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Ein gerissener Kerl

Edgar Wallace: Ein gerissener Kerl - Kapitel 14
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typefiction
authorEdgar Wallace
titleEin gerissener Kerl
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1960
translatorAlfred Schirokauer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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13

Tony studierte die Gedenktafel der im Weltkrieg gefallenen Beamten von Scotland Yard, als ein junger Beamter ihm meldete, daß Inspektor Elk ihn bitten lasse. Er folgte dem Beamten viele Treppen hinauf, durch endlose Flure und kam schließlich zu einem sehr kleinen Zimmer und dem faul auf einem Stuhl ausgestreckten Elk.

»Kommen Sie herein, Mr. Braid. Junger Mann, schließen Sie die Tür. Sie müssen schon ein bißchen weiter ins Zimmer treten, Braid, damit der Mann die Tür schließen kann. Es ist das kleinste Zimmer in Scotland Yard. Ich bin eben ein Niemand. Nächstens wird der Abteilungsleiter einen Käfig für mich als Behausung bauen und zum Fenster hinaushängen lassen.«

Er stand auf und bot dann Tony den einzigen verfügbaren Stuhl an.

»Lassen Sie nur. Ich sitze immer auf dem Tisch. Es sieht würdiger aus«, beruhigte Elk. »Eine Zigarre haben Sie wohl nicht zufällig bei sich? Ich habe mein Etui zu Hause gelassen. Als der Bote kam und mir einen Herrn meldete, dachte ich, es wäre ein Einbrecher, ein lieber Freund von mir, der herrlich melodiös pfeift, geradezu ein Künstler. Aber schließlich nehme ich auch mit Ihnen fürlieb. Wo drückt Sie der Schuh, Mr. Braid? Hat Ihr Buchmacher Sie beschwindelt? Das ist das Dumme an diesen Krediten, daß man nie weiß, wie man steht, bis Sonnabend. Ich hab' mir ja gleich bares Geld auszahlen lassen und ...«

»Was macht Mr. Colburn?« fragte Tony.

Elk starrte ihn an.

»Mein Mieter – ihm ist doch nichts zugestoßen?«

»Wohnt er noch in Ihrem Haus?«

Elk nickte.

»Natürlich. Wenn er schläft. Das ist die einzige Zeit, in der er seßhaft ist.«

»Halten Sie es für möglich, daß ich mit ihm sprechen kann? Erinnern Sie sich, Sie wollten ihn mal nach Ascot mitbringen?«

Elk kratzte sich das Kinn und blickte auf die Uhr.

»Ascot ist ein bißchen weit«, entschuldigte er sich.

»Sie brauchen ihn ja nicht nach Ascot zu bringen. Ich kann ihn auch in der Stadt sehen. Können Sie ihn heute abend auftreiben?«

Elk nickte, sah aber nicht sehr überzeugt aus.

»O ja, er ist nur ein bißchen schwer zu finden«, erwiderte er. »Er ist, was man einen Wandervogel nennen könnte. Und wenn er mal in gemütliche Gesellschaft kommt ... dann ... ich meine, er verträgt nicht viel Alkohol. Eine Menge, die mir nichts weiter anhaben würde, als meinen sinkenden Mut zu heroischer Fackel anzufachen – wenn Sie mir diesen poetischen Ausdruck gestatten wollen –, treibt ihn zu der ernsthaften Behauptung, er sei der rechtmäßige Erbe eines Herzogs.«

»Mit anderen Worten, Sie wollen sagen, er könnte einen sitzen haben. Macht mir gar nichts. Bringen Sie ihn mir nur.«

Elk nickte wieder, doch sein Selbstvertrauen war nicht gerade groß.

»Er wird kommen, und wenn ich ihn mit einem Wagen der Rettungsgesellschaft bringen muß«, erklärte er. Dann blickte er aus dem Fenster und sagte, da ihm offenbar gerade ein Gedanke kam: »Sie haben heute morgen allerhand Papiere durchgesehen?«

»Donnerwetter, wer hat Ihnen das erzählt?«

»Ein Vögelchen«, versicherte er. »Der arme, junge Reef tut mir so leid. Ich sah ihn in St. James' Street, er war ganz hin. Armer Kerl! Es muß schrecklich sein, einen Onkel zu verlieren.«

Tony wollte gerade gehen, doch er kam schnell noch einmal zurück.

»Beobachten Sie das Büro?« fragte er.

Der Detektiv war ein Bild beleidigter Unschuld.

»Ich beobachte nie etwas«, bemerkte er. »Und wenn, dann nicht lange. Es macht mich schwindlig. Das einzige, was ich gern beobachte, ist das Leben und seine seltsamen Verwicklungen.«

»Aber wer hat Ihnen verraten, daß ich Frenshams Papiere prüfte?«

Mr. Elk hob die Augen zur Decke und überlegte heftig. »Eben hab' ich's noch gewußt, und im Moment habe ich's vergessen! Nehmen wir an, es wäre der alte Buchhalter Frenshams. Ich glaube, Main heißt er. Ich trank in einer achtbaren Teestube eine Tasse Tee, als er hereinkam und sich an meinen Tisch setzte.«

»Oder Sie kamen herein und setzten sich an seinen Tisch«, stellte Tony richtig.

»Auch das ist möglich«, gab Elk zu. »Ein lieber Mensch, der Alte. Er hält Hühner. Ich kannte mal einen anderen lieben Menschen, der auch Hühner hielt. Ich ging zu seiner Hinrichtung, was nicht mehr als billig war, weil ich die unschuldige Ursache dieses frühen Morgenspaziergangs war. Übrigens, Mr. Braid, lassen Sie nächste Woche irgendwas in Brighton laufen? Ich liebe Rennen. Man verbringt einen angenehmen Tag in frischer Luft.«

Tony verließ Scotland Yard ziemlich verdutzt. Er wäre noch viel mehr verdutzt gewesen, wenn er die Befehle gehört hätte, die Inspektor Elk einem Untergebenen jetzt übermittelte.

»Beobachten Sie Mr. Braid. Lassen Sie ihn nicht aus dem Auge. Ich werde es so einrichten, daß ich Sie um acht Uhr abends ablöse.«

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