Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Victor von Scheffel: Ekkehard - Kapitel 60
Quellenangabe
typefiction
booktitleEkkehard
authorJoseph Victor von Scheffel
year1979
publisherFleischhauer & Spohn
addressStuttgart
isbn3-87230-301-5
titleEkkehard
pagesIII-XV, 1-419
created19990430
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
Schließen

Navigation:

Vierundzwanzigtes Kapitel

Das WalthariliedSiehe den Text des Waltharius bei Grimm und Schmeller, lateinische Gedichte des zehnten und elften Jahrhunderts, Göttingen 1838. p. 3. u. ff. Verdeutschungen von anderen anders, Kommentar und Anmerkungen bei San-Marte, Walther von Aquitanien, Magdeburg 1853.

                    Das war der König Etzel im fröhlichen Hunnenreich,
Der ließ das Heerhorn blasen: »Ihr Mannen, rüstet euch!
Wohlauf zu Roß, zu Felde, nach Franken geht der Zug,
Wir machen zu Worms am Rheine uneingeladen Besuch!«

Der Frankenkönig Gibich saß dort auf hohem Thron,
Sein Herze wollt sich freuen, ihm war gegeben ein Sohn;
Da kam unfrohe Kunde gerauscht an Gibichs Ohr:
Es wälzt ein Schwarm von Feinden sich von der Donau vor,
Es steht auf fränkischer Erde der Hunnen reisig Heer,
Zahllos wie Stern' am Himmel, zahllos wie Sand am Meer.

Da blaßten Gibichs Wangen. Die Seinen rief er bei
Und pflog mit ihnen Rates, was zu beginnen sei.
Da stimmten all die Mannen: »Ein Bündnis nur uns frommt,
Wir müssen Handschlag zollen dem Hunnen, wenn er kommt;
Wir müssen Geiseln stellen und zahlen den Königszins,
Deß freuen wir noch immer uns größeren Gewinns,
Als daß, ungleiche Kämpfer, wir Land zugleich und Lehen
Und Weib und Kind und alles dem Feind zu Handen geben.«
Des Königs Söhnlein Gunther war noch zu schwach und klein,
Noch lag's an Mutterbrüsten, das mocht nicht Geisel sein;
Doch war des Königs Vetter, Herr Hagen, hochgemut
Von Trojer Heldenstamme, ein adlig junges Blut.
Sie richteten viel Schätze und fassen drauf den Schluß,
Daß der als Pfand des Friedens zu Etzel ziehen muß.

Zur Zeit als dies geschah, da trug mit fester Hand
Den Zepter König Herrich in der Burgunden Land.
Ihm wuchs die einzige Tochter, benamst jung Hiltegund,
Die war der Mägdlein schönstes im weiten Reich Burgund.
Die sollt als Erbin einst, dem Volk zu Nutz und Segen,
So Gott es fügen wollt, der alten Herrschaft pflegen.

Derweil nun mit den Franken der Friede gefestigt war,
So rückt' auf Herrichs Grenzmark der Hunnen kampfliche Schar.
Voraus mit flinkem Zügel lenkt' König Etzel sein Roß,
Ihm folgt' in gleichem Schritte der Heeresfürsten Troß.
Von Rosseshuf zerstampft die Erde gab seufzenden Schall,
Die zage Luft durchtönte Schildklirren als Widerhall.
Im Blachfeld funkelte ein eherner Lanzenwald,
Wie wenn die Frührotsonne auf tauige Wiesen strahlt,
Und so ein Berg sich türmte: er wurde überklommen;
Die Saone und die Rhone: es wurde durchgeschwommen.

Zu Chalons saß Fürst Herrich, da rief der Wächter vom Turm:
»Ich seh' von Staub eine Wolke, die Wolke kündet Sturm,
Feind ist ins Land gebrochen, ihr Leute, seht euch vor,
Und wem ein Haus zu eigen, der schließe Tür und Tor!«

Der Franken Unterwerfung, dem Fürsten war sie kund;
Er rief die Lehenträger und sprach mit weisem Mund:
»Die Franken, niemand zweifelt's, sind tapfre Kriegesleute,
Doch mochte keiner dort dem Hunnen stehn zum Streite,
Und wenn die also taten, da werden wir allein
Dem Tode uns zu opfern auch nicht die Narren sein.
Ich hab' ein einzig Kind nur, doch für das Vaterland
Geb' ich es hin, es werde des Friedens Unterpfand.«

Da gingen die Gesandten, barhäuptig ohne Schwert,
Den Hunnen zu entbieten, was Herrich sie gelehrt.
Höflich empfing sie Etzel, es war das so sein Brauch,
Sprach: »Mehr als Krieg taugt Bündnis, das sag' ich selber auch,
Auch ich bin Mann des Friedens, nur wer sich meiner Macht
Töricht entgegenstemmt, dem wird der Garaus gemacht.
Drum eures Königs Bitte gewähret Etzel gern.«
Da gingen die Gesandten, es kündend ihrem Herrn.

Dem Tor entschritt Fürst Herrich, viel köstliches Gestein
Bracht' er den Hunnen dar, dazu die Tochter sein –
Der Friede ward beschworen, – fahr wohl, schön Hiltegund!
So zog in die Verbannung, die Perle von Burgund.

Wie dort Vertrag und Bündnis geordnet war zum besten,
Entführte König Etzel sein reisig Volk gen Westen.
Im Land der Aquitanen herrscht Alpher, der strenge Mann.
Dem wuchs ein Sohn Walthari im Jugendschmuck heran.
Herrich und Alpher hatten sich manch einen Boten geschickt
Und sich mit feierlichem Eidschwur einand verstrickt:
Sobald die Zeit des Freiens dereinst sich stellet ein,
So sollen unsre Kinder ein fröhlich Brautpaar sein.

Betrübt saß König Alpher itzt bei der Hunnen Not:
»O weh mir, daß ich Alter nicht finde Schwertes Tod –
Ein schlechtes Beispiel gaben Burgund und Frankenland,
Itzt muß ich gleiches tun, und ist doch eine Schand'.
Ich muß Gesandte schicken und Friede heischen und Bund
Und muß den eignen Sprossen als Geisel stellen zur Stund.«
So sprach der strenge Alpher, und also ward's getan,
Mit Gold belastet traten die Hunnen den Rückzug an,
Sie führten Walthari und Hiltgund und Hagen in sichrer Hut
Und grüßten wildfroh jauchzend die heimische Donauflut.

Nachdem nun König Etzel der Heimat sich erfreut,
Pflegt er die fremden Kinde mit großer Biederkeit,
Wie seine eignen Erben ließ er sie auferziehn,
Die Jungfrau anempfahl er der Königin Ospirin.
Die jungen Recken aber behielt er scharf im Auge,
Daß jeder zu des Krieges und Friedens Künsten tauge,
Die wuchsen auch an Jahren und Weisheit wohl heran,
Ihr Arm bezwang den stärksten, ihr Witz den witzigsten Mann.
Deswegen liebt der König die beiden Knaben sehr.
Und schuf sie zu den ersten in seiner Hunnen Heer.
Es ward mit Gottes Beistand auch die gefangene Maid
Der trutzigen Hunnenfürstin ein' wahre Augenweid,
An Tugend reich und Züchten, so ward Hiltgund zuletzt
Als Schaffnerin dem Schatze der Hofburg vorgesetzt,
Und wenig fehlte nur, so war sie in dem Reich
Die höchste – was sie wünschte, erfüllt war's allsogleich.

Derweil starb König Gibich, ihm folgte Gunther, sein Sohn,
Der brach das Hunnenbündnis und weigert den Zins mit Hohn,
Die Kunde kam geflogen zu Hagen in der Fern',
Da nahm er nächtlich Reißaus und floh zu seinem Herrn.
Am Tag, da er verschwunden, erfreute sich nur wenig
Frau Ospirin und listig sprach sie zu Etzel dem König:
»O königliche Weisheit, habt Acht, habt scharfe Acht,
Daß unsres Reiches Säule zu Fall nicht werde gebracht,
Ich fürchte, auch Walthari, der Hunnen bester Held,
Sucht wie der schlaue Hagen, sein Freund, das weite Feld.
Ihr müßt ihn seßhaft machen durch süße Bande und Haft,
Ihr müßt mit solchen Worten bereden Waltharis Kraft:

»Du trugst in unserm Dienst viel Müh und Fährlichkeit,
Drum merk, wie dein Gebieter huldvollen Dank dir beut,
Der Hunnentöchter beste sollst du zum Weib erkiesen
Und reich an Land und Ehren verdienter Ruh' genießen.
Und was du gehrst an Gute, umsonst nicht sei dein Bitten,
Gewährt sei volles Maß dir, du hast es wohl erstritten.«

Das Wort gefiel dem König, es deucht' ihm fein und schlau,
Es weiß in derlei Dingen das Weiseste stets die Frau.

