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Eine Jugend in Deutschland

Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland - Kapitel 8
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authorErnst Toller
titleEine Jugend in Deutschland
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
year1970
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Siebentes Kapitel

Streik

Eines Tages finde ich auf dem Tisch ein Paket mit Büchern, die Denkschriften Lichnowskys, Mühlons, Beerfeldes, andere Broschüren.

Der Krieg ließ mich zum Kriegsgegner werden, ich hatte erkannt, daß der Krieg das Verhängnis Europas, die Pest der Menschheit, die Schande unseres Jahrhunderts ist. Über die Frage, wer den Krieg verschuldet hat, machte ich mir keine Gedanken. Ich lese die Bücher, lese, daß die kaiserliche Regierung das Volk betrügt, sie ist nicht unschuldig am Ausbruch des Krieges, lese, daß die kaiserliche Regierung das Volk weiter betrügt, sie ist mitschuldig an der Fortdauer des Krieges. Es ist nicht wahr, sage ich wieder und wieder, aber hier sind Zeugen, die klagen an, die erhärten und beweisen ihre Anklagen. Die Regierung hat es nicht verhindert, daß die österreichische Monarchie den Krieg gegen Serbien entfesselte, die Regierung hat die Neutralität Belgiens verletzt, obwohl sie damit ihr Wort brach und wußte, daß dem Einbruch in Belgien die englische Kriegserklärung folgen würde, in diesem Krieg verteidigt sich nicht das deutsche Volk, ich verteidige nicht mein Vaterland, die deutschen Stahlmagnaten wollen die Erzgruben von Belgien, Longwy und Briey erobern, die Kriegsziele der alldeutschen Imperialisten verhindern den Friedensschluß. Wir sind betrogen, unser Einsatz war umsonst, bei dieser Erkenntnis stürzt mir eine Welt zusammen. Ich war gläubig wie alle Menschen in Deutschland, gläubig wie die namenlosen Massen des Volkes.

Als ich in dieser Nacht das Licht lösche, finde ich keinen Schlaf. Der Tag kommt, aber der Tag bleibt dunkel, mir ist zumute, als sei das Land, das ich liebe, von Verbrechern verkauft und verraten. Der Kampf gegen den Krieg muß die Schuldigen treffen, auch in Frankreich wird es Schuldige geben, wie es in Rußland Schuldige gab, auch in England, auch in Italien, wir leben in Deutschland, wer die Wahrheit erkannt hat, muß in seinem Land beginnen.

Die Frage der Kriegsschuld ist nicht nur eine Frage der Kriegsschuldigen, die Herrschenden sind verstrickt in das feinmaschige Netz der Interessen, Ehrbegriffe, Moralwerte der Gesellschaft. Sie suchen Macht und Ruhm und Freiheit ihres Volkes in der Ohnmacht, im Elend, in der Unterdrückung anderer Völker. Aber kein Volk ist wahrhaft frei ohne die Freiheit seiner Nachbarn. Die Politiker belügen sich selbst und belügen die Bürger, sie nennen ihre Interessen Ideale, für diese Ideale, für Gold, für Land, für Erz, für Öl, für lauter tote Dinge sterben, hungern, verzweifeln die Menschen. Überall. Die Frage der Kriegsschuld verblaßt vor der Schuld des Kapitalismus.

 

Die Arbeiterbewegung und ihre Ziele waren mir fremd bisher, auf der Schule hatte man uns gelehrt, daß die Sozialisten den Staat zerstören, daß ihre Führer Schurken seien, die sich bereichern wollen, jetzt lerne ich zum erstenmal einen Arbeiterführer kennen, Kurt Eisner.

