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Victor von Scheffel: Ekkehard - Kapitel 51
Quellenangabe
typefiction
booktitleEkkehard
authorJoseph Victor von Scheffel
year1979
publisherFleischhauer & Spohn
addressStuttgart
isbn3-87230-301-5
titleEkkehard
pagesIII-XV, 1-419
created19990430
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
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Wiewohl ich an alten Geschichten keine absonderliche Freude gewonnen und es lieber höre, wenn zwei Schwerter aufeinander klirren oder ein Hahnen ins volle Faß geschlagen wird, so hab' ich doch einmal eine schöne Mär aufgelesen. Mußte dereinst in jungen Tagen ins Welschland hinunter reiten, da ging mein Weg durchs Tirol und über den Brennerberg, und war ein rauher steiniger Saumpfad, der über Kluft und Gefelse zog, also daß mein Roß ein Hufeisen einbüßte. Und war Abend worden, so kam ich an ein Dörflein, heißt Gothensaß oder Gloggensachsen, so aus den Zeiten Herrn Dietrichs von Bern dort inmitten alter Lärchenwälder wie im Versteck steht. An den Rücken des Berges gelehnt war zu äußerst ein burgartig Haus, davor lagen viel Eisenschlacken und sprühte ein Feuer drinnen und ward stark gehämmert. Da rief ich den Schmied herfür, daß er mein Roß beschlage, und wie sich niemand rührte, tat ich einen Lanzenstoß nach der Tür, daß sie sperrweit auffuhr, und tat dazu einen starken Fluch mit Mord und Brand und allem Bösen; so stund plötzlich ein Mann vor mir mit zottigem Haar und schwarzem Schurzfell, und war ich sein kaum ansichtig, so war auch schon meine Lanze niedergeschlagen, daß sie zersplitterte wie sprödes Glas, und eine Eisenstange über meinem Haupt geschwungen, und an des Mannes nackten Armen sprangen Sehnen herfür, als könnt' er einen Ambos sechzehn Klafter tief in die Erde hineinschmettern.

Da vermeinte ich, unter solchen Umständen möcht' ein höflich Wort nicht vom Übel sein, und sprach daher: Ich wollt' Euch nur um die Gewogenheit ersuchen, daß Ihr mein Roß beschlaget. Drauf stieß der Schmied seine Stange in den Erdboden und sprach: Das lautet anders und schafft Euch Rat. Aber Grobheit gilt nichts in Welands Schmiede, das mögt Ihr in Eurer Heimat weiter sagen.

Er beschlug mein Roß und ich sah, daß er ein ehrenwerter Schmied war, und ward ihm gut befreundet und ließ das Rößlein in seinem Stall stehen und blieb bei ihm in der Nachtherberge. Und wir tranken scharf bis in die Nacht hinein, der Wein hieß Terlaner und er schenkte ihn aus einem Schlauche. In währendem Trinken befrug ich den rußigen Gastfreund um Gelegenheit und Namen seiner Schmiede. Da lachte er hell auf und erzählte die Geschichte vom Schmied Weland. Fein war sie nicht, aber schön.

Herr Spazzo hielt eine Weile an und warf einen Blick auf den Tisch, wie einer, der sich nach einem Trunk Weines umschaut, trockene Lippen zu feuchten. Aber es war keiner zur Hand und man verstand den Blick nicht. Da fuhr er fort:

Woher der Weland gekommen, sprach der Mann von Gothensaß damals zu mir, ist hierlands nicht bekannt. Sie sagen, in nordischen Meeren, im Land Schonen sei der Riese Vade sein Vater gewesen, seine Großmutter aber eine Meerfrau, die kam aus der Tiefe, wie er geboren ward, und saß eine lange Nacht auf der Klippe und harfte: jung Weland muß ein Schmied werden! Da brachte Vade den Jungen zu Mimer, dem Schmiedungsverständigen, der hauste im dunkeln Tann zwanzig Meilen hinter Toledo und lehrte ihn viel mannigfache Kunst. Wie er aber sein erst Schwert geschmiedet, hieß ihn Mimer selber weiter ziehen, auf daß er die letzte Meisterschaft bei den Zwergen erringe. Und Weland ging zu den Zwergen und gewann viel Ruhm.

