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Ein skandalöser Fall

Oskar Panizza: Ein skandalöser Fall - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
booktitleEin skandalöser Fall
authorOskar Panizza
year1997
publisherMartus Verlag
addressMünchen
isbn3-928606-21-2
titleEin skandalöser Fall
pages19-74
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Da wir das genaue Kapitel, welches Monsieur studierte, nicht erkennen können, so wollen wir uns anderweitig im Zimmer des Abbé etwas umsehen. Hell und freundlich war es; die Morgensonne kam zu dem Fenster herein, an dem der große, platte Arbeitstisch des vornehmen Geistlichen stand; grüne schwere Portieren milderten diese Stelle. Am Fußboden lag ein leuchtendes Tigerfell, in dessen Falten die kleinen Schnallenschuhe des Abbé spielten; rückwärts, gegen das zweite Fenster zu, stand ein großer seideüberzogener Paravent, der vom Zimmer etwa ein Drittel abschnitt. An einem zweiten Fenster standen vier bis fünf Bücherschreine, knapp an die Wand gerückt, vollgepfropft mit Bänden, die, nach den zahlreichen gelblichen Pergament- und Schweinsrücken zu schließen, eine Menge Theologie bargen. Noch ein kleiner Betpult links und zwei Türen auf derselben Seite, von denen eine gleich zu den Gemächern von Madame la Superieure im nächsten Stock führte, während die andere auf dem Klosterkorridor mündete. Noch ein kleines Blumenarrangement, ein Kamin, zwischen den zwei Fenstern, mit einigen Statuetten, und das Auffallende zuletzt, ein toller, eigentümlicher Geruch, wie ihn besondere Menschen in ihren Räumen haben, ein Geruch, der jedem sofort auffiel, der Monsieurs Zimmer betrat, ein Geruch gemischt aus – vergleichsweise! – Zibeben mit Druckerschwärze, Tigerfellpulver und dem persönlichen Schweiß des Prälaten. Fest und unaustreibbar lag dieser Duft in dem Zimmer.

Während der Abbé sich hier in moralische Probleme des Liguori vertiefte, zogen oben im dritten Stock die vierzehn-, fünfzehn- und sechzehnjährigen Mädchen ihre Höschen an, schlüpften in die Pantöffelchen und begaben sich an die neben jedem Bett stehenden Waschtische, begannen das frische Wasser über den dünnen Nacken zu spritzen und Wangen und Stirn ein wenig zu reiben, die überhängenden Haare hinauszustreichen, sich zu beugen und wieder kerzengerade aufzurichten. Es war eben morgens sieben Uhr und Aufstehenszeit. Monsieur war nur so früh auf, weil er ja seine Messe lesen mußte. In dem ganzen Schlafsaal sah man jetzt nur weiße Lichter und Flächen; chamoisgelbe Arme und Nacken; blendendweiße Röckchen und Hemdstücke; und manchmal glitzernde Punkte von aufgesperrten Mündern; man hörte ein Schliefen und Rutschen, ein Anziehe- und Auskleidegeräusch; ein Knipsen der Strumpfbänder, ein Schlappen, Wischen und Wenden ging durch den Saal. Sonst war alles ruhig; denn der Geist dieser jungen Geschöpfe lag noch eingebunden in den Windeln ihrer Träume und hinderte sie am Plappern und Schwätzen.

Was geschah aber mit Madame la Superieure um diese Zeit? Sie war wohl schon aufgestanden und trank Schokolade, lag in einem mit Kreuzen, Herzen und Passionsnägeln bestickten Schlafrock, damit beschäftigt, jenen blauen Rauch in ihren Zimmern zu entwickeln, den die Mägde immer bei ihr vorfanden, und den sie für den Weihrauch von Madames Privatandacht hielten. Vielleicht griff sie auch in das halb aufgemachte Pariser Paket, nahm einen Kleinoktavband und fing an zu lesen, zu lesen, oft bis die Sonne schon hoch am Himmel stand. Denn Madame beteiligte sich nicht an der Morgenandacht, die alle Klosterbewohner vor dem Frühstück zusammenrief. Vormittags übte sie keine Präsidialgeschäfte aus. Und auch heute wäre sie in ihrem Passionsrock liegen geblieben und hätte wohl den Oktavband zu Ende gelesen, wenn nicht eine scharfe Flüsterstimme an ihrem Schlafzimmer erschienen wäre und ihr die seltsamste Mitteilung gemacht hätte.

