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Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung

Unbekannte Autoren: Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung - Kapitel 6
Quellenangabe
typeletter
titleDunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung
authorUnbekannte Verfasser
editorKarl Riha
publisherInsel Verlag
year1991
senderErich Adler
correctorreuters@abc.de
created20040402
modified20170329
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IV. Magister Johannes Huter entbietet seinen Gruß dem Magister Ortuin Gratius.

Da im Evangelio geschrieben steht: »Mit welcherlei Maß Ihr messet, mit demselben wird auch Euch gemessen werden,« so dürfte auch ich Euch nicht schreiben, wie auch Ihr mir nicht schreibet. Und doch weiß ich, von welch' großem Interesse es für Euch ist, daß ich Euch Neuigkeiten aus der Stadt Rom berichte, nämlich, wie es mit der Sache unseres Magisters Jakob van Hoogstraten steht, dieses ohne allen Zweifel so glaubenseifrigen Mannes, der den katholischen Glauben gegen jene Juristen und weltlichen Poeten verteidigt, welche Gott nicht vor Augen haben, Köln und Paris, welche den »Augenspiegel« des Johannes Reuchlin dem Feuer übergeben haben. Ich sollte es aber machen, wie Ihr es mir macht, und Euch keinen Tropfen schreiben; dennoch will ich das nicht tun, und noch einmal Nachsicht mit Euch haben; jedoch unter der Bedingung, daß Ihr mir unverweilt schreibet. Auch müßt Ihr wissen, auf was für Art, und Weise jene Juristen und Widersacher mit Hilfe des Teufels, welcher der Feind des christlichen Glaubens ist, durch ihr einschmeichelndes Wesen, Wesen, wie man ohne allen Rückhalt glaubt, sich viele Gönner erworben haben, und namentlich Personen bei Hofe in höheren Stellungen, die kein gutes Gewissen haben und unserem obengenannten Magister großes Unrecht tun, indem sie ihn wie einen Neuling quälen und ihn selbst einen Ketzer und die Theologen in Köln Hanswurste nennen. Heiliger Gott! was sollen wir sagen? Es ist ein großes Wunder, daß die heilige Theologie so an den Pranger gestellt und für ein Possenspiel gehalten, und die Theologen, welche die Apostel Gottes sind, verachtet werden müssen, als wären sie Narren. Glaubet mir fest, der katholische Glaube wird noch großes Unheil davon haben, und ich fürchte, daß eine Verwirrung in der Kirche Gottes eintreten wird. Auch heißt es, der Papst stehe auf Seiten des Johannes Reuchlin, weil er auch selbst ein Poet ist und den Juristen wohl will. Aber dennoch hoffe ich, daß Se. Heiligkeit durch die Gnade des heiligen Geistes werde erleuchtet werden und keinen schlimmen Ausspruch tun werde: das wolle Gott der Herr, welcher regieret auf Erden und im Himmel, und seine Mutter, die Jungfrau Maria, die uns von jener Poeterei befreien wolle!

Gegeben zu Rom.

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