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Victor von Scheffel: Ekkehard - Kapitel 45
Quellenangabe
typefiction
booktitleEkkehard
authorJoseph Victor von Scheffel
year1979
publisherFleischhauer & Spohn
addressStuttgart
isbn3-87230-301-5
titleEkkehard
pagesIII-XV, 1-419
created19990430
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
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Achtzehntes Kapitel

Herrn Spazzo, des Kämmerers, Gesandtschaft

An einem kühlen Sommermorgen schritt Ekkehard den Burgweg entlang in die wehende Frühluft hinaus. Eine schlaflose Nacht lag hinter ihm; er war auf seiner Stube auf- und niedergeschritten, die Herzogin hatte wilde Gedanken in ihm aufgejagt. In seinem Kopf summte und schwirrte es, als streiche ein Flug Wildenten drin herum. Er mied Frau Hadwigs Anblick und sehnte sich doch in jeder Minute, da er fern, in ihre Nähe.

Die alte frohe Unbefangenheit war verflogen, sein Wesen zerstreut und fahrig geworden; jene Zeit, die noch keinem Sterblichen erspart ward, die der brave Gottfried von Straßburg hernachmals ein »stetes Leid bei stetiglicher Seligkeit« geheißen, brach über ihn herein.

Vor sinkender Nacht hatte ein Gewitter getobt. Er hatte sein Fensterlein geöffnet und sich der Blitze erfreut, wenn sie das Dunkel durchzuckten, daß ein greller Schein die Ufer des Sees hell heraushob, und hatte gelacht, wenn's wieder finster ward und der Donner schütternd über die Berggipfel rollte.

Jetzt war sonniger Morgen. Auf dem Gras perlten tauige Tropfen, zwischen drein im Schatten auch dann und wann ein ungeschmolzenes Eiskorn. Schweigend lag Berg und Tal, aber die gebräunte Frucht der Felder ließ ihre Halme geknickt zu Boden hangen, Hagelschlag hatte in der hochstrebenden Ernte gewütet. Aus den Felsen des Berges rieselten trübfarbige Bächlein talabwärts.

Noch regte sich's nicht auf der Flur; es war kaum nach dem ersten Hahnenschrei. Nur fern über das Hügelland, das im Rücken des hohen Twiel sich wellenförmig ausdehnt, kam ein Mann geschritten. Das war der Hunn' Cappan. Er trug Weidengerten und allerhand Schlingen und ging an seine Arbeit, den Feldmäusen nachzustellen. Fröhlich pfiff er auf einem Lindenblatt, – das Bild eines glücklichen Neuvermählten, ihm war in der langen Friderun Armen ein neues Leben aufgegangen.

Wie geht's? fragte ihn Ekkehard mild, als er an ihm vorüberschritt und ihn demütig grüßte. Der Hunn' deutete in die blaue Luft hinauf; wie im Himmel! sagte er und drehte sich vergnügt auf seinem Holzschuh. Ekkehard wandte sich. Noch lang tönte des Schermausfängers Pfeifen durch die Morgenstille, er aber schritt zum Abhang der Felsen. Dort lag ein verwitterter Stein; ein Fliederbusch wölbte sich drüber mit üppig weißen Blüten. Ekkehard setzte sich. Lang schaute er in die Ferne, dann zog er ein von zierlicher Decke umfaßtes Büchlein aus seiner Kutte und hub an zu lesen. Es war kein Brevier und kein Psalterium. Das hohe Lied Salomonis! hieß die Überschrift; das war kein gut Buch für ihn. Sie hatten ihn zwar einstens gelehrt, der lilienduftige Sang gelte dem brünstigen Sehnen nach der Kirche, der wahren Braut der Seele; er hatte es auch in jungen Tagen studiert, unangefochten von den Gazellenaugen und taubenweichen Wangen und palmbaumschlanken Hüften der Sulamitin. Jetzt las er's mit anderem Sinne. Ein süßes Träumen umfing ihn.