Da brachen die Riesen ins Zwergenland, daß Weland weichen mußte, und blieb ihm nichts als sein breites Schwert Mimung, das schnallte er über den Rücken und kam ins Land Tirol. Zwischen Eisack, Etsch und Inn aber saß dazumal der König Elberich, der nahm den Weland freundlich auf und wies ihm die Waldschmiede zu am Brenner, und Eisen und Erz und was sonst in des Gebirges Adern verborgen ruht, sollte all des Weland sein.

Und dem Weland ward's wohl und fröhlich ums Herz in den Tiroler Bergen; die Wildwasser rauschten zu ihm heran und trieben das Radwerk, der Sturm blies ihm das Herdfeuer an und die Sterne sprachen: wir müssen uns anstrengen, sonst glänzen die Funken, die Weland schlägt, heller denn wir.

So gedieh Welands Arbeit wohl. Schildesrand und Schwert, Messer und Pokal und was an Kleinod eines Königs Hofburg ziert, wirkte der Sinnige, und war kein Schmied, so weit die Sonne auf Alpenschnee glänzte, sich mit Weland zu messen. Elberich aber hatte viele böse Feinde, die einten sich und setzten den einäugigen Amilias zu ihrem Führer und brachen ins Land ein. Und Elberich trug großes Herzeleid und sprach: Wer mir des Amilias Haupt brächte, mein einzig Töchterlein sollt ihn dafür küssen als Ehgemahl! Da löschte Weland sein Schmiedfeuer, schnallte sein breites Schwert Mimung um und zog aus gegen Elberichs Widersacher. Und das Schwert war brav und schlug dem Amilias das Haupt ab, daß aller Feind über Joch und Klausen heimlief. Weland aber brachte seinem König das Haupt. Da sprach der zürnend: Was ich von meiner Tochter angelobet, das hat der Wind verweht; ein Schmied kann nicht mein Sohn sein, deß würden meine Hände rußig, wenn er den Gruß mir bieten wollt'. Aber als Lohn sollst du drei Goldpfennige haben, dafür kann ein Mann furnieren und stechen, reigen und tanzen, zieren und pflanzen und eine Dirne sich kaufen am Markt. Weland warf ihm die drei Goldpfennige vor die Füße, daß sie unter den Thron rollten, und sprach: Behüt Euch Gott, auf Nimmerwiedersehen! und wandte sich, aus dem Lande zu gehen. Der König aber wollte den Schmied nicht missen, darum ließ er ihn niederwerfen und die Sehnen am Fuß durchschneiden, daß er hinkend ward und ungemut und des Fliehens vergessen mußt'.

Und Weland schleppte sich traurig in die Waldschmiede heim und zündete sein Feuer wieder an, aber er pfiff und sang nimmer, wenn er mit schwerem Hammer das Eisen schlug, und sein Gemüt ward ingrimmig. Da kam einsmals des Königs Sohn, der war ein rotwangiger Knab und war allein in den Wald gezogen und sprach: Weland, ich will dir zuschauen. Da sprach der Schmied tückisch: Stell dich an den Ambos, so schaust du alles am besten, – und zog die glühende Eisenstange aus den Flammen und stieß sie dem Königsknaben durchs Herz. Sein Gebein bleichte er und goß um die Knochen viel Erz und Silber, daß sie zu Säulen der Leuchter wurden, um den Schädel aber fügte er einen Goldrand, da ward der Schädel zum Becher. All dies aber sandte Weland dem Elberich, und wie die Boten geritten kamen und nach dem Knaben fragten, sprach er: Ich sah ihn nimmer, er ist zu Wald gerannt.

Zu selber Zeit erging sich des Königs Tochter in ihrem Garten; die war so schön, daß sich die Lilien vor ihr neigten. Am Zeigefinger trug sie einen Ring von Gold, gestaltet wie eine Schlange, und ein Karfunkel blitzte im Schlangenhaupt, den hatte Elberich selbst eingefügt und hielt den Ring teurer als ein Königreich und schenkte ihn seiner Tochter nur, weil sie in ihrer Schöne ihm über alles lieb war. Dieweil sie aber eine Rose pflückte, sprang der Ring von der Jungfrau Finger und hüpfte mit hellem Schein über das Gestein und zerbrach; und der Karfunkel fiel aus der güldenen Fassung, daß die Maid die Hände rang und bitterlich wehklagte und sich nicht traute heimzugehen, denn sie fürchtete ihres Vaters Zorn.

