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Ein Skizzenbuch

Heinrich Seidel: Ein Skizzenbuch - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
booktitleEin Skizzenbuch (Gesammelte Schriften, VI. Band)
authorHeinrich Seidel
firstpub1878-1886
year1889
publisherA. G. Liebeskind
addressLeipzig
titleEin Skizzenbuch
created20070612
sendergerd.bouillon
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199 Die Geschichte eines Thales.

201 Seit vielen Tausenden von Jahren floss der Bach schon durch das Thal. Sein Rauschen und Rieseln war ohne Ende, ob er nun im Frühling, wenn der Schnee in den Bergen schmolz mit trüber Fluth und mit stärkerem Brausen einhertobte, ob er im Sommer grünlich und glasklar zwischen bemoosten Felsblöcken plätscherte, ob er im Herbste die Fülle der gelben Blätter mit sich führte und in seinen stillen Buchten anhäufte, oder ob er im Winter fast schwärzlich und dampfend durch Eis und Schnee dahinging. So war es einst, so ist es heute und so wird es sein, so lange über ihn hinweg die Wolken ziehen und die Gipfel in Dunst hüllen, so lange der Thau fällt und in den feuchten Wiesen die Nebel brauen.

202 Es war vor langer Zeit, da hatte diesen Bach noch keines Menschen Auge erblickt, dieweil es keine gab im weiten Umkreis, und das Thal war erfüllt mit einem mächtigen Urwalde, der, aus sich selbst hervorgewachsen, in sich selbst wieder verging. Keine anderen Töne kannte es, als den Donner des Himmels, das Sausen des Windes in den Wipfeln, das Rauschen der Gewässer, das Brüllen und den Schrei der wilden Thiere, den Gesang der Vögel und das Summen der wilden Bienen. In den Höhlen der Felsen und der uralten Eichbäume wohnten der Bär, der Luchs und die wilde Katze und an den Bach kamen zur Tränke stolze Hirsche und zierliche Rehe. Der Dachs hatte einen ausgetretenen Steig von seiner Höhle bis ans Wasser und der listige Fuchs schnürte dort gerne entlang, um bei der Tränke ein leckeres Vögelchen zu erhaschen oder eine jener roth getüpfelten Forellen, die den klaren Bach in Menge erfüllten.

Die Bäume in diesem Thale wuchsen, 203 wie sie wollten, und wurden uralt, bis sie endlich von den Larven der Käfer und anderer Insecten vielfach durchbohrt und überall angehämmert von fleissigen Spechten abstarben und mit weissgebleichten Aesten dastanden. Dann kam ein Sturmwind, der sie unter gewaltigem Krachen zu Boden schmetterte, und alsbald wuchs üppig aus den vermodernden Trümmern neues Leben hervor. Zuweilen stürzte ein solcher Riese in das Bachbett, so dass sich die Gewässer schäumend Bahn brechen mussten durch verworrenes Geäste. Es kam dann wieder ein mächtiger Wolkenbruch, der den Bach hoch anschwellen liess, so dass er die Hindernisse beiseite warf und die Trümmer bergabwärts führte.

