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Eine Quarantäne im Irrenhause

Ferdinand Gustav Kühne: Eine Quarantäne im Irrenhause - Kapitel 21
Quellenangabe
typenovelette
authorFerdinand Gustav Kühne
titleEine Quarantäne im Irrenhause
publisherF. A. Brockhaus
year1835
firstpub1835
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151112
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Den 13. August.

– Ich bin so fertig mit meiner Gedankenwelt, so abgerissen am Schuhwerk meiner Metaphysik, daß es ein Jammer ist, wenn ich mich hier sitzen sehe, um zu denken was ich denke. Alles Denken hat mich nicht demüthig, nicht alt und weise gemacht, nicht für immer in mich hineingetrieben, nicht eingepfercht in die Stille der Abstraction. Die Ataraxie des Gemüthes ist mir fremd geblieben, alle Philosophie ist mir nur ein Stachel geworden zum Leben, weil sie mich lehrte, das Leben selber sei der Inbegriff aller Wahrheit. Andere leben so hin und wissen nicht, daß sie in der Wahrheit sind. Ich weiß oder will es wissen, was Wahrheit ist, und muß nun leben aus Princip, genießen aus Princip, jubeln und trunken sein kraft meines Bewußtseins. Genuß will, leben und genießen will ich! Ich bin vor lauter Philosophie nichts als ein geistiger Gourmant geworden, weiter hat sie mich noch nicht gebracht als zum Schwelgen im sichern Gefühl des Absoluten. Ich will leben, d. h. genießen, mich und die Welt, die Welt in mir, und mich in ihr. Ich muß den Genuß, wenn er sich nicht freiwillig bietet, mit Gewalt heranziehen, ich muß, darauf Jagd machen; ich könnte Alles verwüsten, wenn man mich länger in mir selbst gebunden hielte.

»Gebt mir Raum, um aus mir selbst zu geh'n!
Kann ich doch in diesen Einsamkeiten
Gott und dich und mich nicht mehr versteh'n.«

*

 

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