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Ein Märchen von einer Tonne

Jonathan Swift: Ein Märchen von einer Tonne - Kapitel 2
Quellenangabe
typebiography
authorJonathan Swift
titleEin Märchen von einer Tonne
publisherErich Reiss Verlag
seriesProsa Schriften
volumeZweiter Band. Jugendwerke und Tagebuch
year1910
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130703
projectid094c46cd
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Ein Märchen von einer Tonne. Analytische Inhaltsangabe.

Die Apologie des Verfassers.

Das Märchen hat den Beifall einer grossen Majorität unter den Leuten von Geschmack gefunden. Ein paar Abhandlungen wurden ausdrücklich dagegen geschrieben; keine Silbe zu seiner Verteidigung. Der grössere Teil 1696 beendet, acht Jahre vor der Veröffentlichung. Ziel des Verfassers, als er es begann. Aus dem Buch lässt sich keine irreligiöse oder unmoralische Ansicht ableiten. Die Geistlichkeit hat keinen Grund, es nicht zu mögen. Da des Verfassers Absicht nicht die rechte Würdigung fand, so lehnte er es ab, eine Aufgabe zu übernehmen, die er sich vorgenommen hatte, nämlich einige Veröffentlichungen zu untersuchen, die gegen jede Religion gerichtet waren. Unbillig, einem Verfasser einen Namen anzuhängen, nachdem er sich so sorgfältig verborgen hatte. Der Brief über den Enthusiasmus von vielen demselben Verfasser zugeschrieben. Wenn die Missbräuche in der Rechtsprechung oder der Heilkunde das Thema dieser Abhandlung gewesen wären, so wären die gelehrten Professoren in beiden Fakultäten liberaler gewesen als die Geistlichkeit. Die Stellen, die am meisten Anlass zu Einwänden zu geben scheinen, sind Parodien. Der Verfasser frei von jeder Absicht, scheele Seitenblicke auf gewisse Lehrsätze der Religion zu werfen, die er nach Ansicht voreingenommener oder unwissender Leser gemeint haben soll. Das besonders zutreffend für die Stelle über die drei hölzernen Gerüste. Durch das ganze Buch zieht sich Ironie. Unnötig, von Gegenschriften Notiz zu nehmen. Es ist das gewöhnliche Schicksal derer, die Erwiderungen gegen verdienstliche Bücher schreiben, in den Papierkorb und in Vergessenheit zu sinken. Die Sache ganz anders, wenn ein grosses Genie ein törichtes Werk blossstellt. Gedanken, veranlasst durch Dr. Kings Bemerkungen zum Märchen von der Tonne; andere, veranlasst von Herrn Wotton. Erklärung der Art, wie das Märchen zuerst veröffentlicht wurde. Das Fragment nicht gedruckt, wie der Verfasser wollte; ist nur die Vorarbeit zu einer weit grösseren Arbeit. Weshalb Peters Eide aufgenommen wurden. Die schwersten Hiebe der Satire in der Abhandlung gerichtet gegen die Sitte, den Witz in profanen Dingen und für die Unsittlichkeit zu benutzen. Witz die edelste und nützlichste Gabe der Menschennatur; Humor die angenehmste. Wer von beiden nichts besitzt, hält den Hieb für schwach, weil er selbst unempfänglich dafür ist.

Ps. Der Verfasser des Schlüssels irrt in all seinen Vermutungen. Das ganze Werk von einer Hand; der Verfasser fordert jeden heraus, auch nur drei Zeilen in dem Buch für sich in Anspruch zu nehmen.

Die Widmung des Buchhändlers an Lord Somers.

Wie er herausfindet, dass dieser Lord der von seinem Autor gemeinte Gönner ist. Wer ein Buch widmet, ist lächerlich, wenn er seinen Gönner um gewisser Eigenschaften willen preist, die er nicht besitzt.

Der Buchhändler an den Leser.

Berichtet, wie lange er diese Blätter in der Hand hatte, wann sie geschrieben wurden und weshalb er sie jetzt veröffentlicht.

Die Widmung an die Nachwelt.

Der Verfasser, der besorgt, die Zeit werde bald fast alle modernen Schriften unsres Jahrhunderts vernichten, beklagt sich über ihre Tücke wider die modernen Schriftsteller und deren Erzeugnisse, dieweil sie sie so schnell von der Bühne fortjagt; deshalb richtet er zugunsten seiner Zeitgenossen eine Rede an die Nachwelt; versichert sie, dass sie reich sind an Witz und Gelehrsamkeit und Büchern; und er erwähnt z. B. Dryden, Tate, D'Urfey, Bentley und Wotton.

Vorrede. Anlass und Absicht dieses Werks.

Plan für die Verwendung der Dandys der Nation. Von modernen Vorreden. Feinheit des modernen Witzes. Methode, in die Gedanken eines Autors einzudringen.

Klagen eines jeden Schriftstellers über die Fülle der Schriftsteller; gleichen den fetten Burschen im Gedränge. Unser Autor besteht auf dem gewöhnlichen Vorrecht der Schriftsteller, dass man sie günstig auslegen muss, wenn man sie nicht versteht, und dass sie sich im modernen Stil selbst loben dürfen. Diese Abhandlung ohne jede Satire, und weshalb. Ruhm leichter zu erwerben durch Satire als durch Lob, denn das Thema des Lobes ist eng begrenzt, das der Satire unendlich gross. Unterschied zwischen Athen und England in allgemeiner und besonderer Satire. Der Verfasser plant eine Lobrede auf die Welt und eine bescheidene Verteidigung des Pöbels.

Erster Teil. Einleitung.

Eine physikomythologische Abhandlung über die verschiedenen Arten der Rednertribünen. Von den Anwaltsschranken und der Richtertribüne. Der Verfasser hebt die Zahl Drei, verspricht einen Panegyrikus auf diese Zahl. Von den Kanzeln; welches die besten sind. Von Leitern, darauf die britischen Redner alle andern übertreffen. Von der Wanderbühne; das Seminar der beiden ersteren. Ein physischer Grund, weshalb diese Gerüste errichtet werden. Von der merkwürdigen Anlage moderner Theater. Diese drei Gerüste stellen als Embleme die verschiedenen Klassen der Schriftsteller dar.

Eine apologetische Dissertation zugunsten der Grub-Street-Schriftsteller wider ihre aufrührerischen Rivalen im Greshamkolleg oder bei Will. Oberflächliche Leser können die Weisheit nicht leicht erkennen; als welche verglichen wird mit mehreren hübschen Dingen. Kommentare zu allerlei Schriften der Grub-Street-Schriftsteller werden versprochen; wie zum Beispiel zu ›Reineke Fuchs‹, ›Däumling‹, ›Doktor Faust‹, ›Whittington und seine Katze‹, ›Die Hirschkuh und der Panther‹, ›Tommy Pots‹ und ›Die Weisen von Schilda‹. Feder und Kraft des Verfassers verbraucht im Dienste des Staates. Vielheit der Titel und Widmungen.

Zweiter Teil. Das Märchen von einer Tonne.

Von einem Vater und seinen drei Söhnen. Sein Testament und seine Vermächtnisse für sie. Von der anfänglichen Laufbahn der jungen Leute und von der feinen Bildung, die sie in der Stadt erwarben. Schilderung einer neuen Sekte, die ihren Schöpfer, den Schneider, anbetete. Von ihrem Idol und ihrem System. Die drei Brüder folgen gegen ihres Vaters Wunsch der Mode und verschaffen sich mit Hilfe von Begriffsunterscheidungen Achselbänder, mit Hilfe der Tradition Goldborten, mit Hilfe eines angeblichen Kodizills flammenrotes Seidenfutter, kraft kritischer Deutung Silberfransen, und dadurch, dass sie den einfachen Wortsinn beiseite schieben, Stickerei mit indischen Figuren. Das Testament schliesslich verschlossen. Peter kommt in das Haus eines grossen Herrn und wirft nach dessen Tode seine Kinder hinaus, an deren Stelle er seine eigenen Brüder aufnimmt.

Dritter Teil. Eine Abschweifung über die Kritiker.

Drei Arten von Kritikern; die beiden ersten Arten jetzt ausgestorben. Die echte Kritikergenealogie; Dienst; Definition. Das Alter ihres Geschlechts aus Pausanias nachgewiesen, der sie darstellt als Esel, die Weinlaub grasen; und aus Herodot, der sie schildert durch gehörnte Esel und einen Esel, der ein skythisches Heer erschreckte; und aus Diodorus, bei dem sie ein giftiges Kraut sind; und aus Ktesias, der Schlangen hat, die durch ihren Geifer vergiften; und schliesslich aus Terenz, der ihnen den Namen Malevoli gibt. Der echte Kritiker wird verglichen mit einem Schneider und einem echten Bettler. Drei Kennzeichen eines echten modernen Kritikers.

Vierter Teil. Fortsetzung des Märchens von einer Tonne.

Peter umkleidet sich mit Pomp und Titeln; um beides unterhalten zu können, wird er zum Pläneschmieder. Des Verfassers Hoffnungen, in fremde Sprachen übersetzt zu werden. Peters erste Erfindung, nämlich die der Terra Australis incognita. Die zweite: ein Heilmittel gegen Würmer. Die dritte: eine Flüsterkammer. Die vierte: ein Versicherungsamt. Die fünfte: eine Weltenklemme. Die sechste: eine Herde Bullen mit bleiernen Füssen. Die letzte: seine Vergebung für Übeltäter. Peter verliert den Verstand; er spielt allerlei Streiche und wirft die Frauen seiner Brüder hinaus. Gibt seinen Brüdern Brot für Fleisch und Wein. Erzählt ungeheure Lügen; von der Milch einer Kuh, die 3000 Kirchen füllen würde; von einem Pfosten so gross wie ein Kriegsschiff; von einem Haus, das 2000 Seemeilen weit gereist ist. Die Brüder stehlen eine Abschrift des Testaments; erbrechen die Kellertür, werden beide von Peter mit einem Fusstritt zur Tür hinausgeworfen.

Fünfter Teil. Eine Abschweifung im modernen Stil.

