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Ein Verbrechergenie

Ernst Moser: Ein Verbrechergenie - Kapitel 8
Quellenangabe
authorErnst Moser
titleEin Verbrechergenie
publisherVerlag von A. Weicher
yearo.J.
correctorreuters@abc.de ohne Rechtschreibprüfung
senderbruce.welch@gmx.de
created20171207
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Die Stirn an die Scheibe gepreßt, saß Wanda am Fenster ihres Zimmers und betrachtete die Straße, das gegenüberliegende Haus, in dem Ingenieur Bock sein Heim aufgeschlagen hatte, aber nicht anwesend zu sein schien, und die Landschaft, die sich seitwärts von diesem Gebäude bis zum nahen Walde hinzog. Eine flüssige, zitternde Helle sank vorn blaublassen Himmel herunter und verlieh dem Sommerbilde etwas Traumhaftes.

Warum beunruhigte Wanda eine unerklärliche Angst anstatt der Erwartung des Glücks, das ihr die Vermählung mit Ehrenfels verhieß? Sie schalt sich töricht – sie mußte doch zufrieden sein. Sie fragte ihr Herz und lauschte vergeblich auf den Triumphgesang der Liebe zu ihrem Bräutigam; nicht Befreiung, sondern Beklommenheit stieg aus den Tiefen ihres schmerzerfüllten Wesens. Das junge Mädchen begriff sich selbst nicht mehr. Ein dumpfer Druck, eine unbekannte Kraft lastete auf ihr und hinderte sie, sich zurecht zu finden.

Verzweifelt erhob sie sich und blickte in dem einsamen Gemach umher. So freundlich es ausgestattet war, es mutete sie traurig an. »Ich muß mich zerstreuen,« flüsterte sie vor sich hin. »Doch womit? Wer hilft mir über diese Tage und Wochen hinweg, bis –« Ein leiser Schauer überlief ihren Körper und hieß sie schweigen. Eine unbekannte Furcht vor einem Unbekannten lähmte ihre Glieder. Sie verspottete sich selbst, um ihren Mut anzustacheln, um ein ruhigeres Gefühl wachzurufen.

Endlich nahm sie sich zusammen und ging zu ihrer Tante hinüber. »Warum hast Du mir nichts von Willys Briefen gesagt, warum sie mir nicht ausgehändigt, Tante Lisbeth?« zog sie die alte Dame zur Rechenschaft

»Um Dich nicht zu beunruhigen,« lautete die etwas unwirsche Antwort.

»Willy war mir doch ein lieber Jugendfreund. Was hätte mich an ihm beunruhigen können? Die Briefe gehörten mir, und Du hattest kein Recht an ihnen. Tante, wie hätte alles, alles anders werden können!« endete sie mit einem Klagelaut.

»Anders?« wiederholte das alte Fräulein. »Vergißt Du denn ganz, was wir Ehrenfels zu danken haben?«

Wanda hatte sich in einen Fauteuil geworfen und preßte die Stirn in beide Hände. Ein Aufgeben jeglichen Kampfes, ein müdes Entsagen schlich sich in ihr Herz und setzte sich auf ihrem Antlitz fest. »Ja, Tante – ich weiß nur zu gut, was ich ihm schulde.«

»Und er ist Dir so gut,« behauptete die Dame. »Es würde mir in tiefster Seele weh tun, wenn Du ihn etwa empfinden ließest, daß Du für Willy mehr übrig hast, als für ihn. Im Grunde genommen ist das nur eine Aufwallung für den Jugendfreund –«

Wanda fuhr lebhaft empor. »Sprich nicht so, Tante.«

»Gut – also reden wir nicht weiter darüber. Nimm nur noch einen guten Rat von mir an: vermeide künftighin jede Begegnung mit Willy. Das mußt Du mir versprechen, denn es ist für Deine Ruhe unumgänglich notwendig.«

»Ich bin nicht imstande, etwas zu versprechen.« Sie erhob sich. Eine seltsame Erschütterung erfaßte sie. Mit schwankendem Fuß wollte sie in ihr Zimmer zurück. Da meldete das dienstbare Mädchen den Bräutigam. Wanda fiel auf den Fauteuil zurück und sah dem Eintretenden wie einer unliebsamen Erscheinung entgegen.

