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Eine Jugend in Deutschland

Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland - Kapitel 7
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authorErnst Toller
titleEine Jugend in Deutschland
publisherVerlag Philipp Reclam jun. Leipzig
year1970
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Sechstes Kapitel

Auflehnung

Auf einem der sanften Hügel Mitteldeutschlands, gelehnt an die blaugrünen stillen Tannenhänge des thüringischen Landes, steht die Burg Lauenstein. Hierher lädt der Verlagsbuchhändler Eugen Diederichs Gelehrte, Künstler, politische Schriftsteller, Lebensreformer, junge Menschen. In diesen Zeiten, deren Sinn viele Menschen nicht mehr zu fassen vermögen, sollen die Berufenen über Sinn und Aufgabe der Zeit miteinander sprechen. Max Weber ist gekommen, der Heidelberger Soziologe, Max Maurenbrecher, früher ein protestantischer Pfarrer, jetzt alldeutscher Politiker und »Lebensreformer«, der Dichter Richard Dehmel, der Dichter Walter von Molo, der Arbeiterdichter Bröger, der Bildhauer Kroner, viele Professoren, darunter Meinecke, Sombart, Tönnies. Alle sind sie aus ihren Arbeitsstuben aufgescheucht worden, alle zweifeln sie an den Werten von gestern und heute. Nur die Jungen wollen Klarheit. Reif zur Vernichtung scheint ihnen diese Welt, sie suchen den Weg aus den schrecklichen Wirren der Zeit, die Tat des Herzens, das Chaos zu bannen, sie glauben an den unbedingten, unbestechlichen Geist, der seiner Verpflichtung lebt und der Wahrheit. Aber diese Männer, die sie als des Geistes Träger verehren, sind keine biblischen Propheten, die eine verirrte Welt mit mächtigem Wort richten und verdammen, die bereit wären, den Zorn der Könige und Tyrannen furchtlos zu ertragen, sind keine Rebellen und Aufrührer, sie flüchten sich in das Gespinst lebensferner Staatsromantik. Der besondere, der neue, der deutsche Geist möge sich offenbaren, in religiöser Erde sich verwurzeln und alle retten, hoffen die einen, die Stunde sei gekommen, eine deutsche Kirche zu gründen, glauben die andern, sie bringen gleich bildnerische Entwürfe mit für den Tempel, der auf dem höchsten Berge Deutschlands, allen sichtbar, die Gläubigen sammeln soll. Der Krieg ist eine Schickung des deutschen Gottes, so will es Max Maurenbrecher, im demokratischen Individualismus des gottlosen Westeuropa sieht er den Fluch der Zeit, Deutschland habe die Aufgabe, einen neuen Staat in Europa zu schaffen, dieser Staat solle das irdische Gesicht des Absoluten versinnbildlichen.

Die Jugend klammert sich an Max Weber, seine Persönlichkeit, seine intellektuelle Rechtschaffenheit zieht sie an. Er haßt alle Staatsromantik, er attackiert Maurenbrecher und mit ihm die deutschen Professoren, die vor lauter Gespinsten die Wirklichkeit nicht sehen. Was hülfe es, die eigene Seele zu gewinnen, sagt er, wenn die Nation verkümmert, das Deutsche Reich ist ein Obrigkeitsstaat, das Volk hat keinen Einfluß auf die staatliche Willensbildung, not tue, daß das preußische Klassenwahlrecht verschwinde, die Beamtenherrschaft ausgemerzt, die Regierung parlamentarisiert und die staatlichen Einrichtungen demokratisiert werden, alle Kulturfragen würden durch die Frage beeinflußt, wie der Krieg zu Ende gehe.

Die andern suchen Betäubung, ein mittelalterliches Mysterienspiel soll religiöse Gemeinschaftsgefühle erwecken, Dichter deklamieren Dithyramben, vor den efeuumrankten Burgmauern tanzen im Mondschein die Töchter des Dichters Falke, ob gut oder schlecht, das ist hier nicht wichtig, die Professoren glauben, der Geist Gottes wehe über diesem Tanze. Wenn sie durch die dunkel getäfelten Gemächer wandeln, in denen alter, morscher Hausrat ein gespenstisches Leben führt, fühlen sie sich als mittelalterliche Ritter, Missionare des heiligen Geistes.