Unser Autor lässt sich darüber aus, wieviel Mühe es ihm macht, dem Publikum zu dienen, indem er es unterrichtet, und mehr noch, indem er es amüsiert. Da die Modernen die Alten so sehr übertreffen, gibt ihnen der Verfasser ein Rezept, wie man ein vollständiges System aller Künste und Wissenschaften in einem kleinen Taschenband zusammenfassen kann. Mehrere Fehler bei Homer entdeckt; seine Unwissenheit in modernen Erfindungen usw. Unsres Verfassers Schriften geeignet, alle Mängel zu beseitigen. Er rechtfertigt sein Lob der eignen Schriften durch moderne Beispiele.

Sechster Teil. Fortsetzung des Märchens von der Tonne.

Die beiden Brüder einigen sich, als sie ausgestossen werden, in dem Entschluss, dem Testament entsprechend zu reformieren. Sie nehmen verschiedene Namen an und erweisen sich als verschiedenen Charakters. Wie Martin seinen Rock schroff zu reformieren begann, aber vorsichtiger damit fortfuhr. Jakob, der von anderem Temperament und voll von Eifer ist, reisst zunächst einmal alles in Fetzen. Er bemüht sich, Martin bis zu demselben Grade zu entflammen; da es ihm jedoch nicht gelingt, so trennen sie sich. Jakob wird wahnsinnig, nimmt viele Namen an und gründet die Sekte der Aeolisten.

Siebenter Teil. Eine Abschweifung zum Lobe der Abschweifungen.

Abschweifungen sagen dem modernen Gaumen zu. Ein Beweis entarteter Gelüste; aber notwendig für moderne Schriftsteller. Die beiden jetzt gebräuchlichen Wege, um Buchgelehrsamkeit zu erlangen: 1. dadurch, dass man Titel liest; 2. dadurch, dass man Inhaltsverzeichnisse liest. Vorteile des zweiten Weges: und der Auszüge. Da die Zahl der Schriftsteller sich über die Menge des Stoffs hinaus steigert, wird diese Methode nötig und nützlich. Der Leser wird ermächtigt, diese Abschweifung zu verpflanzen.

Achter Teil. Fortsetzung des Märchens von einer Tonne.

Das System der Aeolisten; sie halten den Wind oder den Geist für den Ursprung aller Dinge und glauben, dass auch sie zum grossen Teil daraus bestehn. Von der vierten und der fünften Anima, die sie dem Menschen zuschreiben. Von ihrem Rülpsen oder Predigen. Ihre Inspiration von Σχοτία aus. Sie benutzen Fässer statt der Kanzeln. Weibliche Beamte werden für die Inspiration benutzt; und weshalb. Der der Gottheit gegensätzliche Begriff am meisten geeignet, einen Teufel zu bilden. Zwei Teufel, die von den Aeolisten gefürchtet werden. Ihre Beziehungen zu einer nördlichen Nation. Des Verfassers Achtung vor dieser Sekte.

Neunter Teil. Abhandlung über den Wahnsinn.

Grosse Eroberer von Reichen und Sektengründer in der Philosophie und Religion waren in der Regel Leute, deren Verstand gestört war. Ein leichter Dunst, der ins Gehirn steigt, kann grosse Revolutionen verursachen. Beispiele: Heinrich IV., der grosse Kriegsrüstungen unternahm, weil seine Geliebte abwesend war; und Ludwig XIV., dessen grosse Taten in einer Fistel schlossen. Ausschweifende Begriffe mehrerer grosser Philosophen; wie schwer sie vom Wahnsinn zu unterscheiden sind. Herrn Wottons verhängnisvoller Irrtum, als er seine besonderen Talente falsch anwandte. Wahnsinn die Quelle von Eroberungen und Systemen. Vorzüge der Dichtung und Täuschung vor der Wahrheit und Wirklichkeit. Die Aussenseite der Dinge besser als ihr Inneres. Wie nützlich der Wahnsinn ist. Ein Vorschlag zum Besuch von Bedlam; wie man die verschiedenen Insassen in einer für die Allgemeinheit nützlichen Weise verwenden könnte.

Zehnter Teil. Ein weitere Abschweifung.

Des Verfassers Komplimente an die Leser. Grosse Höflichkeiten, die zwischen Autoren und Lesern Sitte sind, und unsres Verfassers Dank an die ganze Nation. Wie zufrieden Schriftsteller und Buchhändler sind. Welchen Anlässen wir die meisten gegenwärtigen Schriften verdanken. Von einem erbärmlichen Skribenten, vor dem unser Verfasser sich fürchtet; weshalb er sich Dr. Bentleys Schutz wünscht. Er gibt hier seinen ganzen Vorrat für eine einzige Mahlzeit. Nutzen dieser Abhandlung für verschiedene Arten von Lesern, die oberflächlichen, die unwissenden und die gelehrten. Vorschlag, ein paar ausführliche Kommentare zu diesem Werk zu schreiben. Vom Nutzen der Kommentare für dunkle Schriftsteller. Nützliche Fingerzeige für die Kommentatoren dieser Abhandlung.

Elfter Teil. Fortsetzung des Märchens von einer Tonne.

Der Verfasser, der es nicht eilig hat, wieder nach Hause zu kommen, zeigt den Unterschied zwischen einem müden und eiligen Reisenden und einem andern, dem es gut geht und der sich unterwegs amüsiert und jede angenehme Szene ansieht. Die Fortsetzung der Abenteuer Jakobs; seine abergläubische Verehrung der heiligen Schrift und welchen Gebrauch er von ihr machte.

Sein flammender Eifer und seine blinde Unterwerfung unter das Schicksal. Seine Rede für die Prädestination. Er verdeckt Halunkenstreiche mit dem Schein der Frömmigkeit. Seine Wunderlichkeit in Manieren und Redeweise. Seine Abneigung gegen die Musik und die Malerei. Seine Reden machen schläfrig. Sein Stöhnen und seine Verstellung, als litte er für die gute Sache. Die grosse Abneigung zwischen Peter und Jakob treibt sie zu Extremen, wobei sie sich oft begegnen.

Die entarteten Ohren ergeben in unsrer Zeit nicht mehr eine genügende Handhabe, an der man die Menschen halten könnte. Die Sinne und Leidenschaften liefern viele Handhaben. Die Neugier ist die, an der der Verfasser die Leser so lange festgehalten hat. Der Rest dieser Geschichte verloren usw.

Der Schluss.

Von der rechten Jahreszeit für die Veröffentlichung der Bücher. Von tiefen Schriftstellern. Vom Gespenst des Witzes. Die nahe Verwandtschaft zwischen dem Schlaf und den Musen. Apologie für die Anfälle von Stumpfsinn bei dem Verfasser. Methode und Vernunft als Lakaien der Erfindung. Unsres Verfassers grosse Blumensammlung bis jetzt wenig von Nutzen.

Die Bücherschlacht.

Die Vorrede unterrichtet uns darüber, dass diese Schrift 1697 geschrieben wurde, und zwar aus Anlass eines berühmten Streits zwischen Sir William Temple und dem Grafen von Orrery einer- und Herrn Wotton und Bentley andrerseits.

Kriege und Überfälle entspringen meist den Angriffen von Mangel und Armut gegen Fülle und Reichtum. Die Modernen streiten mit den Alten um den Besitz der höchsten Spitze des Parnasses, und sie verlangen, dass die sie entweder ausliefern oder abtragen lassen. Die Antwort der Alten lässt man nicht gelten. Es folgt ein Krieg, in dem Ströme von Tinte verspritzt werden, und beide Parteien hängen ihre Trophäen, die polemischen Bücher, aus. Diese Bücher heimgesucht von aufrührerischen Geistern, obwohl sie in Bibliotheken oft zum Frieden gezwungen werden. Des Verfassers Rat wird bei dieser Gelegenheit vernachlässigt; das hat einen furchtbaren Kampf in der St. Jakobs-Bibliothek zur Folge. Dr. Bentley, der Bibliothekar, ein grosser Feind der Alten. Die Modernen schmähen die Alten, da sie sich 50 000 Mann stark sehn. Temple ein Liebling der Alten. Zwischenfall eines Streits zwischen einer Biene und einer Spinne; die Argumente auf beiden Seiten. Aesop wendet sie auf den gegenwärtigen Streit an. Die Schlachtordnung der Modernen und die Namen ihrer Führer. Die Namen der Alten. Jupiter beruft einen Rat der Götter und befragt die Bücher des Schicksals und schickt dann seine Befehle hinunter. Momus bringt die Nachricht der Kritik; deren Behausung und Gesellschaft wird geschildert. Sie trifft ein und giesst ihren Einfluss auf ihren Sohn Wotton aus. Schilderung der Schlacht. Paracelsus fordert Galen; Aristoteles zielt gegen Bacon und tötet Descartes; Homer wirft Gondibert nieder, tötet Denham und Wesley, Perrault und Fontenelle. Begegnung Virgils und Drydens, Lukans und Blackmores, Chreechs und Horaz', Pindars und Cowleys. Die Episode von Bentley und Wotton. Bentleys Rüstung. Seine Rede an die modernen Generale. Scaligers Antwort. Bentley und Wotton marschieren zusammen. Bentley greift Phalaris und Aesop an. Wotton greift Temple vergebens an. Boyle verfolgt Wotton, und da er unterwegs auf Bentley trifft, verfolgt und tötet er sie beide.

Eine Apologie usw.

Wenn das Gute und das Böse gleich stark auf die Menschen wirkten, so hätte ich mir die Mühe dieser Apologie ersparen können; denn es erhellt aus der Aufnahme, die die folgende Abhandlung gefunden hat, dass diejenigen, die ihr Beifall zollten, unter den Leuten von Geschmack eine grosse Majorität bilden; und doch sind zwei oder drei Traktate ausdrücklich gegen sie geschrieben worden, abgesehn von vielen andern, die ihr einen gelegentlichen Hieb versetzten, ohne dass je eine Silbe zu ihrer Verteidigung geschrieben oder ein Zitat zu ihren Gunsten veröffentlicht worden wäre, dessen ich mich entsänne, ausser einzig von dem gebildeten Verfasser eines kürzlichen Gesprächs zwischen einem Deisten und einem Sozinianer.

Da also das Buch dazu geschaffen scheint, wenigstens so lange zu leben, wie unsre Sprache und unser Geschmack keine grossen Veränderungen erfahren, so bin ich es zufrieden, ihm eine Apologie mitzugeben.