»Am nächsten Dienstag wäre der geeignetste Tag, unseren Bund fürs Leben zu schließen,« bestimmte er, nachdem er die Damen begrüßt hatte, zur großen Freude der Tante.

Wandas Gesicht wurde aschfahl, und die Augen entgeisterten sich. Ihr war's, als müsse plötzlich ihr das Herz stillstehen. »Dienstag,« wiederholte sie mit blutleeren Lippen.

»Die Zeit ist jetzt die günstigste,« erklärte Ehrenfels; »sie kann kaum gelegener kommen. Eben jetzt bin ich von meiner Besitzung für einige Wochen abkömmlich Nach der Hochzeitsreise verlangt die Bewirtschaftung wieder ihren Herrn. Dann genügt der Verwalter nicht.«

»Muß das Aufgebot nicht sechs Wochen aushängen?« wendete das junge Mädchen stockend ein.

»Vierzehn Tage genügen und am Sonnabend sind diese um. Ein Hindernis haben wir von keiner Seite mehr zu befürchten. Ich sehne mich danach, Dich zu besitzen. Und Du? Du bist doch einverstanden? Laß uns das Notwendigste noch besprechen, denn ich fahre noch heute aufs Gut hinaus, um dort meine letzten Vorkehrungen für meine Abwesenheit und unseren Empfang bei unserer Rückkehr von der Hochzeitsreise zu treffen. Vor Montag dürfte ich schwerlich zurück sein.« Er sah sie prüfend an. »Nun? Deine Antwort?«

»Ich – füge – mich,« entgegnete sie mit erstickter Stimme.

Ehrenfels schien auf ihren Ton und ihre Stimmung nicht zu achten; er küßte Wanda die Hand und begann, einige Einzelheiten für den Hochzeitstag zu besprechen. Er führte fast ausschließlich das Wort, Wanda hörte meist schweigend zu und ließ ihn gewähren.

Da Ehrenfels nur für das junge Mädchen vernehmbar sprach, griff Tante Lisbeth zur Zeitung und vertiefte sich darin. »Haben Sie das heutige Blatt schon gelesen?« fragte sie nach einer Weile, als in dem Gespräch der Brautleute eine Pause entstanden war.

Die beiden rissen sich aus ihren Gedanken, und Ehrenfels verneinte.

»Es steht eine sensationelle Nachricht drin,« fuhr die alte Dame fort. »In der Krauseschen Mordsache.«

Ehrenfels horchte gespannt hinüber. »Was ist es?«

»Die Oeffentlichkeit gelangt erst jetzt zur Kenntnis einer aufregenden Verhaftung,« teilte die alte Dame, den Blick in der Zeitung, mit. »Die Frau des Kassierers Kupfer, der bekanntlich Selbstmord in der Ostsee begangen hat, ist in Hamburg eruiert und festgenommen worden. Sie hatte sich dort unter dem Namen Lucie Falk einlogiert. Die neben dem erschossenen Krause gefundene weibliche Leiche soll demnach gar nicht Kupfers Frau gewesen sein, sondern eine Vera Leicht, die eine frappante Aehnlichkeit mit der Gattin des Selbstmörders gehabt hat. Was sagen Sie?«

Ehrenfels war bei der Nachricht wie vom Blitz getroffen zusammengezuckt und kreidebleich geworden; sein Aussehen wäre zweifellos den Damen aufgefallen, wenn Fräulein Kint nicht die Augen konsequent auf das Zeitungsblatt in ihrer Hand gebannt gehalten und Wanda nicht, die Mitteilungen der Tante entweder ignorierend oder völlig überhörend, vor sich hingeträumt hätte. Als sie die alte Dame, durch die Stille nach der letzten Frage veranlaßt, aufsah, hatte Ehrenfels seine äußere Ruhe wiedergewonnen. »Allerdings – sensationell,« gab er mit heiserer Stimme zu.