Nun geschah es einst an einem stillen Sommerabend, da weiter nichts vernehmlich war, als das endlose Rieseln der Gewässer und der Gesang der Rothkehlchen und Amseln, welche der letzte rothe Abendschein noch wach hielt, dass ein stattlicher Rehbock aus dem Walde vorsichtig auf 204 eine begraste Waldblösse trat und dann, nachdem er nach allen Seiten gesichert hatte, an den Bach zur Tränke ging. Als er dort zum Wasser sich niederbeugte, ertönte plötzlich ein durchdringender Warnruf einer aufmerksamen Amsel, wodurch sie ein Raubthier oder sonst etwas, das ihr gefährlich scheint, ankündigt. Auf diese wohlbekannten Töne hin richtete der Rehbock sich hoch empor und wollte sich eben zur Flucht wenden, als ein seltsames Schwirren durch die Luft ging, worauf das Thier einen plötzlichen Satz machte, dann unter mehrfachem Schrecken in die Knie brach und nach einigen vergeblichen Versuchen, wieder hoch zu kommen, vornüber sank und mit dem Kopf im fliessenden Wasser regungslos liegen blieb. Da ertönte hinter dem bergenden Buschwerk ein jauchzender Schrei und hervor trat der erste Mensch, der je in diese Gegend gedrungen, eine neue Art von Raubthier, welche gefährlicher war, als alle anderen zusammengenommen. Er war nothdürftig in Felle 205 gekleidet, roth gebrannt von Luft und Sonne und trug als Waffen Bogen und Pfeile, einen Speer und ein Steinbeil. Zunächst betrachtete er wohlgefällig seinen Pfeil, der dem Rehbocke gerade auf dem Blatt sass und tief eingedrungen war, dann zog er aus einer Tasche von Biberfell ein Feuersteinmesser hervor, brach seine Beute auf, streifte ihr zum Theil das Fell ab und löste eine der stattlichen Keulen heraus. Nun trug er von dem reichlich überall verstreuten dürren Holz zusammen, davon er drei passliche Stücke sorgsam aussuchte. Zwei davon stiess er tief in den Boden und machte dann mit seinem Messer zwei sich gegenüber liegende Vertiefungen in die hervorstehenden Enden. Dann schlang er die Sehne seines Bogens um das dritte beiderseitig zugespitzte Holz und klemmte es mit den Enden in die Vertiefungen der aufrechten Aeste, also dass die Figur eines Reckes entstand, dessen Seitentheile mit starker Federkraft auf den wagrechten Stab drückten. Diesen nun versetzte er 206 vermittels der umgeschlungenen Bogensehne, indem er mit dem Bogen selbst heftig hin und her fiedelte, in eine schnelle, wechselnde Drehung, wodurch wegen der starken Reibung an den Auflagepunkten alsbald eine solche Hitze erzeugt wurde, dass ein leichter Rauch aufstieg und nach einer Weile einzelne Funken hervorsprühten. Solche fing er mit einem bereit gehaltenen Stücke verwitterten Weidenholzes auf, welches alsbald sich entzündete und anfing zu glimmen. Dann hüllte er es in feines, trockenes Gras, das er bald durch eifriges Blasen in den schwelenden Zunder hell aufflammen machte, und nun häufte er neues Gras darauf, dann feine, dürre Zweiglein, dann gröbere Aeste und endlich flammte in der schweigenden Wildniss das erste Feuer empor und sandte eine schnurgerade Rauchsäule in die stille Abendluft. Der Mann hieb sodann mit seinem Steinbeil von einem benachbarten Haselbusch zwei gabelige Aeste zu und einen glatten Schössling, der ihm zum Bratspiess dienen 207 sollte. Daran steckte er seine Rehkeule, legte ihn über die Gabeln der in die Erde gebohrten Stangen und briet nun sein Abendessen, indem er mit sichtlicher Gier auf das Ende wartete. Als er mit dem Hunger eines Raubthieres den grössten Theil des noch halbrohen Fleisches verzehrt und seinen Durst aus dem nahen Bache gelöscht hatte, schleppte er noch mehr Holz zusammen, wälzte auch einen mächtigen Block zum Feuer, der voraussichtlich die ganze Nacht ausdauerte, und streckte sich dann zwischen der Gluth und einem benachbarten Felsblock zum Schlafe nieder, unbekümmert um das Gebrüll der wilden Thiere, denn er wusste wohl, dass sie das Feuer scheuten. So hielt der erste Mensch, welcher diese einsame Wildniss betrat, seine Nachtruhe, indess die Gewässer des Baches lauter durch die Stille rauschten, das Feuer knisternd weiter brannte, die funkelnden Sterne schweigend am Himmel dahinwandelten und die Eulen mit schaurigem Schrei über ihn hinwegflogen. Zuweilen waren 208 im Walde leise schleichende Schritte vernehmlich und zwei glimmende Augensterne, in welchen der Widerschein des Feuers lag, stierten aus der schwarzen Finsterniss eine Weile auf das unbekannte Neue und tauchten dann wieder in das geheimnissvolle Dunkel zurück.