Der König jung Walthari mit solchem Rat empfing,
Doch dessen Dichten auf ganz andre Dinge ging,
Er merkte, daß ihm Etzel die Wege wollt verlegen,
Drum kam dem Prüfenden ablenkend er entgegen:

»O Fürst, was ich getan, ist großen Ruhmes ledig,
Daß Ihr so hoch es anschlagt, ist huldvoll zwar und gnädig,
Doch muß ein Weib ich wählen nach Eurem Machtgebot,
Werd' ich umstrickt von Sorge und süßer Minne Not.
Da muß ein Haus ich zimmern und muß den Acker bau'n,
Ich kann des Herren Auge nur selten wiederschau'n.
Und wer der Lieb' gekostet, dem fehlet Kraft und Stärke,
Mit Freuden obzuliegen dem edlen Kriegsgewerke.
Nichts Süßeres auf Erde, als hold gewärtig und treu
Dem Dienstherrn überall folgen, drum bitt' ich, laßt mich frei.
So Ihr am späten Abend, so Ihr in Mitternächten
Befehl schickt, bin ich willig, wo Ihr nur wollt, zu fechten.
Mir soll im Schlachtenwetter nicht Sorg' um Kind und Weib
Die Blicke rückwärts wenden und lähmen meinen Leib.
Bei Eurem Leben fleh' ich, bei Eurem tapfern Land:
Laßt mir die Hochzeitfackel, o König, ungebrannt.«

Da weichte Etzels Herze, das Wort behagt' ihm sehr,
Er sprach getrost: »Walthari entfleucht mir nimmermehr.«

Inzwischen hatte sich ein fernes Volk empört,
Da ward des Schwertes Schneide gen diesen Feind gekehrt,
Da wurde jung Walthari zum Feldhauptmann gemacht,
Und dauerte nicht lange, so schlugen sie die Schlacht.
Vorwärts drang ihre Heerschar als wie ein spitzer Keil,
Es zitterten die Lüfte von wildem Schlachtgeheul.
Hellauf klang die Drommete, die Speere flogen wild,
Aufleuchtet's wie ein Blitzstrahl von manch gespaltnem Schild,
Und wie bei Nordsturms Sausen ein dichter Hagel fällt,
So ward zahlloser Pfeilschwarm herüber hinüber geschnellt.
Dann ging's zum Handgemenge, gezogen ward das Schwert,
Da lag zerspellten Hauptes manch ein gewappnet Pferd,
Da lag zerspellten Hauptes beim Schild manch fester Ritter.
Hei, wie das Feld durchmähst du, Walthari, tapfrer Schnitter!
Als stünd' mit seiner Sense der Tod leibhaft im Streit,
So schauten ihn zag die Feinde bei seiner Blutarbeit.
Zur Linken und zur Rechten, wohin er sich gewendet,
Hub sich ein jähes Flüchten, so ward der Kampf geendet,
Dem Hunnenvolke war ruhmvoller Sieg bereitet
Und von erschlagnem Feind manch preislich Stück erbeutet.

Drauf ließ der Führer blasen zur Ruh vom Waffentanz,
Er schmückte seine Schläfe mit grünem Eichlaubkranz,
Und Fahnenträger und Mannschaft, sie taten all wie er,
So zog im Siegesschmucke bekränzt nach Hause das Heer.
Jedweder suchte froh des Hauses gastlich Dach,
Zu König Etzels Hofburg Walthari schritt gemach.

Sieh da, wie eilig rannten die Diener aus dem Schloß,
Sie labten sich des Anblicks und hielten ihm das Roß;
Derweil aus hohem Sattel Walthari niederstieg,
So frugen sie neugierig: Gewannen wir den Sieg?
Er warf just für die Neugier ein mäßig Bröcklein hin
Und ging zum Königssaale, gar müd war ihm zu Sinn.
Hiltgund traf er alleine, da küßt' er sie und sprach:
»Beschaff mir einen Trunk, das war ein heißer Tag.«
Da füllte sie den Becher, er trank den Firnewein
Jach, wie den Wassertropfen einsaugt der glühe Stein,
Dann schloß er in die seine der Jungfrau weiße Hand,
Beid' wußten, daß von alters verlobt sie seien einand.
Errötend stand und schwieg sie. Da sprach er zu der Maid:
»Schon lange tragen wir der Fremde herbes Leid
Und sollten doch nach Rechten einander sein zu eigen;
Ich hab' das Wort gesprochen! nicht länger mag ich's schweigen.«

Die Jungfrau stand betrüblich, als wär's nur Spott und Hohn,
Aufflammt ihr blaues Auge, sie sprach mit herbem Ton:
»Was heuchelt deine Zunge, was nie dein Herz begehrt?
Viel besserer Verlobten hältst, Schlauer, du dich wert.«

Da blickte treu und minnig, da sprach der tapfre Mann:
»Fern sei, was du gedenkest, o hör mich huldvoll an!
In meines Herzens Grunde haust weder Falsch noch Arg,
Niemal ich mit dem Munde den wahren Sinn verbarg.
Kein Späher weilt im Saale, nur wir zwei beid' allein,
Ich wüßt ein süß Geheimnis, wolltst du verschwiegen sein.«
Da stürzte ihm zu Füßen Hiltgund und weint' und sprach:
»Wohin du mich berufest, o Herr, ich folge dir nach.«
Er hob sie auf mild tröstend: »Ich bin der Fremde müd,
Ein süßes Heimatsehnen die Seele mir durchglüht,
Doch ohne Hiltgund nimmer steht mir zur Flucht mein Sinn,
So du zurücke bliebest, deß schöpft' ich Ungewinn.«
Da lacht' sie in die Tränen: »O Herr, du sprichst mit Fug
Das Wort, das ich seit Jahren geheim im Busen trug.
Gebiete denn die Flucht, mit dir will ich sie wagen,
Durch Not und Fährlichkeit muß uns die Liebe tragen.«
Und weiter sprach Walthari, doch flüsternd nur, nicht laut:
»Dieweil sie dir zu hüten den Hunnenschatz vertraut,
So stell des Königs Helm mir und Waffenhemd zurück.
Und seinen Riemenpanzer, des Schmiedes Meisterstück.
Dann fülle du zwei Schreine mit Spangen und Gold zu Hauf,
Daß du sie kaum vom Boden zur Brust magst heben auf,
Auch sollt du mir beschaffen vier Paare starker Schuh',
– Der Weg wird lang – gleichviele richt für dich selber zu;
Darüber magst du weiter kostbar Gefäß verpacken,
Beim Schmiede aber heische krummspitze Angelhaken,
Du wirst auf unsern Fahrten erschauen deinen Gesellen,
Wegzehrung uns gewinnen mit Fischen und Vogelstellen.
Dies all sei vorbereitet heut über sieben Tage,
Da sitzt mit seinen Mannen der König beim Gelage,
Und schlafen weinbewältigt all in trunkner Ruh...
Glück auf! dann reiten wir dem Land im Westen zu!

Die Stunde kam des Schmauses. Mit Tüchern mannigfalt
Verhänget war die Halle. Eintrat Herr Etzel bald,
Er setzte auf den Thron sich, den Woll' und Purpur deckt,
Auf hundert Polstern rings die Hunnen lagen gestreckt.
Schier beugten sich die Tische den Speisen sonder Zahl,
Viel süßer Labtrank dampfte im güldenen Pokal,
Mit bunten Fähnlein waren die Schüsseln ausgeziert,
So hub die Mahlzeit an – Wahlthari machte den Wirt.
Und wie der Schmaus zu Ende, die Tische weggeräumt,
Da sprach zu König Etzel Walthari ungesäumt:
»Nun, edler Herr und König, erteilt uns Euren Segen,
Daß alle hier im Saale der Zechlust mögen pflegen.«
Der Humpen allergrößten reicht er ihm kniend dar,
Darauf aus alten Mären manch Bild geschnitzet war.
Da lacht' der alte Zecher: »Fürwahr, Ihr meint es gut,
Als wie ein Meer im Sturme entgegenschäumt mir die Flut.«

Doch sonder Zagen stand er, ein Fels am wogenden Strand,
Und lüpft' den Riesenhumpen und wiegt' ihn in der Hand
Und trank mit tapfrem Zuge ihn bis zum Grunde leer
Und macht' die Nagelprobe, da floß kein Tropfen mehr.
»Itzt tut mir's nach, ihr Jungen!« so rief der alte Held,
Da war ein lobwert Beispiel den andern aufgestellt.
Hurtig und hurtiger, dem Winde gleich, dem schnellen,
Sah man den Saal durchrennen den Mundschenk samt Gesellen.
Sie nahmen die Pokale, sie füllten sie aufs neu,
Da hub sich in dem Saale ein scharfes Weinturney.
Bald lallte manche Zunge, die sonst viel Ruhm gewann,
Bald wankte in den Knien manch heldenkühner Mann;
Es kam die Mitternacht, noch zechten sie und sungen,
Dann sanken sie zur Beute dem Schlafe weinbezwungen.
Und hätt' Walthari itzt die Burg in Brand gesteckt:
Kein Mann war da so nüchtern, daß er ihn drob entdeckt.

Walthari rief Hiltgunden fürsichtig nun zu sich:
»Wohlauf bring das Geräte, wohlauf und rüste dich!«
Dann führt er aus dem Stall sein Roß, der Löwe hieß es,
Hufscharrend stand's und schäumend in seine Zügel biß es.
Er wappnete mit Erze des Rosses Stirn und Seite,
Vom Bug hernieder hing er goldschwer die Schreine beide,
Dazu ein Körbchen Speise – dann gab er die wallenden Zügel
Der Jungfrau in die Hand und hob sie in den Bügel,
Er selber saß zu Rosse, vom roten Helmbusch umwallt,
Bepanzert und beschienet in riesiger Gestalt.
Zur Linken hing gegürtet ein Schwert, zur Rechten auch
Ein scharfer krummer Säbel nach hunnischem Gebrauch.
Jetzt schwang er Schild und Lanze, es ritten auf einem Roß
Walthari und Hiltgunde aus König Etzels Schloß.

