Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Anna Katherine Green >

Einer meiner Söhne

Anna Katherine Green: Einer meiner Söhne - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorAnna Katherine Green
titleEiner meiner Söhne
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunVierzehnte Auflage
illustratorG. Mühlberg
yearo.J.
translatorGeorg Rummler
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160809
projectida668c1b3
Schließen

Navigation:

Zweites Buch

Achtzehntes Kapitel.

Ich hatte Fräulein Meredith mein Versprechen in einem hoffnungsfreudigen Ton gegeben, der sie vielleicht täuschen konnte; ich aber gab mich keiner Selbsttäuschung hin. Als die erste Aufregung erkaltet war, und ich allein in meinem stillen Zimmer saß, um über die Tagesereignisse nachzudenken, da war mir nur eins klar: daß die Aufgabe, die ich auf mich genommen hatte, nur sehr schwache Aussichten auf Erfolg böte. Wie konnte ich vor mir selber die zur Schau getragene Zuversicht rechtfertigen? Welche Mittel und Wege standen mir zu Gebote, über die nicht auch die Polizei verfügte? Hope selber hatte diese Frage an mich gerichtet, und ich war ihr ausgewichen. Aber den Fragen, die meine eigene Vernunft mir stellte, denen konnte ich nicht ausweichen. Sie ließen sich nicht übergehen, sie heischten Antwort. Aber welche Antwort? Vergebens grübelte ich über alle möglichen Mittel nach, entwarf unzählige Pläne, die ich sofort wieder verwarf, und war am Ende nicht weiter als am Anfang.

Müde an Leib und Seele ging ich endlich zu Bett; und im Schlaf kam mir ein Gedanke, an dessen Ausführung ich sofort am nächsten Morgen heranging. Ich suchte wieder Sam Underbill in seinem Zimmer auf, sagte ihm, in welchen Schwierigkeiten ich mich befände und eröffnete ihm meine Absichten. Sam Underbill hatte freilich unzählige Fehler und Verschrobenheiten, aber er war im Grunde seines Herzens ein guter Junge und gerade der richtige Vertraute für mich. Außerdem war er unter allen meinen Bekannten der einzige, der mir bei der Ausführung des von mir entworfenen Planes von Nutzen sein konnte; ich bedurfte dazu der Mitwirkung eines Freundes, der der Polizei nicht so gut bekannt war wie ich. Denn ich selber fand mich dadurch behindert, daß meine Beziehungen zum Gillespieschen Giftmord allgemein bekannt waren; ich konnte keinen Schritt zur Aufdeckung des Geheimnisses tun, ohne sofort neugierige Fragen wachzurufen; ich setzte mich sogar der Möglichkeit aus, von den Beamten, in deren Wirkungskreis ich mich hätte eindrängen müssen, mit mißtrauischen Augen angesehen zu werden. Aber Sam Underbill war frei; er konnte kommen und gehen, wie er wollte, ohne die Eifersucht der Behörden zu erwecken. Jedenfalls konnte er den Verkehr zwischen mir und dem Privatdetektiv vermitteln, den ich zuzuziehen beschlossen hatte. Da ich bei Tage und bei Nacht in Sams Wohnung ein- und ausgegangen war, so konnte es nicht auffallen, selbst wenn ich zu sonst ungewöhnlicher Stunde bei ihm erschien. Bedenklich war für mich nur Sams Faulheit, denn an Faulheit gab er dem so scharf von ihm kritisierten Alfred Gillespie nicht das geringste nach.

Sam lud mich ein, an seinem schnell improvisierten Frühstück teilzunehmen; er war in munterer Laune, und sobald ich dies merkte, teilte ich ihm zunächst so viel mit, daß sein Interesse rege wurde. Dann stellte ich ihm unversehens die Frage:

Wer von den drei Gillespies wäre nach deiner aufrichtigen und wohlerwogenen Meinung am ehesten fähig, das Verbrechen zu begehen, dessen Urheber man allgemein in der Familie selbst sucht?

Meine Frage berührte ihn indessen unerwartet peinlich, denn er rief sofort:

Oho, mein Lieber, versuche nur nicht, mich in eine solche Falle zu locken! Wie ganz New York wartete ich bisher den Lauf der Ereignisse ab, glaub nur nicht, daß ich mich auf solch eine kitzliche Frage einlasse. Nee, Cleveland, Vorurteil ist so schlimm wie der Galgen. Und selbst wenn ich mit mir vollkommen darüber im reinen wäre, wer von den dreien das Gift in des alten Herrn Abendtrunk geschüttet hat, so würde ich von meiner Ueberzeugung doch nichts verlauten lassen. Die armen Jungen haben schon genug zu tragen; um keinen Preis möchte ich die schwankende Wage zum Ausschlag bringen!

Ich sah voraus, daß es ohne einen heftigen Kampf nicht abgehen würde, und nahm daher alle meine Kräfte zusammen, indem ich nach kurzem Besinnen bedächtig sagte:

Nicht so hastig! Habe ich dir die Lage, worin Fräulein Meredith sich befindet, vollkommen klar gemacht?