Eisner war für einige Tage nach Berlin gekommen, Freunde hatten mich zu ihm geführt. Schon in den ersten Tagen des Krieges bekannte er sich als Kriegsgegner, die Militärbehörden verfolgten ihn und erstickten seine Stimme, der eigenen Partei ward er unbequem und lästig. Er ließ sich nicht beirren, er setzte seinen Kampf gegen den Krieg fort. Als sich eine kleine Gruppe, später die »Unabhängigen« genannt, von der Sozialdemokratischen Partei trennte, schloß er sich ihr an und wirkte in München weiter. Im werktätigen Volk wächst die Bewegung gegen die kaiserliche Kriegspolitik, man glaubt nicht den Führern, die die Kriegskredite bewilligen, man glaubt Liebknecht, dem Verfemten, dem Zuchthäusler, der in einer Welt der Verblendung diese Welt verdammte.

Ein paar Tage später war ich in München. Ich ging in die Versammlungen Eisners, in denen Arbeiter, Frauen, junge Menschen nach dem Weg suchten, der den Frieden bringt, das Volk rettet. In diesen Versammlungen sah ich Arbeitergestalten, denen ich bisher nicht begegnet war, Männer von nüchternem Verstand, sozialer Einsicht, großem Lebenswissen, gehärtetem Willen, Sozialisten, die ohne Rücksicht auf Vorteile des Tages der Sache dienten, an die sie glaubten.

 

In Kiel streikten Zehntausende von Munitionsarbeitern. Ihre Losung hieß: Friede ohne Annexionen und Kontributionen, den Völkern freies Selbstbestimmungsrecht. Was wird München tun? Die Rechtssozialisten wollen den Streik nicht, Eisner und die Unabhängigen sind zu schwach, ihn zu entfesseln, trotzdem war der Streik eines Morgens da.

Die Krupparbeiter, meist Norddeutsche, verließen als erste die Betriebe, keine Drohung konnte sie einschüchtern. »Man wird euch die Nahrungszulagen, Fett und Wurst wegnehmen, man wird euch zum Heer einberufen, man wird euch zur Front zurückschicken«, drohte man ihnen. Sie fürchteten nicht Entbehrung, nicht Tod, sie kämpften nicht um Lohnerhöhung, sie kämpften nicht einmal für sich, denn sie waren versorgt, bevorzugt, vom Kriegsdienst befreit, sie kämpften für ihre Brüder im Feld.

Ein Streikkomitee wurde gebildet, Eisner gehörte ihm an.

Ich gehe in die Streikversammlungen, ich möchte helfen, irgend etwas tun, ich verteile, weil ich glaube, daß diese Verse, aus dem Schrecken des Krieges geboren, ihn treffen und anklagen, Kriegsgedichte unter die Frauen, die Lazarett- und Krüppelszenen aus meinem Drama »Die Wandlung«.

Endlich wird mir eine Aufgabe übertragen. Ich soll zu den Arbeiterinnen einer Zigarettenfabrik sprechen, sie auffordern, am Streik teilzunehmen. Der Fabrikpförtner wehrt mir den Zutritt zum Hof, Arbeiter eilen mir zu Hilfe. Bald sind alle Frauen im Hof versammelt. Sie verlassen den Betrieb. Gemeinsam ziehen wir zur Versammlung.

Die Menschen sind unruhig, Eisner soll sprechen, wo bleibt er? Auch die anderen Mitglieder des Streikkomitees fehlen. Nach einer Stunde vergeblichen Wartens hören wir, daß die Polizei während der Nacht alle verhaftet hat.

 

Frau Sonja Lerch ist unter den Verhafteten, die Frau eines Münchener Universitätsprofessors. Der Mann hat sich am ersten Streiktag von ihr losgesagt, aber sie liebte ihn und wollte ihn nicht lassen. Gestern abend war sie bei mir, trostlos, verstört, ich bot ihr an, die Nacht in meinem Zimmer zu bleiben, ich warnte sie, in das Haus ihres Mannes zurückzukehren, dort zuerst würde die Polizei nach ihr fahnden, sie blieb meinen Worten taub. »Einmal will ich ihn noch sehen, einmal nur«, wiederholte sie unaufhörlich, wie ein Kind, das sich an die zerstörten Reste einer geliebten Puppe klammert. Sie ging. Nachts um drei Uhr kam die Polizei und führte sie ins Gefängnis Stadelheim. Sie schrie Tag und Nacht, ihre Schreie hallten durch Zellen und Gänge, Wärtern und Gefangenen gefror das Blut, am vierten Tag fand man sie tot, sie hatte sich erhängt.

