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Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach

Anselm Feuerbach: Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach - Kapitel 28
Quellenangabe
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authorAnselm Feuerbach
titleEin Vermächtnis von Anselm Feuerbach
publisherKurt Wolff Verlag
printrunVierzigste Auflage
editorHenriette Feuerbach
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zwei Briefe aus Rom

Ferienreise 1875

»Gottlob, ich stehe nach häßlichen Kämpfen wieder auf meinem Boden, ein zweiter Antäus. Der erste hatte wenigstens einen Herkules, der ihn erwürgte; ich verblute mich an Nadelstichen, gegen die ich mich nicht wehren kann.

Ich bin, wie ein anderer zerschlagener, jedoch berühmterer Wandersmann schlafend, zwar nicht in Ithaka, aber in Rom angekommen. Es ist mir, als wäre ich nie fortgewesen, und ich freue mich, durch die zwei Jahre in Wien nichts eingebüßt zu haben von dem, was mir als festes Eigentum in der Seele liegt.

Rom ist sehr bescheiden. Die Schönheit der Menschen ist mir als eine ganz neue aufgefallen. Sie ist, im Verein mit der plastischen Sprache und einer naiv harmlosen Art sich zu geben, rein erfreulich. Ich sehe meine alten Freunde und empfinde fortwährend eine innere Heiterkeit, wie es draußen nicht möglich ist.

In Wahrheit genügen stets nur wenige Tage, um mein ganzes Wesen zu verändern. Ich bin mir über vieles klar geworden, was mich bis jetzt dunkel bedrängte. Es ist wie ein stiller Friede über mich gekommen. Ich habe die Bitterkeit des letzten Jahres schon verschmerzt. Ohne Opfer geht es in meiner Kunst nicht ab, und ich bin bereit, Opfer zu bringen bis an das Ende, wenn ich sie nur rein erhalten kann.

Das heißt, wirst Du sagen: »Ich mache den Plafond?« Natürlich!

Rom, Ostersonntag 1875

»Es ist herrliches Frühlingswetter. Ich arbeite bei offenen Fenstern, durch welche Lorbeer, Platanen, Aloen und immergrüne Eichen hereinsehen. Ich selbst bin um zehn Jahre jünger geworden. Ein so heiteres, stilles Glücksgefühl habe ich kaum je gekannt. Dem alten Riedel sind, als er mich sah, fast die Augen feucht geworden. Bei einem englischen Freunde war ich zu Tische; der große Bernhardinerhund hat mich sogleich erkannt. Des Abends trinke ich ein Glas Wein in einer Osterie der Fontana Trevi gegenüber. Wenn die Türe aufgeht, hört man das Wasser rauschen. Gott sei Dank, ich bin wieder Künstler!

In Wien altert man schnell; es ist zu unruhig, aber hier? – Ich denke oft an Vater und freue mich, daß ich so gesund geblieben bin in meiner Kunst, daß alle meine Gestalten Naturlaut haben. Ich habe stets nur aus der Natur heraus empfunden.

Alles ist freundlich mit mir, und was ich fühle und denke, steht im richtigen Verhältnis mit dem, was ich schaue und was mir entgegenkommt. Draußen bin ich fremd. Es ist die abgeschwächte Kopie von dem, was hier eine tausendjährige Kultur geschaffen hat. Mein Kommen wird Dir wohltun. Ich bringe reine Luft mit.«

Wien, Dezember 1875

»Ich bin, Hansens Rat folgend, an den Nebengruppen der Deckenbilder beschäftigt, Prometheus, Venus und die andern. Die große Titanenskizze ist in zwölf Tagen gemalt und gut ausgefallen. Amazonen und Gastmahl müssen für die Münchener Ausstellung neu übergangen werden. Es ist fast zu viel.

Der Winter ist sehr schwer. Anstrengung, Erkältung, Ärger! Die langen Fahrten in die Schülerateliers tun mir weh. Doch ist es dies nicht allein. Es ist eine neue Verfolgungsart in Szene gesetzt, die zu dumm und unerträglich ist, als daß ich heute darüber schreiben möchte. Sie wird aber wohl ihren Zweck erfüllen. Nächsten mehr.«

Ende März 1876

»Vorgestern waren alle Schüler bei mir, um die neuen Arbeiten zu sehen. Wie glücklich könnten wir sein, wie schön wäre die Welt, wenn – – –

Gesundheit total alteriert. Ich reise in den nächsten Tagen. Wahrscheinlich April. Werde wohl nicht nach Wien zurückkehren. Erschrick nicht über mein Aussehen. Es wird bald besser werden.«

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