»Wer ist die welche hervortritt wie die aufgehende Morgenröte, schön wie der Mond, erwählet wie die Sonne und schrecklich wie eine wohlgeordnete Schlachtordnung?« Er schaute hinauf zu den Zinnen des hohen Twiel, die im Frührot glänzten, und wußte die Antwort.

Und wieder las er: »Ich schlafe, aber mein Herz wachet. Da ist die Stimme meines Geliebten, der anklopfet: Tue mir auf, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, denn meine Stirn ist voll Taues und meine Haarlocken voll perlender Tropfen.« Ein Luftzug schüttete ihm die weißen Fliederblüten aufs Büchlein, Ekkehard schüttelte sie nicht ab, er neigte sein Haupt und saß regungslos...

Unterdes hatte Cappan wohlgemut sein Tagewerk begonnen. Es war ein Grundstück drunten in der Ebene an der Grenze des Hohentwieler Bannes; dort hatten die Feldmäuse ihr Heerlager aufgeschlagen, die Hamster schleppten ganze Wintervorräte des guten Korns in ihren Backentaschen von dannen, und die Maulwürfe zogen ihre Schachte in den kiesigen Boden. Dahin war Cappan beordert. Wie ein Staatsmann in aufruhrdurchwühlter Provinz sollte er ein geordnet Verhältnis herstellen und das Land säubern von Gesindel. Die Fluten des Gewitters hatten die verborgenen Gänge aufgespült. Leise grub er nach und schlug manch eine Feldmaus im Frührotscheine tot, ehe sie sich dessen versah, dann stellte er sorgsam seine Schlingen und Weidenruten, an andere Orte streute er ein giftig Lockspeislein, das er aus Aaronswurz und Einbeer zusammen gekocht, und pfiff fröhlich zu seinem Mordwerk und ahnte nicht, was für schwere Wolken sich über seinem Haupte zusammenzogen.

Das Grundstück, wo er hantierte, stieß an Reichenauer Feldmark. Wo der alte Eichwald seine Gipfel regte, ragten etliche Strohdächer ins Waldesgrün hinein; das war der Schlangenhof. Der gehörte dem Kloster zu mit viel Huben Ackerland und Waldes; eine fromme Witfrau hatte ihn dem heiligen Pirminius zum Heil ihrer Seele vergabt. Jetzt saß ein Klostermeier darauf, ein wilder Mann mit knorrigem Schädel und harten Gedanken drin; er hatte viel Knechte und Mägde und Roß und Zugvieh und gedieh wohl, denn die kupferbraunen Schlangen, die in Stall und Hof nisteten, pflegte er rechtschaffen und ließ die Milchschüssel in der Stallecke nie leer werden, also daß sie ganz zahm und fröhlich in dem Stroh herumspielten und niemanden ein Leides taten. Die Schlangen sind des Hofes Segen, sprach der Alte oftmals, das ist bei uns Bauern anders als an des Kaisers Hof.

Seit zwei Tagen aber hatte der Klostermeier keine gute Stunde mehr gehabt. Die schweren Gewitter schufen ihm Sorge für Frucht und Feld. Als ihrer drei sonder Schaden vorübergegangen waren, ließ er anspannen und einen Sack vormjährigen Roggen aufladen und fuhr hinüber zum Diakon am Singener Kirchlein. Der lachte auf seinem Stockzahn, wie des Klostermeiers Gespann aus dem Walde vorgefahren kam; er kannte seinen Kunden. Seine Pfründe war mager, aber aus der Menschen Torheit fiel ihm immer noch ein Hinlängliches ab, daß er seine Wassersuppen schmelzen konnte.

Der Klostermeier hatte seinen Kornsack bei ihm abgeladen und gesagt: Meister Otfried, Ihr habt Euer Sach brav gemacht und von meinen Äckern das Wetter ordentlich weggebetet. Vergeßt mich nicht, wenn's wiederum zu donnern kommt!

Und der Diakonus hatte ihm geantwortet: Ich denk', Ihr habt mich gesehen, wie ich unter dem Kirchtürlein stand, nach dem Schlangenhof gewendet, und aus dem Weihbrunn drei Kreuze gegen das Wetter gespritzt hab' und den Spruch von den heiligen drei Nägeln dazu, der hat Schauer und Hagel landabwärts gejagt.Siehe Vita S. Liobae bei Mabillon Acta Benedict. saec. 3. pars 2. 229. (ed. Venet. 1734) Euer Roggen könnt' ein gut Brot geben, Klostermeier, wenn noch ein Stümplein Gerstenkorn dazu gefügt wäre.