O ja, ich begreife es durchaus, erwiderte er.

Nun also, was ist wichtiger: dem armen Mädchen beizustehen, daß sie aus ihrer zweideutigen Lage herauskommt, oder ängstlich mich in acht zu nehmen, daß kein falsches Urteil sich in mir bildet, das mich, wie du sehr wohl weißt, niemals veranlassen könnte, persönliche Zwecke zu verfolgen?

Hm, das letztere scheint noch gar nicht so ganz sicher zu sein! Ich kenne kaum jemanden, der sich von seinen Ueberzeugungen so leicht fortreißen läßt wie gerade du! Wärest du kein Rechtsanwalt, so würdest du alle möglichen Don Quixoterien begehen; die notwendige Rücksichtnahme auf deine Stellung legt dir einige Beschränkungen auf; aber ich traue dir in dieser Hinsicht nicht genug, um dich in meine Ansicht von der Sache einzuweihen, eben weil es lediglich nur eine Ansicht von mir ist.

Natürlich stachelten diese Andeutungen meine Neugier sehr lebhaft an. Ansichten beruhen doch immer auf einer Tatsache; und die unbedeutendste Tatsache konnte mich vielleicht auf die richtige Spur bringen. Sam las mir meine Gedanken am Gesicht ab und machte noch einmal einen Versuch, mir auszuweichen.

Fräulein Meredith tut mir ebenso leid wie dir, sagte er in seiner zögernden Sprechweise, indem er mir von neuem eine Tasse Kaffee einschenkte. Hätte ich sie an dem Tage gesehen, wo sie ihr Zeugnis ablegen mußte, so würde mein Mitleid mit ihr vielleicht noch größer sein. Diese Ehre wurde mir aber nicht zuteil, und darum bin ich willens, die Aufklärung der Sache denen zu überlassen, die nach Pflicht und Schuldigkeit dafür zu sorgen haben, daß Verbrecher der Gerechtigkeit verfallen.

Meinst du, daß diese Leute mit ihren Bemühungen etwas ausrichten werden?

O, die Frage wird schon eines Tages ihre Lösung finden.

Meinst du das wirklich?

Es mußte ihm auffallen, daß ich diese Frage zweimal in einem ganz besonderen Ton wiederholte. Er zog die Augenbrauen in die Höhe und setzte seine Kaffeetasse an die Lippen. Dadurch gewann ich die Zeit, ihm zu sagen:

Es liegt lediglich eine Anschuldigung vor, die alle drei Söhne des verstorbenen Gillespie umfaßt und sich gegen keinen von ihnen im speziellen richtet. Was können also die Behörden anderes tun, als daß sie in der üblichen Weise den ganzen Haushalt beständig überwachen? Wenn keine neuen Beweismittel gefunden werden, oder wenn den Schuldigen nicht etwa sein Gewissen treibt, seine Tat zu gestehen, werden Wochen, Monate, ja Jahre vergehen, und die Hand, die jetzt zögert, wird auch dann noch zögern! Die Justiz braucht eben, um einschreiten zu können, mehr als einen Verdacht, der sich gleichmäßig gegen drei richtet, während doch nur ein Täter vorhanden sein kann.

Da hast du recht – aber was läßt sich in solcher Lage anderes machen? Nach meinem Dafürhalten wirst eben auch du warten müssen.

Das widerspricht aber dem, was du vorhin sagtest!

Höchstwahrscheinlich – in so früher Morgenstunde besteht eben ein Mensch aus lauter Widersprüchen, besonders wenn er sich bloß durch eine einzige Tasse Kaffee von den Schrecknissen seiner nächtlichen Träume hat erholen können.

Dann trink' doch noch eine Tasse! bemerkte ich. Inzwischen werde ich dir erzählen, was für Hoffnungen ich hege: ich habe gewisse Eindrücke gehabt, und da mehr als einmal in meinem Leben solche Eindrücke sich mir als untrügerisch erwiesen haben, so bin ich entschlossen, den Täter zu verfolgen, bis er mir unterliegt und sein Verbrechen gesteht. Dies halte ich für möglich, wenn alle meine Kräfte sich auf die Verfolgung eines einzigen konzentrieren. Jedenfalls sehe ich kein anderes Mittel, um zu dem erstrebten Ziel zu gelangen. Nun? Willst du mir helfen, ausfindig zu machen, wer von den dreien am meisten bloßgestellt ist?

