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Ehestandsgeschichten

August Strindberg: Ehestandsgeschichten - Kapitel 10
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authorAugust Strindberg
titleEhestandsgeschichten
publisherGeorg H. Wigand's Verlag
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Natürliche Hindernisse

Ihr Vater hatte sie doppelte Buchführung lernen lassen, damit ihr das traurige Los erspart bliebe, dazusitzen und auf einen Mann zu warten.

Sie hatte auch eine Stelle als Buchhalterin bei der Eisenbahngepäckverwaltung bekommen, und galt für eine gute Arbeitskraft. Sie konnte mit den Kerlen umgehen, dass es eine Lust war, und sie hatte eine Zukunft vor sich.

Da kam der grüne Jäger aus dem Forstinstitut und die beiden wurden ein Paar. Aber Kinder sollten und durften nicht kommen. Sie wollten eine geistige Ehe führen und die Welt sollte sehen, dass das Weib auch ein seelisches Wesen ist, nicht nur »Weibchen«.

Die beiden Gatten trafen sich mittags und nachts, und wenn es eine Vereinigung der Seelen war, so war es jedenfalls auch eine der Körper, aber davon wurde nicht gesprochen.

Eines Tages kam die junge Frau nach Hause und berichtete, die Dienststunden seien geändert, Ein neuer Reichstag von Malmö sei eingelegt worden, und sie hatte jetzt von 6 bis 9 Uhr abends Dienst. Das gab einen Strich durch die Rechnung, denn er konnte nicht vor 6 Uhr nach Hause kommen, unmöglich!

Nun assen sie ihr Mittag einsam, und waren nur bei Nacht bei einander. Und diese langen Abende.

Um neun kam er und holte sie vom Bureau ab, aber er fand es nicht sehr angenehm, auf einem Stuhl im Gepäckraum zu sitzen und von allen gestossen und geknufft zu werden. Er war immer im Wege. Und wenn er plaudern wollte, mit ihr, die da mit der Feder hinter dem Ohre sass, dann bekam er gewöhnlich zu hören: »Sei so gut und störe mich jetzt nicht.«

Und dann drehten die Gepäckträger sich um, und er konnte an ihren Rücken sehen, dass sie grinsten.

Oft wurde er auch mit den Worten angemeldet:

»Frau Holm ihr Mann is da!«

Frau Holm ihr Mann, wie verächtlich das klang! Aber was ihn am meisten ärgerte, war, dass ihr Kollege, mit dem sie an einem Pulte sass, ein junger Laffe war, der ihr immer so angelegentlich in die Augen schaute, und sich mit Vorliebe, um einen Blick ins Hauptbuch zu thun, über ihre Achsel beugte, so dass sein Kinn fast ihre Brust berührte!

Und dann sprachen sie von Faktura und Certifikat und lauter Sachen, von denen er keine Ahnung hatte; und sie kollationierten zusammen und schienen sehr viel vertrauter mit einander zu sein und einer des andern Gedanken viel besser zu kennen, als es zwischen ihm und seiner Frau der Fall war. Und das war ganz natürlich, denn sie war ja mit dem jungen Laffen viel mehr zusammen, als mit ihrem Manne. Und wenn der Mann von Waldwechsel zu sprechen anfing, dann antwortete sie Gepäckspedition, denn wes der Kopf voll ist, des geht der Mund über. Er begann einzusehen, dass ihre Ehe doch wohl eigentlich keine rechte »geistige« Ehe war, denn wenn sie das sein sollte, hätte er bei der Gepäckexpedition sein müssen, und nun war er doch einmal an der Forstakademie.

Eines Tages, oder richtiger in einer Nacht verkündete ihm seine Frau, dass sie nächsten Sonntag mit ihren Kollegen von der Eisenbahn einen kleinen Ausflug machen würde; zum Schluss sollte ein kleines Abendessen stattfinden.

Ihr Mann nahm diese Nachricht mit einiger Verlegenheit auf.