Da war der Klostermeier wieder heimgefahren und gedachte just ein Säcklein mit Gerste zu richten, als verdiente Zulage für seinen Anwalt beim Himmel. Aber schon wieder türmte sich ein giftschwarz Gewölk auf, und wie es tiefdunkel über dem Eichwald stand, kam ein weißgrau Wölklein heraufgezüngelt, das hatte fünf Zacken wie Finger einer Hand, und schwoll an und schoß Blitze und war ein Hagelwetter, fährlicher als alles frühere. Der Klostermeier war zuversichtlich unter seiner Einfahrt gestanden; »der von Singen sprengt mir's wieder weg,« hatte er gedacht; aber wie die schweren Eisgeschosse in sein Kornfeld einschlugen und die Ähren umsanken, wie pfeilerschossene Jugend im Feldstreit, und alles geknickt lag, da schlug er mit geballter Faust auf den Eichentisch: Verflucht sei der Lügner in Singen! In heller Verzweiflung wollt' er jetzt ein althegauisches Hausmittel anwenden, nachdem des Diakons Zauber fruchtlos. Er riß ein paar Eichenzweige vom nächsten Stamm und zupfte das Laub zu einer Streu zusammen, das tat er in sein altehrwürdiges Hochzeitsgewand und hing's an die mächtige Hauseiche. Aber die Hagelkörner schlugen fort und fort in die Kornernte trotz Hochzeitrock und Eichblattstreu. Wie fest gebannt schaute der Klostermeier auf den im Regen schwebenden Bündel, ob sich der Wind draus erhebe, der den Regen verjagt. Der Schönwetterwind blieb aus. Da zogen sich seine Augbrauen grimmig zusammen, er biß sich in die Lippen und schritt in seine Stube. Die Knechte wichen ihm auf zehn Schritt aus, sie wußten, was es hieß, wenn ihr Meister die Lippen biß. Schier zusammengebrochen warf er sich an den eichenen Tisch und sprach lang kein Wort. Dann tat er einen fürchterlichen Fluch. Wenn der Klostermeier fluchte, war's schon besser. Der Großknecht kam schüchtern herbei und stellte sich ihm gegenüber; er war ein riesiger Sohn Enaks, aber vor seinem Meister stand er blöd wie ein Kind.

Wenn ich die Hexe wüßte! sprach der Meier, die Wetterhexe, die Wolkentrude! Die sollte ihren Rock nicht umsonst über den Schlangenhof ausgeschüttelt haben... Daß ihr die Zunge im Mund verdorre!

Braucht's eine Hexe zu sein? sagte der Großknecht. Seit das Waldweib am Krähen drüben landflüchtig worden, läßt sich keine mehr gespüren.

Schweig! schalt der Klostermeier grimmig, bis du gefragt bist.

Der Knecht blieb stehen, er wußte, daß es noch an ihn kommen werde. Sie schwiegen eine Zeit. Dann fuhr ihn der Alte an: Was weißt?

Ich weiß, was ich weiß, sagte der Knecht pfiffig.

Sie schwiegen wiederum eine Weile. Der Klostermeier hatte zum Fenster hinausgeschaut, die Ernte war vernichtet. Er wandte sich.

Sags! rief er.

Habt Ihr die Wetterwolke gesehen, sprach der Knecht, wie sie übers Dunkel hingefahren ist? Was war's? Das Nebelschiff war's! Es hat einer unser Korn den Nebelschiffern verhandelt...

Der Klostermeier schlug ein Kreuz, als wollt' er ihm die weitere Rede wehren.

