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Ein Sohn des Volkes. Erster Theil

Levin Schücking: Ein Sohn des Volkes. Erster Theil - Kapitel 14
Quellenangabe
authorLevin Schücking
titleEin Sohn des Volkes. Erster Theil
publisherF. A. Brockhaus
year1849
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20170112
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Achtes Kapitel.

Karl ließ zwei Tage vorübergehen – dann schlug er um die Vormittagsstunde wieder den Weg in die Rauhensteingasse ein und saß nach kurzer Zeit am Bette des Grafen Tondini.

Bianca hatte ihn dieses Mal wie einen Bekannten empfangen, und diese Freundlichkeit gab ihren schönen Zügen einen unwiderstehlichen Reiz. Karl freute sich ihrer Lebhaftigkeit, mit welcher sie das Wort ergriff und ihm verstattete, ohne viel zu antworten, halb traumverloren, in ihr Antlitz zu blicken. Sie sprach anfangs von gleichgültigen Dingen, dann fragte sie Karl nach seinem Dienstverhältniß, nach dem Hofe, nach dem Kaiser. Karl nahm nun seinerseits das Wort, und nachdem er ihr Auskunft gegeben, soviel ihm möglich, faßte er sich endlich ein Herz und lenkte das Gespräch auf Bianca's Entschluß, sich der Bühne zu widmen. Seine Seele war zu voll von Sorge um das Schicksal des jungen Mädchens, als daß er sich nicht hätte hinreißen lassen, sie zu warnen, sie mit einer so warmen Beredsamkeit, wie er sich selber kaum zugetraut, zu beschwören, nicht einen Schritt zu thun, der ihn doch eigentlich nichts anging. Aber Bianca nahm ihm seine Offenheit nicht übel. Sie gab ihm manches seiner Argumente zu, andere suchte sie zu widerlegen. Er fand sie überhaupt in einer seltsamen Gemüthsstimmung jenem ihrem Plane gegenüber. Sie schien eine große Scheu vor dem Schritte zu haben, den sie thun wollte, und doch wieder von einer geheimnißvollen Macht dahin gezogen zu werden. War es jener weibliche Vorwitz, jener neugierige Drang nach der Gefahr, der sie stachelte und wie einen Nachtfalter der Flamme näher und näher zog? – waren es andere Gedanken, die tief verhüllt in ihrem Innern lagen, halb ihr selbst unbewußte Schwärmereien, Hoffnungen, die sie nicht auszusprechen, vielleicht sich selber nicht zu gestehen wagte? – Genug, Karl kam nicht weiter trotz aller seiner stürmischen Beredsamkeit, und der alte Tondini stand seiner Nichte eifrig bei und schilderte ihre Zukunft in den düstersten Farben, wenn sie all den Bedenken nachgeben wolle, die Karl ausschüttete. Diesem wurde das Herz schwerer und schwerer; er ging endlich in der verzweifeltsten Stimmung fort.

Es wäre hohe Zeit für ihn gewesen, zur Fürstin K. zu gehen und ihr Bericht zu erstatten über das, was er in Folge ihrer Weisung gethan. Aber er konnte es nicht über sich gewinnen; er ahnte, ja er wußte, daß diese Frau ihn beobachten ließ, und er wollte nicht in ihren Zügen den Triumph lesen, den er ihr durch die That eingeräumt hatte. Denn war er nicht ganz auf dem Wege, auf dem sie ihn sehen wollte?

So begab er sich heim, und als er in seiner Wohnung ankam, fand er einen zweiten Brief von Cölestinen vor. Arme Cölestine! Deine Briefe konnten ihre Zeit nicht schlimmer wählen! Cölestine machte ihm Vorwürfe, daß er so selten schreibe; aber sie machte diese Vorwürfe in einem unendlich milden, von Resignation durchhauchten Tone; sie war in einer Stimmung voll demüthiger Bescheidenheit und Entsagung. – Karl hatte dabei die Empfindung, welche wir Alle einmal im Leben gehabt haben, wenn wir eine Zeitlang der Heimat fern gewesen, und ihre Verhältnisse, ihre Charaktere, ihre Physiognomien plötzlich wieder vor uns treten. Wir hatten uns das alles unterdeß so groß, so schön gedacht – es stand in den Umrissen vor dem Auge unserer Einbildungskraft, welche ihm unsere kindliche Bewunderung gegeben hatte. Nun sehen wir es wieder; es ist klein, ärmlich, langweilig! Wir sind größer geworden, wir haben unsern Maßstab höher und höher wachsen lassen, die Peripherie unsers Geistes weiter und weiter gespannt. Daran aber denken wir nicht, sondern wir schelten das, was einfach stehen geblieben, als ob es kleiner und unbedeutender geworden.

