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Ein Gang durchs Taubertal

Wilhelm Heinrich von Riehl: Ein Gang durchs Taubertal - Kapitel 15
Quellenangabe
typereport
authorWilhelm Heinrich Riehl
titleEin Gang durchs Taubertal
publisherEdition Europäische Kulturstätten
seriesLiterarische Landschaftsbilder
volume1
year1967
firstpub
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080812
modified20160809
projectid914720d9
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Im Schloßpark schlagen Nachtigallen

Welche Gegensätze in Mergentheim! Hier wurde das Schloß umgestaltet zum wohlgepflegten modernen Fürstensitz, der Burggarten zum schattigen englischen Park. Man sagt: im Jahr 1809, bei der württembergischen Besitzergreifung, seien viele Erinnerungszeichen der Deutschherren absichtlich vernichtet worden. Die Sehenswürdigkeit des Schlosses ist ein Naturalienkabinett, von einem fürstlichen Reisenden und Naturforscher hier aufgestellt. Mergentheim hat mit Altwürttemberg nichts zu schaffen, wohl aber erinnert es an die Rheinbundzeit, die man jedoch schwerlich hier monumental verherrlichen wird. Durch die vier letzten Hochmeister, welche österreichische Erzherzoge waren, neigte das katholische Ordensländchen zu Österreich hinüber, und als Napoleon Mergentheim im Jahr 1809 dem König von Württemberg geschenkt hatte, wollten die benachbarten Bauern mit Gewalt nicht württembergisch werden. In der falschen Hoffnung auf österreichische Hilfe zogen sie nach Mergentheim, nahmen die Stadt, wurden aber bald blutig auseinandergejagt. Zwei Deutschordensritter, die sich zur Rettung des württembergischen Kommissärs und im Interesse des neuen Landesherrn an die Spitze der wütenden Bauern stellten, wurden trotz dieser guten Dienste des Landes verwiesen, die Rädelsführer gehängt, erschossen, zur Kettenarbeit an den neuen Anlagen des Stuttgarter Schloßgartens verurteilt.

siehe Bildunterschrift

Heilquelle bei Mergentheim. Gez. von J. L. Roßhirt, gest. v. F. Foltz, um 1840

Als der Dreißigjährige Krieg durch dieses Tal tobte und Mergentheim bald von den Schweden, bald von den Weimarischen und Franzosen in Besitz genommen ward, schrieb Merian: »und ist doch allezeit wieder an seinen rechten Herrn kommen«. Mit diesem Trost haben sich die Mergentheimer und andere deutsche Landeskinder auch schon zu anderen Zeiten trösten müssen.

Mergentheim ist eine »freundliche Landstadt«. Das will an und für sich nicht viel besagen. Aber wenn die Württemberger ihr Mergentheim mit Betonung eine freundliche Landstadt nennen, so besagt das doch etwas; denn in Württemberg gibt es besonders viele freundliche Landstädte. Im April zur Zeit der Apfelblüte soll es um Mergentheim fast so schön sein wie, schwäbisch gesprochen, »bei den Eßlinger Filialen«, vollends aber im Mai sollen die Nachtigallen des Schloßgartens vielstimmiger und schöner schlagen als irgendwo im ganzen Königreich.

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