Ich kenn's von meiner Großmutter her, fuhr der Knecht fort. Die hat's im Elsaß drüben oft erzählen hören, wenn das Wetter über den Odilienberg sauste. Aus dem Land Magonia kommt's hergesegelt, das Nebelschiff, weiß über die schwarzen Wolken, Fasolt und Mermuth sitzen drinnen, die hageln die Körner aus den Halmen, wenn ihnen der Wetterzauberer Macht drüber gegeben, und heben unser Getreide ins Luftschiff hinauf und fahren wieder heim nach Magonia und zahlen einen guten Lohn... plerosque autem vidimus et audivimus tanta dementia obrutos, tanta stultitia alienatos, ut credant et dicant, qandam esse regionem, quae dicatur Magonia, ex qua naves veniant in nubibus, in quibus fruges, quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt, vehantur in eandem regionem, ipsis videlicet nautis aëreis dantibus pretia Tempestariis et accipientibus frumenta vel ceteras fruges. Agobard. contra insulsam vulgi opinionem de grandine et tonitruis I. 146 (ed. Baluze). Das Nebelschiff rufen, trägt mehr ein als Messe lesen; uns aber bleiben die Hülsen.

Der Klostermeier ward nachdenklich. Dann griff er den Knecht am Kragen und schüttelte ihn.

Wer? rief er heftig.

Der Knecht aber legte den Finger auf den Mund. Es war späte Nacht geworden.

In der gleichen Frühstunde, da Cappan dem Ekkehard begegnet war, ging der Klostermeier mit dem Großknecht über die Felder, den Schaden zu beschauen. Sie sprachen kein Wort. Der Schaden war groß. Aber das Land jenseits war minder verheert, als ob die Eichen des Waldes eine Grenzscheide für Einschlag des Hagels gezogen. Auf dem nahen Grundstück trieb Cappan seine Arbeit. Er hatte das Stellen der Fallen beendet und gedachte eine Weile zu ruhen. Er zog aus dem Gürtel ein Stück schwarzes Brot und eine Speckseite, die glänzte weich und weiß, wie frischgefallener Schnee, und war so schön, daß er mit Rührung seiner neuen Ehefrau gedenken mußte, die ihm solche Atzung zugesteckt. Und er dachte an allerlei, was sich seit der Hochzeit zwischen ihm und ihr zugetragen und schaute sehnsüchtig zu den Lerchen empor, als sollten sie hinüberfliegen zur Kuppe des hohen Stoffeln und ihm Haus und Ehebett grüßen, und es ward ihm so wohl zu Mut, daß er wieder einen mächtigen Luftsprung tat. Weil sein schlankes Ehgemahl nicht anwesend, gedachte er, sich jetzt des langen Weges zur Erde zu legen, um seinen Imbiß zu verzehren, denn daheim hatte er sich immer noch zum Sitzen bequemen müssen, so sauer es ihm auch ward. Da schoß ihm durch den Sinn, daß ihm Friderun zu besserem Segen bei seiner Hantierung einen Spruch gelehrt, das Ungeziefer zu beschwören, und ihm streng aufs Herz gelegt, solchen Spruch nicht zu versäumen.

Sein Frühmahl hätt' ihm nimmer geschmeckt, bevor er dem Befehl gehorchet.

