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Ein Frauenhaar

Maurus Jókai: Ein Frauenhaar - Kapitel 25
Quellenangabe
authorMaurus Jókai
titleEin Frauenhaar
publisherVerlag von Heinrich Minden
year1883
translatorLudwig Wechsler
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20161006
modified20170628
projectid73fecffb
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Vierundzwanzigstes Kapitel.

Könige wechselten, aber der Hofnarr blieb. Die Schellenkappe unterlag keiner Wahl. Zwei Mächte sicherten die Stellung des Narren: die eine war der eigene Verstand, die andere die östreichischen Dukaten. Das Erklingen seiner Mütze vermochte nicht minder ein Lächeln auf die mürrischen Gesichter zu zaubern, als das Erklingen der Goldstücke.

Nach dem Siege bei Podhaicze sagte der Narr zu Szobieszky: »Hast Du bereits die Freudennachricht vernommen, welche sich auf Dich bezieht?«

»Ja, meine Frau gebar mir einen Sohn!«

»Nicht diese. Die Stände wollen Dir die Krone anbieten.«

»Ein prächtiger, kräftiger, gesunder Junge!«

»Du wirst König Johann III. sein, wenn Du Dich mit ihnen verständigst.«

»Er wurde auf den Namen seines Großvaters Jakob getauft!«

»Die Monarchen werden Deine Kandidatur unterstützen,« sagte Wawra.

»König Ludwig und die Königin von England hielten ihn über das Taufbecken,« fuhr Szobieszky fort.

»So höre doch auf mich, wenn ich von der Krone spreche!«

»Sprich mir nicht von der Krone, wenn ich von meinem Sohne spreche.«

»Hörst Du? Die Partei Deiner Getreuen versammelt sich heute Nacht bei Jablonowsky. Dort komme hin.«

»Heute Nacht gehe ich meiner Frau entgegen, die von Frankreich nach Hause heimkehrt und meinen Kleinen mit sich bringt,« sagte Szobieszky und küsste den Brief, in welchem ihm Maria Kasimira die süße Freudennachricht mitteilte.

Der Narr schüttelte seine Schellenkappe. »Schade, daß einer von uns ein Narr ist!«

Welches dieser war? Das wäre schwer zu bestimmen. Vielleicht derjenige, welcher das erste Lächeln seines Neugeborenen nicht für eine Krone hingab und die Klapper, mit welcher sein Sohn spielte, höher schätzte als das goldene Scepter, mit welchem – die in den Wickeln liegenden polnischen Könige spielten.

Szobieszky ging auf dem halben Wege seinem Weibe entgegen. Und die Polen wählten dann einen eben für sie passenden König, eine unfähige Jammergestalt, aus dem uralten »Piaszt«-Blut. Maximilian Koributh besaß weiter nichts Königliches an sich, als seinen Magen. Fünfhundert Orangen vermochte er auf einem Sitz zu vertilgen. Er wurde zum König gewählt.

Auch bei ihm verblieb Wawra in seiner Stelle als Hofnarr.

»Gevatter,« sagte er zum König, »Du müsstest heiraten.«

»Wozu?« fragte Maximilian Koributh, der König. »Ich bin nicht Herr im Hause.«

»Der römische Kaiser hat eine Schwester, Namens Eleonore. Nimm sie; die wird schon »Herr im Hause« sein!«

»Ja, das wär' schon gut.«

Die Erzherzogin Eleonore hatte zur Zeit bereits einen wackern, tapfern Bräutigam, den Herzog Karl von Lothringen; dem wurde der Verlobungsring zurückgesandt, die Herzogin auf einen Schlitten gesetzt, weil es Winter war, und nach Polen expedirt. Ueber gefrorene Flüsse, Schneefelder, Gebirge ging's, man legte zehn Meilen an einem Tag zurück und Hals über Kopf wurde sie im Kloster Czersztochau dem armen Polenkönig Maximilian Koributh angetraut.

Hiermit ward der französische Einfluss plötzlich durch den östreichischen verdrängt. Die französischen Höflinge wurden aus dem Viasdover Schloss geworfen, sie mussten den deutschen Platz machen, und statt des französischen Idioms ertönte jetzt allenthalben die deutsche Sprache.