 

Eine Massenbewegung, die an ihre Ziele glaubt, ist durch die Verhaftung der Führer nicht einzudämmen. Der Glaube ist ein entscheidendes Element, erst wenn er angekränkelt, geschwächt, zersetzt ist, können gegnerische Mächte die Einheit der Bewegung sprengen und sie auflösen in ohnmächtige, willensunfähige Haufen. Diese Arbeiter glauben an ihre Sache, die Nachricht von der Gefangennahme der Führer beantworten sie mit der Wahl einer Delegation, die soll beim Polizeipräsidenten die Freilassung der Gefangenen fordern. Die dreitausend Versammlungsteilnehmer werden sie zum Polizeipräsidium begleiten, kehrten sie binnen einer Stunde nicht zurück, soll eine zweite Delegation die Freilassung fordern, die Versammlung wird sich nicht auflösen, der Streik mit unverminderter Kraft fortgesetzt.

Die erste Delegation ist gewählt. Der Vorsitzende fragt, wer sich freiwillig für die zweite meldet. Drei haben ihre Namen gerufen, darunter ein Soldat, zwei gehen auf die Bühne, der dritte fehlt, im letzten Augenblick ist der Soldat ängstlich geworden. Da melde ich mich, der Vorsitzende bittet mich, einige Worte zu sprechen, zum erstenmal rede ich in einer Massenversammlung. Die ersten Sätze stottere ich, verlegen und unbeholfen, dann spreche ich frei und gelöst und weiß selbst nicht, woher die Kraft meiner Rede rührt.

 

Auf der Straße die Streikenden formieren sich, wir marschieren zum Polizeipräsidium, vorbei an der Kaserne des Leibregiments, an deren Fenstern in dichten Trauben Soldaten, aus dem Feld zurückgekehrt, uns winken und grüßen, wir nähern uns dem Schloß des bayerischen Königs, dem Wittelsbacher Palais.

Das Tor der Kaserne öffnet sich, ein Trupp junger Rekruten, von einem Leutnant geführt, marschiert im Eilschritt an unserm Zug vorbei, er passiert die Spitze des Zuges, kurz vor dem Wittelsbacher Palais hält er und sperrt, eine lebende Mauer, die Straße. Der Leutnant, bleich, erregt, den Revolver in der Hand, gibt den siebzehnjährigen Bauernburschen, die die Front noch nicht gesehen haben und denen man darum traut, den Befehl zum Laden und Entsichern. Unser Zug stutzt und hält. Sollen wir den Kordon durchbrechen? Sollen wir den Kampf aufnehmen? In den nächsten Sekunden werden die ersten Schüsse fallen, das Signal zum Bürgerkrieg. Die drüben haben Waffen, wir sind unbewaffnet, unschlüssig beraten die Führer. »Wir wollen unser Recht und kein Gemetzel«, sagt ein alter Arbeiter.

Der Zug kehrt um, biegt in eine Seitenstraße, die Gasse, die zum Polizeipräsidium führt, verriegeln Polizisten. Der Zug hält. Die erste Delegation geht vor. Die Polizisten geben ihr Raum. Das Tor des Polizeipräsidiums öffnet sich.

Wir warten. Eine Stunde ist vergangen. Niemand kehrt zurück. Nun geht die zweite Delegation zum Polizeipräsidenten, man wehrt auch uns nicht den Eintritt. Ehe wir zu sprechen beginnen, wendet der Polizeipräsident sich an einen, den er zu kennen scheint.