»Der Prozeß soll nun gegen Frau Kupfer geführt werden,« fuhr Fräulein Kint fort, »die für die Mitwisserin des Einbruchs in die Woltersche Bank und des Totschlags an dem jungen Krause gehalten wird: auch soll sie durch ihre Flucht die Hand dazu geboten haben, daß ihr Mann die auf sie lautende Lebensversicherungssumme einkassieren konnte, das heißt die betreffende Gesellschaft um diese Summe betrog. Sie besinnen sich doch auf die ganze Angelegenheit, Ehrenfels?«

»Ich habe seiner Zeit darüber flüchtig gelesen.«

»Die Frau ist vielleicht zu bemitleiden, sie könnte das Opfer Kupfers geworden sein; dann wäre dieser feige Bube, der sich dem irdischen Strafrichter zu entziehen wußte, allein zu verurteilen.«

»Wer weiß noch, ob er ertrunken ist,« warf Wanda, die doch zugehört haben mußte, plötzlich ein.

Die Tante zuckte die Achsel. »Besinnst Du Dich nicht darauf, daß man den Kahn, mit dem Kupfer auf die See hinausfuhr, leer, das heißt ohne den Mann, nur mit dem Hut, Rock des Selbstmörders und einem Brief aufgefischt hat, in dem er den Entschluß, seinem Leben ein Ende zu machen, kundgab? Wie sollte er auf offener See entkommen sein? Um etwa an den Strand zu schwimmen, war er zu weit von diesem entfernt und wenn er der tüchtigste und dauerndste Schwimmer gewesen wäre. An seinem Tode zweifelt auch die Behörde nicht.«

»Aber seine Leiche hat man nicht gefunden,« beharrte Wanda.

»Die kann nach Norden geschwemmt oder unter ein vorüberfahrendes Schiff geraten und, wie man das schon gelesen hat, an dessen Boden haften geblieben sein. Wer weiß, in welchem Weltteil sie schwimmen mag! Sind Sie nicht auch der Meinung, Ehrenfels?«

»Wie war doch schon die Geschichte?« fuhr dieser aus seinen Gedanken auf, schnell wieder Herr seiner selbst. »Ich habe so viel Wichtigeres zu tun, als mich um Kriminalfälle zu kümmern, und lese die Zeitungen auch sehr lückenhaft. Bekannte sich der Kassierer in dem Brief als Schuldigen?«

»Nein,« klärte ihn Tante Lisbeth auf. »Er schrieb im Gegenteil, er sterbe aus Scham, in falschen Verdacht geraten zu sein. Ein Wunder, daß er nicht schreibt: er sei aus Gram über den Tod seiner Frau ins Wasser gegangen, einer Frau, die gar nicht seine Frau war!«

»Er wird sie dafür gehalten haben.«

»Und die richtige Frau sollte ohne sein Wissen unter einer Maske geflohen sein?« Die alte Dame schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht. Die Sache ist mit einem dichten Schleier umgeben. Nun, die Verhandlung, die am Ende des Sommers stattfinden soll, wird ja wohl Licht in die Angelegenheit bringen. Bis dahin müssen wir uns schon gedulden.«

»Ein sensationeller Fall,« bemerkte Ehrenfels.

»Dem ich im Schwurgerichtssaal beiwohnen möchte,« fiel Wanda ein.

»Kind!« rief Tante Lisbeth entsetzt. »Aus bloßer Neugier –«

»Aus Interesse, Tante.«

»Das liest man ja alles in den Zeitungen. Eine junge Dame wird sich doch nicht aus Sensationslüsternheit – jedenfalls würde man es als solche auslegen – aufs Gericht begeben, wie zu einem Schauspiel. Solch ein Wunsch befremdet mich an Dir.«

»Interessierst Du Dich für Kriminalfälle, Wanda?« fragte Ehrenfels.