Sie ritten aus dem Schlosse, sie ritten die ganze Nacht.
Die Jungfrau lenkt' das Streitroß und hatt' der Schätze acht.
Und sorgsam auch zu Handen hielt sie die Fischergerte,
Dieweil das viele Gewaffen Walthari sehr beschwerte.
Als nun die Morgensonne aufging mit lichtem Funkel,
Entbogen sie der Heerstraß zu tiefem Waldesdunkel,
Und hätte Haß der Fremde und Heimweh nicht gedrängt,
So hätte schier Hiltgunde das Roß nicht weiter gelenkt.
Wo nur ein Lüftlein rauschte, wo ein Waldvöglein sang,
Wo schrill ein Baumast knarrte, da seufzete sie bang.
So mieden sie der Menschen Behausung und Gehege
Und suchten in bahnlosem Gebirg sich Weg und Stege.

Noch schwieg der Hunnen Hofburg. Es war schon hoch am Tag,
Da wurde König Etzel von allen der erste wach.
Er wiegt' in beiden Händen sein Haupt, das nebelschwere,
Und schritt aus dem Gemach: »Ruft mir Walthari here,
Er teile als Genosse heut seines Königs Jammer,
Er soll den Frühtrunk reichen mir in der Waffenkammer.«

Da rieben sich die Diener die Augen und liefen und sahn
Und suchten aller Orten, sie trafen ihn nicht an.
Jetzund kam auch die Fürstin Frau Ospirin gehinkt:
»Wo säumt und träumt denn Hiltgund, daß sie kein Kleid mir bringt?«

Da flüsterten die Diener, da ward's der Königin klar,
Daß Hiltgund mit Walthari nächtlich entflohen war.
Da hub sie an: »O Fluch dem Gastmahl und dreimal Fluch
Dem Wein, der meine Hunnen so schwer darnieder schlug!
Was ich den König warnte, liegt offen itzt zu Tag,
Von unsres Reiches Stützen die stolzeste Säule brach!«

Der alte König Etzel, von bösem Zorn entbrannt,
Zerriß den Purpurmantel und warf ihn an die Wand,
Und wie der Staub vom Sturme gewirbelt wird zu Hauf,
So wirbelte ihm im Herzen ein Schwarm von Sorgen sich auf.
Kein Wörtlein konnt er sprechen, zu mächtig war sein Grimm,
Und Speise und Getränk stund unberührt vor ihm.
Die Nacht kam angeflogen, noch fand er keine Ruh,
Er lag auf seinem Pfühle und schloß kein Auge zu,
Er warf sich bald zur Rechten, bald zu der Linken nieder
Als hätt' ein Pfeil durchschossen die stolzen Heldenglieder,
Dann saß er wieder aufrecht, der grambetörte Greis,
Dann sprang er aus dem Lager, er lief herum im Kreis.
So ward dem Hunnenkönig der süße Schlaf verleidet,
Derweil das Flüchtlingspaar schweigsam dem Land entreitet.
Doch wie am andern Morgen aufstieg der lichte Tag,
Hieß er der Hunnen älteste zusammenkommen und sprach:
»Wer mir in Banden brächte Walthari, den schlauen Fuchs,
Als wie vom Wald der Jäger den hinterlistigen Luchs,
Dem schüfe ich zur Stunde ein golddurchwirkt Gewand
Und wollt mit Gold ihn decken von Haupt zu Fuß so sehr,
Daß ihm von Goldeshaufen der Weg gesperret wär'.«
Doch in den weiten Landen fand sich kein einziger Grafe,
Kein Heerfürst oder Ritter, kein Knappe oder Sklave,
Der sich vermaß, Walthari verfolgend nachzugehn
Und mit des Schwertes Schneide dem Zürnenden zu stehn.
Und was der König flehte, gesprochen war's in den Wind,
Die hohen Goldeshaufen – sie blieben unverdient.

Walthari ritt bei Nachtzeit weiter und weiter in Hast,
Des Tags in dichtem Walde und Buschwerk hielt er Rast.
Nach flogen ihm die Vögel, lieblich klang sein Gelock,
Er fing sie mit Leimruten und mit gespaltnem Stock,
Und wo in krummem Laufe ein Strom vorüberfloß,
Eintaucht' er seine Angel und reiche Beute genoß.
So kürzten sich die Tage mit Fischfang und Gejaid,
Das schafft dem Hunger Stillung, dem Herzen Nüchternheit,
Und auf der ganzen Fahrt hat nimmermehr begehrt
Die Jungfrau zu umarmen der Recke ehrenwert.

Schon vierzig Male war der Sonne Lauf vollendet,
Seit daß er sonder Abschied von Etzel sich gewendet,
Da glänzt aus lichtem Waldsaum im Abenddämmerschein
Ein Fluß zu ihm herüber – das war der Vater Rhein,
Das war der Rhein, und jenseits am fernen Ufer stand
Die Königsburg von Worms, Hauptstadt in Frankenland.
Ein Schiffer kam gerudert auf breitgebautem Kahn,
Die letztgefangnen Fische bot ihm Walthari an,
Da fuhr ihn jener über, er war zufrieden der Gabe,
Und weiter flüchtend spornt Walthari das Roß zum Trabe.

Der Fährmann andern Tages nach Worms gegangen war,
Des Königs Leib- und Mundkoch bracht' er die Fische dar,
Der würzt' und salzte sie und setzte sie als Mahl
Dem König Gunther vor; erstaunt sprach der im Saal:
»Seit daß ich herrsche in Franken, nie sah ich einen Fisch
Von solcherlei Gestalt und Schmack auf meinem Tisch,
Der muß aus fremden Landen zu uns gekommen sein.
Sag an, mein Koch, geschwinde, wer brachte den herein?«

Da wies der Koch den Fergen, der König rief ihn her,
Genau verkündet' der dem Fragenden die Mär:
»Ich saß am Rheinesstrande noch gestern abend spat,
Da kam ein fremder Mann geritten den Uferpfad,
Als käm' er just vom Kriege, so schaut' er trutzig wild,
Er starrte ganz in Erze und führte Speer und Schild.
Schwer mocht' die Wucht der Rüstung auf seinen Schultern lasten,
Doch ritt er scharfen Schrittes und mochte nimmer rasten.
Dem Mann folgt eine Maid, schön wie der Sonne Scheinen,
Sie sitzt auf gleichem Gaul, schier streift ihr Fuß den seinen.
Die lenket mit dem Zügel das riesig starke Roß,
Von dessen Rücken hangen zwei Schreine mäßig groß.
Doch wie aufbäumend es den Nacken schütteln wollte,
Da hört' ich drin ein Klingen von Edelstein und Golde.
Den Mann hab' ich gefahren. Der gab mir solche Fische.«

Das Wort erlauschte Hagen. Er rief am Königstische:
»Freut euch mit mir, Genossen, die Sache wird klar und hell,
Aus Hunnenland heimreitet Walthari, mein Gesell.«
Er rief's, da schallte Jubel hellauf im hohen Saal,
Doch übermütigen Sinnes der König Gunther befahl:
»Freut euch mit mir viel lieber, der ich dies durft' erleben,
Den Schatz, den einst mein Vater den Hunnen mußte geben,
Den hat ein guter Gott zurück mir jetzt gebracht!«
Sprach's, und gehobenen Fußes umstieß er den Zechtisch mit Macht
Und hieß die Rosse satteln und las aus seinem Volk
Erprobter Mannen zwölfe als starkes Heergefolg.
Er wählte den Hagen auch, der bat vergeblich ihn,
– Des alten Freunds gedenkend – zu ändern seinen Sinn.
Doch Gunther polterte: »Frisch vorwärts! drauf und drein!
Hüllt eure Heldenknochen in Eisenrüstung ein,
Schirmt mit dem Schuppenpanzer Rücken euch und Brust,
Des Frankenschatzes Räuber zu jagen ist mein Gelust!«

Da rückte aus dem Tor die Schar, die wohlbewehrte.
Walthari, edel Wild – Feind ist auf deiner Fährte!

Walthari ritt indessen landeinwärts von dem Rhein,
In einem schattig finstern Forste ritt er ein.
Das war des Weidmanns Freude, der alte Wasichenwald,
Wo zu der Hunde Bellen das Jagdhorn lustig schallt.
Dort ragen dicht beisammen zwei Berge in die Luft,
Es spaltet sich dazwischen anmutig eine Schluft,
Umwölbt von zackigen Felsen, umschlungen von Geäst
Und grünem Strauch und Grase, ein rechtes Räubernest.
Er schaut den festen Platz. »Hier,« sprach er, »laß uns rasten,
Des süßen Schlafes mußt' ich schon allzulange fasten;
Das war seit vierzig Nächten auf hartem Rosses Rücken
Über den Schild gelehnet ein unerquicklich Nicken.«

Ab tat er Wehr und Waffen und in der Jungfrau Schoß
Lehnt' er sein müdes Haupt: »Nun, teurer Fluchtgenoß
Hiltgund, halt sorgsam Wacht! und steigt vom Tal herauf
Fahldunkle Staubeswolke, dann wecke leis mich auf;
Doch käm' auch angeritten ein ganzes Heer von Recken,
So sollt' du doch, Vielteure, nicht allzuschnell mich wecken.
Ich traue deinen Augen. Die sind gar scharf und rein,
Die schau'n weit in die Lande...« So schlief Walthari ein.