Der grössere Teil dieses Buches wurde vor mehr als dreizehn Jahren vollendet, nämlich 1696, das heisst, acht Jahre vor seiner Veröffentlichung. Der Verfasser war damals jung, seine Erfindungskraft stand auf der Höhe, und seine Lektüre stand ihm noch frisch vor dem Geist. Mit Hilfe einigen Nachdenkens und vieler Unterhaltungen hatte er sich bemüht, so viele wirkliche Vorurteile abzulegen, wie er nur konnte; ich sage wirkliche, denn er wusste, in welchem gefährlichen Umfang manche Leute das Wort Vorurteile verstanden. So gerüstet kam er auf den Gedanken, dass die zahlreichen und groben Korruptionen in der Religion und Gelehrsamkeit Stoff für eine Satire liefern könnten, die nützlich und unterhaltsam wäre. Er beschloss, auf eine völlig neue Weise vorzugehn, da die Welt schon nur zu lange mit endlosen Wiederholungen in allen Themen angeekelt worden war. Die Missbräuche in der Religion wollte er in der Allegorie von den Röcken und den drei Brüdern darstellen, die die Grundmasse des Buchs ergeben sollte. Die Missbräuche in der Gelehrsamkeit beschloss er in Abschweifungen zu behandeln. Er war damals ein junger Herr, der viel in der grossen Welt verkehrte, Als Sekretär Sir William Temples. und er schrieb für den Geschmack derer, die waren wie er selbst; um also diese anzulocken, liess er seiner Feder eine Freiheit, die sich vielleicht für reifere Jahre und ernstere Naturen nicht geschickt hätte und die er leicht hätte durch ein paar Streichungen korrigieren können, wäre er ein oder zwei Jahre vor der Veröffentlichung im Besitz seiner Papiere gewesen.

Nicht als hätte er sein Urteil nach den übelangebrachten Haarspaltereien der Sauertöpfischen, der Neider, der Bornierten und der Geschmacklosen gerichtet, die er voll Verachtung erwähnt. Doch er erkennt an, dass ein paar jugendliche Ausfälle von seiten der Würdigen und Weisen eine Zurechtweisung verdienten. Immerhin wünscht er nur für das verantwortlich gemacht zu werden, worin er schuldig ist; seine Fehler dürfen nicht durch die unwissenden, die unnatürlichen und unbarmherzigen Deutungen derer vervielfältigt werden, die weder redlich genug sind, einen guten Sinn vorauszusetzen, noch Gaumen genug besitzen, den wahren zu erkennen. Nun will er sein Leben verwirkt haben, wenn sich aus diesem Buch irgendeine Anschauung ableiten lässt, die der Religion oder der Moral zuwiderläuft.

Weshalb sollte irgendein Geistlicher unsrer Kirche ergrimmen, wenn er sieht, wie die Narrheiten des Fanatismus und des Aberglaubens blossgestellt werden, und geschehe es auch in der lächerlichsten Weise; denn das ist vermutlich der beste Weg, um sie zu heilen und wenigstens ihre weitere Ausbreitung zu verhindern? Obwohl es ausserdem nicht als Lektüre für sie beabsichtigt war, so verspottet es doch nichts, was sie nicht auch in ihren Predigten bekämpfen. Es enthält nichts, was sie durch possenhafte Scherze über ihre Angehörigen oder ihre Ämter herausfordern könnte. Es feiert die Kirche von England als die vollkommenste von allen in Zucht und Lehre; es vertritt keine Ansicht, die sie verwerfen, und verurteilt keine, die sie anerkennen. Wenn der Geistlichkeit ihr Groll lästig fiel, so hätte sie meiner demütigen Meinung nach geeignetere Gegner finden können, um ihm Luft zu machen: nondum tibi defuit hostis; ich meine jene schwerfälligen, ungebildeten Skribenten, deren Ruf prostituiert, deren Leben lasterhaft, deren Vermögen ruiniert ist und die zur Schmach des gesunden Verstandes und aller Frömmigkeit gierig gelesen werden, und zwar einzig wegen ihrer kühnen, falschen, gottlosen Behauptungen und ihrer unmanierlichen Kritik an der Priesterschaft, die sich offen wider alle Religion richtet; kurz, sie sind voll von all jenen Prinzipien, die eine gute Aufnahme finden, weil ihr Ziel darin besteht, jene Schrecken zu beseitigen, die nach der Religion die Folge eines unmoralischen Lebens sind. Nichts dergleichen ist in dieser Abhandlung zu finden, wiewohl manche sie so gern und so offen schelten. Und ich wollte, es wäre kein andres Beispiel für das vorhanden, was ich so oft beobachten konnte, dass nämlich viele aus jener ehrwürdigen Körperschaft nicht gerade sehr sorgfältig zwischen ihren Feinden und ihren Freunden unterscheiden.

Hätten des Verfassers Absichten eine redlichere Deutung gefunden, und zwar von Seiten einiger, die zu nennen er aus Achtung vermeidet, so wäre er vielleicht zu einer Musterung der Bücher ermutigt worden, die ein paar jener oben erwähnten Schriftsteller verfasst haben, deren Irrtümer, Borniertheit und Schurkerei er in einer Weise hätte blossstellen und enthüllen können, dass gerade jene, die angeblich am meisten Neigung für sie spüren, sie bald hätten beiseite legen und sich schämen müssen: aber er hat diese Gedanken jetzt aufgegeben, denn die gewichtigsten Männer in den gewichtigsten Stellungen geruhen es für gefährlicher zu halten, wenn man über jene Missbräuche in der Religion lacht, die sie selbst am meisten missbilligen, als wenn sich einer müht, die ganzen Grundlagen zu vernichten, auf die sich alle Christen geeinigt haben.

Er findet es unbillig, dass sich irgend jemand bemüht, dem Verfasser dieses Buchs einen bestimmten Namen anzuhängen, da er sich die ganze Zeit hindurch selbst vor den meisten seiner nächsten Freunde verborgen hat. Manche aber sind noch weiter gegangen und haben ein andres Buch für das Werk derselben Feder ausgegeben, was der Verfasser ausdrücklich als Irrtum erklärt. Gemeint ist der berühmte »Brief über den Enthusiasmus«, der 1708 erschien. Denn bis jetzt hat er jene Schrift noch nicht einmal gelesen: ein deutliches Beispiel, wie wenig bisweilen allgemeine Vermutungen die Wahrheit treffen und wie blind man aus einer Ähnlichkeit des Stils oder der Denkart Schlüsse zieht.

Hätte der Verfasser ein Buch geschrieben, um die Missbräuche in der Rechtsprechung oder der Heilkunde blosszustellen, so scheint ihm, die gelehrten Professoren beider Fakultäten hätten ihm, statt in Empörung zu geraten, noch Dank gewusst für seine Mühe, zumal wenn er die rechte Anwendung beider Wissenschaften ehrenvoll ausgenommen hätte. Aber die Religion, so sagt man uns, sollte nie lächerlich gemacht werden; und sie sagen die Wahrheit, doch darf man es sicherlich mit den Missbräuchen in ihr tun; denn wir lernen schon durch den trivialsten Grundsatz von der Welt, dass, wie die Religion das beste aller Dinge ist, so ihre Ausartungen wahrscheinlich die schlimmsten sind.

Eins nun kann dem verständigen Leser nicht entgangen sein: dass nämlich ein paar der Stellen in dieser Schrift, die am ehesten Einwendungen ausgesetzt sein könnten, das sind, was man Parodien nennt; da nimmt der Verfasser den Stil und die Manier andrer Schriftsteller an, die er blossstellen möchte. Ich will ein Beispiel anführen, es steht auf der 51. Seite. In unsrer Ausgabe Seite 90. Hier sind Dryden, L'Estrange und ein paar andre gemeint, die ich nicht nennen will; sie verbrachten ihr Leben in Zwietracht und Verrat und allerlei Lastern und gaben doch vor, für ihre Königstreue und ihre Religion zu dulden. So spricht uns Dryden in einer seiner Vorreden von seinen Verdiensten und seinen Leiden, und er dankt Gott, dass er seine Seele in Geduld beherrschen kann. An andern Stellen redet er im selben Sinn, und L'Estrange braucht oft die gleichen Wendungen. Ich glaube sogar, dass der Leser leicht noch mehr Leute finden wird, auf die diese Stelle passt, doch dies genügt, um denen einen Fingerzeig zu geben, die die Absicht des Verfassers übersahen.

Noch drei oder vier andern Stellen haben voreingenommene oder unwissende Leser mit Gewalt einen argen Sinn untergelegt, als seien sie auf gewisse Glaubenssätze gemünzt. Zur Antwort auf all solche Unterstellungen beteuert der Verfasser feierlich seine Unschuld; nie ist es ihm in den Sinn gekommen, dass irgend etwas, was er sagte, im geringsten solcher Deutung fähig sei; doch macht er sich anheischig, sie genau so gut in das unschuldigste Buch von der Welt hineinzulegen. Und es wird jedem Leser einleuchten, dass derartiges nicht in seinen Plan und seine Absicht hineingehörte; denn die Missbräuche, die er an den Pranger stellt, sind keine andern als die, über die sich alle Anhänger der englischen Kirche einig sind. Auch passte es nicht zu seinem Thema, wenn er sich um andre Punkte kümmerte als solche, die seit der Reformation dauernd im Mittelpunkt aller Streitigkeiten gestanden haben.

Nur ein Beispiel aus jener Stelle über die drei hölzernen Gerüste, die in der Einleitung erwähnt werden. In der ersten Handschrift wurde noch ein viertes geschildert; aber jene, die die Papiere in Händen hatten, strichen es, weil sie glaubten, die Satire, die darin lag, sei zu genau spezialisiert. Und daher waren sie gezwungen, die Zahl in die Zahl Drei zu verwandeln, der manche wieder einen gefährlichen Sinn abzugewinnen suchten, obwohl nie ein solcher beabsichtigt war. Im Grunde wurde der ganze Gedanke sogar durch die Abänderung der Zahl verdorben, denn die Zahl Vier ist viel kabalistischer und stellt also auch die angebliche Kraft der Zahlen, den Aberglauben, der lächerlich gemacht werden sollte, besser bloss.

Zu beachten ist ferner, dass sich durch den Faden des ganzen Buches die Ironie zieht, die Männer von Geschmack erkennen und unterscheiden werden, und dadurch verlieren einige der Einwendungen, die erhoben worden sind, ihre ganze Kraft und Bedeutung.