An des Feldes Grenze war ein Stein, drein ein Halbmond gehauen, Frau Hadwigs Herrschaftszeichen. Er trat vor, zog seinen Holzschuh vom rechten Fuß, trat barfüßig auf den Grenzstein und hob die Arme nach dem Wald hin. Der Klostermeier und sein Knecht gingen zwischen den Eichen; sie blieben stehen, er sah sie nicht und sprach den Spruch, wie Friderun ihn gelehrt: Aius, sanctus, cardia cardiani! Maus und Mäusin, Talp und Talpin, Hamster und Frau Hamsterin, lasset das Feld, wie es bestellt; fahrt in die Welt! Fahret hinunter, hinüber ins Moor, Fieber und Gicht laßt euch nimmer hervor! Afrias, aestrias, palamiasit!Durch alle Völker geht der Glaube, daß im gebundenen feierlich gefaßten Wort eine zauberische Kraft verborgen ruhe, die zu Segen und Fluch gedeihlich verwendet werden möge. Von dem rätselhaften römisch-sabinischen Zauber gegen Verrenkung, den schon der alte Cato (de re rustica 160) anführt, von den nordischen Runen, von den echten ehrwürdigen Merseburger Heilsprüchen bis auf das unverständliche Kauderwelsch, mit dem heutigestags, wenn just kein Arzt oder anzeigedrohender Ortsdiener in der Nähe ist, der ländliche Viehdoktor den suchtkranken Haushund oder das räudige Schaf beschwört: überall derselbe Grundgedanke von der Macht rhythmisch gebundener Rede. Man traute eben ehedem der Poesie Größeres und Praktischeres zu als jetzt. – Vieles an den Formeln ist sinnlos geworden, namentlich die geheimnisvollen Worte am Beginn und Ausgang. Sie haben einst ihre Bedeutung gehabt; imposanter wurden sie, wie manches andere, wohl von der Zeit an, wo man sie nicht mehr verstand. Wie feierlich klingt das »daries, dardaries, astaries, Disunapiter!« mit dem Catos Verrenkungsspruch sich einleitet, wie rätselvoll das »alau, tahalaui, fugau!« in dem lateinischen Spruch, der die verirrten Klosterschweine segnend zurückbeschwören soll! (Sanktgallische Handschrift 111 bei Hattemer, Denkmale usw. I. 410.) Siehe überhaupt Grimm, Mythologie cap. 38.

Der Klostermeier und der Großknecht hatten hinter den Eichen der Beschwörung gelauscht; jetzt schlichen sie näher. Afrias, aestrias, palamiasit! sprach Cappan zum zweitenmal, da fuhr ihm ein Schlag ins Genick, daß er zu Boden stürzte, seltsame Laute klangen an des Überraschten Ohr, vier Fäuste arbeiteten sich müd auf seinem Rücken, wie Flegel der Drescher in der Scheune.lex Alamannorum tit. 45. de rixis, quae saepe fieri solent in populo.

Gesteh's, Kornmörder! rief der Klostermeier dem Hunnen zu, der nicht wußte, wie ihm geschah, was hat dir der Schlangenhof für Leids getan, Wettermacher, Mausverhetzer, Teufelsbraten?

Cappan hatte keine Antwort, ihm schwindelte. Das erzürnte den Alten noch mehr.

Schau ihm ins Aug'! rief er dem Knecht zu, ob's trieft und ob's dich verkehrt abspiegelt, den Kopf nach unten. – Der Knecht tat, wie geheißen. Aber er war ehrlich. Im Aug' sitzt's nicht, sprach er.

So lupf' ihm den Arm!

Er riß dem Darniedergeschlagenen das Obergewand ab und prüfte den Arm. Wer mit bösen Geistern Verbindung pflog, war irgendwo am Leib gezeichnet. Aber sie fanden kein Fehl an dem Mitleidswerten, nur etliche altvernarbte Wunden. Da wären sie schier wieder zu seinen Gunsten gestimmt worden; die Menschen waren dazumal, wie ein Geschichtschreiber sagt, in ihren Leidenschaften nach Art der Wilden auffahrend und jäh veränderlich. Aber des Knechts Blick fiel von ungefähr aufs Erdreich, da kroch ein großer Hornschröter des Weges; violschwarz glänzten die Flügeldecken und die rötlichen Hörner standen ihm stolz, wie ein Geweih. Er hatte sich des Cappan Mißhandlung angeschaut und wollte jetzt feldeinwärts, denn er fand kein Wohlgefallen dran.

Der Knecht aber fuhr erschrocken zurück.

Der Donnergugi! rief er.

Der Donnerkäfer! rief der Klostermeier desgleichen. Jetzt war Cappan verloren. Daß er mit dem Käfer das Wetter gemacht, litt keinen Zweifel mehr, Hornschröter zieht Blitz und Hagel nieder.

Mach Reu und Leid, Heidenhund! sprach der Meier und griff nach seinem Messer. Es fiel ihm etwas ein. Auf dem Grab seiner Brüder soll er's büßen, sprach er weiter. Er hat das Wetter beschworen, die Hunnenschlacht zu rächen, Art läßt nicht von Art.

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