 

Tagelang wird geredet, diskutiert, draußen auf den Schlachtfeldern Europas trommelt der Krieg, wir warten, warten, warum sprechen diese Männer nicht das erlösende Wort, sind sie stumm und taub und blind, weil sie nie im Schützengraben gelegen, nie die verzweifelten Schreie der Sterbenden, nie die Klage zerschossener Wälder gehört, nie die trostlosen Augen verjagter Bauern gesehen haben?

Ich bin ein junger unreifer Mensch, all diese Männer sind mir an Erfahrung, an Wissen, an Lebensreife, an Erkenntnis- und Geisteskraft weit überlegen, vor ihnen zu sprechen, scheint mir Anmaßung, aber ich kann nicht schweigen. Zeigt uns endlich den Weg, rufe ich, die Tage brennen und die Nächte, wir können nicht länger warten. Aber niemand zeigt den Weg, der in die Welt des Friedens und der Brüderlichkeit führt. Abends tanzen die Tänzerinnen, baut sich aus großen Worten die neue Kirche, der mystische Tempel.

 

So bleibt nur eines: das Geschenk menschlicher Beziehung, bleibt Richard Dehmel, bleibt Max Weber. In abendlichen Gesprächen enthüllt sich die kämpferische Natur dieses Gelehrten. Mit Worten, die seine Freiheit, sein Leben gefährden, entblößt er die Schäden des Reichs. Im Kaiser sieht er das Hauptübel, er nennt Wilhelm II. einen dilettierenden Fatzken. »Wenn der Krieg zu Ende ist«, sagt er, »werde ich den Kaiser so lange beleidigen, bis er mir den Prozeß macht, und dann sollen die verantwortlichen Staatsmänner Bülow, Bethmann-Hollweg, Tirpitz gezwungen werden, unter Eid auszusagen.« Bei diesen tapferen Worten wird den Jungen klar, was sie von ihm scheidet. Sie wollen mehr als den Kaiser treffen, anderes als nur das Wahlrecht reformieren, ein neues Fundament wollen sie bauen, sie glauben, daß die Umwandlung äußerer Ordnung auch den Menschen wandle.

 

Der Dichter Richard Dehmel hat den Krieg gesehen, zu Beginn des Krieges ist er fünfzigjährig als Freiwilliger ins Feld gezogen, müde und verstört kam er heim. Ich wandere mit ihm durch den thüringischen Wald, er ermuntert mich, ich sage ihm meine Verse. »Kümmern Sie sich nicht um uns Alte«, sagt er, »gehen Sie Ihren Weg, auch wenn die Welt Sie verfolgt und befehdet. Sie haben mir da ein Gedicht gesagt, das mit der Zeile schließt: ›Ich starb / Gebar mich / Starb / Gebar mich / Ich ward mir Mutter.‹ Das ist entscheidend. An einem Punkt des Lebens muß man sich von allen lösen, auch von der Mutter, man muß sich selbst Mutter werden.«

 

Von Lauenstein fahre ich zum Wintersemester nach Heidelberg. Söhne aus bürgerlichen Familien, die nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen, studieren Nationalökonomie, das ist Brauch und Mode. In Deutschland gehört es zum guten Ton, in allen Lebenslagen »Doktor« zu sein, und wer's nicht ist, dem verleihen Zimmervermieterinnen und Hotelwirte, Kellner und Straßenmädchen den nichtssagenden Titel. Die Heidelberger Fakultät hat den Ruf einer Doktorfabrik. Des alten gutmütigen Professor Gothein Fragen, die sich seit Jahrzehnten wiederholen, sind sorgfältig von »Einpaukern« notiert, nebst richtigen Antworten werden sie den bedürftigen Studenten verkauft.

