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Ein gerissener Kerl

Edgar Wallace: Ein gerissener Kerl - Kapitel 33
Quellenangabe
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleEin gerissener Kerl
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1960
translatorAlfred Schirokauer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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32

Der Verkehrspolizist in der Commercial Road hob die Hand, um einen Zweisitzer anzuhalten, der an ihm vorbeifahren wollte. Der Fahrer achtete nicht auf das Polizeisignal und wäre auch zweifellos entkommen, wenn nicht im kritischen Augenblick ein großer Lastwagen mit Anhänger ihm den Weg versperrt hätte. Der Polizist ging gemächlich auf das Auto zu, ohne seiner Würde etwas zu vergeben. Da machte der Fahrer einen Fehler. Er sprang hinaus und wollte fortlaufen. Doch unglücklicherweise kam gerade aus dieser Richtung ein zweiter Schutzmann zur Ablösung.

»Zeigen Sie doch mal Ihren Führerschein«, befahl der erste Polizist, als der Kollege ihm seinen Fang zugeführt hatte. Der Führerschein war nicht da. Der Kumpan des Fahrers duckte sich ängstlich im Sitz zurück. »Steigen Sie ein«, gebot der erste Schutzmann, »und fahren Sie mich zur Polizeiwache. Wenn Sie Dummheiten machen, dann ...« Damit sprang er auf das Trittbrett.

Was der Osten von London um zehn Uhr weiß, weiß Scotland Yard eine Minute später. Der Mann, der in Scotland Yard am Fernsprecher saß, nahm eine alltägliche Meldung auf, schrieb die Nummer des Autos nieder und schaltete in das Zimmer des Inspektors Elk um.

»Man hat den Wagen gefunden – den von Lady Frensham. Wurde im Osten Londons angehalten mit zwei bekannten Autodieben.«

»Hat man die Dame?« fragte Elk besorgt.

»Nein, Herr Inspektor, von der Dame weiß man noch nichts.«

Der Telefonist schaltete nach Süd-London um und gab die genaue Beschreibung des Schirms mit goldenem Griff durch, der im Parlament gestohlen worden war und, wie man annahm ...

Tony saß neben Elk in bewundernswerter Ruhe, mit der er seine innere Erregung zu verbergen suchte.

»Das bestätigt die Aussage des Polizisten, der behauptet, er habe den Wagen in Limehouse gesehen«, bemerk« Elk. »Verbinden Sie doch mal mit dem Haus von Lady Frensham und fragen Sie, ob sie zurück ist.«

Ursula war nicht heimgekehrt. Das weinende Mädchen gab die traurige Auskunft.

»Habe ich auch nicht erwartet«, nickte Elk. »In wenigen Minuten werden wir mehr wissen.«

Er wartete auf den Anruf der Polizeiwache in Ost-London, der jeden Augenblick kommen mußte. Endlich kam er – von dem wachthabenden Sergeanten. Er hatte die Gefangenen verhört, die alles gestanden hatten. Es waren vernünftige Diebe, die der Polizei niemals unnötige Arbeit machten. Sie hatten das Auto an der Channey-Brücke aus Versehen mitgenommen. Sie hatten auch einen Mann und eine Frau die Gasse hinuntergehen sehen, dem Wasser zu.

»Limehouse ... Channey-Brücke ... ausgezeichnet!« sagte Elk. Er tippte ungeduldig auf den Apparat. Die Zentrale meldete sich.

»Verbinden Sie schleunigst mit dem Hauptquartier der Themsepolizei. Sagen Sie Ihnen, sie sollen ein Motorboot an der Channey-Treppe bereithalten!«

»Können Sie nicht nach Greenwich telefonieren?« fragte Braid, der schon ziemlich angegriffen war.

Elk schüttelte den Kopf.

»Wenn sie dort sind, ist die Landseite so verrammelt, daß Sie einen Rammbock brauchten, um in das Haus zu kommen Er hat an seinem Grundstück ein herrliches Hintergebäude, dieser Holländer – es reicht bis zum Nord- und Südpol. Auf diesem Weg wird er türmen. Ich bin dafür, Fallen vor die Ausfalltore zu legen.« »Wer war der Mann, der mit ihr war?« fragte Braid, obwohl er es ahnte.

Elk wiegte den Kopf.