»Waren Sie nicht bei meiner Kompanie im Feld?«

Mechanisch schlägt der Angeredete die Hacken zusammen: »Jawohl, Herr Präsident.«

»Und jetzt machen Sie mit den Vaterlandsverrätern gemeinsame Sache?«

»Wir sind keine Vaterlandsverräter«, sage ich, »wir wollen Deutschland retten, nicht verraten.«

»Wer sind Sie, ich kenne Sie nicht«, fährt mich der Präsident an.

»Das ist nicht notwendig, ich spreche hier nicht für mich, ich spreche für die vielen tausend Menschen, die die Freilassung der verhafteten Führer fordern.«

»Nehmen Sie die Hacken zusammen«, will der Präsident sagen, er sieht mich an, sein Blick verliert an Schärfe, wird unsicher, statt eines Kommandos höre ich die vertrauten Worte: »Ich bin nicht zuständig.«

 

Wir gehen zum Demonstrationszug zurück, wir müssen die Stadt aufklären, die Zeitungen verleumden die Streikenden, es muß ein Flugblatt verteilt, es muß gleich geschrieben werden.

Wir gehen in die Wohnung eines rechtssozialistischen Stadtrats, der Vater will nichts vom Streik wissen, der Sohn ist auf unserer Seite. Rasch entwerfe ich einen Aufruf. An der Wohnungstür schellt die Glocke. Die Schwester unseres Freundes ruft: »Kriminalbeamte!« Wir waren unvorsichtig und haben nicht gesehen, daß Polizisten uns gefolgt sind. Ich knäule das Manuskript zu einer Papierkugel, öffne den ungeheizten Ofen und werfe sie hinein. Aber die Polizisten suchten nicht uns, sie haben den Vater verhaftet und sind mit ihm davongegangen. Verdutzt sehen wir uns an, wir holen die Papierkugel aus dem Ofen, falten sie auseinander, wir beenden das Flugblatt, wir schreiben es ab, ein Setzer nimmt es an sich, einige Stunden später wird es in Tausenden von Exemplaren auf den Straßen Münchens verteilt. Achtlos stecke ich den Entwurf, anstatt ihn zu verbrennen, in meine Manteltasche.

 

Am nächsten Morgen versammeln sich fünfzigtausend Arbeiter auf der Theresienwiese. Machtlos sieht die Polizei dem Aufmarsch zu, machtlos hört sie unsere Reden an, sie wagt nicht einzugreifen, wagt nicht, die Redner zu verhaften.

Tagelang währt der Streik, bis sich die rechtssozialistischen Parlamentarier der Führung bemächtigen, sie haben dem Kriegsminister versprochen, den Streik abzuwürgen. Der Streik bricht zusammen. Vorher wird eine Delegation gewählt, sie soll »mit allem Ernst und allem Nachdruck« dem Minister die Forderungen der Streikenden überbringen. Der Führer der Rechtssozialisten Auer beschwichtigt die unzufriedenen Arbeiter, er verbürge sich für die Erfüllung ihrer Forderungen, er werde die Delegation zum Minister führen, keiner, der am Streik teilgenommen habe, würde entlassen, keiner bestraft werden. Vormittags versammeln sich die Streikenden zu einer letzten Kundgebung auf der Theresienwiese, der Zug zieht in die Stadt und löst sich am Karlsplatz auf.

 

Mittags sitze ich in meiner Pension beim Essen. Das Stubenmädchen ruft mich, draußen stünden zwei Herren, die wollten mich sprechen.

»Was wünschen Sie?« sage ich auf dem Korridor zu den beiden Herren.

»Hände hoch!« rufen die beiden Herren und halten mir den Revolver vor die Nase.

Ich bin verhaftet, die Herren legen mir Handschellen an, ich werde zuerst aufs Revier geführt, dann in die Artilleriekaserne und in einen Holzverschlag der Wachstube gesperrt.