Im Sand sah König Gunther die Spur von Hufesritt,
Anspornend trieb den Renner er nun zu schnellerm Schritt.
»Herbei,« rief er, »ihr Mannen! noch heute fahn wir ihn
Samt den gestohlenen Schätzen, er soll uns nicht entfliehn.«
Umsonst entgegnet Hagen: »Das geht so glatt nicht ab;
Manch einen tapfern Degen warf jener in das Grab.
Zu oft hab' ich erschauet Walthari in Schlachtenwut,
Ich weiß, er handhabt Lanze und Schwert nur allzugut.«
Doch nimmer ließ sich warnen der vielverstockte Mann.
Im Glanz des Mittags ritten sie vor der Felsburg an.

Vom Bergesgipfel schaute Hiltgund zum Tal hinab,
Da hub sich Staubeswirbel und ferner Rossestrab,
Sie strich mit leisem Finger des Schläfers braunes Haar:
»Wach auf, wach auf, Walthari! es naht uns eine Schar.«
Der rieb sich aus den Augen des süßen Schlafes Rest
Und griff nach seinen Waffen und rüstete sich fest,
Und durch die leeren Lüfte schwang er den Speer mit Macht,
Das war ein lustig Vorspiel vor bitterernster Schlacht.

Hiltgund, wie sie von weitem Lanzen blitzen sah,
Warf klagend sich zu Boden: »Nun sind die Hunnen da!
Nun fleh' ich, mein Gebieter, hau ab mein junges Haupt,
Daß, so ich dein nicht werde, kein andrer Mann mich raubt!
»Gebiete deiner Furcht«, sprach mild der junge Recke,
»Fern sei, daß schuldlos Blut die Klinge mir beflecke.
Der in so manchen Nöten ein starker Hort mir war,
Wird mich auch heute stärken, zu werfen diese Schar.
Nicht Hunnen sind die Feinde, es sind nur dumme Jungen,
Die hier im Lande wohnen, sind fränkische Nibelungen.«
Drauf deutet er mit Lachen nach einem Helm auf dem Plan:
»Das ist führwahr der Hagen, mein alter Hunnenkumpan.«

Nun trat zum Höhleneingang der Held und sprach von dort,
»Vor diesem Tore künd' ich nunmehr ein stolzes Wort:
Kein Franke soll entsinnend sich rühmen seinem Weib,
Er hab' Waltharis Schätze gegriffen bei lebendem Leib,
Und...« doch die Sprache hemmt' er und kniete zum Gebete:
Gott um Verzeihung flehend für solche Frevelrede.

Dann hub er sich und schaute prüfend der Feinde Reihn.
»Von allen diesen Kämpen fürcht' ich den Hagen allein,
Der weiß viel böse Listen und kennt den Brauch des Streits,
Doch außer ihm, o Hiltgund, tut keiner uns ein Leids.«

Derweil Walthari dräuend Wacht hielt am Felsentor,
Sprach Hagen zu dem König: »O Herr, noch seht Euch vor!
Schickt einen Boten ihm, und friedlich sei's geschlichtet.
Vielleicht daß jener selber sich bittend an Euch richtet
Und Euch den Schatz ausfolgt. Die Antwort zeige den Mann,
Es ist noch immer Zeit, mit Waffen ihn zu fahn.«

Da hieß der König ausziehn Herrn Camelo von Metz,
Der dort als Frankenrichter verwaltet das Gesetz.

Der flog als wie die Windsbraut zu jung Walthari hin:
»Wer bist du, fremder Degen, sag an, woher, wohin?«

Der Held ihm drauf erwidert: »Erst künde du die Mär:
Kommst du aus eignem Willen, schickt dich ein andrer her?«

Stolz sprach Herr Camelo: »Mich hat hierher entsandt
Als Herold König Gunther, der Herr in Frankenland.«

Walthari ihm entgegen: »Fürwahr, was ficht Euch an,
Zu spähn und auszuforschen den fremden Wandersmann?
Ich bin von Aquitanien Walthari hochgemut,
Als Geisel gab der Vater mich in der Hunnen Hut,
Dort mußt' ich seit verweilen. Itzt wandt' ich mich zu gehn,
Ich will die süße Heimat, die Eltern wieder sehn.«

Da sprach der Bote trocken: »Wohlan, so sei bereit,
Den Goldschrein mir zu liefern, dein Roß und auch die Maid,
Nur so du schnell dich sputest, dies alles herzugeben,
Will dir mein Herr belassen die Glieder und das Leben.«

Da rief Walthari kecklich: »Nie hört' ich größern Toren!
Wie kann dein König bieten, was ich noch nicht verloren?
Ist er ein Gott denn, daß er mich also will berücken?
Noch trag' ich nicht die Fäuste gefesselt auf dem Rücken,
Noch duld' ich nicht, gewundet, des Kerkers Herzeleid –
Doch billig ist mein Denken und, läßt er von dem Streit,
Goldroter Spangen hundert will ich ihm gern gewähren,
Ich weiß als fremder Mann des Königs Namen zu ehren.«

Der Bote ritt hinunter und brachte den Bescheid.
Da sprach zum König Hagen: »O nimm, was er dir beut,
Ich ahne Unheil sonst, mir hat verwichene Nacht
Ein Traum um dich, Gebieter, viel schwere Sorge gebracht.
Ich sah selband uns reiten und jagen im Geheg,
Da trat ein großer Bär dir, hoher Herr, in Weg;
Das war ein hitzig Streiten, es hat das Tier zuletzt
Das Bein dir bis zur Hüfte zerhauen und zerfetzt.
Und wie gefällten Speeres ich beisprang dir im Strauß,
Riß er mir selbst ein Auge mit scharfem Zahne aus.«

Stolz schalt der König: »Wahrlich, du bist des Vaters wert,
Auch der focht mit der Zunge viel lieber als mit dem Schwert!«

Drob zog in Hagens Herzen ein bitter Zürnen ein.
»Wohlan,« sprach er, »so mögt Ihr des Kampfes denn Euch freu'n.
Dort steht vor Euren Augen, deß Euch gelustet, der Mann,
Ich will des Ausgangs harren und keine Beute ha'n.«
Sprach's und zum nahen Hügel lenkt er sein Roß in Ruh,
Sprang ab und sah gelassen, im Grase sitzend, zu.

Der König Gunther winkte den Camelo nun her:
»Zeuch aus und künde jenem, den ganzen Schatz ich gehr',
Und so er noch sich weigert, so bist du Manns genug,
Daß du ihn kampflich angehst und niederwirfst mit Fug.«

Von Metz, der Bischofstadt, Herr Camelo zog ab,
Fahl nickt vom blauen Helme sein gelber Busch herab.
Von fern schon rief er laut: »Heda! mein Freund – heraus!
Dem Frankenkönig liefre den ganzen Goldschatz aus!«
Walthari hört's und schwieg. Da ritt er näher bei.
»Den ganzen Goldschatz liefre!« so rief er ihm aufs neu.
Dem riß jetzt die Geduld. »Laß ab dein Schrein und Johlen,
Hab ich dem König Gunther den Schatz etwann gestohlen,
Hat er ein Darlehn mir geliehn habgier'gen Sinns,
Daß er mir jetzo heischet so schnöden Wucherzins?
Hab' ich das Land geschädigt und Häuser weggebrannt,
Daß ihr mir Buße fordert mit übermüt'ger Hand?
Das muß ein schäbig Volk sein, das mir den Durchgang neidet
Und keinen fremden Mann auf seinem Boden leidet.
Ich will ums Wegrecht markten: Zweihundert Spangen wohlan
Biet' ich jetzt deinem König. Vernimm's und zeig's ihm an!«

»Du sollt noch mehr uns bieten!« rief Camelo in Wut,
»Des Redens bin ich satt. Itzt gilt's dein Gut und Blut.«
Er deckte seinen Arm mit dem dreifältigen Schild
Und raffte seinen Speer und schüttelte ihn wild
Und zielte genau und warf. Ihm bog Walthari aus,
Er fuhr in grünen Rasen mit schneidigem Gesaus.

»Wohlan denn!« rief Walthari, – »es sei, wie's euch gefällt!«
Und seine dunkle Lanze schoß der junge Held.
Die fuhr zur linken Seite durch den Schildesrand
Und nagelt' an die Hüfte Camelos rechte Hand
Und drang dem Gaul in Rücken – ausschlagend bäumt sich der
Und hätt' ihn abgeschüttelt, doch fest hielt ihn der Speer.
Indes ließ Camelo den Schild zu Boden sinken
Und strebte sich des Speeres zu ledigen mit der Linken.
Doch jener stürzt' heran und stemmt den Fuß und tief
Stieß er ihm in den Leib das Schlachtenschwert bis zum Griff.
Zog's dann zusamt der Lanze aus der Todeswunde,
– Da sanken Roß und Reiter wohl in derselben Stunde.

So mußt' ins grüne Gras Herr Camelo dort beißen.
Ihn sah sein Neffe Kimo, auch Scaramund geheißen.
»Ha! das traf mich!« so rief er, »zurück ihr andern all,
Jetzt sterb' ich oder sühne des teuern Blutfreunds Fall«.

Weinend sprang er hinauf, der Weg war hohl und enge,
Daß ihm kein andrer konnt' beistehn im Handgemenge,
Er knirschte mit den Zähnen: »Nicht will ich Schatz und Gut.
Ich komme als ein Rächer für meines Oheims Blut.«
Zwei Speere schwang er hoch, am Helm die Mähne zittert;
Doch fest stand dort Walthari und sagte unerschüttert:
»War ich des Kampfs Beginner, geb' ich mich gern verloren,
Es soll mich noch zur Stunde dein Lanzenwurf durchbohren!«

Da warf in rascher Folge die Lanzen Scaramund,
Die eine traf den Schild nur, die andre flog in den Grund.
Dann mit gezücktem Schwerte ritt er Walthari an,
Doch bracht' er's nicht zuwege, die Stirn ihm durchzuschla'n.
Der Hieb saß auf dem Helme, das dröhnte und das klang,
Und Feuerfunken sprühten den dunkeln Wald entlang.
Jetzt fuhr ihm wie ein Blitz Waltharis Speer in Hals
Und hob ihn aus dem Sattel, da fiel er dumpfen Falls.
Nichts half ihm mehr die Bitte, sein Haupt hieb jener ab,
So sank bei seinem Ohme der Neffe früh ins Grab.