»Es kommt auf den Fall an.«

»Aber die Tante hat recht; das liest man aus den Zeitungen bequemer.«

»Ich habe mir sagen lassen, daß man aus eigener Anschauung einen ganz anderen Eindruck gewinnt, als durch die Niederschrift dritter. Würdest Du mit mir gehen, Bruno?«

»Wo ist die Zeit bis zur Verhandlung hin! Zunächst wirst Du gar nicht Muße finden, an aufsehenerregende Gerichtsverhandlungen zu denken,« bemerkte Ehrenfels ausweichend. »Ich sollte meinen, daß Du alle Hände voll zu tun haben wirst, um Dich für Dienstag vorzubereiten.«

Wanda zuckte zusammen. »Ja – Dienstag,« wiederholte sie langsamen Tones.

»Nicht wahr? Das hättest Du im Eifer bald vergessen,« spöttelte der Bräutigam »Also zögere nicht, um pünktlich zu sein. Ich muß nun fort, um den Zug nicht zu verspäten.«

»Wollten Sie uns nicht noch vor der Hochzeit Ihr Gut zeigen, lieber Ehrenfels?« fragte die Tante.

»Jetzt zu einem Besuchsempfang wirklich noch nichts vorbereitet,« salvierte sich der Befragte. » Nach der Hochzeitsreise sollen Sie überrascht werden. Und nun auf Wiedersehen. Spätestens Montag bin ich wieder hier.« Er küßte Wanda Hand und Stirn, empfahl sich der Tante und eilte davon.

Draußen trocknete er sich die Stirn. »Lucie verhaftet!« stöhnte er. »Jetzt kann ich nur noch auf mich bedacht sein.«

Kaum hatte Ehrenfels seine Braut verlassen, so kleidete sich diese an, um auszugehen.

»Wo willst Du hin, mein Kind?« forschte Tante Lisbeth. Sie warf dem jungen Mädchen einen besorgten Blick zu. Wanda war bleich und nervös erregt. »Du siehst nicht gut aus. Ich denke, Du bleibst lieber zu Hause und ruhst Dich ein wenig. Wo kannst Du jetzt hinwollen?«

»In die Luft – ich bleibe in der Nachbarschaft,« erwiderte Wanda. Sie eilte in das gegenüberliegende Haus zu Ingenieur Bock.

In körperlicher und seelischer Erschöpfung langte sie bei ihm an. Was sie bei ihm wollte, wußte sie selber nicht recht. Sie hatte nur den einen Gedanken gefaßt: teile Dich ihm mit und hole Dir seinen Rat. Und wenn er Dir den nicht zu geben vermag oder Du den, den er Dir gibt, nicht befolgen kannst, so sprich mit ihm, damit Du seine Stimme hörst, daß Du sein Antlitz siehst, wenn Du nicht umkommen willst in Verzweiflung.

Ein Diener führte Wanda in ein elegant ausgestattetes Vorzimmer und verschwand hinter einer doppelflügeligen Tür seitwärts.

Es währte kaum eine Minute, so erschien Willy vor dem Anmeldenden, begrüßte Wanda herzlich und lud sie ein, näher zu treten.

Sie fühlte ihr Herz bis zum Halse hinauf schlagen, als sie seiner Einladung folgte.

»Ist etwas Außergewöhnliches geschehen, das mir die Ehre Ihres lieben Besuchs verschafft?« fragte Bock, hinter sich die Tür ins Schloß legend. Er führte Wanda zu einem Sessel neben seinem Schreibtisch und bat sie, sich niederzulassen.

Beim Klang seiner warmen, herzlichen Stimme wich die quälende Angst in ihrer Brust. Sie atmete auf – freier ward es ihr ums Herz. Doch reden konnte sie im Augenblick nichts; ein Tränenkrampf erstickte ihre Worte.

Sie ließ es willig geschehen, daß er ihre Hände erfaßte und sie küßte. »Wollen Sie mir vertrauen, Wanda?«

»Mein Bräutigam war eben bei mir,« entquoll es ihren Lippen; »am nächsten Dienstag, bestimmte er –«

Willy verharrte erwartungsvoll »Am nächsten Dienstag –?«

»Wird meine Hochzeit sein.«

Der Ingenieur sprang heftig auf. »Nicht möglich! So eilig hat es plötzlich der Mann? Wie kommt diese Ueberstürzung –«

»Er hält die Zeit für die günstigste. Es hängt mit der Bewirtschaftung seines Besitzes zusammen,« entgegnete das junge Mädchen.

