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Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach

Anselm Feuerbach: Ein Vermächtnis von Anselm Feuerbach - Kapitel 15
Quellenangabe
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typebiography
authorAnselm Feuerbach
titleEin Vermächtnis von Anselm Feuerbach
publisherKurt Wolff Verlag
printrunVierzigste Auflage
editorHenriette Feuerbach
year1920
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Ein Erinnerungsblatt

1859

»Ich lese Vaters griechische Plastik. Wer begreift die Wunder der Natur in ihrem organischen Zusammenhang! Wie mich Vaters Worte berühren, daß ich ihn sprechen zu hören glaube; daß wehmütige und doch freudevolle Erinnerungen in mir aufsteigen, davon will ich nicht schreiben. Aber ich möchte von dem stillen Wunder der Natur reden, daß mir jetzt, nach seinem Tode, nachdem ich erst fähig geworden bin, ihn zu begreifen, sein Geist in solcher Weise begegnet und ich hier lese, was die Natur selbst in mir vorbereitet und zur Reife gebracht hat, wonach ich instinktiv in meiner Kunst gerungen – von diesem Wunder muß ich Zeugnis geben, weil es mein ganzes Bewußtsein durchdrungen hat.

Ich weiß es nicht zu sagen, wie mir zumute ward, als ich in der reinsten Sprache das gedruckt vor mir liegen sah, was das prophetische Siegel meines ureigensten Wesens ist. Und hier in Rom, das ihm so spät vergönnt war, und das ich mit so schweren Opfern erkaufen muß! Ich habe das Gefühl, als wenn Vater seine liebe Hand herüberstreckte und mir das Buch reichte.

Daß dieser Mann tauben Ohren predigte, wer begreift das besser als ich. Mein Vater wußte in seiner Künstlernatur ganz gut, daß die überzeugende Sprache allein der Künstler spricht.

Nicht im Leben, sondern am Leben zugrunde gehen ist ein hartes Wort. Wie sollte ihm in Freiburg das Griechentum erblühen! Ach, ich möchte, daß ich gewürdigt würde, und daß es mir vergönnt sein möchte, sein prophetisches Wort in Taten auszusprechen! Es ist ein stilles Glück und eine Seelenarznei, dieses Buch zu lesen.«

17. Dezember 1859

»Endlich – nach zwei langen qualvollen Jahren! Du kannst glauben, daß ich mich erst allmählich sammeln muß, um mich freuen zu können. Ich tue es aber doppelt, weil der Dante in der Heimat bleibt. Der Großherzog hat endlich selbständig gehandelt. Ich habe es immer gedacht, er läßt den Feuerbach nicht fallen. – Ein wenig früher wäre besser gewesen. Aber lassen wir das!

Nun soll es vorwärts gehen. Schon das süße Gefühl, Natur nehmen zu können! Und das Geld ist gar nicht die Hauptsache.«

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