Inzwischen aber trampelten und rutschten und trappten die siebzig oder achtzig Klosterfräulein mit noch verschlafenen Wimpern die Treppen hinunter in die großen Betsäle im Parterre, um die kurze Morgenandacht zu absolvieren, der gleich darauf das heiß erwartete Frühstück mit viel Weißbrot, viel Butter und viel Kaffee folgte.

Schon während des Treppenhinabjagens und während der Andacht und noch mehr während des Frühstücks, wo die zarten Mäulchen die ersten Exerzitien für die Schwatztätigkeit des ganzen Tages machten, gewahrte man heute ein Zischeln und Zuflüstern, ein Gestikulieren, welches zu dieser verschlafenen Morgenstunde ganz ungewöhnlich war. Und als endlich nach dem Frühstück groß und klein an die Arbeit sich begeben sollte, und die einzelnen Klassenzimmer mit Arithmetik, Memorieren, Klassikern, Aufsätzen und Schönschreiben sich füllen sollten, da zeigte sich's, daß eine ungewöhnliche Erregung den ganzen jungen Bienenschwarm ergriffen hatte, daß ein Ferment von intensiver Wirkung allen in die Herzen und in die Köpfe gefahren; daß alle Augen funkelten, alle Wangen glühten. Da nun la Soeur Première, weit entfernt mit einer einzigen Handbewegung, wie sie's konnte, die kecken Palastrevolutionäre immer in ihre Arbeitsstuben zu jagen, lächelnd alles geschehen ließ, so war's kein Wunder, wenn geschah, was nun folgte.

Monsieur l'Abbé saß noch immer auf seiner Tigerdecke und las noch immer Liguori, Theologiae moralis, libri sex. Er hatte schon längst gefrühstückt und bei der Morgenandacht pflegte auch er nicht zu erscheinen. Nun fing es plötzlich außen an seiner Tür, die zum Korridor führte, zu summen und zu brodeln an; es war ein Klirren, als wenn ein Hagelwetter von kleinen Zähnen sich da draußen zu üben begänne, ein Schlürfen von jungen, kleinen Schuhsohlen und ein Stumpen, Drücken, Gilfen, Kichern und Pst-Rufen. Monsieur kannte das Geräusch: Wenn dreißig bis vierzig Mädchen an einem heißen Sommertag mittags um zwei Uhr sich vor seiner Tür hinpflanzten und lärmten, bis er aufmachte, und dann die ganze Kohorte mit gefalteten Händen vor ihm ins Knie sank nur dem Ruf »Wir bitten um Hitzvakanz!!« – Aber es war ja gar nicht heiß. Und auch nicht zwei Uhr, sondern neun Uhr. Kein Mensch konnte auch wissen, ob es heiß werde.