Ich hole mir bei Gothein ein Doktorthema, er schlägt mir »Schweinezucht in Ostpreußen« vor.

 

Das Heidelberg der Kriegszeit hat wenig gemein mit der Limonadenromantik der Alt-Heidelberg-Filme. Die meisten Studenten sind Krüppel und Kranke, die der Krieg freigab. Die Wirte erzählen von den schönen Zeiten, in denen Burschenschafter und Korpsstudenten, mit bunten Bändern und Kappen geschmückt, durch die Straßen zogen und das gute Bier in Strömen floß, die Zimmervermieterinnen ärgern sich über die vielen Studentinnen, die am Monatsende die Rechnungen kontrollieren und jeden Pfennig zweimal umdrehen.

 

Die Tagung in Lauenstein hat mich tief enttäuscht. Große Worte wurden gesprochen, nichts geschah.

Alle schweigen. Wer wird endlich sprechen? Vielleicht der Dichter der »Weber«, Gerhart Hauptmann? Zum hundertjährigen Gedenken der Völkerschlacht bei Leipzig hatte er ein Festspiel geschaffen, das den Zorn der Hohenzollern erregte, es verdammte den Krieg und pries den Frieden. 1914 hatte ihn, gleich vielen anderen deutschen Dichtern, das Fieber der Zeit verwirrt, Kriegshymnen dichtete er und Soldatenlieder. Jetzt, nach diesen Jahren des Mordens, muß er zu sich gefunden haben. Ich schreibe ihm einen Brief. »Sie dürfen nicht länger schweigen«, schreibe ich, »Ihr Werk verpflichtet Sie, wir jungen Menschen warten auf das Wort eines geistigen Führers, an den wir glauben, Sie haben sich täuschen lassen, wer tat es nicht, jetzt müssen Sie, der Dichter des leidenden Menschen, Ihren Irrtum, bekennen, Ihr Wort wirkte mächtiger als der Appell der Generale, es wäre der Ruf zum Frieden, es würde die Jugend Europas sammeln.«

Keine Antwort kam von Gerhart Hauptmann.

 

Der Krieg geht weiter. Jeden Tag bringen die Zeitungen Nachrichten von neuen Gefechten, neuen Toten, neuen Verwundeten. Um jeden Handstrich Land fallen Hekatomben. Kein Ende ist abzusehen.

 

Ich werde zu Bekannten eingeladen. Studenten und Studentinnen sind versammelt. Man trinkt deutschen Kriegstee aus getrockneten Lindenblütenblättern, man ißt deutschen Kriegskeks aus Kleie und Kartoffelmehl. Endlich begegne ich Freunden. Junge Menschen, die wissen, daß die »große Zeit« eine elend kleine Zeit ist, klagen den Krieg an und seine sinnlosen Opfer, haben nur einen Wunsch, im Wust der Lüge die Wahrheit zu erkennen. Doch auch sie schrecken zurück vor der Tat, die an ihre Worte sich binden müßte. Wenn sie mit heißem Kopf und erregtem Gefühl stundenlang diskutiert haben, gehen sie nach Haus, in die schlechtgeheizten, häßlich möblierten Zimmer und glauben beruhigt, es sei etwas geschehen. Ich höre ihren Diskussionen zu, ich denke an Lauenstein, an den Wortschwall, an die Tatenlosigkeit, an die Feigheit.

Haben wir nicht, als im Feld der Tod unser Kamerad war, der bei uns hockte in Schützengräben und Unterständen, in zerschossenen Dörfern und Wäldern, im Hagel der Schrapnelle und unterm Licht der Sterne, geschworen mit heiligem Ernst, daß der Krieg nur einen Sinn haben kann: den Aufbruch der Jugend? Dieses Europa muß umgepflügt werden von Grund auf, gelobten wir, die Väter haben uns verraten, die Frontjugend, hart und unsentimental, wird das Werk der Reinigung beginnen, wer hätte das Recht, wenn nicht sie. Was man uns weigert, das erzwingen wir.