»Willst Du wirklich mit?« war er so naiv zu fragen.

»Wie Du fragst! Natürlich!«

»Ja, aber Du als einziges weibliches Wesen unter so viel Männern, – und wenn die Männer dann getrunken haben, werden sie so, – so zudringlich.«

»Na, gehst Du nicht zu Deinen Lehrerversammlungen ohne mich?«

»Ja, aber doch nicht als einziger Mann unter lauter Weiber.«

»Männer und Frauen sind gleich, denke ich? Es wundert mich wirklich sehr, dass Du, der Du immer für die Befreiung der Frauen bist, etwas dagegen haben kannst, dass ich dieses kleine Fest mitmache.«

Er musste zugeben, dass es sich bei ihm um alte Vorurteile handelte, er gab auch zu, dass sie recht hatte, und er unrecht, – aber er bat sie, zu Hause zu bleiben, ihm wäre der Gedanke so unangenehm! Davon könnte er sich nicht frei machen!

Das sei inkonsequent von ihm, meinte sie.

Ja, es war inkonsequent von ihm, aber sie wüsste ja selbst, es gehörten zehn Generationen dazu, alte Vorurteile zu überwinden.

Gut, aber dann sollte er auch nicht mehr in seine Lehrerversammlungen gehen!

Das wäre ja doch aber etwas ganz anderes, denn dort befände er sich doch unter lauter Männern! Es war ja nicht, dass sie ohne ihn ausging, sondern dass sie ohne ihn in Herrengesellschaft gehen wollte.

Aber sie wäre ja nicht allein, die Frau vom Kassierer sollte ja mit von der Partie sein in ihrer Eigenschaft als –

Als was?

Nun, als Frau des Kassierers.

Und konnte er nicht auch mit, in seiner Eigenschaft als »Frau Holms Mann«?

Ach er würde sich doch nicht so erniedrigen wollen und sich aufdrängen!

Ja, er wollte sich erniedrigen, wenn es sein musste.

Er war wohl gar eifersüchtig?

Ja, weshalb nicht? Er fürchtete, es könnte etwas zwischen sie treten.

Pfui, also wirklich eifersüchtig! Nein, diese Kränkung, dieser Schimpf, dieses Misstrauen! Was dachte er denn eigentlich von ihr?

Das Allerbeste, – das wollte er ihr beweisen, indem er sie gehen liess, allein, ohne ihn.

So, so, also erlaubte er es ihr wirklich! Nein, wie gnädig!

Und sie ging und kam gegen Morgen nach Hause. Sie musste ihren Mann wecken und ihm erzählen, wie hübsch es gewesen sei. Sie hatten Reden auf sie gehalten, und dann Quartette gesungen und getanzt.

»Und wie bist Du denn nach Hause gekommen?«

»Herr Glop hat mich bis vor die Hausthür begleitet.«

»So? Das ist ja recht angenehm für mich, wenn einer meiner Bekannten meine Frau nachts um drei mit einem fremden Manne auf der Strasse gesehen hat.«

»Was thut denn das? Habe ich denn einen schlechten Ruf?«

»Nein, Du kannst ihn aber bekommen.«

»Pah! Du bist eifersüchtig, – und was noch schlimmer ist, Du bist neidisch! Du gönnst mir keine kleine Freude. Ja, ja, so ist es, wenn man verheiratet ist! Wenn man einmal aus war und sich ein bisschen amüsiert hat, dann kommt man nach Hause und wird ausgezankt. Pfui, was für ein hässliches Ding ist es, verheiratet zu sein, – und noch dazu so wie wir! Nur in den Nächten sind wir zusammen, gerade so, wie alle andern auch! Und die Männer sind ja alle egal! Bis zur Verheiratung sehr artig und aufmerksam, aber dann, – dann! Du bist gerade so wie die andern, Du glaubst, ich gehörte Dir, und Du könntest mit mir machen, was Du willst!«