Monsieur las noch immer und hatte den rechten Zeigefinger rings um den Nasenhöcker gelegt. Er pflegte gern sein moralisches Frühstück mit Liguori oder Thomas d'Aquino bis zehn oder elf Uhr auszudehnen. Jetzt aber stand er auf, als von dem Gestumpe die Tür einzubrechen drohte. Er ging hin und machte auf: und der ganze Haufe junger Mädchen, mit ihren grauen Arbeitsschürzchen, an den Schultern weiße Tüllpuffen, die wilden Haare unter delikatem Chamoishäubchen versteckt, stürmte herein, schrie voller Entrüstung durcheinander, beugte sich vorwärts, spreitete die Hände auseinander, um sie dann zusammenzupatschen. Was Monsieur aus dem Tumult verstehen konnte, waren nur die Namen Henriette und la Maitresse. La Maitresse nannten die Mädchen mit einem von ihnen eingeführten Namen Alexina, die in der letzten Zeit einige Lehrstunden in den jüngeren Klassen erhalten hatte. La Maitresse blieb dann für Alexina, wurde allgemein akzeptiert, und schien also in glücklicherweise ihre zukünftige Stellung im Kloster anzudeuten. Jetzt aber sollte dieser Ausdruck plötzlich eine unerhörte Wendung bekommen. Also immer nur Henriette und la Maitresse war es, was Monsieur verstehen konnte. Endlich gebot der Abbé Stillschweigen und fragte eines der ältesten Mädchen, was vorgefallen sei. Nun kam es denn heraus: man habe Henriette, die Nichte von Madame, mit Alexina, ihrer intimen Freundin, heute morgen beim Aufstehen, im Schlafsaal der älteren Mädchen, Hände und Körper verschlungen, in einem Bett, dem Alexinas, schlafend gefunden; Henriettes Bett, das in einer ganz anderen Reihe stehe, sei leer gewesen. Eines der älteren Mädchen, welches zufällig und wegen eines bestimmten Bedürfnisses etwas vor der Zeit aufgestanden sei, habe die beiden liegen sehen, sei aber fortgegangen; bei der Rückkehr hätten sie aber immer noch so gelegen. Nun habe sie andere Mädchen geweckt; sie seien herbeigekommen und hätten mit Staunen dasselbe gesehen. Durch das Geräusch und Kichern seien andere aufgewacht; schließlich sei der halbe Schlafsaal um die beiden Schläferinnen versammelt gewesen. Nun habe man ihnen die Bettdecken weggezogen und habe Gräßliches gesehen. Alexina und Henriette seien dann erwacht und kreischend auseinander gefahren.