Zu dieser Zeit entstand in Polen jenes Volkslied, dessen Refrain lautet: »Eher sieht die Welt ein Ende, als Polen und Deutsche sich reichen die Hände.«

Die polnischen Reichsstände wüteten über diese Heirat, und aus Rache gegen den König ließen sie den Feind das eigene Vaterland verwüsten. Die Generale Sultan Mahomed's überschwemmten mit riesigen Heeresmassen Polen. Der jämmerliche König rächte sich dann damit an den Ständen, daß er einen schimpflichen Frieden mit dem Sultan abschloss, nach welchem er die Hälfte seiner Länder der Pforte überließ und die übrige Hälfte zu deren Steuerzahlern machte. Nach diesem Friedensschluss sandte Mahomed an Koributh eine prächtige Elfenbeinbüchse, welche den Seidenkaftan enthielt, der den König von Polen zu seinem Vasall-Hospodaren erniedrigte.

Die Diaeta brüllte auf bei dieser Schmach. Sie wollte den Kaftan nicht annehmen und forderte Szobieszky auf, den verräterischen König vom Throne zu vertreiben.

Szobieszky wusste etwas Besseres. Er vertrieb den Feind. In der Schlacht von Khoczim vernichtete er das ganze Heer, welches Polen zu unterjochen gekommen war, und eroberte Alles zurück, was der jämmerliche König verloren hatte.

König Maximilian vermochte jedoch den Seidenkaftan auch nicht zu tragen, denn an demselben Tage, an welchem Szobieszky vierzigtausend Feinde niedermachte, tat auch er das Seinige. Die Stadt Danzig hatte ihm tausend Stück Orangen zum Geschenk gemacht und die aß er in wenigen Tagen auf. Dieser Genuss tödtete ihn. Man kann von ihm sagen, daß er auf dem Schlachtfelde gestorben sei.

Nun war die Reihe wirklich an ihn gekommen, an den mythischen Helden, von dem geschrieben steht, daß er auf Adlerschwingen gegen den Feind geflogen sei und sich auf Krötenfüßen dem Throne genähert habe. Der Thron musste ihm entgegengehen, damit sie rascher zusammenträfen.

Als der jämmerliche Koributh vom Königsstuhle geglitten war, konnte da an etwas anderes gedacht werden, als den gefeierten Helden der Nation an seine Stelle zu setzen?

O ja, es fanden sich Käufer für den vakant gewordenen Thron. Karl von Lothringen und Philipp von Baiern traten als Kandidaten auf. Unter der allgemeinen Spannung von ganz Europa trat die Volksversammlung in Warschau zusammen. Eine Volksversammlung, wie jenes Jahrhundert noch keine ähnliche gesehen.

Die Provinzen sandten so viele Abgeordnete als ihnen gefiel: wenn zwei Kandidaten um die Erwählung konkurrirten, erhoben sie keinen Streit darüber, sondern wählten Beide; wenn sich drei um diese Ehre stritten, wählten sie alle drei. So viele Abgeordnete sich jede Partei machen konnte, Alle kamen in die Volksversammlung. Und außer den Abgesandten hatte jeder Edelmann das Recht, im »Kolo« zu erscheinen. Am Wahltage waren hunderttausend edle Ritter auf dem Volafeld beisammen und hielten das Gebäude der Volksversammlung umringt, und Jeder von diesen hunderttausend Menschen hatte das Recht, die Krone zu vergeben oder abzuschlagen, hatte das Recht, dieselbe zu fordern und anzunehmen. Das »nye poz wolim« eines einzigen der tausend im Kolo versammelten Abgeordneten war genügend die empfohlene Kandidatur zu vernichten.

Um eine solche immense Schaar Wochen hindurch beisammen zu halten, zu speisen, zu tränken, benötigte ja die Kosten eines Kriegszuges. Und die Vorberatung selbst währte neunundzwanzig Tage. Und während dessen kamen fortwährend neue Schaaren an aus den fernsten Palatinaten des Polenreichs, mit ihren Starosten und prachtentfaltenden Edlen an der Spitze, begleitet von buntbewaffnetem, aus Deutschen, Walachen, Kosaken, Tataren bestehendem Dienertross. Der damaligen Mode gemäß waren selbst die Pferde bunt bemalt, das eine stellte einen Parder dar mit purpurrotem Schweif, das andere einen Tiger mit himmelblauer Mähne; die Kleidung der Ritter selbst funkelte von Edelsteinen. Wenn sie beisammen waren, bildeten sie ein Meer von kostbaren Pelzen mit eingestreuten Quasten, und die tausende, dem Windhauche überlassenen Fahnen flatterten wie ebenso viele Schiffssegel.