Da sprachen die dienenden Frauen: Geh heimlich zum Schmied Weland, der weiß Rat dafür. So trat die Königstochter in Welands Schmiede und klagte ihre Not. Der nahm den Ring und fügte ihn zusammen und schmolz Gold und Erz und der Karfunkel blitzte wieder im Schlangenhaupt. Aber Welands Stirn war tief gefurcht, und wie die Jungfrau ihm freundlich zulachte und gehen wollt', da sprach er: Hei! wie kommst du mir geschlichen! und warf die feste Tür ins Schloß und legte Riegel vor und griff die Königstochter mit starker Hand und trug sie in die Kammer, wo Moos und Farrenkraut geschichtet lag. Und wie sie von dannen ging, weinte sie und raufte ihr seidenweich Haar...

Ein Geräusch unterbrach Herrn Spazzo. Praxedis hatte zur Herzogin aufgeschaut, ob sie nicht etwa errötend aufspringen und Herrn Spazzo den Mund schließen solle; doch aus dem strengen Antlitz war nichts zu lesen. Darum trommelte sie ungeduldig mit den Fingern auf ihrer Laute

... und es war eine Gewalttat geschehen, fuhr Herr Spazzo unbeirrt fort. Da hub Weland ein Singen und Jodeln an, wie die Waldschmiede es nimmer gehört, seit ihm die Sehnen zerschnitten worden. Dann ließ er Schwerter und Schilde unvollendet und schmiedete Tag und Nacht und schmiedete zwei große Flügel und war kaum fertig, so kam Elberich mit Heeresmacht den Brenner herabgeritten. Da band Weland die Flügel an und hing sein Schwert Mimung um und trat auf die Zinne, daß die Leute riefen: Sehet, der Weland ist ein Vogel geworden!

Er aber rief mit starker Stimme vom Turm: Behüt Euch Gott, König Elberich! Ihr werdet des Schmiedes gedenken. Den Sohn hat er erschlagen, die Tochter trägt ein Kind von ihm. Ade, ich laß sie grüßen, rief's und seine ehernen Flügel hoben sich und rauschten wie Sturmwind, und er fuhr durch die Lüfte. Der König griff seinen Bogen und alle Ritter spannten in grimmer Eil, wie ein Heer fliegender Drachen schossen die Pfeile ihm nach, doch Weland hob die Schwingen, kein Eisen traf ihn nicht, und flog heim nach Schonen auf seines Vaters Schloß und ward nicht mehr gesehen. Und Elberich hat seiner Tochter den Gruß nicht ausgerichtet. Sie aber genaß noch in demselben Jahrgang eines Knaben, der hieß Wittich und ward ein starker Held, wie sein Vater.

Das ist der Mär' von Weland Ende!Dieser fabelhafte Ahnherr aller Grobschmiede war seit altersher der deutschen Volksüberlieferung eine entschieden beliebte Gestalt. Bis ins vorige Jahrhundert trug ein Haus in Würzburg nach ihm den Namen »zum großen Schmied Wieland«. Das alte deutsche Gedicht, welches ihn zum Helden erkor, ist uns nicht mehr erhalten, die nordische Sage aber hat ihm die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Siehe Wilkina Sage Kap. 19-30, bei von der Hagen, altdeutsche und altnordische Heldensagen I. 56 und ff.

Herr Spazzo lehnte sich zurück und tat einen langen behaglichen Atemzug. Ein zweites Mal werden sie mich in Ruhe lassen, dachte er. Der Eindruck des Erzählten war verschieden. Die Herzogin sprach sich lobend aus, des Schmiedes Rache mutete sie an; Praxedis schalt, es sei eine rechte Grobschmiedsgeschichte, man sollte dem Kämmerer verbieten, sich noch vor Frauen sehen zu lassen. Ekkehard sprach: Ich weiß nicht, mir ist, als hätt' ich Ähnliches gehört, aber da hieß der König Nidung und die Schmiedewerkstätte stand am Kaukasus.

