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Endlich gefunden

Anna Katherine Green: Endlich gefunden - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorAnne Katherine Green
booktitleEndlich gefunden/Zwischen 7 und 12 Uhr
titleEndlich gefunden
publisherVerlag von Nobert Lutz
seriesDetektiv Gryce Serie
volumeFünfter Band
printrunDreizehnte Auflage
editorAdolf Gleiner
illustratorGeorg Mühlberg
translatorMargarete Jacobi
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110713
projectid47184ab7
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Achtzehntes Kapitel.

Wir ließen die Polizisten, welche uns bei der Verhaftung der gefährlichen Verbrecher beigestanden, vor der Türe Wache halten und nahmen unseren Gefangenen gegenüber Platz.

Ohne weitere Vorbereitungen teilte ich ihnen mit, daß es in ihrer Hand läge, ihr Schicksal wesentlich zu verbessern oder zu verschlimmern. Ins Gefängnis, aus dem sie entflohen seien, müßten sie auf jeden Fall zurückwandern, aber wenn sie nicht auf die Bedingungen eingehen wollten, welche wir ihnen stellen würden, so könnte es ihnen leicht an den Hals gehen.

Der jüngere Schönmaker brach in ein rohes Gelächter aus; seine wilden Reden verrieten zur Genüge, daß er darauf rechne, Herr Blake, sein vornehmer Schwager, werde ihnen aus der Patsche helfen, um sich die Schande zu ersparen, den Vater und Bruder seiner Frau den Gerichten auszuliefern.

Dagegen versicherte ich ihm, daß, wenn je eine Menschenseele ein Wort von dieser Verwandtschaft erführe, Dinge zur Sprache kommen würden über ihr Tun und Treiben in dem alten Hause, welche sie wohl auf ewig in Nacht und Dunkel begraben wähnten. Zur Bekräftigung meiner Rede zog ich den Ring hervor, den ich damals in der Asche des Küchenherdes gefunden, wo sie ihre Sträflingskleider verbrannt hatten.

Sie fuhren zusammen, wurden totenblaß, und aus ihren Mienen verschwand der Ausdruck von Frechheit und Trotz. Die Wirkung übertraf meine Hoffnungen bei weitem. Wenn ich von dem Ring Gebrauch machen will, so ist euer Leben verwirkt, sagte ich. Wir kennen auch den Abgrund, der in der Nähe jenes Hauses abstürzt, und der Hausierer – –

Was reden Sie von langst verjährten Geschichten, fiel mir der Alte ins Wort. Nennen Sie Ihre Bedingungen, und wir wollen versprechen, über alles zu schweigen, wovon nicht geschwatzt werden soll.

Gut, so hört denn, ließ Gryce sich vernehmen. Ihr geht zurück ins Gefängnis und sitzt eure Strafe ab, daran ist nichts zu ändern. Solange ihr unverbrüchlich schweigt über die Verwandtschaft mit Herrn Blake, wird in eine gewisse Bank monatlich eine Summe eingezahlt werden, welche ihr nebst den angesammelten Zinsen bei eurer Freilassung erhalten sollt. Ich bin ermächtigt, dies im Auftrag jenes Herrn zu versprechen. Stellt sich aber jemals heraus, daß ihr euer Wort gebrochen habt, und irgendein Mensch durch euch erfährt, daß Frau Blake eure Verwandte ist, so hört nicht nur das Geld auf in die Bank zu fließen, sondern es sollen auch mancherlei alte Rechnungen hervorgesucht und eure Schulden mit solchem Eifer eingetrieben werden, daß es nicht schwer halten wird, euch auf andere Weise stumm zu machen, wenn ihr nicht von selbst schweigen wollt.

Der Eindruck, den diese Worte auf die Gefangenen machten, war nicht zu verkennen. Vater und Sohn wechselten einen Blick des Einverständnisses und gaben dann das verlangte Versprechen, wogegen auch wir gelobten, daß die Zusage, welche wir in Herrn Blakes Namen gegeben hatten, unverbrüchlich gehalten werden solle.