»Vorwärts!« rief König Gunther, »und laßt ihm keinen Frieden,
Bis daß wir Schatz und Leben geraubt dem Kampfesmüden...
Da kam als dritter Kämpe Werinhard gezogen,
Des Speerwurfs ein Verächter trug er nur Pfeil und Bogen.
Er richtet' auf Walthari von Ferne manch Geschoß,
Gedeckt vom riesigen Schilde gab der sich nirgends bloß,
Und eh' der Schütz ihm beikam, war schon sein Köcher leer.
Deß zürnend stürmt er jetzo mit blankem Schwert einher:
»Und sind dir meine Pfeile zu lustig und zu leicht,
Paß auf, ob nicht mein Hieb dir vollgewichtig deucht!«

»Schon lange wart' ich, daß dem Kampf sein Recht geschehe,«
Walthari rief's entgegen – und schleudert aus der Nähe
Den Speer. Der traf das Roß. Hufschlagend bäumt sich's auf,
Warf in den Staub den Reiter und stürzte oben drauf.
Dem Fallenden entriß der Held sein Schwert in Hast,
Löst ihm den Helm – am blonden Gelock er stark ihn faßt':
»Zu spät kommt itzt dein Jammern, den Bitten bin ich taub!«
Und abgeschlagenen Hauptes lag Werinhard im Staub.

Drei Leichen lagen schon. Des Streitens noch nicht müd,
Entsandt' als vierten Kämpen Gunther den Ekkefrid.
Der hatt' im Sachsenlande den Herzog einst erschlagen
Und der Verbannung Leid am Frankenhof getragen.
Der trabte stolz einher auf rötlichbraunem Schecken,
Den kampfbereiten Mann tat er erst spöttisch necken:
»Bist du gefestet, Unhold? trügst du durch Luft und Wind?
Bist ein Waldteufel du? bist du ein Menschenkind?« –

Hohnlachend rief Walthari: »Ich kenne solches Welschen,
Ihr seid das rechte Volk zum Trügen und zum Fälschen –
Heran denn! Deinen Sachsen sollt du erzählen bald,
Was du dereinst für Teufel erschaut im Wasichenwald!«

»Wir wollen es erproben,« sprach Ekkefrid, und scharf
Schwang er die Eisenlanze am Riemen, holt' aus und warf,
Doch sie zerbrach am Schilde, der Schild war allzuhart,
Zurück warf sie Walthari und lachte in den Bart:
»Schau an, wie dir der Waldgeist heimgibt, was du geschenkt,
Sie mag wohl tiefer fahren, wenn meine Faust sie lenkt.«
Gespalten von dem Wurf des Schildes Stierhaut klafft',
Der Rock zerriß – es fuhr tief in die Lunge der Schaft,
Todwund sank Ekkefrid, ein Blutstrom sich ergoß,
Als Beute nahm Walthari mit sich des Toten Roß.

Der fünfte Kämpe war Hadwart. Er ließ zurück
Den Speer und hofft' allein vom scharfen Schwert sein Glück.
Erst sprach er zu dem König: »So ich den Sieg gewinne,
Belaß des Feindes Schild mir, nach diesem steht mein Sinne.«
Zu Rosse drang er vor, doch seinen Pfad versperrten
Die Leichen der Erschlagenen. Da sprang er zu der Erden.
Deß lobt Walthari ihn. Doch Hadwart rief und schalt:
»Du liegst wie eine Natter im Kreis zusammengeballt
Und denkst, o schlaue Schlange, Pfeil und Geschoß zu meiden –
Deß sollt von meiner Rechten du herbe Schläge leiden.
Den schönbemalten Schild leg ab jetzt unverweilt,
Als Kampfpreis ist er mir vom König zugeteilt,
Er soll nicht Schaden nehmen, gar wohl gefällt er mir.
Und wollt' sich's anders wenden, und unterläg' ich dir:
Dort stehen die Genossen, du fristest nicht dein Leben,
Und wollt'st du auch als Vogel befiedert uns umschweben.«

Furchtlos sprach da Walthari: »Den Schild, den laß ich nicht!
Dem bin ich als ein Schuldner zu großem Dank verpflicht't.
Der schirmte mich vorm Feinde gar oft in heißen Tagen,
Die Wunden, die mir galten, ließ er sich willig schlagen;
Du sollt noch heut erkennen, wie nützlich dieser mir,
So ich den Schild nicht hätte, ich stünde nimmer hier.«

Drauf Hadwart: »Unfreiwillig sollt du ihn balde missen
Und Roß und Gold und Jungfrau in unsern Handen wissen.
Noch einmal rat' ich dir: leg ab, leg ab die Last,
Die du so weiten Weges bis heut getragen hast.«

Sprach's und vom Leder zog er. Das war ein Fechten schwer,
Er kämpfte mit dem Schwerte, Walthari mit dem Speer,
Im Wasichenwalde nimmer solche Blitze sprühten,
Staunend sahn die Franken auf die Nimmermüden.
Das hat von Helm und Schilden geklungen und gegellt,
Wie wenn mit scharfem Beile ein Mann die Eiche fällt.

Aufsprang der Wormser Kämpe und schwang des Schwertes Schneide,
Auf daß mit einem Hieb der Zweikampf sich entscheide.
Walthari fing den Streich und zwang ihm aus der Faust
Die Klinge, daß sie weit seitab ins Buschwerk saust.
Dahin floh Hadawart. Doch Alphers Sohn, der schnelle,
Ihm nach: »Wo fleuchst du hin? da, nimm den Schild, Geselle!«
Sprach's und mit beiden Händen hob er den Speer und stach,
Da ging der Kampf zu Ende. Der sank mit dumpfem Krach,
Ihm setzte auf den Nacken den Fuß Walthari und dann
Spießt' an den Boden er zusamt dem Schilde den Mann.

Als Sechster in den Kampf ging jetzo Patafrid,
Des Hagen Schwestersohn. Wie den sein Oheim sieht,
Gedachte er mit Bitten zu wenden ihm den Sinn:
»Schau, wie der Tod dich anlacht, laß ab, wo eilst du hin!
Laß ab, laß ab, o Neffe, dich täuscht dein Jugendmut,
Zu zwingen den Walthari braucht's andere Kraft und Glut.«
Des Zuspruchs ungerührt der Jüngling ging von hinnen,
Sein einzig Trachten war, sich Ehre zu gewinnen.
Bekümmert saß drum Hagen und seufzte tief und grollte:
»O nimmersatte Habgier, o schnöder Durst nach Golde,
O schlänge doch die Hölle das güldne Erz in Rachen
Und gäb' es statt den Menschen zur Hut den alten Drachen!
Niemand hat mehr genug. Sie schaffen und sie scharren
Sich täglich mehr zusammen und sind doch arme Narren!
Wie reitest in den Tod auch du mein Neffe so blind!
Was soll ich deiner Mutter für Kunde bringen vom Kind?
Und was dem jungen Weibe, das traurig deiner harrt,
Dem noch zu schwachem Troste der erste Sproß nicht ward?«

Sprach's, und die Träne rollt ihm langsam in Schoß hinab.
»Fahr wohl auf lange!« seufzt' er, »fahr wohl, du schöner Knab!«
Aus weiter Fern Walthari des Freundes Klage vernahm,
Gerührt sprach er zum Kämpen, der itzt gestürmet kam:
»Steh ab, mein tapfrer Junge, ich mag dir's redlich raten,
Aufspare deine Kraft zu anderweiten Taten.
Schau auf! hier liegt erschlagen manch ein gewalt'ger Held,
Ich müßte Leides tragen, wenn du dich beigesellt.«

»Was kümmert dich mein Sterben?« rief jener, »steh und ficht!
Zum Streit bin ich gekommen, zu losem Schwatzen nicht«,
Und mit dem Worte flog auch die knorrige Lanze einher,
Zur Seite schlug Walthari sie mit dem eignen Speer;
Von Wurfs Gewalt getragen und von des Windes Kraft
Flog bis zur Felsenhöhle zu Hiltgunds Füßen der Schaft.

Aufschrie vor Furcht die Jungfrau; dann aus der Felsenspalte
Lugt' sie fürsichtig, ob Walthari sich noch halte.
Noch einmal warnte dieser den ungestümen Mann
Doch er, bedachtlos wütend, stürmt' mit dem Schwerte an.
Da schirmte sich Walthari und schwieg, doch mocht' sein Schweigen
Dem Zähneknirschen des gehetzten Keulers gleichen.
Zu mächtigem Schwertstreich holte Patafrid itzt aus,
Da duckte sich Walthari ins Knie und bog ihm aus,
Daß ihn des leeren Streiches Wucht zu Boden riß.
Auf sprang der Held mit Macht. Da war der Sieg gewiß.
Zwar wollt' zu neuem Fechten auch Patafrid sich heben,
Umsonst. In Bauch getroffen ließ er das süße Leben.
Die Seele flog von dannen, es ward sein junger Leib
Dem wilden Waldgetiere ein Fraß und Zeitvertreib.

