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Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach

Anselm Feuerbach: Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach - Kapitel 24
Quellenangabe
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authorAnselm Feuerbach
titleEin Vermächtnis von Anselm Feuerbach
publisherKurt Wolff Verlag
printrunVierzigste Auflage
editorHenriette Feuerbach
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Briefauszüge 1873–1876

Die Weltausstellung betreffend

»Nun die Verwirrung sich gelöst und das Wetter Vernunft angenommen hat, ist der Eindruck schon ein großartiger. Die alten prächtigen Bäume sind mir freilich immer das liebste.

Was die Gemäldeausstellung betrifft, so hat mich zuerst der seifige Terpentingeruch gestört, der wohl von der Feuchtigkeit herrührt. Nach allem und allem bin ich eigentlich froh, daß man für meine großen Leinwanden keinen Raum gefunden hat. Ich habe Bilder gesehen – die Namen mündlich – über die ich wirklich erschrocken bin. Rahmen, so breit als mein Regenschirm lang ist oder altarmäßig aufgetakelt; darin Farben, wie man sie an Glasgemälden gewöhnt ist. Ein großer Cabanel – unmöglich! Die großen Courbets – unbegreiflich! Dann glaubt man wieder verputzte alte Gemälde zu sehen, absichtsvoll in Farbe und Zeichnung mit bekannten Namenszügen.

Die Belgier sind die schlimmsten. Was kompakte Darstellung betrifft, wie mir scheinen will, einige Franzosen weitaus die besten. Pecht sieht zu sehr durch die patriotische Brille, eine Gewohnheit, die in der Kunst der Gerechtigkeit zuwiderläuft. Viele Deutsche haben etwas – wie soll ich sagen – dünnes, buntes, auch teilweise Gesuchtes in den Sujets.

Einzelnes Gute und Schöne findet sich wohl bei näherem Studium, aber es kann, wie dies häufig das Schicksal der bescheidenen Schönheit ist, in der Masse des Mittelmäßigen nicht zur Geltung kommen.

Im obersten Stockwerk des letzten Saales, neben einer bengalisch beleuchteten Landschaft, fand ich meine Iphigenie, die – Du kannst Dich beruhigen – trotz der absichtlich schlechten Ausstellung – in ihrer Einfachheit einen schönen und würdigen Eindruck macht.

Im Künstlerhaus hat Makart ausgestellt. Schon unter dem Portal, von der Marmortreppe aus, sieht man die Katharina leuchten. Der Zuschauerraum ist durch schwarzes Tuch ganz verdunkelt, so daß das Oberlicht haarscharf wirkt. Das Bild müßte durch die raffinierte Aufstellung, selbst wenn es schwach in der Farbe wäre, immerhin eine magische Wirkung erreichen. Rechts und links exotische Gewächse.

Ich habe mich eines niederschlagenden Eindrucks nicht erwehren können, wenn ich bedachte, daß zwanzigjähriges Kämpfen und Ringen einen Menschen innerlich aufreiben muß, während einem andern, mag er mehr oder weniger Talent haben, vergönnt ist, rasch zur runden und vollen Erscheinung zu kommen. Dennoch möchte ich hier nicht auf einen Tausch eingehen. Mit brillanter Farbe die Unkenntnis des menschlichen Körpers bedecken, ist auch keine Freude. Mein bescheidenes Glück ist, daß meine Figuren Füße haben, zu stehen und zu gehen, und Hände, um etwas anzufassen.«

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