»Es hat keinen Sinn«, rufe ich, »daß ihr anklagt, heute gibt es nur einen Weg, wir müssen Rebellen werden!«

Im Zimmer ist es still. Die Ängstlichen nehmen ihre Mäntel und gehen davon, die andern finden sich zu einem Kampfbund.

»Kulturpolitischer Bund der Jugend in Deutschland« heißt er. Für friedliche Lösung der Widersprüche des Völkerlebens will er kämpfen, für Abschaffung der Armut. Denn, sagen wir uns, ist keiner mehr arm, wird die Gier aufhören, fremdes Geld zu raffen, fremdes Land, fremde Völker zu knechten und fremde Staaten zu unterjochen, nur die Armen sind verführbar, leidet keiner Hunger, wird niemand dem anderen das Brot neiden, Krieg und Armut sind verhängnisvoll verkoppelt. Keiner weiß, wie die Armut abzuschaffen ist, keiner, wie die Widersprüche des Völkerlebens friedlich gelöst werden sollen, nur daß es geschehen muß, wissen wir alle.

 

Die Deutsche Vaterlandspartei greift uns an, nennt uns Verräter am vaterländischen Gedanken, pazifistische Verbrecher.

»Ihr mißbraucht das Wort vaterländisch«, antworten wir, »eure privaten Interessen sind nicht die Interessen des Volkes. Wir wissen, daß unsere Kultur von keiner fremden Macht erdrückt werden kann, wir verwerfen aber auch den Versuch, andere Völker mit unserer Kultur zu vergewaltigen. Unser Ziel ist nicht Machterweiterung, sondern Kulturvertiefung, nicht geistlose Organisation, sondern Organisation des Geistes.

Alle Teilnahmlosen wollen wir aufrütteln und sammeln.

Wir empfinden Achtung vor den Studenten in fremden Ländern, die gegen die unfaßbare Sinnlosigkeit und Entsetzlichkeit des Krieges, gegen jegliche Militarisierung schon jetzt protestieren.«

Die Antwort wird in den Zeitungen gedruckt. Einige Menschen schreiben uns zustimmende Briefe, darunter der alte Foerster und Einstein.

Aber zahlreicher sind die Schimpf- und Drohbriefe, die täglich an meine Adresse kommen.

Eine anonyme »deutsche Mutter« wünscht mir, daß ich in einem Granattrichter festgebunden und von englischen Geschossen zerrissen werde. Ein »Veteran aus dem Kriege 1871« möchte, daß die schwarzen französischen Soldaten mir das Fell bei lebendigem Leibe schinden und als Trophäe nach Afrika, dort wo es am dunkelsten ist, mitnehmen.

 

Die Zeitungen der Rechten rufen die Behörden gegen uns auf. Demokratische Professoren in der Universität nennen uns würdelose Pazifisten.

Wir wehren uns. Das »Berliner Tageblatt« druckt meine Antwort.

»Schon immer wurde unbequemer Gesinnung der Vorwurf ›nicht vaterländisch‹ oder ›würdelos‹ gemacht. Ist der ›nicht vaterländisch‹, der den friedlichen Bund freier selbständiger Völker erstrebt? Heißt das schon, die Schändlichkeiten irgendwelcher Regierungen beschönigen? Heißt das schon, den Frieden um jeden Preis erstreben? Dann hat unsere deutsche Sprache ihren Sinn verloren.

Daß wir wenige sind, soll als Argument nichts gegen die Wirklichkeit sagen, die wir aussprechen.

Politik heißt für uns, sich für das Geschick seines Landes mitverantwortlich fühlen und handeln. Wer diese Aufgabe nicht erfüllt, hat das mit seinem Gewissen abzumachen. Es gibt nur eine Sittlichkeit, die für die Menschheit gültig ist. Es gibt nur einen Geist, der in der Menschheit lebt.