Des Toten Fall zu rächen kam Gerwig itzt gesprengt,
Er sprengte über die Leichen, die dort den Steg geengt!
Derweil des Toten Haupt vom Rumpf Walthari fällt,
Warf er die doppelschneidige Streitaxt nach dem Held,
– Die war in jenen Zeiten der Franken liebst Gewaffen. –
Schnell hob den Schild Walthari, sich Deckung zu verschaffen,
Rückspringend nach der Lanze an sich die teure riß er
Die blutige Schwertesklinge ins grüne Riedgras stieß er
Und stellte sich dem Angriff. Da fiel kein unnütz Wort,
So grimmig nach dem Kampfe lechzten die beiden dort.
Der focht den Freund zu rächen, der schirmte Leib und Leben,
Viel schwere Hiebe wurden gehauen und rückgegeben.
Waltharis Speer war länger, doch tummelte sein Pferd
Der Franke rings im Kreis, daß jener müde werd'.
Zuletzt ersah Walthari, daß er den Schild ihm hob,
Durch Gerwigs Weichen itzt das grimme Eisen schnob.
Hinsank er auf den Rücken, ein Schrei entfuhr dem Mund,
Des Todes unfroh stampfte er den durchfurchten Grund.
Auch diesem tät der Held das Haupt vom Rumpfe lösen.
– Er war ein stolzer Graf im Wormser Gau gewesen.

Nun stutzten erst die Franken und baten ihren Herrn,
Vom Streite abzustehen. Doch dem war Gunther fern.
»He!« zürnte er, »ihr tapfre, ihr vielerprobte Seelen,
Schafft euch das Unglück Furcht, anstatt zum Zorn zu stählen?
Soll aus dem Wasichenwalde ich so mich werfen lassen
Und als geschlagner Mann durchziehn die Wormser Gassen?
Erst wollt ich jenen Fremden des Goldes sehn verlustig,
Jetzt dürst' ich seines Blutes. Und ihr, seid ihr nicht durstig?
Den Tod sühnt nur der Tod. Blut heischet wieder Blut.«
Er sprach's da wurden alle entflammt zu neuem Mut.
Als ging's zu lustigem Spiele, zu Wettkampf und Turney'n,
So wollte jetzt ein jeder im Tod der erste sein.
Den Felspfad aufwärts ritten sie nacheinand im Trab,
Indessen nahm Walthari den Helm vom Haupte ab
Und hing ihn an den Baum. Den würz'gen Waldesduft
Sog er mit vollen Zügen und kühlt' sich an der Luft.

Da rannt auf schnellem Rosse Herr Randolf jach heran.
Mit schwerer Eisenstange stürmt' er Walthari an
Und hätt' ihn schier durchbohrt. Doch auf der Brust zum Glück
Trug er ein schwer Geschmeid, Schmied Wielands Meisterstück.
Leicht faßte sich der Held und hielt den Schild bereit,
Den Helm sich aufzusetzen hatt' er nimmer Zeit.
Schon sauste Randolfs Klinge um Waltharis Ohren,
Da wurden dem Barhäupt'gen zwei Locken abgeschoren.
Doch unverwundet blieb er. Es fuhr der zweite Hieb
So mächtig in den Schildrand, daß er drin stecken blieb.
Dem Blitz gleich sprang Walthari zurück und wieder vor
Und riß ihn von dem Gaule, daß er das Schwert verlor,
Und preßt' ihn auf den Boden, trat ihm die Brust mit Füßen:
»Jetzt sollt du für die Glatze mir mit dem Scheitel büßen
Und dieses Stückleins nimmer prahlen deinem Weibe!«
Sprach's und hieb den Kopf von des Besiegten Leibe.

Als Neunter in den Kampf sprang Helmnod vor in Eile,
Er schleppte einen Dreizack an vielgewundnem Seile,
Das hielt zu seinem Rücken der Freunde kleiner Rest.
Sie dachten, wenn die Haken im Schilde säßen fest,
Das Seil darin anzuziehen mit so gewaltiger Macht,
Daß drob Walthari leicht zu Falle werd' gebracht.
Den Arm reckt Helmnod aus und warf den Zack im Bogen:
»Paß auf, du kahler Mann! da kommt dein Tod geflogen!«
Stolz durch die Lüfte kam das Wurfgeschoß gesaust,
Als wie die Schlange zischend vom Baum herunter braust.
Gespalten ward der Nagel am Schild. Er war getroffen.
Scharf zerrten an dem Seil die Franken schweißumtroffen,
Im Waldgebirg erscholl ihr siegesfroher Schrei.
Der König selbst gesellte den Ziehenden sich bei.
Doch festgewurzelt stand, als wie die Riesenesche,
Des Lärmens unbekümmert Walthari in der Bresche,
Er stund und wankte nicht. Da dachte dort der Schwarm,
Zum mind'sten ihm den Schild zu reißen von dem Arm.

Von zwölf Gesellen so die letzten viere kamen
Zu ungestümem Streit. Der Sang nennt ihre Namen:
Der neunte war Herr Helmnod, Eleuther auch benannt,
Der zehnte Mann war Trogus, von Straßburg hergesandt,
Von Speier an dem Rhein Herr Tannast war der elfte,
Und König Gunther war an Hagens Statt der zwölfte.
Solch eiteln Streitens ward Walthari endlich wild.
Barhäuptig war er schon. Jetzt ließ er auch den Schild
Und auf die Rüstung nur und seinen Speer vertrauend
Sprang er in Feind, zuerst nach dem Eleuther hauend.
Er spaltet ihm den Helm und Haupt und Nacken zugleich,
Zerspaltet' auch die Brust mit einem einzigen Streich.
Dann stürmt' er auf den Trogus. Verwickelt in dem Seil
Hing der, ihm brachte nimmer das Flüchten Glück und Heil,
Sie hatten bei dem Seilzug sich abgetan der Waffen;
Vergebens sprang er itzt, sich diese zu erraffen,
Walthari holt' ihn ein und tiefe Wunde schlug er
In beide Waden ihm und seinen Schild wegtrug er,
Bevor ihn Trogus griff. – In Wut ersah der Wunde
Sich einen riesigen Feldstein. Den hob er von dem Grunde
Und stemmte sich und warf ihn so sicher auf den Held,
Daß er den eignen Schild in Mitten ihm zerschellt'.
Im Grase kriechend Trogus sein Schwert dann wieder fand,
Er nahm's und durch die Lüfte schwang er's mit starker Hand.
Zwar konnt' er seine Mannheit nicht mehr durch Taten weisen
Doch kündet Herz und Mund sattsam den Mann von Eisen.
Und als die Todesgeister er noch nicht lachen sah,
Rief er: »O wär' ein Schild – o wär' ein Freund mir nah!
Zufall, nicht Tapferkeit hat dir den Sieg bereitet,
Noch hast zu meinem Schild das Schwert du nicht erbeutet.«

»Bald komm ich!« sprach Walthari und flog den Weg herab,
Dem furchtlos Hauenden schlug er die Rechte ab.
Schon sollt' ein zweiter Streich der Seele öffnen das Tor
Zum ew'gen Abschied, sieh, da sprang Herr Tannast vor.
Der hatte gleich dem König die Waffen aufgenommen
Und war den Freund zu schirmen mit seinem Schild gekommen.
Unwillig wandte sich Walthari gegen ihn,
Mit tief durchhau'ner Schulter sank Herr Tannast dahin
Und mit durchstochner Seite. »Ich grüß dich tausendmal!«
Noch leise murmelt er's, dann war er tot und fahl.
Verzweifelnd stieß nun Trogus viel bittre Schmähung aus,
»So stirb denn,« rief Walthari, »und meld' im Höllenhaus,
Wie du den Freunden warst ein Rächer und Vergelter! –«
Rief's – und mit güldner Kette erdrosselt er den Schelter.

So lagen die Genossen erschlagen allzumal,
Da seufzte laut der König und floh hinab ins Tal,
Auf des bewehrten Rosses Rücken schwang er sich
Und ritt zu Hagen hin und weinte bitterlich.
Er strebt ihn zu erweichen mit Bitten mannigfalt
Und ihn zur Schlacht zu stacheln. Doch jener sagte kalt:
»Zu kämpfen hindert mich der Ahnen schnöd Geschlecht,
Mir lähmt ja kühles Blut den Arm zu dem Gefecht.
Bleich war ja schon mein Vater, wenn er die Lanzen schaute,
Und schwatzte feig, derweil ihm vor der Feldschlacht graute –
O König, wie du also geprahlt vor den Genossen:
Für immer in die Scheide hast du mein Schwert gestoßen!«

Von neuem ging der König den Grimmen flehend an:
»Laß ab von deinem Grolle – laß ab und sei ein Mann!
Und schuf dir auch mein Schelten viel Zorn und Ungeduld,
Ich will mit reicher Gabe wettschlagen meine Schuld.
Zu viel des edeln Blutes ward heute schon vergossen,
Magst du das alles schauen so müßig und verdrossen?
Fürwahr den Schimpf wird nimmer das Frankenland verwinden,
Schon hör' ich unsre Feinde zischend die Mär verkünden:
›Es kam ein fremder Mann, man wußte nicht woher,
Der tilgte ungestraft der Franken ganzes Heer‹«

Noch wollte Hagen zaudern. Er saß und übersann,
Wie ihm Walthari einst in Treuen zugetan.
Doch als sein Herr und König mit aufgehobnen Armen
Kniefällig zu ihm bat, – da faßt' ihn ein Erbarmen,
Da brach das Eis im Herzen, sein Antlitz färbt' sich rot –
So er noch länger säumte, die Ehre litte Not.