Das arme Mädchen! sagte Karl und legte mit einem Gefühl von Mitleid ihren Brief hin, als er kaum zwei Seiten gelesen; wie ist das alles spießbürgerlich und engherzig! Wie lächerlich ist eine solche entsagungsvolle Stimmung, solch ein geduldiges Sichbeugenwollen unter das, was das Schicksal gebietet! Wie ungenial, wie schwächlich! Es gibt kein Schicksal – es gibt nur Kraft, die Erfolge erringt, Schwäche, die Niederlagen nach sich zieht. Das sind die Mächte des Lebens – nicht ein lächerliches Ding, welches man Schicksal heißt und das aus einer Art boshaften Eigenwillens oder aus Misgunst von uns Opfer, ja Entsagung auf unser Lebensglück verlangen könnte!

Man wird immer unter den Männern sehr heftige Widersacher jener großen Lebensweisheit der Frauen finden, welche man Resignation nennt. Denn es sind immer Augenblicke der Demüthigung für die Männer, in welchen sie bei Frauen das Vorhandensein dieser Weisheit entdecken.

Karl las weiter. Cölestine schilderte ihm die Gefühle, welche sie beim Lesen eines neuen wunderschönen Buches empfunden hatte, das »Werther's Leiden« heiße. Sie gab in kurzen Worten den Inhalt desselben an und skizzirte ihm Alles, was sie gedacht und gefühlt bei einer so tief eingreifenden, in Thränen auflösenden Darstellung der furchtbarsten Conflicte zwischen Pflicht und Leidenschaft.

Karl sah nun, woher die ganze Stimmung, welche über Cölestinens Brief ausgegossen lag, entspringe, und während er von dieser übergroßen, in Thränen überströmenden Weiche und Schwermuth aufs unangenehmste berührt wurde, schien es ihm fast noch unleidlicher, daß Cölestine ihr Votum abgeben wollte über einen Conflict von Pflicht und Leidenschaft, sich wol in ähnlicher Situation träume und in einer solchen Träumerei bespiegle. Es lag für ihn etwas persönlich Verletzendes darin, ein Entwürdigen, ein Herabziehen jenes großen tragischen Conflictes, wenn Cölestine sich bis in denselben hinaufschrauben wollte – und Karl war geneigt, dies um so ernster zu nehmen, als er sich selbst in diesem Conflict zu fühlen begann. Er war eben nicht besser als alle Menschen. Der Egoismus dehnt sich auch über den Schmerz aus, und sogar für unser Leid nehmen wir eine Exklusivität in Anspruch.

Cölestinens Brief enthielt als Nachschrift noch, daß Marianne jetzt wirklich und öffentlich mit dem emigrirten französischen Marquis verlobt sei. Wie Karl sich, nachdem er Bianca verlassen, heimgetrieben fühlte, so trieb es ihn jetzt, nachdem er Cölestinens Brief gelesen, hinaus, um sich zu zerstreuen und zu innerer Ruhe zu kommen. Plan- und ziellos durch die Straßen wandelnd, erblickte er endlich einen Menschen, der vor ihm herschlenderte und, wie er, keine weitere Beschäftigung zu haben schien, als zu den Façaden der Häuser hinaufzublicken oder die Läden rechts und links anzuschauen. Die Gestalt kam Karl bekannt vor – sie wandte sich um und Karl sah – in die Züge Lamberts.

Diese Begegnung hatte im ersten Augenblick etwas Unangenehmes für ihn; er schwankte anfangs, ob er nicht vorübergehen und sich stellen solle, als hätte er Lambert nicht gesehen – aber die Gutmüthigkeit, die Freude, einen Landsmann zu finden, siegte ob, und da Karl fühlte, daß es an ihm sei, Lambert entgegenzukommen und ihn zuerst anzureden, so eilte er auf ihn zu und begrüßte ihn mit dem Ausdrucke rückhaltloser Freundlichkeit.

