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Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung

Unbekannte Autoren: Dunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung - Kapitel 46
Quellenangabe
typeletter
titleDunkelmännerbriefe. Zweite Abteilung
authorUnbekannte Verfasser
editorKarl Riha
publisherInsel Verlag
year1991
senderErich Adler
correctorreuters@abc.de
created20040402
modified20170329
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XLIV. Peter von Worms grüßt vielmal den Magister Ortuin Gratius.

Vortrefflicher Mann! Sintemal Ihr mir tatsächlich so geneigt seid und so viele Gunst erweiset, will auch ich für Euch tun, was in meinen Kräften steht. Nun habt Ihr aber zu mir gesagt: »O Peter, wann Ihr nach Rom kommet, so sehet nach, ob es neue Bücher gibt, und schicket mir etwelche«. Hier habt Ihr denn ein neues Buch, welches hier gedruckt worden ist. Und weil Ihr ein Poet seid, so glaube ich, daß Ihr Euch dadurch sehr vervollkommnen könnt. Ich habe nämlich hier in der Gerichtssitzung von einem Notar, welcher in dieser Kunst sehr tüchtig sein soll, gehört, dieses Buch sei die Quelle der Poetik, und sein Verfasser, welcher Homer heißt, der Vater aller Poeten; auch sagte er, es gebe noch einen andern Homer im Griechischen. Hierauf entgegnete ich: »Was geht mich der griechische an? Dieser lateinische ist besser, denn ich will ihn nach Deutschland dem Magister Ortuin schicken, der sich um jene griechischen Hirngespinste nicht kümmert«. Auch frug ich ihn: »Was ist der Inhalt dieses Buches?« Er antwortete, es handle von gewissen Männern, Griechen genannt, welche mit anderen Männern, genannt Trojaner, die ich auch schon früher habe nennen hören, Krieg geführt hätten. Und jene Trojaner hätten eine große Stadt gehabt, und jene Griechen sich vor die Stadt gelegt und seien wohl zehn Jahre davor gelegen; dann hätten die Trojaner verschiedene Male Ausfälle gegen sie gemacht, sich tüchtig mit ihnen herumgeschlagen, und einander auf entsetzliche Weise niedergemacht, sodaß das ganze Feld voll Blut gewesen sei; auch sei ein dort befindliches Wasser von Blut gefärbt und ganz rot geworden, sodaß es wie ein Blutstrom dahinfloß. Das Geschrei habe man im Himmel gehört, und einer habe einen Stein fortgeschleudert. den zwölf Männer nicht aufheben konnten, und ein Pferd habe angefangen zu sprechen und habe wahrgesagt. Allein ich glaube derlei Dinge nicht, weil sie mir unmöglich scheinen, und doch vermute ich, daß dieses Buch in hohem Grade glaubwürdig ist. Ich bitte Euch, schreibet mir hierüber, und laßt mich wissen, was Ihr davon haltet. Und somit lebet wohl!

Gegeben zu Rom.

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