Da rief der Kämmerer zürnend: Wenn Euch der Kaukasus vornehmer ist wie Gloggensachsen, so mögt Ihr's dorthin verlegen; ich weiß noch recht wohl, wie mir mein Tiroler Freund den Ort genau gewiesen.Siehe Steub, Zur räthischen Ethnologie p. 103. s. v. Gossensaß und Drei Sommer in Tirol p. 504. Über der Kammertür war eine geknickte Rose von Erz geschmiedet und auf dem Turm ein eiserner Adlerflügel, und stand eingegraben; hie flog der Schmied von dannen. Dann und wann kommen Leute hinabgewallfahrtet und beten und glauben, der Weland sei ein großer Heiliger gewesen.Welandus ab aliquibus Sanctus dictus... Acta Sanctorum. Mart. tom. I. 364.

Lasset sehen, wer Herrn Spazzo den Preis jetzt streitig machen soll, sprach die Herzogin und mischte die Lose. Sie zogen. Der kleinste Halm blieb in Praxedis' Hand. Die tat weder verlegen, noch bat sie um Nachsicht; sie fuhr mit der weißen Hand über die dunkeln Haarflechten und begann:

Mir haben zwar die Ammen keine Wiegenlieder von alten Recken gesungen und in den Waldschmieden bin ich, Gott sei es gedankt, niemalen eingekehrt, aber selbst in Konstantinopel geht die Rede von solcherlei Abenteuer. Und wie ich am Kaiserhof unterwiesen ward in allen Künsten, die dienenden Maiden wohl anstehen, da war eine alte Schlüsselbewahrerin, die hieß Glycerium, die sprach oft zu uns:

Höret, Mägdlein, so ihr je einer Prinzessin dienet, und ihr Herz ist in heimlicher Minne entbrannt, und sie kann den nicht sehen, den sie begehrt, so müsset ihr schlau sein und bedachtsam wie die Kammerfrau Herindis, da der König Rother um des Kaisers Konstantinus Tochter geworben. Und wenn wir im Frauensaal beisammen saßen, da ward gewispert und geflüstert, bis Glycerium, die Alte, erzählte vom König Rother.

Vor alten Zeiten saß in der Meerburg am Bosporus der Kaiser Konstantinus, der hatte eine wunderbar schöne Tochter, und die Leute sprachen von ihr, sie sei strahlend wie der Abendstern und leuchte unter allen Maiden wie der Goldfaden in der Seiden. Da kam eines Tages ein Schiff gefahren, daraus stiegen zwölf edle Grafen und zwölf Ritter und ritten in Konstantinus' Hof ein, und einer ritt voran, der hieß Lupolt. Und alles Volk der Hauptstadt staunte über sie, denn Mäntel und Gewande waren schwer von Edelstein und Jachanten besetzt, und an den Sätteln der Rosse klang's von goldenen Schellen. Das waren die Boten des Königs Rother von Wikingland, und Lupolt sprang vom Roß und sprach zum Kaiser:

Uns schickt unser König, geheißen Rother, der ist der schönste Mann, der je vom Weibe kam, ihm dienen die besten Helden und an seinem Hof ist Ball und Schall und Federspiel, soviel das Herz begehrt. Er aber ist unbeweibt und sein Herz steht einsam, Ihr solltet ihm Eure Tochter geben! Konstantinus aber war ein zornmütiger Herr; grimm warf er seinen Reichsapfel zu Boden und sprach: Um meine Tochter hat noch keiner geworben, der nicht den Kopf verloren, was bringt Ihr mir solchen Schimpf über das Meer? Ihr seid alle gefangen! Und ließ sie in einen Kerker werfen, da schien weder Sonne noch Mond drein, und bekamen nur Wasser, sich zu laben, und weinten sehr.

Wie die Kunde zum König Rother kam, da ward ihm sein Herz traurig und er saß auf einem Stein und sprach zu niemand. Dann faßte er den Entschluß, in Reckenweise über Meer zu fahren und seinen getreuen Sendboten beizuspringen. Und er war verwarnt vor den Griechen, daß man dort die Wahrheit übergülden müsse, so man etwas beschaffen wolle, darum hieß er seine Recken eidlich angeloben, daß sie alle vorgäben, er heiße nicht Rother, sondern Dietrich, und sei landflüchtig vor dem König Rother und begehre Hilfe bei dem Griechenkaiser. Also fuhren sie über Meer.