Gern tu' ich's nicht, es ist gegen alle meine Grundsätze. Aber wenn es durchaus nötig ist, daß du genau erfährst, wie ich über die Sache denke, so komm heute abend zu mir. Ich will dir alsdann Gelegenheit geben, mit eigenen Ohren die Erzählung eines Bekannten von mir anzuhören. Vielleicht erhältst du dadurch einige Aufklärung. Es ist nicht eben ein Mann, dessen Bekanntschaft dir wünschenswert sein würde; deshalb muß ich dich bitten, mit einem Lehnstuhl in meinem Alkoven vorlieb zu nehmen. Ihn empfange ich in diesem Zimmer, und die Tür dort in der Ecke kann offen bleiben, ohne daß es irgendwie auffällt. Hast du gegen diesen Vorschlag etwas einzuwenden? Es sieht ein bißchen nach Verschwörung und derlei nicht eben angenehmen Sachen aus; aber es ist alles, was ich zurzeit für dich tun kann. Der gute Yox wird sich nichts daraus machen, selbst wenn er merken sollte, daß du nebenan bist. Ich glaube nur, daß es dir selber nicht angenehm sein wird.

Ich werde mich einfinden! antwortete ich ihm kurz und fest. Den Horcher zu spielen, wäre mir allerdings unter anderen Umständen eines Gentleman nicht würdig erschienen; aber ich war fest entschlossen, nichts zu unterlassen, was zum Erfolg führen konnte. Nur über eins mußte ich vorher beruhigt sein; ich fragte daher:

Wird die Geschichte, die ich anhören soll, in irgendwelchen Beziehungen zu Fräulein Meredith stehen?

Nicht im geringsten.

Ich mußte danach fragen, weil ich's nicht fertig bringe, still zu sitzen, wenn in irgend einer Weise unehrerbietig über Damen gesprochen wird. Und du sagst, der von dir erwartete Besucher sei kein Gentleman.

Soweit wird er sich doch nicht vergessen; sollte er's trotzdem tun, so verlaß dich darauf, ich würde ihn sofort zur Ordnung rufen. Es tut mir nur leid, daß ich dir die Zigarren werde verbieten müssen. Wenn du rauchtest, würde er ja sofort deine Anwesenheit bemerken; denn der Mann riecht 'ne Ratte durch 'ne dicke Mauer hindurch. Mit anderen Worten, er ist ein Privatdetektiv, dessen Bekanntschaft ich einmal unter eigentümlichen Umständen gemacht habe. Aber was hast du denn? Du bist ja ganz aufgeregt.

Vielleicht ist das gerade der Mann, den ich brauche. Ich suche selber nach einem Privatdetektiv.

Das – kann ich – mir denken.

Mit dieser in eigentümlichem Ton gesprochenen ganz langgezogenen Bemerkung stand Sam vom Frühstückstisch auf. Ich sagte nichts, aber ich verspürte froheren Mut. Sam hatte mir zwar keine bestimmten Versprechungen gemacht, aber ich fühlte, daß er mit meinem Unternehmen sympathisierte und bereit war, mir dabei eine hilfreiche Hand zu leihen.

An diesem Tage fanden die Klienten, die ihr Unstern zu mir führte, an mir keinen guten Berater. Die peinliche Ungewißheit und Erwartung raubten mir alle Ruhe, bis endlich die Stunde da war, die mein Freund für mein Kommen festgesetzt hatte. Erst als ich kurz vor neun in dem Zimmerchen, das er seinen Alkoven nannte, Platz genommen hatte, war ich vollkommen ruhig. Das ist meine Natur so: aufgeregt, bis der Augenblick des Handelns da ist, und dann übernatürlich ruhig.

Sam Underbill schien im Gegenteil ungewöhnlich munter und aufgeräumt zu sein. Er rauchte seine Zigarre und sang mit einer der schönsten Tenorstimmen, die ich je gehört, ein Lied. Und während ich den Tönen lauschte, fiel mir plötzlich ein, daß ich selber seit jenem Ereignis, das so folgenschwer in mein Leben eingriff, keine Note mehr gesungen hatte. Ich sollte doch nicht etwa zum Misanthropen werden?

Ein plötzliches Abbrechen des Gesanges riß mich aus meinen Träumereien heraus; ich erkannte daran, daß der erwartete Besuch gekommen sein mußte, und ich hielt den Atem an, um kein Wort des Gespräches zu verlieren.

Die ersten Worte waren mehr eine banale Begrüßung, ein Austausch von ein paar Gemeinplätzen über Tageszeit und Wetter. Sam ist von Natur stolz und tritt nicht gegen jedermann aus seiner kühlen Reserve heraus. Diesen Besucher behandelte er kaum mit der üblichen Höflichkeit; vielleicht war das Absicht, damit der Mann nicht denken möchte, daß ihm besonders viel an der Unterredung gelegen sei; vielleicht wußte er auch, daß von der anderen Seite nicht mehr erwartet wurde, als ein knapper Gruß.

Sieh' da, Yox! begann er.

Guten Abend, Herr Underbill!

Hatte ich Ihnen gesagt, Sie möchten heute abend zu mir kommen?

Ganz gewiß, Herr Underbill, und ich bin pünktlich zu der von Ihnen bestimmten Stunde da.