Gerade die von uns, die im Felde Krieg erlebt haben, fühlen sich doppelt verpflichtet, ihren Weg unbeirrt zu gehen. Wir wissen, daß wir unsern Brüdern draußen den wahren Dienst leisten. Auch wir lieben Deutschland, nur auf eine andere Weise, mit höheren Ansprüchen – auch an uns.«

Da greift die Oberste Heeresleitung ein. Sie warnt die deutsche Jugend vor Verführungen, die Militärbehörden beginnen zu arbeiten.

Österreichische Studentinnen, die dem Bund angehören, müssen binnen vierundzwanzig Stunden Deutschland verlassen. Alle männlichen Mitglieder werden zum Bezirkskommando bestellt. Selbst die, die bei jeder Siebung von neuem dienstuntauglich befunden wurden, sind plötzlich kriegsverwendungsfähig und werden in die Kasernen geschickt.

 

Am Tag, an dem die Verfolgungen einsetzen, liege ich mit schwerer Grippe und hohem Fieber im Krankenhaus. Eine Studentin bringt mir die Nachricht.

»Man sucht Sie schon in Ihrer Wohnung, Sie müssen sofort abreisen, sonst werden Sie verhaftet.«

Fröstelnd und fiebernd sitze ich im Zug nach Berlin. Am nächsten Morgen gehe ich in den Reichstag, alarmiere demokratische und sozialistische Abgeordnete. Der Bund bleibt verboten. Auch die Gruppen, die an anderen Universitäten sich gebildet hatten, werden aufgelöst. Aber dieser Bund war ein Alarmzeichen. Wir hatten begonnen, gegen den Krieg zu rebellieren. Wir glaubten, daß unsere Stimme jenseits der Fronten gehört werde und die Jugend aller Länder mit uns den Kampf aufnähme gegen die, die wir anklagten: die Väter!

Am Abend, bevor ich Heidelberg verlasse, ist ein Brief von Gustav Landauer eingetroffen, dessen »Aufruf zum Sozialismus« mich entscheidend berührt und bestimmt hat. Ich antworte ihm:

Was ich tue, tue ich nicht aus Not allein, nicht aus Leid am häßlichen Alltagsgeschehen allein, nicht aus Empörung über politische und wirtschaftliche Ordnung allein, das alles sind Gründe, aber nicht die einzigen. Ich bin kein religiöser Ekstatiker, der nur sich und Gott und nicht die Menschen sieht. Ich bemitleide jene Verkrüppelten, die letzthin an sich, nur an sich, ihren kleinen persönlichen Mangel leiden. Ich bemitleide jene Verkümmerten, die aus Freude an der »Bewegung« abwechselnd futuristische Kabaretts und Revolution fordern. Ich will das Lebendige durchdringen, in welcher Gestalt es sich auch immer zeigt, ich will es mit Liebe umpflügen, aber ich will auch das Erstarrte, wenn es sein muß, umstürzen, um des Geistes willen. Ich will, daß niemand Einsatz des Lebens fordert, wenn er nicht von sich selbst weiß, daß er es einsetzen wird. Ich fordere von denen, die mit uns gehen, daß sie sich nicht damit begnügen, ihr Leben entweder seelisch oder geistig oder körperlich einzusetzen, sie sollen wissen, daß sie es seelisch und geistig und körperlich einsetzen werden.

Nicht Sekte gemeinsam Schöpferischer träume ich, das Schöpferische hat jeder als Eigenbesitz, das Schöpferische kann sich in seinem reinsten Ausdruck nur in der Arbeit des einzelnen offenbaren, aber das Gefühl der Gemeinschaft ist beglückend und stärkend.

Ich weiß, welche Inhalte ich bekämpfe, ich glaube auch zu wissen, welche neuen Inhalte dasein müssen, aber noch besitze ich keine Klarheit, welche äußeren Bindungen, welche Formen diese neuen Inhalte haben müssen.

In meinem Innersten spüre ich eine Ruhe, die ist und mir Freiheit gibt. Ich weiß, daß ich in größter Unruhe leben, daß ich gegen Schmutz oder beschränkten Unverstand hitzig und erregt ankämpfen kann und mir diese innerste Ruhe doch bleibt.

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