Und Rother nahm seine Harfe an Schiffes Bord, denn bevor seine zwölf Gesandten die Anker gelichtet, war er mit der Harfe an den Strand gekommen und hatte drei Singweisen gegriffen, das sollte ihnen ein Andenken sein! Und kommet ihr je in Not und höret die Weisen erklingen, so ist Rother helfend euch nah!

Es war ein Ostertag und der Kaiser Konstantin war nach dem Hippodrom ausgeritten, da hielt Rother seinen Einzug. Und alle Bürgersleute von Konstantinopel liefen zusammen; das war noch nie erschaut, denn Rother brachte auch seine Riesen mit sich: der erste hieß Asprian und trug eine Stahlstange, die war vierundzwanzig Ellen lang, der zweite hieß Widolt und war so wildwütig, daß sie ihn in Ketten mitführen mußten, der dritte hieß Abendrot.

Und viel tapfere Degen kamen mit Rother geritten, und zwölf Wagen mit Schätzen fuhren an, und war solche Pracht, daß die Kaiserin sprach: O weh, wie dumm sind wir gewesen, daß wir unsere Tochter dem König Rother versagten; was muß der für ein Mann sein, der solche Helden vertreibt über die Meere!

König Rother trug einen güldenen Harnisch und einen purpurnen Waffenrock und zwei Reihen schöner Ringe am Arm und beugte sein Knie vor dem Griechenkaiser und sprach: Mich Fürsten Dietrich hat ein König in Acht getan, der heißt Rother, nun ist alles, was ich gearbeitet, zu meinem Schaden. Ich biet' Euch meine Dienste an.

Da lud Konstantinus die Helden alle zum Hippodromushof und hielt sie in hohen Ehren und hieß sie zu Tisch sitzen. Es lief aber da ein zahmer Löwe herum, der gewohnt war, den Knechten das Brot wegzufressen. Der kam auch an Asprians Teller, ihn aufzulecken. Da griff Asprian den Löwen an der Mähne und warf ihn an des Saales Wand, daß er zerbrach. Und die Kämmerer sprachen zu einand: Wer nicht an die Wand fliegen will, lasse dieses Mannes Teller unberührt.

König Rother aber teilte den Griechen viel schöne Geschenke aus; jedem, der ihn auf der Herberge besuchte, hieß er einen Mantel verehren oder ein Stück Gewaffen. Es kam auch ein landflüchtiger Grafe daher, dem schenkte er tausend Mark Silber und nahm ihn in Dienst, also daß viel hundert Ritter in sein Gefolge traten. So war in aller Munde des vermeinten Dietrichs Preis, und unter den Frauen hob sich ein Wispern und Raunen, es war keine Kemenate, daß die Wände nicht Herrn Dietrich rühmen hörten.

Da sprach die goldlockige Kaiserstochter zu Herlindis, ihrer Kammerfrau: O weh mir! wie soll ich es anfangen, daß ich desselben Herrn ansichtig werde, den sie alle preisen?

Herlindis aber entgegnete: Nun bitte deinen Vater, daß er ein Freudenfest gebe am Hofe und den Helden dazu lade, so magst du ihn am besten ersehen.

Die Kaiserstochter tat nach Herlindis' Rat und Konstantinus nickte ihr zu und entbot seine Herzoge und Grafen zum Hippodromushofe und die fremden Helden dazu. All die Geladenen kamen, da hob sich ein unsäglich Gedränge um den, den sie Dietrich nannten, und wie die Kaiserstochter mit ihren hundert Frauen eintrat, geziert mit güldener Krone und gold- und cyklatgesticktem Mantel, brach gerade ein ungefüger Lärm aus. Asprian, den Riesen, hatte ein Kämmerer auf seiner Bank rücken geheißen, daß andere Leute auch Platz bekämen, da schlug Asprian dem Kämmerer einen Ohrschlag, daß ihm der Kopf entzwei brach, und es gab ein bös Durcheinander, so daß Dietrich Ruhe stiften mußt'.

Darum konnte die Kaiserstochter des Helden nicht ansichtig werden und hätte ihn doch so gerne gesehen.

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