Willy stürmte einige Male durchs Zimmer, dann hielt er jäh vor Wanda. »Wo logiert Ihr Bräutigam?«

»Er fährt noch in dieser Stunde nach seinem Gut.«

»Wo liegt das?«

Wanda sah ihn fragend an. »Was wollen Sie tun, Willy?«

»Ihn aufsuchen und mit ihm sprechen.«

Bestürzt erhob sie sich. »Was hat das für einen Zweck, Willy? Sie glauben doch nicht, ihn überreden zu können, daß er seine Rechte aufgibt? Da kennen Sie ihn nicht. Und – wenn er dazu geneigt schiene – vergessen Sie, daß ich gebunden bin? Was ich ihm schulde?«

»Ich will ihn kennen lernen, Wanda. Das Ergebnis wird sich dann finden. Kennen Sie das Gut?«

Das junge Mädchen schüttelte den Kopf. »Nur aus den Beschreibungen meines Bräutigams Es soll herrlich gelegen, sehr umfangreich sein, Schloß und Park haben und aufs beste bewirtschaftet werden. Die Fahrt dahin soll eine halbe Tagereise mit der Südbahn kosten und das Gut etwa fünfzehn Kilometer von der Station Neuhof gelegen sein.«

»Ich will den Besuch am Sonnabend machen.«

»Willy, Sie wollen wirklich zu ihm?« Ihr Blick klammerte sich flehend an den seinen. »Ich bitte Sie,« kam es leise, stotternd aus ihrem Munde, »unterlassen Sie diesen Schritt. Ich fühle mich Ehrenfels verpflichtet und niemand kann mich von dieser Pflicht entbinden.«

Ihr zitternder Ton befestigte ihn nur in seinem Vorhaben. »Warum soll ich nicht gehen, nicht einmal den Versuch wagen?« sagte er weich.

»Sie werden einen Streit provozieren –«

»Fürchten Sie nichts, Wanda,« zerstreute er ihre Besorgnis.

»Doch,« hauchte sie, »ich fürchte mich. Nicht, um mich noch mehr in Angst jagen zu lassen, kam ich zu Ihnen, sondern um Trost zu suchen. Wenn es zwischen Ihnen zu einem Zweikampf käme, würde ich in jedem Falle einen Schmerz davontragen. Ich möchte keinen von beiden verlieren.«

Der Ingenieur nagte an der Unterlippe. »An mir läge Ihnen wohl am wenigsten,« bemerkte er bitter.

»Sprechen Sie doch nicht so, Willy,« sagte sie ernst. »Hätte ich Sie dann aufgesucht?« Sie sahen einander schweigend in die Augen. Dann streckten sich die Hände des Mannes bittend nach den ihren aus. Ihre Gestalt überlief ein Zittern – –

Er sank plötzlich vor ihr in die Kniee, umfaßte ihre Hüften und zog sie an sich. Sein Antlitz an ihrem Herzen bergend, kam es von seinen Lippen: »Wanda – ich liebe Dich – liebe Dich unsäglich – so heiß, so innig, wie ein Mann nur ein Weib zu lieben vermag. Du machst mich zum Sterben unglücklich, wenn Du mich von Dir stößt, wenn Du von mir fliehst, wenn Du mir zürnst.«

Ohne daß sie dagegen ankämpfen konnte, traten ihr die Tränen in die Augen.

Hastig entwand sie sich seiner Umschlingung »Ich kann nicht – ich darf ja nicht!« Ihr stockte Atem und Herzschlag – dann eilte sie flüchtigen Fußes zur Tür, riß sie auf und stürmte zum Hause hinaus.

»Sie liebt mich!« sagte sich Willy und sah ihr mit leuchtenden Augen nach. »Nun ich dessen gewiß bin, werde ich nicht zögern, Ehrenfels aufzusuchen. Ich bin dazu entschlossener denn je. Und ich hoffe zu siegen!«

* * *

 

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