liebe, sondern auch meinen Reichtum zu Füßen zu legen. Aber dies Blatt belehrt mich eines Besseren. Die Erbschaft der Millionen, welche Abner Blake hinterlassen hat, fällt nicht seinem Sohn Holman, sondern seiner Schwiegertochter Luttra zu und ihr allein gebührt fortan die Herrschaft in seinem Hause.

O, wie ist das möglich, wie konnte er so etwas tun? rief sie, rasch das Papier überfliegend, das sie mit krampfhaft zitternden Händen hielt. Wußte er denn nicht, daß dies das größte Unrecht war, welches er mir zufügen konnte? – Und sollen so niedrige Rücksichten und Beweggründe den Abgrund überbrücken können, der uns beide trennt? fuhr sie mit glühendem Eifer fort, während alle Gefühle, die sie so lange in ihrem Herzen zurückgedrängt, mit leidenschaftlichem Erguß hervorströmten. Soll es von dem Besitz oder Gewinn eines Vermögens abhängen, ob sich zwei Menschen vereinigen dürfen, für die Liebe und Treue weit höhere Güter sind, als alle Schätze der Erde? – Nein, nein, liebend hat mich dein sterbender Vater an seine Brust gezogen und Liebe allein soll auch das Band sein, das uns zusammenbindet. Auf diesem geheiligten Boden sind wir eins und alles, was uns im Leben trennen sollte, ist überwunden.

Rasch entschlossen zerriß sie das Testament, das ihrer Hand entglitt; sie selbst aber sank beglückt an die Brust des Mannes, der seine Arme geöffnet hatte, sie zu umfangen.

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