»Die Autodiebe haben keine nähere Beschreibung gegeben. Sie sahen nur einen Mann, der sich mit einem Mädchen zankte. Da sie nichts von einem ausländischen Akzent sagten, nehme ich an, daß es Reef gewesen ist. Übrigens hat Guelder für ihn Vorkehrungen getroffen. Er sollte heute nacht London auf dem Wasserweg verlassen. Es paßt alles genau. Er wollte ihn an Bord der ›Van Zeeman‹ bringen, die heute nach Südamerika ausläuft. Der Obersteward war mit im Bunde, aber der Zahlmeister schöpfte Verdacht und meldete es der Polizei.«

Er zog einen schweren Regenmantel an und schloß den Gürtel. Dann öffnete er die Schreibtischschublade, nahm einen sehr handlichen Browning heraus und ließ ihn in die Tasche gleiten. Dabei sagte er entschuldigend: »Ich gebrauche sehr ungern Schießeisen. Es sieht so nach Theater aus. Aber ich habe eine Vorahnung, daß der liebe, alte Rex Fisimatenten machen wird. Und das Leben ist gerade jetzt für mich sehr kostbar – ich komme in die Jahre. Und wenn man in mein Alter kommt, wird man immer skeptischer, wie die Welt eigentlich ohne einen auskommen soll.«

Der Wagen wartete vor der Tür. Daneben standen zwei Männer, die sich ohne ein Wort auf den Sitz neben den Führer zwängten.

»Die einzige Freude des höheren Beamten auf dieser Erde besteht darin«, grinste Elk, »daß er die besten Plätze kriegt. Ich werde die beiden Leute gar nicht brauchen, denn diese Themsepolizisten haben's in sich.«

Eine Viertelstunde später hielten sie an der Channey-Brücke und fanden dort einen Flußpolizeisergeanten vor. Am Fuß der Brücke lag ein langes Boot mit schwachbrennenden Lichtern.

»Sie werden die Lichter da ausmachen müssen, wenn Sie an das Haus herankommen, Inspektor«, meinte der Sergeant.

»Von welchem Haus reden Sie denn?« tat Elk unschuldig.

»Guelders doch wohl. Man hat es mir nicht gesagt, aber ich errate es. Wir hatten Befehl, Guelders Haus zu bewachen und Reef zu verhaften.«

»Wir werden diesen Reef verhaften«, sagte Elk. »Ich bin überzeugt, wir werden ihn ausheben.«

Das war ein prophetischer Ausspruch.

Die Gezeiten wechselten gerade, und das Boot trieb in rasender Geschwindigkeit ostwärts.

»Ich halte mich dicht an die Küste von Middlesex«, erklärte der Sergeant. »Es ist besser, quer über den Fluß hinüberzustoßen und das Haus zu überraschen, als mitten im Fluß daraufloszusteuern. Er würde uns vermutlich sehen – der Lichtschein von London liegt über dem Strom.«

Elk erklärte sich mit allem einverstanden. Er kannte die Technik der Flußarbeit nicht.

»Im Laboratorium ist Licht.« Der Sergeant blickte durch die Nachtgläser. »Guelder ist zu Hause.«

»Er hat ein Boot, nicht wahr?«

»Ja, eine sehr starke Jacht. Am besten kommen wir durch das Bootshaus hinein. Das ist nicht zu verschließen. Vor drei Monaten hat eine ›Flußratte‹ dort drei oder vier Kanister Benzin gestohlen und wurde von Guelders Katzen fast in Stücke zerfetzt.«

Sie waren jetzt dem Haus gegenüber. »Los!« befahl Elk.

Der Sergeant drehte die Spitze des Bootes auf das Haus zu. Plötzlich wurde die Jacht erschüttert.

»Es ist nichts«, erklärte der Polizeibeamte. Dann rief er: »Ihr da vorn, was gibt's da im Wasser?«

»Sieht aus wie 'ne Leiche«, antwortete eine Stimme.

»Holt sie 'raus«, befahl der Sergeant lakonisch.

Ein Bootshaken fuhr über die Bordwand hinaus und zog das dunkle Bündel auf Deck.

»Bedauere den Aufenthalt, Inspektor, aber ich darf nicht daran vorbeifahren. Ist nicht angenehm, muß aber sein. Wir dürfen an keiner Leiche vorbeifahren, wenn wir nicht auf Verfolgung sind.«

Zwei Mann hatten nun das Bündel auf die Planken niedergelegt.

»Ein Toter«, rief eine Stimme, »war noch nicht lange im Wasser.«

Elk trat mit dem Sergeanten dazu. Jemand hielt eine Laterne und leuchtete der Leiche ins Gesicht. Tony blickte dem Inspektor über die Schulter und sah voll Entsetzen in die toten Augen Julian Reefs. Mr. Guelders Kette war sehr schlecht befestigt gewesen.

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