Von dieser Zeit an kamen häufig derlei Gesellen in das Thal, um dort zu jagen, und dann hallten die Berge wider vom Geschrei der Jäger, dem Bellen ihrer Hunde und dem dumpfen Blasen der Stierhörner. Es war ein starkes, wildes Geschlecht, das den Bären in seiner Höhle aufsuchte, den gereizten wilden Eber auf vorgehaltene Spiesse aufrennen liess, eine blutgierige Art, nur trachtend nach Fleisch und dem süssen, fetten Mark der Knochen. Als nun des Mordens genug und das Wild selten geworden war in der Gegend, verschwanden sie wieder, um bessere Jagdgründe aufzusuchen, und für lange Zeit kehrte die alte Einsamkeit in das Thal zurück.

209 Dann kam es wieder, dass eines Morgens ein stattlicher Zweiunddreissigender, der auf einer saftigen Waldwiese behaglich äste, plötzlich den Kopf mit dem mächtigen Geweih hoch emporhob und lauschend in die Ferne horchte. Das war nicht das Pochen des Schwarzspechtes, das dort so taktmässig klopfte, solche Töne hatte sein aufmerksames Ohr noch niemals vernommen. So stand er eine Weile, doch als das neue Geräusch sich immer gleich blieb und in der gleichen Ferne, senkte er gleichmüthig den Kopf zu dem fetten Grase wieder hinab. Es war aber das Pochen stählerner Aexte, welches das Thier vernommen hatte, und diese Töne verschwanden nun nicht mehr aus der Gegend, sondern rückten von Jahr zu Jahr näher und an stillen Abenden konnte man an jenen Orten eine Reihe von Rauchsäulen zählen, welche in die unbewegte Luft emporstiegen. Dann kam eines Tages ein kräftiger Mann das Thal hinaufgewandert, der war in gewebte Gewänder gekleidet und stützte sich 210 auf einen Spiess mit blanker stählerner Spitze. Dieser Mann durchstreifte die Gegend um den Bach herum nach allen Richtungen, betrachtete sich die Wiesen und die Waldung, grub mit seinem Spiess von der Erde aus und prüfte diese, indem er wohlgefällig dazu nickte und verschwand dann wieder thalabwärts.

Nach einiger Zeit vernahm die Wildniss wieder neue Töne, das Schnaufen von Pferden, das Kreischen mangelhaft geschmierter Wagenräder und das Gebrüll von Kühen, denn das Thal herauf zog eine kleine Karawane, geleitet von jenem Manne, der gefolgt war von einer stattlichen Frau und sechs Kindern, von welchen zwei Söhne und eine Tochter bereits erwachsen waren. Auf einer anmuthigen Grassblösse an dem Ufer des Baches machte die Gesellschaft Halt, es ward mit Stahl und Stein und Zunder ein Feuer angemacht und eine Mahlzeit bereitet. Zur Nacht schliefen sie in den mit Leinwandplänen überspannten Wagen.

