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Ein gerissener Kerl

Edgar Wallace: Ein gerissener Kerl - Kapitel 34
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleEin gerissener Kerl
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1960
translatorAlfred Schirokauer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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33

Langsam kam Ursula zu sich. Sie hatte einen bösen Traum gehabt. Sie träumte, sie läge an einem nassen Ufer, aus dem Wasser tauchte der grauenvolle Kopf einer großen Schlange. Sie wollte aufstehen und fliehen, war aber keiner Bewegung fähig und sah den dreieckigen Kopf immer näher und näher kommen, das scheußliche Maul geöffnet – und fühlte, wie die Zähne sich in den Fuß verbissen und sie ins Wasser zerrten – zerrten ...

Sie blickte auf. Jemand zog ihr die Schuhe aus. Einer fiel mit einem dumpfen Laut auf den Boden. Guelder hörte sie leise aufschreien und blickte sich um.

»Es ist nichts«, sprach er besänftigend auf sie ein, »gar nichts. Haben Sie keine Angst, meine kleine Freundin. Warum fürchten Sie sich? Sie sind bei Rex.«

Die Augen, die auf sie niederglühten, schienen doppelt so groß wie sonst. In ihnen brannte etwas, das sie noch nie gesehen hatte, bei keinem Mann, bei keinem Tier. Die Hände, die sie zurückdrückten, als sie sich zu erheben versuchte, zitterten, als durchwühle den Mann ein furchtbarer Schmerz.

»Es ist nichts«, stammelte er. »Du mußt lieb sein. Rex tut dir nichts Böses, mein schönes Lamm!«

Er kniete neben ihr nieder, schob seinen Arm unter ihre Schultern und preßte sie an sich. Sie war wie gelähmt vor Grauen und Furcht und vermochte sich nicht zu rühren. Die Stimme versagte ihr, sie konnte nichts sehen als diese beiden großen, hervorquellenden Augen, in denen das Feuer des Wahnsinns brannte, und hörte nur seine abgerissenen, irren Liebesworte.

»Du bist schöner als alle Frauen der Welt«, keuchte er. »Du bist der göttliche Traum meines Lebens!«

Ihr wurde schlecht. Eine Ohnmacht überkam sie. Er sah, wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich, ließ sie los und schrie sie dann schrill an.

»Wenn du mich so ansiehst, schlage ich dich. Und wenn du einen Laut von dir gibst, stopfe ich dir das Maul.«

Er ging zum Tisch und goß wieder ein Glas Wein ein.

»Trink!«

Sie stieß das Glas zurück und vergoß es.

Voll Wut füllte er es wieder.

»Trink!« herrschte er sie an.

»Bewegen Sie sich nicht, Guelder!«

Das Glas fiel mit einem Krach zu Boden. Guelder wandte den Kopf und sah in den Revolver Elks.

»Als ich sagte: ›bewegen Sie sich nicht‹, sprach ich bildlich«, erläuterte Elk gemütlich. »Jetzt kommt der Moment, wo Sie sich wieder bewegen dürfen. Halten Sie Ihre kleinen Händchen hoch!«

Der Holländer gehorchte.

»Wo ist Ihr Kumpan?«

Guelders Gesicht verzog sich. Doch selbst in diesem tragischsten Augenblick seines Lebens vermochte er zu lächeln.

»Ich werde ihn Ihnen zeigen.«

»Und wenn ich ihn Ihnen zeige? Er ist unten im Polizeiboot. Wie ist er dahingekommen?«

Hier beging Guelder einen groben Fehler.

»Im Polizeiboot ... ist er heraufgekommen?«

»Scheint so«, meinte Elk. »Nach dem Draht um seine Gelenke zu schließen, haben Sie ihm ein schönes Gewicht angehängt.«

Guelder bewegte die hochgehaltenen Arme gleichgültig.

»Sie wollen mich verhaften? Dann wird's besser sein, wenn ich erst den Strom im Laboratorium ausschalte. Sonst könnte einer von Ihnen zu Schaden kommen.«

»Das lassen Sie nur unsere Sache sein«, wehrte Elk ab.

Guelder lächelte.

»Wie Sie wollen.«

Dann wandte er seinen Kopf der Couch zu, auf der Braid saß, die halb ohnmächtige Ursula im Arm.

»Ah, der ›gerissene Kerl‹! Helfen Sie mir, diese Herren zu überzeugen, Mr Braid! Hier nebenan laufen Maschinen unter Hochspannung. Jemand könnte zu Schaden kommen – ich rufe Sie zum Zeugen an, daß es nicht meine Schuld ist.«

»Gut, gehen Sie voran«, befahl Elk, »aber wenn Sie Dummheiten machen ...«

»Schießen Sie mich tot – kann ich mir denken«, grinste der Holländer breit.

Er ging langsam rechts an der Bank entlang.

»Das werde ich abstellen«, erklärte er und drehte an einem Schalter.

»Die Tür dort«, er zeigte auf sie, »ist nicht zu öffnen. Sie ist eine sogenannte blinde Tür. Aber die Stahlstange hat einen besonderen Zweck. Und jetzt werden wir sehen, mit welchem außerordentlichen Mut der Doktor Rex Guelder dem immerhin noch Unbekannten ins Auge sieht.«

Und mit voller Überlegung, ganz langsam, legte er die Hände auf die Stange.

Elk wollte ihn packen, doch einer der Flußpolizisten hinter ihm faßte ihn am Arm und riß ihn zurück.

»Die Stange ist geladen! Wo ist der Schalter?«

Sobald der Strom ausgeschaltet war, fiel der tote Körper des Holländers dumpf auf den Boden. Der Ingenieur des Bootes, der Elk aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet hatte, ging hin und prüfte voller Neugier die Stahlstange.

»Der Strom ging durch einen Transformator«, erklärte er, »er hat sicher sieben- oder achthundert Volt im Körper gehabt.«

»Ist er tot?« fragte Elk.

Und als der Ingenieur nickte, sagte er gelassen: »Das erspart uns viel Mühe!«

 

Ende

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