Hierauf rief Gryce seine Leute herein, die erforderlichen Anstalten wurden getroffen, und die Verbrecher in aller Stille aus dem Hause und in sicheres Gewahrsam gebracht.

Gleich nachher spielte sich in der oberen Dachstube ein anderer Auftritt ab. Wir hatten Herrn Blake von der glücklich erfolgten Verhaftung der Missetäter benachrichtigt, und er war ungesäumt herbeigeeilt, um die so lange und schmerzlich gesuchte Gattin wiederzusehen. Ich geleitete ihn nach oben, wo Luttra in namenloser Angst gewartet hatte, welche Wendung die Ereignisse nehmen würden. Jetzt hörte sie einen Schritt, die Türe ward geöffnet, auf der Schwelle stand Herr Blake und breitete die Arme aus, um die Wiedergefundene an sein Herz zu ziehen. Vergib, murmelte er, ich habe mich schwer gegen dich vergangen, kannst du mir verzeihen?

Ein glückseliges Lächeln strahlte in ihren Zügen, aber sie ergriff die dargebotene Hand nicht.

Luttra, fuhr ihr Gatte fort, ich komme, dir mein Leben und meine Liebe auf immer zu weihen. Dies Jahr hat mich gelehrt, den Wert derjenigen zu erkennen, die ich an unserm Hochzeitstage schnöde von mir stieß. Vergib dem Reuigen, der seine Schuld erkennt, und kehre zurück, um den Platz, der dir gebührt, in meinem Hause und in meinem Herzen einzunehmen.

Mit beseligtem Lächeln senkte sie den Blick. Nun mag kommen was da will, flüsterte sie, ich kann nie wieder unglücklich sein.

Dann sah sie zu ihm auf, und in ihrem Wesen ging eine große Veränderung vor. Dank, tausend Dank für deine Güte, sagte sie, glaube mir, ich weiß sie zu schätzen. Aber dein Edelmut darf dich nicht verleiten, zu tun, was du bis zu deiner Todesstunde bereuen würdest. Du möchtest mich als deine Frau an dein Herz schließen – weißt du auch, was das bedeutet?

Gewiß, Luttra, war seine feurige Antwort, die Befriedigung all meines Sehnens und Verlangens.

Um ihren Mund zuckte es schmerzlich. Es brächte Schmach und Schande über den unbefleckten Ruf einer stolzen Familie; die Vergangenheit müßten wir verhüllen, denn der Schatten des Verbrechens fällt darauf, vor der Zukunft würde uns grauen, sie zeigt uns dunkle Gefängnismauern. Die Namen, welche dem Menschen die teuersten sind, könnten wir nie ohne Erröten aussprechen.

Luttra, dein Vater und dein Bruder haben eingewilligt, sich gänzlich von dir loszusagen. Kannst du auch nicht vergessen, daß dich Bande des Bluts an jene Elenden knüpfen, so wird doch der Schatten, der auf deiner Herkunft liegt, nie den Frieden des Hauses stören, das dich als seine geliebte Herrin empfängt. Die Welt soll es nicht erfahren, daß Luttra Blake jemals Luttra Schönmaker war und du wirst dem Namen, den ich dir gegeben habe, stets Ehre machen.

Ich liebe dich, gestand sie mit sanftem Lächeln, aber das macht mich stark, dir zu widerstehen. Vor elf Monaten habe ich dich verlassen, weil es mein Wohl und meine Würde verlangte, heute weise ich das Glück von mir, das du mir bietest, weil es für deine Ruhe und deine Stellung in der Welt notwendig ist.

Aber, Luttra, glaube mir, jede Verbindung mit deinen verbrecherischen Verwandten ist unwiderruflich abgeschnitten, sie sind tot für dich, als hätte sie das Grab verschlungen.

Solche Bande sind nicht leicht zu lösen; Vater und Bruder haben mich einmal gefunden und können wieder Macht über mich gewinnen. Und wenn auch – die Schande bleibt bestehen und weil ich dich liebe, muß ich sie allein tragen.

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