»Wohin du auch mich rufest – o Fürst, ich werde gehn,
Was nimmer sonst geschah, die Treue heißt's geschehn!
Doch wer war je so töricht, daß er ins offne Grab,
So wie es hier aufgähnet, freiwillig sprang hinab?
Solang Walthari dort die Felsburg innehält,
Zieht auch ein Heer vergebens wider ihn zu Feld.
Und wenn die Franken all, Fußvolk und Reiterei,
An jenem Plane stünden, es käm' ihm keiner bei.
Doch weil Beschämung dich und Schmerz darnieder drücken,
Ersinn' ich einen Weg, auf dem wird's besser glücken.
Fürwahr, ich ginge nimmer, beschworene Treu zu brechen,
Selbst nicht, – ich sag' es frank – des Neffen Tod zu rächen,
Für dich nur, Herr und Fürst, will der Gefahr ich stehn,
Drum auf und laß uns erst von dieser Walstatt gehn!
Es mögen unsre Rosse dort auf der Warte weiden,
Dann wähnt er uns gegangen – und wird von dannen reiten,
So er die enge Burg verlassen, dann wohlan,
Wir folgen ihm und greifen im offnen Feld ihn an.
Dann magst nach Herzenslust und mehr selbst, als dich freut,
Du mit Walthari fechten; nicht schenkt er uns den Streit.«

Dem Könige gefiel des Hagens schlaues Wort,
Er sänftigte ihn vollends mit einem Kuß sofort,
Dann wichen beide und spähten sich sichern Hinterhalt,
Die Rosse ließen sie frei grasen in dem Wald.

Gesunken war die Sonne. Einbrach die dunkle Nacht.
Der müde Held Walthari stand prüfend und bedacht',
Ob er in sichrer Felsburg schweigsam verweilen möge,
Ob er durch öde Wildnis versuche neue Wege.
Er scheute bloß den Hagen und ahnte böse List,
Daß ihn der König dort umarmet und geküßt.
Deß fürchte ich, so dacht' er, daß sie zur Stadt entreiten
Und morgen früh den Kampf erneu'n mit frischen Leuten,
Wofern sie nicht schon itzt im Hinterhalte lauern –
Auch schuf der wilde Wald ihm ein gelindes Schauern,
Als dräut' es drin ringsum von Dorn und wilden Tieren,
Daß er dort hilflos irrend die Jungfrau möcht verlieren.
Dies alles wohlgeprüft und wohlerwogen sprach er:
»Wie es auch gehen mag, hier sei bis mor'n mein Lager,
Daß nicht der König prahle, ich sei dem Diebe gleich
Entflohn bei Nacht und Nebel aus dem Frankenreich.«
Er sprach's, und Dorn und Strauchwerk hieb er sich rings vom Hag
Und schloß den engen Pfad mit stachlichem Verhack.
Mit bittrem Seufzen wandt' er sich zu den Leichen dann,
Jedwedem Rumpfe fügte sein Haupt er wieder an;
Gen Sonnenaufgang warf er kniend sich zur Erde
Und sprach das Sühngebet mit scharfentblößtem Schwerte:
»O Schöpfer dieser Welt, der alles lenkt und richtet,
Gen dessen hohen Willen sich nichts hienieden schlichtet,
Hab Dank, daß heute ich mit deinem Schutz bezwungen
Der ungerechten Feinde Geschoß und böse Zungen!
O Herr, der du die Sünden austilgst mit starken Armen,
Doch nicht den Sünder selbst – dich fleh' ich um Erbarmen:
Laß diese Toten hier zu deinem Reich eingehn,
Daß ich am Himmelssitze sie möge wiedersehn.«

So betete Walthari. Dann trieb er allsogleich
Der Toten Rosse ein und band sie mit Gezweig.
Noch sechse waren übrig. Zwei waren umgekommen,
Drei hatte König Gunther mit auf die Flucht genommen.

Dann löst' er seine Rüstung. Das war dem Hitzigen gut,
Mit frohem Zuspruch schöpft' er der Jungfrau Trost und Mut,
Mit Speise und mit Trank labt' er die müden Glieder,
Und auf den Schild gelagert warf er zum Schlaf sich nieder.
Den ersten Schlummer sollte Hiltgunde ihm behüten,
Denn allzusehr nach Ruhe gelüstet's den Vielmüden.
Er selbst behielt sich vor die Wacht am frühen Morgen.
Er wußt', da drohten ihm erneuten Kampfes Sorgen.

Zu Haupt ihm sitzend wachte Hiltgund die Nacht entlang
Und scheuchte von den Augen den Schlaf sich mit Gesang.
Bald hub Walthari sich und brach des Schlummers Rest
Und hieß die Jungfrau ruhen und griff zum Speere fest
Und wandelt' auf und ab. Bald schaut' er nach den Rossen,
Bald lauscht' er an dem Walle. So war die Nacht umflossen.

Der Morgen dämmerte. Es fiel ein linder Tau
Auf Busch und Blatt und Halm hernieder in die Au.
Zu der Erschlagenen Leichen schritt itzt Walthari hin,
Die Waffen und den Schmuck zu rauben war sein Sinn.
Die Panzer samt den Helmen, die Spangen nahm er zur Hand
Und Schwert und Wehrgehenk. Doch ließ er das Gewand.
Er nahm der Rosse viere und lastet' sie damit,
Hiltgund aufs fünfte hob er, das sechste er selbst beschritt.
Erst ritt er aus dem Walle, die Gegend zu erspähn,
Und ließ die Falkenaugen sich rings im Kreis ergehn.
Nach Wind und Lüften hielt er das Ohr gereckt und lauschte,
Ob nichts geschlichen käme, ob nichts im Grase rauschte,
Ob nicht von schwerem Zügel sich höb' ein fernes Tönen,
Oder von Rosseshuf die Erde möcht' erdröhnen.

Doch rings lag alles still. Die Rosse schwer beladen
Trieb er itzt vor und sandte Hiltgund auf gleichen Pfaden,
Er selber führt den Gaul, der ihm den Goldschrein trug,
Und schloß in Wehr und Waffen als Hüter den reisigen Zug.

Sie hatten tausend Schritte etwann zurückgelegt,
Da schaute Hiltgund um, sie war von Furcht bewegt,
Da schaute sie vom Hügel herab zwei Männer eilen,
Die ritten scharf des Weges und mochten nicht verweilen.
Und zu Walthari rief die Jungfrau schreckensbleich:
»Das Ende kommt, o Herr! Zur Flucht itzt sputet Euch.«
Walthari wandte sich. Die Feinde nahm er wahr:
»Ich will ins Antlitz mir beschauen die Gefahr.
Und winkt mir auch der Tod, viel besser ist's, zu streiten,
Als Hab und Guts verlustig einsam von dannen reiten.
Du, Hiltgund, nimm die Zügel und treib das Goldroß fort,
Der dichte Hain dort drüben beut sichern Zufluchtsort.
Ich will am Bergeshang mir einen Stand erkiesen
Und harren, wer da kommt, und ritterlich sie grüßen.«

Die Jungfrau tat sofort, wie sie Walthari hieß.
Der machte unbefangen zurecht itzt Schild und Spieß
Und ritt des Weges weiter als wie ein fremder Mann.
Da schrie ihn schon von ferne der König Gunther an:
»Jetzt ist dein Unterschlupf benommen, grimmer Held,
Aus dem zu zähneweisend als wie ein Hund gebellt.
Heraus ins offne Feld, dein warten neue Streiche,
Noch steht zu proben, ob das End' dem Anfang gleiche.
Du weisest ja Ergebung und Flucht so schnöd, zurück,
Laß sehn, ob du auch heute um Lohn gedungen das Glück!«

Verächtlich tät Walthari kein Wort dawider sagen,
Als wär' er taub geworden. Er wandte sich an Hagen:
»O Hagen, alter Freund, sag an, was ist geschehn,
Daß also umgewandelt ich dich muß wiedersehn?
Der tränend einst beim Abschied in meinen Armen lag,
Verrennt gewaffnet mir den Weg an diesem Tag?
Fürwahr, ich dachte einst, käm' heimwärts ich gegangen,
Du wurdest grüßend mich mit offnem Arm umfangen
Und gastlich mich bewirten und pflegen mich in Freuden
Und reich beschenkt den Freund ins Heimatland geleiten.
Ich zog auf fremden Wegen. Oft wollt' das Herz mir schlagen:
O wär' ich bei den Franken, dort lebt mein Freund, der Hagen.
Gedenkst du nimmermehr der alten Knabenspiele,
Wo wir einmütig einst gestrebt nach gleichem Ziele?
Nicht mehr der Freundschaft? O, wenn ich dein Antlitz sah,
So deuchten mir die Eltern, die teure Heimat nah.
Ich wahrte dir die Treue am Hof und vor dem Feind,
Laß ab drum von dem Frevel und sei mein alter Freund!
Deß werd' ich hoch dich preisen, und bist du mir zu Willen,
Werd' ich mit rotem Golde den hohlen Schild dir füllen.«

Mit finsterm Blick und zürnend sah ihn Hagen an:
»Erst übest du Gewalt und schwatzest listig dann;
Die Treue hast du gebrochen. Du wußtest mich zugegen,
War dir an meinen Freunden, am Neffen nichts gelegen?
Nicht magst du dich entschuldigen, wenn ich auch ferne stand,
An Waffen und Gestalt war ich dir gut bekannt.
Und doch hat mir dein Schwert den zarten Sproß gemäht,
Den teuren blonden Jungen. Da war die Freundschaft wett.
Drum heisch' ich itzt von dir nicht Gold, nicht Bruderbund,
Von deiner Hand verlang' ich den toten Neffen zur Stund!«

Von Rosses Rücken schwang sich Hagen nun zur Erde,
Da ließen auch Walthari und König Gunther die Pferde.
Zum Fußkampf standen sie, zwei wider einen Mann.
Die zweite Frühstund' war's, da hub das Streiten an.
Erst brach den Frieden Hagen und warf mit Macht den Speer,
Der flog in hohem Bogen mit Zisch und Zasch daher.