Da diese Apologie vor allem bestimmt ist, zukünftige Leser zu befriedigen, so wird man es vielleicht für unnötig halten, dass ich von solchen Traktaten, die gegen die folgende Schrift geschrieben wurden und die bereits der Makulatur und der Vergessenheit verfallen sind, wie es ja allen geht, die sich gegen Bücher von eingestandenen Verdiensten wenden, überhaupt Notiz nehme. Diese Erwiderungen gleichen in der Tat Sommergewächsen, die sich um einen jungen Baum schlingen und eine Zeitlang mit ihm zu wetteifern scheinen; aber mit den Blättern im Herbst fallen und sterben sie, und man hört niemals wieder von ihnen. Als Dr. Eachard sein Buch über die Verachtung der Geistlichkeit schrieb, schossen auf der Stelle Scharen solcher Erwiderungen empor; und wenn er die Erinnerung an sie nicht durch seine Antworten am Leben erhalten hätte, so wäre es heute nicht mehr bekannt, dass er überhaupt Widerspruch fand. John Eachard. Das von Swift erwähnte Buch erschien 1670. Es gibt freilich eine Ausnahme; nämlich die, dass irgendein grosses Genie es für der Mühe wert hält, irgendeine alberne Schrift blosszustellen; so lesen wir Marvells Erwiderung gegen Parker Parker (später Bischof von Oxford) schrieb allerlei antinonkonformistische Traktate, die durch ihren Ton grosse Erbitterung weckten. Andrew Marvell, der ihn zurechtwies, war ein Untersekretär Miltons. immer noch mit Vergnügen, obgleich das Buch, gegen das sie sich richtet, längst vergessen ist: so werden des Grafen von Orrery Anmerkungen noch voll Entzücken gelesen werden, wenn die Abhandlung, die er blossstellt, nicht mehr gesucht noch gefunden wird: »Anmerkungen zu Bentleys Abhandlung über die Briefe des Phalaris« von Boyle. aber das sind keine Aufgaben für gewöhnliche Hände; und man kann solche Feldzüge nicht öfter als ein- oder zweimal in einem Menschenalter erhoffen. Die Menschen würden sich länger besinnen, ehe sie ihre Zeit mit einem solchen Unternehmen verschwenden, wenn sie nur bedenken wollten, dass es mehr Mühe und Geschicklichkeit, mehr Witz, Gelehrsamkeit und Urteilskraft verlangt, ein Buch wirksam zu widerlegen, als darauf verwandt wurden, es zu schreiben. Und der Verfasser versichert die Herren, die sich diese Mühe mit ihm gemacht haben, dass seine Schrift das Ergebnis des Studiums, der Beobachtung und der Erfindung mehrerer Jahre ist, dass er oft weit mehr wieder ausstrich als er stehn liess, und dass, wenn seine Papiere nicht lange in fremden Händen gewesen wären, das Ganze noch strengerer Korrektur unterworfen worden wäre. Meinen sie, ein solcher Bau liesse sich mit Schmutzkügelchen zusammenschiessen, und sei der Mund, der sie entsendet, noch so vergiftet? Er hat nur zwei Erwiderungen gesehn; die eine erschien zuerst anonym, doch bekannte sich später ein Mann zu ihr, der bei einigen Gelegenheiten keine üble Ader des Humors gezeigt hat. Dr. William King. Es ist schade, dass ihn irgend etwas in die Notwendigkeit versetzen konnte, sich in seinen Arbeiten so zu übereilen, die sonst so unterhaltsam hätten sein können. Aber es waren noch ein paar andre recht auf der Hand liegende Gründe vorhanden, weshalb er hier einen Misserfolg haben musste; er schrieb gegen die Überzeugung seines Talentes und unternahm einen der von Natur verkehrtesten Versuche, nämlich den, durch die Arbeit einer Woche ein Werk lächerlich zu machen, das so viel Zeit gekostet und mit so viel Erfolg andre lächerlich gemacht hatte. Die Art, wie er sein Thema anfasste, habe ich jetzt vergessen, denn ich habe es wie andre, als es erschien, nur um des Titels willen durchgeblättert.

Die andre Erwiderung stammt von einer Persönlichkeit von ernsterem Wesen, und sie besteht zur Hälfte aus Schmähungen, zur andern Hälfte aus Anmerkungen, Wottons Arbeit. in welchen letzteren er nicht wenig Erfolg gehabt hat. Und sein Plan war damals nicht übel geeignet, Leser für sein Pamphlet zu gewinnen, denn manche Leute hatten schon den Wunsch ausgesprochen, man möchte ihnen zu den schwierigeren Stellen einige Erklärungen geben. Auch kann man ihn nicht unbedingt tadeln, wenn er es mit Schmähungen versuchte, denn man gibt auf allen Seiten zu, dass der Verfasser ihn genügend gereizt hatte. Der grosse Einwand richtet sich nur gegen die Art, wie er es anfing, denn die passte wenig zu einer seiner Obliegenheiten. Eine reichliche Majorität stellte fest, dass der Verfasser dieser Erwiderung einst in unverzeihlicher Weise seine Feder wider einen gewissen, damals noch lebenden grossen Mann gezückt hatte, der allgemein wegen jener guten Eigenschaft verehrt wurde, die nur bei der gebildetsten Persönlichkeit zu finden war; man bemerkte, wie sehr es ihm gefiel und wieviel Wert er darauf legte, jenen edlen Schriftsteller seinen Gegner zu nennen; und es war das auch eine gut gezielte Satire; denn ich habe gehört, Sir W(illiam) T(emple) sei über diesen Ausdruck zur Genüge ärgerlich geworden. Alle gebildeten Männer von Geist standen sofort vermöge der Entrüstung unter den Waffen, denn die siegte noch über ihre Verachtung, weil sie von einem solchen Beispiel schlimme Folgen befürchteten; es ging eben wie mit Porsenna: idem trecenti juravimus. Kurz, alles war zu einem Aufstand bereit, bis Lord Orrery die Stimmung ein wenig gedämpft und die Gärung beruhigt hatte. Da aber Lord Orrery es vor allem mit einem andern Gegner zu tun hatte, Nämlich Bentley; siehe die Bücherschlacht., so hielt man es für nötig, dass dieser Widersacher einen Verweis erhielte, und das gab den Anlass zu einem Teil jener Schrift über die Bücherschlacht; ja, auch in das Buch selber nahm der Verfasser sich die Mühe ein paar Bemerkungen über ihn einzuflechten.

Der Schreiber dieser Antwort geruht, etwa ein Dutzend Stellen zu tadeln, die der Verfasser nicht erst mühsam verteidigen will; es genüge, wenn er versichert, dass der Tadler zum grösseren Teil sehr im Irrtum ist und gewaltsame Deutungen unterschiebt, die dem Verfasser nie in den Sinn gekommen sind und auch, davon ist er überzeugt, keinem wohlwollenden und geschmackvollen Leser je in den Sinn kommen werden; er gibt zu, dass höchstens zwei oder drei der dort angeführten Stellen etwas unvorsichtig im Ausdruck sind, und dafür führt er die bereits erwähnte Entschuldigung seiner Jugend und seiner offenen Rede an, zumal diese Papiere zur Zeit ihrer Veröffentlichung nicht in seinen Händen waren.

Doch dieser Gegner ist hartnäckig, und er sagt, vor allem missfalle ihm die Absicht des Werks: welches diese Absicht war, das habe ich bereits gesagt, und ich glaube, dass es in England niemanden gibt, der imstande ist, das Buch zu verstehn, und doch je angenommen hätte, seine Absicht sei eine andre als die, die Missbräuche und Verkehrtheiten in der Gelehrsamkeit und der Religion blosszustellen.

Doch wäre es gut, wenn wir erführen, welches die Absicht dieses Tadlers war, als er seine Broschüre mit der Warnung schloss, der Leser möge nur nicht glauben, der Witz des Verfassers sei völlig sein Eigentum: sicherlich muss da wenigstens eine Beimischung persönlicher Feindseligkeit im Spiel sein, wenn auch untermischt mit der Absicht, dem Publikum durch eine so nützliche Entdeckung zu dienen; und sie trifft denn freilich den Verfasser auch an empfindlicher Stelle: er bleibt nämlich dabei, dass er im Verlauf des ganzen Werks keinem einzigen Schriftsteller in der Welt die geringste Anspielung entlehnt hat; und er glaubte, dass von allen Kritiken gerade diese keine sein könnte. Er meinte, man werde ihm nimmermehr die Originalität streitig machen, welche Fehler es sonst auch haben mochte. Dieser Tadler jedoch bringt drei Beispiele bei, um zu beweisen, dass des Verfassers Witz an vielen Stellen nicht sein eigener sei. Das erste Beispiel ist, dass die Namen Peter, Martin und Jakob einem Brief des verstorbenen Herzogs von Buckingham entlehnt seien. Wieviel Witz nun auch in diesen drei Namen enthalten sein mag, so ist der Verfasser es zufrieden, ihn preiszugeben, und er bittet seine Leser, was sie ihm daraufhin zugute hielten, abzuziehn; zugleich beteuert er feierlich, dass er von jenem Brief noch nie gehört hatte bis auf diese Stelle in der Erwiderung; so sind also die Namen nicht, wie er behauptet, entlehnt, obwohl es vielleicht dieselben Namen sind; aber auch das ist schon wunderlich genug, und er kann es kaum glauben: denn der Name Jakob liegt nicht ganz so sehr auf der Hand wie die beiden andern. Das zweite Beispiel, das beweisen soll, wie wenig des Verfassers Witz ihm selbst gehört, ist Peters Spott über die Transsubstantiation, der des gleichen Herzogs Gespräch mit einem irischen Priester entnommen sein soll, in dem ein Kork in ein Pferd verwandelt wird. Dieses Gespräch, das gibt der Verfasser zu, hat er etwa zehn Jahre, nachdem er sein Buch geschrieben hatte, und etwa ein oder zwei Jahre, nachdem es veröffentlicht wurde, gesehn. Ja, der Tadler widerlegt sich selber, denn er gibt zu, dass das Märchen 1697 geschrieben wurde, und mich dünkt, jene Broschüre wurde erst viele Jahre später gedruckt. Es war notwendig, dass die Verderbtheit so gut wie alles andre ihre Allegorie erhielt; und der Verfasser erfand die geeignetste, die er finden konnte, ohne danach zu forschen, was andre Leute schon geschrieben hatten; und der gewöhnlichste Leser wird finden, dass zwischen den beiden Geschichten nicht die geringste Ähnlichkeit besteht. Das dritte Beispiel wird in diesen Worten gegeben: »Man hat mir versichert, dass die Schlacht in der St. Jakobs-Bibliothek, mutatis mutandis einem französischen Buch mit dem Titel Combat des Livres (wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht) entnommen ist.« An dieser Stelle sind zwei Klauseln zu beachten: »Man hat mir versichert« und »(wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht)«. Ich möchte zunächst einmal wissen, ob diese beiden Klauseln, wenn sich jene Vermutung als eine absolute Unwahrheit ergeben sollte, diesem würdigen Kritiker eine genügende Entschuldigung bieten? Das Ganze ist eine Kleinigkeit; aber würde er es wagen, sich so leichtfertig über eine Sache von grösserer Bedeutung auszusprechen? Ich kenne nichts, was bei einem Schriftsteller verächtlicher ist, als wenn er den Ruf eines Plagiators verdient, den er hier aufs Geratewohl anhängt; und zwar nicht bei einer einzelnen Stelle, sondern, wo es sich um eine ganze Schrift handelt, die einem andern Buch entnommen sein soll, nur mutatis mutandis. Der Verfasser tappt darin ebensosehr im Dunkeln wie der Tadler, und er will ihn mit einer Behauptung ins Blaue hinein nachahmen, nämlich der, dass er, wenn ein Wort der Wahrheit in seiner Anmerkung steckt, ein elender, nachahmender Pedant ist, der Tadler dagegen ein Mann von Witz, Manieren und Wahrhaftigkeit. Er entnimmt diese Kühnheit dem Umstand, dass er in seinem ganzen Leben keinen solchen Traktat gesehn noch auch von ihm gehört hat; und er ist überzeugt, dass unmöglich zwei Schriftsteller verschiedener Zeiten und Länder so in ihren Gedanken übereinstimmen können, dass zwei zusammenhängende Schriften sich, nur mutatis mutandis, gleichen können. Auch will er weiter keinen Wert auf den Irrtum im Titel legen; doch mögen der Tadler und sein Freund ruhig irgendein Werk vorzeigen, und er fordert sie heraus, eine einzige Einzelheit zu zeigen, bei der der verständige Leser behaupten kann, dass er ihr die geringste Kleinigkeit verdanke; nur die zufällige Begegnung in einem einzelnen Gedanken nimmt er aus, denn dergleichen, das weiss er wohl, kann gelegentlich vorkommen, obgleich er es in jener Schrift bis jetzt noch nie gefunden und auch von niemand sonst einen derartigen Einwand vernommen hat.