211 Am anderen Tage begann nun auch hier das unablässige Pochen der Aexte, der Boden bedeckte sich mit gelblichen Holzsplittern und die Luft war erfüllt mit dem frischen Harzgeruch gefällter Edeltannen. In geschützter Lage entstand ein Blockhaus, dessen Fugen mit Moos und Lehm gedichtet und dessen Dach mit frisch gespaltenen Schindeln eingedeckt wurde, während zur Seite mächtige Stapel von Brennholz für den Winter sich aufthürmten. Als nun durch die unablässige Arbeit schwieliger Hände eine genügende Strecke Landes geklärt worden war und die vom Sommersonnenschein gedörrten Abfälle der Zweige und Aeste einen schweren balsamischen Duft verbreiteten, da kam ein hoher Festtag für die Kinder, denn eines Tages, da gerade der Wind eine günstige Richtung hatte, wurde dieser ganz ungeheuere Scheiterhaufen von trockenem Reisig angezündet, um sich so auf eine bequeme Art dieser hinderlichen Gegenstände zu entledigen. Zwischen den schwarz 212 gebrannten Stumpfen der gefällten Bäume, von denen man nur die kleineren auch ausgerodet hatte, ward dann mit Pflug und Spaten so gut es ging die Erde gelockert und die erste Wintersaat in den jungfräulichen Boden eingebracht. So kam allmählich der Herbst heran. Die Spitzen des jungen Kornes sahen bereits aus der schwarzen Erde hervor, auf den Waldwiesen standen mächtige Schober köstlichen Gebirgsheues zum Wintervorrath für das Vieh, im Rauchfange hingen die Keulen und Rücken von wilden Schweinen, Bären und feisten Hirschen und im Eichwald schwelgten die wenigen mitgebrachten Schweine in unermesslichen Eicheln, um Kraft und Stärke zu gewinnen für eine gedeihliche Nachzucht im nächsten Jahre. So sahen die ersten Ansiedler dieses gesegneten Thales mit Zuversicht dem nahenden Winter und mit gutem Vertrauen der Zukunft entgegen.

Das nächste Jahr brachte die erste Ernte, neue Ansiedler und der entstehenden 213 Ortschaft einen Namen, denn da der erste Bebauer den Namen Walter führte, so nannte man nach ihm den Platz Walterode und also heisst das Dorf noch bis auf den heutigen Tag. Im Laufe der Zeit verschwand nun der Urwald bis auf einige wenige alte Riesenbäume, welche man zum Wahrzeichen stehen liess, ganz aus der Ebene des Thales und nur von den Bergen und steilen Hängen schaute er noch finster hin auf den einstigen Schauplatz seiner Grösse und alleinigen Herrschaft. Anstatt seiner breitete sich dort ein bunter Teppich verschiedenfarbiger Felder und saftig grüner Wiesen aus, an dem Bache entlang zog sich die Dorfstrasse und an dieser lagen saubere Häuser mit hübschem Schnitzwerk verziert, umgeben von Gärten, in welchen Basilicum, Raute, Lavendel, Salbei und andere Würzpflanzen dufteten, in welchen Mohn und Lilien, brennende Liebe und Gelbveigelein blühten, und strotzende Küchengewächse üppig sich ausbreiteten. Hinter den Häusern aber im Grasgarten 214schimmerten im Frühling silbern und rosig die Obstbäume und standen im Herbste gebeugt von goldenen und blauen Früchten. Am höchsten Punkte des Dorfes streckte nun aus dem Schatten uralter Eichen eine Kirche ihr spitzes Thürmlein hervor und an den stillen Sommerabenden hörte man statt des rauhen Gebrülles der wilden Thiere ein friedliches Läuten, das Dengeln von Sensen und das fröhliche Geschrei spielender Kinder.

Nur der Bach blieb bei diesem Wechsel der Dinge immer derselbe und rauschte durch Dorf und Wiesen mit demselben Geplätscher dahin, wie einst durch den unberührten Urwald; er sah die endlose Kette menschlichen Daseins an sich vorübergleiten und dahinfliessen wie seine eigenen Wellen, die ewig neu und ewig dieselben waren. Er sah die Kinder an seinen Ufern spielen, wie sie Kanäle und Mühlen bauten und Krebse und Forellen griffen. Er sah sie heranwachsen und pärchenweise im Mondschein an seinen Ufern 215 wandeln, indem sie sich umschlungen hielten und Küsse mit einander tauschten. Er sah gebräunte Männer auf die Arbeit ziehen, indess die Frauen in Haus und Garten sich fleissig regten. Er sah an seinem Rande gebrechliche Greise träumend in der Sonne sitzen, zu deren Füssen neue Kinder die alten Spiele übten, und so flossen die Wellen und die Jahre unablässig dahin. Dieses friedliche Leben ward nur unterbrochen durch solche Ereignisse, für deren Fernbleiben allsonntäglich auf der Kanzel gebetet wird und denen das Menschengeschlecht doch nie und nimmer entrinnen kann. Es kamen Kriegsläufte, in welchen sich die krystallklaren Wellen des Baches mit Blut färbten, es kam eine Feuersbrunst und verzehrte die Häuser des halben Dorfes, eine Pestilenz, ausgebrütet in den Sümpfen der Länder gegen Sonnenaufgang, wanderte herbei, leerte die Häuser und füllte den Kirchhof, Misswachs und sein scheussliches Kind Hungersnoth zehrten an den Gebeinen der Dorfbewohner, doch 216 Alles überwand die unverwüstliche Kraft des Lebens, und so blüht und gedeiht der freundliche Ort Walterode bis auf den heutigen Tag.