Sie hier, Lambert – wer hätte das geträumt – woher; seit wann, wie? sprechen Sie!

Seit einigen Tagen! sagte Lambert, Karl's Begrüßung zwar höflich, aber doch mit mehr Kälte als Freude erwidernd – ich bin mit der neuen französischen Gesandtschaft hieher gekommen – direct aus Paris.

Aus Paris, und als Diplomat! Förmliche Wunder – Sie müssen mir erzählen, wie das zusammenhängt – Sie müssen mit mir gehen, nach meiner Wohnung.

Die meinige ist ganz hier in der Nähe, versetzte Lambert – wollen Sie nicht mit mir kommen? Karl gab Lambert's eifersüchtigem Ehrgeize gern nach und ging mit ihm. Lambert wohnte in einem paar freundlichen Zimmern in der vordern Schenkenstraße in der Nähe des Liechtensteinischen Palais, aus dem er eben gekommen war, nachdem er die Galerie gesehen. Er sprach auch, wie um das Gespräch rasch auf einen gleichgültigen Gegenstand zu lenken, seine Bewunderung für die großen mythologischen Gemälde Fanceschini's, die er dort gefunden, aus.

Diese Sachen lassen mich durchaus kalt, sagte Karl. Sie haben doch eine recht französische Natur, daß Sie diese mythologischen Schönheiten bewundern können. Mir kommen sie vor wie gemalte hochtrabende Phrasen. Es muß Ihnen in Paris recht gefallen haben!

Nicht sehr, im Gegentheil. Ich ging unter dem Schutze eines Mannes hin, der Alles that, um mich zu poussiren. Es war der Baron Cloots.

Ich weiß! Man hat es mir von Hause geschrieben!

Nun gut – also es fehlte mir nicht an Empfehlungen, aber ich hatte meine Kenntnisse der Sprache zu hoch angeschlagen. Ich wurde verlacht, wenn ich auf der Rednerbühne in dem Club der Jacobiner, dem ich mich anschloß, auftrat, und wenn mein Enthusiasmus so glühend, meine Gedanken auch so scharf und treffend wie die des besten Redners unter ihnen sein mochten, so konnte dieses wunderliche Volk mitten in der enthusiastischsten Begeisterung plötzlich in das lauteste Gelächter über ein wie ein t gesprochenes d ausbrechen, oder über einen verkehrt ausgesprochenen Sylbenaccent den ganzen heiligen Ernst der Sache vergessen. Dies erbitterte, dann demüthigte es mich; ich sah, daß ich mich in allen den ehrgeizigen Hoffnungen, mit welchen ich nach Paris gekommen, getäuscht habe, daß es kühne Illusionen gewesen, wenn ich geglaubt, an dem Tempel der Freiheit mitbauen helfen zu können, an dessen glorreiche Vollendung ein, trotz seiner Schwächen, bewundernswürdiges Volk seine Existenz gesetzt hat. Nach Hause heimzukehren, schämte ich mich. Deßhalb war es mir ein dankenswerthes Anerbieten, als mein Freund und Gönner sich erbot, bei der neuen Gesandtschaft, welche nach Wien geschickt werden sollte, mir die Stelle eines Reisedolmetschers und Uebersetzers zu verschaffen.

Und wie geht es Ihnen sonst? Wo stehen Sie?

An derselben Stelle, wo ich früher stand. Ich trage für das Leben denselben Spiegel in mir, den ich ehemals für dasselbe hatte, und ich verfolge dieselben Entschlüsse. Ich will noch alles das erringen, was ich mir daheim zu erringen vornahm – nur das ausgenommen, was ich errungen habe.

Lambert heftete seine Blicke fest und vielsagend auf den Sohn seines ehemaligen Gutsherrn.

Und was haben Sie errungen?

Die Freiheit! Und dann Ueberzeugung und Klarheit, wo ich früher manchmal nur mir selbst vorlog, sie zu haben!

Die Freiheit! seufzte Karl.