Wenn also je eine Absicht unglücklich ausgeführt wurde, so muss es die dieses Tadlers sein; denn als er darauf aufmerksam machen wollte, dass der Witz des Verfassers nicht sein Eigentum sei, konnte er nur drei Beispiele anführen, von denen zwei blosse Kleinigkeiten sind, alle drei aber handgreiflich falsch. Wenn das die Art ist, wie diese Herrn in ihrer Kritik mit der Welt umgehn, so müssen ihre Leser sich in acht nehmen, ehe sie sich auf ihre Glaubwürdigkeit verlassen; und ob sich ein solches Verfahren mit der Menschlichkeit und der Wahrhaftigkeit vereinbaren lässt, das mögen alle, die es für der Mühe wert erachten, entscheiden.

Es steht fest, dass dieser Tadler weit mehr Erfolg gehabt hätte, wenn er sich einzig an seine Aufgabe als Kommentator des Märchens von einer Tonne gehalten hätte; denn auf diesem Gebiet, das lässt sich nicht leugnen, ist er dem Publikum einigermassen nützlich gewesen, und er hat treffende Vermutungen zur Aufklärung einiger schwieriger Stellen vorgetragen, doch ist es der nur zu häufige Irrtum solcher Leute (die sonst wegen ihrer Arbeiten sehr zu loben sind), dass sie Ausflüge über ihre Begabung und ihr Amt hinaus unternehmen, indem sie sich anmassen, die Schönheiten und Fehler zu kennzeichnen. Das gehört nicht zu ihrem Gewerbe, es misslingt ihnen immer, die Welt hatte es nie von ihnen erwartet und weiss ihnen auch keinen Dank für den Versuch. Die Rolle des Minellius oder Farnaby Kommentatoren von Schulausgaben klassischer Autoren. hätte seinem Geist entsprochen und vielen Lesern einen Dienst erwiesen, da sie die verwickelteren Teile dieser Schrift nicht mehr verstehn; doch optat ephippia bos piger: der blöde, ungeschlachte, ungestalte Ochse möchte gar zu gern das Geschirr eines Pferdes tragen und bedenkt nicht, dass er zur Landarbeit geboren ist, dazu, für höhere Wesen den Boden zu pflügen, und dass er weder den Wuchs und das Feuer noch die Geschwindigkeit des edleren Tieres besitzt, das er gern darstellen würde.

Ein weiteres Beispiel für das billige Vorgehn dieses Tadlers ist dieses: er deutet an, der Verfasser sei tot und sucht doch den Verdacht auf ich weiss nicht welchen Bewohner dieses Landes zu heften; darauf lässt sich nur erwidern, dass er sich in all seinen Vermutungen gröblich irrt, und sicherlich sind auch Vermutungen bestenfalls eine zu leichte Gewähr, wenn jemand mir öffentlich einen Namen anhängen will. Er verurteilt ein Buch und also auch den Verfasser, von dem er nichts weiss; und doch hängt er denen, die das nie verdienten, in einer gedruckten Schrift einen Ruf an, den er für unvorteilhaft hält. Ein Mann, der im Dunkeln eine Ohrfeige erhält, kann schon ärgerlich werden; aber es ist doch eine wunderliche Rache, wenn er dann bei hellem Tage den ersten besten, dem er begegnet, verprügelt und ihm den Schimpf der vergangenen Nacht zuschreibt. Soviel von diesem vorsichtigen, redlichen, frommen und scharfsinnigen Tadler.

Wie es kam, dass der Verfasser nicht im Besitz seiner Papiere war, das ist eine Geschichte, die sich nicht dazu eignet, um sie hier zu erzählen; sie wäre auch nicht von Nutzen, denn sie ist eine private Tatsache, von der der Leser so wenig oder so viel glauben würde, wie er für gut befände. Er besass jedoch eine unreine Abschrift, die er mit vielen Änderungen kopieren lassen wollte; und das wussten die Herausgeber sehr genau, denn es steht in des Buchhändlers Vorrede zu lesen; sie besorgten, »es möchte eine unechte Abschrift vorhanden sein, die geändert werden sollte, usw.« Obgleich die Leser darauf nicht geachtet haben, war es wirklich wahr; nur war die unechte Abschrift die, die gedruckt wurde; und mit dem Druck beeilten sie sich, so sehr sie konnten, was freilich überflüssig war, denn der Verfasser war in keiner Weise gerüstet; doch hat er gehört, dass der Buchhändler sich sehr anstrengte, weil er eine beträchtliche Summe Geldes für das Manuskript gezahlt hatte.

In der Urschrift des Verfassers waren nicht so viele Lücken vorhanden, wie man im Buche findet; und weshalb ein paar von ihnen eingeführt wurden, das weiss er nicht; wäre ihm selber die Veröffentlichung anvertraut worden, so hätte er eine Reihe von Stellen verbessert, gegen die nie ein Einwand erhoben worden ist. Auch ein paar von denen hätte er geändert, die man mit einer Spur von Recht tadeln kann; um aber ganz offen zu reden, so hätte er von ihnen den grösseren Teil unberührt gelassen, da er es nie für möglich gehalten hätte, dass man ihnen eine falsche Deutung unterschieben könnte.

Der Verfasser merkt an, dass am Schluss des Buches eine Abhandlung gedruckt ist, die ›Ein Fragment‹ genannt wird; und er erstaunte mehr darüber, diesen Teil gedruckt zu sehn als den ganzen Rest. Es war eine ganz unvollendete Skizze, der er ein paar lose Andeutungen beigefügt hatte; er lieh das Ganze einmal einem Herrn, der eine Schrift über ungefähr den gleichen Gegenstand plante; später hatte er nie wieder daran gedacht, und er war nicht wenig überrascht, als er es so zusammengestückt wiedersah, und zwar ganz anders, als er es geplant und entworfen hatte, denn es war nur die Grundlage zu einer weit umfassenderen Schrift; und er musste mit Bedauern sehn, dass diese Entwürfe so töricht benutzt worden waren.

Ein weiterer Einwand wird von einigen Tadlern dieses Werks und selbst von andern erhoben; der nämlich, dass der Verfasser Peter oft Flüche und Eide sprechen lässt. Die Flüche sind nirgends ausgedruckt, sondern nur angedeutet; und der Gedanke an einen Fluch ist nicht wie der Gedanke an profane oder unzüchtige Reden unmoralisch. Es kann jemand über die papistische Narrheit, die Leute in die Hölle hineinzufluchen, lachen und sich die Papisten als fluchend vorstellen, ohne dass er ein Verbrechen begeht. Unzüchtige Worte aber und gefährliche Anschauungen füllen, auch wenn sie nicht ausgedruckt sind, des Lesers Geist mit argen Vorstellungen; und die kann man dem Verfasser nicht vorwerfen. Denn der verständige Leser wird finden, dass die härtesten Streiche der Satire sich in seinem Buch gegen die moderne Sitte richten, in diesen Themen dem Witz freien Lauf zu lassen; dafür steht ein bemerkenswertes Beispiel auf der 153. Seite, Bei uns Seite 132. andre an andern Stellen; und wenn sie ein- oder zweimal zu offenen Ausdruck fanden, so sind sie nur aus den bereits angeführten Gründen zu entschuldigen. Es sind dem Buchhändler durch Vermittlung eines Dritten Vorschläge gemacht worden, dahingehend, dass der Verfasser jene Stellen ändern wolle, die seiner Meinung nach Änderungen verlangten; doch es scheint, dass der Buchhändler von etwas dergleichen nichts hören will, weil er fürchtet, es möchte dem Verkauf des Buches schaden. Der Verfasser kann diese Apologie nicht schliessen, ohne diese eine Überlegung anzustellen: dass nämlich, wie der Witz die edelste und nützlichste Gabe der menschlichen Natur, so der Humor die angenehmste ist; und wo diese beiden eng in das Gewebe eines Werks verflochten sind, werden sie es der Welt stets annehmbar machen. Nun hält der grössere Teil derer, die mit beidem weder begabt sind, noch Geschmack daran finden, sondern sich durch ihren Hochmut, ihre Pedanterie und ihre schlechten Manieren den Hieben beider aussetzen, den Schlag für schwach, weil sie selber unempfänglich sind; und wo der Witz eine Beimischung von Spott besitzt, braucht man ihn nur ein ›Geplänkel‹ zu nennen, und die Arbeit ist abgetan. Dieses ihr kleines Wort wurde zuerst den Eisenfressern der White-Friars entlehnt, geriet dann unter die Lakaien und zog sich schliesslich zu den Pedanten zurück; sie wenden es ebenso passend auf die Erzeugnisse des Witzes an, wie wenn ich es auf die Mathematik Sir Isaak Newtons bezöge. Doch wenn dieses Plänkeln, wie sie es nennen, so verächtlich ist, wie kommt es da, dass es sie selber beständig so sehr danach juckt? Um nur ein Beispiel aus dem schon erwähnten Tadler zu zitieren: es ist geradezu schmerzlich, wenn man sieht, wie er in einigen seiner Schriften bei jeder Gelegenheit von seinem Wege abweicht, um schalkhaft zu werden; wie er uns von einer Kuh erzählt, die »den Schwanz aufrichtet«; oder wie er in seiner Antwort auf diese Schrift sagt, sie sei »eine Farce und ein Löffel dazu«; Farce in dem Doppelsinn von Possen und Füllung z. B. einer Gans. und was dergleichen glänzende Stellen mehr sind. Man kann von diesen impedimenta literarum sagen, dass der Witz ihnen eine Beschämung schuldig ist, und man kann ihnen keinen weiseren Rat geben, als dass sie dem Übel aus dem Wege gehn mögen oder wenigstens nicht eher kommen, als bis sie sicher sind, dass man sie ruft.