Am dreißigsten Tage langte der Obermarschall selbst an, Johann Szobieszky. Auch er war von Pracht gefolgt, die sich noch über die der Uebrigen erhob. Hundert Banner wurden ihm nachgetragen, die er alle dem Feinde abgenommen hatte. Zweihundert Janitscharen bildeten seine Leibwache. Kein Anderer vermochte sich einer solchen zu rühmen. Es waren dies jene Janitscharen, welche er nach heldenmütigster Gegenwehr bei Khoczim gefangen genommen und sofort begnadigt hatte, und die seit jenem Momente seine fanatischsten Anhänger wurden.

Der versammelte polnische Adel war tatsächlich in zwei Lager geteilt, beide Teile bereit, für den eigenen Kandidaten das Schwert zu ziehen. Hier bereitete sich keine Königswahl der Abstimmung nach vor, sondern ein Kampf, in welchem die Krone erst in das Blut der Vaterlandssöhne getaucht und dann auf das Haupt desjenigen gesetzt wurde, der das Schlachtfeld behauptete.

Der wütendste Lärm ertönte in der Volksversammlung selbst. Beide Parteien stritten für den eigenen Schützling, für den Fremden, den sie noch niemals gesehen. Die Begeisterung war groß! Sie hatten ja den Preis für dieselbe in Empfang genommen.

Als sich die Bischöfe, die Gesandten der Großmächte bereits heiser geschrien hatten, trat Szobieszky in den Kolo. Sein Erscheinen ließ den Lärm verstummen und er schritt geradeswegs auf die Rednertribüne zu. Wenn er wollte, beherrschte seine Stimme den Volkssturm, jetzt war sie inmitten der Ruhe auch ruhig.

Er sprach nur die Wahrheit, er stellte die beiden Kandidaten neben einander, den Lothringer und den Baier, und behauptete von Beiden, daß keiner des Thrones von Polen würdig sei. Möchten sich beide Parteien ihrer entschlagen und sich einen Dritten wählen, einen Helden, einen wirklich der Königswürde werten Mann.

Jedermann wartete mit gespannter Aufmerksamkeit, was er sagen werde. Wird er wohl den Mut haben, zu sprechen: »Ich selbst bin es, ich werde Euer König sein!«

Szobieszky überraschte Alle, er nannte den Namen.

»Dieser Mann ist der große Herzog von Condé.«

Mit diesen Worten waren beide Parteien zersprengt. In beiden zählte der Franzose viele Getreue, und hier und dort begann man dem ausgesprochenen Namen Beifall zu rufen, und für den dritten Kandidaten lösten sich die geschlossenen Reihen, verschwanden die beiden Parteien und nur ein Ruf ward hörbar: »Es lebe Condé!«

Aber Szobieszky's Gegner, die auf seinen Ruf eifersüchtigen, auf seine Größe neidischen Grafen Paz, wussten die Beratung so lange hinauszuschieben, bis der Abend heranbrach, und nach Sonnenuntergang darf kein König gewählt werden.

Eine Nacht ist jedoch eine lange Zeit; bis am Morgen erfüllten die Jesuiten der deutschen Parteien das Adelslager mit Nachreden über den Herzog Condé, daß er ein Ketzer sei, an keinen Gott glaube, daß er am Freitag Fleisch esse, daß er niemals beichte. Am Morgen war schon eine ganze Menge beisammen, die am Volafeld beim Ertönen seines Namens schrie: »nye poz wolim!«

Es blieb nichts weiter übrig, als der Kampf! Dem Schwerte die Entscheidung zu überlassen, wer Polens König werden solle.