Es ist das ein unendliches Glück, fuhr Lambert fort – sich klar zu sein und ganz zu wissen, was man will!

Wie Recht haben Sie da, Lambert!

Sie sind nicht glücklich. Es drückt Sie etwas, Karl!

Karl beachtete nicht, wie Lambert seinem Beispiele folgte und ihn mit lauter Betonung und kindischer Absichtlichkeit ebenfalls bei seinem Taufnamen nannte. Er ging, ohne zu antworten, im Zimmer auf und ab.

Wollen Sie mir nicht etwas von Ihren Erlebnissen mittheilen? fragte Lambert.

Karl fürchtete, daß Lambert's mistrauisches Gemüth ihm Verschlossenheit als Hochmuth auslegen möchte, und deßhalb begann er zu erzählen, was ihm vom Beginn seines Aufenthalts in Wien bis jetzt begegnet. Karl wollte eigentlich nur seiner äußern Erlebnisse erwähnen, aber während er erzählte, fühlte er in diesem Mittheilen eine Erleichterung seines Herzens: er wurde wärmer und wärmer, er ging immer mehr in Einzelnheiten ein, und mit seiner Offenheit wuchs die Spannung, in welcher Lambert ihm zuhörte. Schlau wie er war, errieth der junge Bauer Alles, was Karl noch zurückhielt, und als dieser geendigt hatte, sagte er: Eine merkwürdige, romanhafte Situation das, worin Sie sich befinden, Karl! Euch Junkern läuft doch das Glück überall in den Weg!

Sehe ich aus, als wenn ich glücklich wäre?

Nein, aber bei Gott, ich würde es! – Was wollen Sie thun?

Kann ich meine Gelübde brechen, – und wenn ich es könnte, kann ich die Schuld auf mich laden, Cölestinens Herz brechen zu machen?

Seltsam, sagte Lambert mit schlauem Lächeln, wie viel Selbstverleugnung in solchen Situationen der Mensch hat! Wenn eine Trennung in Vorschlag kommt, sind beide Theile immer nur besorgt, daß dem andern das Herz bricht! Aber Sie haben Recht – fügte Lambert hinzu, dem es klar war, daß sein eigener Vortheil durchaus Karl's Verbindung mit der bürgerlichen Cölestine erheische – Sie haben Recht, ein Mann darf sein Wort nicht brechen – nun und nimmermehr!

Aber was soll ich thun? rief Karl aus, soll ich dieses wunderbar schöne Wesen, das für Glück, Glanz und alle Lebenshoheit geboren ist, einem Schicksal überlassen, das sie in den Untergang reißt und jedenfalls der tödtlichen Rache der Fürstin K. aussetzt?

Bei Ihnen herrscht die persönliche Frage vor, bei mir würde es eine andere thun, entgegnete Lambert. Diese Bianca scheint mir das Werkzeug, womit ein kleiner Ausschuß der Partei der Pfaffen und Aristokraten auf den Kaiser Einfluß zu gewinnen hofft. Wer weiß, wer alles hinter den Coulissen steht, vor denen Signora Bianca erscheinen soll, und wer eigentlich in dem Souffleurkasten steckt!

Sie werden damit nicht behaupten wollen, daß Bianca sich erniedrigen konnte, an einer unwürdigen Intrigue Theil zu nehmen! sagte Karl aufwallend.