Na ja, da werden Sie wohl recht haben. Nehmen Sie Platz! Mein Gedächtnis ist nicht viel länger als diese Zigarre, die, wie Sie sehen können, beinahe aufgeraucht ist. Zünden Sie sich auch eine an, Yox. Sie werden in dem Laden, den Sie mit Ihrer Kundschaft beehren, schwerlich 'ne bessere kriegen. Na? Was haben Sie mir denn nun zu erzählen?

Nicht viel. Dennison kaufte vorigen Donnerstag sieben Aktien, und Little nahm gestern ebenso viele neue. Beide haben anscheinend Vertrauen zu der Sache, und der morgen herauskommende Bericht wird allen Ihren Wünschen entsprechen.

Schön. Was bin ich Ihnen schuldig? Ist das genug?

Ich hörte das Rascheln einer Banknote, dann sagte der Mann mit einem kurzen Lachen:

O, ich wäre ja mit der Hälfte vollkommen zufrieden gewesen. Na, nur her damit. Ich brauch' immer viel Wasser auf meine Mühle.

Dann war alles still. Underbill zündete sich wohl eine neue Zigarre an. Endlich fingen sie wieder an zu sprechen – lauter Bemerkungen über die abgedroschensten Gegenstände. Mir kribbelte die Ungeduld in allen Fingerspitzen, aber Sam schien gerade dieses stumpfsinnige Gespräch zu behagen; er machte es selber noch stumpfsinniger, indem er seine Worte mehr hervorgähnte als richtig aussprach. Plötzlich aber wurde die Unterhaltung interessant; das heißt für mich, denn an Sams Worten konnte man kein Interesse wahrnehmen, als er in seinem gedehnten Ton die Bemerkung fallen ließ:

Wie war es doch mit der Geschichte, die Sie mir neulich abends erzählen wollten? Ich meine die Geschichte von dem Spektakel da in der X-Straße? Es kam mir damals so vor, als ob sie ganz interessant sein müßte, aber die anderen hatten es ja so eilig, daß ich nicht solange bleiben konnte, um sie ganz zu Ende zu hören. Erzählen Sie sie noch 'mal, Yox, fangen Sie ganz wieder von vorne an; vielleicht vertreibt mir das die Schläfrigkeit.

O, die Geschichte, versetzte der andere. Na, meinetwegen. Es war 'n sonderbares Abenteuer und hätte mich beinahe in unerwünscht nahe Beziehungen zur Polizei gebracht. Deshalb werde ich's so schnell nicht wieder vergessen. Zeigte ich Ihnen nicht die Streichholzbüchse? Ich fand sie in einer von den Taschen des Rockes, den er mir gab. Das Monogramm ...

Vom Monogramm wollen wir nachher sprechen, unterbrach ihn Sam in unglaublich schläfrigem Ton. Der Mann selbst interessiert mich weniger als sein Benehmen. Dieses fiel mir auf, weil es für einen Gentleman jedenfalls ungewöhnlich ist. Aber fangen Sie an, Yox. Sie sind ein guter Geschichtenerzähler. Ich habe ja schon mehr als eine Geschichte von Ihnen gehört.

Yox war für Komplimente nicht gänzlich unempfindlich; ein paarmal räusperte er sich geschmeichelt, dann begann er die folgende Geschichte, die ich in seinen eigenen Worten wiedergebe, soweit mein Gedächtnis mir erlaubt. Der Anfang interessierte mich nicht sonderlich.

»Also, wissen Sie,« begann Yox, »ich hatte was bei der alten Mutter Merry zu tun. Kennen Sie das Haus? Wahrscheinlich nicht – darum will ich's etwas näher beschreiben, denn sonst werden Sie meiner Geschichte nicht gut folgen können.

