Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ferdinand Gustav Kühne >

Eine Quarantäne im Irrenhause

Ferdinand Gustav Kühne: Eine Quarantäne im Irrenhause - Kapitel 15
Quellenangabe
typenovelette
authorFerdinand Gustav Kühne
titleEine Quarantäne im Irrenhause
publisherF. A. Brockhaus
year1835
firstpub1835
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151112
Schließen

Navigation:

Als ich aufwachte, stand der kleine Heilkünstler vor mir. Er war durch die Nebenthür ins Zimmer getreten. So ist es immer und wird es bleiben: wenn man die eine Thür verschließt, so gibt es immer noch eine andere, durch die Alles, was kommen soll, zu uns tritt. Er schien in den Papieren auf dem Tische geblättert zu haben. So sah es aus. Er belugte mich mit unsäglicher Aufmerksamkeit; es war, als wollte er sich in meinen Augen und ganzem Habitus das Verständniß der für ihn sibyllinischen Blätter suchen. Gleichwol blieb er freundlich und gut und sagte: »Ich hätte nicht gedacht, daß Sie ein so verzweifelter Schnellläufer wären. Den Kopf habe ich mir zerbrochen, was Sie so plötzlich anwandeln konnte, um über Kopf und Hals, über Rosenhecken und Blumenbeete spornstreichs davonzueilen. Sie haben mir in den Anpflanzungen viel zertreten, Sie Stürmer! Sie haben viel wieder gut zu machen, mein Bester! und es wird nöthig sein, daß Sie eine Weile länger hier auf dem Mondstein bleiben, um den Schaden zu ersetzen und an die zerstörten Stauden und Stengel hülfreiche Hand anzulegen!«

Ich rieb mir beschämt die verschlafenen Augen und sagte, mich entschuldigend, der Pastor Faigenheim hätte mir mit seinem unverdauten Gallimathias so zugesetzt, mit seinem materiellen Theriak voller Widersinnigkeiten mich so überschüttet, daß mein Gehirn überzulaufen drohte, wenn ich nicht geeilt, auf mein Zimmer zu kommen und den Überfluß von Unsinn auf das Papier abzuwerfen. »Das ist so meine Art,« sagte ich, »meine Curmethode, wenn Sie wollen, geschätzter Menschenfreund.«

»Ich hätte Sie bereits für stärker und gesammelter gehalten,« erwiederte der Arzt mit betontem Ernst. »Ich hätte Ihnen zugetraut, solchem Wirrwarr mit mehr Gleichgültigkeit zu begegnen! Ich habe mich in Ihnen geirrt und muß Ihnen hiermit meine volle Unzufriedenheit zu erkennen geben. Nehmen Sie, wenn ich bitten darf, diesen Löffel voll Medicin.«

Es war von der gewöhnlichen, die zu meiner Nachcur diente. Ich schlürfte das Gereichte still in mich ein. Schweigend und grollend verließ mich der kleine Mann, indem er die Thüren hinter mir abschloß.

Ich frage den Teufel nach seiner Zufriedenheit, ich habe den Henker von seiner Gleichgültigkeit, ich mag sie nicht, ich brauche sie nicht, ich will sie nicht brauchen. Ich brauche Euch Alle hier nicht, Ihr närrisch Klugen und klugen Narren, ich brauche Niemand in der Welt; ich kann allein schauen, was Noch thut im Leben, allein erproben, wie es mit mir steht, mit der Welt, und mit dem Geiste, zu dem wir beten.

*

 

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.