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Ein Gang durchs Taubertal

Wilhelm Heinrich von Riehl: Ein Gang durchs Taubertal - Kapitel 9
Quellenangabe
typereport
authorWilhelm Heinrich Riehl
titleEin Gang durchs Taubertal
publisherEdition Europäische Kulturstätten
seriesLiterarische Landschaftsbilder
volume1
year1967
firstpub
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080812
modified20160809
projectid914720d9
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Die Stadt ehrt ihre Denkmale

siehe Bildunterschrift

»Prospect der Klingengasse gegen Mittag« mit Feuerleinserker und Durchfahrt unter der St. Jacobskirche in Rothenburg. Radierung v. J. P. Schmidt, 1762

Rothenburg ist eine ganze Stadt im gotischen Stil, und zwar des 14. und 15. Jahrhunderts; dies eben war die Zeit, wo die Gemeinde am höchsten stand. Die älteren romanischen Bauten wurden von der Gotik verschlungen bis auf wenige Reste, und wer jetzt den Rothenburger Romanismus studieren will, der muß auf die umliegenden Dörfer gehen. Der Renaissance gehört der Neubau des Rathauses an; allein so übermächtig herrscht die Gotik, daß dieser Prachtbau doch dem gotischen Gesamtcharakter der Stadt nichts anhaben kann. Das Hauptwerk der Gotik aber, die Jakobskirche, ward durch den Gemeinsinn der Bürger so groß und stolz; jedermann steuerte durch viele Jahre wöchentlich einen Heller, und so bekamen die Rothenburger die schönste Kirche auf weit und breit – der Abt von Heilsbronn (Mittelfranken) wußte gar nicht wie. Die Bürger aber wußten's und sagten's ihm.

Noch heutigen Tags ehrt und erhält die Gemeinde ihre zahlreichen Denkmale, die zum Teil gewiß nur noch ein fressendes Kapital sind, mit achtungswerter Treue. Die Bürger sind stolz darauf, daß sie jetzt einen so schönen öffentlichen Garten zwischen den Trümmern der Reichsburg geschaffen haben; sie erhalten ihre Stadtmauern und Türme, und wenn im Anfang dieses Jahrhunderts manches merkwürdige monumentale Werk mutwillig zerstört wurde, so haben das in der Regel andere Leute als die Rothenburger getan.

Der wichtigste Ausfuhrartikel der Stadt in alten Zeiten war das Getreide, und die vielen Mühlen und Bäckereien bildeten das charakteristische Gewerbe. Rothenburger Brot ist altberühmt; es überlebte den Ruhm der Reichsstadt; im Jahre 1779 wußte man selbst in Paris noch davon, ein damaliger französischer Geograph schreibt von Rothenburg nichts weiter als: l'air y est sain et le pain excellent. Jetzt kennt man das Rothenburger Brot in Paris vermutlich nicht mehr; allein die Schranne ist doch noch der wichtigste Markt des Platzes, es gibt noch immer viele Mühlen unten im Tal und auffallend viele Bäcker, Melber und Brauer oben auf dem Berg, und die Luft ist gesund geblieben und das Brot vortrefflich.

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