Um also zum Schluss zu kommen: unter den oben aufgestellten Voraussetzungen sollte dieses Buch gelesen werden; dann, so glaubt der Verfasser, werden nur wenig Dinge übrig bleiben, die sich bei einem jungen Schriftsteller nicht entschuldigen lassen. Er schrieb nur für die Leute von Witz und Geschmack, und er glaubt sich in seiner Berechnung nicht zu täuschen, wenn er sagt, dass sie alle auf seiner Seite gestanden haben; und das würde genügen, ihn eitel genug zu machen, damit er seinen Namen nennt; denn darin tappt die Welt trotz all ihrer schlauen Vermutungen noch völlig im Dunkeln, was freilich weder für das Publikum noch für ihn ein unangenehmes Vergnügen ist.

Der Verfasser hört, dass der Buchhändler mehrere Herren dafür gewonnen hat, erklärende Anmerkungen zu schreiben; für deren Güte aber kann nicht er verantwortlich sein, da er sie nie gesehn hat noch sehn will, bis sie gedruckt erscheinen; es ist nicht unwahrscheinlich, dass er dann das Vergnügen haben wird, zwanzig Bedeutungen zu finden, die ihm nie in den Sinn gekommen sind.

 

Den 3. Juni 1709.

Postskriptum. Seit dies geschrieben wurde (es war vor etwa einem Jahr), hat ein feiler Buchhändler eine alberne Schrift veröffentlicht, die den Titel führt: »Anmerkungen zum Märchen von einer Tonne nebst einem Bericht über den Verfasser«: und mit einer Unverschämtheit, die, wie ich glaube, gesetzlich strafbar ist, hat er es sich angemasst, bestimmte Namen zu nennen. Es wird dem Verfasser genügen, der Welt zu versichern, dass der Schreiber jener Schrift in all seinen Vermutungen unrecht hat. Der Verfasser versichert ferner, dass, wie jeder urteilsfähige Leser leicht erkennen kann, das ganze Werk aus einer Hand stammt. Der Herr, der dem Buchhändler die Abschrift gab, war ein Freund des Verfassers, und er hat sich keine andre Freiheit genommen als die, gewisse Stellen zu streichen, wo jetzt als Desiderata die Lücken stehn. Wenn aber irgend jemand seinen Anspruch an auch nur drei Zeilen in dem Buch beweisen will, so möge er vortreten und seinen Namen und seine Titel nennen; dann soll der Buchhändler Befehl erhalten, sie in der nächsten Ausgabe vorzusetzen, und der Kläger soll hinfort als der unbestrittene Verfasser anerkannt werden.

Die Widmung des Buchhändlers an Lord Somers.

My Lord,

Obwohl der Verfasser eine lange Widmung geschrieben hat, die jedoch an einen Prinzen gerichtet ist, dem ich wahrscheinlich bekannt zu sein nicht die Ehre habe, eine Person, die zudem, soweit ich es beurteilen kann, von unsern gegenwärtigen Schriftstellern weder beachtet noch berücksichtigt wird, erscheint es mir, zumal ich frei bin von jener Sklaverei, die die Launen der Schriftsteller den Buchhändlern meistens auferlegen, als eine gescheite Anmassung, wenn ich diese Blätter Eurer Lordschaft widme und Eure Lordschaft anflehe, sie in Ihren Schutz zu nehmen. Gott und Eure Lordschaft kennen ihre Fehler und ihre Verdienste; denn was mich selbst angeht, so stehe ich der Sache als Fremder gegenüber; und wenn auch jedermann ebenso unwissend sein sollte, so fürchte ich doch nicht, dass darum der Verkauf des Buches leiden müsste. Der Name Eurer Lordschaft, in Versalien auf das Titelblatt gedruckt, wird jederzeit für den Absatz einer Auflage sorgen; auch würde ich keine weitere Hilfe beanspruchen, um Ratsherr zu werden, wenn Eure Lordschaft mir das Vorrecht verliehe, dass nur ich Widmungen an Sie richten dürfte.

Ich sollte jetzt mit dem Recht des Widmers Eurer Lordschaft eine Liste Ihrer eigenen Tugenden geben und zugleich sehr bedauern, dass ich einen Verstoss gegen Ihre Bescheidenheit begehe; vor allem aber sollte ich Ihre Freigebigkeit gegen Männer von grosser Begabung und geringem Besitz rühmen und Ihnen deutliche Winke geben, dass ich mich selber meine. Und ich wollte auch gerade auf dem gewöhnlichen Wege ein- oder zweihundert Widmungen durchlesen, um einen Auszug daraus zusammenzustellen, den ich an Eure Lordschaft richten könnte, als mich ein gewisser Zwischenfall davon ablenkte. Denn auf den Umschlägen jener Schriften las ich zufällig in grossen Lettern die beiden folgenden Worte: detur deginissimo; und diese Worte mochten nach allem, was ich wusste, irgendeinen wichtigen Sinn enthalten. Doch es traf sich so unglücklich, dass keiner der Schriftsteller, die ich beschäftige, Lateinisch verstand (obwohl ich sie oft dafür besolde, dass sie aus dieser Sprache übersetzen); ich sah mich also genötigt, meine Zuflucht zu dem Pfarrer unsres Kirchspiels zu nehmen, der die Worte so übersetzte: »Es werde dem Würdigsten gegeben!« Und er erklärte das so, dass der Verfasser meinte, sein Werk solle dem nach Witz, Gelehrsamkeit, Urteilskraft, Beredsamkeit und Weisheit erhabensten Genius seiner Zeit gewidmet sein. Ich sprach in der Kammer eines Dichters (der für meine Werkstatt arbeitet) vor (er wohnt ganz in der Nähe in einer Gasse), zeigte ihm die Übersetzung und fragte ihn nach seiner Meinung, wen der Verfasser wohl im Auge gehabt haben möchte. Er sagte mir nach einiger Überlegung, Eitelkeit sei etwas, was er verabscheue; aber nach der Schilderung müsse er sich selbst für die gemeinte Persönlichkeit halten; und zugleich bot er mir sehr liebenswürdig gratis seine Hilfe an, wenn ich eine Widmung an ihn schreiben wollte. Ich bat ihn jedoch, noch einmal zu raten. »Nun,« sagte er, »entweder bin ich es oder Lord Somers.« Von ihm ging ich noch zu ein paar andern Männern von Geist aus meiner Bekanntschaft, was mich infolge der fabelhaften Anzahl von dunklen, gewundenen Treppen nicht wenig ermüdete und in Gefahr brachte; von allen aber erhielt ich dieselbe Geschichte, sie seien es selbst, oder es sei Eure Lordschaft. Nun muss Eure Lordschaft wissen, dass dieses Verfahren nicht meiner eigenen Erfindung entstammt; denn ich habe einmal gehört, es sei ein Grundsatz, dass der, dem jedermann den zweiten Platz einräume, unzweifelhaften Anspruch an den ersten habe.

Das überzeugte mich unfehlbar, dass Eure Lordschaft die von den Verfassern gemeinte Persönlichkeit war. Doch da ich wenig mit der Form und dem Stil von Widmungen vertraut war, so benutzte ich jene vorbenannten Männer von Geist, damit sie mir Winke und Stoff für eine Lobrede auf die Tugenden Eurer Lordschaft lieferten.

In zwei Tagen brachten sie mir zehn Bogen Papier, die auf beiden Seiten eng vollgeschrieben waren. Sie schworen mir, sie hätten geplündert, was sie nur in den Charakterschilderungen des Sokrates, Aristides, Epaminondas, Kato, Tullius, Attikus und andrer, deren Namen ich nicht behalten habe, hätten finden können. Ich habe aber guten Grund zu der Annahme, dass sie mich in meiner Unwissenheit betrogen haben; denn als ich ihre Sammlungen durchlas, fand ich nicht eine Silbe über etwas, was nicht mir und allen andern genau so gut bekannt gewesen wäre wie ihnen. Deshalb habe ich sie schwer in Verdacht eines Schwindels: diese meine Schriftsteller werden nämlich alles gestohlen und wörtlich aus dem allgemeinen Gerücht unter der ganzen Menschheit abgeschrieben haben, Ich denke also, ich habe mich zwecklos um fünfzig Schilling prellen lassen.

Wenn ich nur durch eine Änderung des Titels die gleichen Materialien für eine andre Widmung benutzen könnte, wie es bessre schon getan haben, so wäre mein Verlust dadurch wieder gut zu machen; aber ich habe mehrere Leute hier und dort in diese Papiere hineinblicken lassen, und ehe sie noch drei Zeilen gelesen hatten, versicherten sie mir alle fest, sie liessen sich unmöglich auf jemand anders beziehn ausser auf Eure Lordschaft.