Und wie sieht es denn jetzt dort aus? Schon wieder ein wenig anders, und wieder sind neue unerhörte Töne bis in die entlegene Einsamkeit dieses Thales gedrungen, denn von dem Hauptthale aus, in welches es mündet, wie sein Bach einläuft in das Flüsschen, das sich dort glänzend durch den Grund windet, schrillt zuweilen herüber, wie der Todesschrei eines furchtbaren Riesenthieres aus dem Geschlechte der Schweine, der gellende Pfiff der Lokomotive. Den Bach hat man eingefangen und seine Kraft vor allerlei Mühlen und Fabriken gespannt, wo er mit unwilligem Brausen über die Wehre stürmt, um wimmelnde Räder und Riemen und knirschende Sägen zu treiben. Aus einem schmalen Seitenthale ragt sogar der mächtige Schornstein einer Papierfabrik hervor, welche eifrig bestrebt ist, ganze Wälder zu fressen 217 und sie in ungemein sehlechtes Papier zu verwandeln.

Um die Sommerszeit aber kommen aus Berlin und Leipzig und anderen grossen Städten Geheimräthe und Kommerzienräthe mit gebildeten Gattinnen, ästhetischen Töchtern und klugen Söhnen, um die köstliche Gebirgsluft zu geniessen. Und die Väter wandeln würdevoll in der nächsten Umgegend spazieren und führen weise Gespräche über den Stand der orientalischen Frage oder die neueste Anleihe, während die Mütter, auf den Bänken sitzend und in der schönen Aussicht schwelgend, die grosse Dienstbotenfrage erwägen, und wo man den besten und billigsten Kaffee kauft. Die Töchter aber sind meist mit Skizzenbüchern behaftet, mit welchen sie überall in der Gegend herum sitzen, und es giebt in dem ganzen Dorfe und seiner Umgebung keinen bemoosten Felsblock, keine alte Kropfweide, keine Kuh und keinen Schweinestall, der nicht schon in solchem Skizzenbuche stände. Die klugen Söhne 218 aber hocken beim Biere, rauchen ein Cigarrettlein nach dem anderen und geniessen die balsamische Gebirgsluft auf diese Art.

So ist es jetzt, wie es aber in Zukunft sein wird, das weiss Niemand. Es gab ja Städte, welche einst glänzend dastanden in der Pracht ihrer Paläste und weit hinaus ihre mächtige Herrschaft ausübten, doch heute kennt man kaum den Ort in der Wüste, wo sie lagen. Sie sind vergessen und fast ohne Spur verloren. So kann es auch sein, dass die Menschen einmal wieder verschwinden aus diesem Thale, und das Dorf in Trümmer sinkt. Dann wird langsam der Wald herabsteigen aus dem Gebirge in seine alten Standplätze und nach Hunderten von Jahren ein neuer Urwald dort seine Wipfel wiegen, und das Andenken der Menschen, welche dort wohnten, wird hinabgeflossen sein in das grosse Meer der Vergessenheit. Doch mit demselben Rauschen und Rieseln, wie 219 einst und jetzt, wird auch dann der Bach zu Thale wandern mit seinen klaren Gewässern, die ewig kommen und ewig gehen und ewig bleiben.

 

 

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