»Ich glaube, es hat, einmal eine Zeit gegeben, wo jeder von uns sich freute, dem andern anzugehören, – aber ich irre mich vielleicht. Jetzt bist Du es jedenfalls, die mich besitzt, wie man einen Hund besitzt, dessen man stets sicher ist. Bin ich etwas anderes als Dein Bedienter, wenn ich abends komme, Dich abzuholen? Bin ich für irgend jemand etwas anderes als ›Frau Holms Mann‹? Ist das etwa Gleichheit?«

»Ich bin nicht gekommen, um mich mit Dir zu zanken! Ich will immer Deine kleine Frau sein, und Du bist mein gutes Männchen!«

Der Champagner wirkt, – dachte er und drehte sich nach der Wand.

Sie weinte und bat ihn, nicht ungerecht zu sein und – – ihr zu verzeihen.

Er wickelte sich in die Decke.

Sie bat noch einmal, ob er ihr nicht verzeihen wollte.

Ja, gewiss wollte er das! Aber er hatte einen so schrecklichen einsamen Abend gehabt, wie er ihn nicht wieder erleben wollte.

»Das wollen wir jetzt alles vergessen, nicht wahr?«

Und so vergassen sie es, und sie war wieder seine kleine Frau. – – –

Am folgenden Abend, als der Forstmann in das Kontor kam, um seine Frau abzuholen, war sie nicht da; sie hatte im Magazin zu thun. Er setzte sich auf ihren Stuhl und wartete. Eine Glasthür that sich auf und Herr Glop steckte den Kopf durch die Spalte.

»Annchen, bist Du da?«

Nein, es war nur ihr Mann.

Er stand auf und ging seiner Wege. Herr Glop nannte seine Anna Annchen und Du, – Annchen! Das war zu viel!

Bei ihrer Nachhausekunft gab es eine grosse Scene, in der der junge Forstmann gründlich von der Haltlosigkeit und Albernheit seiner Frauenbefreiungs-Theorien überzeugt wurde, da er etwas darin fand, dass seine Frau sich mit ihren Kollegen duzte.

Das schlimmste war, dass er zugeben musste, seine Theorien seien haltlos.

»So? Du bist also anderer Ansicht geworden? Was?«

»Ja wohl! Die Ansichten ändern sich je nach der Wirklichkeit, die so veränderlich ist! Aber, das muss ich Dir sagen: habe ich früher an eine »geistige Ehe« geglaubt, so glaube ich jetzt überhaupt an keine Ehe mehr. Das ist ja doch ein Fortschritt in radikaler Richtung, nicht wahr? Und was das Geistige betrifft, so bist Du entschieden mehr mit Herrn Glop verheiratet, als mit mir, denn mit ihm teilst Du ja alle die Ideen von Warenverkehr etc., für meine Forstangelegenheiten hast Du nicht das geringste Interesse und Verständnis. Also sage selbst, ist unsere Ehe überhaupt geistig zu nennen?«

»Nein, jetzt nicht mehr, denn unsere Liebe ist gestorben, – Du hast sie getötet, Du selbst, indem Du den Glauben an unsere grosse Sache, die Befreiung des Weibes, verloren hast.

Die Unterhaltung wurde immer giftiger, und man kam immer weniger zu einem Resultat.

»Du verstehst mich nicht,« sagte sie oft zu ihm.

»Nein, ich habe das nicht gelernt,« entgegnete er.

Eines Morgens teilte er ihr mit, dass er mit einer Mädchenpension, in der er unterrichtete, einen botanischen Ausflug machen würde.

So! Davon hatte er ja nichts gesagt! Grosse Mädchen?

Kolossale! Sechzehn bis zwanzig Jahr.

Hm, – am Vormittag?

Nein, am Nachmittag; abends wollten sie gemeinsam essen.

Hm – die Lehrerin war doch wohl mit?

Nein; die Schulvorsteherin hatte so viel Vertrauen zu ihm, da er verheiratet war. Siehst Du, manchmal ist es ganz vorteilhaft, verheiratet zu sein.