Sie mag unbewußtes Werkzeug sein – auch will ich nicht gerade etwas behaupten, ich spreche nur Befürchtungen aus. Sie müssen mir einräumen, daß diese nicht ungegründet sind. Der Kaiser lebt seit lange in einer unbegreiflichen Witwerschaft; es ist nicht anders möglich, als daß er endlich sich sehnt nach Abspannung und Ruhe; nach so viel geistigen Niederlagen, wie Joseph II. im Kampfe mit seinen Völkern und dem Vorurtheile erlebt hat, muß er eine eine Zuflucht des Gemüths ersehnen. Bianca ist ein Wunder von Schönheit, wie Sie sagen. Ich sehe hier hohe Gefahr. Sie kennen den Kaiser nicht! Ich kenne die Menschen, versetzte Lambert mit einem Ausdruck vollkommenster Altklugheit auf seinem blutjungen Gesichte. Dann fuhr er fort: Sieht der Kaiser sie, verliebt der Kaiser sich in sie – Josephus der Andere ist stark auf die Weiber versessen – dann ist auch sicher, daß Diejenigen, welche mir hinter Bianca zu stehen scheinen, Einfluß bekommen; denn sie selbst mit ihren klösterlichen, schwärmerischen Ansichten – so denke ich sie mir nach dem, was Sie sagen, Karl – wird ein williges Sprachrohr Jener sein. Der Kaiser aber ist in einer Periode seines Alters und seines Wirkens angelangt, in welcher leicht eine Krisis, ein Umschlagen der Ueberzeugungen eintritt. Soll man in diesem Augenblick ihn der Gefahr aussetzen, von dem Wege des Lichts und der Aufklärung abgezogen zu werden, den er so rühmlich eingeschlagen hat, der aber so dornenvoll für ihn war?

Sie mögen Recht haben – Bianca ist gefährlich!

Der Plan der Fürstin K. muß durchgesetzt werden, fuhr Lambert fort, das ist mir klar. Ihr Plan ist vortrefflich. Dieses Mädchen ist eine Südländerin, voll übersprudelnden Gefühls und Lebens, voll jener leidenschaftlichen Kraft, der die klösterliche Einsamkeit eine furchtbar elastische Spannkraft gegeben hat. Man muß ihrem Herzen Beschäftigung verschaffen, man muß ihr Jemand in den Weg stellen, der sie lieben lehrt – und sie wird unschädlich sein. Wenn sie liebt, wird sie den Kaiser und die Politik vergessen und die frevelhaften Plane ihres Onkels und seiner Freunde verachten. Deßhalb hat die Fürstin K. Sie abgeschickt und ausstaffirt, Karl; aber Sie dürfen nicht, Sie können nicht der Verräther an dem Herzen Ihrer herrlichen Cölestine werden – Sie dürfen die Schwelle dieser Bianca nicht mehr überschreiten – oder Sie geben mir das Recht, Sie zu verachten!

Wer Lambert bei diesen Worten angesehen hätte, würde einen Zug von spöttischer Ironie entdeckt haben, der um seine Mundwinkel spielte. Karl sah ihn nicht an, sondern warf sich in einen Sessel und bedeckte sein Gesicht mit den Händen.

Was ist also zu thun? fuhr Lambert fort. Sie müssen Jemand Anderm die Aufgabe übertragen. Uebertragen Sie dieselbe mir!

Karl fuhr empor und sah Lambert mit einer Entrüstung an, als ob eine persönliche Beleidigung in diesem Vorschlage gelegen, oder als ob seine Seele dadurch mit Widerwillen und Zorn erfüllt worden sei.

Nun – warum sehen Sie mich mit so bösen Blicken an? Ich bin nicht so schön wie Sie, ich bin nicht so gewandt, und bin nicht so liebenswürdig, ich weiß das Alles, und endlich habe ich nicht den unaussprechlich wichtigen Vorzug, ein adeliger Junker zu sein. Aber etwas von meinen bäurischen Manieren hat doch der Pariser Aufenthalt abgeschliffen, und es käme immerhin auf den Versuch an! – Und, Herr von Schwalborn – fuhr Lambert fort, indem er mit maliciösem Lächeln Karl auf die Schulter klopfte – wäre es Ihnen nicht angenehm, wenn ich über solch einem Abenteuer die rothen Wangen von Fräulein Marianne vergäße?

Karl brachte kein Wort zur Antwort über seine Lippen. Er schämte sich, Nein zu sagen, weil er Lambert den ganzen Umfang seiner Leidenschaft für Bianca nicht gestehen wollte, und schon das, was er gestanden, bereute; Ja zu sagen auf den Vorschlag, der ihn im Innersten empörte, das vermochte er noch weniger.

Lassen Sie mich mit mir zu Rathe gehen, Lambert, ich komme wieder zu Ihnen, sagte er endlich und ergriff seinen Hut.

Wie Sie wollen, Karl. Ich bot Ihnen nur einen Freundesdienst an, da ich Sie in einem unglücklichen Zwiespalte mit sich selbst fand. Auf Wiedersehen!

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