Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Unbekannte Autoren >

Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung

Unbekannte Autoren: Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung - Kapitel 7
Quellenangabe
typeletter
titleDunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung
authorUnbekannte Verfasser
editorKarl Riha
publisherInsel Verlag
year1991
senderErich Adler
correctorreuters@abc.de
created20040402
modified20170329
Schließen

Navigation:

V. Bruder Johannes von Werdau an Magister Ortuin Gratius.

Demütiges und frommes Gebet, nebst zahlreichen Grüßen! Ehrwürdiger Mann, Ihr schreibet mir, daß Ihr gehört hättet, Eure Sache stehe schlecht, und Johannes Reuchlin habe eine apostolische Inhibition erlangt, ferner schreibet Ihr mir, daß Ihr sehr in Besorgnis wäret, er möchte den Sieg über die Theologen und unsern hochheiligen Orden davontragen und sodann der Kirche Gottes Ärgernis erwachsen. O Kleingläubiger, wollt Ihr Euch so schrecken lassen, daß Ihr allbereits am verzweifeln seid? Ihr seid doch in früherer Zeit, als ich mit Euch in Deventer zusammen war, nicht so furchtsam gewesen, sondern habt stets großen Mut gezeigt. Ich weiß ja noch wohl, wie Ihr einmal jene zwei junge Bursche, die mit langen Schwertern zu Euch kamen, durchprügeltet, während Ihr ohne Waffe und Wehr waret. Und doch prügeltet Ihr sie mit Gottes Hilfe so tüchtig und wirksam durch, daß einer von ihnen sich aus Angst durch und durch näßte. Das sahen viele Leute und sagten: »Bei Gott, dieser Ortuin hat viele Kourage«. Ihr müßt wissen, daß es hier am römischen Hofe nicht ist, wie Ihr meinet, sondern auf der einen Seite gewinnt einer, auf der andern verliert er. Es kann vorkommen, daß einer zwei oder drei Aussprüche für sich hat, und den Prozeß doch noch verlieren kann. Aber Ihr könnt sagen: »Der Papst hat erlaubt, daß der »Augenspiegel« verkauft, gelesen und gedruckt werde«. Was ist es dann auch? Wenn er es erlaubt hat, kann er es deshalb nicht verbieten? Das folgt nicht. Der heilige Vater hat die Macht, zu binden und zu lösen, und niemand darf ihn zurechtweisen; denn er hat die unbeschränkte Macht, hier und überall, wie Ihr aus dem Evangelio wißt, da Ihr ja in der heiligen Schrift ganz wunderbar gut bewandert seid. Allein ich will das kanonische Recht anführen. Erstens: der Papst besitzt die Herrschaft über den ganzen Erdkreis, Quaest. 9 Cap – 4 »Cuncta per mundurn etc.« Auch kann er den Kaiser allein absetzen, ohne ein Konzil, wie die Glosse besagt in dem Kapitel: »Adapostolicae, de sententia ei rejudicata«. Auch gehört hierher »Quaest. 6 Cap. ioo De cetero«. Auch steht der Papst nicht unter dem Gesetz, sondern er ist das lebendige Gesetz auf Erden, wie es in der Glosse über Cap. i i »De officio ludic. delegati« heißt. Und wenn der Papst das Gesetz ist, so kann er tun, was er will, und braucht auf niemand Rücksicht zu nehmen. Und wenngleich er einmal »ja« gesagt hat, so kann er doch nachher »nein« sagen. Auch müßt Ihr gutes Vertrauen haben, denn ich habe kürzlich hier von einem Beisitzer der Rota gehört, der ein angesehener Mann ist und auch viele Erfahrung hat, es sei nicht möglich, daß der Papst einen Ausspruch gegen Euch tun könne, weil Ihr die beste Sache habt, denn es ist die Sache des Glaubens. Daher seid tapfer im Kampfe, denn, sei es auch, daß jene Schwärmer Euch von dieser Inhibition schwatzen, so dürft Ihr nichts darauf geben, weil es keine Wirkung hat. Allein ich hoffe, Euch allernächstens gute Neuigkeiten schreiben zu können, denn unser Magister Jakob van Hoogstraten ist äußerst tätig. Unlängst hat er eine Mahlzeit gegeben, viele alte und wohlerfahrene Personen vom Hofe und auch einen apostolischen Scriptor, der beim heilgen Vater gern gesehen ist, sowie einige Beisitzer der Rota eingeladen. Er ließ ihnen Rebhühner, Fasanen, Hasen, frische Fische, den besten korsischen und griechischen Wein auftischen, sodaß alle sagten, er habe sie mit der größten Achtung traktiert, und auch sagten: »Bei Gott, das ist ein Theolog von Ansehen; auf seine Seite wollen wir treten!« Und so hat er denn gute Hoffnung. Doch, ich muß schließen, denn der Bote will nicht warten. Lebet wohl und grüßet mir alle unsere Magister und auch den Johannes Pfefferkorn.

Gegeben zu Rom.

 << Kapitel 6  Kapitel 8 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.