Alle Mädchen hatten sich zuletzt an der Erzählung mit glühenden Gesichtern beteiligt. Jetzt entstand eine Pause; und als Monsieur, der noch immer sein Liguoribändchen mit eingeschnapptem Finger in der linken Hand und den rechten Daumen in einem Knopfzwischenraum seiner Soutane eingehakt hatte, sich nur mit einem ruhigen »Eh bien?« vernehmen ließ, als wollte er sagen: Nun, und was ist jetzt? – stürzten die jungen Fratzen mit aufgehobenen Händen auf ihn zu und riefen fast wie aus einem Munde: »Mais c'est honteux! C'est terrible ça! C'est sale! Enfin c'est tout ce que vous voudrez!« – Die jungen Zöglinge durften wohl in dieser Weise sich vernehmen lassen, ohne die ungeheure Distanz, die sie von ihrem Vorstand und Priester trennte, zu verringern. Monsieur hatte sozusagen einen breiten Buckel, auf dem die jungen Fäustchen auch gelegentlich herumtrommeln durften. Und wenn er auf der einen Seite faktisch für die acht oder zehn strengreligiösen Mädchen so etwas wie le bon Dieu war, so war er dafür doch auch wieder le bon père, der auch das in dieser hohen Stellung liegende Wohlwollen zum Ausdruck brachte. Und gar in weiblichen Dingen durften die Mädchen ihre Ansichten mit den ihnen eigentümlichen extremsten Wortformen und unter Aufwand einer großen Dosis Pathos zum Vortrag bringen. Auffallend war dem Abbé, daß auch die größeren Mädchen sich eingefunden hatten und mit verlegenen Gesichtern dortstanden. – Jetzt ging die Tür auf, und la Soeur Première kam mit einem verstörten Gesicht, welches vielleicht etwas übertrieben war, herein, fiel dicht vor dem Abbé auf die Knie – das war die übliche pathetische Klosterform – bedeckte ihr Gesicht mit ihren Händen und teilweise seiner Soutane und rief schluchzend: »Oh Monsieur, c'est honteux!« – Was es denn gebe, beruhigte sie der Abbé und hob die erste Schwester, der er sehr gewogen war, auf. Henriette und Alexina, hieß es nun, seien verschwunden, seien weder zur Andacht noch zum Frühstück gekommen. Dies und allerlei Flüsterungen, die man jetzt im Kloster hören könne, ließen auf ein ungewöhnliches, schweres Verschulden schließen. – Nun drängten sich weitere Mädchen durch die halbgeöffnete Tür und brachten andere Neuigkeiten, die sie von den Mägden erhalten haben wollten. Draußen, durch den geöffneten Türspalt, sah man die schadenfrohen Gesichter der Dienstmägde, horchend, ob ihre Geschichten richtig überbracht wurden: Alexina sei gefunden, sie kaure im Hemd droben auf dem Boden und weigere sich hinunterzugehen, wenn ihr nicht Kleider gebracht würden. Auch Henriette sei jetzt gefunden; sie war, ebenfalls unbekleidet, zuerst in die Vorratskammer geflohen und, als die Beschließerin sie dort entdeckt, hinauf zur Superieure gesprungen. Madame habe dann die Kleider ihrer Nichte hinaufbefohlen. Ferner wurde konstatiert, daß das Bett von Henriette die Nacht über überhaupt nicht benutzt worden war, da es jetzt noch gänzlich unberührt stehe. Andere Mädchen fuhren jetzt sofort dazwischen: Henriette sei oft gesehen worden, wie sie in aller Herrgottsfrühe ihr Bett absichtlich in Unordnung brachte, es müsse demnach vorher unberührt gewesen sein, denn niemand verkrumple sein Bett im Moment des Aufstehens. – In diesem Moment ging die zweite Tür, die in Monsieurs Zimmer führte, auf, und Madame la Superieure trat herein. Alles wich halb ehrfurchtsvoll, fast wie ertappt, zurück. Nur la Soeur Première blieb standhaft stehen und maß la Superieure mit einem festen Blick. Aus diesem Blick und ihrem Widerprall aus Madames Auge konnte ein Kundiger jetzt schon die ganze Situation erkennen. Und wenn Monsieur l'Abbé scharfsichtiger gewesen wäre, hätte er bereits sehen können, daß die ganze dumme Schäferliebelei zwischen Henriette und Alexina, um die es sich augenscheinlich handelte, nur ein Gelegenheitsfeld war, auf dem die beiden Damen sich maßen, und daß Henriette, die Nichte von Madame – wenn der Feldzug richtig geführt würde – offenbar die Flanke abgeben würde, von der aus, unter Aufdeckung des verdächtigen Lebenswandels von Madame, die Schwäche ihrer Stellung gezeigt und diese selbst aus dem Feld geschlagen werden könnte. – Madame schien entrüstet und überrascht, was die Zöglinge alle hier wollten. Ob denn der jüngste Tag anbreche? Alle sollten unverzüglich in ihre Unterrichtsstunden gehen! Mit einem Wink stob die ganze Menge auseinander. Scheinbar gütig ermahnte sie dann la Soeur Première, die Zügel der Klosterordnung doch nicht in die Hände der rauflustigen, ausgelassenen Mädchen gleiten zu lassen. Sie habe gehört, was vorgefallen sei! Es sei nicht der Rede wert. Natürlich müsse eine kleine Disziplinierung stattfinden. Aber im Kloster Douay deswegen alles von oberst zu unterst kehren, sei unerhört! Sie mache la Première für die fernere Ordnung während des Tages verantwortlich. Mit einem kleinen »C'est bien!