Die Volksversammlung stand bereits auf dem Punkte, daß Jedermann das Schwert ziehe und damit dem auf dem Volafelde in Schaaren abgeteilten Adel das Signal zum Zusammenstoß gebe, als sich der Bischof von Krakau von seinem Platze erhob und den in einer Reihe sitzenden Obergeistlichen ein Zeichen gab, worauf diese plötzlich den Gesang anstimmten: »Veni Sancte Spirite!«

Beim Ertönen des heiligen Psalms verstummte wie auf Zauberschlag der wüste Lärm. Der ehrwürdige Prälatenchor rief den himmlischen heiligen Geist an, die Menschen sanken auf die Kniee. Und der Angerufene stieg hernieder! Als nach dem Psalm Ruhe eintrat, erhob sich der Palatin von Klein-Rußland, Stanislaus Jablonowszky, von seinem Platze und sprach: »Versöhnen wir uns, Ihr Polen! Streiten wir nicht wegen dem Deutschen und dem Franzosen, wählen wir einen Polen zum König!«

In diesem Momente zerriss oder wurde durchgeschnitten eine dünne Seidenschnur, welche die als Siegeszeichen mitgebrachten, in den Kriegen gegen die Türken, Tataren, Kosaken und Schweden eroberten Fahnen hinter dem Präsidentenstuhl zusammenhielt, und darauf flatterten alle die hundert Banner auf einmal nach vorne und umhüllten wie ein Glorienschein den auf dem Präsidentenstuhl sitzenden Szobieszky.

Alle diese Fahnen hatte Szobieszky erobert. Das wusste ja Jedermann!

Ein einziger Ruf erfüllte den Kolo: »Es lebe Johann Szobieszky! Es lebe der König!«

Max Fredro sprang auf den Balkon und rief diesen Namen der hunderttausendköpfigen Menge hinaus. Und dann ertönte nichts weiter als Szobieszky's Name. Diejenigen, welche Karl's oder Philipp's Anhänger gewesen, rissen die Kokarden ihrer Kandidaten von den Mutzen und dachten nicht weiter an Kampf und Streit. In diesem Namen fanden sie den Talisman, der sie aussöhnte. Von Schaar zu Schaar pflanzt sich der Heilruf und die gegnerischen Anführer, die Grafen Paz, sehen, daß ihre Getreuen die lothringischen Fahnen verlassen und sich zu dem Kolo drängen, um mit ihren Stimmen den übrigen zuvorzukommen. Alle Fahnen neigen sich vor ihm. Berauscht vor Freude stimmt das Volk in das Jubelgeschrei ein, die ganze Stadt widerhallt von dem Getöse, Szobieszky ist zum König ausgerufen. Da ertönt die Abendglocke. Die Diaeta darf nicht fortgesetzt werden. Auch der zweite Tag der Königswahl bleibt resultatlos. Nach dem Abendläuten ist die Abstimmung verboten. Und wieder senkt sich eine aufgeregte Nacht auf Warschau. Aber kein Schlaf breitet sich über die Stadt. Berittene Schaaren sprengen die Straßen entlang, Kutschen donnern daher, von Fackelträgern geleitet, sämmtliche Paläste sind beleuchtet. Die Parteien der Königskandidaten, die Feinde der Familie Szobieszky versuchen Alles, um die Wahl des nächsten Morgens zu vereiteln. Hierzu genügt ja ein einziges »nye poz wolim!«

Es genügt; aber inmitten der Volksversammlung muss es ertönen!

Und das versammelte Volk? Ein Löwe, in dessen Rachen der Widerspenstige seinen Kopf stecken muss. Und der beißt ihn wirklich ab. Alle Treppen, Eingänge, Fenster des Kolo's sind von den guten Vaterlandssöhnen besetzt, die ihre Leute kennen und denjenigen, von welchem sie wissen, daß er Szobieszky's Gegner ist, nicht in den Beratungssaal lassen.

Keine Macht auf Erden darf den polnischen Edelmann in seiner Stimmabgabe verhindern, aber seinen Kopf vor der Abstimmung entzwei zu spalten, steht seinem nächsten Nachbar frei. Im Kolo konnten sich nur diejenigen versammeln, welche Szobieszky's Wahl wünschten. Die Grafen Paz, die lithauischen Hetmans mussten draußen bleiben.

Michael Paz, den man von der Eingangstüre hinweg gestoßen hatte, riss seine Pistolen hervor und schoss in das Beratungszimmer, derart seinen Einspruch erhebend. Seine Kugeln pfiffen an den Ohren des Präsidenten vorbei. Im Saale selbst kümmerte man sich aber wenig um die Flüche und Kugeln des Ausgeschlossenen, sondern fuhr in der Beratung fort. Keine Stimme des Widerspruches war in den Saal gelangt.