Ich hatte erwartet, von Eurer Lordschaft Tapferkeit an der Spitze eines Heeres zu hören; von dem unerschrockenen Mut, mit dem Sie in eine Bresche kletterten; oder von Ihrem Stammbaum, der sich in gerader Linie bis zum Hause Österreich führen liesse; oder von Ihren wunderbaren Talenten in der Kleidung und im Tanz; oder von Ihrem tiefen Wissen in der Algebra, der Metaphysik und den orientalischen Sprachen. Aber der Welt die alte abgedroschene Geschichte von Ihrem Witz, Ihrer Beredsamkeit, Gelehrsamkeit, Weisheit, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Redlichkeit und von Ihrem Gleichmut in allen Lebenslagen aufzutischen, von Ihrer grossen Begabung, verdienstvolle Männer aufzufinden und von Ihrer Bereitschaft, sie zu begönnern, nebst vierzig andern gewöhnlichen Themen: ich gestehe, dazu habe ich weder Lust noch Mut. Denn es gibt keine Tugend im öffentlichen oder privaten Leben, die nicht irgendwelche Ihrer Lebensumstände oft auf, die Bühne der Welt gebracht haben; und die wenigen, die sonst vielleicht aus Mangel an einer Gelegenheit, sie zu üben, ungesehn und unbeachtet geblieben wären, haben schliesslich Ihre Freunde und Ihre Feinde ans Licht gezogen.

Freilich würde es mir sehr leid tun, wenn das glänzende Beispiel der Tugenden Eurer Lordschaft den Nachfahren verloren ginge, sowohl um deretwillen, wie um Ihretwillen; vor allem aber, weil sie so notwendig sein werden, um die Geschichte einer eben verstrichenen Regierung zu zieren; und das ist ein weiterer Grund, weshalb ich mir versage, sie hier aufzuzählen; denn ich habe von weisen Männern gehört, dass wie die Dedikationen seit einigen Jahren aussehen, ein guter Historiker seine Zuflucht auf der Suche nach Charakterschilderungen schwerlich zu ihnen nehmen wird.

In einem Punkt freilich, denke ich, täten wir Verfasser von Widmungen gut, unsre Massregeln zu ändern; ich meine, wir sollten, statt uns so sehr im Lobe der Freigebigkeit unsrer Gönner zu ergehen, ein oder zwei Worte darauf verwenden, ihre Geduld zu bewundern. Ich kann Eurer Lordschaft kein grösseres Kompliment machen, als indem ich Ihnen Gelegenheit gebe, sie jetzt zu üben. Vielleicht freilich werde ich sie Eurer Lordschaft auch nicht allzusehr zum Verdienst anrechnen; denn da Sie längst an langweilige Ansprachen gewöhnt sind, die bisweilen ebensowenig Sinn haben, so werden Sie um so eher bereit sein, auch diese zu vergeben; zumal, wenn sie von jemandem kommt, der in aller Achtung und Verehrung verbleibt,

My Lord,
Eurer Lordschaft gehorsamster
und getreuester Diener
Der Buchhändler.

Der Buchhändler an den Leser.

Es ist jetzt sechs Jahre her, seit diese Blätter zuerst in meine Hände kamen, und es scheint, das war etwa ein Jahr, nachdem sie geschrieben wurden; denn der Verfasser erzählt uns in seiner Vorrede zu der ersten Abhandlung, dass er sie für das Jahr 1697 berechnet hatte, und aus vielen Stellen dieser wie auch der zweiten Schrift erhellt denn auch, dass sie um jene Zeit geschrieben wurden.

Was den Verfasser angeht, so kann ich keinerlei Auskunft geben; man versichert mir jedoch glaubwürdig, dass diese Veröffentlichung ohne sein Wissen geschieht; er glaubt nämlich, das Manuskript sei verloren, da er es an eine seither verstorbene Persönlichkeit geschickt und nie wieder in Besitz gehabt hat; es muss also ein Geheimnis bleiben, ob er die letzte Hand an sein Werk gelegt hat oder ob er die Absicht hatte, die Lücken auszufüllen.

Wenn ich dem Leser berichten wollte, durch welchen Zufall ich diese Blätter in die Gewalt bekam, so würde man es in diesem ungläubigen Zeitalter als nichts andres denn die Redeweise und das Geschwätz des Gewerbes halten. Ich erspare also mit Freuden so ihm wie mir diese unnötige Mühe. Immerhin bleibt noch die schwierige Frage, weshalb ich sie nicht früher veröffentlicht habe. Ich habe das aus zwei Gründen vermieden; erstens, weil ich glaubte, dass ich Besseres hegen hatte, und zweitens, weil ich die Hoffnung nicht aufgab, von dem Verfasser zu hören und seine Anweisungen zu erhalten. Jüngst aber hat man mir durch das Gerücht von einer geheimen Abschrift Angst eingeflösst; ein gewisser berühmter Mann von Witz sollte sie durchgearbeitet und aufgeputzt haben, oder, wie unsre gegenwärtigen Schriftsteller es nennen, er hat sie ›dem Geist der Zeit angepasst‹, wie es bereits mit viel Glück beim Don Quixote, Boccalini, La Bruyère und andern Autoren geschehen ist. Ich hielt es jedoch für ehrlicher, das ganze Werk in seiner ursprünglichen Form zu geben. Wenn irgend jemand mir einen Schlüssel dazu liefern wollte, der die schwierigeren Stellen erklärt, so werde ich diese Gefälligkeit dankbar anerkennen und ihn gesondert drucken.

Der Widmungsbrief an seine königliche Hoheit den Prinzen Nachwelt.

Geehrter Herr!

Ich überreiche Eurer Hoheit hier die Früchte einiger weniger Mussestunden, die den kurzen Intervallen einer Welt der Geschäftigkeit und eines Amtes abgestohlen wurden, wie es mit derlei Vergnügungen nicht das geringste zu tun hat: das erbärmliche Produkt jenes Überschusses an Zeit, der mich während einer langen Vertagung des Parlaments, eines grossen Mangels an auswärtigen Nachrichten und einer langweiligen Periode regnerischen Wetters schwer bedrückte. Aus diesen und andern Gründen kann es keinen Anspruch darauf machen, eine Gönnerschaft wie die Eurer Hoheit in allzu hohem Grade zu verdienen; haben doch Ihre zahllosen Tugenden die Welt in wenig Jahren gezwungen, Sie als das künftige Vorbild aller Fürsten zu betrachten. Denn obwohl Eure Hoheit kaum die Säuglingsjahre hinter sich hat, so ist doch bereits die gesamte gebildete Welt entschlossen, Ihren künftigen Befehlen in der gebeugtesten und resigniertesten Unterwürfigkeit zu lauschen; denn das Schicksal hat Sie zum einzigen Richter über alle Produkte des menschlichen Witzes unsrer gebildeten und höchst zivilisierten Zeit gemacht. Mich dünkt, die Zahl derer, die eines Spruches harren, könnte jeden Richter beängstigen und entsetzen, dessen Genius weniger unbegrenzt wäre als der Ihre. Um aber solcherlei glorreiche Rechtspflege zu verhindern, hat die Persönlichkeit (so scheint es), der die Erziehung Eurer Hoheit anvertraut wurde Die Zeit natürlich. (so höre ich), beschlossen, Sie über unsre Studien, die zu untersuchen Ihr angeborenes Recht ist, in völliger Unkenntnis zu lassen.

Ich kann es nicht begreifen, wie diese Persönlichkeit im Angesicht der Sonne die Stirn haben kann, Eurer Hoheit vorzureden, unsre Zeit sei fast ganz ungebildet und habe kaum auf irgendeinem Gebiete irgendeinen Schriftsteller hervorgebracht. Ich weiss sehr wohl, wenn Eure Hoheit zu reiferen Jahren kommt und die Gelehrsamkeit des Altertums durchforscht, so werden Sie viel zu neugierig sein, um nicht auch die Schriftsteller der unmittelbar hinter Ihnen liegenden Zeit zu untersuchen. Und wenn ich bedenke, dass diese schamlose Person in dem Bericht, der für Ihre Augen bestimmt ist, diese Schriftsteller auf eine so bedeutungslose Zahl herabzusetzen beabsichtigt, dass ich mich schäme, sie nur zu nennen, so regen sich mein Eifer und mein Ungestüm für die Ehre und das Interesse unsrer ungeheuren, blühenden Körperschaft, wie auch für die meinen; denn ich weiss aus langer Erfahrung, dass jene Persönlichkeit mir ganz besondere Bosheit entgegengebracht hat und noch entgegenbringt.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Eure Hoheit, wenn Sie eines Tages lesen, was ich eben jetzt schreibe, auf Grund eben dieser meiner Behauptungen Ihrem Erzieher Vorwürfe machen und ihm befehlen wird, Ihnen einige unsrer Erzeugnisse zu zeigen. Dann wird er erwidern (denn ich bin über seine Absichten genau unterrichtet), indem er Eure Hoheit fragt: Wo sind sie? oder: Was ist aus ihnen geworden? Und darin wird er einen Beweis zu sehn vorgeben, einen Beweis dafür, dass es niemals welche gegeben hat, weil keine mehr zu finden sind. Keine zu finden! Wer hat sie verlegt? Sind sie im Abgrund der Dinge versunken? Sicherlich waren sie an sich leicht genug, um für alle Ewigkeit an der Oberfläche zu schwimmen. Die Schuld also liegt bei dem, der ihnen so schwere Gewichte an die Fersen band, dass sie sie in die Tiefe zogen. Ist ihr Wesen selber vernichtet? Wer hat sie ausgetilgt? Wurden sie in Purganzen ertränkt oder mit Klistieren gefoltert? Wer aber führte die in den Hintern ein? Um jedoch Eure Hoheit gleich auf einmal jedem Zweifel darüber zu entreissen, wer der Urheber dieses allgemeinen Verderbens ist, so flehe ich Sie an, sich jene breite und furchtbare Sense zu betrachten, die Ihr Erzieher stets mit sich herumträgt; geruhen Sie die Länge und Kraft, die Schärfe und Härte seiner Nägel und Zähne zu beachten; denken Sie an seinen giftigen, scheusslichen Atem, den Feind des Lebens und der Dinge, der verseucht und vernichtet; und dann überlegen Sie, ob es menschlicher Tinte, menschlichem Papier dieses Geschlechts möglich ist, aussichtsreichen Widerstand zu leisten. O! möchte doch Eure Hoheit eines Tages beschliessen, diesen anmassenden Maitre du palais seiner wütenden Waffen zu entkleiden und Ihr Reich hors de page zu bringen.