Walthari mochte nicht ausbeugen, doch er hielt
In schräger Richtung ihm entgegen seinen Schild;
Rückprallte das Geschoß als wie von Marmelstein,
Und wühlte bis an den Nagel sich in den nahen Rain.

Dann warf auch König Gunther den schweren Eschenschaft,
Er warf ihn kecken Mutes, doch nur mit schwacher Kraft,
Den Schildrand traf er nur und konnt' ihn nicht zerreißen,
Walthari schüttelte, da fiel das matte Eisen.
Das war ein schlimmes Zeichen. Itzt griffen sie zum Schwerte,
Doch grimmen Blicks Walthari sich mit der Lanze wehrte.
Die Klingen waren kurz, sie reichten nicht an ihn,
Da fuhr ein schlimmer Plan dem König durch den Sinn.
Sein abgeschossner Speer lag vor Waltharis Füßen,
Den hätt' er heimlich gerne zu sich zurückgerissen –
Er winkte mit dem Aug', daß Hagen vorwärts dringe,
Und stieß zurück zur Scheide die goldgeschmückte Klinge,
Da ward die Rechte frei zum Diebsgriff – und den Schaft
Hielt er schon festgepackt – und hätt' ihn auch errafft!
Doch auf den Hagen stürmte Walthari plötzlich her
Und trat mit starkem Fuß auf den gegriffnen Speer.

Der Überraschung ward der König sehr erschrocken,
Die Knie wankten ihm, sein Atem wollte stocken,
Schon war der Tod ihm nah. Doch sprang in schnellem Lauf
Ihm schirmend Hagen bei. Da stund er zitternd auf,
Es ward der bittre Kampf itzt ungesäumt erneut,
Fest stand Walthari noch, doch ungleich war der Streit –
Er stand, so steht der Bär, gejagt von wilder Hatze,
Unwillig vor der Meute und droht mit scharfer Tatze
Und duckt das Haupt und knurrt. Weh dem, der an ihn schwirrt
Er preßt ihn und umarmt ihn, bis er sich nimmer rührt,
Scheu flieht der Rüden Schar mit heulendem Gebelle. –
So flutete die Schlacht schon auf der höchsten Welle,
Dreifache Not des Todes auf jeder Stirne stand:
Die Wut, die Last des Kampfes und glüher Sonnenbrand.

Gepreßten Herzens schaute bereits Walthari um,
Ob sich kein Ausweg öffne. Zu Hagen rief er drum:
»O Hagdorn grün im Laub, du magst so gern mich stechen
Und mir die Heldenkraft mit kühnen Sprüngen brechen,
So schwerer Mühe satt will ich mit dir itzt ringen –
Und bist du riesenstark, ich will dich näher bringen!«

Er sprach's und hochaufspringend warf er die Lanze keck,
Sie traf und riß ein Stück ihm von der Rüstung weg
Und streifte seine Haut, doch nur ein wenig, an,
Dieweil gar starken Panzer sich Hagen umgetan.
Walthari aber riß das Schwert aus seiner Scheide.
Und stürmt' auf Gunther ein und schlug den Schild beiseite –
So wundersam gewaltigen Schwertschlag tat er behende,
Daß er ihm Bein und Schenkel ganz von der Hüfte trennte.

Halbtot auf seinem Schilde lag König Gunther da,
Selbst Hagen wurde blaß, wie solchen Schlag er sah.
Hoch schwang Walthari itzt die blutgefleckte Klinge,
Auf daß der wunde König den Todesstreich empfinge,
Doch Hagen warf dem Hieb das eigne Haupt entgegen,
Da sprühte von dem Helm hoch auf ein Funkenregen;
Der Helm war hart geschmiedet. Dann brach das Schwert mit Klirren,
Durch Luft und Busch und Gras zahllose Trümmer schwirren.

Walthari, wie ihm so die Klinge war zersplittert,
Fuhr unwirsch auf, es war sein Herz von Zorn durchschüttert,
Wegwarf verächtlich er den Griff – was sollt' er nützen,
Ob er auch kunstgefüget von Golde mocht' erblitzen?
Doch wie er unbedacht die Hand zum Wurf ausreckte,
Tat Hagen einen Hieb, der sie zu Boden streckte.

Da lag die tapfre Rechte, so furchtbar manchem Land,
So siegespreisgeschmückt – nun blutend in dem Sand.
Ob zwar ein linker Mann – Walthari war noch nicht
Der Kunst des Fliehens kundig, starr blieb sein Angesicht,
Er biß den Schmerz zusamm' und in den Schild einschob er
Den blutigen Stumpf und schnell mit linker Faust erhob er
Das krumme Halbschwert, das er einst im Hunnenland
Als Notbehelf sich um die rechte Hüfte band.

Das rächte ihn am Feind. Da ward dem grimmen Hagen
Sein rechtes Auge ganz aus dem Gesicht geschlagen,
Zersäbelt war die Stirn – die Lippen aufgeschlissen,
Dazu sechs Backenzähne ihm aus dem Mund gerissen.

So ward der Kampf geschlichtet – wohl durften beide ruhn.
Laut mahnten Durst und Wunden, die Waffen abzutun.
Da schieden hochgemut die Helden aus dem Streit,
An Kraft der Arme gleich und gleich an Tapferkeit.
Wahrzeichen ließ jedweder zurück von dem Gefechte,
Hier lag des Königs Fuß – dort lag Waltharis Rechte,
Dort zuckte Hagens Aug': so hob an jenem Platz
Sich jeder seinen Teil vom großen Hunnenschatz.

Die beiden setzten sich. Der dritte lag am Grunde.
Mit Blumen stillten sie den Blutstrom aus der Wunde.
Hiltgund, der zagen Maid, laut rief Walthari dann.
Die kam und legte guten Verband den Recken an.
Walthari drauf befahl: »Jetzt misch uns einen Wein,
Wir haben ihn verdienet, er soll uns heilsam sein.
Es sei der erste Trunk dem Hagen zugebracht,
Der war dem König treu und tapfer in der Schlacht.
Dann reich ihn mir, der ich das Schwerste hab erlitten,
Zuletzt mag Gunther trinken, der lässig nur gestritten.«
Die Jungfrau folgt dem Winke und bracht's dem Hagen dar,
Da sprach der Held, wie sehr er von Durst gequält auch war:
»Walthari, deinem Herrn, sei erst der Trunk gereicht,
Braver als ich und alle hat der sich heut erzeigt!«
Zwar müd, doch frischen Geists saß itzt beim Wein geeint
Hagen, der Dornige, mit seinem alten Freund.
Nach Lärm und Kampfgetös, Schildklang und schweren Hieben
Zum Becher dort die zwei viel Scherz und Kurzweil trieben.

»Zukünftig,« sprach der Franke, »magst du den Hirsch erjagen,
O Freund! und von dem Fell den Lederhandschuh tragen,
Und so du dir mit Wolle ausstopfest deine Rechte,
So meint doch mancher Mann, die Hand sei eine echte.
O weh, auch mußt fortan du allem Brauch entgegen
Um deine rechte Hüfte das breite Schlachtschwert legen,
Und will Hiltgunde einst dir in die Arme sinken,
So mußt du sie verkehrt umarmen mit der Linken,
Und alles, was du tust, muß schief und linkisch sein...
Walthari ihm erwidert: »O Einaug, halte ein!
Noch werd' ich manchen Hirsch als Linker niederstrecken,
Doch dir wird nimmermehr des Ebers Braten schmecken.
Schon seh' ich queren Auges dich mit den Dienern schelten
Und tapfrer Helden Gruß mit scheelem Blick entgelten.
Doch alter Treu gedenkend schöpf' ich dir guten Rat:
Bist du der Heimat erst und deinem Herd genaht,
Dann laß von Mehl und Milch den Kindleinbrei dir kochen,
Der schmeckt zahnlosem Mann und stärkt ihm seine Knochen.«

So ward der alte Treubund erneut mit Glimpf und Scherz,
Dann trugen sie den König, dem schuf die Wunde Schmerz,
Und hoben sänftlich ihn aufs Roß und ritten aus;
Nach Worms die Franken zogen, Walthari ritt nach Haus
Da ward mit hohen Ehren begrüßt der junge Held,
Und bald ward auch Hiltgunde dem Treuen unvermählt.
Nach seines Vaters Tod tät er der Herrschaft pflegen
Und führte dreißig Jahre sein Volk mit Glück und Segen;
Noch in manch schwerem Kampfe gewann er Sieg und Ruhm,
Doch stumpf ist meine Feder und billig schweig' ich drum.

Hochweiser Leser du, schenk meinem Werke Gnade!
Wohl gleicht mein rauher Reim dem Sang nur der Cikade,
Doch für das Höchste ist mein junger Sinn erglüht.
Gelobt sei Jesus Christ! – So schließt Waltharis Lied.

 << Kapitel 59  Kapitel 61 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.