Wenn aber doch!

Wir erinnern uns vielleicht noch jener traurigen Gestalt, welche unter Johann Kasimir mit einem »nye poz wolim!« die Volksversammlung auflöste und seitdem in seiner verlassenen Einsamkeit allein und aus jeder menschlichen Gesellschaft verbannt lebte. Das letzte Geschöpf hatte ihn bereits verlassen; die vertriebene Frau, welche er rächen wollte. Diese hatte bereits denen verziehen, die sich gegen sie vergangen, und war zurückgekehrt, um die Füße ihres betrogenen Gatten zu küssen, aber die Rache war geblieben, ihm, dem Verfluchten. Niemand erinnerte sich mehr seines Antlitzes, furchtlos konnte er nach Warschau kommen. Niemand sah in seinem Herzen, was er wohl darin verborgen haben mochte.

Dieser Mensch, Sziczinszky, entschloss sich, die Volksversammlung zu stören und ganz allein Szobieszky's Erwählung zu vereiteln. Es war ein sonderbar ausgeklügelter Plan. – Hinter der Präsidentenbühne des Kolo's stand ein ungeheuer großer Ofen, welcher, wenn die Volksversammlung im Winter zusammentrat, geheizt wurde. Des Nachts kletterte Sziczinszky auf das Dach des Kolo, ließ sich durch den Rauchfang in den großen Ofen hinabgleiten und wartete bis der Präsident die Frage stellte:

»Wollt ihr Szobieszky zu Eurem König?«

Beim zweiten Aufruf hob Sziczinszky die Ofenplatte in die Höhe, und seinen Kopf heraussteckend, schrie er mit scharfer kreischender Stimme in den Saal:

»Nye poz ...!«

Das dritte Wort vermochte er aber nur in der andern Welt auszusprechen, denn am Ofengesims aufgerichtet, stand Matthäus Matheiszky, und dieser hieb mit einem Schwertschlag den herausgesteckten Kopf des Widersprechers mit solcher Kraft ab, daß derselbe zu den Füßen des Präsidenten rollte.

Ueber den zu seinen Füßen liegenden Kopf kehrte der Präsident zu der Tagesordnung zurück.

Zum dritten Male fragte er:

»Wollt Ihr Johann Szobieszky zu Eurem König haben?«

Die ganze Volksversammlung brach in den Ruf aus:

»Wir wollen ihn!«

Als sich aber der Lärm gelegt hatte, rief eine starke entschlossene Stimme:

»Nye poz wolim! Ich will es nicht!«

Der dies gesagt hatte, war Johann Szobieszky selbst.

Jedermann blickte ihn staunend an, während er, sich von seinem Platze erhebend, sprach: »Ich will nicht, daß im Lande Jemand zum Könige gewählt werde, so lange unsere Gesetze verletzt sind, so lange ein Edelmann verhindert ist, in dieser Versammlung zu erscheinen, so lange der kleinste Makel an der Freiheit dieser Nation haftet. Ich will es nicht!«

Bei diesen mannhaften Worten traten die, die Eingänge verstellenden Massen hinweg, und herein traten in den Kolo die beiden Grafen Paz, die Urfeinde der Familie Szobieszky, die erbitterten Neider, Nebenbuhler des Helden, die Mietlinge Leonore's, die Parteianführer des Herzogs von Lothringen.

Sie traten vor Szobieszky hin.

Michael Paz sprach: »Du hast Dich heute besiegt und damit hast Du uns besiegt. Du hast die Krone zurückgewiesen und damit hast Du Dich zum König gemacht. Du hast Dich unseren Gesetzen unterworfen und damit hast Du Dich auf unsere Schultern gehoben. Du sprachst die Worte: »Nye poz wolim« aus und machtest es damit Anderen unmöglich, sie auszusprechen. Du als Kandidat hast keine Stimme, Du bist jetzt unser König geworden!«

Und das von hunderttausend Lippen losbrechende Jubelgeschrei verkündete, daß Polen einen König habe, den Jedermann liebte, Johann den Dritten.

Szobieszky forderte noch die Einzelabstimmung. Auch die wurde schaarenweise eingeholt. Und unter hunderttausend Stimmen war kein einziges »Nye poz wolim!«

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