In dem Gebäude wurde früher ein Fischhandel betrieben; jetzt ist es eine Art von Logierhaus. Es liegt da unten in der Hafengegend. Mir gefällt das Haus – es hat nämlich so was Geheimnisvolles an sich, und da haben Leute wie ich ihre Freude dran. Sieht man's bei Tage von den Docks aus, so denkt man, es sei ein großer Steinkasten ohne alle Fenster. Nimmt man sich aber die Mühe, nach der Hafenseite zu gehen, so findet man zwei erblindete Fenster, nicht viel mehr als Schießscharten, eins im unteren Stockwerk, eins unter dem Dach. Wie ich gehört habe, sollen oben auch noch ein paar Dachluken sein, darauf kann ich aber nicht schwören. Bei Nacht fällt der einzige Lichtschimmer, den man bemerkt, durch die Tür auf die Straße. Im Sommer steht sie offen, das heißt eigentlich nur ihre obere Hälfte, denn es ist so eine altmodische zweigeteilte Tür, wie man sie auf holländischen Bildern sieht; zur Winterszeit aber sieht man einen freundlichen Lichtschein durch die auf der oberen Türhälfte angebrachten vier kleinen Löcher. An Abenden, wie wir sie in letzter Zeit hatten, bläht sich im Luftzuge eine Kattungardine vor dieser Türöffnung, denn Mutter Merry hat's gern ein bißchen warm, und der kleine Ofen, neben welchem sie mit ihrem Strickzeug sitzt, verbreitet eine Stickluft in dem Zimmer; darüber schimpfen dann die Gäste, und die Türe muß geöffnet werden. Wenn die Gardine hoch genug flattert, können Sie wohl einen schnellen Blick in das Zimmer werfen; es ist hell erleuchtet durch Petroleumlampen, der kleine Ofen ist rotglühend, und ein fürchterlicher Fischgeruch erfüllt die ganze Luft. Möbel werden Sie nicht viele sehen, denn Mutter Merry gibt kein Geld aus für Sachen, die nicht geradezu unentbehrlich sind. Alles, was Sie sehen, sind ein paar Tische und Stühle und in der einen Ecke eine Tür, die zuweilen halb offen steht, meistens aber dicht verschlossen ist. Hinter dieser Tür ist nicht alles ganz richtig. Sie können dies der Alten an den Augen ansehen; denn wenn hinter der Tür etwas vorgeht, so wendet sie keinen Blick davon ab, und wenn Sie Mutter Merry ein bißchen näher kennen, können Sie schon an ihrer zuckenden Unterlippe merken, ob in ihrem Nebenraum eine größere oder eine kleinere Spitzbüberei ausgeheckt wird, ob ein guter Gewinn davon zu erwarten oder zu riskieren ist, daß ihr guter Ruf und ihre wohlgefüllten Taschen dabei zu Schaden kommen. Dumm ist die alte Mutter Merry ganz gewiß nicht; sie hat zwar nicht viel Mut – was Mannsleute darunter verstehen – und zittert wie Espenlaub, wenn ein Polizist zu ihr hereinkommt, aber sie hat eine ganz erstaunliche Gewalt über die rohen Schiffersleute, die da in ihrem Nebenzimmer die Köpfe zusammenstecken. Sie soll sogar, wie ich mir habe sagen lassen, in einem ganz unbegreiflichen Respekt bei den paar Frauenzimmern stehen, die in den mehr als dürftigen Dachstübchen dieses Logierhauses Unterkunft finden. In sittlicher Beziehung läßt Mutter Merry nicht das geringste Anstößige zu. Sonst läßt ihr zwinkerndes rotes Auge nicht gerade auf Ehrlichkeit schließen – aber genaueres darüber weiß ich nicht. Im ganzen war ich dreimal in dem Hause, aber was hinter jener Tür vorgeht, habe ich immer noch nicht herausgekriegt. Die Männer spielen irgend ein Spiel und sitzen dabei um einen großen Tisch, worauf so viele Flaschen und Gläser stehen, daß kaum noch ein Platz für die Karten übrig bleibt; aber ich glaube nicht, daß nur wegen des Spielens die Tür so scharf bewacht wird, daß man bei Nacht kaum Einlaß findet. Es ist noch was anderes dort los – aber ich will das auf sich beruhen lassen. Ein Paradies ist der Ort nicht gerade, das haben Sie wohl aus meiner Beschreibung entnommen, und wenn einer nichts dort zu tun hat, wird er wohl kaum freiwillig sich dort betreffen lassen.

Eines Nachts – ich beginne jetzt die eigentliche Geschichte – eines Nachts kam ich zu später Stunde in das Haus. Man mußte an der Tür eine Art Losungswort angeben, und es kostete mich viele Mühe, mir dieses Wort zu verschaffen, und noch mehr Mühe, bis Mutter Merry glaubte, dies Wort zu verstehen. Sonst ist sie durchaus nicht taub. Als diese Schwierigkeit endlich überwunden war, hatte ich eine zweite Ueberraschung. Die geheimnisvolle Tür zur Nebenkammer wurde nicht wie gewöhnlich von Mutter Merry bewacht, sondern es stand ein Mann davor, ein zerlumpter, schmutziger Strolch. Die Tür war nicht geschlossen, sondern stand eine Handbreit offen, so daß alle Gerüche und Flüche ungehindert ihren Weg von der Kammer nach dem allgemeinen Gastzimmer fanden.

Der Mann gefiel mir nicht – weder seine Haltung, noch sein Gesicht. Ja sogar die seltsame Art, wie er schweigend horchte, war mir widerwärtig. In seinem ganzen Benehmen war etwas Sonderbares und Unnatürliches. Ich guckte mich nach Mutter Merry um, um zu sehen, was für eine Meinung sie wohl von dem Fremden hätte.

Offenbar keine schlechte; denn sie machte sich ganz seelenruhig hie und da im Zimmer zu schaffen und warf nicht mal einen Blick auf die Tür, die sie sonst keinen Moment aus den Augen ließ.

Wer kann das sein? dachte ich natürlich bei mir selber. Die Angelegenheit, die mich herführte, erforderte, daß ich in das Nebenzimmer ging, und es war mir ein unbehaglicher Gedanke, mich von diesem Menschen beobachtet zu wissen.