Am nächsten Tage war seine Frau krank und lag zu Bett. Sollte er das Herz haben, von ihr zu gehen?

Der Dienst ging vor, – ob sie denn so sehr krank sei?

Ach schrecklich!

Es wurde zum Doktor geschickt, trotz ihres Protestierens. Der erklärte die Sache für ungefährlich und meinte, der Mann könne ruhig gehen.

Und er ging und kam gegen Morgen heim. Hei, wie vergnügt er war; und wie gut er es gehabt hatte! Donnerwetter noch 'mal, so wohl hatte er sich lange nicht gefühlt.

Nun brach es los: Huhuhuhu! Dieser Kampf war ihm zu schwer! Und er musste ihr einen heiligen Eid schwören, dass er nie eine andere lieben würde! Nie!

Es gab Krämpfe und Weinessig.

Er war zu edelmütig, um auf nähere Details über das Fest einzugehen, aber er konnte es sich nicht versagen, noch einmal auf seinen Vergleich mit dem Hunde zurückzukommen, und er erlaubte sich, hinzuzufügen, dass zur Liebe der Begriff des Besitzerrechtes gehöre, auch von Seiten der Frau. Weshalb weinte sie? Was brachte sie zu Thränen? Dasselbe, was ihn zum Schelten gebracht hatte, damals, als sie mit den zwanzig Männern einen Nachmittag verlebt hatte: die Furcht, ihn zu verlieren! Aber man kann doch nur verlieren, was man besitzt!

Und so wurde die Sache wieder zusammengeflickt, so gut es ging; aber Gepäckexpedition und Mädchenpension standen mit ihren Scheren da und schnitten jeden frischen Trieb ab, und ihre Ehe war nicht harmonisch zu nennen.

Da wurde die junge Frau krank!

Gewiss hatte sie sich mit einem der Packete im Magazin verhoben; sie war so eifrig und konnte es gar nicht mit ansehen, wie langsam das alles ging. Sie musste immer gleich zugreifen. Sie liess sich untersuchen: man fühlte etwas hartes, meinte die Hebamme.

Und so war denn die Geschichte fertig! Sie war entsetzlich böse! Böse auf ihren Mann, – denn es war doch bestimmt nur Schlechtigkeit von ihm! Wie sollte es denn nun mit ihrer Zukunft werden! Sie müssten das Kind in ein Findelhaus geben, das hatte Rousseau auch gethan. Im übrigen war er ein Dummkopf aber in diesem Punkte hatte er recht.

Alle diese Grillen und Launen! Ihr Mann musste den Unterricht in dem Mädchenpensionat aufgeben, aber sofort l

Aber das Allerschlimmste: sie konnte nicht mehr in das Magazin gehen, musste im Kontor sitzen und schreiben. Sie bekam einen Gehilfen zugewiesen, dessen heimliche Aufgabe es war, sie zu vertreten, wenn sie liegen musste.

Die Kollegen waren auch nicht mehr wie früher, die Gepäckträger grinsten,– ach sie hätte sich vor Scham in die Erde verkriechen mögen. Lieber sich im Hause begraben und Essen kochen, als hier zum Spektakel herumzulaufen. O diese Abgründe von Vorurteilen, die sich in den falschen Herzen der Männer verbergen.

Im letzten Monat nahm sie Urlaub. Sie war nicht mehr imstande, den Weg von ihrer Wohnung zum Kontor viermal am Tage zurückzulegen. Sie bekam jetzt oft ganz plötzlich gewaltigen Heisshunger, und musste sich Butterbrote holen lassen, und dazwischen wurde ihr wieder übel und sie musste sich zurückziehen. Was für ein Leben? Was hatten doch die Frauen für ein klägliches Los.

Endlich kam der Kleine an.

»Sollen wir ihn ins Findelhaus schicken?« fragte der Vater.

»Würdest Du wirklich das Herz dazu haben?«

Und er blieb zu Hause.

