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Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach

Anselm Feuerbach: Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach - Kapitel 32
Quellenangabe
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authorAnselm Feuerbach
titleEin Vermächtnis von Anselm Feuerbach
publisherKurt Wolff Verlag
printrunVierzigste Auflage
editorHenriette Feuerbach
year1920
correctorreuters@abc.de
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Letzte römische Reise

Bologna, September 1877

»Wohltuend ist mir die klösterliche Stille in dem alten Kulturland Italien, gegenüber dem fieberhaften Getriebe in unseren modernen Bildungsstätten, wo jedes Piephuhn krähend versichert, daß es sich demnächst in einen Adler verwandeln werde.

Ich komme soeben von der heiligen Cäcilie. Das Bild ist unsagbar schön in Form und Seelenausdruck. Die umherliegenden Instrumente sind von Johann v. Udine im Geiste des Meisters gemalt. Wie beschämt eine so tiefe Seelenversenkung unsere selbstgefällige Epoche.

Hier in Bologna sind, außer vielen andern schönen Dingen, auch prächtige Weinkarren zu sehen; ganz antik, ein jeglicher von silberfarbigen chsen gezogen; Faß, Gestell und Räder mit Basreliefs von Bronze umhüllt. Der Wirt sagte mir, je reicher der Besitzer, desto schöner verziert der Wagen.«

Florenz»

Ich schicke freundliche Grüße. Heute Nacht fahre ich nach Rom, um meine dortigen Angelegenheiten definitiv zu ordnen. Ich habe mit Absicht gezögert, weil ich mein eigener Arzt sein muß, Ruhe und Stille bedarf und keine Anstrengung ertrage. So habe ich denn hier noch einmal in Ruhe die schönen Sachen angesehen; gestern zuletzt das Grabmal der Medizäer. Der Eindruck ist unbeschreiblich, wenn man selbst zu bilden versteht.

Ich fühle mich angegriffen und hoffe auf den nie versagenden Einfluß Roms.«

Rom, 27. September 1877

»Seit einigen Tagen hier, war ich in so großartig ruhiger Stimmung wie noch nie in meinem Leben. Hätte ich schreiben können, Du hättest einen Brief erhalten, wie Du noch keinen gelesen. Im raschen Überblick hat sich mir hier mein Wirken vorgestellt, und ich mußte mir sagen, daß meine Irrtümer Stecknadelköpfe auf einer Kegelkugel sind. Ich habe ein wirkliches Glücksgefühl gehabt, daß ich meiner Welt so treu geblieben bin.

Es ist alles in bester Ordnung. Zehn Bilder in verschiedenen Größen, jedes wert, ausgeführt zu werden, und hundert Handzeichnungen, sämtlich wohl aufbewahrt. Ich bin wohl, alles ist freundlich und herzlich gegen mich. In einigen Tagen gehe ich nach Venedig zurück. Die Untermalung des Nürnberger Bildes ist fertig und steht in meinem Atelier, das sehr hübsch in einem verwilderten Orangen- und Rosengarten gelegen ist. Ich habe Privatwohnung in Venedig genommen bei zwei alten Damen. Sie heißen sorelli Raffaelli.«

Abermals Venedig, 18. Februar 1878

»Heute über acht Tage kann ich auch unter das Nürnberger Bild meinen Namen schreiben. Die Beschauer sitzen stundenlange davor. So ist es recht. Ich liebe es nicht, sonderlich gelobt zu werden, aber die Freude der andern gibt mir Befriedigung. Ich wünsche auch, daß die Besteller Freude an dem Bilde haben möchten. Eine gewisse großartige Heiterkeit, die mir im Leben versagt ist, bleibt mir wenigstens in der Kunst.

Ich schicke den Kaiser Ludwig Ende März ab. Die letzten vier Wochen sind immer die entscheidenden für die Vollendung einer Arbeit. Man geht daran vorüber, und im Vorbeistreifen entstehen die letzten Feinheiten.«

Acht Tage später

»In den ersten Apriltagen komme ich. Langes Schreiben ist unnötig.

Nach meiner Rückkehr beginne ich das große Werk, die Titanen. Ein Saal ist gefunden und gemietet, alle Studien bereit. Die Kosten für alles, was zu diesem Unternehmen nehmen gehört, sind so enorm, die Aufgabe so ungeheuer, daß die Gefahr sehr nahe liegt, Schiffbruch zu leiden. Aber ich werde es versuchen.

Ängstige Dich nicht. Das Übermaß von Illusionen war mir bis jetzt schädlich; vielleicht ist es ein gutes Zeichen, daß ich jetzt am Gegenteil leide. Wien hat mich verändert, ich hoffe, gereift. Nur die Krankheit war überflüssig, das kann ich nicht vergessen.«

März 1878»

Man hat mir die kleine Insel Isea mit Klostergebäuden, Garten und Weinberg für 10000 Franks zum Kaufe angeboten. Ich werde auf der Heimreise den kleinen Umweg über Brescia machen und den mir als paradiesisch geschilderten Winkel in Augenschein nehmen.

Wir könnten im Notfall ein Hotel einrichten, wenn es mit der Kunst nicht mehr fort will. Wie meinst Du? Die Idee ist so übel nicht. Ich will dann auch auf meiner Insel begraben sein. Die Grabschrift ist schon fertig; sie lautet:

Hier liegt Anselm Feuerbach,
Der im Leben manches malte,
Fern vom Vaterlande – ach –
Das ihn immer schlecht bezahlte.«

20. August

»Während einer kurzen Abwesenheit in Bassano zur Sommerfrische ist mir in meinem Leben zum erstenmal ein Zeichen der Anerkennung von einem Throne zugekommen. Du wirst bereits wissen, daß der König von Bayern mir einen Orden verliehen. Es ändert dies zwar nichts an meinen Verhältnissen, aber das unverhoffte Denken an mich ist erfreulich.«

Ohne Datum

»Nötig zu berühren ist folgendes, aber ich bitte, antworte nicht darauf.

Mein Konzert ist bis auf die letzte Hand vollendet, aber der Rahmen noch nicht fertig. Das Bild würde ohnehin ruhen, da die Musikgesellschaft, die ich immer des Abends spielen hörte – sechs Personen an der Zahl – denen ich die Handgriffe und Fingerbewegungen ablauschte, bei einer nächtlichen Lustfahrt nach dem Lido vom Dampfer überfahren und – Mann und Weib – elendiglich ertrunken sind.

Die Nachricht begrüßte mich des andern Morgens beim Frühstück.«

November 1879

»Ich danke für Deine Nachricht. Der König von Bayern hat königlich gehandelt. So ist nun die zehnjährige Wanderschaft der Medea zu Ende, und sie hat ihre Heimat gefunden.

Glaube mir, nach fünfzig Jahren werden meine Bilder Zungen bekommen und sagen, was ich war und was ich wollte.«

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