Schnaps! rief ich plötzlich so laut ich konnte. Ich wollte sehen, ob ich damit seine Aufmerksamkeit erregte.

Aber ich hätte ebensogut einen Kleiderständer anrufen können; der Mann rührte sich nicht.

Mutter Merry brachte mir Whisky. Der Mann hatte sich immer noch nicht umgedreht, und ich machte mich schon mit dem Gedanken vertraut, mein Geschäft auf einen gelegeneren Zeitpunkt zu verschieben; auf einmal aber verspürte ich eine starke Neugierde, zu sehen, was der Mann denn eigentlich so aufmerksam beobachtete.

Ich trat leise näher und sah ihm über die Schulter. Ich konnte nur einen Teil des Nebengelasses überblicken, aber in diesem Teil saß ein Mann mit rotem Gesicht und breitem, brutalem Kinn. Auf dieses Gesicht starrte der sonderbare Schiffersknecht vor mir, und zu meiner Ueberraschung hörte ich ihn einen tiefen Seufzer ausstoßen, der an diesem Ort, wo man zarte Gefühle nicht erwarten konnte, ganz eigentümlich klang. Leise ging ich an Mutter Merry heran und flüsterte ihr zu:

Was ist das für ein Mann? Kennen Sie ihn? Was hat er hier zu suchen?

Zur Antwort zuckte sie nur ihre dürren Schultern – hübsch ist sie nämlich durchaus nicht, dann ging sie an den Mann heran, und ich sah, wie sie ihn anstieß und leise ein paar Worte zu ihm sagte. Er fuhr zusammen, sah sich mit einem schnellen Blick um und zeigte dann fragend mit dem Finger auf eine Tür in der gegenüberliegenden Ecke.

Sie antwortete durch ein Kopfnicken, und er ging, mit einem kümmerlichen Versuch, den schlenkernden Gang eines Seemanns nachzuahmen, auf diese Tür zu. Gerade an seinem Gang erkannte ich, daß er kein Matrose war.

In dem Augenblick, wo die Tür sich hinter ihm schloß, hörte ich von den Docks her ein Kreischen und Schimpfen von Weibern, dann kam ein scharfer Schrei einer Kinderstimme, dann war alles still draußen und auch im Hause. Denn Mutter Merry war mit entsetztem Gesicht in die Nebenkammer gelaufen, wo die Matrosen saßen, hatte ihre Hände in die Höhe gehalten und gerufen:

Vorsicht! 's sind die Blauen! Seht zu, ob ihr vielleicht durchs Fenster 'rauskommen könnt!

Einer von den Männern stand auf und ging ans Fenster; nach einem Augenblick kroch er auf allen Vieren wieder zurück, blies das ihm zunächst stehende Licht aus und flüsterte:

Sie sind auf dem Wasser!

Mich überlief bei diesen geflüsterten Worten eine Gänsehaut.

Auf der Vorder- und auf der Hinterseite? rief die Alte. Dann ist's Ernst. Da werdet Ihr euch dünne machen müssen, Jungens, und in die Höhle schlüpfen!

Damit blies sie ein zweites Licht aus.

Ich hatte mich inzwischen nach dem Ausgang geschlichen, aber eine Stimme rief:

Achtung! Da will sich einer drücken!

Ich blieb stehen; Mutter Merry kam zu mir heran und flüsterte:

Machen Sie keine Dummheiten; bleiben Sie hier, sonst denken sie, Sie gehören mit zu den Blauen.

Wie zur Bekräftigung dieser Warnung hörte ich ein recht bedrohlich klingendes Knurren von einem halben Dutzend Matrosen. Ich sagte lachend:

Wenn sie das denken, irren sie sich gewaltig. Auch hinter mir sind die Blauen her ... Aber wie ist es denn mit dem anderen Mann? flüsterte ich Mutter Merry zu, die bei dem allgemeinen Durcheinander in meine Nähe gekommen war. Sie hörte nicht auf mich; sie hatte zu viel mit den Anordnungen für das Entwischen ihrer Gäste zu tun. Auf einmal wurde auch die dritte Lampe ausgeblasen, und es herrschte jetzt fast völlige Finsternis.

Von der Türöffnung mit der flatternden Gardine kam ein leises: Pst!

Nun schnell fort, und ganz leise! flüsterte Mutter Merry heiser und mit bebenden Lippen.

Plötzlich war das Zimmer völlig leer. Die sechs oder sieben betrunkenen Matrosen, die ich einige Sekunden vorher hatte um mich herum taumeln sehen, waren spurlos verschwunden. Ein Knacken, ein Schnurren, ein dumpfer Schlag, und weg waren sie. Nur einige Flaschen und ein paar Kartenspiele waren auf dem schmutzigen großen Kienholztische als Spuren des Gelages zurückgeblieben. Die Alte wischte die Tischplatte ab, nachdem sie alle darauf befindlichen Gegenstände in einen Schrank geworfen hatte. Dann setzte sie sich. Ihre äußerliche Ruhe bildete einen seltsamen Gegensatz zu der Angst, von der sie geschüttelt wurde.