Es dauerte nicht lange, so erhielt die junge Mutter einen sehr höflichen Brief von der Eisenbahnverwaltung mit der Anfrage, wann sie ihren Dienst wieder würde antreten können.

Übermorgen wollte sie wieder auf dem Posten sein, sie war noch etwas schwach und musste hinfahren, aber sie wurde bald wieder ganz kräftig. Zweimal am Tage musste sie einen Boten nach Hause schicken, und fragen lassen, wie es dem Kleinen ginge. Und wenn sie erfuhr, dass er schrie, wurde sie ganz wild und lief nach Hause: Die Gehilfin war ja immer noch da, um sie nötigenfalls zu ersetzen, und die Eisenbahnverwaltung war sehr artig und sagte nichts.

Eines Tages entdeckte die junge Mutter, dass es der Amme an Nahrung fehlte, dass sie es aber verheimlicht hatte, um ihre Stelle nicht zu verlieren. Nun hiess es also, Urlaub nehmen und eine neue Amme suchen. Ach, sie waren ja alle egal, eine wie die andere! Keine Spur von Interesse für die Kinder anderer Leute, nur die nackte Selbstsucht! Man konnte sich nie auf sie verlassen!

»Nein,« sagte der Mann, »in diesem Falle kann man sich nur auf sich selbst verlassen.«

»Du meinst damit, ich solle meine Stelle aufgeben?«

»Ich meine, Du sollst thuen, was Dir beliebt.«

»Und Deine Sklavin werden?«

»Nein, nein, das meine ich durchaus nicht.« –

Der Kleine wurde krank, wie es bei allen Kindern einmal vorkommt, er bekam Zähne. Urlaub über Urlaub. Es stellten sich sogenannte Zahnkrämpfe ein; – schlaflose Nächte, bei Tage Arbeit und unruhiges, mattes, schläfriges Wesen. Neuer Urlaub. Herr Holm war ein gutherziger Mann; er trug den Kleinen bei Nacht umher, und sagte seiner Frau kein Wort.

Aber sie erriet seine Gedanken. Er wartete nur darauf, dass sie zu Hause bleiben sollte; aber er war falsch, deshalb schwieg er. O, wie falsch alle Männer waren! Sie hasste ihn, und sie wollte lieber ins Wasser gehen, als ihre Stelle aufgeben und seine Sklavin werden!

Als der Kleine fünf Monate alt war, befand sich die Frau wieder in andern Umständen. Herr Gott im Himmel gab das einen Aufstand!

»Ja, siehst Du, mein Kind, wenn das erst einmal angefangen hat, dann ist der Teufel los!«

Der glückliche Ehemann musste seine Lehrerstelle in der Mädchenpension wieder aufnehmen, – des Geldes wegen; und sie? – Jetzt endlich streckte sie die Waffen.

»Ich bin Deine Sklavin,« schluchzte sie, als sie mit der Entlassung nach Hause kam, »ich bin Deine Sklavin!«

Nichtsdestoweniger führt sie von nun an das Regiment im Hause, und der Mann liefert ihr seine Einnahmen bis auf den letzten Pfennig ab. Wenn er ein paar Cigarren haben will, hält er eine längere Rede, ehe er mit seinem Anliegen herausrückt. Sie schlägt ihm nie etwas ab, – immerhin aber findet er es etwas unbequem, so um Geld zu bitten. In das Lehrerkollegium darf er jetzt gehen, aber mit botanischen Mädchenschul-Ausflügen ist es nun zu Ende.

Er vermisst es auch eigentlich nicht, er bleibt am liebsten zu Hause und spielt mit den Kindern.

Seine Kameraden meinen, er stände unter dem Pantoffel, aber er lacht darüber, und denkt, er befände sich am besten dabei, denn er hätte so ein verständiges, nettes Frauchen.

Sie aber bleibt dabei, sie wäre doch seine Sklavin, und dieser Märtyrerberuf ist ihr einziger Trost in der Bekümmernis.

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