« verließ die Première das Zimmer, und Madame und Monsieur waren nun allein. – Der Abbé hatte bis jetzt gar nichts entschieden. Er liebte es, stummer Zuschauer zu sein und die Tatsachen in seinem Kopfe zu registrieren. Auch jetzt ergriff er nicht das Wort, sondern wartete, daß Madame sprach. – Das sei ja eine grauenhafte Geschichte, meinte diese, und zeigte erst jetzt ihre große Besorgnis, nicht über die Sache selbst, sondern über die Aufregung, die sie hervorgerufen. Daß so etwas solche Dimensionen annehmen könne! Das sei ja, als wenn der Teufel der ganzen Klostertracht in die Glieder gefahren wäre. – Monsieur machte eine abwehrende Bewegung und schlug drei Kreuze in die Geste hinein. – Ach was! meinte Madame. Es sei ein großer Fehler gewesen, die Sache so weit kommen zu lassen. Die Schwestern hätten nicht ihre Schuldigkeit getan! Sie verlange die Bestrafung von la Première, am besten deren Versetzung in ein Schwesterkloster. – La Première, wehrte Monsieur ab, der sie sehr gern mochte, sei als Lehrkraft unentbehrlich für das Kloster. Wer solle sie nur im französischen Stil ersetzen. Abgesehen von ihren Qualitäten als Aufsichtsperson! Nein, der Fehler sei, daß weder er, noch sie, Madame, jemals bei der Andacht noch beim Frühstück anwesend seien. Dann hätte man die Affäre, die schon seit früh sechs oder sieben spiele, rascher entdeckt. Um neun Uhr war der Bienenschwarm schon ausgeflogen. – Madame aber blieb dabei, die Schwestern hätten das Unglück angerichtet. Kinder mit fünfzehn, sechzehn Jahren kämen nicht von selbst so weit. – Aber was Monsieur weit mehr interessierte, war der moralische Teil der Geschichte. Ob es denn etwas Häufiges sei, daß Mädchen so zusammen im Bett lägen? – Gewiß, die Kleinen spielten ja wie die Katzen. – Aber Henriette sei doch fast siebzehn, und la Maitresse gehe ins achtzehnte und unterrichte schon die Jüngsten. – Allerdings, aber das Freundschaftsband zwischen beiden sei ein außerordentlich enges. – Ob diese Mädchenfreundschaften sich so sinnlich äußerten? meinte der Abbé. – Zuweilen ja! Von dieser Ausdehnung habe sie allerdings keine Ahnung gehabt. Wohl aber habe sie schon so etwas gehört. In keinem Fall sei etwas Schlimmes dabei, es seien ja beides Mädchen, jung, feurig, phantasievoll. – Der Abbé machte eine Handbewegung, als genüge diese Erklärung nicht, und wandte sich zu den Bücherständen am Fenster. – In jedem Fall, meinte Madame im Weggehen, sei die junge Brut wieder in ihren Käfigen. Sie wolle jetzt rasch Anordnungen geben, daß Alexina und Henriette bei Tisch erschienen, als sei nichts vorgefallen. Es dürfe keine Absperrung der zwei jungen Sünderinnen stattfinden. Noch könne alles gut gehen.

Darin irrte sie sich. Wenn nur la Première nicht entschlossen gewesen wäre, das Eisen, das jetzt glühte, unter keinen Umständen erkalten zu lassen. Und wenn nur Monsieur l'Abbé sein moralisches Interesse aufgegeben hätte und auf jede weitere Zufuhr von Einzelheiten Verzicht geleistet hätte. – Dieser hatte inzwischen das Dictionnaire ecclésiastique hervorgezogen und unter dem Titel »Sappho« gesucht; als er hier nicht fand, was er wollte, suchte er unter »Lesbos«; und als ihm dies auch nicht genügte, holte er den Artikel »Tribade«. Diesen nahm er mit aufs Tigerfell und blieb über ihm wohl eine halbe Stunde.

Für einen Moment war jetzt alles ruhig. Aber wir können dem Leser keine Zeit zu einer Pause geben. Er muß die ganze Skandalaffäre, so wie sie stattgefunden, in den paar Stunden des Nachmittags mit uns durchhetzen. Er muß durch diesen Hexenbreughel eines Klosterinterieurs wie im Flug mit uns durchsausen. Zum Erblicken von Details ist sowieso keine Zeit. Aber auch nicht zum Verhalten und Ausschnaufen.

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