Für einen ist noch Platz! flüsterte sie mir hastig zu, indem sie nach der Ecke zeigte, in der die Männer verschwunden waren. Das Versteck ist über dem Wasser und der Fußboden ist voll von Löchern, aber die Polizei hat's bis jetzt noch niemals herausbekommen können. Wollen Sie nicht mit mir runter gehen?

Ich war nicht bei der Gesellschaft, erwiderte ich.

Die Ausrede wird Ihnen nichts nützen. Sie sind im Hause ... Aah!

Ihr letzter Ausruf klang fast wie ein ängstlicher Schrei; ich sah mich um: die Tür in der Ecke hatte sich geöffnet, und der falsche Matrose, dessen Gang mir ausgefallen war, stand vor uns.

O, o! den hatte ich vergessen! sagte Mutter Merry beinahe winselnd. Wo soll ich bloß mit ihm hin?

Der falsche Matrose stand wie betäubt da, was übrigens kein Wunder war, denn anstatt des hellerleuchteten Zimmers fand er ein dunkles wieder, doch konnte ich in dem schwachen Schimmer, der von dem rotglühenden Ofen ausstrahlte, bemerken, daß ein tiefer Schmerz auf seinen Gesichtszügen lag. Mutter Merrys Ausruf beachtete er gar nicht; seine Gedanken weilten offenbar ganz wo anders. Er sah aus wie ein Mann, der plötzlich aus dem Schlaf aufgeschreckt ist, und es war, als ob er einen schweren Traum, der auf ihm laste, nicht abzuschütteln vermöchte.

Ist es schon so spät? fragte er endlich mit einem Seufzer, und ich fuhr empor, als ich seine Stimme hörte – denn diese Stimme war die eines Gentlemans.

Seine Frage und der Ton seiner Stimme brachten Mutter Merry in neue Aufregung, und sie jammerte:

O! dieses Unglück! Die Blauen sind vor der Tür! Seit einem Monat schon haben sie's auf mein Haus abgesehen, und heute nacht haben sie's umzingelt! Wollen Sie versprechen, mit ihnen fertig zu werden, oder soll ich die Falltür noch einmal für Sie öffnen? O, ich arme Frau – daß ich Sie in diese Lage bringen muß! Der Gedanke macht mich ganz krank. Ich hätte Sie vorher warnen sollen!

Das hätte keinen Unterschied gemacht, antwortete er. Ich wäre trotzdem hinaufgegangen. Helfen Sie mir, wenn Sie können, und vergessen Sie nicht, was Sie mir geschworen haben. Morgen schick' ich Ihnen Geld. O Gott, o Gott – daß ich in diesem Augenblick gehen muß ...!

Gehen können Sie nicht. Hören Sie? Da geben sie das zweite Signal. Im Nu werden sie hier sein. Wollen Sie ihnen in die Hände fallen?

Lieber sterben! Schnell in irgend ein Versteck! Auf Geld kommt's nicht an. Der Mann da kann mir helfen. Er sieht aus, als ob er keine Angst vor der Polizei hat. Wir können unsere Röcke tauschen.

Ich trat ganz nahe an ihn heran und flüsterte ihm ins Ohr:

Ich bin Privatdetektiv. Mein Name ist Yox, und Sie finden Ausweise über meinen Namen und Beruf in meiner Rocktasche. Man kann Sie vielleicht einen Tag in Haft behalten, aber länger jedenfalls nicht.

Damit gab ich ihm meinen Rock, den ich inzwischen ausgezogen hatte.

Leider kann ich Ihnen meinen Namen nicht ebenso anvertrauen wie meinen Kittel, antwortete er, indem er mir das zerlumpte Kleidungsstück übergab. Aber mein Name ist mein Geheimnis, das ich bis zum letzten Atemzuge verteidigen würde. Sagen Sie, Sie heißen Benjamin Jones.

Schön, aber erst mal 'n bißchen Sicherheit wegen des Geldes, worauf es Ihnen nicht ankommt, wie Sie sagen, rief ich.

Sie müssen sich auf mein Wort verlassen, antwortete er, komme ich davon, ohne daß man mich entdeckt, so erhalten Sie im Laufe der Woche hundert Dollars an Ihre Adresse. Ich habe alles, was ich bei mir hatte, oben gelassen.

Das sind Redensarten, sagte ich.

Er wird zahlen! versicherte Mutter Merry mir.

Na, da ist meine Mütze, brummte ich, immer noch ein bißchen unzufrieden.

Er setzte sie auf und sah sogleich wie ein anderer Mensch aus, obwohl es durchaus keine feine Mütze war.

In diesem Augenblick wurde die Gardine von draußen durch eine derbe Faust beiseite geschoben, ein Polizist steckte sein Gesicht durch die Türöffnung und befahl:

Heda, die Lampen anzünden!

