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Einer meiner Söhne

Anna Katherine Green: Einer meiner Söhne - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorAnna Katherine Green
titleEiner meiner Söhne
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunVierzehnte Auflage
illustratorG. Mühlberg
yearo.J.
translatorGeorg Rummler
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160809
projectida668c1b3
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Zwölftes Kapitel.

Verhängnis! rief Alfred nach einer bangen Pause. Dann aber hob er sein Haupt hoch empor, trat festen, kühnen Schrittes auf Hope Meredith zu und rief:

Du hast von uns verlangt, wir sollten unsere Schuld bekennen, du sagtest, wir könnten uns nicht für unschuldig erklären. Aber höre: ich beteuere meine Unschuld jetzt und immerdar, mag kommen was da will, und ohne Rücksicht auf das, was andere leiden mögen. Ich wäre unwürdig des Glückes, nach welchem ich strebe, erklärte ich nicht laut und frei meine Unschuld – trotz aller Tatsachen, die sich feindselig gegen mich zu erheben scheinen.

Ich glaube dir ... begann sie, und ihre zitternde Hand streckte sich ihm entgegen. Aber diese Bewegung des Vertrauens wurde plötzlich gehemmt, sie ließ ihre Hand sinken und ihre Lippen schlossen sich, ehe sie noch den Satz vollendet hatte.

Ich bin unschuldig! wiederholte er in stolzer Sicherheit, und mit edlem Ausdruck wandte sich sein helles Auge zu seinen Brüdern, in deren Mitte er stand.

Was hat's denn für einen Zweck, eine Phrase fortwährend zu wiederholen, die du nicht durch einen Beweis bekräftigen kannst? rief George. Offenbar würgte er noch immer an seinem Zorn. Ich bin ebenso unschuldig wie du, aber ich ergreife nicht alle und jede Gelegenheit, es zu versichern!

Leighton sprach kein Wort und machte keine Bewegung. Eine Melancholie, die er nicht abzuschütteln vermochte, hatte sich jetzt gänzlich seiner bemächtigt. Um ihn herum bewegten sich aufgeregte Menschen, die das Speisezimmer wieder in Ordnung brachten – Leighton Gillespie blieb mit demselben unbeweglich traurigen Gesicht auf seinem Platz stehen.

Während ich von Fräulein Meredith mich verabschiedete, fühlte ich auf einmal Sweetwaters Auge mich scharf fixieren; er gab mir einen Wink, mich zu ihm zu begeben. Er stand in der Tür des Hinterzimmers, worin des alten Gillespies Leichnam noch immer auf dem Fußboden lag. Seine Aufforderung war mir nicht angenehm, ich fühlte aber, daß ich mich ihr nicht gut entziehen konnte und ging deshalb noch einmal die Halle entlang, mit dem Gedanken, daß es hoffentlich das letztemal sei.

Der junge Detektiv spähte beobachtend in das Zimmer hinein, das bei den Ereignissen dieser Nacht eine so bedeutungsvolle Rolle gespielt hatte. Als ich aber an seine Seite trat, bemerkte ich, daß seine Blicke nicht der ausgestreckten Leiche galten, sondern vielmehr den Gesichtszügen Leighton Gillespies, der unbemerkt von mir in das Zimmer gegangen sein mußte und sich jetzt über seinen toten Vater niederbeugte.

Welch eine überraschende Wendung war in diesen Gesichtszügen vor sich gegangen! Die Melancholie war geschwunden; dafür lag darauf ein Ausdruck – war es ein Lächeln? Nein – und doch, wie sollte man es sonst nennen? Und in diesem Lächeln oder Schatten eines Lächelns lag – Spott!

Spott! Wie konnte man einen solchen Ausdruck auf dem Gesicht eines Sohnes zu finden erwarten, der mit seinen Brüdern zusammen unter dem furchtbarsten Verdacht stand, seinen Vater ermordet zu haben?

Dieses spöttische, kaum bemerkbare Lächeln grub sich unverlöschlich meinem Gedächtnis ein.

Ich schritt der Tür zu, und einen Augenblick darauf hatte ich das Haus verlassen, worin ich vier Stunden voll heftiger Gemütsbewegungen und aufregender Erlebnisse verbracht hatte. Draußen auf der Straßentreppe kam mir ein junger Mensch entgegen.

Er war der erste von dem Reporterheer, das seinen Sturm auf das Haus eröffnen sollte, ehe noch der Tag angebrochen war.

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