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Ein Gang durchs Taubertal

Wilhelm Heinrich von Riehl: Ein Gang durchs Taubertal - Kapitel 13
Quellenangabe
typereport
authorWilhelm Heinrich Riehl
titleEin Gang durchs Taubertal
publisherEdition Europäische Kulturstätten
seriesLiterarische Landschaftsbilder
volume1
year1967
firstpub
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080812
modified20160809
projectid914720d9
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Einkehr in Weikersheim

siehe Bildunterschrift

Weikersheim. Ansicht von Garten, Schloß und Stadt. Wandgemälde im Schloß, Künstler unbekannt, um 1710

Zwischen Creglingen und Mergentheim fordert Weikersheim noch eine kurze Einkehr; denn das Städtchen hat wiederum sein ganz eigenes Gesicht. Auf dem Wege von Queckbronn über den Berg verkünden der ummauerte Wildpark und die schöne alte Lindenallee schon von fernher die fürstliche Residenz des 17. Jahrhunderts.

Man würde bei den Weikersheimern nicht für einen Mann von Bildung gelten, wenn man durch die Stadt gegangen wäre, ohne das hohenlohische Schloß mit seinem Rittersaal und seinem französischen Garten gesehen zu haben. Der Einwand, daß man schon viele andere Rokokoschlösser und Gärten kenne, gilt nicht; denn es gibt doch nur einen Weikersheimer Schloßgarten und einen Weikersheimer Rittersaal. Die Leute haben recht: das Schloß ist das Wahrzeichen ihrer Stadt; es umschließt die Summe der Kunsteindrücke, an welchen sich hier der Kleinbürger von Jugend auf erfreut, die Summe der nächsten Geschichtserinnerungen, an welchen er sich belehrt hat, und nach den Interessen für die Quellen unserer eigenen Bildung bemessen wir so gern die Bildung eines anderen; wer aber zu Fuß kommt, der muß sich als besonders fein gebildet ausweisen, damit man seine staubigen groben Schuhe nicht sieht.

Also gehen wir in das Schloß, dessen einzelne Teile aus einer Burg in einen Renaissancebau und aus diesem in einen Rokokobau sich umgestaltet und erweitert haben. Nach den ernsten Geschichtsbildern des oberen Tales ruht sich der Geist behaglich aus in den Baumgängen des halb verwilderten französischen Gartens mit den Ruinen seiner palastartigen Gewächshäuser, mit seinen steinernen Bänken in der Form von geflochtenen Körben, seinen Statuen von Zwergen und Zwerginnen im mannigfachsten Gewand und seinen Göttinnen und Nymphen mit äußerst wenig Gewand.

Und vollends der Rittersaal des weitläufigen Schlosses! Wir sehen in dem gewaltigen Prunkraum alles mögliche, nur keine Ritter – Eber, Hirsche, Elefanten, Löwen, plastisch gearbeitet und bemalt, trotz dem Creglinger Altar, überlebensgroß, an der Wand und aus der Wand springend, einen wunderschönen Renaissance-Kronleuchter zwischen diesen Ungetümen, echteste alte Prospekte aus Paris, von Trianon, vom echten Versailles und vom hohenlohischen Versailles Karlsberg dazu, die Ahnenbilder der Familie seit 1610 in Hoftracht, ein Riesenpaar über dem Kamin, aus dessen Hüften zwei hohenlohische Stammbäume aufwachsen, eine Uhr mit beweglichen Aposteln, die sich aber nur bewegen, wenn die Herrschaft anwesend ist. Wir ruhen uns aus, wie wenn wir ein Geschichtsbuch beiseite gelegt hätten; und doch ist auch diese Novelle ein Blatt aus der Kulturgeschichte.

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