Zugleich fiel das Licht einer Blendlaterne von draußen in das Zimmer. Der Unbekannte ging auf die Tür zu und sprach einige Worte mit dem Beamten. Dann entstand ein entsetzlicher Wirrwarr; die Polizisten drangen von allen Seiten in das Haus ein, und ich vermochte von den Einzelheiten der Auftritte, die sich in den nächsten Minuten abspielten, nichts wahrzunehmen. Als es wieder einigermaßen ruhig wurde, war der Mann, dem ich meinen Rock und meinen Namen geliehen, nicht mehr zu sehen. Man hatte ihn entwischen lassen.

Ich selber war leider nicht so glücklich. Nachdem die Polizei das ganze Haus durchsucht und nur ein paar Frauenzimmer gefunden hatte, wurde ich ins Verhör genommen. Da waren sie nun allerdings gerade an den rechten geraten; ich wies ihnen bald nach, daß ich ein Vogel von ihrer eigenen Sorte sei. Natürlich erhob sich jetzt sofort die Frage, wer denn der andere Bursche gewesen sei, der sich ebenfalls für einen Privatdetektiv ausgegeben? Aber da mich dies nichts anging, so sagte ich ihnen, das müßten sie selber herausbringen. Das Ende vom Liede war, daß ich mit den übrigen Insassen von Mutter Merrys Hause nach der Hauptwache gebracht wurde.

Schon am nächsten Tage wurden wir nach einem kurzen Verhör wieder freigelassen. Ich habe immer bei mir selber gedacht, der verschwundene Unbekannte müsse wohl die Polizei besser bezahlt haben. So viel ist sicher, acht Tage darauf fand ich in unserem Bureau auf meinem Schreibpult einen an mich adressierten Brief. Er enthielt die versprochenen hundert Dollars.

Nun, Herr Underbill – wer war der Mann?« fuhr der Detektiv Yox in seiner Erzählung fort. »Diese Frage hat mir keine Ruhe mehr gelassen, seitdem ich sein Geld in der Tasche hatte. Einer, der so mit den Hunderten um sich werfen kann, ist ein Mann, dessen Namen zu wissen sich verlohnt.«

Sam Underbill hatte den Meister Yox seine lange Erzählung beenden lassen, ohne ihn mit einem einzigen Wort zu unterbrechen. Auch als er fertig war, wartete Sam noch eine ganze Weile, bis er endlich in seinem schleppenden Tone fragte:

Sprachen Sie nicht davon, Sie hätten was, woraus sich vielleicht die Identität des Mannes feststellen ließe – eine Streichholzbüchse oder dergleichen? Sie hatten Sie ja wohl in einer der Taschen seines Kittels gefunden?

Jawohl, die hab' ich.

Und es sind ja wohl Initialen darauf eingraviert, die Sie nicht haben entziffern können?

O ja – ein Monogramm ist drauf. Aber was kann man aus einem Monogramm nachweisen?

Nicht viel, natürlich. Haben Sie die Streichholzbüchse bei sich?

Gewiß. Ich trage sie überall mit mir herum. Ich denke so viel daran, daß ich sogar schon davon gesprochen habe, einen anderen Namen anzunehmen, dessen Anfangsbuchstaben zu dem Monogramm passen.

Wollen Sie mich das Ding mal sehen lassen? fragte Sam.

Der Mann brachte die Dose zum Vorschein. Es verging eine Minute, dann sagte Sam:

Die Buchstaben sind doch nicht so leicht herauszubringen wie ich gedacht hatte. Darf ich sie mal mit einer Sammlung vergleichen, die ich in einem Buch hier nebenan habe? Vielleicht ist dies Monogramm auch darunter?

Aber gewiß, bitte!

Underbill kam zu mir herein. Ich suchte nach Möglichkeit meine Aufregung zu bemeistern, stand daher ruhig auf und sah Sam mit einem Gesicht an, worin nicht mehr Neugierde sich aussprach, als den Umständen angemessen war. Sam ließ sich ebenfalls nichts anmerken, aber in seinen Augen lag ein eigentümliches Funkeln, als er mir die von Yox empfangene Silberbüchse hinreichte. Das Monogramm war in eigentümlicher Weise verschlungen und in der Tat nicht leicht zu entziffern.

Während ich mich bemühte, die Buchstaben zu erkennen, schrieb Underbill auf ein Blatt Papier, das auf dem Tische lag:

Ich habe dies Zündholzbüchschen ein dutzendmal gesehen.

Dann schrieb er die einzelnen Buchstaben des Monogramms nebeneinander, und ich las:

L. L. D. G.

Leighton Gillespie? fragte ich in unhörbarem Flüsterton.

Leighton Le Droit Gillespie, schrieb Sam.

Es war der Name, der all mein Denken erfüllte, der es erfüllt hatte seit dem Augenblick, da die Nachforschungen nach dem Urheber des Verbrechens begannen.

 << Kapitel 18  Kapitel 20 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.