Ich würde kein Ende finden, wollte ich die vielerlei Methoden der Tyrannei und der Vernichtung aufzählen, die Ihr Erzieher zu diesen Zwecken anzuwenden geruht. Seine eingewurzelte Bosheit wider die Schriften unsrer Zeit ist so gross, dass von mehreren Tausend, die alljährlich aus dieser berühmten Stadt hervorgehn, vor dem nächsten Sonnenumlauf keine einzige mehr zu vernehmen ist. Die unseligen Kinder! Viele von ihnen sind barbarisch vernichtet, ehe sie auch nur ihre Muttersprache so weit lernten, dass sie um Mitleid bitten könnten. Manche erstickt er in ihrer Wiege; andre erschrickt er, so dass sie in Krämpfe verfallen, an denen sie jäh versterben; wieder andre schindet er bei lebendigem Leibe; und manche endlich zerreisst er Glied für Glied. Grosse Scharen werden Moloch dargebracht; und die letzten sterben, von seinem Hauch vergiftet, an langsamer Auszehrung.

Am meisten aber liegt mir die Sorge um unsre Körperschaft der Dichter am Herzen. Ich bereite eine Petition von ihnen an Eure Hoheit vor, die mit einhundert und sechsunddreissig Namen ersten Ranges unterschrieben werden soll; die unsterblichen Werke ihrer Träger werden schwerlich je Ihr Auge erreichen, obgleich sie alle jetzt in Demut und Ernst nach dem Lorbeer streben, und obgleich ein jeder stattliche Bände zu zeigen hat, die seine Ansprüche unterstützen. Die niemals sterbenden Werke dieser erlauchten Männer hat Ihr Erzieher, königliche Hoheit, unvermeidlichem Tode geweiht; und Eure Hoheit soll glauben, dass unsrer Zeit niemals die Ehre zuteil ward, auch nur einen einzigen Dichter hervorzubringen.

Wir geben zu, dass die Unsterblichkeit eine grosse und gewaltige Göttin ist; aber vergeblich bringen wir ihr unsre Andacht und unsre Opfer dar, wenn Eurer Hoheit Erzieher, der sich das Priesteramt angemasst hat, in einem Ehrgeiz und einer Habgier ohnegleichen so Opfer wie Andacht abfängt und verschlingt.

Zu behaupten, unser Jahrhundert sei völlig ungelehrt und entbehre jeglichen Schrifttums, das ist so verwegen und so falsch, dass ich seit einiger Zeit geglaubt habe, das Gegenteil lasse sich durch unwiderleglichen Beweis dartun. Freilich werden sie, obwohl ihre Scharen zahlreich und also auch ihre Erzeugnisse dementsprechend unübersehbar sind, so eilig vom Schauplatz verjagt, dass sie unserm Gedächtnis entfallen und unsern Augen entgehn. Als mir der erste Gedanke an diese Widmung kam, hatte ich eine endlose Liste von Titeln bereit, die ich Eurer Hoheit als ein unbestreitbares Argument für meine Behauptung unterbreiten wollte. Die Originale standen frisch an allen Toren und Strassenecken angezeigt; doch als ich ein paar Stunden darauf nochmals wiederkam, um eine letzte Musterung zu halten, waren die Zettel schon alle herabgerissen und an ihrer Stelle neue zu sehn. Ich forschte bei Lesern und Buchhändlern nach ihnen; doch meine Erkundigung war nutzlos; ihr Gedächtnis war unter den Menschen verloren gegangen, ihre Stätte war nicht mehr zu finden; man lachte mich als einen Tölpel und Pedanten aus, der jeden Geschmacks und jeder Verfeinerung bar und im Lauf der gegenwärtigen Dinge wenig bewandert wäre, als einen Menschen, der nichts wüsste von dem, was sich in der besten Gesellschaft des Hofs und der Stadt ereignet hatte. So kann ich denn Eurer Hoheit nur im allgemeinen beteuern, dass wir Überfluss haben an Witz und Gelehrsamkeit; mich aber in Einzelheiten einzulassen, das ist für meine schwachen Fähigkeiten eine zu schlüpfrige Aufgabe. Wenn ich mich an einem windigen Tage erkühnte, Eurer Hoheit zu versichern, dass am Horizont eine riesige Wolke in Gestalt eines Bären lagere, während im Zenith eine zweite mit dem Kopf eines Esels stehe, eine dritte aber im Westen fliege, die die Krallen eines Drachens zeige, und wenn dann Eure Hoheit ein paar Minuten darauf auf den Gedanken käme, sich von der Wahrheit meiner Worte zu überzeugen, so würden sie sicherlich in Form und Lage alle verwandelt sein: neue Wolken würden erscheinen, und wir könnten uns nur über das eine klar werden, dass Wolken vorhanden sind; in ihrer Tierbeschreibung und ihrer Lage aber hätte ich mich gröblich geirrt.

Doch vielleicht wird Ihr Erzieher immer noch hartnäckig bleiben und fragen: Was ist denn aus den ungeheuren Papierballen geworden, die für eine solche Fülle von Büchern notwendig waren? Können auch die völlig, und so plötzlich, wie ich behaupte, vernichtet worden sein? Was soll ich wider einen so heimtückischen Einwand sagen? Es steht mir bei dem Rangunterschied zwischen Eurer Hoheit und mir wenig an, Sie in eine Senkgrube oder einen Ofen, an die Fenster eines Hurenhauses oder an eine schmutzige Laterne zu schicken, um sich durch den Augenschein zu überzeugen; Bücher haben wie die Menschen nur einen Weg, um in die Welt zu kommen, aber sie haben tausend, um sie zu verlassen und nie wiederzukehren.

Ich beteure Eurer Hoheit in der Aufrichtigkeit meines Herzens, dass, was ich jetzt sagen will, in der Minute, in der ich schreibe, buchstäblich wahr ist: was für Revolutionen eintreten werden, bis es für Ihre Lektüre bereit ist, dafür kann ich mich nicht verbürgen: aber ich bitte Sie, es als eine Probe unsrer Gelehrsamkeit, unsrer Bildung und unsres Witzes anzusehn. Ich behaupte also auf das Ehrenwort eines aufrichtigen Mannes hin, dass augenblicklich ein gewisser Dichter namens John Dryden tatsächlich lebt, dessen Übersetzung des Vergil kürzlich in einem schön gebundenen Folioband gedruckt wurde; dieser Band ist noch zu sehn, wenn man sorgfältig nach ihm sucht. Ein zweiter namens Nahum Tate ist bereit, unter seinem Eide zu versichern, dass er gar manches Ries Verse hat veröffentlichen lassen, von denen sowohl er wie sein Verleger (wenn sie rechtens aufgefordert werden) noch jetzt authentische Exemplare vorzeigen können, daher sie denn auch nicht zu sagen vermögen, weshalb es der Welt beliebt, daraus ein solches Geheimnis zu machen. Ein dritter, bekannt unter dem Namen Tom Durfey, ein Dichter von weit ausgreifender Begabung, ein Universalgenie von tiefster Gelehrsamkeit, lebt gleichfalls noch. Ferner kenne ich einen Herrn Rymer und einen Herrn Dennis, beide sind tiefgründige Kritiker. Alle Genannten sind Tagesberühmtheiten, die zum Teil, wie Dryden und Durfey, noch heute in den Literaturgeschichten leben. Der folgende ist der berühmte Bentley. Ferner lebt ein Mann namens Dr. B––tl–y, der an die tausend Seiten tiefgründigster Gelehrsamkeit geschrieben hat, die einen genauen und wahrheitsgetreuen Bericht über einen wunderbar wichtigen Zank zwischen ihm und einem Buchhändler enthalten: er ist ein Schriftsteller von unendlichem Witz und Humor; niemand versteht mit mehr Anmut und in lebhafteren Wendungen zu spotten. Ferner beteure ich Eurer Hoheit, dass ich mit eignen Augen einen gewissen William W-tt-n leibhaftig gesehn habe, der einen stattlichen Band wider einen Freund Ihres Erziehers Nämlich wider Sir William Temple; er hatte die berühmten Phalarisbriefe gepriesen, die Bentleys Kritik weckten. Bentleys Abhandlung, in der diese Briefe als Fälschung nachgewiesen wurden, erschien in Wattons »Gedanken über alte und moderne Gelehrsamkeit«. verfasste (von dem er daher nur wenig Gunst erwarten darf), und zwar im Stil eines Edelmanns, geziert mit der höchsten Bildung und Höflichkeit, angefüllt mit Entdeckungen, die sowohl wegen ihrer Neuheit wie wegen ihrer Nützlichkeit wertvoll sind, und verschönt mit so beissenden und treffenden Witzen, dass er ein würdiger Jochbruder seines zuvor erwähnten Freundes ist.

Weshalb sollte ich mich noch weiter in Einzelheiten einlassen, da ich einen ganzen Band mit dem gerechten Lob meiner zeitgenössischen Brüder anfüllen könnte? Ich will mir diese Arbeit der Gerechtigkeit für ein grösseres Werk aufsparen, in dem ich die jetzt lebenden geistreichen Leute unsrer Nation charakterisieren werde: ihre leibliche Erscheinung werde ich genau und ausführlich schildern, ihren Genius aber und ihren Verstand en miniature.

Derweilen erkühne ich mich hier, Eurer Hoheit einen getreuen Abriss der Gesamtmasse aller Künste und Wissenschaften zu überreichen, der einzig zu Ihrem Gebrauch und Ihrer Belehrung bestimmt ist. Auch zweifle ich nicht im geringsten daran, dass Eure Hoheit ihn sorgfältig durchlesen und aus ihm ebenso beträchtlichen Nutzen ziehen wird, wie es andre Prinzen bereits aus den vielen Bänden getan haben, die in den letzten Jahren geschrieben wurden, um ihnen bei ihren Studien vorwärts zu helfen. Dass Eure Hoheit wachse an Weisheit und Tugend wie an Jahren, und dass sie schliesslich all ihre Vorfahren in den Schatten stelle, so lautet das tägliche Gebet

des ergebenen Dieners Eurer Hoheit
usw.

Dezember 1697.

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