In der Wachstube tun die Soldaten, als ob ich nicht da wäre, sie unterhalten sich, sie essen, sie spielen Karten, ich scheine Luft zu sein oder eine Tarnkappe aufzuhaben.

»Kamerad«, sage ich. Der Soldat schweigt, er wendet nicht einmal den Kopf nach mir. Man hat der Wache verboten, mit mir zu sprechen.

Nach einer Weile werde ich geholt und in die Bekleidungskammer geführt. Ein Unteroffizier wirft mir schmutzige Uniformstücke hin.

»Anziehen!«

Ich weigere mich.

»Ich bin Kriegsbeschädigter, ich bin entlassen.«

»Sie sind wieder einberufen. Anziehen!«

»Ohne ärztliche Untersuchung kann niemand eingezogen werden.«

Mit Gewalt werde ich eingekleidet. Die Militärhosen und -stiefel üben eine magische Wirkung aus, mein »Stolz« ist verletzt, da ich den Rock eines »Gemeinen« anziehen soll.

»Wo sind die Tressen?« sage ich. »Ich bin Unteroffizier.«

 

Man führt mich zur Vernehmung.

Viele Stunden werde ich vernommen. Der Kriegsgerichtsrat glaubt, ein Netz geheimer Verschwörungen spanne sich über Deutschland, je wahrhaftiger meine Antwort, desto unglaubwürdiger erscheint sie ihm, er will das Einfache verzwickt, das Spontane gewollt, das Zufällige berechnet sehen. Er hat die Vorstellung, daß irgendwo eine allgewaltige Zentrale die Wege der Arbeiter lenke. Die Motive des Kampfes begreift er nicht, das Volk ist eine willenlose Menge, die nur kämpft, wenn Hetzer sie verleiten und verführen. Als er mich fragt, wo die Goldmillionen stecken, mit denen der Streik finanziert sei, lache ich laut auf, wir alle haben unsere letzten Pfennige gegeben, um Papier für das Flugblatt zu kaufen.

»Das Lachen wird Ihnen bald vergehen«, sagt er und verläßt das Zimmer. An der Tür wendet er sich noch einmal um, »Posten!« ruft er.

Ein Soldat tritt ins Zimmer.

»Sie sind für den Gefangenen verantwortlich.«

Die Tür knallt.

Nach einer Weile kommt ein Offizier. Er macht sich im Zimmer zu schaffen, ich merke, wie er mich beobachtet.

»Sind Sie bedrückt?«

»Nur durch die Vernehmung.«

»Ich war im Nebenzimmer und habe alles gehört.«

Er zieht sein Etui und bietet mir eine Zigarette an. Er beugt sich zu mir und sagt mit leiser verächtlicher Stimme: »Kopf hoch. Nicht jeder wird Untersuchungsrichter. Zu dem Handwerk muß man geboren sein.«

 

Als ich ihn überrascht ansehe, verläßt er das Zimmer.

Der Kriegsgerichtsrat kehrt zurück, in der Hand trägt er eine Mappe. Er setzt sich, blättert in den Akten, packt das Flugblatt.

»Kennen Sie dieses Blatt?«

»Nein.«

»Also Sie kennen das Blatt nicht?«

Er öffnet die Mappe und zieht ein verknittertes Papier hervor, den Entwurf des Flugblatts.

»Leugnen Sie immer noch?«

Ich schweige.

»Wir haben Ihren Mantel aufgeschnitten, die Tasche hatte ein Loch. Das Futter bringt es an den Tag. Abführen!«

Von zwei Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett und einem Unteroffizier begleitet, gehe ich durch die Straßen Münchens. Die Menschen bleiben stehen, Kinder laufen uns nach.

»Ein Mörder«, ruft ein kleiner Junge.

Das Tor des Militärgefängnisses in der Leonrodstraße schließt sich hinter mir.

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